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J6 229. IrrLöa, Freitag, den 5. Oktober 1900. 27. Jahrgang.

Vom neuen Zolltarif.

DaS große und lebhafte Jntereffe, daS dem neuen, in Vorbereitung befindlichen Zolltarif ent­gegengebracht wird, ist vollkommen begreiflich. Seit langerZeit nicht mehr ist bei unS in Deutschland Leine Sache so sehr in wirthsckaftliche Mit­leidenschaft gezogen. Die vielen Nachrichten in» dessen, die über den Inhalt deS neuen Zolltarif- Gesetzes in der Presse erscheinen, find mit sehr großer Vorsicht aufzunehmen. Der wirthschaft- liche Ausschuß für die Vorbereitung der Handels­verträge ist in seiner Gesammtheit noch gar nicht einmal über die Höhe der einzelnen, namentlich der landwirthschaftlichen, Zölle gehört worden, «tb wenn das geschehen sein wird, dann ist da­mit der Gang der Vorentwickelung noch lange nicht erledigt. Wenn das Plenum des wirthschast- lichen Ausschusses seine Gutachten abgegeben haben wird, muß erst den einzelnen Bundesregierungen Gelegenheit gegeben werden, diese Gutachten sich genauer onzusrhen, und nachher erst wird im Bundesrathe die erste Beschlußfaffung über die Höhe der einzelnen Zollsätze vorgenommen werden können. Man stehl, der EntwickelungSgang ist weder kurz noch einfach. Es können noch sehr viele und mannigfache Aenderungen in den ein­zelnen Bestimmungen des Entwurfes ein- treten, bis dieser zur Berathung auch an den Reichstag gelangen wird. Namentlich die aufgetauchten Meldungen über die Höhe der Getreidezölle bieten noch nicht eine Spur von Sicherheit für ihre Richtigkeit. Bit jetzt chat nur die la-^rvirthschaftliche Abtheilung des wirthschaftlichen Ausschuffes ihr Gutachten darüber abgegeben; die Gesammtheit des Ausschusses wird sich damit erst in seiner bevorstehenden Sitzung damit beschäftigen. Richtig, weil gleich, zeitig von verschiedenen Seiten bestätigt, scheint nur das Eine zu fein, daß die Landwirthschaft- liche Abtheilung selbst in ihren Gutachten Ab­stand genommen hat von manchen Einfuhrzöllen, die öfters aus landwirthschaftlichen Kreisen heraus gewünscht worden sind und der deutschen Land- wirthschaft ohne Zweifel von Nutzen gewesen fein würden. Dazu gehört namentlich die Ein­fuhr des Wollzolles, über den man sich nach anscheinend zuverlässigen Meldungen in der Landwirthschaftlichen Abtheilung des Wirthschaft­lichen Ausschuffes sehr ausführlich unterhalten zu haben scheint. Man hat schließlich davon ab­gesehen, die Einführung eines solchen Zolles vorzusedlagen, »eil man erkannte, daß er im Jntereffe der Textilindustrie unmöglich eingeführt werden kann. Nach einer Meldung der »Zeit­schrift für die gesummte Textilindustrie' soll über­haupt ganz abgesehen werden von Einfuhrzöllen für Rohstoffe, die unsere Textilindustrie aus dem Auslande beziehen muß. In Anbetracht der keineswegs günstigen Lage, in der diese Industrie sich befindet, wird diese Absicht sicherlich allge­meiner Billigung sich erfreuen.

Die allgemeinen Grundzüge des neuen Zolltarifgesetzes sollen nach der Meldung eines süddeutschen Blattes denBundesregierungen amtlich bereits mitgetheilt sein. Gleichzeitig bringt daffelbe Blatt — es ist der ,Fränk. Kurier' in Mrnberg — Mittheilungen au- dem Inhalte

Die Merke von Ilorenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

23 ------ (Nachdruck verboten.)

„Das schickt sich schon wieder nicht, Julia, daß Du den Verlobten Hedwig's bei seinem Dornamen nennst."

Julia war sehr roth geworden.

„Verzeih, liebste Mama, es geschah gegen meinen Willen."

