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Prattisch-sozialer Kursus
(Nachdr. »erb.)
Gr. Köln, 1t. Oktober. VII.
absichtigten „Kundgebung gegen Rom", ein ungarischer Magnat, der ganz und gar im liberalen
der Mutter ungehorsam sein zu müssen, aber — ändern konnte sie es nicht.
Zuweilen geschah es auch, daß Leo Eilenberg die kleine Schwägerin, wie er Julia nannte, unter irgend einem Vorgeben abholte, um sie mit Alfred zusammen zu führen. Anita gegenüber stellte sich Leo, al« ob er wüthend eifersüchtig auf den Professor wäre, deshalb schöpfte diese auch nicht den leisesten Verdacht, wenn Leo das Mädchen mitnahm. Auch Hedwig wußte stets eine neue List auszusinnen, sie war ordentlich er inderisch geworden.
Daß Julia hie und da doch heimlich mit dem Gel'.ebtm zusammentraf, wußte Anita gut genug, aber so viel Mühe sie sich gab, etwa« au«zu- tnnen, war die Selben für immer trennen konnte, es fiel ihr nichts ein. Die Verleumdungen, die ie von ihren Gesellschaften mit nach Hause brachte und gelegentlich Julia mittheilte, fielen bei dieser auf sehr unfruchtbaren Boden.
„Du sollst mir nicht immer solche Sachen erzählen, Mama," pflegte das Mädchen zu sogen, „ich glaube doch nicht daran. Ich kenne Alfred u gut, um ihm etwa» Unehrenhaftes zuzutrauen. Von jedem Andern würde ich Derartiges eher glauben, nur von ihm nicht. Gib Dir keine Mühe.^
Anita sah ein, daß auf diese Weise nichts zu erreichen war, e« mußten andere, kräftigere Beweise erbracht werden, aber das war nicht leicht. | Tausend Pläne durchkreuzten Anitr'S Hirn, um >en besten Weg zu finden, Julia und den Pro- essor zu trennen.
Es war mittlerweile Sommer geworden. Durch die geöffneten Fenster drang da« Jubiliren der
Der Herr Erzbischof von Serajewo möchte Bosnien nicht mehr bei Ungarn, nicht mehr von Budapest aus verwaltet sehen. Nun freilich, dasist ein Tadel der bestehenden staatliche» Verhältnisse, unter deren Herrschaft Bosnien ein Anhängsel des ungarischen Königreiches ist. Aber soll ein Erzbischof nicht seine eignen politischen Ansichten haben dürfen? Und soll es ihm verboten sein, sie zu äußern, wenn er sie hat? In Oesterreich- Ungarn ist man doch auf diesem Gebiete ganz andere Dinge gewöhnt. Warum ist man denn gerade gegen den Herrn Erzbischof von Serajewo so außerordentlich empfindl'ch?
Natürlich, die liberale Presse bemächtigte sich mit Wonne dieses Falles. Sie hat ihn nach allen möglichen Richtungen ausgebeutet und hat, wo die Wahrheit nicht ausreichte für ihre Zwecke, wacker fo lange dazu gelogen, bis das Histörchen so aussah, wie sie es haben wollte. Und dieses Histörchen sieht nun so aus:
Erzbischof Stadler wurde nach dem Katholikentage von Agram vom Papste empfangen. Der Papst ließ sich berichten über den Zusammenstoß des Erzbischofs mit der ungarischen Regierung und ließ danach dem Kirchenfürsten von Serajewo besondere Auszeichnungen widerfahren. Ungefähr in derselben Zeit hatte die Großherzogin Alice von Toskana mit ihren beiden Töchtern eine Audienz beim Papste, und bei dieser Gelegenheit soll der hl. Vater die Zustände in Oesterreich als sehr traurig bezeichnet und als Grund dafür „die Menschenfurcht und Energielosigkeit hochgestellter, einflußreicher Personen in Oesterreich" angeführt haben. Die Folge davon wiederum soll ein „schwerer Konflikt" zwischen dem | Vatikan und Oesterreich fein, und diesem Konflikte soll Graf Revertera zum Opfer fallen, der österreichisch-ungarische Botschafter am Vatikan. Dieser soll, so geht die Legende weiter, mehrfach bet Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vatikan und Oesterreich-Ungarn auf die Seite des Vatikans sich gestellt haben usw. usw.
