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236.

JuLöa, Samstag, den 13. Oktober 1900.

Deutsches Keich.

Berlin, den 12. Oktober.

+ Ginveruftt«- des Reichstages zu einer außerordentlichen Tagung im Sommer -sollte nach einer vereinzelten Meldung, die offi­ziösen Charakter zu haben schien, im Einverneh­men mit den Führer der großen parlamentarischen Gruppen unterblieben sein. Im Gegensätze dazu stellt die ,Natl. Ron/ fest, daß „von einem sol­chen Einvernehmen der Führung der national­liberalen Reichstagsfraktion nichts bekannt sei." Jene Meldung ist von Anfang an auf berechtigte Zweifel gestoßen. Daß mit Führern des Cen- Irums nicht verhandelt worden ist, wurde von uns in der ,Fulv. Ztg/ bereits vor einigen Tagen sestgestellt. Daß konservativen Führern, die da­von unterrichtet sein müßten, wenn solche Ver­handlungen flattgefunden hätte», nichts davon bekannt ist, stellt von Neuem die .Deutsche Tages­zeitung' fest. Daß Graf Bülow einer außer­ordentlichen Tagung int Sommer daS Wort redete, ist bekannt. Woran eS lag, daß er da­mit nicht durchdrang, glauben die .Hamburger Nachrichten' zu wiffen. Sie meinen, Reichskanz­ler Fürst Hohenlohe habe die Berufung des Reichstages im Sommer „unbequem" und außer­dem „unrathsam gesunden, weil der Kaiser ab­wesend gewesen sei und man außerdem zu fürch­ten gehabt habe, daß die kurz vorher in Wil- helmshafen gehaltenen Reden über die deutsche Machepolitik wahrscheinlich im Reichstage von freisinniger und sozialdemokratischer Seite zum Gegenstände mißliebiger Angriffe gemacht werden dürften." Diese letztere Besürchtung muß doch aber auch gelten für eine spätere Einberufung des Reichstages, klingt also unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist es aber, daß namentlich Fürst Hohenlohe der Einberufung im Sommer wider­sprach. Nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge hat man anzunehmen, daß die Eröffnung des Reichstages in die Zeit zwischen dem 13. und dem 22. November fallen werde.

x Das preußische JideiKommitzgesetz wird vermuthlich auch in der bevorstehenden Tagung des preußischen Landtages noch nicht das Licht der Welt erblicken. Von allen Seiten treten Meldungen auf über gewichtige Bedenken, die gegen den bereits fertigen Entwurf erhoben worden seien, gegen seinen Inhalt als auch dagegen, den Land­tag angesichts des bereits vorhandenen überreichen parlamentarischen Stoffes mit Dingen zu belasten, die nicht unumgänglich nothwendig seien — kurz und gut, die vor einigen Wochen in der ,Fuld. Ztg.' geäußerte Bemerkung, man dürfe nicht eher an das Fideikommißgesetz glauben, bis man es sehe, findet unerwartet schnell volle Bestätigung. Der ,Deutschen Tagesztg/ zufolge soll eine vollkommene Umarbeitung des Entwurfes nöthig fein — wer weiß, bis wann nun der neue Schwanz der alten Seeschlange ausgewachsen sein wird!

* „Ich öi« ei« derrlscher Aürger"! Möge das Wort des Kaisers Wilhelm II., das

Die Aerle von Morenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

30 ------ (Nachdruck verboten.)

Je heftiger und aufbrausender Anita wurde, desto ruhiger und überlegener erschien Hedwig.

„O Mama," lächelte die junge Frau spöttisch, .„das hat nun aufgebört. Ich bin Deiner Zucht - ruthe längst entwachsen. Hier habe ich zu be­fehlen und mein Mann, aber Du —"

„Warte nur. Unverschämte, Dein Vater soll Dir sagen, was Du zu thun und zu laffen hast!" zischte Anita.

