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8 KuldaerMZeitung W

ta Jalta. * mit Anteryaltungs -HSeikage „MnSrirte Smmtass-Zeiümg!'

JS 224.

JuLöa, Samstag, dm 29. September 1900.

27. Jahrgang.

O Ladenschluß und Gaftwirth- schaften.

Man hat einen neuen Einwand ausgeklügelt gegen die allgemeine Einführung des Laden­schluffes um neun Uhr Abends: man stellt sich an, als befürchte man, daß die Gastwirth- wirthschaften ungebührlichen Vortheil davon haben würden. Die Wirthschaften könnten in diesem Sinne doch nur in Betracht kommen für den Verbrauch von Eßwaaren, und zwar so, daß junge und überhaupt unoerheirathete Leute in eine Gastwirthschaft gehen würden, um ihre Abendmahlzeit einzunehmen, anstatt nach alter und solider Weise ihr Bedürfniß beim Bäcker und Fleischer einzukaufen und alsdann hübsch ordentlich innerhalb ihrer vier Wände zu ver­zehren. Außerdem könnte es sich doch nur um den Verbrauch sehr kleiner Zigarrenmengen handeln.

Die Mangelhaftigkeit dieses Einwandes zeigt deutlich, deutlicher als alles andere, daß es stichhaltige Einwände gegen den früheren Ladenschluß eben gar nicht gibt. Wer bisher seine Abendmahlzeit in der Gastwirthschaft ver­zehrte, wird das auch später thun. Und warum sollte nun derjenige, der bisher in seinem Jung­gesellenheim seinen abendlichen Imbiß einnahm, von diesem ersten Oktober ab dies nicht mehr thun, weil die Läden früher als bisher geschloffen werden müffen? Was er dem Bäcker und Fleischer abkauft, kann er doch nachher ebenso gut ein­kaufen, wie jetzt, und Zigarren kann man sich doch ebenso im Laufe des Tages kaufen, da Nie­mand wird behaupten wollen, daß die Zigarren, die nach 9 Uhr Abends gekauft werden, beffer schmecken als solche, die am Tage angeschafft worden find. Und außerdem kaufen die Gastwirth- schäften Brot und Fleisch das sie ihren Gästen vor- setzen, vorher bekanntlich zum allergrößten Theil den Bäckern und den Fleischern ab, so daß wirklich ganz und gar nrcht einzusehen ist, wie der zeitigere Ladenschluß den Gastwirthschaften Vorthei'e zuführen sollte auf Kosten der übrigen Gewerbetreibenden und der Ladeninhaber. Mit solchem Speck fängt man keine Mäuse. Auch ist dieser Einwand, der so leicht zu widerlegen ist, gar nicht einmal neu. Früher, als die gegen­wärtig gütigen Bestimmungen über die Sonn­tagsruhe eingeführt werden sollten, wurde unter anderen Bedenken dagegen auch dieses Bedenken von dem Ueberwuchern der Gastwirthschaften geltend gemacht; und daß es damals ebenfalls nicht die geringste Berechtigung hatte, weiß jeder­mann. Das müffen ohne weiteres auch diejenigen zugeben, die heute mit dem alten, rostig ge­wordenen Rüstzeuge noch einmal gegen den früheren Ladenschluß anrücken wollen.

Gleichzeitig aber wird jetzt von neuem auf etwas Anderes aufmerksam gemacht, nämlich auf die Nothwendigkeit der Regelung der ArbeitsverhältnisseimGastwtrthschafts-

Die Uerle von Ilorenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

18 ------ (Nachdruck verboten.)

Ein halbes Jahr war seitdem vergangen. Hedwig saß im Zimmer ihrer Großmutter, eine seine Stickerei in den Händen. Die alte Frau, deren Haare mit der Zeit silberweiß geworden, dielt die Hände im Schooß gefaltet, und nickte dem Mädchen zu. Den fleißigen Fingern Hedwigs entglitt die Arbeit, sinnend schaute sie hinaus in den grünenden Garten. Sie erwartete ihren Verlobten, der um diese Zeit gewöhnlich auf ein halbes Stündchen vorzusprechen pflegte. Er hatte während der ganzen Zeil ihres Brautstandes sein Benehmen nicht verändert, immer gleich ruhig und freundlich, wie im Anfang, so war er noch jetzt. Hedwig ärgerte sich im Stillen darüber, oft fragte sie sich, ob Alfred sie überhaupt liebe,— aber, warum hätte er sie denn fonst wohl gewählt? etwa des Geldes wegen? — £) pfui, dem edlen, herrlichen Charakter dieses Mannes solche Beweg­gründe unterzuschieben! Nein, nein, das lag ihm sicher fern. Auch war der Wohlstand des Hauses Reinhold unter Frau Anitas Wirthschaft, unter ihrer Sucht zu glänzen, es allen anderen zuvor- zuthun, ganz bedeutend zusammengeschmolzen.

