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von
Widerspruch erhoben wird. Leider aber wird berichtet, mehrere russische, französische und amerikanische Generäle wollten den Oberbefehl des Grafen Waldersee nur im Felde anerkennen, sonst nicht. Graf Waldersee wird also ohne Zweifel mit sehr vielen Schwierigkeiten bei der Lösung seiner Aufgaben zu thun haben, um die er ganz und gar nicht zu beneiden ist.
Von hoher Bedeutung ist der katholische Gelehrtenkongreß, der in München stattgefunden hat und im Beisein des Prinzen Ludwig von Bayern und mehrerer bayerischer Minister eröffnet worden ist. Die zahlreichen Gegner spotten gelegentlich gern über die „rückständigen Katholiken", die aus den Gebieten der Wisienschaft und Kunst angeblich hinter allen anderen Menschen zurück bleiben sollen. Suchen aber die Katholiken der Welt das Gegentheil zu beweisen, dann ist das den meisten Gegnern auch nicht recht; dann reden sie gern von „gefährlichen" oder „unverständlichen ultramontanen Bestrebungen". Hier handelt es sich um eine Zusammenkunft, die ohne politischen Hintergrund ist, Katholische Gelehrte aller Länder versammeln sich, um ihre Gedanken und Erfahrungen mit einander auszutauschen und das Band fester zu knüpfen, das sich um alle treuen Katholiken der Erde schlingt. Wer wollte das und wer könnte das den katholischen Gelehrten im Ernste verargen? Daß die treuen Katholiken geneigt sind sich auf sich selbst zurückzuziehen, und solche Versammlungen im eignen Kreise abzuhalten, ist die Folge des Druckes, der in den meisten modernen Staaten auf sie ausgeübt wird, nicht die Folge eigner Einsamkeitsneigungen. Kommt doch jetzt erst wieder die Nachricht aus Braunschweig, daß das Ministerium dort nicht einmal eine Niederlassung barmherziger Schwestern gestattet hat!
Woche«-Rundschau.
(Nachdm« verboten)
X Fulda, 6. Oktober.
Der Reichstag wird im Monat November seine Berathungen wieder aufnehmen, das kann man jetzt als feststehend betrachten. Aber an welchem Tage und in welcher Woche das geschehen wird, ist noch unbestimmt. Auch die offiziösen Meldungen weichen in der Angabe des Eröffnungszeitpunktes noch stark von einander ab: nach der einen Lesart soll derselbe in das Ende des Monats November fallen, nach der andern in den Anfang. Die Entscheidung darüber kann man jetzt mit großer Ruhe abwarten; denn jetzt kommt les auf eine Woche früher oder später nicht mehr an. Jetzt wird es sogar besser sein, die Eröffnung findet ein wenig später statt bei genügend vorbereitetem gesetzgeberischem Material, als wenn
etwa die Parlamentszeit träge und stoffarm sich hinschleppen sollte infolge Mangels an berathungsferti- gem gesetzgeberischem Material. Die Reichsregierung würde im eigenen Interesse vermuthlich besser daran gethan haben, den Reichstag im Sommer zu einer kurzen außerordentlichen Tagung einzuberufen. Jetzt, La das nicht geschehen ist, kann man es unmöglich anders als eine untergeordnete Frage bezeichnen, ob die Wiedereröffnung der Verhandlungen eine Woche oder zwei Wochen früher oder später erfolgt. Natürlich aber ist zu wünschen, daß der Reichstag nicht wiederum in vorgerückter Zeit mit Gesetzentwürfen überhäuft werde, wie dies während der letzten Jahre, namentlich aber gegen das Ende der letzten Tagung geschah. Sonst wird man dem parlamentarischen Gedanken sicherlich keinen Vorschub leisten.
