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mit Anterhaktungs -Aeikage „AKustrirte Somüags-Zeiümg"

JuLöa, Donnerstag, den 25. Oktober 1900.

Jß 246.

27. Jahrgang.

0 Skandalös, wenn es wahr ist

Ein Leipziger Sozialdemokratenblatt, die .Leip­ziger Volkszeitung', hat ein Bruchstück aus einem Briefe veröffentlicht, der von Herrn Buec! herrühren soll, dem Generalsekretär und Geschäfts­führer des Centraloerbandes deutscher Industriellen. -Man muß, um ein klares Bild von der Sache zu bekommen, den Wortlaut des Briefes selbst kennen lernen. Es ist nach der Mittheilung des genannten Leipziger Blattes der folgende:

Centralverband deutscher Industriellen.

Berlin, 3. August 1898.

Das Reich samt des Innern hat mir persönlich gegenüber den Wunsch geäußert, daß die Industrie ihm 12000 Mark zum Zwecke der Agitation für den Ent- wurf eines Gesetzes zum Schutz des gewerblichen Arbeiter­verhältnisses zur Verfügung stellen möchte. Ich habe diese Angelegenheit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Centralverbandes, Herrn Geheimen Finanzrath Jencke unterbreitet, der es aus nahe liegenden Gründen für zweckmäßig erachtet hat, dieses etwas eigenthümliche Vertrauen nicht zurückzuweisen. Herr Geheimrath Jencke hat für die Firma Krupp 50C0 Mark zu dem er­wähnten Zwecke zur Verfügung gestellt ....

gez. H. A. Bueck.

So weit das Schreiben, wie es von der »Leipziger Volkszeitung' veröffentlicht wird. Man sollte zunächst an eine Fälschung glauben, und wirklich haben wir darauf verzichtet, sofort von der Veröffentlichung des Leipziger Blattes Ge­brauch zu machen. Nun aber kommt die Berliner »National-Zeitung', die indu­striellen Kreisen sehr nahe steht und wohl auch zu Herrn Bueck nähere Beziehungen hat, in ihrer Morgennummer vom Mittwoch mit folgen­der Notiz:

Das von einem sozialdemokratischen Blatte ver­öffentlichte Schreiben des Herrn Bueck. . . wird von vielen Blättern für unecht gehalten. Wir fürchten sehr, daß diese Bermuthung sich nicht bestätigen wird, und daß cs mit dem mehr als eigenthümlichen Verlangen seine Richtigkeit hat.

Danach müßte wirklich das von dec .Leip­ziger Volkszeitung' abgedruckte Schreiben des Herrn Bueck echt, müßte wirklich vom Reichs­amte des Innern jene Bettelei an den Zentral­verband der Industriellen ergangen sein, um Gelder zur Agitation für einen Gesetzentwurf zu gewinnen, der im Jntereffe des industriellen Unternehmrrthums nichts mehr und nichts weniger als ein Eingriff in die Koalitionsrechte der Arbeiterschaft war. Der Brief des Herrn Bueck würde, wenn er echt ist, gerade aus der Zeit vor der Oeynhausener Rede des Kaisers stammen, in der das sogenannte „Zuchthaus­gesetz" angekündigt wurde. Selbst übrigens, wenn der Brief echt ist und die Wahrheit sagt, braucht dadurch nicht der Leiter des Reichsamts des Innern, Graf Posadowsky, selbst be­lastet zu sein. Die Sache könnte ja auch ohne deffen Wissen von einem der Räche am genann­ten Reichsamte „gemacht" worden sein.

Es bestehen gegenwärtig liberale und frei« händlerische Quertreibereien gegen den

Die Merke von Ikorenz.

Orgiual-Roman von Irene v. Hellmuth.

40 ------ (Nachdruck verboten.)

Ob sein Begleiter ihn auch am Aermel zupft, und ihn zum Fortgehen zu bewegen sucht, ver Mann merkt eS kaum, lächelnd winkt er einen Gruß hinauf. Julia bemüht sich gleichgiltig zu scheinen, einen verächtlichen Ausdruck auf ihrem Gesicht festzuhalten, — es gelingt ihr nur halb. Die Glückseligkeit, denjenigen wieder­zusehen, mit dem sich seit langen Wochen ihre Gedanken unausgesetzt beschäftigen, ist doch gar zu groß, und gegen ihren Willen drängt sich ein Lächeln auf ihre blassen Lippen.