„Ich bin überzeugt, der Vater wird nichts dagegen einzuwenden haben, wenn ich einen Freund meines Mannes, den ich Hochschätze und dessen Achtung ich genieße, zu einem harmlosen Plauder­stündchen empfange; und solltest Du versuchen, den Dir gegenüber zu nachsichtigen Vater gegen mich aufzuhetzen, so — wird Dir das sehr wenig helfen, — denn mit oder ohne Eure Erlaubniß: — Ich werde Professor Hammon nach wie vor empfangen, sein edler Charakter würde die leiseste Verletzung dieser Gastfreundschaft dem Weibe seines Freundes gegenüber niemals zugeben. Er trägt einen Talisman in der Brust, der ihn gegen jeden unrechten Gedanken feit!"

Sie warf Julia, die mit glühenden Wangen und leuchtenden Augen zugehört hatte, einen be­redten Blick zu. Diese verstand wohl, was Hed­wig sagen wollte. Der Talisman war die Liebe zu ihr, die sein ganzes Herz erfüllte.

Anita rauschte hinaus.

gestern als ein Pendant zu dem stolzen „civis Romanns sum“ der alten Römer bei der festlichen Einweihung der Saalburg auf den Höhen des Taunus verkündet wurde, Allen eine Richt­schnur sein, sowohl denjenigen, die in Wirklich­keit deutsche Bürger sind, als auch denjenigen, die über deutsche Bürger das Recht der Gesetz­gebung ausüben. Das stolze Wort „Ich bin, ein deutscher Bürger" hat aber, wie die.Germania' hervorhebt, nicht davon abgehalten, in Folge des Gesetzes vom 4. Juli 1872 deutsche Bürger aus dem deutschen Vaterlande zu ver­treiben, die als deutsche Bürger nach dem Ur- thetl selbst der deutschen Regierungsbehörden wohlthätig gewirkt haben, hat deutsche Bürger aus dem Vaterlande vertrieben, bei denen auch nicht bei einer einzelnen Person und nicht in einem einzelnen Falle irgend ein Vergehen nach­gewiesen werden konnte:

„Fort aus dem Land die stillen Beter, Die staalSgefährlichen Uebelthäter!

Die Mörder und Buhler und Buhlerinnen, Die läßt man drinnen!"

Das Wort des Dichters von Dreizehnlinden können wir nicht vergessen, so hart es klingen mag, für uns nicht nur, sondern auch in den Ohren derjenigen Leute, die diesen Widerspruch schließlich selbst unangenehm empfinden müßten. Hoffentlich geht es nun in der kürzesten Zeit, dem wiederholten Beschluß des Reichstags zufolge, endlich mit dem Jesuitengesetze zu Ende. Es würde geradezu einen Hohn auf die kaiserlichen Worte „Ich bin ein deutscher Bürger" bedeuten, wenn man deutschenBürgern, die sich keines Vergehens schuldig gemacht haben, länger die Grenzen des Deutschen Reiches ver­schließen wollte. Mit dem Worte: „Ich bin ein deutscher Bürger" können auch die Jesuiten deutscher Abkunft und unter Berufung auf dieselbe wir, die wir alle deutsche Bürger sind, ihre Rückkehr in die deutsche Heimath ver­langen. Welchen Werth könnte anders das stolze Wort „Ich bin ein deutscher Bürger" haben, wenn nicht alle deutsche Bürger sich dies Wort zu eigen machen dürften! Das Wort des Kaisers auf der Saalburg läßt uns also auf eine baldige Aufhebung des Jesuitengesetzes hoffen.

* Zu dem Vortrage, den unser Reichstags­abgeordneter Herr Gutsbesitzer Herold auf dem praktisch - sozialen Kursus in Köln über die Agrarfrage gehalten hat, bemerkt das konser­vative Parteiorgan, die.Kreuzzeitung': „Wir glauben, daß auch diese Ausführungen vom Standpunkte der Industrie aus kaum Gelegenheit bieten, Einspruch zu erheben. Selbstverständlich können wir in diesem Stadium noch nicht sagen, ob die Auffaffungen der konservativen Partei sich mit denen deS Abgeordneten Herold decken, aber das erscheint uns unzweifelhaft, daß sie sich int Ganzen in der gleichen Richtung be­wegen. Jedenfalls haben wir nach diesen Aeußerungen von Centrumsmannern den Ein­druck, daß die Einigung über die Handels­vertragsfrage sich — soweit die parlamen­tarischen Faktoren dabei in Betracht kommen — glatter abwickeln dürfte, als die Liberalen erwarten und auch wünschen."