Anita fixirte scharf das liebliche Gesichtchen, ehe sie fortfuhr: „Dieser eingebildete Mensch ist mir überhaupt schon längere Zeit unsympathisch gewesen, er ist hochmüthig und arrogant, — dber," hier seufzte sie, und ein schneller, un­freundlicher Blick flog wieder zu der alten Frau hinüber, „wenn man als zweite Frau in ein HauS kommt, hat man in jeder Beziehung einen schweren Stand, weil einem immer und überall, selbst wenn man die besten Absichten hat, alles falsch und zum Bösen ausgelegt wird. Wenn es nach meinem Willen ginge, dann würde Heb- roig diesen pedantischen Professor niemals heirathen. — ES wäre nur zu ihrem eigenen Glück, denn daß et in seine Braut nicht sonder­lich verliebt ist, sieht doch ein Jeder."

„Du warst früher ganz anderer Ansicht," ttnte es vom Lehnstuhl her.

„Jawohl, weil ich scharf beobachte und das, was ich eben sagte, erst im längeren Verkehr mit diesem Menschen herausgebracht habe. Du freilich," Anita zuckte spöttisch die Schultern, „Dn kannst so etwas nicht finden, — weil Du schläfst"

dieses Entwurfes, die angeblich vollkommen zu­verlässig sein sollen. Danach sollen in Zukunft, zum Unterschiede von jetzt, nicht mehr zollfrei sein gebrauchte Kleidungsstücke, Alterthümer und Kunstgegenstände, die zu Ausstellungen eingehen. Die Zollfreiheit soll dagegen, trotz des mehrfach er­hobenen und auch berechtigten Widerspruchs da­gegen, beibehalten werden für Schiffsbaumaterial.

Von allgemeinem Jntereffe ist die Nachricht aus derselben Quelle, daß man den Aus fuhr - vergütungen ein wenig auf den Zahn fühlen will. Es soll nämlich die Absicht bestehen, nach besonderen Bestimmungen des Bundesralhes zoll­pflichtige Maaren, die in fremden Ländern Aus­fuhrvergütungen genießen, mit Zuschlagszöllen in der Höhe der gewährten Ausfuhrvergütungen zu belegen. Man würde damit dasselbe thun, was beispielsweise jetzt die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit dem deutschen Zucker thun.

Die Zollkredite sollen, wie es beißt, be­stehen bleiben. Aber, sie sollen verzinst werden nach einem vom Bundesrathe zu bestimmenden Zinsfüße.

Im allgemeinen kann man den Verhandlungen über das neue Zollgesetz mit mehr Ruhe entgegen­sehen, als ihnen thatsächlich entgegengebracht wird. Der Wirthschaftliche Ausschuß, dessen Gutachten zwar amtlich nicht als Beschlüsse an­gesehen werden sollen, dennoch aber hauptsächlich den Ausschlag geben werden für die Bestimmung der Zollsätze in dem neuen Entwürfe, ist eine Körperschaft, von der man vorzugsweise Ver­tretung voa Sondelinteressen einzelner Berufs­stände kaum zu befürchten hat. Denn der Wirth- schaftliche Ausschuß ist aus Vertretern aller In­teressengruppen zusammengesetzt, und man muß der Reichsregierung die Anerkennung zollen, daß sie bei dieser Zusammensetzung vollkommen un­parteiisch gehandelt hat. Man darf also hoffen, daß die Gutachten deü Wirthschaftlichen Aus- schusftS von dem Bestreben getragen sein werden, den Interessen aller Erwerbskreise so viel wie möglich gerecht zu werden.

Deutsches Deich.

Berlin, den 4. Oktober.

ft Der N«Adesr«1h hat am gestrigen Donnerstag feine erste Plenarsitzung nach der Sommerpause abgehalten. Nunmehr wird es hoffent­lich nicht mehr lange dauern, bis man zuverlässige Mittheilungen erhält über den Zeitpunkt der Er­öffnung de« Reichstage«. Die fortdauernde voll­kommene Ungewißheit darüber fängt an peinlich zn wirken.

* Der frühere Centrums-Abgeordnete Lncin» ist gestern früh in Düsseldorf im Alter von 84 Jahren gestorben. Er war Bruder des ftüheren Landwirtbschafts-Ministers Frecherr b. Lucius und als Kaufmann viele Jahre im Auslande, namentlich in Belgien, England, Ita­lien und in Amerika thätig gewesen. Nachdem et sich in Thüringen und Hessen als Gutsbesitzer niedergelaffen hatte, siedelte er gegen Ende der 70er Jahre als Rentner nach Düffeldorf über. Der Verstorbene gehörte seit 1882 bew preußi­schen Adgeordnetenhause (für Schleiden-Dkalmedy)

„Mama," flüsterte Julia, „laß sie doch, sie ist ja alt, i«b bitte Dich!"