Die China-Frage, die den Reichstag nach feinem Zusammentreten voraussichtlich zu allererst beschäftigen wird, ist in mancherlei Hinsicht in eine neue Entwickelungsstufe eingetreten. Erstens einmal ist Feldmarschall Graf Waldersee in der Provinz Petschili angekommen und hat damit den Oberbefehl übernommen über die Truppen der Mächte. Zweitens ist augenscheinlich eine Uebereinstimmung zwischen Deutschland, Rußland und Frankreich über die Behandlung der chinesischen Angelegenheiten erzielt ‘ _____während die Vereinigten Staaten
mer i ka eingesehen haben, daß mit der Politik der endlosen Liebenswürdigkeiten in China nichts auszurichten ist. Drittens hat der Kaiser Kwangsü von China in einem an den deutschen Kaiser gerichteten Schreiben um die Einleitung von Verhandlungen über einen „immerwährenden Frieden" gebeten ' und hat seine „tiefe Betrübniß" darüber ausgesprochen, daß der deutsche Gesandte ermordet wurde und „seine Unterthanen schändlich behandelt haben, indem sie die freundlichen Beziehungen abbrachen". Das klingt alles recht schön. Aber es ist nur der Kaiser Kwangsü, der das schreibt, das .heißt, ein Schattenkaiser ohne Macht und ohne wirklichen Einfluß, eine Drahtpuppe in den Händen der Kaiserin-Wittwe. Und außerdem ist grundsätzlich allen chinesischen Versicherungen recht wenig zu trauen. Kurz und gut, das Handschreiben des sogenannten chinesischen Kaisers und die gleich, zeitig erfolgte Versicherung, Prinz Tuan, der Oberanführer der fremdenfeindlichen Partei, solle vom Hofgerichte bestraft und aller seiner Aemter und Gehälter beraubt werden, werden zunächst nur geringen Einfluß auf die Haltung der Mächte ausüben können. Auch Rußland soll jetzt von seiner ursprünglichen Absicht, alle seine Truppen von Peking zurückzuziehen, wieder abgehen und ausreichende Truppen in Peking belassen wollen. Graf Waldersee wird in Peking einen kaiserlichen Palast mit Beschlag legen und in diesem einen Theil der deutschen Truppen unterbringen. Es scheint, daß dagegen von keiner anderen Seite ein
Irrlöa, Samstag, den 6. Oktober 1900.
Bisher war es eine besondere Liebhaberei unserer Gegner, dem Cent rum die Sucht unterzuschieben, bei allen möglichen Gelegenheiten, namentlich auch bei Wahlen, umstürzlerische Parteien und Bestrebungen zu unterstützen. Jetzt beweist die Haltung des Centrums in Württemberg von neuem die vollkommene Unhaltbarkeit solcher verleumderischen Unterstellungen. In Württemberg bereitet man sich bekanntlich auf Neuwahlen zum Landtage vor, und das Centrum hat klipp und klar der demokratischen Volkspartei alle Wahlfteundschaft aufgesagt. Die Volkspartei hat das ihrem eigenen Verhalten zuzuschreiben; sie wird voraussichtlich an Stärke der Mandate im württem- bergischen Landtage einbüßen, die bisher etwa dreißig betrugen, gegen zwanzig Centrumsmänner und zwölf Deutschparteiler oder Nationalliberale.
Die Wahlen zum gothaischen Landtage haben den Sozialdemokraten nicht die sichere Mehrheit gebracht, auf die sie schon fest gehofft hatten. Eine Stimme fehlt ihnen daran: es sind ihnen nämlich von den neunzehn Mandaten neun, nicht zehn zugefallen, wie sie gehofft hatten. Aber auch das ist auch ein ansehnlicher Erfolg der Sozialdemokratie, um so be- achtenswerther, als augenscheinlich auch viele kleine Bauern den Herren „Genossen" zu Wahlstimmen ver- holfen haben. Diese Landleute denken nicht daran, sich zur sozialdemokratischen Partei zu bekennen. Aber sie wollen ihrer Unzufriedenheit mit den Zuständen im Lande Ausdruck geben, und gerade im Herzogthum Gotha haben sie allerhand Grund dazu, unzufrieden zu sein. Namentlich die schweren Schäden, die ihnen von dem Wilde in den herzoglichen Forsten zugefügt wird, ohne daß ihnen Schutz oder Entschädigung gewährt wird, sollen viel zu der bestehenden Unzufriedenheit beitragen.
