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M 233.
Juköa, Mittwoch, bett 10. Oktober 1900.
27. Jahrgang.
Praktisch-sozialer Kursus
(Nachdr. Derb.)
Gr. Köln, 7. Oktober.
(Fortsetzung folgt.)
Redner berührt sodann den Niedergang der Getreidepreise, die im Jahre 1894 mit 135 Mk- pro Tonne den niedrigsten Stand erreicht haben. Hieran trägt die Schuld die Konkurrenz des billiger produzir enden Auslandes. Früher schaffte die theuere Fracht einen Ausgleich, aber die Verbesserung der technischen Verkehrsmittel hat dies zum großen Theil heute weggeräumt. Ein Ausgleich muß geschaffen werden durch wirksamen Zollschutz; die neue sibirische Eisenbahn wird durch Aufschluß der weiten sibirischen Felder neue Konkurrenz schaffen. Es fragt sich, ob die heimische Landwirthschaft in der Lage ist, allein die Ernährung der Bevölkerung zu bewirken.
Es waren große Mengen Getteideseither aus dem Auslande nothwendig, aber die Mehreinfuhr war größer, als das Bedürfniß der Bevölkerung, ein Theil wurde als Viehfutter benutzt. Redner schätzt diesen Theil auf etwa ein Drittel. Soll nun ein gleicher Zoll auf Weizen und Roggen | sein? Für den Weizen als theureres Produkt scheint ein höherer Zoll geboten. Bei gleichen Zöllen von Weizen und Roggen wird letzterer noch mehr zurückgehen und unlohnender werden, während der Anbau gerade unseren landwirthschaftlichen Verhältnissen entspricht. Empfiehlt sich ein Zoll auf künstliche Futtermittel? Rein, denn da sie nur in der Landwirthschaft selbst gebraucht werden, vertheuern sie die eigene Produktion. Zoll bedingt nicht immer eine Preissteigerung, ebensowenig eine Steigerung des Getreides, Erhöhung des Brodpreises. Es wirken die verschiedensten, ost von der Landwirthschaft unabhängige Faktoren mit. Der Roggenpreis ist so fast überall derselbe und doch schwankt der Brodpreis um 15 bis 27 Pfg. Unrichtig ist, daß die Zölle für den Arbeiterstand schädlich wirken. Die Landwirthschaft muß in den Stand gesetzt sein, höhere Löhne zu zahlen und dies wird auf die Industrie zurückwirken. Die Bewegung für höhere Zölle ist heute allgemein anerkannt, aber nicht immer werden die Mittel hierzu angewandt. Gemischte Transitlager, Zollkredit und Aehnliches sind Mittel, den Zoll herabzudrücken. Die Anträge des Centrums auf Abschaffung dieser Institutionen sind von geringem Erfolg bei der Regierung geblieben.
Zum Schluß verbreitete sich Prof. Hitze noch über die Bedeutung der Kleiderkammer, man solle es also nicht allein bei den Kleidern bewenden laffen, sondern auch Wäsche sammeln, die sehr wichtig ist, ferner Bettzeug, Möbel und alles, was den Armen dienen kann. Suche man das Heim der Armen so wohl zu gestalten als möglich und bei den Betheiligten dadurch Liebe zum Hause zu wecken. Nicht fehlen sollen Arbeitsmittel, Verleihung von Nähmaschinen rc. Mache man das Sammeln dieser Gegenstände leicht und scheue man sich nicht, für den guten Zweck zu betteln. Mit dem ganzen Institut sei eine Auskunftsstelle verbunden, damit eine Prüfung der Bedürfnisse möglich werde und die Wohlthat an den rechten Mann komme. Die überaus anregende Diskussion dauerte bis nach 6 Uhr.
„Aber um Gotteswillen, Kind, was ist denn geschehen? So sprich doch!" rief die Großmutter ängstlich. Weine doch nicht so schrecklich, mein Herzblatt, sage mir, was Dir fehlt?"
