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M 228. Jul'öa, Donnerstag, den 4. Oktober 1900.
27. Jahrgang.
S Arbeiteriutereffen und Religion, l».
fesiors, wie er so ernst und männlich gesprochen;
seine Erzählung hatte in ihr einen tiefen, nachhaltigen
auf sich gerichtet, es lag ein seltsamer, unerklärlicher Ausdruck in diesem Blick, sie wußte sich denselben nicht zu deuten. Die ganze Gestalt verwob sich in ihre Träume, als Julia endlich einschlief.
Wenn die Geschichte ihrem Gatten zu Ohren wußte, einen gefährlichen Feind besaß, zu entkam und wie leicht konnte das jetzt bei dem täg- fernen, und eine Verbindung mit Hedwig un- lichen Verkehr des Professors geschehen, dann — möglich zu machen. Eine Schonung hatte sie von
Anita vermochte kaum weiter zu denken, was Seite des Professors nicht zu erwarten, wenn er dieser Entdeckung folgen würde. Eine tiefe, un- sie erkannte, das war ihr heute Abend klar ge- überbrückbare Kluft würde sich zwischen ihr und worden, also galt es, sich selbst zu helfen, — dem Satten aufthun; auch Julia, die ihr Stolz aber wie? Sie zermarterte fich das Hirn, — und Freude war, würde sich in Verachtung und umsonst!--
Abscheu von ihr «enden, die reinen Züge würden nichts als Ekel vor einer solchen Mutter ausdrücken. Julia, das wußte Anita genau, hatte den Charakter ihres Vaters geerbt, sie dachte und handelte wie er, sie haßte alles, was Unrecht hieß. In ihrer reinen Seele hatte kein unreiner Gedanke Raum. Und Hans Reinhold, ihr Gatte? Wie oft hatte er damals in Florenz die Frage an sie — seine Braut — gerichtet, ob sie nie, auch nicht einmal einen Andern geküßt habe! Wenn er erführe, wie sie gelogen und
Wenn man Hedwig anderweitig verheirathete? Aber an wen? Gleichviel, — das war sicher das Beste, und führte allein zum Ziel. —
Hätte sie geahnt, mit welchen Feffeln der Profeffor seit der Rückkehr Julia's an ihr HauS gebunden war, sie hätte gezittert.
Anita schlief wenig in dieser Nacht. Tausend Pläne wurden gemacht und wieder verworfen. Vor allem mußte dafür gesorgt werden, daß die musikalischen Abende, die immer mehr eingeführt wurden, aufhörten. Julia würde fich freilich schwer dazu entschließen, da sie an dem Mufi- ziren mit dem Profeffor viel Gefallen zu finden schien.
Diese fortwährende Angst dünkte Anita unerträglich; sie hoffte, das Band, das Alfred an Hedwig feffelte, und wie es schien, ohnedies nicht sehr fest geknüpft war, mit Leichtigkeit lösen zu können. Dann war die Gefahr einer Entdeckung für immer beseitigt, weil außer dem Profeffor Niemand ihre Geschichte kannte. —
Das in der ,Fuld. Ztg/ schon erwähnte halten, ihre eignen Jntereffen im Nothfalle nach- Hirtenschreiben des preußischen Episkopats (den | drücklich zu vertreten.
Wortlaut werden wir in der nächsten Sams- — == 1
Ob Alfred wußte, daß sie die „Perle von Florenz" genannt wurde? Anita zweifelte fast daran; denn es war anzunehmen, daß er es ausgesprochen hätte. Er wußte vielleicht nicht einmal ihren Namen mehr, aber gleichviel, das stand , fest: Es mußte ein Grund gefunden werden, um i Eindruck gemacht. Sie mußte immer wieder daran dem Profeffor, in dem sie, wie sie seit heute | denken, sie sah seine klaren durchdringenden Augen
lung sei derartig stark besucht, daß keine Karten mehr verausgabt werden dürften. Der Berichterstatter bemerkte, er könne seine Meldung richtig stellen. Eine Richtigstellung ist aber nicht erfolgt, und so gelangte die falsche Meldung des Wolff- schen Bureaus in hunderte von Zeitungen. So wird's gemacht!
Ein Glück war es, daß er heute Abend nicht zu Hause war; zwar hätte er aus der Erzählung des Profeffors nicht entnehmen können, daß sie, — sie selbst — jene Betrügerin war, aber verschiedene Fragen konnten immerhin einen Verdacht in ihm wecken, dem man vorbeugen mußte, um jeden Preis.