Das Histörchen ist ganz geschickt zusammengestellt. Schade, daß es nicht wahr ist. Zum mindesten stimmt die Grundlage des Ganzen nicht, die Schilderung des Empfanges, den der Herr Erzbischof von Sarajewo in Rom gefunden haben soll. Herr Erzbischof Stadler ist nämlich, wie ausdrücklich durch eine vatikanisch-offiziöse Mittheilung im „Ofservatore Romano" festgestellt worden ist, vom hl. Vater nicht anders empfangen worden, als andere Erzbischöfe auch, von besonderen Auszeichnungen ist gar nicht die Rede gewesen. Und da das im .Ofservatore Romano' ausdrücklich sestgestellt wurde, muß man doch unweigerlich annehmen, daß der Vatikan hohen Werth darauf legt, in Wien keine falschen Anschauungen aufkommen zu lassen über die Gesinnungen der Kurie gegen Oesterreich- Urigarn. Wenn nun an einem solchen Histörchen die Grundlage falsch ist, daun kann man annehmen, daß das ganze Histörchen nicht wahr ist. Im übrigen aber würde der hl. Vater doch nur den Nagel auf den Kopf getroffen haben, wenn
I Vögel herein und der leichte Sommerwind trug den Duft der Rosen ins Zimmer. Julia beachtete es nicht. Sie saß am Klavier, doch schien sie kaum zu wissen, was sie spielte. Träumerisch folgten ihre Augen einem bunten Falter, der sich vom Garten bis hier herein verirrt halte, indeß ihre Finger langsam über die Tasten glitten.
Fran Anita saß vor einer geöffneten Schreibmappe, die sie zufällig im untersten Fach der Kommode gefunden hatte, in der Hedwig vor ihrer Verheirathung verschiedene Sachen aufzubewahren pflegte. Anitas Augen fielen auf ein unscheinbares Blättchen, das halb versteckt unter alten Briefen und kleinen Andenken gelegen hatte, und über ihr Gesicht glitt ein boshaftes Lächeln. Sie kniff die Lippen zusammen, schlug etwas hastig die vielbenutzte Schreibmappe zu, und legte sie an ihren vorigen Platz zurück. Den kleinen, anscheinend au« einem Notizbuche gerissenen Zettel nahm sie an sich und verließ das Zimmer. Draußen überflog sie noch einmal den uns schon bekannten Inhalt des Blattes:
„Meine liebe Hedwig I Laß das Vergangene vergessen fein! Ich habe Dich trotz allem und allem sehr lieb, — Du mich auch, ich weiß es. Wir gehören doch nun einmal zusammen. Darf ich kommen, mir den Versohnungskuß zu holen? Meine geliebte Hedwig, sende mir Antwort, — und ich eile in Deine Arme
Dein Alfred." •
Und unten standen gleich dem andern mit Bleist ft geschrieben, die wenigen Worte: „Komm zu Deiner Hedwig '
„Vielleicht kannst Du mir einen guten Dienst leisten," murmelte Anita, das leise knisternde
gab, sich zu etabliren. Auch dem Einzelnen, der in Noth geraten, Hilst die Genossenschaft.
Herr Ohlenschlager (Frankfurt a. M.) bittet, indruHan dwerkerka mmern ordentliche Leute für da« Genossenschaftswesen heranzubildeu, denn nur bei Tüchtigkeit sind gute Resultate zu erzielen.
Prof. Dr. Hitze weist auf die Blüthr der landwirtschaftlichen Genossenschaften hin und ermahnt die Handwerker, diesem nachzustrebrn und die bestehenden Schwierigkeiten durch die Solidari- tätSbestrebirngen zu überwinden.
Die Diskussion wendete sich jetzt zu dem Jnnungswesen und den Handwerkerkammern.
Reichtagsabg. Euler dankte den Veranstaltern des sozialen Kursus, welche die heutige fruchtbringende Aussprache herbeigeführt. Za bedauern fei oft den Theilnahmlofigkeit der Handwerker für ihre Stan^sirttereffen, bei allen anderen Vereinen feien sie an der Spitze, wenn es aber den Stand in der Innung zu retten gilt, da fehlen sie zum eigenen Schaden!