Julia hatte schon als Kind jeden tollen Streich, den sie gemacht, überhaupt olles, was damals ihr kleines Herz bedrückte, der Großmutter gebeichtet, und diese hatte es verstanden, das Vertrauen des Mädchens sich zu erhalten. Manche gute Lehre hatte die Alte ihr mitgegeben auf den Lebensweg. Deshalb drängte es Julia auch heute, ihr übervolles Herz der Großmutter auszuschütten, und von der erfahrenen Frau sich trösten zu lassen, j
Diese ahnte wohl, was bei Julia solche Veränderung hervorgebracht haben mochte; es war ihr keineswegs entgangen, wie es um den Professor I und Julia stand, daß die Beiden, wenn auch unbewußt, einander längst zugethan waren, — doch sie schwieg darüber. Liebkosend streichelte sie die weichen Haare Julias, doch das Mädchen schluchzte! ! noch immer heftig. i
„Run, Kind, willst Du mir nicht sagen, warum i Du so weinst?"
„Ach Großmutter, — ich möchte so gern, — I aber — ich kanns nicht sagen, gewiß nicht!" —
„Aber Julia, bin ich nicht Deine alte, bewährte Freundin von jeher gewesen? Bin ich es vielleicht nicht mehr? Mir kannst Du ohne Scheu Deinen Kummer mittheilen! Ich plaudere nichts aus, sprich nur." —
„O, Großmutter!" —
„Na, was ist denn vorgefallen?"
„Ich — ich — habe Dein schönes — Kleid! recht schmutzig gemacht!" — kam es stockend von i den bebenden Lippen. j
I Saal völlig gefüllt. Prof. Dr. Hitze begrüßte zunächst die Damen als die stillen Mitarbeiterinnen auf dem weiten Gebiete sozialer Wohlfahrtspflege. Die Aufgaben wachsen, so müffen auch unsere Kräfte sich mehren und die sollen uns im fortgeschrittenen Jahrhundert doppelt willkommen sein. Herr Reichs- und Landtagsabgeordneter C. Trimborn gibt gleichsam als Grundlage für die Diskussion über „die Aufgaben der charitativen Frauenvereinigungen" eine kurze Ueberstcht über die in Köln von katholischen Damen auf konfessioneller Grund-I läge in's Leben gerufenen Werke. Mit Genug- thuung konstatire er, daß in Köln auch von protestantischer Seite Hervorragendes auf diesem Gebiete geleistet werde.
An erster Stelle stehen die in allen Pfarreien ! bestehenden St. Elisabethenvereine, die wie die St. Vincenzkonferenzen mehr durch Lebensmittel als durch Geld solche Familien unterstützen, denen das männliche Haupt fehlt. Die Gabe wird persönlich überbracht und nach Bedarf auch mit ermahnenden und aufmunternden Worten begleitet. Auf die Erziehung der Kinder wird ein Augenmerk gerichtet, ebenso wird der Lektüre Beachtung geschenkt. Die Elisabethenvereine stehen nicht wie die'Mncenzoereine unter sich in Verbindung, und es ist zu erwägen, ob nicht regelmäßig wieder- kehrende gemeinsame Sitzungen zum gegenseitigen Gedankenaustausch einzurichten sind. Für die Fürsorge der Wöchnerinnen besteht kein besonderer Verein, die einzelnen Vereine sorgen in der verschiedenartigsien Weise. Das hier bestehende Wöchnerinnenasyl ist paritätisch und hat gute Erfolgs. Ein kleiner Kreis von Damen
Nachdem Redner den Antrag Kanitz kurz gestreift, erwähnte er die neueren gesetzlichen Bestimmungen über die Fleischeinfuhr, welche der Landwirthschaft sowohl Schutz, wie dem Konsumenten gesundheitliches Fleisch bieten soll. Leider ist das Gesetz nicht in vollem Umfange erreicht, aber der geschlossene Kompromiß bietet doch so wesentliche Vortheile, daß man sie nicht von der Hand weisen durfte. Nach etwa l1/»» stündigen Darlegungen bricht Redner ab.
III.
Gr. Köln, 7. Ott. 1900.
Zur heutigen Nachmittagssitzung haben auch die Damen Zutritt, und die Kölner Frauen! haben durch überaus zahlreiches Erscheinen ihr! Jntereffe an den zur Verhandlung stehenden Dingen bekundet, es ist ihnen sogar gelungen die Kölner Männerwelt, die wir bisher schmerzlich entbehrten, in größerer Anzahl zu der Sitzung zu bringen. So ist heute Nachmittag der große
Deutsches Deich.
