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** mit ZlnterhallmWS-Neilage „Illugrirtr Ssnntags-Itilmlg"

M 231.

JuLöa, Montag, den 8. Oktober 1900.

27. Jahrgang.

UntrrdrückungSmaßregeln gegen die kathol. Kirche.

Was in Braunschweig bereits geleistet wor­den ist auf dem Gebiete des katholischen Schul­wesens und der Seelsorge, ist leider bekannt ge­nug : man weiß, daß bis in oie allerneueste Zeit hinein kein katholischer Geistlicher eine

So Mancher schüttelt verständnißlos den Kopf, wenn er in katholischen Zeitungen und Ver­sammlungsreden Beschwerden darüber findet, daß in Deutschland die Katholiken so häufig als Staats-

© Staatsbürger zweiter Klaffe, 1®“* • «j» Weiten aufs EntWe-

" > denste, daß die Zahl der Krankenpflegerinnen...

ausreicht. Mau gehe einmal dorthin, wo bei­spielsweise die Kinderkrankheiten nie erlöschen, wo die Mutter nicht pflegen kann, weil sie Brod verdienen muß bei fremden Leuten. Und wo

bürger zweiter Klaffe behandelt werden. Wer kein Verstäudniß dafür hat, der sehe sich die

Nicht nur in katholischen Kreisen hat das Verfahren der braunschweigischen Regierung Be­fremden und Mißbilligung hervorgerufen. In weiten Kreisen hat dieses Verfahren berechtigtes Erstaunen heroorgerufen, und dieses Erstaunen hat auch starken Ausdruck gefunden in der nichtkatho­lische n Presse. So schreiben die ,Braunschw. Neuesten Nachrichten',ein sogenanntes unparteiisches Blatt, zu dem Falle: „Bin derartiger Bescheid der braunschweigischen Regierung mit derartiger lakonischer Begründung muß natürlich böses

Vorgänge im Herzogthum Braunschweig ge­nauer an und die Behandlung, die dort den Katholiken zu Theil wird unter der Regentschaft *eS Prinzen aus dem preußischen König-Hause: wem noch nicht alles Gefühl für Recht und Ge­rechtigkeit verloren gegangen ist, der wird, ob er nun Katholik oder Protestant oder Jade sei, ohne Weiteres zugeben müssen, daß die Behandlung, dft den Katholiken im Herzogthum Braunschweig zu Theil wird, eine Schmach ist für unsere Zeit, eine Kette von Ungerechtigkeiten und gewaltsamen

einige Besonnene zur Ruhe mahnten. Der Ruf verhallte leider ungehört.

Alles drängte, schob und stieß den Ausgängen zu, die Menschen glichen einem Haufen Wahn­sinniger. Jeder war nur bedacht, sich selbst zu retten, der Starke trat einfach den Schwachen nieder, der sich ihm in den Weg stellen wollte. Die Gefahr, in der Menge erdrückt zu werden, war viel größer, als die, verbrennen zu müffelt. Niemand dachte im ersten großen Schreck daran, zu löschen.

Dadurch, daß bei der eiligen Flucht umge­worfene Stühle den Weg versperrten, wurde das Entsetzliche der Lage noch erhöht. Toben und Schreien, das Wilthen der Vorwärtsstürmenden, Bitten und Flehen der von der kopflosen Menge Niedergetretenen, erfüllte mit ihrer entsetzlichen Melodie den Saal.

An den Ausgängen war es am gräßlichsten, weil Viele, die niedergefallen waren, ohne sich in rem Gewirr der Nachdrängenden erheben zu können, die Flucht der Andern hinderten. Jn- »effen wurde der Qualm und Rauch immer schlimmer, o daß man im Saal kaum mehr zu athmen ver­mochte.