„Aber nicht zu alt, um mich zu quälen," murmelte Anita, doch laut genug, daß Jeder es hören konnte.

Julia «achte sich unwillkürlich von ihrer Mutter los. Sie kam ihr heute so grausam vor, so hart. Sollte sie wirklich so sehr leiden?

„Willst Du nicht zur Ruhe gehen, Groß­mutter?" fragte das junge Mädchen zärtlich.

„Ich bin jetzt wieder ganz munter geworden, Kindchen," antwortete die Greisin.

„Sie schläft, wenn sie wachen soll und wacht doch die ganze Nacht, wie sie behauptet," spottete Anita.

Julia konnte nicht anders, obwohl sie wußte, daß ihre Mutter es nicht gern sah, sie mußte wiederum zu der alten Frau eilen und ihre Arme um deren Hals schlingen, als könnte sie so die spöttischen Bemerkungen ihrer Mutter wieder gut machen.

„Bist ein liebes, herziges Kind, Julia," sagte die Großmutter bewegt. „Du bist die Freude meiner alten Tage; bleibe nur immer so, mein Liebling, Gott segne Dich für Deine Liede, und wenn ich bald die Augen schließe und man will Dir manchmal etwas Böses über mich sagen —"

„Du mußt nicht so reden, Großmütlerchen, ich kann's nicht hören, Du thust mir weh damit," unterbrach Julia rasch die Greisin. „Du wirst noch lange leben." —

„Na, Kind, wie Gott will, ich wünsche mirs nicht, — ich habe genug gelebt. Wenn Du

und für die Stadt Düffeldorf dem Reichstage an; 1890 nahm er eine Wiederwahl nicht mehr an. Im parlamentarischen Leben ist er wenig hervor­getreten. Seine treukatholische Gesinnung und sein liebenswürdiges Wesen sichern ihm auch über die parlamentarischen Kreise hinaus ein ehren­volles Andenken. R. I. P.

+ I« Wahlkreise Wes-ritz Aomff muß, wie bekannt, eine Ersaüwahl zum Reichs­tage stattfinden. Die Polen haben den Guts­besitzer Dokowicz Krucho.oo als ihren Wahl­bewerber aufgestellt. Angeblich sollen die Katholiken deutscher Zunge des Wahl­kreises mit der Absicht umgehen, auch einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Es würde das ein interessanter Vorgang sein, namentlich interessant zu beobachten, wie die deutschen Katholiken bei einer etwa eintretenden Stichwahl zwischen dem Polen und dem deutschen Kartell­kandidaten sich verhalten würden. Feste Beschlüsse sind über die Kandidatenfrage augenscheinlich noch nicht gefaßt. Wenn neben dem Polen ein besonderer CentrumSmann als Kandidat aus­gestellt würde, wer wollte es den Crntrumsleuten im Wahlkreise Mcseritz-Bomst verargen? Die Polen selbst könnten stichhaltige Einwände nicht dagegen Vorbringen.

* Eine Petition umASHikfe der Kohlerr- «oth hat der Centralrath der deutschen Gewerkoereine an die König!. Staats­regierung abgesandt. Als Mittel zur Verbil­ligung der Kohlen für den Hausbedarf der Klein­konsumenten werden in der Eingabe empfohlen: 1) Die zeitweilige Einführung des Rohstoff-Tarifes für den Eisenbahn-Transport nicht auf die Ein­fuhr ausländischer Kohlen und auf einzelne in­ländische Bezüge zu beschränken, sondern auf den gesammten Transport von Brennmaterial auf den preußischen Bahnen auszudehnen, dagegen die den Export begünstigenden Tarife zu beseitigen. 2) Die Ermäßigung derKohlsnprnse auf den fiskalischen Gruben auch dem Hausbrand zu gute kommen zu lassen. Aehnliche Petitionen sollen auch den Re­gierungen der anderen Bundesstaaten, welche Staatseisenbahnen brzw. staatliche Kohlengruben besitzen, zugehen.