Von dem Tage an wunderte Alfred Hammon fich sehr über das veränderte Benehmen Anita'», wie auch darüber, daß die Letztere immer ihren Migräne-Anfall bekam, sobald Julia zu musiziren begann. Das junge Mädchen mußte dann diese Lieblingsbeschäftigung aufgeben, aus Rücksicht für die anscheinend schwer leidende Mutter. Diese zog sich gewöhnlich sehr frühe auf ihr Zimmer zurück, viel früher als Hedwig heimzukehren pflegte.
Aber auch Hans Reinhold wunderte sich im Stillen über seine Frau. Hatte sie sonst geschmollt und gebrummt, wenn er Abends die Absicht aussprach, auszügehen, so fand sie jetzt mit einem Mal, daß er der Erholung dringend bedürfe, daß er ausgehen müsse, und sich viel zu viel im dumpfen Zimmer aufhalte. Spazierengehen, an seinem Stammtisch fitzen, konnte er jetzt so viel er wollte, e» war Anita immer noch zu wenig.
Somit blieb die alte Frau, Reinholds Mutter, den jungen Leuten als Gesellschafterin. Doch eine« Abends, als Anita „zufällig" noch einmal zurückkam, etwas Vergefienes zu holen, und die Großmutter schlafend im Lehnseffel, den Profeffor und Julia in eifriger Unterhaltung am Tische sitzend fand, da erklärte sie rundweg, der Herr Profeffor möchte seine Besuche in ihrem Hause so lange einstellen, bis sie selbst so weit hergestellt sein würde, um an der allgemeinen Unterhaltung theilnehmen zu können.
Anita saß noch immer kerzengerade auf dem Divan. Aeußerlich erschien sie ruhig, doch in ihrem Kopfe jagten die Gedanken wild durcheinander. Sie wußte jetzt, wer Profeffor Hammon war, es blieb nicht der leiseste Zweifel. Drei Worte, wenn sie ausgesprochen wurden, mußten unbedingt die Entdeckung bringen. Hätte Alfred hinzugefügt, daß man jenes Mädchen die „Perle von Florenz" genannt, dann würde das sofort aufgefallen sein, denn Anita selbst hatte dafür gesorgt, daß es weit und breit bekannt wurde, daß Hans Reinhold die „Perle von „Florenz" heimgeführt.
Aber auch Julia schlief lange nicht. Sie hörte immer wieder die wohllautende Stimme des Pro-
Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
22 ------ (Nachdruck verboten.)
„Und hörten Sie nie mehr etwas von jener — jener abscheulichen Person?" fragte Julia mit bewegter Stimme.
Arrslarr-.
* Krüflek, 3. Okt. Gleich dem reichen Holländer van Houten, der dem Präsidenten Krüger sein Schloß in Wesp zum dauernden Wohnsitz anbot, hat nun auch ein in Belgien ansässiger Holländer vonAumeriedie Transvaal-Gesandtschaft ersucht, Krüger nach seiner Ankunft in Europa zu benachrichten, daß ihm sein Schloß bei A n d e r l e ch t in der Nähe Brüffels mit Pferden und Wagen zur Verfügung steht. — Bei dem Fackelzug zu Ehren der Vermählung des Thronfolgers kam es gestern in Gent zu schweren Ausschreitungen. Die Militärmusik, die die Brabanconne spielte, wurde von Arbeiterhaufen zum Schweigen gebracht und statt deffen aus Hunderten von Kehlen die Marfeillaise angestimmt. Das Volk verfolgte das Militär. Man warf mit Steinen. Die Unteroffiziere mußten blank ziehen.
