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Kul'öcr, Freitag, dm 12. Oktober 1900.
27. Jkhrgang.
Praktisch-sozialer Kursus.
<Nachdr- verb.) Gr. Köln, 10. Oktober.
V.
Trotz der draußen tackenden herrlichen Witterung haben sich die Kmsustheilnehmen sehr zahlreich eingefunden, um an der Diskussion über landwirthschaftliche Genossenschaften und Wohlfahrtspflege, im Anschluß an den voraufgegangrnen Vortrag des Herrn Dr. Faßbender, theilzunehmen. Redner weist noch darauf hin, daß am Rheine die bestehenden Ge- noffenschasten leider noch nicht in wünschens- werthrr Weise sich auch der Wohlfahrtspflege zugewendet haben, wie dies in anderen Landes- theilen unter der Einwirkung der inneren Mission geschehen. Es hilft nichts, stets zu sagen, der Bauernstand sei von sozialer Bedeutung, es muß Hand an's Werk gelegt werden, man darf nicht nur nach Hilfe vom Staate rufen, man muß sich auch selbst regen.
Abg. V i e s e n b a ch berichtet über die Erfahrungen der rheinischen Velkaufsgenofftnschasten. Sie haben als Objekte Getreide, Vieh, Milch, Wein und in letzter Zeit auch Gemüse. Die Hoffnungen, daß die Getreidehäuser den Preis reguliren würden, sind zwar fehlgeschlsgen, aber in kleinerem Maße aufgeführt, b-eten sie als Gammelstellen, wo gleichzeitig gemeinschaftlich gereinigt werden kann, gute Dienste. Während die Vichoerkaufsgenoff-nschaften am Rhein noch kn-re gute Resultate erzielt Haden, sind dieselben im Molkereiwesen wie bei dem Weine überraschend glänzend gewesen. Redner regte an, ob rncht eine Verbuch mg aller Genossenschaften bewirkt werden könne, damit gegenseitiger Konkurrenz vorgebeußt werde. Die landwirthschaftliche» Korporationen wollen zwar nicht den Zwischenhandel beseitigen, aber einstweilen nöth'.gr» uns oft unerträglrche Mißverhältnisse ihm Konkurrenz zu machen. In den letzte« Tagen hat man am Vorgebirge bei Bonn eine Gemüseverkaufs- genosi en schäft gebildet, deren geschlossene Einigkeit und reger Eifer das Beste hoffen läßt. Sobald der Zwischenhandel sich zu den Genossen- schäften freundlich stellt, werden diese den Detail- handel aufgeben und sich auf den großen Handel zurückziehen. Redner mahnt bei Gründung der Genoffenschasten die rechten Kräfte an die Spitze zu stellen und diese alsdann kräftig zu unterstützen, statt sie mit Reid, wie es ost geschieht, zu ver« Algen und ihnen die Arbeit zu verleiden. Zum Bedauern muß konstatirt werden, daß die unteren Regierungsbehörden dem Genossenschaftswesen Schwierigkeiten oft machen, statt sie zu fördern, wie die obersten Spitzen es doch wollen. ’
Oekonounerath Alzer aus Elspe (Westfalen) rühmte das Entgegenkommen der Regierung den westfälischen Genoffenschasten gegenüber, dir auf Len kleinen landwirthschaftlichen Betrieb zuge- schnitlen seien, womit beste Erfahrungen gemacht
Die Merle von Morenz.
Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
29 ------ (Nachdruck verboten.)
Die Kinder sahen erstaunt zu, wie der Papa die Tante umarmte, und verstanden nicht recht, was das zu bedeuten hatte.
Die Beiden lachten über die verdutzten Gesichter der Kleinen. „Die Tante wird in Zukunft immer bei uns bleiben," erklärte Leo, — „denn fle hat Euch lieb, und — mich auch."
„Siehst Du Papa, ich hab's Dir immer gesagt, aber Du glaubtest es nicht," sagte Paul altklug.
Leo lachte laut auf.
„Kleiner Schelm, das konnte ich doch nicht wtffen. Die Tante wird jetzt Eure Msma, aber Ihr müßt auch recht brav sein."
„Nicht wahr," wandte er sich wieder an Hedwig, „wir wollen sobald als möglich Hochzeit halten, — Du bist doch einverstanden damit?"
