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Jtä 227.

JuLöa, Mittwoch, den 3. Oktober 1900.

27. Jahrgang.

* Ministerwechsel in Japan.

Japan ist in die Reihe der Kulturstaaten ein-

Aber die Wahrheit siegt immer, manch, «al früher, manchmal später. Hier hat sie sich schnell genug Bahn gebrochen, und heutzutage,______ _______,_____

besteht bereits die feste Sicherheit dafür, daß der bezahlt bekommt. Alle anderen Beihilfen, die Reichstag der dem Abschlüsse der neuen Handels- sogen. „Kleinen Mittel", sind gut und sicherlich vertrage tn Uebereinfiimmung mit den verbün- nicht zu verachten. Aber über die Geringfügig- -etenRegierungen die Einfuhrzölle für bei fett dieser kleinen Mittel bekommt man erst die ©etretöe erhöhe» wird, um der bedrängten richtige Anschauung, wenn man aus der Zusam- Landwirthschaft wenigstens einigermaßen zu Hilfe menst,llung dieser neuesten Untersuchungs-Ergeb- gu kommen. DaS Centrum und auch die National- nisse ersieht, daß die Einnahmen auS technischen liberalen stehen ganz überwiegend auf diesem Nebengewerben nur 8,9 v. H., aus Wald 1,1 Standpunkte, so daß an der späteren Erhöhung v. H. aller JahreS - Einnahmen ausmachen und der Getreidezölle irgend welcher Zweifel nicht die „übrigen Einnahmen", beispielsweise also für mehr bestehen kann. den Verkauf von Eiern, Geflügel, Obst und dergl..

Em neuer Beweis dafür, daß die deutsche nur ein Sechszehntel der Gesammt - Einnahmen Landwirthschaft gegenwärtig nicht genügende Er- betragen. Bei allem möglichen Fleiße und aller trage abwirft, wird durch einige Unter- möglichen Sorgfalt würde es vollkommen un« suchungen geliefert, die durch daS Berliner möglich sein, auf dem Wege dieser kleinen Mittel ReichSamt des Innern veranlaßt und ge- der deutschen Landwirthschaft in absehbarer Zeit leitet worden sind. Es handelt sich hei diesen aufzuhelfen, ganz abgesehen davon, daß die Herr- Untersuchungen darum, die Ertragsfähigkeit der schende Leutenoth einen Riegel vorschiebt: man verschiedenen Arten landwirthschaftlicher Betriebe würde ja tn den allermeisten Fällen gar nicht zu ermittel«; und das Ergebniß dieser Unter. ' ....... " "

suchungen ist, daß die durchschnittliche Der- Sinsung des Grsammtwerthes aller ermittelten Betriebe nur 2‘/i0 vom Hundert beträgt! Es wurden im ganzen rund 1500 charakteristische landwirthschaftliche Betriebe auf ihre Ertrags» fähigkeit geprüft, nämlich 1170 bäuerliche und 354 Großbetriebe in allen möglichen Gegenden und unter allen möglichen natürlichen, wirth- schaftlichen und sozialen Verhältniffe», und das nunmehr veröffentlichte Ergebniß dieser Unter- suchungen ist so, daß nur ein Sechstel aller untersuchten Betriebe mehr als 3 v. H. Jahresverzinsung aufweisen kann. Nach diesen Untersuchungen hatte aber die Hälfte aller ermittelten landwirthschaftliche« Betriebe eine Verzinsung des Bodenwerthes oder eine Grundrente Überhaupt nicht auszuweisen. Und dabei ist nicht zu vergessen, daß die Lage der Landwirthschaft während der allerletzten Jahre sich ein wenig gebessert hat, daß es ihr ehedem noch schlechter gegangen ist.

Aber noch etwas Anderes geht aus diesen Un- lersuchungen hervor, nämlich die Thatsache, daß

n* Landwirthschaft undGetreidezölle.