* Äther», 3. Okt. Prinz Georg von Griechenland hat in der That die Absicht, die Kretafrage wieder aufzurollen. — Von einer über die kretischen Angelegenheiten vorzüglich unterrichteten Persönlichkeit wird der,Polit. Korresp/ bestätigt, daß die bevorstehende europäische Reise des Oberkommissars von Kreta, Prinzen Georg, einen eminent politischen Charakter tragen und darauf abzielen werde, eine Wendung in der staatsrechtlichen Stellung der Insel vorzubereiten. Der Prinz hat, obgleich seine Reise seit längerem angekündigt war, den wahren Zweck der- elben vor der großen Oeffentlichkeit geheim ge- mlten, so daß man allgemein annahm, daß er einen weiter reichenden Plan verfolge, als den rer Berichterstattung über seine Wirksamkeit und eine Erfahrungen an die vier Garantiemächte, llr deren Mandatar er an die Spitze der kretjjKen ! Verwaltung getreten ist. Gegenüber dem engeren Kreise der ihm nahe stehenden Personen hat er aber schon seit Monaten kein Hehl daraus gemacht, daß er die Ersetzung des gegenwärtigen provisorischen Zustandes auf Kreta nach Ablauf >er für dieses Interim von den Mächten gesetzten dreijährigen Frist durch eine endgiltige Neuordnung für durchaus wünschenSwerth halte und ich zum Vertreter dieses Standpunktes an den zur Entscheidung hierüber berufenen Stellen machen werde. Er knüpfte daran die Versicherung, daß er, mag nun sein Verlangen im Rathe der Mächte durchdringen oder nicht, jedenfalls entschloßen sei, sein Mandat in die Hände der Regierungen, die e« ihm übertrugen, zurückzulegen. Prinz Georg will nun persönlich Bemühungen aufbieten, um diese Regierungen von der Berechtigung des Wunsches der Kretenser zu überzeugen, daß die Stellung der Insel mittels Durchschneidung des letzten dünnen Fadens, der sie noch mit der Türkei verknüpft, eine definitive Regelung erfahre.
* Aon«, 2. Okt. Da in den nächsten Tagen mit dem Druck des stenographischen Berichtes über die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands begonnen wird, ist es angebracht, daß Bestellungen hierauf unverzüglich gemacht werden, um die Auflage . , feststellen zu können. Betreffend die von einem
* Kitt „aKgemettter deutscher Indentag« hiestgen Blatte gebrachte Nachricht über ein wrrd, rote ein Berichterstatter behauptet, als Defizit, womit die Veranstaltung abgeschlossen dauernde, regelmäßig einzuberufende Institution habe, bemerkt die »Deutsche Reichszeitung', daß zur Abwehr des Antisemitismus in jüdischen der Rechnungsabschluß noch nicht statt- Kreisen vorgeschlagen. Der Judentag soll sorg, gefunden hat. Sollte sich ein Defizit heraus- fällig vorbereitet und von den hervorragendsten stellen, was bei dem Baue der großen und kost- Vertretern der Judenschaft aus allen Theilen spieligen Halle sich erklären ließe, so möge man Deutschlands beschickt werden. Zunächst soll ein sich beruhigen, da dieser Fehlbettag von der Cen- Appell an die deutschen Regierungen und die Be- trumspartei gedeckt werden würde. Bei dieser völkerung erlassen werden zur Wahrung der ge- Gelegenheit sei bezüglich der vielen unrichtigen setzlich gewährleisteten Rechte der Juden. Ferner Mittheilungen, die über die Katholiken-Versamm- roill man in Form eines allgemeinen deutschen I lung gemacht worden sind, eine speziell erwähnt. Judentages eine Organisation zur Vertheidigung Ueber die letzte öffentliche Versammlung tele- der staatsrechtlichen Stellung der Juden schaffen phonirte ein Berichterstatter dem Wolff'sch en und auf die öffentliche Mei«ung wie auf die Bureau: „Letzte öffentliche Versammlung un- lettenden Kreise im Staat und Reich zu Gunsten geheuer schwach besucht." Diese» erregte im der Juden einwirken. Die Sache klingt etwas Postbureau der Festhalle ein schallendes Gelächter, abenteuerlich. Uebrigens meinen wir, daß diese und der betr. Berichterstatter wurde von einer „Vorbereitung" schon jetzt zur Genüge stattfindet. Seite darauf aufmerksam gemacht, die Versamm-
_ . . . ... t I * Ueber den Akaturstteuemkanf des Wi-
