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© Die goldene — Nationale.
Bisher hat man immer von der goldenen Internationalen gehört. Auf einmal soll eS anders, auf einmal soll die Börse mit dem, was -rum und dran hängt, eine nationale Einrichtung sein. To meint wenigstens der Abg. von Siemens, der Direktor der Deutschen Bank in Berlin, der ein Mitglied der Freisinnigen Vereinigung ist; in der freisinnigen Wochenschrift ,Station' hat er ein Langes und Breites geschrieben, um seine Meinung zu begründen.
Herr Dr. von Siemens schreibt von seinem beschränkten Standpunkte als Bankmann aus. Er überschätzt die Bedeutung des Bank- und Finanzfaches ganz erheblich, was man daraus ersehen kann, daß er die Behauptung aufstellt, angenehme politische Beziehungen seien unmöglich zwischen zwei Regierungen, deren Völker in wirthschastlichem Gegensatz zu einander stehen. Nichts ist leichter zu widerlegen als das. Die Bereinigten Staaten von Amerika haben ein System deS Hochschutzzolles; Großbritannien steht auf dem Boden des grundsätzlichen Freihandels. Die Regierungen beider Staatswesen aber schwärmen einander vor von angelsächsischer Äetterschaft und geben sich alle erdenkliche Mühe, in vollendeter Freundschaft zu leben, so weit daS in der Politik überhaupt möglich ist.
Natürlich wird sich eine „vernünftig geführte Börse mit den politischen Interessen ihres Heimathlandes nie in Widerspruch setzen," wie Herrn Dr. von Siemens sich ausdrückt. Aber daraus, daß etwas nicht unmittelbar vaterlandsfeindlich wirkt, kann man noch lange nicht den Schluß ziehen, daß es eine ausgesprochen nationale Einrichtung sei. Die Börse steht voll und ganz auf dem Boden dec eigensüchtigen In. teressen, und wenn die Hochfinanz nicht sehr viel durch die Börse verdiente, würde sehr bald keine Spur mehr von der Börse vorhanden sein. Die Börse hütet fich, vaterlandsfeindlich zu wirken, natürlich; denn auch dann würde sie ihr eigenes Dasein gefährden und dann würde es vorbei sein mit dem Vergnügen, durch die Spekulation mit den Geldern vertrauensseliger Leute fich selbst den Beutel zu füllen. Aber deswegen ist die Börse doch keine nationale Einrichtung, weil sie aus eigensüchtigen Beweggründen sich davor hütet, mit vaterländischen Jntereffen in Widerstreit zu gerathen, noch lange nicht! Um „national" zu sein in des Wortes guter Bedeutung braucht man einen gewiffen Idealismus der Denkweise. Von der Börse einen solchen Idealismus vorauszusetzen, wird uns wohl aber selbst der Bankdirektor von Siemens nicht zumuthen wollen.
Auch die Börsen haben ihren Nutzen, das soll nicht bestritten werden; obwohl der Nutzen sehr einseitiger Art ist. Denn er kommt eigentlich nur der Industrie zu gute. Daß aber auch die Industrie schon sehr großen Schaden durch daS Börsentreiben erlitten hat, weiß die Industrie selbst am besten, weiß jeder, der namentlich auch die Finanzereigniffe der letzten Zeit mit nur einigermaßen aufmerksamem Auge verfolgt hat.
Bei unS in Deutschland hat die Börse zum Unterschiede von den großen Börsen in Paris,
Die Perle von Morenz.
Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
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Anita wußte das wohl, doch diente die Ab» Wesenheit Hedwigs ihrem Plan.
„Jedenfalls kehrt sie bald zurück, und wir können unterdessen ein wenig ausruhen."
Schwelgend folgte Julia der Mutter in das Haus.
„Frau Eilenberg ist ausgegangen, wird aber bald zurückkehren", berichtete das Dienstmädchen, „wenn die Damen einstweilen Platz nehmen wollen, es kann nicht sehr lange dauern."