• Eine Anckerkonferenz findet gegenwärtig in Paris statt, zum Unterschiede von ihrenVor-

„Mir ist so bang," flüsterte Julia der Schwester zu, „wie wird es werden, wenn Mama erfährt, - daß" --

. Na, bange machen gilt nicht, Mohrchen! — Laß gut sein, — noch ist ja Papa da, der hoffent­lich auch ein Wörtchen drein redet", tröstete Hedwig.

„Ach Papa, — der thut ja doch immer, was Mama will, — sie hat ihn ganz und gar auf ihrer Seite", klagte Julia mit betrübtem Gesicht.

„Wiffen möchte ich nur, was sie gegen den Professor so eingenommen hat; der arme Mensch zerbricht sich den Kopf darüber, und kann nicht darauf kommen."

Julia nickte der Schwester noch einmal zu, und folgte schweren Herzens der Mutter.--

VII.

Die tapfere Hedwig hatte es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, Alfred und Julia zusammen­zubringen, und sie sann fortwährend darüber nach, wie dies am besten zu bewerkstelligen sei.

„Ich habe heute viel einzukaufen", sagte sie einmal, bei Julia eintretend, „kommst Du mit nach der Stadt?"

„Ja, gewiß, sehr gern!" rief das junge Mädchen aufspringend.

„Mußt Du denn durchaus Julia dazu haben?" ragte Anita mißtrauisch.

»Ja, — gewiß, Julia hat einen ausgezeichneten Geschmack."

Nur widerwillig ließ die Mutter er geschehen, laß Julia der Schwester folgte. Doch als Hedwig ros junge Mädchen an den herrlichen Kaufläden, die sich "ganz in der Nähe des alten Jungfern-

gängerinnen in aller Heimlichkeit. Nicht nur über den Inhalt der Berathungen wird vollkommenes Stillschweigen beobachtet, sondern auch über die Zahl der Theiluehmer, und über die Länder, denen dieselben angehören. Der Gedanke liegt aber nahe, daß Deutschland und Oesterreich außer Frankreich selbst an den Berathungen betheiligt sind. Voraus­gesetzt, daß in diesen vertraulichen Vorberathungen genügendes Einoerständniß erzielt wird, soll die Absicht bestehen, später eine neue Konferenz ein­zuberufen, ähnlich derjenigen, die int vorigen Jahre in Brüssel stattfand und ohne Ergebniß wieder auseinander ging.

• Die Steuer für künstlich- Süßstoffe sollte angeblich mit 80 Mark für das Kilogramm in dem vollendeten Gesetzentwürfe angefetzt sein. Nach neueren Meldungen ist aber gerade die Ziffer, die die Höhe der Steuer bestimmt, in dem Entwürfe noch offen gelaffen. Die richtige Erklärung wird wohl die sein, daß die Steuer in dieser Höhe beabsichtigt ist, daß aber noch keine bestimmten Beschlüsse darüber vorliegen. Die Befürchtung, der Zucker könne durch eine starke Steuer für die künstlichen Süßstoffe dem Verbraucher in erheblicher Weise vertheuert wer­den, hat sicherlich keine Berechtigung.

h, Der Gavakzoü bildete bett Inhalt einer Eingabe pfälzischer Tabaköauer an die bay­rische Regierung. Diese letztere hat in ihrer Antwort geäußert, daß sie einer angemessenen Erböhung des dermaligen Tabakzolls entgegen­kommend gegenüberstehe und die Absicht habe, „zu geeigneter Zeit und am zuständigen Orte den bezüglichen Bestrebungen der bayrischen Tabak­produzenten die erforderliche Vertretung zukommen zu laffen". Wenn eine Regierung in so rückhalts­loser und entschiedener Tonart sich äußert, sollte man annebmen, daß sie ihrer Sache „am zu­ständigen Orte" schon im Voraus sicher sei. Die frühere Mittheilung, daß die Nationalliberalen im Reich tage den Antrag auf Erhöhung des Tabakzolls einbringen wollen, ist übrigens nach­träglich von der ,Nationall. Korr.' als unzu­treffend bezeichnet werden.