In ihrem Sinnen wurde Hedwig durch den Eintritt ihres Verlobten gestört. Er küßte seiner Braut flüchtig die Hand, und ließ sich neben ihr nieder.

„Wo warst Du denn gestern?" fragte er.

„Bei Leonie, ich dachte, Du würdest hinkommen."

gewerbe; und diese Anregung ist vollkommen zeitgemäß und am Platze. Diese Frage steht schon sehr lange zur öffentlichen Diskussion, ohne bisher ihrer Lösung merklich näher gerückt zu sein. Die Reichskommission für Arbeiterstatistik hat sich damit bereits mehrfach beschäftigt, hat auch schon bestimmte Befferungsvorschläge ge­macht, und dennoch liegt die gesetzliche Regelung der Angestellten im Gastwirthschaftsgewerbe noch in sehr weitem Felde. Sozialreformatorische Dinge bedürfen immer längere Zeit bis zu ihrer Erledigung als beispielweise Heeresfragen und Kriegsflottenangelegenheiten; aber gerade mit dieser Frage geht es ganz besonders langsam, und es wird höchste Zeit, daß sie nun endlich ein­mal ernstlich in Angriff genommen werde. Was den Angestellten im Handelsgewerbe recht ist, muß auch den Leuten zukommen, die im Gast» wirthschaftsgewerbe thätig sind; und diese haben die Reform genau ebenso nothwendig, wie jene zum Theil noch nöthiger.

Nur ein grundsätzlicher Unterschied besteht und ist nicht Hinwegzuleugnen: im Gastwirthschasts- gewerbe kann nicht wie im Ladengewerbe die Arbeitszeit der Angestellten gleichzeitig mit der Regelung der Betriebszeit reformirt werden. Denn die Betriebszeit des Gastwirth- schaftSgewerbes verträgt nicht ohne Weiteres solche Kürzungen wie das Labengewerbe. Nicht nur auf den Betrieb der Gasthöfe mit ihrem Fremden­verkehr ist Rücksicht zu nehmen, sondern auch auf vieles Andere, und deswegen ist die Frage hier auch schwieriger zu lösen, als im Ladenbetriebe. Aber dagegen wird sich schließlich wenig einwenden lassen, daß int Gastwirthschaftsgewerbe auch einige Rücksicht genommen werde auf die Sonntagsruhe, namentlich in denjenigen Betrieben, die ohne Fremdenverkehr sind. Was in England möglich ist, könnte nach und nach auch bei uns möglich werden. Die ganze Frage der Regelung der Arbeitsverhältnisse im Gastwirthschaftsgewerbe wird sich aber nur lösen lassen durch Vermehrung der Zahl der Angestellten und Einführung von Wechsek- schichten — für das Gastwirthsgewerbe keine an­genehme Nothwendigkeit, aber doch eben eine Noth­wendigkeit, der man auf die Dauer nicht wird aus dem Wege gehen können.

Deutsches Keich.

Berlin, den 28. September.

* Die »Köln. Zeitung' bringt unter der Ueber- schrift: „Wohin treive« wir?" einen Artikel, der namentlich für Besitzer preußi­scher Konsols lesevswerth ist: Nur auS rein fiskalischen Gründen ist man seit einer Reihe von Jahren bestrebt, die Staatsgläubiger so karg wie nur möglich zu behandeln. Sie, welche die konser­vativste Masse d-r Bevölkerung repräsentiren, werden von der Finanzverwaltung vorzugsweise dazu ausersehen, nach Kräften gerupft zu werden. Zuerst entzog man den Staatsschuldscheinen das Recht auf eine Rückzahlung zum Nominalkurse in gegebener Zeit; dann benutzte man jeden vorüber­gehenden günstigen Zeitpunkt zur Herabsetzung des Zinsfußes und hatte dann gewöhnlich die Genugthuung, daß neu emittirte Papiere schon

wenige Tage nach der Emission unter dem Aus- gabekurs standen. Damit war natürlich der Be­weis erbracht, wie schlau die Finanzverwaltung einmal wieder ihre Aufgabe gelöst habe!--