„Rur ein wenig verschnaufen", nickte Anita gnädig und herablassend.
Julia stellte sich ans Fenster, ihrer Mutter -en Rücken kehrend.
Diese hatte rasch und unbemerkt den Deckel von Hedwigs Arbeitskorb gehoben und ein unscheinbare« Blatt Papier hineingesteckt; dann nahm sie auf dem an der entgegengesetzten Wand stehenden Divan Platz, und begann chre Handschuhe aufzuknöpfen. Dies schien sehr schwer zu gehen, sie nestelte lange daran herum, endlich rief sie dem noch immer auf die Straße hinausstarrenden Mädchen zu: „Julia, mir ist eben aus meinem Handschuh ein Knopf gerissen; ich will ihn gleich wieder annähen, bi» Hedwig kommt. — Bitte, reiche mir dort aus dem Korbe Faden und Radel, vielleicht findest Du einen Fingerhut."
Julia wollte das Gewünschte suchen, blieb aber plötzlich wie angewurzelt stehen. Ihr Auge war auf dem Namen Alfred haften geblieben; einem
IuLöa, Dienstag, den 16. Oktober 1900.
London oder New Park einen besonderen Charakterzug; an jenen Börsen ist fast nur das Großkapital vertreten; bei uns fließt an der Börse auch sehr reichlich Kapital zusammen aus breiteren VolkSmaffen, und gerade deswegen kann bei uns die Börse zu gewissen Zeiten viel ungünstiger wirken alS in anderen Ländern, wo das nicht der Fall ist. Deswegen aber erhält unsere Börse noch lange keine Berechtigung, fich national zu nennen.
Ganz zuletzt gibt Herr Dr. von Siemens seinem Herzen einen Stoß und gesteht zu, daß es auch einen Börsenschwindel gibt. Er spricht von einem „berechtigten moralischen Widerwillen gegen den Börsenschwindel" — augenscheinlich meint er damit das Differenzgeschäft, genauer gesagt die Thatsache, daß der Börsenschwindel sich der Form dieses Differenzgeschäftes zu bedienen pflegt. Gerade dagegen wendet sich aber vornehmlich das Börsengesetz, und damit gibt derselbe Dr. von Siemens, der eine Vertheioigung der Börse gegen dieses Gesetz und ihre Urheber schreiben wollte, ja gerade umgekehrt diesen Gesetzesurhebern uud ihren Beweggründen recht I
Uns kommt es hier nicht darauf an, uns mit dem Direktor der Deutschen Bank herumzustreiten. Seine Auslassungen sollten nur dazu dienen, die irrthümlichen und entsetzlich einseitigen Auffassungen zu kennzeichnen, die in diesen Finanz- und Börsenkreisen heimisch sind, Auffassungen, gegen die jedermann ankämpfen muß, dem an der Erhaltung des deutschen Volkes etwas gelegen ist. Dr. von Siemens erklärt nämlich allem festen Besitze den Krieg. Er vergleicht bewegliches Kapital und festgelegten Besitz mit „gefesseltem und freiem Willen", mit „Vormundschaft und freier Initiative". Mit Verachtung also urtheilt der Berliner Bankdirektor von der ganzen deutschen Landwirthschaft und von allen anderen Deutschen mit festen Besitzverhältniffen als von Leuten, die nach Intelligenz und freiem Willen dem beweglichen Kapital gewissermaßen untergeordnet find: der Bankprotz spottet über die Erwerbskreise, die den allergrößten Theil deS deutschen Volkes auSmachen und unserem Lande gerade den Charakter geben, der dem wahren Deutschen anS Herz gewachsen ist! Und ein solcher Mann will das deutsche Volk belehren darüber, was national ist und was nicht.... Eine blutigere Satire kann man fich kaum vorstellen; einen ärgern Mißerfolg kann es kaum fieben, als den, den der Berliner Bankmann durch eine Schriftstellerei über die „nationale Börse" erzielt hat! Gegen seinen Willen hat er gezeigt, daß er ebenso wie fast alle seine Fachgenossen befangen ist in den Vorurtheilen der goldenen Internationale, die allem nationalen Wirth- schastSleben entgegen nur die Herrschast des beweglichen Kapitals fördern will über das Volk, das in harter Arbeit sich das Leben sauer werden läßt auf der von den Vätern ererbten Scholle — Gott behüte uns noch recht lange vor dieser Herrschaft!
