Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Birrteljährl.

-»ugupreii ohne Bringerloh« und Bestellgeld in Fulda und m* wär» 1 «50 Pf-

FuldaerMZeitung

ilnferatt: Die ein«1 palt. Garmond­zeile oder deren RaumldPfg.,Re­klamen die Petit­zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

X*W'fä»*Jii(erakX in *' mit Anterhakümgs Anlage „Assuflrirt« Sonntags-Zeitung" »- H». * (ftarnwnie).

JU 241.

Julöcr, Freitag, den 19. Oktober 1900.

27. Jahrgang.

Q Kanzlerwechjel.

Wie schon gestern an dieser Stelle kurz mit» gechetlt wurde, hat ein Wechsel in der Person des Reichskanzlers stattgefunden. Fürst zu Hohenlohe ist aus dem hohen Amte geschieden, treffen Bürde und Verantwortlichkeit ihm zu schwer geworden war; an seine Stelle ist Gras Bern­hard v. Bülow getreten, bisher Staatssekretär deS Auswärtigen Amtes.

Der Zeitpunkt des Kanzlerwechsels — un­mittelbar vor dem Wiederbeginn der hochpoliti­schen Zeit, vor der Wiedereröffnung des Reichs­tages — ist auffällig. Ohne Zweifel ist die Ent­scheidung erst jetzt in Homburg getroffen worden, entgegen vorher bestehenden anderen Absichten. Fürst Hohenlohe trug sich aber schon längst mit Rücktritts-Gedanken. Das wußte di« Welt, und deswegen kann die Thatsache des Kanzler­wechsels an sich nicht überraschen. Fürst Hohen­lohe hat denKaiserauch schon mehr als ein­mal gebeten, ihn von dem Kanzleramte zu entbinden, deffen Bürde dem greisen Manne zu schwer geworden war; aber noch immer hatte er wieder dem Drängen, im Amte zu bleiben, nach- gegeben, und man kann sicherlich sagen, daß er aus dem Kanzleramte schon früher geschieden sein würde, wenn er allein nach seinem eigenen Wil­len gehandelt hätte. Man kann deswegen in diesem Falle den offiziösen Versicherungen glau­ben, daß kein grundsätzlicher Widerstreit der Mei­nungen zwischen dem Kaiser und dem Kanzler diesen letzteren zum Rücktritte bewogen habe, oder daß ihm gar der Stuhl vor die Thür gesetzt worden sei. Dennoch bleibt der eine Umstand auffällig, daß der Wechsel gerade jetzt sich vollzreht, 4 Wochen vor der Wiedereröffnung des Reichs­tages. Sonst ist «S nicht üblich gewesen, eine solche Zeit zu wählen für so hochwichtige und bedeutungsvolle Staatshandlungen. Und darum mögen auch diejenigen vielleicht nicht unrecht haben, welche annehmen, in Homburg sei jetzt noch der letzte Anstoß zu dem Kanzlerwechsel gegeben worden.

Oder soll man der Wahl des Zeitpunkte- für den Wechsel im Kanzleramt ein« andere Bedeu­tung unterlegen, nämlich die, daß an manchen Stellen die Auffassung bestehe, es komme gar nicht mehr so sehr darauf an, «er gerade Kanzler sei? — und daß der Kanzlerwrchsel darum immer vorgenommen werden könne, auch an Zeitpunkten, die man ehedem nicht für ge- eignet dazu gehalten haben würde? Vielleicht besteht hier und da diese Auffassung von der Sach«. Aber wo und wann nur immer solche Anschauungen hervortreten und einen Einfluß gewinnen wollen auf die Entwickelung unserer politischen Dinge, sind sie werth, bekämpft zu werden. Ein noch weiteres Sinken deS Kanzler« einfiuffeS würde weder dem Geiste der Reichs- Verfassung, noch den Anschauungen und Wünschen entsprechen, bie im deutschen Volke Wurzeln ge­schlagen haben. Im Gegentheil: daß der ver- avrwortliche politische Rathgeber des Kaiser- wieder mehr als bisher in den Vordergrund trete, wiederum mehr Einfluß gewinne auf die Gestaltung der politischen Dinge bei uns im Reiche, das ist der Wunsch nicht etwa liberaler und demokratischer Leute, sondern

Ai« Aerle von Florenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

Bv ------ (Nachdruck verboten.)