Herr Möller (Dortmund) sprach sich in demselben. Sinne aus.
Herr Schäfers (Duisbur-) empfiehlt gründliche Ausbildung der Lehrlinge, vom Lande soll man die Jungen in die Stadt in die Lehre thun, wo er gründlich ausgebildet wird.
Herr Möller beklagt, daß so wenig Lehr- I linge ar-geboten würden, besonders bei den gewöhnlichen Handw. fern. Die Innung muß den Meister wie den L yrling überwachen und eoentl. Remedur schaffen.
Nachdem die Debatte beendet, schließt Prof. Dr. Hitze den praktisch-sozialen Kurses mit dem Danke an alle Betheiligten, mit dem Wunsche, daß die gegebenen Anregungen zu reichen Früchten aufgehen möchten. Dem verdienstvollen Leiter der Verhandlungen spricht die Versammlung unter lebhaftem Beifall ihren Dank für seine vielen Mühen ans.
G Einiges ans dem katholischen Oesterreich.
Erzbischof Stadler von Serajewo hat es bei einem in Agram abgehaltenen Katholikenkongreffe gewagt, frank und frei seine politische Aussicht zu sagen. Für die Ma^yrrrn schwärmt der Herr Erzbischof nicht. Welcher gute Katholik wollte ihm da« verdenken? In dem Königreiche, das sich noch immer das „marianische" nennt, ;eht es nichts weniger als marianifch zu; in )em Lande, das der Hauptsache nach fast nur von Katholiken bewohnt ist, kommt die katholische Kirche so schlecht weg wie nur irgend möglich. Uid soeben erst ist, ganz in der Form einer be
Ihnen die heutige Abweisung," murmelte sie schadenfroh.
In Julias Augen standen funkelnde Thiänen, doch sie fühlte sich keineswegs entmuthigr. Sie hoffte trotz alledem auf eine glückliche Lösung. Der Glaube und die feste Zuversicht, die die Großmutter in das junge Herz gepflanzt, trugen jetzt ihre Früchte. Sie wollte geduldig harren, bis ihr Schicksal sich zum Bessern wenden würde. Nur die kindliche Liebe und Anhänglichkeit, die sie sonst für die Mutter empfunden hatte, war stark ins Wanken gekommen. Aus dem über« müthigen Kind von ehedem war ein sinnendes, ernstes Mädchen geworden. Aber gerade diese | Veränderung ihres Wesens übte einen eigenen Zauber au«, verlieh ihr einen neuen Reiz, und ließ sie doppelt lieblich erscheinen.
Alfred litt ungleich mehr unter der Trennung, al« Julia. Fast täglich kam er zu Hedwig, in der Hoffnung, Julia dort zu treffen.
Trotz aller Vorsicht, die Anita anwandte, konnte sie t6 auf die Dauer doch nicht verhindern, daß Julia und der Professor sich hie und da trafen. Frau Anita liebte die Geselligkeit zu sehr, als daß es ihr möglich gewesen wäre, diese ganz aufzugeben, wie sie anfangs versucht hatte. Rach einigen Wochen begann sie wieder häufiger, ihre Bekannten und Freundinnen aufzusuchen, und dies benützte Julia, um auf dem kürzesten Wege nach der Stadt und in die Arme des Geliebten der sie gewöhnlich bei Hedwig erwartete, zu eilen. Freilich, wenn Anita davon erfuhr, dann gab es böse € eenen, aber das wog koch lange nicht die seligen Stunden auf, die die Liebenden bei solchem Zusammentreffen verlebten. Julia that es so leib,
Der heutige Freitag gehörte der Behandlung der wichtigen Handwerkerfrage und leitete Herr Dr. Grünenderg (Syndikus der rheinischen Haudwerkerkammer zu Düsseldorf) die Verhandlungen ein mit dem Vortrage über die „Organisation des Handwerks in Innungen und Handwerkskammern." Aus dem weiten Gebiete dieses Themas will Redner nur barlegen die Grundzüge des bestehenden Gesetzes, die praktische Ausgestaltung desselben und drittens die Thätigkeit der Handwerkskammer.
