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M 243.
Julöa, Montag, den 22. Oktober 1900.
27. Jahrgang.
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des Herrn Ministers von Miquel selbst. Man muß darum gerade diese Kundgebung als eine zuverlässige Mittheilung in dem Sinne betrachten, daß Herr Minister von Miquel gar nicht daran denkt, aus der Ernennung des Grafen Bülow zum Reichskanzler Anlaß zum eignen Rücktritte herzuleiten.
Und Graf Pofabowsky? Wer nur einigermaßen die Persönlichkeiten und die Ver- hältniffe kennt, die hierbei den Ausschlag geben, der weiß ganz gewiß, daß Graf Pofabowsky gar nicht daran denkt, aus dem Amte zu scheiden. Der neue Reichskanzler aber ist sicherlich ein viel zu kluger Mann, als daß er sich und seiner Kanzlerschaft gleich im ersten Anfänge dieser letzter« das Leben in unnützer Weise schwer machen sollte dadurch, daß er den genannten beiden Staatsmännern den Stuhl vor die Thüre setzen wollte. Gerade diese beiden Minister gelten allgemein und mit Recht als die einflußreichsten Träger und Befürworter derjenigen Wirthschafts- politik, die gegenwärtig im Reichstage und im preußischen Landtage große Mehrheiten für sich hat; traut man dem feinen Diplomaten Grafen Bülow wirklich die Thorheit zu, ohne äußere Veranlassung seine Kanzlerschaft mit einer Handlung einzuleiten, die Reichstag und preußischen Landtag in Hellen Auftuhr gegen ihn bringen würde?
Selbst wenn Graf Bülow's eigne politische Anschauungen so wären, daß er auf wirthschaft- lichem Gebiete nicht mit dem Grafen Posadowsky und dem Minister v. Miquel zusammen arbeiten möchte, so würde er dies schwerlich jetzt sofort dadurch zum Ausdrucke bringen, daß er beide Minister zum Rücktritte aus dem Amte drängte. Seine Anschauungen können aber unmöglich so grundverschieden sein von dem, was bisher noch immer als oberster Grundsatz angesehen und bethätigt wurde in der Wirtschaftspolitik der Regierung des Reiches und des preußischen Staates; sonst würde er selbst sich kaum ent- schloffen haben dazu, Staatssekretär zu werden in einer Regierung, zu der er in so schroffen Gegensätzen steht. Aber es ist recht wünschens- werth, daß der neue Kanzler so bald wie möglich Beweise dafür erbringe, daß es wirklich so ist. Die freihändlerischen Quertreibereien nöthigen ihn dazu, vor aller Welt Farbe zu bekennen und der Welt zu beweisen, daß die freihändlerischen Geister, die seiner habhaft werden möchten, kein Anrecht auf ihn haben!
zu bringen. Gegenwärtig kann uns die Freundschaft Rußlands nur nützlich sein, namentlich dann, wenn gleichzeitig unser Verhältniß zu England ein günstiges ist.
X Ai« AöKommen zwischen Dettlsch ka«d und Kngkand üöer Khiua. Am Samstag ist durch den offiziösen Draht der Inhalt eines Abkommens zwischen Deutschland und Eng land über China bekannt gemacht worden, das des allgemeinen Beifalls in Deutschland sicher ist. Dieses Abkommen beruht auf zwei Hauptpunkten: freier Handel und Wandel aller Nationen in China — keine Ausnützung der gegenwärtigen Wirren in China zu eignen Gebietsvergrößerungen. Das Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Die deutsche und die großbritannische Regierung, von dem Wunsche geleitet, ihre Interessen in China und ihre Rechte aus den bestehenden Verträgen aufrecht zu erhalten, sind übereingekommen, für die beiderseitige Politik in China nachstehende Grundsätze zu beobachten:
1. Es entspricht einem gemeinsamen dauernden internationalen Interesse, daß in den an den Flüffen und der Küste Chinas gelegenen Hafen der Handel und jede sonstige erlaubte wirthschaftliche Thätig» leit für die Angehörigen aller Nationen ohne Unterschied frei und offen bleiben Beide Regierungen sind einverstanden, dies ihrerseits für alles chinestsche Gebiet zu beobachten, wo sie Einfluß aut üben können.