In banger Angst hatten Hedwig und Julia »en Ausgang zu gewinnen versucht, waren aber immer wieder zurückgedrängt worden, und mit einem Male hatten sie sich in der, jeder Beschrei- mng spottenden Verwirrung aus den Augen ver- oren. Vergebens spähte Hedwig nach der Schwester aus, als sie plötzlich ihren Verlobten, der bei Aus­bruch der Katastrophe auf der Bühne beschäftigt war, mit angstverzerrtem Gesicht sich durch die Menge winden sah. Das Haar hing ihm wirr

fahrenden Batterien, die bei der Umänderung im vorigen Herbst für das preußische Heer noch auf­zustellen blieben, zu ihrem Abschluß gelangt. Zu­gleich trat mit dem 1. Oktober die Neuorganisation der Feldartillerie-Schießschule zu Jüterbog in Kraft, an deren Spitze ei« Bezirkskommando ein­gerichtet wurde, während die Lehrabtheilungen mit ihren Batterien zum RegsinentSverbande ver­einigt werden, wodurch das Lehr-Regiment ein selbständiges und osichloffenes Offizierkorps er­halten hat. Der Ftsdartillerie ist durch diese Organisationsänderuu^rn eine große Anzahl von Beförderungen und Versetzungen zugefallen, so daß sie von allen Waffen im Avancement bei Weitem am besten steht. Hiermit ist die Organi­sation der preußischen Feldartillerie zum Abschluß gelangt, während bei der bayerischen und sächsischen Feldartillerie noch verschiedene Neuformationen vorzunehmen find. Eine Veränderung mehr äußer- sicher Art ist die Verleihung der Bezeichnung Fuß­artillerie-Regiment Nr.... (schwere Feldhaubitzrn) an diejenigen dieser Regimenter, welche mit der schweren 15 Centimeter-Haubitze ausgerüstet und als Fußartillerie mit Bespannung bezeichnet sind. Auch die betreffenden Bataillone dieser Regimenter führen fortan die in Klammern beigefügte Be­zeichnung „schwere Haubitzen", während zum Unterschiede hiervon das betreffende Geschütz der Feldartillerie als „leichte Feldhaubitze" zu be­zeichnen ist.

i X Die deutsche« KattzokiSe« i« gefeit I haben einen ersten Schritt zu gemeinsamer Orga­nisation gethan. Es ist in einer Versammlung von Vertrauensmännern ein „Verband der Vereine deutscher Katholiken in der Provinz Posen" ge­gründet worden. Es besteht die Absicht, auch die entsprechenden Vereine in der ebenfalls überwiegend polnischen Provinz Westpreußen an diese Organi­sation anzugliedern, und man kann nur recht sehr wünschen, daß diese neue Organisation recht bald zu k ästigem Gedeihen erstarken möge; das ist dringend nothwendig. Daß die Hakatistenpreffe allerhand fabelt von einer feindseligen Haltung des Herrn Erzbischofs v. Stab lew Ski gegen die deutschen katholischen Vereine, konnte man sich im Voraus denken. Aber sie haut damit arg daneben. Und die neue Organisation wird auch wenig nach dem Sinne dieser Hakatistenpreffe wirken. Nationale Verhetzung wird ihr stets fern bleiben. Die Pflege des katholischen Geistes wird und muß ihre Hauptaufgabe sein. Stur brauchen die deutschen Katholiken in den polnischen Landes- theilen ebenso nothwendig Sammelpunkte, wie die polnischen Katholiken in den deutschen Landes- theilen. Herausfordernde Spitzen gegen das Polen- thum werden die deutschen katholischen Vereine in Posen und Westpreußen niemals hervorkehren; wer mit solchen Erwartungen sich trägt, wird bald einsehen, daß er sich gründlich geirrt hat.

+ Das Schutzgebiet in Hstafrika wird einen neuen Gouverneur erhalten, Generalmajor von Siebert nicht mehr als Gouverneur dort­hin zurückkehren. Es fragt sich nur, wann der Personenwechsel sich vollziehen und wer an Herrn von Liebert's Stelle treten wird. Manche nehmen an, Herr von Liebert werde noch so lange im Amte bleiben, um im Reichstage die von Neuem angekündigte Forderung für die vielberühmte oft«

bleibt die Gerechtigkeit? Weshalb will man den zehntausend katholischen Seelen der Stadt Braun­schweig Pflegerinnen vorenthalten, die dieses Glaubens sind? . . . Der Kranke, der im ka­tholischen Glauben erzogen, betet eben lieber mit der Schwester, die mit ihm dieselben Anschau­ungen von dem Herrn und Heiland hat, wie er.. ."