Drutsches Aeich.
Berlin, den 15. Oktober.
h Ileichskarrzker Jürst Koyenkohe hat sich am heutigen Montag zum Vortrage beim
raschen Impulse folgend, hatte Julia den Zettel überflogen, der ihr in die Hänve gefallen war. Ein Beben ging durch die schlanke Gestalt, sie vermochte im ersten Moment kaum den Sinn der Worte zu fassen, die hier standen.
Iulra fuhr sich mit der Hand über die Augen. Es konnte, — es durfte ja nicht wahr sein, sie mußte sich getäuscht haben. Noch einmal irrten ihre Augen über die wenigen Worte hin. Es war grausame Wirklichkeit, — ein leiser Wehlaut entschlüpfte den bleichgewordenen Lippen, ihre Pulse flogen, sie sank auf den nächsten Stuhl, und schlug verzweifelnd die Hände vors Gesicht.
Anita halte Julia scharf beobachtet, sie vermochte kaum ihre Freude über den gelungenen Streich zu verbergen. Das hatte geholfen, ihr Plan war geglückt, das Band zerrissen, das die Beiden umschlungen.
„Was ist Dir, mein Kind?" klang es angstvoll von den Lippen der Mutter.
Julia zuckte zusammen, wie von einem Streich getroffen.
„Also doch — also doch!" stammelte sie, wie geistesabwesend.
„So haben die Leute doch recht gehabt, o ich dummes, einfältiges Mädchen, es ist zum Verzweifeln! Was fange ich an? O, — er, — er ist schlecht, — ich hätte es ihm nimmer zugetraut!"
Ein Schluchzen erschütterte die zarte Gestalt, die zusammengesunken war unter der Last des Schmerzes.
Anita stand mit ein paar Schritten neben ihr.
„Was, — was ist das?" schrie sie mit gut gespielter Entrüstung, nachdem sie das Papier
Kaiser nach Homburg begeben. Wann der Reichskanzler von dieser Reise nach Berlin zurückkehre« wird, ist zur Zeit unbekannt. Schon vor mehreren Tagen wurde angekündigt, daß Fürst Hohenlohe am 15. Oktober sich für einige Zeit nach Süddeutschland begeben werde.
+ Die Kaiserin Iriedrich leidet nach einem von den behandelnden Aerzten aus- gegebenen Bulletin seit längerer Zeit an neuralgischen Schmerzen. Infolge der andauernden Beschwerden hat sich ein Erschöpfungszustand de- merkbar gemacht, der zu einem Anfall akuter Herzschwäche geführt hat. Eine augenblickliche Lebensgefahr ist nicht vorhanden; indessen „muß die Wiederholung eines solchen Herzschwächezustandes als ein das Leben unmittelbar gefährdendes Ereigniß erachtet werden". Auf den
Wunsch der Kaiserin werden Bulletins nicht weiter ausgegeben. In dem vorliegenden Bulletin fehlt die Angabe darüber, wodurch die neuralgischen Schmerzen verursacht sind. Die Ursache erblickt man bekanntlich in einem Nierenleiden, von dem die Kaiserin Friedrich schon häufig heimgesucht worden ist. Dieses einzige Bulletin klingt ernsthaft genug!