„Großmutter!" — schreit fle auf, halb im Jubel und halb in bangem Schmerz.

„Was ist denn Kind? Du erschreckst mich!"

„O Großmutter, — was mag er nur wollen? — Er ist da — o mein Gott, — er ist da!"

Die Alte ftagte nicht, wer? Sie wußte es ohne Frage, daß Keiner solche Aufregung bei chrem Liebling hervorzurufen im Stande sein würde, als eben „Er". —

„Sei ruhig, mein Kind, wenn „Er" da ist, dann ist alles gut, er wird sich vertheidigen."

„Wollte Gott, daß er es könnte!"

, Eine süße Hoffnung, ein unsagbares Glück will aufs Neue einziehen in dem jungen Herzen, aber schon hat die bebende Hand *ein Blättchen Papier aus der Tasche gezogen, das alle Wärme, jeden freundlichen Schimmer aus dem süßen Ge­sicht vertreibt. Die umflorten Augen blicken

Staatssekretär Grafen Posadowsky, den man als eine der Hauptsäulen anfieht für einen aus­giebigen Zollschutz unserer Erzeugniffe gegen den ausländischen Wettbewerb und für die Einführung eines Doppeltarifes in unsere Zollgesetzgebung. Mindestens also müßte man annehmen, daß diese Kreise nichts weniger als ärgerlich sein würden darüber, wenn irgend etwas einträte, das den Grafen Posadowsky als ferneren Leiter des Reichs­amtes des Innern und als Staatssekretär un­möglich machen würde. Man muß darum sehr vorsichtig zu Werke gehen bei der Beurtheilunf und Behandlung dieser Angelegenheit, wenn et auch nach den vorliegenden Aeußerungen in der Preffe nicht mehr möglich ist, mit einem schwei­genden Achselzucken daran vorüberzugehen. Das Reichsamt des Innern selbst muß sprechen und Aufklärung geben, und man muß zunächst abwarten, ob und in welcher Weise solches geschehen werde, bevor man sich weiter mit dieser Angelegenheit beschäftigt, welche außerordentlich skandalös sein würde, wenn sie so sich verhielte, wie es nach den bisher vorliegenden Nachrichten darüber sich scheinbar verhält.

Deutsches Weich.

Berlin, den 24. Oktober.

+ Der Kaiser und die Kaiserin haben heute die Städte Barmen, Elberseld und Vohwinkel besucht und sind dann auf der Kruppschen Villa Hügel bei Essen eingekehrt. Die Rückreise nach Berlin erfolgt morgen Abend über Hildesheim und Braunschweig.

+ Der gestern in der ,Fuldaer Zeitung' be­sprochene Arttkel der ,Tägl. Rundschau' über die valdi-e AufhsSung des Iefuitengefetzes wird in der ganzen Preffe lebhaft erörtert. Der nationalliberale .Hannoo. Courier' meint, die Nachricht mache den „Eindruck eines Fühlers, deffen Zweck ist, herauszubekommen, wie sich der neue Reichskanzler zu der Frage verhält". Mit dieser Auffaffung steht das genannte Blatt ver­einzelt da. Dem orthodoxen.Reichsbote' ist ein so riesiger Schrecken in die Glieder gefahren, daß er es für angebracht hält, den Bundesrath „nochmals zu bitten, ja recht ernsthaft zu über­legen, welchen verhängnißvollen Schritt sie thun, wenn sie den Jesuitenorden, der keinen anbet in Zweck hat, als die Zerstörung der evangelischen Kirche und die Wiederherstellung der Papst­herrschaft im Sinne des Mittelalters, in dem überwiegend evangelischen Deutschland wieder zu rehabilitiren." Die »Korrespondenz für die Centrumspreffe' wendet sich scharf gegen den auch von uns schon kritifirten Hinweis der ,Tägl. Rundschau' auf „gewisse Gegenleistungen" des Centrums. Der betreffende Satz lautete: „Es scheint dem Drängen des Centrums, das nach dem Zusammentritt des Reichstages gewisse Gegenleistungen in Aussicht stellt, endlich gelungen zu sein, den Widerstand der Rrgierungen zu erschüttern." — Man weiß nicht recht, ob dieser letztere Zusatz auch aus den „Streifen der bayerischen Regierung" stammt oder der Weisheit der ,Tägl. Rundschau' selbst entsproffen ist. Auf jeden Fall würde es den Anschauungen der überwiegenden Mehr- haßerfüllt darauf nieder, ein zorniger Aufschrei entringt sich der gequälten Brust.