„Julia hat mich nie geliebt,' klagte Alfred, sonst lönnte sie mich nicht ohne Weitere«, ohne mich gehört zu haben, verdammen, sonst könnte sie überhaupt nicht an eine solche Schuld glauben. Da« trennt un« für immer, da« kann ich ihr nicht verzeihen Wenn ich sterbe, Hedwig, so •feige ihr, daß sie mir sehr, sehr wehe gethan hat.'

Vergeben« waren die Tröstungen der jungen Fran, sie vermochten nicht« über den Patienten.

Wäre er nicht von so kräftiger Konstitution gewesen, vielleicht hätte der Tod seine Beute ge­nommen. Doch die Jugendkraft siegte.

Von ihrem Gatten hatte Hedwig nicht« wieder gehört. Er war auch dank ihrer Vorsicht und Geistesgegenwart Niemandem eingefallen, ihn zu verfolgen, oder irgend einen Verdacht auf ihn zu werfen.

„Mein Mann ist geschäftlich verreist," ant­wortete sie auf alle Fragen, ob diese nun neu­gieriger oder theilnehmender Art waren. .Wann er zurückkehren wirb,' berichtete sie denen, die stet« noch mehr wissen wollten, „da» weiß ich selbst nicht, je Nachdem seine Geschäfte sich eben abwtckeln."

Ob man e« nun glaubte oder nicht, war ihr gleichgiltig.

Sobald der Professor vernehmungsfähig war, mußte auch er eine Fluth von Kreuz- und Quer­fragen über sich ergehen lassen.

,6« war nur ein Akt des Leichtsinn» von

ein dringender Wunsch bis tief in diejenigen Kreise hinein, die konservativen politischen An­schauungen huldigen und der Krone Macht und Ansehen auf keinen Fall in ungebührlicher Weise schmälern wollen.

Aber Fürst Hohenlohe's Rücktritt vom Kanzleramte hat eigentlich schon lange vor diesen letzten Tagen von Homburg begonnen. Chlodwig Fürst zu Hohenlohe war zuletzt wohl dem Namen nach noch Reichskanzler, aber kaum noch in der That. Andere Männer besorgten zumeist die Geschäfte, die eigentlich Aufgabe des Reichskanzlers waren; und dieser selbst erschien nur noch bei besonderen Haupt- und Staats- Handlungen, um an der thatsächlichen Ausübung seines Amtes mitzuwirken. Gerade während der letzten Zeit war der wichtigste und bedeutungs­vollste Mann unter den leitenden Größen der Reichsregierung Graf Bernhard v. Bülow, der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. Und somit vollzieht sich der Kanzlerwechsel dennoch, trotz des ungewöhnlichen Zeitpunktes, in allmählichem, nicht in plötzlichem Uebergange. Der Kurs des Reichswagens wird durch den Wechsel deS Lenkers keine Aenderung erfahren. Sanft und fast unmerklich entschlummerte der eine Reichskanzler allmählich zu der wohl­verdienten Ruhe deS Privatlebens; und der andere Reichskanzler wuchs ebenso allmählich in sein neues und höheres Amt hinein. Um der Welt zu zeigen, daß nicht Zwiespalt ernster Art zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Hohenlohe bestanden, und daß alles beim Kanzlerwechsel in Frieden und Freundschaft abging, haben noch am letzten Mittwoch beide, der alte und der neue Kanzler, an der kaiserlichen Familientafel im Schlosse zu Homburg theilgenommen.