h Der Stuf nach dem „starke« Wa««e", der „in der Vollkraft der Jahre steht" und „nicht nur die Entschlossenheit, sondern auch die Fähig- keit befitzt, in voller Thatkraft und mit breiter Brust den Kaiser thatsächlich zu decken", ertönt jetzt auch aus den Spalten solcher Blätter, von denen man bisher annahm, daß sie in offiziösen Beziehungen zu Berlin ständen. „Die Schwierigkeit dieser Aufgabe (des Reichskanzlers)," so heißt es weiter in der Münchener,Allgem. Ztg.', von der hier die Rede ist, „wird dabei in dem Maaße wachsen, in dem das Reichsoberhaupt das Bedürfnis empfindet, mit starker Hand fördernd oder hemmend in daS politische Räderwerk einzugreifen und fich der Wirkung der publizistischen und parlamentarischen Geschosse rück- sichtslos auszusetzen . . ." Schade, daß man nicht weiß, ob diese Sätze auf dem Acker genannten Münchener Blattes selbst gewachsen, oder ihm von Berlin aus in die Feder diktirt worden sind. Nach einer halbamtlichen Notiz der,Berl. Neuesten Nachr.' beruht die Behauptung, es habe im letzten Sommer zwischen dem Reichskanzler und einzelnen Ministern, (gemeint sind Staatssekretäre ! Red.) eine Meinungsverschiedenheit bestanden über die Einberufung des Reichs
überflogen. Auf ihrem' runden, vollen Gesicht stand zornige Empörung geschrieben-
„Schändlich, - schändlich!" — rief sie heftig „o mein Kind, — mein armes Kind, hättest Du mir doch früher geglaubt. Bist Du nun endlich überzeugt, Julia?"
Julia hörte kaum auf die in heftiger Erregung hervorgestoßenen Worte ihrer Mutter. Krampfhaft hielt sie das verhängnißvolle Papier fest, ihre Zähne schlugen wie im Frost aufeinander, die Züge des Mädchens drückten Abscheu und Ekel aus.
„Laß uns fortgehen, Mama, ich möchte Hedwig jetzt nicht sehen, mir ist so elend,, al» sollte ich sterben", bat Julia.
„Ja mein Kind, wir wollen uns beeilen, nach Hause zu kommen."
In dem Herzen des Mädchens, dem heute das bitterste Weh angethan worden, sah es gar öd und leer aus.
„ES fiel ein Reif in der Frühlingsnacht," und er tödtete die lieblichen, frischen Blüthev, die so hoffaungsfreudig dem Lichte entgegenstrebten.
Nichts blieb Julia von all den Hoffnungen, die ihres Lebens Freude auSgemacht hatten. Dem kurzen Liebesfrühling war sogleich der Winter gefolgt, und der würde nun bleiben, — immer, — immer.
Anita wollte es fast bange werden, wenn sie in das verstörte Gesicht Julia's blickte. Doch sie tröstete fich auch gleich: „Das wird vorübergehen, fie ist ja noch so jung, und von Natur aus zur Heiterkeit veranlagt. Sie wird den Mann, dem sie nicht angehören durfte, vergeffen, und einen andern wählen. Jeder soll
27. Jahrgang.
tages, auf „freier Erfindung". Warum der Reichstag im letzten Sommer nicht einberufen wurde, darüber „werde sich, wie mit Sicherheit anzunehmen fei, der Reichskanzler seinerzeit im Reichstage des Näheren äußern". Das wird in der Thai recht nothwendig fein!
+ Polnische Privalschnke« dürfen auch in Berlin nicht mehr bestehen. Diejenigen, die in Berlin bestanden, sind auf ministerielle Anordnung hin geschlossen worden. Ihre Thätigkeit umfaßte polnischen Sprachunterricht und die Anfangsgründe polnischer Geschichte; sie wurde gewöhnlich während einiger Nachmittagsstunden in Gastwirthschaften ausgeübt. Die Zahl dieser Schulen betrug zuletzt acht: sie standen unter der Leitung polnisch-katholischer Vereine, waren also auf keinen Fall als ein Herd irgendwelcher Umsturzbestrebungen zu betrachten. In Posen selbst geht man bekanntlich noch weiter. Dort verbietet man die Ertheilung polnischen Unterrichtes auch in Privathäusern, und was man dort ihut, kann man auch an anderen Orten ausführen. Man mag nun über Polen und polnische Bestrebungen denken, wie man wolle — auf keinen Fall wird geleugnet werden können, daß das gewaltsame Maßregeln sind, die sich schwer in Einklang bringen lassen mit der Freiheit, die den einzelnen Staatsbürgern im Reiche zukommen soll. Auf diese Weise wird man auch niemals dahin gelangen, die polnische Frage zu lösen.