Es hat eine Zeit gegeben, und diese liegt gar nicht weit hinter uns, in der man nichts über schlimme Lage der Landwirthschaft reden oder schreiben durfte, ohne in den Verdacht eines Menschen zu gerathen, der der Landwirth­schaft unberechtigte Vortheile zuwenden wollte zum Schaden aller derjenigen Berufsstände, die nicht selbst mit dem Verkaufe landwirthschaft- licher Erzeugnisse sich befassen, also der gesamm- ten übrigen Menschheit. Es gab Leute, die den­jenigen als eine Art Räuber an der Menschheit ansahen, der dennoch den Muth hatte, die Wahr­heit zu sagen und sich öffentlich zu der Ansicht j M bekennen, daß die Lage der Landwirthschaft I keine gute sei.

Arbeitskräfte genug auftreiben, um gerade diese Zweige in irgendwie ausreichender Weise zu pflegen.

Der Hebel ist beim Getreide anzusttzen. Aber bestimmte Vorschläge über die zukünftige Höhe der Getreidezölle schon jetzt zu machen, empfiehlt sich nicht. Man kann die Höhe der Getreidezölle nicht allein für sich festsetzen, son­dern nur so, daß sie als ein Theil hineinpassen in das Ganz» des neuen Zolltarifes. Und wenn man das will, dann muß man auch diesen ganzen neuen Zolltarif in seinem vollkommenen Umfange vor sich haben, schon im Interesse Derjenigen, die nicht Getreide bauen und verkaufen, sondern kaufen, damit diese bei der Erhöhung der Ge­treidezölle nicht zu Schaden kommen.

I lösung und ihrem letzten Ende entgegen; aber । unter den obwaltenden Umständen von einem „ununterbrochenen Aufschwünge" der national» j liberalen Partei zu reden ist ein unerwartet kühnes Unternehmen. V-rmuthlich haben die an­wesenden Mitglieder der Partei selbst diese Rede­wendung mit stiller Heiterkeit ausgenommen. Sehr lobenswerth aber tft der Vorschlag eines der Redner, man müsse dahin wirken, daß demWucher mit Grund und Boden gesetzlich gesteuert werde; man müsse städtische Hypothekenbanken und Arbeiterbaugenossenschaften gründen. Wenn die nationalliberale Partei wirklich und ernsthaft die Bahn einer gesunden und kräftigen Sozial­reform einschlageu wollte, dann könnte sie mög-

Wsnn man also die deutsche Landwirthschaft schützen will, dann muß man darauf bedacht fein, daß sie ihre beiden Haupterzeugnifse, Ge­treide und Vieh, in entsprechender Weise

| I der Getreidebau nach wie vor eine sehr wich­tige Rolle in der deutschen Landwirthschaft spielt, daß diese Rolle noch wichtiger ist, als man ge» meinhin während des letzten Jahrzehntes anzu­nehmen pflegte. Man hat dies so ermittelt, daß man die Frage beantroonen ließ, einen wie großen | Antheil an der gefammttn Einnahme aus dem I Verkaufe eigener Erzeugnisse der Verkauf von Getreide habe, und das Ergebniß ist, daß im Durchschnitte etwa ein Viertel aller Ein­nahmen auf den Verkauf von Getreide entfällt. In manchen Gegenden wird diese Ziffer ganz er­heblich überstiegen, so beispielsweise in Schwarz- burg-Sondershausen und Sachsen-Altenburg, wo der Werth des verkauften Getreides bis zu 39 v. H. aller Jahres-Einnahmen aufsteigt. Getreide und Vieh find die Haupterzeugnifse der deutschen Landwirthschaft. Der Verkaufswerth beider zu- sammen macht nach den vorliegenden Untersuchun­gen etwa zwei Dritttheile aller landwirthschaft- lichen Einnahmen aus.

getreten und uns schon deswegen näher gerückt als früher. Aber gerade zu gegenwärtiger Zeit, während der ostasiatischen Wirren, ist unser In­teresse für den neuen Kulturstaat doppelt rege. Deswegen ist es für uns und für unsere eigene

Frage gekommen; es wurde von einer Besprechung derselben und Beschlußfassung darüber Abstand genommen.

Entwickelung in Ostasien nicht weniger als gleich­gültig, in welchem Sinne Japan regiert wird.

Wie der Draht in diesen Tagen berichtete, hat der bisherige japanische Ministerpräsident Uamagata sein Amt niedergelegt, und Marquis Ito ist an seine Stelle getreten. Der Wechsel entspricht den veränderten Verhältnissen. Yamagata ist Soldat, Ito — Graf oder Marquis Ito Hierohumi ist sein voller Name! — ist Diplomat. Und da die chinesische Frage jetzt in das diplomatische Stadium getreten ist, hat Aama- gata selbst diesen Wechsel vorgeschlagen.