Will man sich einer Rückzahlung der Anleihen zum Nominalkurfe entziehen, so muß auch das Bestreben der Finanzverwaltung darauf gerichtet fein, Mittel und Wege zu finden, um den Kurs der Staatspapiere nicht unverhältnißmäßig und dauernd finken zu lasten. Ma« berechne einmal, welche Opfer es für den Staat erheischt, wenn er die Verzinsung der Anleihen etwa auf 3'/i Proz. erhöhte und damit sich die Basis für neue Anleihen verschaffte? Die Kapitalistenwelt würde anfathmen, Wittwen und Waisen wenigstens in der Kapitaleinbuße entschädigt werden.

X Kitte Umsatzsteuer für chroßgeschäfle wird von der sächsischen Regierung geplant. Ein entsprechender Entwurf wird im sächsischen Mi­nisterium des Innern bereits ausgearbeitet. Auf die Art dieses Entwurfes, auf die Grundsätze, die darin den Ausschlag geben und auf die ein­zelnen Bestimmungen muß man sehr gespannt sein, namentlich auf die Art und Weise, wie der Begriff „Großgeschäft" überhaupt abgegrenzt wird. Soll dieser Entwurf, wie angekündigt wird, zum Schutze des Mittelstandes beitragen gegen den überwuchernden Wettbewerb der großen ge­werblichen Betriebe, dann kann man diesen leiten­den Grundsatz nur lobend anerkennen. Aber man kann auch feinen Augenblick im Zweifel darüber sein, daß die Ausführung dieses Grundsatzes sehr schwierig ist, ohne Ungerechtigkeiten zu begehen. Ein Urtheil darüber zu fällen ist vollkommen un­möglich, so lange man den Entwurf selbst und seine einzelnen Bestimmungen nicht kennt.

Die zukünftige» chetreidezölke be­schäftigen gegenwärtig sehr die öffentliche Meinung. Daß die Zölle erhöht werden, steht bekanntlich unzweifelhaft fest. Der entsprechende Beschluß der Bonner Katholikenversammlung hat darüber alle diejenigen aufgeklärt, die noch immer im Zweifel waren. Nun entstehen die Fragen: um wie viel wird der Zoll erhöbt, und in welcher Art und Weise. In den letzten Tagen ist da» Gerücht ver­breitet worden, die Bundesregierungen hätten die Absicht, eine Erhöhung des Einfuhrzolles für Weizen auf sechs und für Roggen auf fünf Mark vorzuschlagen. Ob dieses Gerücht das Richtige trifft, läßt sich im Augenblick nicht sagen. Jeden­falls bedarf der deutsche Weizenbau mehr des Schutzes gegen den ausländischen Wettbewerb, als der Roggenbau. Die Roggeneinfuhr war während der letzten Jahre verschwindend klein im Vergleiche zu der Menge des eingeführten Weizens. Am 16. Oktober tritt der Wirthschaftliche Ausschuß zu­sammen. Dann wird man wohl bald Zuverlässiges erfahren.

+ Die reichsgesetzkiche Uegeluug des Apothekettwefess gehört zu den politischen Seeschlangen, die nicht leben und auch nicht sterben können. Im Jahre 1896 ist im Reichs­amte des Innern der Entwurf eines Reichs­apothekengesetzes ausgearbeitet worden. Auf Grund dieses Entwurfes sind die einzelnen Bundes­regierungen in Verhandlungen mit einander ein­getreten, aber diese Verhandlungen sind noch nicht zu Ende geführt. Irgendwelche bestimmten

„Du wußtest doch, daß Leonie schon seit längerer Zeit leidend ist, die Kinder sind auch nicht ganz wohl, sie wollen sich von keinem Anderen pflegen lassen, da sie zu sehr an mich gewöhnt sind, — und, — da dachte ich — —"

„Da dachtest Du, die Kinder gehen mir v o r meinen Verlobten, eine solche Hintansetzung meiner Person ertrage ich aber sehr schlecht, be­sonders von Dir!" unterbrach er Hedwig in strengem Ton.