V Stettin, 4. Oki. Die Ankunft des Kaisers in Hubertusstock wird nach der letzten Disposition heute Abend oder mögen früh erwartet. Heute treffen bereits die Dienerschaft, Equipagen rc. dort ein. — Zum Diner beim Kaiser in Rominien waren gestern der Regierungs­präsident Hegel, der Oberforstmeister Weser und der Forstrath Otto, sämmtlich aus Gumbinnen, geladen wor­den. — Der Kaiser hat heute Morgen 5 Uhr von Ro- minten aus die Abreise angetreten. Unterwegs unter­nahm der Kaiser noch eine Frühpürsche, die jedoch er­folglos blieb. Um 9 Uhr Vormittags traf der Kaiser auf Bahnhof Rominten ein, wo sich die Oberförster der Romintener Haide zur Verabschiedung eingefunden hatten. Dann erfolgte die Abreise nach Marienburg. — Das Kaiserpaar wird, wie aus Essen gemeldet wird, neueren Bestimmungen zufolge am 12. d. Mts. gegen Abend auf der Krupp'schen Billa Hügel eintreffen, dort übernachten und am Morgen des 13. Oktober nach Elberfeld-Barmen zur Einweihung der Ruhmeshalle fahren. Abend? kehrt das Kaiserpaar wieder nach Billa Hügel zurück. Den folgenden Sonntag will der Kaiser bet Geheimrath Krupp in völliger Ruhe zubringen; eS finden daher keinerlei Begrüßungsfeierlichkeiten statt.— Nach den neuesten Nachrichten hat sich das Befinden des Generalfeldmarschalls Grafen Blumenthal etwas gebessert; derselbe geeenkt um die Mitte dieses Monats von Quellendorf nach Berlin überzustedeln.

nicht wärst mit Deiner herzerquickenden Fröhlich­keit, dann--"

„Oh, — oh, meine Nerven, — oh mein Kopf," stöhnte Anita auf; „ich muß mich zur Ruhe legen, komm Julia, Du sollst mich begleiten."

„Ich möchte auf Hedwig warten, Mama."

„Die bleibt aber heute ungewöhnlich lange aus," sagte Anita im Hinausgehen.

Kaum hatte sich die Thür hinter ihr geschloffen, trat Hedwig ins Zimmer.

„Guten Abend, Mohrchen!" rief sie, auch der Großmutter freundlich die Hand reichend. Sie befand sich heute wie es schien, in sehr guter Stimmung, und wunderte sich nur, daß Julia nicht wie sonst zornig auffuhr bei der verhaßten Anrede. Diese schien es kaum gehört zu haben, sie grübelte darüber nach, wie sie Hedwig gegen­über das Fortgehen des Professors am Besten entschuldigen könnte, ohne doch das Benehmen ihrer Mutter verurtheilen zu müssen; sie wollte überall die Vermittlerin spielen, nur war es manchmal sehr schwer.

„Alfred ging heute früher fort," — begann sie langsam und zögernd."

„Ich weiß," lachte Hedwig unbefangen, „er verließ mich eben erst, hat mich bis hierher be­gleitet. Er war, wie es schien, tief verstimmt, die Mutter hatte heute jedenfalls einen recht schlechten Tag, weil sie den armen Jungen so schlimm behandelt hat. Er wollte aber diesen Abend noch ein Projekt mit uns besprechen, des­halb hat er auf mich gewartet."

„Welches Projekt?" fragte Julia neugierig.

„Etwas sehr Schönes, — Mohrchen," neckte Hedwig die Schwester.

Ausland.

* London, 4. Oft. Der .Morning Post' wird über den Aufstand der Aschanti- aus Kumassi vom 3. d. gemeldet: Oberst Willcocks traf am 30. v. M. auf eine große Abtheilung von Aschantis, die eine starke Stellung an einem Hohlwege im Gebüsch inne hatte; nach zwei vergeblichen Angriffen gelang es beim brüten Angriff, den Feind zu vertreiben; mehrere Dörfer wurden verbrannt. Oberst Will­cocks verlor 36 Mann mit Einschluß von 5 englischen Offizieren, die verwundet wurden. — Bis heute Nacht 1 Uhr waren 210 Mini­sterielle und 75 Mitglieder der Oppo­sition gewählt. Die Ministeriellen gewannen 7, die Oppositionellen 10 Sitze.

h Jaffa, 4 Oft. (Prioattelegramm.) Die Jerusalempilger sind gestern Abend mit dem österreichischen Dampfer „Amphitrite" wohl­behalten hier eingetroffen.