So urtheilt ein nicht katholisches Blatt über das Verhalten der braunschweigischen Staats­regierung. Daß thatsSchlich in der Stadt Braun­schweig ein Mangel an Krankenpflege-Einrichtungen vorhanden ist, wird auch von der Stadtver­waltung anerkannt. Denn die Stadtverordneten- Versammlung hat den protestantischen Schwestern vom Rothen Kreuz bereitwilligst ein Darlehen von 140 000 Mark gewährt zum Bau eines Kranken­

der eigenen „Toleranz". Zur Kennzeichnung der Wirkung eines unduldsamen Vorgehens, wie es in Braunschweig geübt wird, geben wir noch ein­mal den.Braunschweiger Neuesten Nachrichten' das Wort. Diese schreiben:

„Wir wundern uns über die Macht des Katholikenthums, die uns Schritt für Schritt be­gegnet, die sogar in der Politik fühlbar wird. Wir haben keinen Grund zum Wundern: noch mehr solcher Bescheide wie oben, und ber Ritt, der die Katholiken, die fühlen, daß ihnen Unrecht geschieht, zusammenhält, wird fest wie Eisen. Und im Zu- sammenhalt liegt bekanntlich allemal die Stärke!"

zu bemerken, daß seine Braut an Einsilbigkeit nicht» zu wünschen übrig ließ.

HedwigS Gedanken weilten allerdings ganz wo anders. Sie sah sich in die Kinderstube versetzt, Märchen erzählend, die kleine Grete in den Schlaf wiegend. Ob Paul wohl schon schlief? Oder ob er sich noch immer fürchtete vor dem schwarzen Mann und sich in sein Bett- chen verkroch? Sie empfand plötzlich eine heiße Sehnsucht nach dem lieben Jungen und schreckte wie aus einem Traume auf, als Julia eine Frage an sie richtete.

In der ersten Tanzpause sollte ein Festspiel aufgeführt werden, in dem auch der Professor eine kleine Rolle übernommen hatte.

Elfen und Gnomen füllten die Bühne und führten einen Reigen auf. Plötzlich stieß Jemand an einen der in großer Zahl auf» gehängten Lampions. Derselbe entzündete sich m Herabfallen. Unglücklicher Weise wurde in lemselben Moment die dicht daneben befindliche Kouliffe in Branv gesetzt, das Feuer schlängelte empor und ergriff im Nu auch die Soffiten. Da alles nur für einen Abend berechnet und »eshalb aus Papier gefertigt war, stand in einer Minute die ganze Dekoration in Hellen Flammen, sie sich mit unglaublicher Schnelligkeit den Guirlanden und dem leicht brennbaren Zierrath mittheilten und alles in einen dichten Qualm einhüllten. Die brennenden Fetzen fielen von »er Decke herab, hier und da die leichten Kostüme der Damen sengend.

Eine unbeschreibliche Panik entstand in dem raucherfüllten Saale. Entsetzen hatte sich der ungeheuren Menschenmenge bemächtigt, obwohl

Me letzte Heldenthat der braunschweigischen Dieser neue braunschweiger Fall zeugt von Regierung auf Kulturkampfsgebiet ist die schon einer religiösen Unduldsamkeit ohne Gleichen, kurz gemeldete Verweigerung der Gevehmi- Nur solche Unduldsamkeit kann der wahre Grund gung für eine Niederlaffung der Barmherzigen des ergangenen ablehnenden Bescheides fein, wie Schwestern. Allgemein klagt man schon lange aus den vorher gekennzeichneten Verhältniffen über den Mangel an Kranker-pflegeschwestern in klar hervorgeht. Und das geschieht am Ende Braunschweig, und die vorhandenen protestanti- des neunzehnten Jahrhunderts in Deutschland scheu Schwestern selbst haben in der neuern Zeit Wäre es wohl denkbar, daß in^ einer katho- mehrfach den Wunsch ausgesprochen, es möchten lisch en Stadt die protestanttsche Minderheit so doch auch katholische Krankenpflegerinnen nach unduldsam und ungerecht behandelt würde? In Braunschweig kommen, um in die katholischen vorwiegend katholischen Städten — z. B. hier Häuser »u gehen. Aber da« braunschmelgische! in Fulda — zeigt man der andersgläubigen Ministerium hat es für gut befunden, ein Gesuch Minderheit stets das weiteste Entgegenkommen, der katholischen Geistlichkeit und des katholischen Auf der andern Seite Han dell man durchweg gaw Kirchenvorstandes, eineNiederlaffung barmherziger anders; dafür spricht man aber desto mehr von Schwestern in Braunschweig zu gestatten, ganz der angeblichen Unduldsamkeit der Katholiken und kurz und bündig abzulehnen. Man hat sich ~ '

gar nicht erst die Mühe genommen, den ablehnenden Bescheid sonderlich zu begründen. Aber fteilich hätte man auch vergeblich nach irgendwie stich­haltigen Gründen gesucht dafür, der katholischen braunschweiger Gemeinde, die etwa zehntausend Seelen zählt, das überaus berechtigte Verlangen nicht zu erfüllen!