* Aofgeismar, 12. Okt. Bei der Reichs­tagsersatzwahl im Wahlkreise HofgeiSmar- Wolfhagen'Rinteln erhielten nach den bisherigen Feststellungen LippoldeS (konserv.) 2282 Stimmen, Bogel (Antis.) 2142 Stimmen, Ernst (freis.) 317 Stimmen, Wittje (natlib.) 1314 Stimmen, Garbe (Soz.) 1532 Stimmen. Aus einigen kleinen Orten fehlen die Ergebnisse noch. Stichwahl zwischen dem Konservativen und Antisemiten ist sicher.

Arrslarrd.

t Sleiuamauger, 12. Okt. Vergangene Nacht starb Hierselbst Bischof Hidassy, Thronassi- stent Sr. Heiligkeit. Der Verstorbene wurde am 14. Juni 1828zu Kornorn geboren und am 15. März 1883 präkonisirt.

X Wie«, 12. Okt. Die Blätter bringen die Nachricht von der bevorstehenden Abberufung des Gesandten am Vatikan, Revertera und dessen Ersetzung durch den Grafen Wels er S- heimb. Dies soll mit Vorgängen im Vatikan in Verbindung stehen, welche eine Verstimmung in hiesigen Regierungskreisen hervorgerufen haben.

stiegs befanden, vorbeiführte, ohne in einen der­selben einzutreten, da ahnte Julia, daß die Schwester eine List gebraucht, um sie fort zu bringen.

„Wo machst Du denn Deine Einkäufe?" fragte sie, indem ihr Herz heftig zu pochen begann.

„Närrchen, ich mache gar keine. Glaubst Du denn, daß ich deswegen bis zu Euch hinauslaufen möchte? Der Professor kommt heute zu uns, er kann es nicht mehr erwarten, er sehnt die Stunde herbei, wo er Dir alles sagen darf, was seit Langem sein Herz bewegt."

„Ach — Hedwig!" stammelte Julia.

„Komm nur, — komm!"

Das Haus war erreicht. Hedwig öffnete die Thüre des Wohnzimmers, und schob das leise er­schauernde Mädchen sanft hinein. Mit verschmitztem Lächeln trat sie zurück, und schloß geräuschlos die Thüre wieder.

„Alfred ist schon da", murmelte sie zufrieden, „das wäre glücklich gelungen!" —

Eine Weile blieb sie lauschend stehen, dann ging sie lächelnd nach dem Kinderzimmer.

„Die da drinnen brauchen mich nicht," flüsterte sie.

Nach einer Weile kam sie wieder.

„Na, alles was recht ist!" rief sie lachend, seid Ihr denn nun einig?"

Erröthend sprang Julia auf und flog der Schwester an den Hal«.

„Darf man gratuliren?"

Der Professor nickte mit glücklichem Gesicht.

„Aber jetzt mußt Du heim, Kleine," wandte Hedwig sich wieder an Julia, „die Mutter könnte zanken."

„Ach — jetzt schon?" —

27. Jahrgang.

Dem Grafen Revertera wird, so meldet man der ,Vsssischen Zeitung', vorgeworfen, daß er sich in mancher Gegensätzlichkeit der Auffassungen wieder­holt auf Seiten des Vatikans gestellt habe. Namentlich soll das zur Zeit der kirchenpolitischen Kämpfe in Ungarn der Fall gewesen sein. Damals soll Graf Revertera, der seit zwölf Jahren seinen jetzigen Posten bekleidet, direkt gegen den Nuntius Galimberti, der in Wien auf einen Ausgleich zwischen Ungarn und dem Vatikan hinarbeitete, intriguirt haben.

* Naris, 12 Okt. Das Blatt ,Siöcle' räth der französischen Regierung, dem Präsidenten Krüger die Landung inMarseille nicht zu gestatten, da vielleicht zwischen dem Ge­sandten Leyds und den Nationalisten Manöver angezettelt worden seien, die Frankreich nur Ver­legenheiten bereiten könnten.