»Was ist über diese sogenannte Liebe nicht schon alles gedichtet, gefangen, geredet und ge­schwätzt worden. In allen Romanen, in jedem Buch, selbst in einem Buch für „reifere Jagend", muß man immer wieder dasselbe lesen: „Die Liebe!" Rann man denn nicht einmal über etwas anderes schreiben?"

Julia geriete sehr in Eifer. «Wenn ich einen Roman schreiben würde", fuhr sie fort, „das Wort „Liebe" dürfte darin nicht vorkommen. Ich wette, er würde wegen feiner Originalität reißen- den Absatz finden. So etwas gidt's bis jetzt noch licht!" - - lächelte. „Ich glaube, Sie täuschen flch, Fräulein Julia. Ein Roman wird meistens von Frauen gelesen, und gerade die wollen immer etwas von der Liebe haben."

»Ja, — leibet! — Ich kann mir nicht helfen, ich halte den ganzen Klimbim für Ein­bildung."

»Sie alle haben die Macht der Liebe eben noch nicht kennen gelernt," bemerkte der Professor scheinbar ruhig. „Die rechte, echte Liede ist eine furchtbare Macht, die nichts neben sich duldet, eine Leidenschaft, die stärker ist als unser eigener Wille, man muß sich ihr unterwerfen, auch wenn man sich sträubt und wehrt; es ist ein nutzloser Kampf mit ungleichen Waffen — denn sie ist die Stärkere, sie zwingt zuletzt den Mächtigsten unter ihr gewaltiges Joch, und staunend erkennt man bann: „Das ist die Macht der Liebe."

Julia lächelte. Sie hatte gar nicht geglaubt, daß der Professor so sprechen würde.

„Und an eine solche „Macht der Liebe" glaube ich nun und nimmermehr," Hub Julia wieder an.

Marquis Ito ist ein friedfertig angelegter Staatsmann. Auf ihn und auf seinen Einfluß ist es namentlich zurückzuführen, daß bei dem Friedens­chluffe von Schirnonoseki zwischen Japan und China dieses letztere so gut wegkam. Seine Er­nennung zum Ministerpräsidenten ist deswegen in >em Sinne friedlicher Entwickelung der ostasiatischen Dinge freudig zu begrüßen. Er ist gleichzeitig der Begründer und Führer der konsti­tutionellen Partei in Japan, die zur Hälfte das spanische Parlament ausmacht. Er hielt sich im Anfänge der achtziger Jahre in Berlin auf, um die preußische Verfassung zu stndiren und dieser st in den Hauptzügen die japanische Verfassung nachgebildet. Vorn europäischen Standpunkte aus ann man nur wünschen, daß Ito möglichst lange am Ruder bleibe.

Wohl hätte er es wissen müssen, denn jene Elende halte ihm schon vorher daS Herz ge­brochen. Dennoch liebte er sie und — diese Liebe kostete ihm das Leben."

Der Professor hatte tief erregt gesprochen, aus feinem Ton klang eine mächtige Erbitterung, so daß Hedwig aufmerksam den sonst so kühlen, freundlichen Man« betrachtete.

Selbst Julia war ungewohnt ernst geworden, ihre großen, schwarzen Augen hingen mit ge­spanntem Ausdruck an den bärtigen Lippen des Erzählers.

»Ah, das ist allerdings interessant, bitte, be­richten Sie doch genauer."

Professor Hammon blickte trübe vor sich hin. Ein tiefer, schmerzlicher Seufzer entrang sich feiner Brust, ehe er wieder begann: „Es war mein Bru­der, von dem ich gesprochen. Wir hatten uns sehr, sehr lieb, obwohl wir Stiefbrüder waren. Ich stand damals im ersten Semester in Heidel­berg, Roland lebte in Florenz, er war Bildhauer."

»In Florenz, wo Mama her ist?" rief Julia.

Auch A üta hatte sich erhoben, ein lauernder Ausdruck lag auf ihrem bleich gewordenen Ge­sichte und aus den Augen brach ein Strahl tödt- lichen Erschreckens.