Berlin, den 9. Oktober.
h Staatssekretär Gras vo« Antow weilte jüngst zum Besuche bei einem Verwandten, der einen ländlichen Besitz in Holstein hat. Bei der Rückfahrt hat er dem Fürsten Herbert Bismarck in Fciedrichsruh einen Besuch abgestattet und das Bismarck-Mausoleum besucht. Einige Blätter möchten diesen Besuch zu einem politischen Ereigniffe stempeln, so als hätte Graf Bülow
: Julia suchte sich nun von der Großmutter zu
' befreien, doch diese hielt ihre Hände fest.
„Sieh mir ins Auge, Julia, und sage bann, ’ daß Du soeben die Wahrheit gesprochen, und ich I will Dir glauben."
Mit ab gewandtem Gesicht stand das Mädchen | vor der ernstblickenden, alten Frau.
I „Siehst Du, ich wußte es wohl. Du kannst I nicht lügen. Du hast von jeher die Lüge gehaßt, und alles, was Unrecht war. Deshalb, weil Du
I jetzt im Begriffe stehst, etwas, was Dir nicht recht scheint, zu thun, geräthst Du mit Dir selbst
I in Widerspruch."
„Großmutter, ich habe auch die Mutter belogen, als ich auf den Ball ging, — es reut mich so sehr, — jetzt nachdem es geschehen ist, — glaubst Du, daß sie nur verzeiht?"
„Du wirst ihr morgen alles sagen, Kind, I dann wird sie Dir nicht zürnen," meinte die alte Frau gerührt.
„Jo, — das will ich, — nun gute Nacht!" \ „Halt, mein Kind, so entschlüpft man mir i nicht. Erst will ich alles wissen. Du verbirgst mir noch etwas!"
Sie drohte dem Mädchen lächelnd mit dem I | Finger.
Dieses lehnte zärtlich den jugendfrischen Kopf an die treue Brust.
„Laß mich, Großmutter, ich muß das mit I mir allein auskämpfen, und ich hoffe zu siegen. I Zwar schwer wird es fein, — (ehr schwer, — aber — gelingen muß es doch?"
„Siehst Du, Kind, keinem Menschen bleiben die Kämpfe erspart. Jeder bekommt fein Theilchen ab, der Eine früher, der Andere später. Sei!
I fame „sozial-charitative Damenunion"/ deren festere Gestaltung in nächster Zeit erfolgen soll und welcher auch der Hochw. Herr Erzbischof Dr. Sim ar fein hohes Interesse widmet. Die Vereinigung will eine Centralstelle aller charitativen Frauenbewegungen kath. Richtung bilden. Ein geeignetes Heim, in dem auch die Ladengehilfinnen untergebracht, ist in dem alten Reichsbankgebäude gesunden. Hier wird auch | stellenlosen Gehilfinnen, Gouvernanten etc. Unterkunft geboten. In Aussicht genommen ist ein gemeinsames Büre au der verschiedenen Vereinigungen, ferner eine gemeinsame Kleiderkammer. Schließlich hofft man nun, daß das eigene Heim die jüngeren Damen zu charita- tiver Thätigkeit anspornen, es liegen ja noch so viele schätzenswerthe Kräfte überall brach. Mögen alle diese kommen und ins Haus das edle Beispiel christlicher Opferfreudigkeit mit reichem Segen für sich und andere tragen.
Frl. Hermeling (Viersen), Vertreterin des katholischen Lehrerinnenverbandes, ergänzt die Ausführungen des Vorredners und besagte, daß man besonderen Werth auf die Förderung des hauswirthschaftichen Unterrichts der jungen Mädchen lege.
Herr Professor Dr. Hitze betonte die hohe Bedeutung der Lehrerin bei allen charitativen Frauenbestrebungen, vor Allem bei dem Mädchenschutz. Von Seiten des „Seraphischen Liebeswerkes" zu Ehrenbreitstein wird mit« getheilt, daß in nächster Zeit ein Schematismus, eine genaue Zusammenstellung aller katholischen charitativen Werke Deutschlands erscheinen wird. Dem Werke hat der Herr Bischof von Osnabrück seinen Segen gegeben.