Aufrichtige Sympathien nimmt Fürst Hohen­lohe, der mehr al« 80 Jahre alte Staatsmann, in das Privatleben mit. Persönliche Feinde hat er nicht, politische Feinde wenig. Und er hat in aller Stille mehr auf politischem Gebiete geleistet, als gemeinhin angenommen wird. Aufrichtige Sympathien sind e« auch, die dem neuen Reichs­kanzler von fast allen Parteischattirungen entgegen­gebracht werden. E» wird hauptsächlich ein Kanzler des Auswärtigen fein, gerade wie Fürst Hohen­lohe auch. Aber war da« nicht auch Fürst Bis­marck? Und ein geistvoller Mann beansprucht niemals, der Weiseste auf allen Gebieten zu sein, sondern nimmt Rath an, wo da« nöthig ist.

Somit beginnt der neue Kanzler eine verant­wortungsvolle Thätigkeit unter günstigen Vor­zeichen. Mögen die kommenden Ereignisse diese günstigen Vorzeichen niemal« Lügen strafen!

Deutsches Keich.

Berlin, den 18. Oktober.

X Die amttiche Bekanntmachung de» Aanzkerwechseks ist durch eine Sonderausgabe des »ReichSanzeigerS' am Morgen des heutigen Donnerstags erfolgt. Sie ist in kurzer Form gehalten und enthält nur noch die Mittheilung, daß der Kaiser dem Fürsten Hohenlohe gleich­zeitig mit der nachgesuchten Entlassung aus seinen Aemtern den Schwarzen Adlerorden mit

meiner Seite," sagte er mit einem Gleichmuth, der Alle täuschte. „Ich wollte die geladene Waffe, die ich mir besehen hatte, an ihren Platz zurück­tragen, dabei stolperte ich über den Teppich, die Pistole entlud sich, während ich der Länge nach hinfiel, und dabei verletzte ich mich natürlich.'

Daran war nicht zu rütteln, wenn sich auch mancher Zweifel darüber geltend machen wollte.

Hedwig war dem treuen Freunde vom ganzen Herzen dankbar für diese Rücksichtnahme. Sie versuchte wiederholt, Julia von der Schuldlosig­keit desselben zu überzeugen, und ihr klar zu machen, wie große« Unrecht sie dem schwer lei­denden Manne zugefügt, — vergeben«. Weder List noch Bitten vermochten etwas auszurichten. Julia blieb dabei, sie wollte denjenigen, nach dem ihr Herz so stürmisch verlangte, nicht wiedersehen.

Von Tag zu Tag hoffte Hedwig auf Nachricht von dem Gatten. Sie hatte ihm längst alle« v-rziehen; wenn sie nur eine Ahnung gehabt hätte, wohin er sich gewendet Auch die Kinder »«stürmten sie täglich mit Fragen nach dem Vater, und sie konnte ihnen keine Auskunft geben. Die arme Frau litt schwer unter diesen Verhältnissen, >a sie Niemand besaß, dem sie ihr Herz an«- chütten konnte.

Ungleich schwerer litt ihr Vater, Han« Rein- jolb. Er war sehr gealtert in der letzten Zeit, er ging nicht mehr so aufrecht wie sonst, seine Augen blickten trübe, er vermied es sogar, de« Abend« auszugehen, um so den lästigen Fragen einer Freunde enthoben zu fein.