2. Die deutsche und die großbritannische Regierung wollen ihrerseits die gegenwärtige Verwickelung nicht benutzen, um für sich irgendwelche territorialen Bortheile auf chinesischem Gebiete zu erlangen. Sie werden ihre Politik darauf richten, den territorialen Bestand beS chinesischen Reiches unvermindert zu erhalten.
3. Sollte eine andere Macht die chinesischen Komplikationen benutzen, um unter irgend einer Form solche territoriale Bortheile zu erlangen, so behalten beide Kontrabenten sich vor, über etwaige Schritte zur Sich e- rung ihrer eigenen Interessen in China sich vorher untereinander zu verständigen.
4. Beide Regierungen werden diese Uebereinkunft den übiigen betheiligten Mächten, insbesondere Frankreich, Italien, Japan, Oesterreich-Ungarn, Rußland und den Vereinigten Staaten von Amerika mittheilen und dieselben einladen, den darin niedergelegten Grundsätzen beizutreten.
Der Grundsatz der „offenen Thür" für den Handel in China gilt von Anfang an für das deutsche Schutzgebiet von Ki aut schon. In Deutschland herrschte aber vielfach die Befürchtung, die Engländer könnten anders verfahren im Gebiete des Dang-tse-Flusses, könnten sich in diesem verheißungsvollsten aller chinesischen Handelsgebiete Bortheile vor anderen Ländern sichern und die Hauptoortheile für sich selbst be- halten. Das neue Abkommen läßt solche Befürchtungen nunmehr als grundlos erscheinen, denn jetzt muß die Handelspolitik der „offenen Thür" auch für das Aang-tse-Gebiet gelten. Nicht minder ist des allgemeinen Beifalles in Deutsch- land die Verabredung sicher, in China keine Ver- größerungen der eignen Schutzgebiete anzustreben. Diese Verabredung ist gleichzeitig eine Grundlage für die angenehme Vermuthung, daß die deutsche Chinapolitik in der Hauptsache so ruhig und leidenschaftslos wie ehedem geblieben ist, trotz mancher Reden, die darüber gehalten worden stno und fast die Befürchtung vom Gegentheil nahe legten. Endlich aber fehlt der deutsch-englischen Vereinbarung jegliche Gegnerschaft gegen andere Staaten: nach dem letzten Punkte der Verein-
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ptregt»»rtli<t: Für die Redaktion Fos. JJaam, fit Fnseraie 3. Parzelle» tu Fulda.
® Quertreibereien.
Die freihändlerischen Schaarrn stellen sich an, als hätten sie noch sehr viel zu bedeuten in Deutschland. Sie drängen sich in aufdringlicher Weise an den neuen Reichskanzler und suchen Stimmung für sich dadurch zu machen, daß sie die wunderliche Behauptung aufstellen, Graf Bülow sei einer der Ihrigen, und er werde nun unter den Staatssekretären und preußischen Ministern auskehren und diejenigen zum Staats- trmpel hinausfegen, die als die Hauptstützen der Schutzzollpolitik gelten, vor allen aber den Staatssekretär Grafen Posadowsky und den preußischen Finanzminister von Miquel. Ein liberales Berliner Blatt versteigt sich sogar zu der Vermuthung, Graf Bülow habe, ehe er die Berufung zum Kanzleramte annahm, den Rücktritt der beiden genannten Männer zur Bedingung gemacht, und bereits am Freitag habe zwischen dem Grafen Bülow und Herrn von Miquel eine lange Unterredung stattgefunden, die augenscheinlich auch mit diesen Dingen im Zusammenhänge stehe. . . . Nur schade, daß Graf Bülow Freitags noch nicht in Berlin war, sondern am genannten Tage erst um 11 Uhr Vormittags aus Homburg v. d. H. abgereist ist, also ganz unmöglich eine lange Unterredung an demselben Tage mit dem Herrn Finanzminister haben konnte. Um namentlich Herrn von Miquel selbst den Gedanken des Abschieds vom Amte nahe zu legen, weist man auf den Altersunterschied bin: Herr von Miquel mehr als 70, Graf Bülow wenig über 50 Jahre — Miquel werde nicht der Untergebene eines im Vergleiche zu ihm so jungen Kanzlers und preußischen Ministerpräsidenten sein wollen!