* ILnkar-k, 12. Okt. Die bulgarische Regierung richtete nach der ,Polit. Korrsp/ am Mittwoch an den rumänischen diplomatischen Agenten in Sofia eine neue Note, in welcher sie die Fortsetzung des gerichtlichen Verfahrens gegen die makedonischen Verschwörer auf Grund der von der rumänischen Regierung gelieferten Daten betont und die Erwartung ausspricht, die rumänische Regierung werde die Ausweisung un­verdächtiger bulgarischer Untertanen aus Rumä­nien sistiren. Eventuelle Ersatzansprüche behält sich die bulgarische Regierung vor.

* Aerv-ZZork, 12. Okt. In der Versamm­lung der ausständigen Kohlenarbeiter, welche am Mittwoch in Sccanton stattfand, erklärte der Führer derselben, Mitchell, daß der Vorschlag, eine zehnprozentige Lohnerhöhung zu ge­währen, den Forderungen der Arbeiter nicht genüge. Diese Erklärung wurde mit laut widerhallendem Beifall aufgenommen. Weiter teilte Mitchel mit, daß die Grubenbesitzer die im Besitze der Gesellschaften besindlichen Waaren- verkaufsläden aufgeben und die bewegliche Lohn­skala abschaffen müßten und daß sie ihre Leute halbmonatlich ablohnen müßten. — Nicht eine einzige Grube ist zur Zeit in vollständigem Betriebe. Im Distrikt von Hazleton, wo alle Gesellschaften und Grubenbesitzer ebenfalls eine zehnprozentige Lohnerhöhung angeboten haben, beginnt sich schon der Hunger in vielen Fa­milien bemerkbar zu machen. Im Distrikt von Wilkesbarre werden den Farmern Vieh und Feldfrüchte gestohlen.

Die Wirren in China.

Rußland hat hen Mächten den Vorschlag ge­macht, die Entschädigungsfrage int Fall von Meinungsverschiedenheiten dem internatio­nalen S chiedsgerich te int Haag zu unter­breiten. Mac Kinley ist der Ansicht, daß dieser Vorschlag der Aufmerksamkeit der Mächte werth fei. Nach einer andern Meldung handelt cs sich um keinen eigentlichen russischen Vorschlag, son­dern um eine Anregung der russischen Re­gierung, welche dieselbe gelegentlich des Gedanken- Austausches unter den Mächten über die fran­zösische Note gemacht hat. Wie verlautet, hat übrigens Deutschland die französische Note noch nicht beantwortet. Von Interesse ist, daß der

Alfred begleitete Julia bis in die Nähe de« Hauses.

„Morgen werde ich kommen, mein Lieb, um Deine Hand zu bitten," flüsterte er.

„Ach mir ist plötzlich wieder so bange, Du glaubst es nicht!"

„Was fürchtest Du? Können Deine Eltern unserem Glücke entgegen sein? — Und wenn sie es wären, — aus welchem Grunde?" —

„Ich weiß nicht, Alfred."

„Also nur Muth, mein geliebtes Mädchen, — Kopf hoch. Und gilt es zu kämpfen, — ich werde auch den Kampf nicht scheuen, — den Kampf um mein Glück! Auf Wiederfehen!" — Dann trennten sie sich.

Julia eilte zur Großmutter, die wie immer in ihrem Lehnstuhle saß und setzte sich auf einen niedrigen Schemel neben sie.

„Großmutter, — Du sollst die Erste sein, die es erfährt, — ich — habe mich heute — ver­lobt!"

Die Alte sagte nichts; sie hatte es ja kommen sehen, lange schon. Sie faltete stumm die Hände, den Blick zum Himmel richtend. Aus ihrem Herzen stieg ein heißes Gebet für das Glück des Lieblings empor zu dem, der die Geschicke der Menschen lenkt.

„Nun Großmütterchen, Du sagst ja gar nichts, willst Du mir nicht Glück wünschen?"

„Gott segne Dich, mein liebes Kind," lispelte diese.

„Weißt Du denn, mit wem ich mich verlobt habe?"

„O Julia! Wenn ich auch alt bin, meine Augen sehen doch noch klar. Ich kenne die Ge-