Orginal-Roman von Irene ».Hellmuth.

25 ------ (Nachdruck verboten.)

„Na, da haben wir's !* rief Julia ungeduldig. «.Du bist noch nicht einmal angezogen, wir werden zu spät kommen, wenn Du Dich nicht beeilst; ich begreife Dich nicht!"

Hedwig fühlte augenblicklich gar keine Lust zu Tanz und Spiel. So sehr sie sich vorher gefreut hatte, so gerne wäre sie jetzt hier ge­blieben, bei den über alles geliebten Kindern. Sie setzte Paul auf den Boden und begann, viel zu langsam für Julias Unruhe, ihre Toilette. Julia lief hin und her, trommelte mit den Füßen auf den Boden, während die Schwester sehr einsilbig und zerstreut erschien; sie mußte fort­während an die Reden des Kindes denken.

Tas Fest hatte bereits begonnen, als die Verbündeten den Saal, den Künstlerhände groß­artig geschmückt hatten, betraten. Guirlanden von Papier und Tannengrün liefen rings um die Wände und hingen von der Decke nieder, farbige Lampions erhöhten mit ihren bunten Farben den Reiz, Zelte, in denen alles zu haben war, was das Herz begehrte, befanden sich in den tiefen Fensternischen und den Nebensälen. Es herrschte ein buntbewegtes Treiben unter den vielen Maslen und sonstigen Festbesuchern, die den Saal füllten. Auf und ab wogte die Menge. Man war kaum im Stande, durch­zukommen. Julia ergötzte sich in kindlicher Freude an dem lebensfrischen, bunten herrlichen Bilde, das sich vor ihren Äugen entrollte. Sie |

afrikanische Centralbahn zu vertreten, und es ist ja gar nicht ausgeschlossen, daß diese Annahme richtig ist. Hebet die Person des Nachfolgers ist noch nichts bekannt. Vor einigen Tagen wurde in einigen Blätter als vermuthlicher Nachfolger Freiherr von Rechenberg genannt, bisher Konsul in Sansibar. Das kann indessen nicht zutreffen, denn dieser Letztere ist soeben von Sansibar nach Moskau versetzt worden. Vckr allgemeinem Jntereffe ist es, ob ein Militär oder ein Verwaltungsbeamter Nachfolger Liebert's werden wird. Gegenwärtig stehen wirthschaftliche Fragen im Vordergründe des ostafrikanischen In­teresses. Man sollte darum annehmen, daß das Gouvernement ebenso gut ober unter Umständen noch besser von einem Civilbeamten verwaltet werden könnte, als von einem Offizier. Aber wenn ein Militär vorhanden ist, der das geeig­nete Sachverständniß besitzt, dann würde auch dieser der Aufgabe gewachsen fein. Der Gou­verneur von Ramerum ist aus dem Verwaltungs­fache hervorgegangen; man hat noch nicht darüber klagen hören, daß die militärischen Jntereffe« in Kamerun vernachlässigt würden.

h. DerKohkettgroKyattdek möchte gern als das unschuldige Lämmlein angesehen werden, das mit der Steigerung der Kohlenpreise nickt im geringsten in Verbindung steht. Wie wenig Be^ r-chtigung das hat, geht aus einigen zuverlässigen Ziffern hervor, die jetzt aus Schlesien bekannt werden, Vor dem 1. April 1899 lieferten die Groß- Hondels-Firmen Cäsar Wollheim & Fried­länder den Centner oberschlesischer Kleinkohlen für 32 Pfennige; vom 1. April 1899 ab ließen sie sich 48 Pfennige dafür bezahlen. Das ist eine Steigerung des Preises um nicht weniger als die Halste.