Nachdem der Professor endlich hergestellt war, versuchte Hedwig, ihm da« Unrecht, da« Julia ihm angethan, in milderem Lichte zu zeigen. Sein

Brillanten ertheilt. Außerdem aber veröffentlicht der .Reichsanzeiger' an der Spitze feiner ordnungsmäßigen DonnerStagnummer ein Han d- jchreiben deS Kaisers an den Fürsten Hohenlohe, da« folgenden Wortlaut hat:

Mein lieber Fürst'

So ungern Ich Sie auch au« Ihren bisherigen Stellungen im Reichs- und Staatsdienste scheiden sehe, so habe Ich doch geglaubt. Mich nicht länger dem Ge­wichte der Gründe, welche Ihnen die Befreiung von der Bürde Ihrer verantwortungsreichen Aemter wünschenSwerth erscheinen lassen, verschließen zu dürfen. Ich habe daher Ihrem Anträge auf Dienstentlassung mit schwerem Herzen stattgegeben. ES ist Mir Be- dürfniß. Ihnen bet dieser Gelegenheit, wo ste im Be­griffe stehen, eine lange und ehrenvolle Dienstlaufbahn abzuschließen, für die langjährigen treuen und ausge­zeichneten Dienste, welche Sie in allen Ihnen übertra­genen Stellungen dem Reiche und Staate sowie Meinen Borfahren und Mir mit aufopfernder Hingebung und unermüdlichen Pflichttreue unter den schwierigsten 8er« hältniflen geleistet haben, Meinen «ärmsten Dabk noch besonders auszusprechen. Möge Ihnen nach einer so thatenreichen Vergangenheit durch Gottes Gnade ein langer und glücklicher Lebensabend befchieden sein. Als äußeres Zeichen Meiner Anerkennung und Meines dauernden Wohlwollens verleihe Ich Ihnen den hohen Orden vom Schwarzen Adler mit Brillanten und lasse Ihnen dessen Insignien hierneben zugehen.

Ich verbleibe

Ihr wohlgeneigter und dankbarer Kaiser und König

W i l h e l m, I. kl.

Homburg v. d. H., den 17. Oktober 1900.

An den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe-Schil­lingsfürst,Prinzen von Ratiboru. Coro ey. DaS kaiserliche Handschreiben läßt keinen Zweifel darüber bestehen, daß Fürst Hohenlohe und nur Fürst Hohenlohe selbst eS gewesen ist, der den Kanzlerwechsel herbeigeführt hat. Denn das Handschreibkn geht in seiner herzlichen und »armen Tonart über das Maß dessen hinaus, waS sonst bei solchen Anlässen an höflichen und liebenswürdigen Ausdrücken üblich ist.

* lieber die Aerftmalie« des bisherigen und des neuen Reichskanzlers bemerken wir Folgendes:

Chlodwig Karl Viktor Fürst zu Hohenlohe- SchillingSfürst. Prinz von Ratibor und Corvey ist am 31. März 1819 zu Rothenburg a. d. Fulda ge­boren. Im Jahre 1842 trat er als Auskultator zu Ehrenbreitüein in den preußischen Staatsdienst, war dann Referendar in Potsdam und Assessor in BreSlau, erhielt 1846 die Herrschaft Schillingsfürst und trat dann als Standesherr in den bayerischen Reichstag ein. 1849 ging er als Reichsgesandter nach London. In der KrifiS 1866 war er für den Anschluß Bayern» an Preußen thätig. Am 31. Dezember 1866 wurde et zum bayerischen Ministerpräsidenten und zum Minister des Auswärtigen ernannt, aber schon 1869 war er genöthigt, um seine Entlassung einzukommen. Dem ersten Reichstag gehörte Fürst Hohenlohe alS Vertreter von Forbach an und schloß sich der fteikonservativen Partei an. Nach der Entlassung deS Grafen Arnim wurde er Botschafter in Paris und nahm alS dritter deutscher Bevollmächtigter 1878 am Berliner Kongreß theil. Im Jahre 1885 wurde er als Nachfolger Manteuffels zum Statthalter der ReichSlavde ernannt. AlS CapriviS Nachfolger ist der Fürst seit dem 29. Oktober 1894 Reichskanzler und Ministerpräsident.