Jntereffe des UnternehmerthumS davon zurück- I Mars schreibt der ,A.?P.' ein Verwaltungs- ’*'*'**” Jfc— *" a'-t “ 1 e*" beamtet: „Nach dem neuesten Ausschreiben der
Intendanturen ist der direkte Ankauf von Roggen und Hafer für das Jahr 1960 neu geregel worden. In den Monaten September, November, Januar, März wird submissionsweise nichts gekauft, sondern nur ausschließlich von Produzenten, während in den Monaten Oktober, Dezember, Februar auch die Mission oder der Handel zu- gelaffen ist. Die Wahl der Monate ist für den Handel entschieden günstig. Wenn aber die Sache so gemacht wird, wie sie im Monate September gemacht worden ist, dann ist die ganze Einrichtung scheinbar zu Gunsten der Landwirth- schaft, in Wahrheit aber nur eine Verschlechterung des bisherigen Zustandes. Im vergangenen Monat September z. B. waren die Preise für Hafer bei den Proviantämtern so niedrig festgesetzt, daß an eine Lieferung nicht zu denken war. Wir wiffen nicht, ob vielleicht einige Ausnahmen gewährt wurden, aber die Preise, die wir in Erkundigung gezogen haben, find derartig, daß I unbedingt Niemand Getreide zu diesem Preise Kergeben konnte. An Stationen, wo der Handel 7 M. gezahlt hat, zahlt daS Militär 6,40 Mark, wo der Handel 6,65 M., das Militär 6,20 M., so daß man sich eigentlich fragen muß, wie diese Preisbildung vor sich gegangen ist. Der Preisabstand ist unerklärlich. Wenn in den Monaten, die ausschließlich für den ersthändigen Verkauf eingesetzt sind, jedesmal derartig die Preise uormirt werden, dann allerdings ist der Zweck erreicht, daß der ersthändige Verkauf wieder zurückgeht und wieder zurückgehen muß, jedenfalls aber nicht fortschreitet. Es wäre aber ein Leichtes, den ganzen Heeresbedarf aus erster Hand von den Produzenten zu decken. Daß es Leute gibt, die das verhüten wollen, ist gewiß. Die Gründe sind sehr verschieden. Unsere Organe haben vielleicht eine Vorliebe für die Bedarfsdeckung auf dem Handelswege."
tag-Nummer veröffentlichen. D. Red.) erfährt XUttKAt** »JX
wundersame Auslegungen in einigen Blättern, namentlich aber in solchen, die den besonderen Berlin, den 3. Oktober.
Jntereffen des industriellen Unternehmerthums X WeHrertrLge ans KinfuhrzöKe«, dienen. Dieses Hirtenschreiben ist an die namentlich aus erhöhten Getreidezöllen, ist vom Geistlichkeit gerichtet und legt dieser, wie es Centrumsabgeordneten Gröber während der nothwendig und ersprießlich ist, von neuem die letzten Tagung des Reichstages angeregt worden. Sache der katholischen Arbeitervereine Namentlich wurde dabei die Einrichtung einer ans Herz. Von neuem wird daran erinnert, Fürsorge für Wittwen und Waisen empfohlen, daß die katholischen Arbeiter - Vereine auf Sollte also wirklich, was vorläufig noch durchaus religiöser Grundlage beruhen müffen. Daun I nicht feststeht, durch Erhöhung der Getreidezölle heißt es wörtlich in dem Hirtenschreiben: das Brot um eine Kleinigkeit vertheuert werden,
„Die Vereinsmitglieder müssen belehrt und dann würde der kleine Betrag, der infolgedessen gewöhnt werden, alle ihre Arbeiten, Bestrebungen die Arbeiterschaft belasten würde, der Arbeiterund Jntereffen vom religiösen Standpunkte aus schäft in doppeltem Maße wieder zu Gute zu betrachten . . . Nach diesen unanfechtbaren kommen. Auch in konservativen Kreisen beschäftigt Grundsätzen ist es irrig, zu behaupten, daß man sich bereits mit Plänen über die Verwendung wirtschaftliche Bestrebungen, z. B. die Besserung ~
der Lohn- und Arbeitsverhältniffe mit der Religion nichts zu thun haben und folglich ohne Rücksicht auf die Lehren Jesu Christi und seiner Kirche betätigt werden können. Denn das bedeutet nichts mehr und nichts weniger als den Ausschluß religiöser Rücksichten aus den großen, die menschliche Gesellschaft so tief bewegenden sozialen Kämpfen der Gegenwart und eine Der» hängnißvolle Konnivenz (Nachgiebigkeit) gegenüber dem Hauptdogma des materialistischen Sozialismus, die Religion des Diesseits."