, Ja, Leo, ich richte mich ganz nach Deinen Wünschen."
Als Hedwig an diesem Abend heimkam, flüsterte sie übermüthig Julia ins Ohr: „Professor Dr. Alfred Hammon läßt Fräulein Mohr- chen herzlichst grüßen, und ihm sagen, er hätte demnächst Wichtiges mit dem Fräulein Mohrchen zu besprechen."
Julia sprang wie elektrisirt auf. In ihr blasses brünettes Gesichtchen war urplötzlich eine jähe Röthe gestiegen, ihre Augen glänzten.
„Und das sagst — Du mir — Du Hedwig?"
„Ja, ich, Kleine. Ich habe mich heute mit Fred auseinandergesetzt — wir hätten doch nie
wurden. Aus kleinen Anfängen heraus, auf möglichst breiter Grundlage ruhend, laffe man die Werke erstehen. Redner gibt dann eingehende Darstellung der mit bestem Erfolg arbeitenden landwirthschaftliche» Schlächtereigenossen- schaft zu Elspe, die gerne landwirthschastlichen Interessenten nähern Aufschluß gibt. Redner betonte nochmals, klein anzufangen, große Anfänge haben fast regelmäßig Fiasko gemacht. Gleich gute Erfolge hat man in Elspe mit einer Vereinigung zur Anschaffung landwirthschaftlicher Maschinen. Als Ideal sehe er eine combinirte Verwerthungsgenoffenschaft an mit verschiedenen Fachabtherlungen.
Die weitere Debatte schließt sich den gemachten Ausführungen im Wesentliche» an. Bemerkt sei Koch, daß der heutige« Nachmittagssitzung auch eine stattliche Anzahl Lanbwirthe beiwohnte.
VI.
Gr. Köln, 10. Oft. 1900.
, Rach den Einzeichnungslisten bat die Besuchs- ziffer heute die Zahl 700 überschritten, und die nächsten Tage werden uns wohl noch ein weiteres Hundert bringen, denn alle Tage tauchen neue Gesichter auf, alle Tage werden die Tischreihen dichter besetzt, sodaß man heute ohne Uebertreibung von einem sehr guten Besuche reden kann.
Professor Dr. Hitze setzt seine Ausführungen über die Arbeiterfrage fort. Der Gefammt- wohlstand -st insgesammt gewachsen und damit hat sich !■ ch die Lage der Arbeiter gebessert. Aber der Lösung harrt noch immer die Frage, wie helfen wrr den Arbeiter über die Periode hinweg, wo nur einer verdient und viele verzehren, uno doch verbittert die Erinnerung an die Sorge in der Kindheit von vornherein den Geist. Die Arbeiterfrage hat nicht nur eine materielle Seite, sondern auch eine ideelle. Napoleon der Große hatte Unrecht, wenn er sagte: Der Magen macht die Revolution, nein die Ideen geben dem Umsturz die Gewalt. Der ehemalige Minister o. Berlepsch zeichnete unsere heutige soziale Bewegung als den EraancipattonSkampf des vierten Standes. Auf manchem Gebiete, Wahl, Schule, ist der Arbeiter gleich den andern Ständen gestellt, aber es fehlt lhm die materielle Unterlage zur Ausübung seiner Rechte. Es fehlt ihm die wirthschaftliche Gleichstellung, nicht, daß er das Recht nicht hätte, aber es fehlt ibm die Macht, dasselbe auszuüben. Die Arbeit ist seine Waare, aber er ist schlechter gestellt, als jeder andere Verkäufer und doch ist mit seiner Arbeit feine ganze Person verbunden. Die Arbeiter- schutzgrbung hat gerade den Zweck, die Person von der Arbeit loszulösen; der Arbeiter ist mit seiner Arbeit lokal und zeitlich gebunden und ist dem Arbeitgeber gegenüber allgemein der Schwächere, wiewohl es in Ausnahmefällen auch umgekehrt werden kann. Hieran knüpft die Sozialdemo- kratie an, die Klagen sammelnd, die Leidenschaften anstachelnd, selbst die Tugenden des Ehrgefühls ec. erregend, die Zukunft noch schwärzer aus- walend. Andererserrs stellt man die Macht der Gesammt-Arbeiterschast hin:
„Wenn dein starker Arm es will Stehen alle Räder still."
zu einander gepaßt, und außerdem hebt er — eine Andere — ich bin's zufrieden."