Auf den Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in Mainz ist eine internationale Sozialistenversammlung in Paris gefolgt. Auf den Antrag des deutschen „Genossen" Kautsky hat diese Versammlung mit sehr starker Mehrheit den grundsätzlichen Beschluß gefaßt, daß Sozialdemokraten als Minister in die Regierungen bürgerlich regierter Staaten eintreten dürfen. Veranlaßt wurde der Antrag Kautsky durch den Eintritt des Sozialdemokraten Millerand in das französische Ministerium. Seine Annahme bedeutet ebenso eine Abweichung von früheren sozialdemokratischen Grundsätzen, wie der in Mainz gefaßte Beschluß, pflichtmäßig an den preußischen Landtagswahlen theilzunehmen.
Daß auch die Polen die Sonderwünsche der Tschechen nicht unterstützen wollen, die österreichische Staatsverfassung umzustürzen und ein besonderes tschechisches Königreich mit eignem böhmischem Staatsrechte einzuführen, hat ganz neuerdings in einer Wahlrede der Obmann des parlamentarischen Polenklubs, Herr Jaworski, nochmals mit unzweifelhafter Entschiedenheit hervorgehoben. Diese tschechischen Anmaßungen bekämpfen die Polen ebenso, wie die Mitglieder der katholischen Volkspartei und der Christlich-Sozialen, auch auf die Gefahr hin, daß die bisherige parlamentarische Rechte vollkommen in die Brüche gehe. Die Tschechen haben es also durch ihre übertriebenen Ansprüche dazu gebracht, daß sie vollkommen vereinzelt dastehen. Im Interesse Oesterreichs kann man nur wünschen, daß diese politische Vereinzelung durch empfindliche parlamentarische Niederlagen ihnen in der Zukunft recht deutlich zu niederdrückendem Bewußtsein komme.
In Italien werden Reformversuche gemacht: man will die ärmere Bevölkerung befreien von einem Theil der Steuern für nothweudige Nahrungsmittel, namentlich von der Salzsteuer. Das ist an sich löblich, kann aber unmöglich hinreichen dazu, dem im Kerne morschen Staatswesen neuen Halt zu geben.
Das spanische Ministerium hält trotz aller Geldnoth an seinen Flottenplänen sest. Die Regierung will den Bau von acht großen Panzerfahrzeugen, vier Kreuzern und hundert Torpedobooten verlangen, außerdem, wie es heißt, auch noch die Gelder für mehrere Küstenpanzerschiffe fordern. Das wird ohne Zweifel heftige Redekämpfe int Parlamente verursachen, und mit Recht. Denn es wird dem verarmten Lande sehr schwer fallen, die Riesensummen für einen so umfangreichen Flottenplan aufzubringen.
Eine neue Niederlage, schlimmer als alle voraufgegangenen, haben die Amerikaner auf den Philippin en erlitten. Ein amerikanisches Infanterieregiment ist von den Eingeborenen überrumpelt worden und hat außer zahlreichen Tobten 53 Gefangene eingebüßt, mit denen die Filipinos in das Innere des Landes abgezogen sind. In Washington herrscht natürlich nicht geringe Bestürzung über dieses neue schlimme Ereigniß auf den Inseln, auf denen angeblich schon ganz friedliche Zustände herrschen sollten.