„Wie kann er sich vertheidigen gegenüber solchen Beweisen?''

Mit raschen Schritten eilt Julia auf die Greisin zu, und verbirgt aufschluchzend das in bitterem Schmerz verzogene Antlitz an der treuen Brust.

_ Die Großmutter streicht liebkosend über den glänzend schwarzen Scheitel, die Augen nach oben gerichtet, die Lippen bewegen sich, doch kein Wort ist vernehmbar. Wenn sie nur helfen könnte, Julia schluchzt so herzbrechend, wie es die Großmutter noch nie von ihr gehört.

„Hier, nimm und lies, — es ist der untrüg- iche Beweis seiner Schuld!" stammelt das Mädchen, der Greisin den verhängnißvollen Brief reichend.

Bedächtig setzt diese die Brille auf, und langsam, Wort für Wort, liest sie halblaut die wenigen Zeilen.

„Seltsam, sehr seltsam!" murmelt sie, mehr zu sich selbst, ist mir doch, als hätte ich.das nämliche Brieschen schon einmal gelesen."

„Wie wäre das möglich, Großmutter?" ragt Julia betroffen.

„Ich weiß wirklich nicht, Herzenskind, das »er — kommt mir so unendlich bekannt vor," — ägt die alte Frau sinnend, „es ist doch ein rechtes Kreuz, daß 1 man im Alter so vergeßlich wird! Wenn ich nur wüßte, — wen» ich nur wüßte!"--

Julia ist wieder zum Fenster geeilt. Da unten steht Profeffor Hammon noch immer aus demselben Fleck, und starrt zu dem Fenster hin-

heit des Centrums und seiner Wähler nicht entsprechen, wenn die Aufhebung des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten durch „Gegenleistungen" erkauft, auf dem nicht mehr unbekannten Wege des politischen Kuh­handels erreicht werden sollte. Es mag ja fein, daß die verbündeten Regierungen das Jesuitengesetz benützen möchten dazu, einen nach ihren Ansichten vortheilhaften politischen Handel abzuschließen; aber die deutschen Katholiken und vor allen Dingen die Jesuiten selbst haben An­spruch und Recht darauf, daß endlich, nach dem fünf mal wiederholten Beschluffe des Reichs­tages, das schnöde Ausnahmegesetz aufgehoben werde ohne besondere Bedingungen, die daran zu knüpfen wären. Ein Ding, worauf man ein Recht Hai, ein fest begründetes, unleugbares Recht, braucht man nicht zu erkaufen; und wir sind fest überzeugt, daß das Centrum von dieser Thatsache sowohl als auch von dem Gefühle durchdrungen ist, daß eines der vornehmsten Gefühle der Katholiken in Deutschland niemals zum Gegenstände eines politischen Handels ge­macht werden dürfe.

* Der Londoner »Daily Mail' wird aus Maffauah gemeldet: Ein deutscher Dampfer landete auf der arabischen Seite der Arife? Iarfarr Kohlen. Es heißt, die Insel Farsan werde nur zeitweilig als Kohlenstation benutzt werden, solange deutsche Kriegsschiffe nach Ostasien gehen. Jetzt sind zwei deutsche Kriegsschiffe dort. Die türkischen Behörden wissen genau, was vorgeht. Farsan ist die größte einer Gruppe von kleinen Inseln, ungefähr zwei Stunden von der arabischen Küste entfernt, gegenüber Massauah. Es ist das Centrum der Perlenfischerei. Eine Petroleumquelle ist dort kürzlich gefunden worden. Die Insel bietet einen vorzüglichen Hafen. (Die Farsaninseln bilden eine Gruppe kleiner Eilande im südlichen Theile des Rothen Meeres, 49 km vor der Küste Arabiens. Die Gruppe enthalt zwei größere Inseln mit Perlen- und Korall nfischerei. Auf die oben er­wähnte Farsaninsel bezog sich offenbar auch die vor einigen Tagen von der ,Agence Havas' ver­breitete Meldung, daß Deutschland eine kleine Insel im Rothen Meere, Namens Wroan oder Uruan, erworben habe. Damals wurde von einem Berliner Blatte die Richtigkeit jener Meldung be­stritten. D. Red.)