Das neue Gesetz führt entgegen den früheren gesetzlichen Maßnahmen zum Schutze des Handwerks zuerst den Zwang ein, wodurch auch die widerstrebende Minderheit zur Organisation gezwungen wird. Neu find auch die sozial politisch wichtigen Gesellenausschüsse. Der Schwerpunkt des Gesetzes liegt in der Lehrlingsausbildung. Der Junge soll zum ordentlichen Meister und tüchtigen Staatsbürger heranwachsen. In der neu geschaffenen Handwerkskammer findet die Organisation ihre Krönung; auf gesetzlicher Grundlage aufgebaut, hat sie behördlichen Charakter.
In der Ausgestaltung der Innung ruht der Schwerpunkt zur praktischen Durch- führung des Gesetzes. Die Innung bietet den Ges ellenausschuß, sie kann durch Statut weiter denselben ausgestalten, ihr liegt die Lehrlingserziehung ob, sorge man vor allem für gute Verwendung der freien Zeit. Aber zumeist muß die Innung für den Meister schaffen. Hierin fällt die Bildung von Produk» tions-, Verkaufs- und Kreditgenossenschaften, SchiedSg-richte, Förderung der fach- und kaufmännischen Bildung. Die Zwangsinnung schreckt manche, aber das ist leere Furcht. Auch hier gilt die Eelbsthilse, die Handwerker müssen selbst den Wiederaufbau des Stande- besorgen.
Das Gesetz ist nicht schlecht, bei gutem Willen läßt sich vieler leisten. Das Gesetz wäre besser ausgefallen, wenn die Handwerker in den 80er Jahren daS Gebotene besser auSgenutzt hätten. Fallen wir nicht in denselben Fehler zurück. Arbeiten wir im festen Glauben an unsere Kraft, im festen Glauben an unsere gute Sache, in treuer Mitarbeit. Wirtschaftliche Blüthe, oder wirtschaftlicher Ruin, in die Hand deS Handwerkers selbst ist beides gelegt.
Hen Dompräbendar Dr. Retzbach (Freiburg in Breisgau) legt die drei verschiedenen Arten deS Genossenschaftswesens dar, als unbeschränkte Haftpflicht, unbeschränkte Nachschußpflicht und beschränkte Haftpflicht. Die letztere Art kommt für daS nicht zu ausgedehnte Kreditdedürfniß der Handwerker am meisten in Betracht. Wo der nöthige Kredit nicht vorhanden, sind Handwerker- banken zu gründen, wie solche in den letzten Jahren rund 100 in Preußen gegründet worden find. Jene Zett, wo der Gemeinsinn, der Ge- noffepschaftsstnn im Handwerk herrschte, war die
I Zeit der Blüthe, und so darf man auch heute sagen, mit diesem Geiste steht oder fällt die Lage unseres Handwerks.
Herr Rektor Schweizer vom Kölner Gesellenverein erklärt da« zeitgemäße Thema, wie kann der Gesellenverein bei der Handwerks- organifation mitwirken. Die im Juni stattgehabte Präsidcskonferenz, besucht aus ganz Deutschland, Oesterreich, Luxemburg und der Schweiz, erkannte, daß die Gesellenvereine bei der Organisation Mitwirken müßten. Es ist dies eine Erweiterung seines bisherigen Programms, zur religiösen, sittlichen Bildung muß die wirtschaftliche treten, will man dauernd den Gesellen an sich ketten. Heute zählt der Verband 1100 Vereine mit 100,000 Mitgliedern. In den Gesellen vereinen sind die christlich denkenden Gesellen vereinigt, also ist hier auch der Boden, das Handwerk wieder auf christlicher Grundlage aufzurichten.
Wie soll sich die Thätigkeit entfalten? Zunäch müssen den Mitgliedern die StandeSpflichten eingeschärft werden, für das Ganze zu sorgen, weil darin auch des Einzelnen Wohl liegt. Sodann Belehrung und Aufklärung in sozialen Kursen, um die Vortheile der Organisation des Handwerks darzulegen. Man muß die Wichtigkeit der Gesellenausschüsse, die nicht genug bekannt, den Gesellen klar machen. ES ist eine versöhnende Instanz zwischen Arbeitgeber und Gesellen, der vom Gesetze ein mannigfaches Feld der Thätigkeit zugewiesen ist. Von großem wirtschaftlichen Werte ist die Ausgabe der Gesellenvereine, die Mitglieder in Fachabtheilungen für ihren Stand geistig und materiell heranzubilden. Schließlich sollen die Gesellenvereine das gute Verhältniß zu den Innungen pflegen, mögen diese auch ihrerseits dazu die Hand reichen. Das gemeinschaftliche Wirken wird dem ganzen Stande zum Segen gereichen.