„Ich fürchte, daß ich so bald noch nicht zurückkehren kann" — so äußert sich der englische Höchst- kommandirende, Feldmarschall Lord Roberts, in einem Telegramm an den Oberbürgermeister von London über die Sage in Südafrika. Diese Worte lassen „tief blicken". Wenn Lord Roberts die Sage in Südafrika so beurtheilt, bann muß es doch noch recht faul bestellt sein um die britische Herrschaft. Präsident Krüger von Transvaal ist auf dem holländischen Kriegsschiffe „Gelderland" nach Europa abgereist. Die Engländer haben Widerspruch dagegen erhoben, daß die portugiesischen Behörden in Svnrenzo Marques Herrn Krüger irgend etwas anderes mitnehmen lassen, als sein persönliches Eigenthum. Vermuthlich ftirchten sie sich vor der Mitnahme geheimer Staatspapiere, die sie und ihre Politik in dem wahren Lichte erscheinen lassen könnten. Aber nach Meldungen aus Transvaal befinden sich alle diese Papiere längst in Sicherheit in Europa. Es wird den Engländern also nicht gelingen, auch noch die Geschichte zu fälschen!
Römische Briese, xxxxiv.
O Rom, 1. Oktober 1900.
Dir hl. Stadt hat augenblicklich wieder das Aussehen der letzten Maitage. Täglich kommen neue Extrcrzüge mit Pilgern aus allen Welttheilen an und selbst der sonst so stille Hafen von Civitavecchia belebt sich mit den aus Nord- und Südamerika dort vor Anker gehenden Transportsch ssm, die uns die vielen, nach vielen Hunderten zählenden Pilger von „drüben" bringen. So hatten wir denn während der letzten Woche hier Deutsche, und unter diesen die Berliner und Kölner, Oesterreicher, Schweizer, Franzosen, Spanier, Ungarn, Belgier, Portugiesen und wie gesagt Amerikaner. Der hl. Vater ertheilte fortwährend Audienzen und stieg mehrere Male in die Peterskirche hinab. Ein großer Theil der Pilger wohnte bereits der Selig- sprechuugszeremonien am Sonntag in St. Peter bei, bei denen Nachmittags auch der Papst erschien.
Am 26. September war dann wieder ein ganz besonders großartiger Ptlgerem- pfang in der Peterskirche. Ueber 60,000 Personen waren hier versammelt, eine Gesellschaft, wie sie imponirender und internationaler gar nicht gedacht werden kann. An dieser Segnung in Sankt Peter betheiligten sich etwa auch 4 bis 5000 Einwohner aus den Bergen Albanos und vorzüglich aus Frascati, welche die Reise nach Rom zu Fuß angetreten hatten und ein Madonnenbild mit sich führten. Der Bischof von Frascati, Kardinalgroßpönitenziar Bannutelli erwartete seine Diözesanen im Lateran, von wo aus die übrigen Basiliken besucht wurden. Abends spät kehrten die Pilger — ebenfalls zu Fuß — nach ihrer Heimath in den kühlen Bergen zurück, wo ihrem Madonnenbilde, dem der Prinz Aldo- brandini einen Wagen gestellt hatte, ein festlicher Empfang mit Illumination und Feuerwerk bereitet wurde.
Bekanntlich herrscht in Rom, so unglaublich das auch klingen mag, trotz seiner 319 Kirchen und nur 518,000 Einwohnern, wovon noch 11,000 auf die Garnison abgerechnet werden müssen, eine große Kirchennoth. Da sich die Stadt nach vielen Richtungen hin sehr ausgedehnt hat, so hat in den letzten Zeiten anti- kirchlicher Herrschaft der Kirchenbau selbstverständlich mit den wirklichen Bedürfnissen der Bevölkerung in diesen Vorstädten keinen Schritt halten können. Leo XIII., welcher vor einiger Zeit bereits den Grund und Boden geschenkt, hat nunmehr auch die Summe von 20,000 Lire für eine neue Kirche in der Prati die Castello gespendet.
Der Herzog der Abruzzen hat sich keine lange Erholungspause gegönnt. Sein kurzer Aufenthalt in Italien glich einem unruhigen Hin und Her. Kaum in Neapel beim Könige angekommen, war er schon wieder in Venedig, wo er dis Königin-Mutter besuchte und jetzt ist er bereits wieder auf der Reise nach Norwegen, von wo aus — wie es heißt — eine Hilfsexpedition ausgesandt werden soll, um den drei vermißten Mitgliedern der Reisegesellschaft nachzufpüren.