Ein Centrumsmann wird sich schwerlich deswegen ereifern, ob Herr Minister von Miquel im Amte bleibt oder nicht. Aber hier in diesem Falle muß man wirklich die Armseligkeit der Gründe bemitleiden, mit denen jene Reste des einst mächtigen Heeres der Freihändler kämpfen. Einigermaßen richtig wird diese armselige Quertreiberei durch eine offiziöse Feder gekennzeichnet, die sich darüber mit folgenden Worten äußert: „. . . ES ist zu thöricht und kann nur aus den Wünschen bestimmter Kreise erklärt werden, wenn bei dieser Sachlage sogar Rücksichten höheren Dienst- und Lebensalters als Motive für angebliche Rücktrittsabsichten von Ministern bezeichnet werden. Erwägungen solcher Art können — das sieht doch jedes Kind ein — für ihrer Pflicht und Verantwortlichkeit bewußte Männer niemals bei Entschließungen dieser Art in Betracht kommen. Die Urheber jener Gerüchte werden sich daher schon mit der Thatsache befreunden müssen, daß der Wechsel im Amte des Reichskanzlers und Ministerpräsidenten zu Demissionen von Ressortchefs weder im Reiche noch in Preußen führen wird."
Das Tintenfaß, in das diese halbamtliche Feder zu tauchen pflegt, steht dicht neben dem Heim
Deutsches Deich.
Berlin, den 20. Oktober.
ti Der erste Aesnch des Aeichskarrzlers Grafe« Aüko«» nach feiner Rückkehr aus Homburg hot dem diplomatischen Vertreter des Zarenreiches, dem russischen Botschafter Grafen von der Osten-Sacken gegolten. Dieses äußere Kennzeichen entspricht der bis- herigen Politik des Staatssekretärs Grafen Bülow unter dem letzten Reichskanzler: Annäherung an Rußland, so weit dies möglich ist, ohne dem deutschen Ansehen etwas zu vergeben, und ohne Deutschland in irgend welche mittelbare ober unmittelbare Abhänaigk-it vom Zarenreiche
geweiht, und daß er ihm unbedingt vertrauen dürfe.
Ohne Scheu begann denn auch Leo zu erzählen, was ihn zu der unseligen That veranlaßt hatte. Er beschrieb genau den Brief, den Julia ihm übergeben und dessen Inhalt er beinahe wörtlich auswendig kannte.
Alfred begriff alles.
„Armes, armes Mädchen!" waren seine ersten Worte, nachdem Leo geendet und erwartungsvoll auf den Freund blickte.
Der Prosiffor erinnerte sich ganz gut des kleinen Streites, den er einst mit Hedwig gehabt, und erkannte sofort, welches abscheuliche Spiel hier getrieben worden war, um Julia zu täuschen.
„Einen solchen Bries schrieb ich allerdings einmal an Hedwig," äußerte er rasch, „aber damals war ft» noch meine 93 raut, wir hatten uns gezankt, und ich wollte sie versöhnen."
„Ader dec Brief trug doch das Datum vom 2. Juni dielen Jahres. Julia hatte ihn im Arbeitskorb meinet Frau gefunden! Wie wat es nur möglich, daß"--
„Das Datum war gefälscht!" schrie Alfred auf. „Der Brief war einfach von anderer Hand damit versehen und dann Julia in die Hände gespielt worden. Armes Kind!" wiederholte er noch einmal, „was magst Du gelitten haben! — Der Brief, den ich schrieb, trug überhaupt kein Datum, weil ich ihn damals auf der Straße mit Bleistift schrieb!"
„Ganz recht, mit Bleistift," bestätigte Leo.
„Hast Du ihn nicht mitgenommen ?"
„Nein, er entfiel meiner Hand."
„Wie schlau eingefädelt doch das Alles ist!
Der Brief mußte allerdings unter den Umständen, unter denen er gefunden wurde, eine furchtbare Bedeutung gewinnen."
„Er drückte mir auch die Waffe in die Hand!"
„Dieser Brief wird doch hoffentlich noch aufzufinden sein", warf Konrad, der bisher schweigend ugehört hatte, ein.
Das Hotel war unterdessen erreicht, und al» die Drei es sich bequem gemacht hatten, Hub Leo an: „Zu welchem Zw ck glaubst Du, daß das Alles ins Werk gefetzt worden ist?"
Alfred erzählte nun, von Konrad unterstützt, )em hoch aufhorchenden Leo, warum Anita ihn Haffe und eine Verbindung zwischen ihm und Julia unmöglich zu machen gesucht hatte.