* Mexiko, 3. Okt. Die neue Amtsperiode des Präsidenten Porfirio Diaz, der zum Prä­sidenten wiedergewählt ist, beginnt am 1. Dezember 1900. Aus diesem Anlaß werden große Festlich­keiten vorbereitet.

Der Krieg in Südafrika.

Die Scharmützel in Südafrika gehen ihren Gang weiter. Es sind zwar nur Nadelstiche, die aber doch dazu angethan sind, den Siegern die Ruhe auf ihren Lorbeeren zu verleiden. Besonders General Dewet scheint sich wieder kräftig zu rühren. Dem „Reuterschen Bureau" wird aus Johannesburg vom Dienstag gemeldet: Die Gegend um Witwatersrand ist noch nicht frei von Buren; feindliche Abteilungen streifen umher und greifen englischePatrouillen an. Am 29. September wurden zwei Soldaten in der Gegend von Boshof getödtet. Wie ferner durch „Reuters Bureau" aus Bloemfontein vom Mittwoch gemeldet wird, fand am 29. September bei Dewetsdorp ein Gefecht statt, in welchem ein Burenkommando, wie man annimmt, ein Theil von Dewets Streitmacht unter PcätoriuS, geschlagen wurde.

Lord Roberts wird nach dem .Daily Chronicle' den Grasentitel, eine namhafte Dotation, sowie den Hosenband-Orden als Preis sür die von ihm geleisteten Dienste in Südafrika erhalten.

Ueber die völkerrechtliche Stellung Krügers erklärt das ,Law Journal', eine an­gesehene englische Juristenzeitung (Gesetzblatt), daß Krüger müsammt den in seinem Besitz be­findlichen Gegenständen, soweit diese nicht Kriegs- konttebande seien, von englischer Seite nicht angetastet werden könne. Indem er die portugiesische Grenze überschritt, war er außerhalb des britischen Machtbereiches. Als er dieses that, hatte England der portugiesischen Regierung weder die Besitzergreifung Transvaal- angezeigt, noch war dies von Portugal aner­kannt worden. Krüger genoß daher staats­rechtlich die Vorrechte eines Staats­oberhauptes, und es konnte daher gegen ihn seitens der portugiesischen Behörden keinerlei

„Aber mach doch rasch!" —

„Ja siehst Du," begann Hedwig bedächtig, um Julia noch ein wenig warten zu lassen. „Heute in acht Tagen ist das Maskenfest des Künstlervereins, das heuer, weil es zugleich das Fest des fünfundzwanzigjährigen Bestehens dieses Vereins ist, besonders großartig gefeiert werden soll. Dazu hat Afred Einladungskarten be­kommen, und wir könnten einen recht vergnügten Abend haben, — wenn Mama es erlaubte."

„Ach herrlich, prächtig! — O Mama, — sie muß es mir erlauben," jubelte Julia, in die Hände klatschend.

In ihrer ausgelaffenen Freude eilte sie auf die Großmutter zu, und küßte sie mehrere Mal auf den Mund, dann umarmte sie Hedwig stürmisch.

„Gemach, gemach. Du Wirbelwind," »ehrte die Großmutter lächelnd, dem wie ein Kind sich geberdenden Mädchen, das in seiner Hast beinahe eine kostbare Vase umgestoßen hätte.

„Wie die Sachen jetzt liegen," begann Hed­wig wieder, glaube ich kaum, daß Mama ihre Einwilligung geben wird."

„So wende ich mich an Papa!"

„Als ob das etwas helfen könnte, wenn Mama nicht will!"

„Gleichviel, der Versuch muß gemacht werden! rief Julia mit glühenden Wangen. „Ein Ball, — ein Maskenball, — o wie schön, — ich habe in meinem Leben keinen mitgemacht, ich sage Euch, ich werde hinkommen, koste es, was es wolle; hin müssen wir auf jeden Fall!"

Sie sah sich im Grifte am Arm des Professors über das glatte Parkett dahinfliegen, ihr Herz klopfte vor Freude bei dieser Vorstellung.