Julia zitterte, ihr Herz klopfte fast hörbar.
„Hedwig — ist's möglich?"
„Ja, das ist aber roch nicht Alles!"
„Run, was denn noch?"
„Den einen Bräutigam gab ich frei — den andern fing ich dafür ein!"
„Hedwig, Du scherzest!"
„Richt tm Mindesten, Kleine — ich habe mich heute mit Leo verlobt: der braucht mich noth- wendig," lächelte Hedwig.
„Ah!"---
Während Hedwig die Eltern von der stattgehabten Veränderung der Dinge in Kenntniß setzte, flog Julia die Treppe empor in Großmutters Stube. Die alte Frau wunderte sich nicht wenig, als Julia gerade wie früher in's Zimmer stürmte und lachend und weinend an ihrem Halse hing.
Erst nach und »ach erfuhr, sie, was eigentlich vorgefallen war, das heißt, sie errieth es mehr; denn eine richtige Erzählung konnte man die zwischen Lachen und Weinen hervorgestoßenen Worte nicht neunen.
Anita nahm Hedwig's Mittbeilung von 'der Auflösung der Verlobung mit sichtlicher Freude entgegen. Sie athmete auf, der Druck begann von ihr zu weichen. Run war sie vollständig be- ruhigt, denn sie glaubte, der Schleier, der über ihrem Vorlebe» lag, würde nun nicht gelüftet werden.
lieber Nacht war es Frühling geworden. Im Garten zwischen den grünenden, sprossenden Hecken merkte man es am meisten. Julia und der Professor hatten sich während der vergangenen Wochen
Weshalb diese Macht nicht ausnützen, um eine neue glänzende Zukunft sich zu verschaffen. So sind es edle un?- gemeine Leidenschaften, welche der Sozialdemokratie ihre Anhänger zuführen. Die Sozialdemokratie ist nicht nur eine Partei, sondern eine neue Weltanschauung. Zweieinzehntel Millionen Männer haben in Deutschland sich zur Sozialdemokratie bekannt, und doch sind unsere Arbeiter im Grunde christlich und sittlich, und doch schloffen sie sich einer Partei an, die den Atheismus auf die Fahne geschrieben? Diese Widersprüche können nur durch die Macht der Idee des Emporstrebens erklärt werden, welche in der Arbeiterschaft lebt.
Keine Partei ist in ihren wirthschaftlichen Grundsätzen so zersplittert, wie die Sozialdemo- tvatie. Bis 1890 galt das Gothaer Programm der Verschmelzung der Laffaleaner und der Eisenacher Richtung (Bebel). 1891 veröffentlichte man das Erfurter Programm, welches auch nicht einen Punkt des alten enthält. Man sagte, die alte Fahne sei zerschossen, allerdings aber die Genossen hatten sie selbst durchlöchert. Das Erfurter Programm hat noch weniger gehalten, denn auch nicht ein Punkt steht darin von der Kritik unangefochten da. Heute sind die Jungen nicht die Revolutionäre, sondern die Reaktionäre. Der Marx'sche Fundamentalsatz „die Arbeit ist die Quelle aller Werthe" ist längst als unrichtig allgemein anerkannt. Bei der sogen, materialistischen Geschichtsauffassung ist man über Phrasen nicht hinausgekommen und die Beweise schuldig geblieben. Die L a s s a l l'sche Ansicht vom „ e h e r n e n L o h n g e s» tz " ist gründlich von dem Sozialismus selbst widerlegt und zu Grabe getragen worden. Trotz der Steigerung der Maschinenkraft vom Jahre 1875—95 von 1.2 Millionen Pserdekraft auf 3.4 Millionen ist die Zahl der Arbeiter im gleichen Zeitraum von 3.5 auf 6.3 Millionen gestiegen und dabei noch eine hohe Lohnsteigerung.
Die sozialistische Krisentheorie, nach welcher so etwa alle 10 Jahre eine wirthschaftliche Krise kommen soll, ist widerlegt, die letzte Krise war 1875, Die Verelendungstheorie ist gleichfalls selbst von der Sozialdemokratie verlassen.