Der heutige Tag hat einen ganz ungeahnten Besuch gebracht. Die Mitgliederliste zählt nahezu elfhundert Namen.
VIII.
Gr. Köln, 12. Oktober.
Die nachmittägige Diskussion erfreut sich wiederum eines außerordentlichen Besuches.
Ts berichtete zunächst Herr Korthaus, Sekretär der Osnabrücker Handwerkerkammer, ausführlich über die blühende Tischlergenossen- schaft, welche besonders für die {letneren Betriebe von Bedeutung ist, und ermahnte schließlich. sich zusammenzuschließen, watz hier möglich, kann auch anderwärts geschehen.
Herr Schmand (Münster) führt die verschiedenen Genossenschaften seiner Vaterstadt an. Die dortige Kreditbank (Volksbank) erzielte einen Umschlag von 3 M.llroven Mark. Redner hält die Konsumgenossenschaften (Lebensmittel) für verwerflich. Die Schuhmacherinnung hat ein eigenes Verkaufslokal eingerichtet.
Stadtv. Eitel (Düsseldorf), Vorsitzender des deutschen Fierscherverbandes, rühmte fcaS gute Verhältniß zwischen Geselle und Meister in seinem Stande. Das Genossenschaftswesen ist gut ausgebildet. Reich auSgestattet sind dieWohlfahrts- e'inrichtungen. fo finden wir Sterbekaffe, Haftpflicht-, Pensions- und Wittwenkoffe, Ein Meister,
der in jungen Jahren eintritt, findet später im
Atter ein sorgenfreies Leben. _____a —_________
Herr Paesch, Direktor der heffen-naflauischen I Fahrwasser segelt, zum Präsidenten' des Obev HandwerkergenossenschastSbank in Frankfurt a. M., Hauses ernannt worden.
führt die Gründung dieses Instituts vor. Redner mahnt, langsam und vorsichtig oorzugehen. In guter Blüthe stehrn die Frankfurter Rohstoffge- noffenschaften, denen die Bank die Mittel an die
Die Merle von Ilorenz.
Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
81 ------ (Nachdruck verboten.)
„Sie erkannten ja Beide, daß diese Verlobung ein Jrrthum war, daß sie nicht zu einander paßten!"
„Und wenn der Herr Professor zum zweiten Mal erkennt, daß es ein Jrrthum war, was dann?" höhnte Anita. „Dann bist Du blamirt, und kannst warten, bis ein Anderer kommt." — Julia lächelte. Ihre Siebe war über jeden Zweifel erhaben. Sie sagte nichts mehr und beschloß, sich an den Vater zu wenden.
Doch Anita mochte so etwas oorauszesehen haben, sie kam Julia zuvor, und als am andern Tage Professor Hammon im Reinhold'schen Hause als Bewerber um Julia's Hand erschien, erhielt er ein unumwundenes „Nem" als Antwort.
Herr Hans Reinhold fertigte ihn kurz und in kühler Weise ab mit dem Bemerken, daß ihm ein Mann, der heute dieses, morgen jenes Mädchen wähle, nicht geeignet erscheine, sein Schwiegersohn zu werden, da von solcher Unbeständigkeit sich ein dauerndes Glück nicht erhoffen lasse.
Alft d sah ein, daß er sich vorläufig dem be- stimmt kimdgegebenen Willen Hans Reinholds beugen müsse.
Snita schaute dem sich langsam Entfernenden mit spöttischem Lächeln nach, wie er durch den frühlingsduftigen Garten schritt, das sonst so kochgetragene Haupt gesenkt, als müsse er die Steine am Wege zählen.
„Ah, mein Herr Professor, hoffentlich genügt
Fuldaer
M 237.
Jutta, Montag, den 15. Oktober 1900.
27. Jahrgang.
Ml M» total ta Mm «iMirtiitawi Pdme* •». ■ (taMk).