Leo ballte die Hände vor Zorn und Ingrimm, als er das Alles erfahren hatte. Jetzt erst begriff er den Zusammenhang.
„O, und um deßwillen wäre ich fast zum Mörder an dem besten, edelsten Menschen geworden! Armer Freund, kannst Du mir verzeihen?"
Leo schluchzte jetzt wie ein Kind, und sank überwälttgt zu Alfreds Füßen nieder, die Arme um dessen Äniee schlingend.
„Nicht so, — mein Lieber, nicht so!" be- änstigte dieser den Ausgeregten, „Du selbst bist unschuldig an dem ganzen Unglück, denn Du mußtest ja an meine und Hedwigs Schuld glauben, wie ich an Deiner Stelle wahrscheinlich c uch daran geglaubt hätte, — und Julia, wußte ie nicht auch glauben? Anita vermeinte, uns end- jiltig trennen zu können. Daß Du in gefähr- lcher Weise hineinverwickelt werden solltest, lag wohl nicht in ihrem Plan, der wahrscheinlich ganz anders berechnet war."
Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
37 ------ (Nachdruck verboten.)
Der Professor wollte eben weiter gehen, da fiel fein Blick auf einen Mann, der ihm den Rücken zukehrte; aber dennoch kam ihm derselbe ungemein bekannt rmr, er wußte nur nicht gleich, weshalb. Doch p'ötzlich befiel ihn ein Zittern, der Mann hatte sich umgewendet, ohne ihn zu bemerken.
Alfred stand wie angewurzelt, er konnte kaum einen Gedanken fassen, krampfhaft packte er. wie um sich zu stützen, den Arm Konrads, die Augen unverwandt auf einen Punkt gerichtet. Erst als der Andere Miene machte, sich zu entfernen, kam Leben in die Gestalt deS Professors.
„Darf ich meinen Augen trauen, — Leo, — Du bist eS, — bist es wirklich!"
@r versuchte vergebens, sich zu beherrschen, nun stürzte er auf Leo zu, und kam eben zurecht, den Wankenden in feinen Armen aufzufancen. Mitleidig blickte er in die gramdurchfurchten, bleichen Züge, die deutlicher als Worte von dem Herzenselend erzählten, das der Arme durchlebt haben mußte. Er strich sich über die Stirn und schlug die Augen zu Boden.
„Barmherziger Gott!" stöhnte er auf, wie aus tiesinnerstem Herzen, „ich — danke Dir, — Du ließest mich nicht zvm Mörder werden! — Nun mag kommen, was da will, — alles, alles will ich tragen. — Wenn diese Last von der Seele gewälzt ist, — werde ich wieder ein Mensch unter Menschen fein! — O, wie das wohlthut!
Mözen sie mich einfperren, ich will büßen für meine wahnsinnige That, — aber, ich bin — kein Mörder geworden!"
Der Blick, der diese Worte begleitete, traf den Professor ins Herz, er verzieh dem Unglücklichen in dieser Minute alles.
Erne Anzahl Neugieriger versammelte sich rasch um die kleine Grupp?, doch konnten sie die in deutscher Sprache gestammelten Worte nicht verstehen. Nur Konrad ahnte, was sich hier ab- sprelte.
„Dem Herrn ist nicht ganz wohl", wandte er sich an die Umstehenden, „es wird gleich vorüber sein!" —
Alfred wehrte dem so unerwartet wiedergefundenen Freund und suchte ihn zu beruhigen.
»Du begleitest mich nach meinem Hotel, Leo", bat er weich, „dort wird sich alles aufklären, dort sollst Du mir auch erzählen, was Dich veranlaßt hat, — auf mich zu —"
„O sprich es nicht aus, Alfreb, ich bitte Dich!" flehte Leo Eilenberg ungestüm. „Du weißt nicht, was ich gelitten, seitdem ich von Hamburg wie ein gehetztes Wild geflohen bin. Immer wähnte ich die Verfolger hinter mir, die kommen würden, — den — Mörder zu holen!"
„Dein Gesicht erzählt es mir ohne Worte", entgegnete Alfred herzlich, „doch jetzt komme!"
Er winkte eine Droschke herbei, und half Leo hinein, dann folgte er mit Konrad, den Leo jetzt erst bemerkte.