Endlich sagte man, die Emanzipation der Arbeiterschaft fei allein das Werk der Arbeiter; und heute sieht man bei den Landtagswahlen schon Kompromisse mit der sogenannten reaktionären Maffe vor.
Schöne Worte hat man von dem Zukunstsstaate gemacht, aber die Unausführbarkeit ergibt sich beim ersten Gedanken an eine praktische Verwirklichung. Die Sozialdemokratie weiß dies selbst und hat für die Frage, wie soll es werden, nur die Antwort: „Dogmatische Dickköpfe". An den Kladderadatsch glaubt man nicht mehr. Statt des Achtstundentags hat man auf dem internationalen Kongreß in Paris den Zehnstundentag gebilligt. Und so gehr's mit allen andern Augenblicksforderungen in gleicher Weise. In der Sozialdemokratie vollzieht sich eine Mäßigung ; wie diese Bewegung zu fördern, darüber will Redner morgen sprechen.
Generalsekretär Dr. Pieper berichtet über die Mäßigkeitsbestrebungen. Unter solchen Bestrebungen faßt man olle Maßregeln zusammen,
nur einmal gesehen, nur einmal einen innigen Händedruck ausgetauscht in der Kirche bei der Trauung Hedwigs. Die vielen Menschen verhinderten natürlich eine Aussprache, es blieb bei einem Grüßen hinüber und herüber, einem Jn- einandertauchen der Blicke.
Julia ließ sich vorerst daran genügen. Sie begriff vollkommen, daß Alfred eine gewisse Scheu, ein eigenes Zartgefühl abhielt, in das Haus ihrer Eltern zu kommen nach dem, was vorgefallen war, und daß darüber erst einige Zeit vergehen müsse, um das Peinliche der Situation zu tnubern. Der Professor fühlte eine eigenthümliche Scheu vor Frau Anita, auch wußte er nicht, wie sie das alles ausnehmen würde. Seit jenem Abend, da te ihn so unfreundlich entlassen hatte, beschäftigten ich seine Gedanken ost mit der Frage, was Anita eigentlich gegen ihn haben konnte.
Auch wollte er erst eine ungestörte Aussprache mit Julia herbeiführen, ehe er bei ihren Eltern um sie warb. Der Gedanke, zum zweiten Mal um eine von Neinhold's Töchtern werben zu müssen, berührte ihn fast peinlich. Das brauchte Zeit.
Daß Julia ihn liebte, wußte er von Hedwig, n deren Hanse er ungezwungen und heiter verehrte, da ihm Leo, seit er ihm die Braut abge- rcten hatte, fast noch mehr zugethan war, als rüher. Zwischen den ehemaligen Verlobten hatte ich ein schönes Freundschafts-Verhältniß heraus- gebildet. Sie begegneten einander mit wirklich erzlichen, freundschaftlichen Gefühlen. Da der Professor ein großer Rinberfreunb war, brachte manchen Abend im Haufe Eilenberg's zu. Die Kleinen waren von dem „Onkel" geradezu entzück:, fu kletterten auf feinen Schooß, zupften
die sich gegen den Mißbrauch des Alkohols wenden, werl die Schädigungen sich vor Allem im Arbeiterstand zeigen. Der Mißbrauch des Alkohols ist geeignet, dir g-istigs und wirthschaftliche Lage der Arbeiter herunterzudrücken. Viflsach läßt sich der Alkoholgenuß zurückführen auf soziale wirch-- schastliche Mißstände, weshalb ans Besserung dieser gedrungen werden muß.
Namentlich können die Arbeitgeber den Bestrebungen wesentlich nützen. Zum Theil ist der Alkoholgenuß zurückzufüyren auf psychische Ur- fachen. Man hat völlige Enthaltsamkeit gefordert und darin vielfach falsche Wege einaeschlagen. Auf dem praktisch-sozialen Kursus foU »-s vor Allem darauf ankommen, die soziale u«i; oGliche Seite der Bestrebungen zu betonen. 2)er ANo icl- genuß erfreut sich allgemeiner Verbreitung, namentlich wegen feiner psychischen Einwirkung. Als Nahrungsmittel kann der Alkohol nicht in Betracht kommen, im Gegentheil kann er im Körper große Schädigungen anrichten, namentlich im Nervensystem. Wir müssen daher darauf dringen, daß der Alkoholgenuß auf ein beschränktes Maß zurückgedrängt werde, denn schwerlich wird sich der Gmuß ganz verdrängen taffen.