Sehr empfindlich für die gerade in der vergangenen Woche hier noch 70000 zählenden Fremden, Pilgern und Touristen war der Streik der römischen Droschkenkutscher, der volle vier Tage dauerte und den Streikenden selbst den allerempfindlichsten Schaden zugefügt hat. Dem alten Ministerpräsidenten Saracco selbst ist es endlich gelungen, was den anderen Machthabern und Autoritäten nicht gelingen wollte: er überredete nämlich einfach die Streikenden zum Wiederanspannen ihrer Wagen. Für die vielen Pilger aber wurden die Basilikenbesuche bei der auf Wagenfahrten berechneten Zeiteintheilung und bei der großen Hitze der letzten Tage zu wahren Büßgängen, denn die allerdings verkehrenden elektrischen und Pferdebahnen waren bei Weitem ungenügend. Das Gepäck der vielen Tausenden von Pilgern mußte auf Karren oder improvisirten Fuhrwerken vom Bahnhöfe in die Hotels und die Wohnungen geschafft werden und die Pilger selbst von ortskundigen Landsleuten ober Komito-Mit- gliedern dahin begleitet werden.
Das Königspaar sitzt noch immer in Capo- dimonte, von wo aus Viktor Emanuel III. häufige Ausflüge, meistens zu Pferde in das dem Schlöffe benachbarte Uebungslager macht, bei welchen er stets von einer starken Abtheilung der berittenen Leibgarde begleitet wird. Der junge König scheint die beste Absicht zu haben, sich persönlich um die Regierungsangelegenheiten des Landes zu kümmern. Entgegen der unter Humbert I. eingerissenen Gewohnheit, nach der nur der Ministerpräsident alle drei Monate einmal sich nach Monza zum Vortrage begab, ist jetzt fast beständig ein Minister oder Unterstaatssekretär in Capodimonte, welcher
27. Jahrgang.
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dem Ktnige eingehenden Bericht über die Lage und die Regierungsangelegenheiten erstatten muß. — Auf dem Forum Romanum wurden in bett letzten Tagen einige wichtige Ausgrabungen vorgenommen.
„ 6,50 0 über 16
also bei mehr als 50 Prozent der Ladengeschäfte 14 Stunden und länger. (Drucks, der Komm. f. Arbeiterstatistik, Berhandl. Nr. 8, S. 8. Berlin, Heymann's Vertag.)
In der Regel deckt fich Arbeitszeit und Ladenzeit. Am ungünstigsten stellte sich die Arbeitszeit für die männlichen Lehrlinge. Diese hatten nämlich in 44,9 °/. der befragten Betriebe mehr als 14, in 33,9 °/o mehr als 16 Stunden Arbeitszeit.
Weit ungünstiger als nach den Durchschnitts-Ergebnissen stellten sich die Verhältnisse für einzelne Geschästs- arten. Bei den Tabak- und Cigarrengeschästen sind als Ladenzeit festgestellt worden: mehr als 14 Stunden in 72,2 °/o, mehr als 16 Stunden in 9,6 •/»; in den Nahrungsmittel-Läden mehr als 14 Stunden in 73,4 °/e, mehr als 15 Stunden in 48,4 °/e; bei den Kolonial- und Materialwaaren-Geschästen mehr als 14 Stunden in 84,4 °/e, mehr alS 15 Stunden in 63,9 °,'o und mehr als 16 Stunden in 16,5 °/o der befragten Betriebe. Eine bestimmte Mittagspause von mehr als halbstündiger Dauer fehlte bei 45°/» der befragten Betriebe.