Alfred gab rasch die nöthigen Aufkärungen, und bedeutete Leo, daß Konrad in alles ein-
mit Nnlerhaktungs -Anlage „Allüstrirte Sonntags-Ieittmg"
barung wird diese letztere bett übrigen behelligten Mächten, namentlich aber Frankreich, Italien, Japan, Oesterreich-Ungarn, Rußland und den Vereinigten Staaten von Amerika mitgetheilt mit der gleichzeitigen Einladung, den in dieser Vereinbarung aufgestellten Grundsätzen ebenfalls beizutreten. Die Übrigen Mächte können auch schwerlich etwas dagegen einzuwenden haben; denn von allen ist wiederholt betont worden, daß sie an dem Grundsätze der offenen Thür festhalten und keine Stücke von China losreißen wollen. Das alles ist klar und gut. Richt ganz so klar ist die dritte und vorletzte Bestimmung des Abkommens. Rußland will sich die Mandschurei dauernd aneignen, und man kann das nach der Lage der Dinge den Russen kaum verdenken. Sollten nun nach Punkt 3 des neuen Abkommens Deutschland und England gegen diese russische Gebietsvergrößerung etwas unternehmen wollen? Hoffentlich nicht!
+ Doppeltarif. Die Freihändler erleben keine Freuden mehr in unseren Tagen • allem Anscheine nach hat sich der Wirthschaftliche A u s s ch u ß zur Vorbereitung der Handelsverträge auf den Boden des Doppeltarifes für unfer neues Zollgesetz gestellt. Die Verhandlungen des Wirthschastlichen Ausschuffes sollen zwar streng vertraulich sein und nicht an die Oeffentlichkeit gelangen. Aber es ist auch diesmal so geschehen, wie das am meisten bei solchen Gelegenheiten zu geschehen pflegt: man hat schnell genug erfahren, dcß berDoppeltarif zunächst benSieg ba* oongetragen hat. Zunächst! Denn ber Wirthschaftliche Ausschuß ist nur eine berathenbe, keine beschließenbe Körperschaft, und unter bem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe haben bie verbündeten Regierungen noch keinen Befchluß gefaßt über die Hauptfrage: Einheitstarif oder Doppeltarif? Eine der ersten Thaten des neuen Reichskanzlers auf bem wirthfchaftlichen Gebiete wird also die wichtige Entscheidung über diese grundlegende Frage in Zollsachen sein. Unter solchen Umständen kann man nicht erwarten, daß das neue Zolltarif-Gesetz bald an den Reichstag gelangen werde. Wo «och keine Klarheit erzielt ist in den Haupt- und Grundfragen, kann man nicht baldige Fertigstellung des ganzen Entwurfes erwarten, weder erwarten noch wünschen. Man wird sich vielmehr darauf gefaßt machen müssen, daß dieser Gesetzentwurf erst gegen Ende des bevorstehenden Winters an den Reichstag gelangen werde.
*»* Merlin, 20. Okt. Der Kaiser und die Kaier in trafen, wie aus Homburg gemeldet wird, mit !>em Prinzen Adalbert am Freitag Nachmittag zum Thee in Friedrichshofein. — Der Kriegsminister v. Goßlrrist gefternAbend intzomburg «ingetroffen und hielt heute Vormittag 10 Uhr dem Kaiser Vortrag. Vorher wurden dem Kaiser einige Mannschaften in der neuen Tropen- Uniform (für Artillerie, Jäger und Infanterie) vorge- iellt. Der Kronprinz wird bis zum Geburtstage der Kaiserin inHomourg verbleiben. Der Kronprinz und die Kaiserin unternahm heute früh einen Spazierritt, während der Kaiser Vormittags Regierungsgeschäfte erledigte. — Die ,Post' schreibt: Die Rheinisch-West- älische Zeitung läßt sich aus Berlin melden, daß der Staatssekretär des Innern, GrafPosadowsky und der Staatssekretär des Reichs-Marineamtes von Tir- pitz ihren Abschied erbeten würden. Diese Nachricht macht auf uns den Eindruck einer unbeglaubigten Er- rndung. — Der neue Reichskanzler Graf Bülow, der gestern Abend in Berlin eingetroffen ist, stattete heute Vormittag dem russtschen Botschafter Trafen
Inserate: Die ein-'
x. —Im— A a A. a * spalt. Garmond-
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