Bernhard Heinrich Karl Martin Graf von Bülow, ein Sehn deS Staatssekretärs Bernhard Ernst

Groll schmolz dahin, und nur die verzehrende Sehnsucht nach der Geliebten blieb zurück. Auf Zureden Hedwig« versuchte er, im Reinhold'schen Hause vorzusprechen, wurde aber abgewiesen.

Er beschloß, zur Kräftigung seiner Gesundheit und um womöglich die quälenden Gedanken einiger­maßen abzuschütteln, eine längere Reise zu unter­nehmen. Sobald alle Vorbereitungen getroffen waren, wollte er reifen.

Noch einmal schweifte fein Blick von der Elb- höhe aus über den Hafen hin, mit feinem Wald von SchiffSmasten, mit dem lustig hn Winde flatternden Fähnchen. Hier herrschte ein bunte«, luftiges Leben und Treiben, ein schönes Bild entrollte sich vor den Augen des ernsten, sinnen­den Mannes. Bord an Bord richten sich die Schiffe, soweit da- Auge reichte. Er wußte es, er würde dieses Bild lange nicht mehr schauen, vielleicht niemals mehr, denn fein Entschluß, der alten, schönen Hansastadt möglichst bald für immer den Rücken zu kehren, stand fest, so sehr er die Stadt auch liebgewonnen. Sie war ihm eine zweite Heimath geworden, und das höchste irdische Glück hatte er hier kennen gelernt. Ec besaß viele Freunde und Bekannte, — aber zu viel TrübeS war in der letzten Zeit auf ihn eingestürmt, und er hoffte, leichter zu überwinden, wenn er nicht mehr hieicher zurückkehrte.

Im Innersten bewegt, nahm er Abschied von dem reizenden Bilde. Ihm war es, als riffe sich ein Stück von seinem Herzen loS, als er sich seufzend abwandte.

Auf einem der vornehmsten BegräbntßplStze von Florenz stand ein prachtvolles Monument,

von Bülow, wurde am 3. Mai 1849 zu Klein-Flottbeck in Holstein geboren. Er studirte 1867 bis 1870 in San« saune, Leipzig und Berlin und machte den deutsch- französischen Krieg mit. Nachdem er alS Referendar zwei Jahre beim Landgericht und beim BezirkSpräfidümr in Metz beschäftigt gewesen war, trat er in den Dienst deS Auswärtigen Amtes ein und war zunächst LegationS- sekretär in Rom, Petersburg und Wien. 1877/78 war er Geschäftsträger in Athen. Während des Berliner Kongresses war er dem Sekretariat des Kongresses bei­gegeben. Nachdem er in den Jahren 1879—84, anfangs als zweiter, dann alS erster Botschaftssekretär in Pari« thätig gewesen, wurde er zum Botfchastsrath in Peters­burg ernannt, wo er sich alS Geschäftsträger wiederholt auSzeichnete, so lange die bulgarische Frage im Border- ? runde stand. Ten Gefandtfchaftsposten in Bukarest er« ielt er 1888; während seiner Amtszeit dort kam der deutsch-rumänische Handelsvertrag zu Stande. Ende 1898 wurde von Bülow zum deutschen Botschafter beim italienischen Hofe ernannt; seit Oktober 1897 ist er Staatssekretär des Auswärtigen AmteS, in welcher Stellung er vom Kaiser dm Grafentitel erhielt und zu­gleich zum Staatsminister ernannt wurde.