Bei dem innigen Zusammenhang von Arbeitszeit unb Labenzeit halte die „Kommission für Arbeiterstatistik" sich auf den Vorschlag des sog. Acht-Uhr-Labenschlusses beschränkt. Die scharfe Kritik, welche dieser Vorschlag fand, hat jedoch die verbündeten Regierungen bestimmt, von einem gesetzlichen Ladenschluß abzusehen. Dieselben begnügten sich in ihrer Vorlage mit der Vorschrift einer zehnstündigen Ruhezeit für den einzelnen Gehilfen resp. Lehrling, und dem sog. fakultativen Ladenschluß (durch Anordnung der höhern Verwaltungsbehörde auf Antrag von zwei Dritteln der Labeninhaber einer Gemeinde, sei es allgemein, sei es für bestimmte Geschäftszweige). Die Majorität des Reichstages ist jedoch wesentlich über die Regierungsvorlage hinausgegangen. Einmal ist für die Geschäfte mit zwei oder mehr Gehilfen ober Lehrlingen in den Städten mit mehr als 20,000 Einwohnern die Ruhezeit auf elf Stunden erhöht; dann ist neben dem (erweiterten) fakultativen Ladenschluß der gesetzliche Ladenschluß von 9 Uhr Abends bis 5Uhr Morgens für Städte mit mehr als 2000 Einwohnern festgesetzt*). Endlich ist die Mittagspause für solche, die außerhalb des Geschäfts speisen, von 1 Stunde auf l1/« Stunden erhöht. So regelt denn die Gewerbeordnung unter einem neuen Titel: VI. „Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Verkaufsstellen" zunächst die Ruhezeit wie folgt:
§ 139c. In offenen Verkaufsstellen und den dazu gehörigen Schreibstuben (Comptoire) und Lagerräumen ist den Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern nach Beendigung der
*) Vo» Mitgliedern der national-liberalen Partei (Münch-Faerder, Soff ermann, Freiherr von Heyl- Herrnsheim) gingen die Anträge auf elfstündige Ruhezeit und Neunuhrladenschluß in der Kommission aus; die Mitglieder d?s Centrums nahmen dieselben mit den entsprechenden Zusätzen: Beschränkung auf die Großstädte und die Betriebe mit zwei Ge- Sen resp. Ausschluß des platten Landes und der neu Städte auf und an.
Milt unb ßtbtilnag der Sewerde- erdnizs-NmSk turn 30. Zmi 1900.
I.
Mit dem 1. Oktober tritt die Gewerbe« ordnungs-Nooelle vom 30. Juni d. I. in Kraft. In erster Linie bezweckt dieselbe eine beffere Regelung der Verhältnisse der Angestellten in offenen Verkaufsstellen. Außerdem sind aber noch eine Reihe sonstiger Bestimmungen — theils Abänderungen, theilS Ergänzungen der Gewerbeordnung — Gesetz geworden, so daß fast alle Gewerbetreibende mehr ober weniger betroffen werden.
A. Schutz der Aandkuugsgehikfen i« offenen Serkanfsfteffe«.
1. Regelung der Arbeitszeit (Mindest-Ruhezeit) in offenen Uerkaufsstellen.
Die Arbeitszeit wird in erster Linie bedingt durch die Ladenzeit. Wenn auch Arbeitszeit und Ladenzeit sich nicht immer deckt, sondern namentlich in ländlichen und kleinstädtischen Geschäften sich naturgemäß mannigfache Ruhepausen ergeben, so wird doch während der Ladenzeit die stete Arbeitsbereitschaft gefordert und geht anderseits die thatsächliche Arbeitszeit (durch Auslegung der Maaren, Aufräumung, Verpackung, Verrechnung, Schreibarbeit ec.) vielfach über die Ladenzeit hinaus.
Wie die Erhebungen der Kommission für Arbeiterstatistik ergeben haben, betrugt bei 14,9 Proz. der befragten Betriebe die Ladenzeit einschließlich der Pausen weniger wie 12 Stunden, dagegen
bei 22 °/o bis zu 13 Stunden,