Es sind die Mäßigkeitsbeftrebungen in Verkennung dessen in Uebertreibvngen vielfach ausgeartet und haben dann mehr geschadet als genutzt. Es kommt zunächst darauf an, Ersatzmittel für Alkohol einzusühren, namentlich Kaffee und Thee; die völlige Enthaltsamkeit von Alkohol-Getränken ist aber geboten für Gewohnheitstrinker, die sich nur hierdurch retten können. Die Urfachen der Verbreitung des Alkoholmißbrauchs sind vor allem physische Anlagk(selbft acqutrirte Veranlagung); hier hat als erster der Arzt einzugreifen. Eine andere Ursache ist vielfach auch die ungesunde und nicht ausreichende Ernährung. Wichtig ist auch die mangelhafte hygienische Vorbrlsmig der Einzelnen, die überhaupt nicht wissen, wie und weshalb Getränke und Speisen schädlich wirken. Redner beklagte es namentlich, daß heule jede Gelegenheit zu geselliger Erholung, zum Festfeiern usw der Er- werbssucht der Wirthe anheimgefallen ist, woraus sich gleichsam ein öffentlicher Trmkzwang entwickelt. Dieser Trinkzwang müsse vor allen Dingen gebrochen werde. Redner empfiehlt namentlich die Errichtung von Erholungsstellen (Gärten, Lesezimmer usw.) wo man dem Trirckzwang nicht unterworfen ist. Neben den verschiedenen Mäßigkeitsvereinen hat sich in neuerer Znt im Anschluß an den Charitasoerdand ein katholischer Mäßigkeits-Verein gebildet, der bis jetzt nur in Westdeutschland Verbeitur-g gefunden hat. So haben wir ja auch jetzt eine katholische Trinkerheilanstalt erhalten. Vor allem muß es die Aufgabe aller Genossenschaften, namentlich der Arbeitervereine sein, den Brantweinge- nuß zu verbannen, den Biergenuß einzuschränken und iie Vereine unabhängig zu machen von der Ecwerbsspekulation der Wirthe. (Forts, folgt.)
Drrrtschrs Keich.
Berlin, den 11. Oktober.
X Von einem Katholische« Telegraphen- Murea« weiß die konservative ,Kreuz-Zeitung' za berichten: Ein solches Bureau sollte gegründet ihm den Bart und trieben es gewöhnlich so arg, daß Hedwig einschreiten mußte. Dre junge Frau fühlte sich ungemein zufrieden in ihrem Wirkungskreise. Leo ging mit strahlendem Gesichte umher.
Julia konnte in diesen Wochen nicht abkommen, da die Großmutter daS Bett hüten mußte und das junge Mädchen es sich nicht nehmen ließ, die Theure zu pflegen. Mit dem Eintritte der wärmeren Jahreszeit defferte sich der Zustand der alten Frau, sie konnte, auf Julia gestützt, wieder >en Garten aussuchsn. DaS Mädchen setzte sich dann gewöhnlich an das Klavier, die vollen und doch weichen Töne drangen durch die geöffneten Fenster des Parterrezimmers in den lenzduftenden Garten. Die alte Frau lauschte gern dem meisterhaften Spiele ihres Lieblings, und Julia träumte von einem hoffentlich nicht allzu fernen Glück, das ihr so verlockend winkte und ihr so groß, so un- faßlich erschien.
Mit der Großmutter durste sie von dem Geliebten reden, die verstand sie am besten. Meistens, wenn die Dämmerstunde hereinbrach, saßen die Beiden dicht aneinander geschmiegt im traulichen Stübchen, und die alte Frau erzählte von ihrer eigenen, fernen Jugend, von Glück und Leid, daS sie durchlebt. Diese Stunden waren Julia die liebsten des Tages.
An einem wundervollen Frühlingstage war eben Hedwig mit den Kindern gekommen, um die Ihrigen zu besuchen; die beiden Jungen jagten im Garten umher, und einen Augenblick des Alleinseins benutzte Hedwig, um der Schwester zum« raunen: „Julia, der Proseffor schickt mich. Du möchtest ihm doch endlich einmal die Möglichkeit gewähren, sich mit Dir aussprechen zu können;