X Die Stimme« der fresse zum Karrzker- wechfek kommen in einem Punkte mit seltener Einmüthigkeü überein: daß nämlich Fürst Hohen­lohe ans dem Kanzleramte scheidet, ohne daß Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kaiser und ihm Über die Politik bestanden. Niemand wundert sich darüber, daß Fürst Hohenlohe ans dem Amte scheidet; denn das ist ein feit langer Zeit erwartetes Ereigniß. Aber überraschend findet man es vielfach, daß er gerade jetzt fein Vorhaben, ins Privatleben sich zurückzuziehen, zur Ausführung bringt. Vielleicht haben die ,Berl. Nemst. Nachr.' recht, wenn fie schreiben: „An der Chinapolitik des Reiches, rote fie uns in diesem Sommer auferlegt worden, hat Fürst Hohenlohe einen aktiven Autheil nicht genommen; aber sie hatte feine volle Billigung .... Aber anderseits konnten namentlich ihm näher stehende, befreundete Personen ihm die großen Schwierig­keiten nicht vorenthalten, die für ihm bet feiner schwankenden Gesundheit und abnehmenden körper­lichen Leistungsfähigkeit während einer mit so ernsten Fragen belasteten Reichstagssession ent­stehen konnten, in der die feste leitende Hand de­in oberster Stelle verantwortlichen Staatsmannes nicht zu entbehren sein würde. Diese Erwägung scheint für den Fürsten den Ausschlag gegeben zu haben." Sehr richtig bemerkt die freisinnige ,Vossische Zeitung': „Wäre Fürst Hohenlohe mit dieser (der herrschenden) Politik nicht einver­standen gewesen, so hätte er längst seine Ent­lassung genommen." In Wien und in Paris wird nach den vorliegenden Drahtmeldungen der Kanzlerwechsel genau ebenso aufgefaßt und beur­teilt — eine Uedereinstimmung der Anschauungen, wie fie bei einer solchen Gelegenheit wohl noch niemals zu verzeichnen war!

+ Der Zteichslag soll eine besondere kais er­liche Botschaft über die Chinawirren er­halten, so wird in der Presse gemeldet. Die Nachricht klingt sehr wahrscheinlich. Man muß sogar wünschen, daß daS geschehe, und zwar in recht ausführlicher Weise. Denn eS ist von allerhöchster politischer Bedeutung, daß die öffentliche Meinung ganz und in vollkommen un­zweideutiger Weise übet die Grundsätze aufgeklärt werde, die für die politische Behandlung, nicht nur der Chinafrage, sondern aller auswärtigen Angelegenheiten in Zukunft maßgebend sein sollen.

daS in Stein auSgehauen, das Bild eines noch jungen Mannes trug. Dicht habet befand sich, halb verdeckt von zwei herrlichen, dunklen Cypreffen ein kleines Bänkchen, das nur Raum für eine einzige Person bot. Auf demselben saß ein Mann, anscheinend in tiefe Gedanken ver­loren. Der breitrandige Hut lag neben ihm auf der Erde, durch daS Haar des ManneS zogen sich einzelne Silberfäden. ES war eine kräftige, gedrungene Gestalt, die Augen hafteten am Boden.

In langsamer Gangart kam jetzt ein Widerer daher, der den Blick suchend umherschweifen ließ; bald spähte er hierhin, bald dorthin, er laS alle Auffchriften, anscheinend bemühte er sich, die letzte Ruhestätte irgend eines Bekannten ober Verwandten ausfindig zu machen.

Mit einem Mal fiel sein Blick auf da- Monument mit dem Bildniß. lieber haS Ge­sicht flog eS wie Rührung, er trat mit einem AuSruf der Ueberraschung herzu und betrachtete daS offenbar von Künstlerhand ausgeführte Denkmal, auf dem in deutscher Sprache die Worte standen: „Meinem geliebten Roland ge­widmet."

Unwillkürlich faltete der Fremde die Hände, ein feuchter Schimmer lag in feinen feelenoeHen Augen, die Lippen bewegten sich leise, wie in stillem Gebet. Lange stand er so, im Anblick beS Kunstwerkes versunken, bis ein Geräusch in feiner Nähe ihn aufschreckle. Jetzt erst wurde er des Anderen auf der kleinen Bank ansichtig.

„Entschuldigen Sie," wandte er sich in italienischer Sprache an jenen, „kommen Sie öfters hierher?"