„Mein Bruder war sehr reich," nahm Alfred seine Erzählung wieder auf. „Er liebte ein Mädchen, das, wie man sagte, sehr schön gewesen sein soll. Ich habe dasselbe nur ein einziges Mal gesehen, und war sehr erregt, — in einer Stimmung, die überhaupt nicht geeignet war, Be­obachtungen zu machen. Auch traf ich jenes Mädchen damals gerade in einer Situation, die ein richtiges Urthetl nicht zuläßt."

Orginal-Ronmn von Irene v. Hellmuth.

21 ------ (Nachdruck verboten.)

»Rege Dich doch nicht auf, Hedwig! Schlafe ruhig weiter. Es ist schon gut fo, wie es ist. Hättest Du die geistigen Gaben und Fähigkeiten meiner Julia besessen, Du wärest so wie sie aus­gebildet worden, — aber, — na, — bei Dir wäre doch jeder Pfennig verloren gewesen."

„Das redetest Du dem Vater ein, ja, ich weiß es, und er, — er warf mich auf deine Worte hin, ohne lange zu prüfen, zu den Un­wissenden. Jetzt erst sehe ich ein. wie viel ich versäumt habe, durch Deine Schuld!"

Anita hatte ihre bequeme Sage nicht verändert, sie lächelte noch immer.

„Deine Vorwürfe treffen mich nicht", sagte fie kühl. „Ich handelte nach bestem Ermessen, und glaubte Dir einen Gefallen zu erweisen, wenn ich Dich mit allzu vielem Lernen verschonte. Aber jetzt beruhige Dich, sonst könnte Sein Bräutigam entdecken, daß Du eine streitsüchtige Natur bist, — obwohl man sagt, die Liebe ist blind!"

Es lag so viel versteckte Bosheit in dem Tone der letzten Worte, daß es fast verletzend wirkte.

»Die Liebe ist blind", wiederholte Julia lachend.

Sie war offenbar bemüht, den Eindruck der Worte, die sie selbst peinlich berührten, zu ver- wischen, und das Gespräch in andere Bahnen zu lenken. Es gelang ihr auch sogleich.

kQj Eine Deform des Jideikommitz-Ge­setzes ist für Preußen feit Jahren angekündigt, aber noch immer wieder verschoben worden. Nach einer erneuten halbamtlichen Ankündigung soll flch nun der preußische Landtag im nächsten Winter nit dieser Frage auf Grund des schon oft angesagten und noch immer ausgebliebenen Entwurfes beschäftigen. Nach der halbamtlichen Ankündigung soll der neue Gesetzentwurf be­zwecken „neben der Verhinderung und Er­schwerung schädlicher Fideikommißbildun gen auch deren Erleichterung in solchen Fällen, m denen die Bildung von Fideikommissen unter dem Ge­sichtspunkte des Gemeinwohles zweckmäßig er­scheint". AuS diesen Worten kann man nicht die geringsten Anhaltspunkte gewinnen für die Brurtheilung des Gesetzentwurfes. Die einzige thatsächliche Mittheilung in der halbamtlichen Darlegung ist die, daß die Erleichterung der Fideikommißbildung namentlich für die Ost­marken in Aussicht genommen fei mit dem Bestreben, „den nsirthschaftlich gesunden lebens­kräftigen deutschen Großgrundbesitz zu kräftigen."

* Durch die neue« MiMärstrafzerichte, die am 1. Oktober im ganzen deutschen Reiche in Wirksamkeit geireten sind, ist die Verschieden- heft aufgehoben, die bisher im militärischen Ge­richtsverfahren zwischen Bayern und dem übrigen Deutschland bestand: Insbesondere gibt es künftig k eine Geschworenengerichte mehr, wie sie in Bayern bei den Militärgerichtsbezirken be­standen. Die Zweitheilung zwischen der Ge­schworenen- und der Richtsrdank kommt in Weg­fall, und außerdem wird das Richterkollegium der neuen Gerichte (abgesehen von den juristisch ge­bildeten Kriegsgerichtsräthen) lediglich aus dem Offiziersstande genommen, während nach dem bayerischen Rechte auf der Geschworenenbank auch Mrlitärpersonen niederen Ranges, je nach dem Stand des Angeklagten, Platz nahmen. Im Ein­zelnen trat am 1. Oktober folgende Organisation in Wirksamkeit:

Standgerichte werden gebildet bei den Regi­mentern, Bezirkskommandos, selbständigen Bataillonen, bei den Kommandanturen einer Anzahl Festungen rc, bei der Militärschießschule, Unteroffizierschule, Equila- tionsanstalt, Lustschifferabtheilung, Kriegsschule und dem Kadettenkorps. Diese find nur mit Offizieren besetzt

Marquis Ito besitzt vollkommen europäische

nnh^ühr»r reA eigentlich der Vertreter . tC|Utm r,„,^age« rooute, oann tonnte ne mög- Sein! VÄÄ “Ä

in^Cbina ’n r?Tn s?r* Ebenso wie noch jetzt einem bestimmten Beschlüsse über die wichtige r..^!na Alterchen Anschauung, daß die Em-1 Frage gekommen: es wurde nnn einer sw™ helinlschen die Trager der Kultur, die fremden Europäer aber Barbaren seien. Als er eine Zeit lang in Europa, zuerst in England, geweilt hatte, fdjrieb er nach Japan: „Ich habe eingesehen, daß die Europäer Kultur haben, wir aber die

Barbaren sind."

Deutsches Keich.

, Berlin, dell 2. Oktober.

X Das Wereinsrecht soll den preußischen Polen nicht beschnitten werden — so behauptet d.ie nationalliberale ,Berl. Börsen-Ztg/ im Gegen­sätze zu einem Posener Hakatistenblatte, das wissen wollte, es sollte durch eine Novelle zum preußischen Vereinsgesetze der Gebrauch fremder Sprachen in öffentlichen Versammlungen untersagt werden. Man weiß nun nicht, welche von beiden Meldungen richtig ist. Die preußische Staatsregierung hat es durch ihren neuesten Polenkur» selbst verschuldet, daß man ihr solche Gewaltakte gegen das ver­fassungsmäßige Recht eines Theiles der Staats­bürger zutraut! Zuverlässige Aufklärung darüber, wie die Sache steht, ist sehr erwünscht.

• „Km rmnntssörocherrev Auffchwusge" befindet sich die nationalliberale Partei nach dem Geschäftsberichte, den der national» liberale Parteitag in Leipzig entgegengenommen hat. Nun kanrr man freilich nicht verlangen, daß bei einer solchen Gelegenheit offen heraus gesagt werde, die Partei sieche so allgemach ihrer Aus- Sie warf trotzig das Köpfchen in den Nacken. „®in Wahn ist das Ganze. Wrssen Sie, was ich denke? Eigensinn, das ist bei den Meisten dies zähe Festhalten an dem, was fie sich einmal in den Kopf gesetzt haben, und wo sie nicht nachgeben zu dürfen glauben.

»Sie müssen aber doch zugestehen, Fräulein I Julia, es gibt eben verschiedene Naturen, die Eine nimmt etwas viel schwerer als die Andere."

Der Professor hatte sehr ernst gesprochen, feine Augen blutten träumerisch in die Ferne. Er schreckte fast zusammen, als Julia wieder begann:

»So glauben Sie wahrscheinlich auch, daß man aus — Liebe, ich meine an gebrochenem Herzen, sterben kann?"

„Gewiß, es ist sogar meine unerschütterliche, feste Ueberzeugung!" —

»Ah" — ries Julia Übermüthig und über­rascht, „das müßte ich mit meinen eigenen I Augen sehen, wenn ich eL glauben sollte!"

»Ich mußte es glauben, denn ich habe den Fall schon einmal erlebt, habe gesehen, wie ein junger, hoffnungsvoller Mensch dahingerafft wurde. Es gab keine Hilfe mehr für den Armen, fein Herz war gebrochen, — gebrochen von einer Nichtswürdigen, die nicht einmal werth war, ihm die Schuhriemen aufzulösen, von einer Betrügerin, die ihn umschmeichelte mit ihrem fünften, scheinheiligen Wesen, die er an fein Herz nahm in wahnsinniger, verzehrender Liebe, der er, der Verblendete, all fein Hab und Gut zum Opfer brachte. — Freilich, sie lohnte es dem armen Betrogenen ja mit tausend Küssen. Daß diese Küsse falsch waren, wußte er ja nicht. I