Einige Unternehmer-Blätter legen sich diese Stelle des Hirtenschreibens so aus, als sollten die Arbeiter überhaupt abgemahnt werden davon, in Lohnfragen Stellung gegen die Unternehmerschaft zu nehmen, als sollten sie in keinem Falle etwas Aehnliches in ihrem Jntereffe thun, wie die sozialdemokratischen Gewerkoereine. Die Auslegung zeugt von rührendem Unverständnisse. Vom religiösen Standpunkte aus betrachtet ist es eine himmelschreiende Sünde, wenn ein Unternehmer seinen Arbeitern zu wenig Lohn zahlt, ihnen doch also von dem Lohne, der ihnen gebührt, im eigenen Interesse und mit vollem Bewußtsein einen Theil vorenthält. Vom religiösen Standpunkte aus kann I es also keinem katholischen Arbeiter verdacht wer-1 den, wenn er im Nothfalle seine Interessen im Gegensätze zum Unternehmertum kräftig und mit allen erlaubten Mitteln vertritt. Die Haltung der Centrumspartei im Reichstage zu dem sogen. Zuchthaus-Gesetze sollte doch alle, welche die Sache anders auffaffen möchten, hinreichend belehrt haben. Oder meint man, jene Haltung des CentrumS entspreche nicht den Grundsätzen des Hirtenbriefes? Damit würde man sich einer lächerlichen Täuschung hingeben. Gegen Unternehmer, die in wahrhaft christlichem Sinne gegen ihre Arbeiter handeln, werden wahrhaft christlich gesinnte Arbeiter nicht zu den Waffen des Lohnkampfes greifen. Aber wenn andere Verhältnisse dieses Letztere dennoch nöthig machen sollten, dann braucht kein katholischer Arbeiter davor zurückzuschrecken, daß er einmal dasselbe thut, was Sozialdemokraten auch thun. Es ist unbegreiflich, wie verständige Leute auf den Gedanken kommen können, die katholischen
I dieser Mehrerträge ans den Zöllen. Die ,Kreuz- Ztg/ theilt mit, Abg. Graf Kanitz wolle Vorschlägen, die Lasten und Härten der Alters- und Jnvaliditätsversichemng durch Zuwendung er- höhter Reichszuschüsse herabzumindern. „Danach würde sowohl die Versicherungsbeiträge der Ar- I beiter und Arbeitgeber zu ermäßigen, wie auch auf einen Ausgleich in der Finanzlage der einzelnen Versicherungsanstalten Bedacht zu nehmen fein. Graf Kanitz erneuert den alten Gedanken, aus Reichsmitteln der ostpreußischen Versicherungsanstalt unter die Arme zu greifen. Aber so richtig es fein mag, daß diese Anstalt unter ungünstigeren Verhältnissen arbeitet, so sollte doch Graf Kanitz nicht schon jetzt wieder die alten Vorschläge aufwärmen, die vor kaum mehr als Jahresfrist vom Reichstage forgfaltig berathen und danach abgelehnt worden sind. Für eine neue Veränderung des soeben erst verabschiedeten Jnvalidenversicherungsgesetzes würde Graf Kanitz in absehbarer Zeit keine Mehrheit im Reichstage i und wohl auch nicht die Zustimmung der Verbündeten Regierungen finden. Daß auch die Konservativen Mehrbeträge aus den Zöllen wenigstens zum Theil im Interesse der Arbeiter verwenden wollen, ist nichtsdestoweniger als | lobenswert!) anzuerkennen.
Sie sah den Profeffor plötzlich mit ganz anderen Augen an. Seine lebendige Schilderung hatte etwas wie Mitleid oder Bewunderung in Hrem weichen Herzen geweckt. Mitleid mit seiner freudlos verlebten Jugend, — Bewunderung, daß er die Kraft gehabt, auszuharren, daS Ziel zu erreichen, wo hundert Andere i erlegen wären.
»Ich korrespondirte damals lange Zeit mit einem Freunde meines Bruders, aber daS unterblieb nach und nach, und jetzt weiß ich nicht einmal, ob jener Freund noch am Leben, ob er fort» ,________________ ___
gezogen ist, ober dergleichen. Ich erhielt auf I betrogen, — er würde'sie'von" sich" stoßen, der verschiedene Briefe keine Antwort", sagte Profeffor Weg zu ihm bliebe ihr für immer verschlossen. Hammon gedankenvoll. Ein Glück war es, daß er heute Abend nicht zu