-r Ireiöurg i. Mr., 15. Ott. Gestern fand eine glänzend verlaufene Versammlung der Rvmpilger statt, wobei allgemeine Begeisterung herrschte. Heute früh 7 Uhr ist der Extrazug bet schönstem Wetter abgegangen. Alle Pilger sind in bester Stimmung.
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* Paris, 16. Okt. Ueber Disziplinär» maßregeln des französischen Kriegsministers wird gemeldet: Der Regisseur de» DreyfuS-DramaS, Oberst Du Paty de Elam, der sich seit zwei Jahren mit Halbsold in Nicht» ahioität befindet, wird demnächst nach Vollendung seines dreißigsten Dienstjahres verabschiedet. General Perboyre, Kommandant der Artillerieschule von Fontaineblau, deren Offiziere einen neu» ernannten Kameraden israelitischer Religion, den Hauptmann Coblentz, gesellschaftlich ächteten, wurde in den Ruhestand versetzt. Sieben Offiziere wurden disziplinarisch in den Truppendienst nach Provinzstädten geschickt.
• Kopenhagen, 15. Okt. Der dänische Gesandte in Washington ist in Kopenhagen angekommen, um über den Verkauf der westindischen Kolonien an die Vereinigten Staaten zu verhandeln.
ft Stockholm, 15. Oktober. Wie Privatmeldungen besagen, hat sich der Gesundheitszustand des schon lange leidenden Königs Oskar von Sckweden bedenklich verschlimmert. Oskar II. wurde geboren am 21. Januar 1829 und folgte am 18. September 1872 seinem Bruder Karl XV. auf den Thron. Bekanntlich führt schon seit einiger Zeit sein Sohn Gustav die Regentschaft.
* Mudapek, 15. Okt. Der gegen Geschäfts-Reisende und Agenten speziell au»
mir recht sein, und der, der entfernt werden mußte, soll ihren Weg nicht mehr kreuzen."
Julia wußte kaum, wie sie nach Hause und in ihr Zimmer gekommen war. Die Großmutter wartete heute umsonst auf daS Erscheinen ihres Lieblings. Verwundert schüttelte die alle Frau den Kopf. Was mochte oorgefallen sein? Es war ihr recht ernstlich zu Muthe, schmerzlich vermißte sie die kleinen Dienste, die ihr daS Mädchen stets leistete. Niemand achtete heute auf die Greisin, die den silberweißen Kopf in die Hände gestützt, traurig vor sich hinfah.
Leise sank die Dämmerung hernieder. Um diese Stunde pflegte Julia stets am Klavier zu fitzen, heute blieb Alles still. In den Zimmern herrschte eine dumpfe, schwüle Luft, im Garten 0 regte fich kein Blatt, Alles schien zu schlafen, die Blumen neigten wie müde die Köpfchen, die Vögel waren verstummt. Nur die Fontäne plätscherte ihre eintönige Melodie, die Wassertropfen glänzten wie Perlen.
Julia stand am Fenster und schaute in den Garten hinaus. Da wurde leise die Thür ihre- Stübchens geöffnet.
„Julia?" klang es fragend in die Dunkelheit hinein.
„Bist Du es, Großmama?"
Wie müde doch heute die Stimme des Mädchens klang, fast nicht zum Wiedererkennen.
„Was machst Du denn hier in der Dunkel- heit, Kindchen?"
„Ich — ich bin — so müde, Großmama, und möchte bald schlafen gehen."
Erschrocken kam die alte Frau auf das Mädchen zu; etwas in dem Tone desselben ängstigte sie und