+ Kitte preußische Schulvorkage sollte angeblich für den nächsten Winter bevorstehen. Ein Frankfurter Blatt, das immer ganz besonders gut unterrichtet sein will über die Vorgänge innerhalb der Berliner Regierungsbehörden, hatte sich melden kaffen, es werde im preußischen Kultusministerium „nur ein Finanzgesetz" über die Schulunterhaltung ausgearbeitet, das lediglich in einem Nebensätze von dem konfessionellen Cha­rakter der Volksschule als von einer bestehenden Thatsache spreche .... »sw. usw. Im Gegen­sätze dazu bringen die ,Berl. Neuest. Nacht.' die nachfolgende Mittheilung:

„In der Preffe wird noch immer von einem „bevorstehenden Schuldotationsgesetz gesprochen. „Wir haben Grund zu der Annahme, daß „wenigstens für die nächste LandtagS- „session eine derartige Vorlage nicht zu „erwarten ist."

auf. Er achtet es nicht, daß die Flocken dichter und dichter fallen, er ist schon ganz weiß, — an seinem schönen Bart hängen die Schnee- krystalle, er schüttelt sie nicht einmal ab, — er starrt nur immer hinauf. Jetzt fliegt wieder das herzgewinnende Lächeln über fein schönes, geistreiches Gesicht; Julia eilt vom Fenster hin­weg und sinkt erschüttert neben dem Lehnstuhl der Großmutter nieder, das glühende Gesicht in den Schooß der alten Frau bettend.

„Liebe, liebe Großmutter, — was mag das nur zu bedeuten haben?" flüsterte sie, „vorhin waren es zwei, — der eine davon, ein großer Mann mit bräunlichen Gesicht, trat ins Haus, und — Er, — er steht da unten in dem wallenden Schnee, und starrt immerzu nach meinem Fenster!"

Aengstlich setzt sie nach einer Weile hinzu: „Großmütterchen — er wird sich erkälten!" —

Still wurde es jetzt in dem traulichen Ge­mach. Man hörte nichts als das Ticken der alten Wanduhr. Von Zett zu Zeit stieß Julia einen bangen Seufzer aus; sie verharrte regungslos an ihrem Platze.

Indessen spielte sich unten im Ecksalon, wo- )in eine Dienerin den nach Frau Anita Rein- rold fragenden Mann geführt hatte, eine erregte Scene ab.

Anita schaute befremdend auf den Ein­getretenen, der, sich leicht verbeugend, auf die noch immer schöne Frau gutrat.

„Ich glaube. Sie kennen mich noch, Ver­ehrteste," begann er mit leichtem, etwas spöttisch ringendem Ton. „ES ist allerdings etwas lange her, daß wir uns nicht mehr gesehen, —

Nach dem Charakter des angeführten Blattes und nach der Form, in der die angeführte Mittheilung gebracht wird, ist anzunehmen, daß man es hier mit einer hochosfiziösen Kundgebung zu thun hat, daß also auch in der bevorstehenden Tagung ein solches Gesetz nicht im preußischen Landtage ein» gebracht werden soll. Natürlich würde weder das Centrum, noch würde die Mehrheit der Kon­servativen zufrieden sein damit, wenn der kon­fessionelle Charakter der Volksschule nur so neben­her einmal als selbstverständlich erwähnt werden sollte. Wenn ein solches Gesetz nun auch im nächsten Winter noch nicht eingebracht wird, schadet es auch weiter nichts. Nachdem wir ein­mal so lange umsonst gewartet haben, können wir auch noch ein Jahr länger warten. Viel­leicht ist bis dahin auch dem preußischen Kultus­ministerium die Ueberzeugung geworden, daß der konfessionelle Charakter der Volksschule nicht als Nebensache, sondern als vornehmste Hauptsache behandelt werden müsse.