+• Eine positive Meformpartei möchte die „Soziale Praxis" in der Sozialdemokratie, wie sie jetzt sich entwickelt, erblicken. Zu dieser An­sicht gelangt das genannte Organ aus dem Gange der Verhandlungen in dem jüngst in Paris ab­gehaltenen Internationalen Sozialistenkongreffe. „Jmponirendste Einmüthigkeit" soll nach der ge­nannten „Sozialen Praxis" in dem Kongreffe geherrscht haben, getragen von „allgemeiner Be­geisterung"; und das „befriedigende Ergebniß" soll fein, daß „sich die Sozialdemokratie aus einer rein negativen Revolutionspartei immer mehr zu einer positiven Reformpartei entwickelt". Wir bedanken uns recht sehr für die Reformen, die diese neue „positive" Partei uns bringen könnte. Thatsächlich haben sich übrigens die Leutchen in Paris gestritten und gerauft, daß die Haare flogen, so daß man nicht begreift, rote jemand durch thörichte Vourtheile zu so grundfalschen Ansichten über die Sozialdemokratie und ihre wahre Bedeutung gelangen kann, wie es in dem genannten, sonst hervorragenden Organ geschieht. Aber man macht stets von Neuem die Erfahrung, daß auch die gelehrtesten Leute auf Holzwege ge« rathen, wenn sie sich au8 dem öffentlichen Leben in die einsame Studierstube zurückziehen. Ayr meisten Vergnügen werden die Herren „Genossen" selbst empfinden über die Kennzeichnung ihrer Partei als einer „positiven Reformpartei"!

* Stuttgart, 6. Okt. Der.Staatsanzeiger' meldet, daß der König seine Zustimmung zur

Deutsches Deich.

Berlin, den 6. Oktober.

* Die Wettgesiallttttg der Iekdartilkerie ist durch die Errichtung von weiteren neunzehn

athmete in vollen Zügen die Lust, einmal theil- nehmen zu dürfen an solchem Feste. Sie spähte heimlich nach dem Profeffor aus. Er mußte doch schon da sein, aber sie kannte seine Maske nicht. Hedwig fühlte sich sehr bedrückt und Frau Rita Ackermann amüstrte sich vortrefflich.

Die zwei reizenden Masken aus der Zeit da „der Großvater die Großmutter nahm", blieben | natürlich nicht unbemerkt. Mancher Blick folgte den anmuthigen Bewegungen der Mädchen, und Julia's Tanzkarte füllte sich rasch.

Endlich kam auch Professor Hammon auf sie zu. Er nahm die Maske ab, und Julia rief heiter: „Beeilen Sie sich, wenn Sie noch einen Tanz von mir haben wollen, so ist ei die höchste Zett, ich habe nur noch wenige frei!"

Die Stirne des Professors umdüsterte sich.

„Das hätte ich wissen können," murmelte er für sich, und wollte den letzten Tanz einzeichnen.

„Ich habe hier in der ersten Abtheilung den Walzer für Sie aufgehoben," lächelte Julia schel­misch, „denn bis zum letzten Tanz dürfen wir nicht bleiben, wir müssen früher heim."

Alfred schien damit sehr zufrieden, er bot den beiden Damen an, eine kleine Erfrischung zu nehmen; Julia an einem, Hedwig am anberm Arm, durchstreifte er den Saal.

Jalia'S Entzücken kannte keine Grenzen. Sie bemerkte es wohl, wie sie die Aufmerksamkeit ans sich zog, und die» steigerte ihre Freude. Die schwere Schleppe des kostbaren Gewandes hatte sie sich über den Arm gehängt, ihr Mund stand keinen Augenblick still.

Alfred hörte auf das lustige, übermütige Ge­plauder des jungen Mädchen und schien es kaum

Hauses, um wenigstens dem dringendsten Bedürf- niffe abzuhelfen. Wenn die Stadtoäter von diesem Bedürfnisse nicht vollkommen Überzeugt wären, Amtshandlung vornehmen durfte ohne! würden sieden protestantischen Schwestern be- Genehmigung des protestantischen Pre- sagtes Darlehen nickt gegeben haben. Das Staats- digers; man weiß, daß es überhaupt schwer Ministerium aber antwortete frisch weg auf das hielt, auch nur ganz notdürftig die katholische katholische Gesuch um Genehmigung einer Nieder- Seelsorge auszuüben. Und ebenso weiß man, lassung der barmherzigen Schwestern, es seien daß die braunschweiger Katholiken lange Jahre „genügend Einrichtungen vorhanden, in denen vergeblich sich bemüht haben, es zu einem katho- auch katholische Kranke die erforderliche Pflege lifchen Schulsystem zu bringen. finden können"!