I tapfer, mein Liebling, in der Jugend überwindet man alles leichter!"
„Großmutter!"--
Wieder brachen die Thränen aus Julia's Augen.
„Ich habe einst gespottet und gelacht über die Liebe und ihre Macht, — ich war ein dummes, unwissendes Kind, — jetzt rächt sich daS bitter an mir selbst, — jetzt muß ich fühlen, daß eS eine solche Macht gibt, ach — ich bin so unglücklich, mir ist so sterbenSweh ums Herz — so elend!--"
Noch einen heißen Kuß fühlte die Alte auf ihrem Mund, zwei weiche Arme umschlangen innig ihren Hals, dann war Julia hinausgehuscht in ihr Stübchen.
Die Großmutter blickte dem geliebten Mädchen ! mit recht sorgenvollem Gesicht nach.
„Armes Kind," murmelte sie dabei, „ja, ja — so ist das Leben, Kampf, — wohin man sieht. — Leben ist ewiger Kampf — Frieden nur bringet der Tod!"
Sie faltete die Hände und saß lange still. —
Unterdessen lag Julia auf den Knieen vor ihrem Lager, und wühlte den heißen Kopf in die Kiffen. Sie wußte erst seit diesem Abend, daß Alfred sie liebte, er, dem sie unbewußt schon lange zugethan war. Doch — es durfte nicht sein, die Schwester hatte ältere Rechte an den, dem ihr junges Herz in stürmischem Jubel sich zu eigen geben wollte. Sie mußte entsagen, es gab keinen andern Ausweg. Kopf und Herz gerieten in einen heftigen Widerstreit. Das Herz verlangte sein Recht, es verlangte nach Liebe, der Verstand sagte „nein, es geht nicht." Wer war der Stärkere?--
Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
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Hedwig war rasch mit ihrer Toilette fertig, Jutta stand bereits, ihrer wartend, neben der Thüre, Leo begleitete die Mädchen nach Hause. Er wunderte sich, daß die lustige, übermüthige Julia heute so schweigsam war. Gedankenvoll kehrte er heim.
. Hedwig begab sich sogleich in ihr Zimmer, mbcfj Julia, die bei der Großmutter noch Licht bemerkt hatte, bei derselben eintrat.
Die alte Frau war richtig noch auf, sie konnte mcht schlafen, und wartete die Rückkehr der Mädchen ab.
„Nun, wie wars auf dem Balle, mein Kind- chen ?" fragte sie, zärtlich Julia's kalte Hände in ! ote lhnge» nehmend.
Offenbar wußte man gar nichts von dem l Brande, da das Haus, mitten im Garten stehend i von den andern Gebäuden abgeschloffen war
Die zärlliche Frage der Greisin löste den Bann, der Julia gefangen hielt. Sie stürzte zu den Füßen der Großmutter und verbarg laut schluchzend den dunklen Kopf in deren Schooß. Das war nun so etwas Außergewöhnliches, Unerwartetes, daß die alte Frau über den Schmerzensausbruch heftig erschrak. Sie hatte dergleichen an Julia nie erlebt, deshalb ahnte sie sogleich, daß hier etwas ganz Besonderes vorliegen müsse etwas, das ihren Liebling bis ins Innerste er- schüttert hatte.
Nach kurzer Pause beginnt Herr Abgeordneter Herold seinen Vortrag über die Agrarfrage. Angesichts der Bedeutung der Landwirthschaft an und für sich und im Hinblick auf die schwierige Lage, mit welcher diese zu kämpfen hat, darf wohl -> die Agrarfrage ihre volle Beachtung beanspruchen. Die Landwirthschaft muß leistungsfähig erhalten bleiben, schon damit sie ihrer hohen nationalen Ausgabe, die Lebensmittel für unsere stets steigende Bevölkerung zu schaffen, gerecht werden könne. Wichtig ist dies besonders auch im Kriegsfälle, damit alsdann es möglich werde, das Volk aus eigenen Mitteln zu ernähren, ohne vom Auslande abhängig zu sein. Leider hat die Landwirthschaft nicht wie die Städte stetige Zunahme, sondern sogar Abnahme der Bevölkerung und damit der Arbeitskraft zu verzeichnen, während bei den gesteigert gestellten Anforderungen ein Steigen der Bevölkerung nothwendig wäre. Die Noch der Landwirthschaft zeigt sich in ihrer steigenden Verschuldung; geht es im gleichen Schritte weiter, w wird in etwa 70 Jahren der Boden bis zum vollen Werthe belastet sein; von dieser Verschuldung werden auch namentlich die kleinen Betriebe betroffen. Die Pachtpreise sind durchweg zu hoch, und viele Pächter gehen zu Grunde; daß die Pachten sich in der alten Höhe halten, liegt in der lebhaften Konkurrenz. Neuerdings hat man genaue Erhebungen über die Erträge der Landwirthschaft gemacht. In der Rheinprovinz ergab sich eine Grundrente von 0,6 Prozent, in Westfalen überhaupt keine mehr.