tt Der Doppeltarif bildet auch nach einer Meldung der .Franks. Ztg.' die Grundlage für den Entwurf eines neuen Zollgesetzes. Wiffens- werth ist, daß die ,Franks. Ztg.' als Grund da­für die Thatsache angibt, daß die Anforde­rungen der Industrie auf Schutzzölle zum Theil eine fabelhafte Höhe erreichten. Sonst lieben es die liberalen Blätter, schütz- zöllnerische Regungen der Regierung immer und immer nur auf das Drängen landwirthschaft- licher Kreise zurückzuführen. Hier wird einmal in einem Blatte, das an der Landwirthschaft gar kein Interesse hat, offen herausgesagt, daß nament­lich die Industrie schutzzöllnerische Einflüsse geltend mache. Der engere Vorstand des Bundes der Land wirthe, hat an den Reichskanzler Grafen Bülow eine Eingabe gerichtet, die sich gegen die Einführung eines Minimaltarifes wendet, deffen Zollsätze durch den Abschluß von Handels­verträgen unter Umständen auch noch verringert werden können.

X Der Ktttnmrf für ei« neues Kaccharitt- Gefetz ist nunmehr bekannt, nachdem er den Handelskammern mehrere Wochen hindurch zur Begutachtung vorgelegen hat. Danach ist in der Thät beabsichtigt, die gewerbsmäßige Abgabe von Saccharin und saccharinhaltigen Zubereitungen nur solchen Personen zu gestatten, die die Erlaubniß der Steuerbehörde dazu erhalten haben, in der Regel nur den Großhandlungen und den Apotheken. Rach der vom Reichstage am 7. Juni ds. Js. ange­nommenen Resolution soll das Saccharin ent­sprechend seiner Süßkraft und der Zuckerverbrauchs­steuer besteuert worden. Rasfinirtes Saccharin ist 500 bis 550 mal so süß wie Zucker; es müßte also nach der Entschließung des Reichstages mit dem entsprechenden Vielfachen von 20 Mark be­steuert werden, denn eine Verbrauchssteuer von 20 Mark ruht auf dem Doppelzentner Zucker. Auf diese Weise würde man zu einem Steuersätze von mindestens 100 Mark für das Kilogramm ge­langen, versuchsweise nannte man aber bisher nur einen Steuersatz von 80 Mark al« beabsichtigt. In dem Entwürfe sind noch keine ziffermäßige» Steuer- und Zollsätze angegeben. Thatsächlich. würde auch mit der Steuer von 80 Mk. Saccharin erst halb so viel wie Zucker kosten, und da«

und Sie haben sich in all der Zeit sehr verändert; ich zweifle, ob ich Sie erkannt haben würde, wären Sie mir von ungefähr begegnet, — aber die Augen, welche die „Perle von Florenz" einst besessen, sind dieselben geblieben."

Er machte nochmals eine etwas linkische Verbeugung, und es entging ihm dabei nicht, daß Anita schon nach den ersten Worten leicht zusammenzuckte. Dock das dauerte nur einen Augenblick. Sofort zeigte das Gesicht wieder einen kalten, hochmüthigen Ausdruck, die Stimme klang etwas ungeduldig, als sie fragte: „Wollen Sie mir nicht endlich sagen, — was Sie zu mir führt — und wer Sie sind?"

„Ah, Sie kennen mich wirklich nicht mehr, schöne Frau?" lächelte der Andere, „es ist nicht schön von Ihnen, daß Sie einen alten Freund so leicht vergessen! Erlauben Sir, daß ich Ihrem Gedächtnisse etwas nachhelfe, mein Name ist Konrad Altherr."

Wenn Konrad geglaubt hatte, mit dieser Frau ein leichtes Spiel zu haben, so mußte er jetzt bemerken, daß da« ein Jrrthum war. Keine Miene veränderte sich in Anitas Gesicht, kalt und hochmüthig wie zuvor, ftagte sie: „Und Sie wünschen?"

„Ah, — das ist--"

Konrad vollendete den Satz nicht, sondern sagte, sich beherrschend: „Sie erinnern sich doch meiner, nicht wahr?"

Anita zuckte leicht bedauernd die Achseln.

„Es thut mir leid, mein Herr, — aber hier scheint eine Verwechslung der Person vor­zuliegen, — ich kenne Sie nicht!"

Konrad war bei den in sehr ruhigem Tone