Der Rückgang liegt erstens in dem Weichen der Getreidepreise. Sodann sind die Löhne gewaltig gestiegen. Bis zum Jahre 1840, wo die | Steigung beginnt, zahlte man 50 — 621/» Pfg. pw Tag, im Jahre 1895 1,75 Mk., wozu noch ireie Wohnung kommt. In die Höhe gegangen ftnd _ auch die Frauenlöhne. Seit dem Jahre 189o bis heute ist wieder ein Steigen der Löhne zu verzeichnen. Der Mangel an Arbeitskräften ift dabei noch immer drückend. Wie ist hier ab- zuhelfen? Nicht mit allzu scharfen Bestimmungen, da sonst die Arbeiter sich noch mehr zur Industrie wenden. Die Landbevölkerung soll in freiheitlicher Bezrehung nicht schlechter gestellt werden, als die der Industrie, sie soll gern und freiwillig auf dem Lande wohnen bleiben. Wo der Verkehr am wenigsten entwickelt, da ist der Rückgang der landwirthschaftlichen Bevölkerung am größten, des- dmb muß es Aufgabe der Agrarpolitik fein, Verkehrsmittel, namentlich Eisenbahnen, auf dem tanbe ju schaffen. Das Land hat stets die gleiche, durch seine Anbaufläche diktirte Arbeiterzahl noth- wendig, während die Industrie sich einschränken kann. Schaffe man der Landwirthschaft freien Arbeiterzuzug und lege namentlich den polnischen, ausländischen Arbeitern nicht noch peinlichere Kontrollvorschriften in den Weg, als den herum- ziehenden Zigeunern und Keffelflickern.
widmet sich der delikaten Aufgabe der Sorge für die entlassenen weiblichen Strafgefangenen. Die vornehmste Aufgabe der Damenvereine ist ! die Wagenpflege. Das hier bestehende ! Marienheim beherbergt 70 bis 80 Kinder unter 5 Jahren. 200 bis 300 Kinder besuchen die Bewahrschule, wo sie auch für 30 Pfg. Essen erhalten. In derselben Anstalt finden 80 bis 100 Arbeiterinnen gegen 70 Pfg. Entgelt Kost und Logis, einer größeren Anzahl wird Sonntags Unterhaltung und geistliche Pflege geboten.
I In anerkennenswerther Weise hat der Verband katholischer Lehrerinnen beschlossen sich der Jugendfürsorge eingehend zu widmen und augenblicklich werden eingehende Umfragen !und Untersuchungen über bestehende Mißstände veranstaltet. Von den Mädchenschutzbestre-! düngen erwähnt Redner zunächst die Bahn- hofsmission des marianischen Schutzvereins. Obwohl erst kurz bestehend, haben die Damen feit 1899 370 Nachtquartiere besorgt und 1600 Hilfeleistungen verrichtet. Von allen Seiten weist man der Mission Mädchen zu. Schon früher hat man sich der Ladengehilsinnen nachdrücklich angenommen. In einem eigenen Hause wird Unterhaltung und Belehrung geboten. Eine eigene Krankenkasse erstreckt sich bereits mit Ortspruppen auf verschiedene Städte, so den Grund legend für einen künftigen großen katholischen Laden- gehilfinnenverein, ähnlich wie der „Verband der Katholischen Deutschen Kaufmännischen Vereine". Schließlich erwähnt Redner die vom verstorbenen Weihbischof Dr. Schmitz ins Leben gerufene gemein-