.Alfred!"

„Ja, begreifst Du denn nicht, daß das eine Beleidigung für mich ist, und mich nothgedrungen verletzen muß? Aber Du begreifst Überhaupt nichts anderes, als die Interessen der Kinderstube, darüber hinaus gebt Dein Verstand nicht!"

„Alfred, Du sprichst in einem Ton mit mir, der mich verletzt!"

Der Professor schien heute in sehr gereizter Stimmung zu sein. Sie hatten zwar schon öfter kleine Wortgefechte mit einander gehabt, aber er hatte sich noch nie so weit hinreißen lassen. Die alte Frau war bei dem lebhaften Geplauder der Beiden etwas unfanst aus ihrem Nachmittags­schläfchen erwacht, sie versuchte einzulenken:

„Kinder, streitet Euch doch nicht! Eines muß )em Andern nachgeben, das ist die erste Bedingung zwischen Zweien, die sich fürs Leben verbinden wollen!"

Allein Hedwig fühlte sich in der That belei- )igt von dem schroffen Tone ihres Bräutigams, und es entspann sich ein richtiger Streit. Der Professor glaubte ebenfalls diesmal nicht nachgeben zu dürfen. Was sollte das werden, wenn Hedwig, die wußte, daß er sie besuchen würde, einfach weg-

lief und meinte, er werde schon nachkommen! Das konnte ein Mann wie er, sich nicht bieten lassen, und er hatte sich bereits gestern vorgenommen, seiner Braut das Unpassende solchen Betragens ernstlich vorzuhalten.

Hedwig dagegen glaubte sich in ihrem guten Rechte und verfocht tapfer ihre Ansicht.

Der Streit artete schließlich so weit aus, daß Alfred seinen Hut vom Tische nahm, und ohne Gruß gegen seine Braut, nur der bestürzten alten Frau flüchtig zunickend, das Zimmer verließ.

Das hatte Hedwig nicht erwartet. Sie schlug die Hände vor das Gesicht und weinte bitterlich. Die Großmutter suchte die Weinende zu beruhigen:

„Er wird wieserkommen, Kind. Ihr habt Beide nicht recht gehabt; Beide seid Ihr zu hitzig und aufbrausend, daS ist nicht gut. Wenn Ihr ruhiger geworden seid, werdet Ihrs ein­sehen."

In diesem Moment trat Frau Anita ins Zimmer.

„Was hats denn schon wieder gegeben ?" fragte sie, auf das weinende Mädchen deutend.

„Sie hat sich mit Alfred gezankt, es wird vorübergehen, sagte die Großmutter in ihrem sanften Tone.

„Ach so," machte Anita spöttisch, „der Herr Professor kehrt wohl schon den Gebieter heraus? Das mußt Du ihm bei Zeiten abgewöhnen, sonst ziehst Du Dein Leben lang den Kürzeren. Die Männer müffen stets fühlen, daß man die Zügel stramm hält!"

Hedwig antwortete nichts, sie meinte noch immer,

Beschlüsse sind augenscheinlich wohl noch gar nicht gefaßt worden. Die vor einigen Tagen ht Umlauf gesetzte Nachricht, ein preußischer Vor­schlag fei abgelehnt worden, wird nunmehr auch als falsch bezeichnet. Dieser preußische Vorschlag sollte die allmähliche Ablösung der Apothekenberechtigung zur Voraussetzung gehabt haben.

h Die polnische Versammlurrgssprache soll abgeschafft werden. In der Stadt Posen haben in diesen Tagen, wie bekannt, Minister- berathungen stattgefunden, und ein Ergebniß dieser Berathungen soll nach der Meldung eines Posener Hakatistenblattes der Beschluß sein, eine Ergänzung zum Vereinsgesetze auszuarbeiten, wo­nach innerhalb drs preußischen Staates in öffent­lichen Versammlungen nur noch deutsch ge­sprochen werden soll. Daß dir preußische Regie­rung das wünscht, ist ohne weiteres zu glauben. Aber die Nachricht wird ein wenig verdächtig durch das Beiwerk, mit dem sie austritt; danach soll nämlich diese Ergänzung des Vereinsgesetzes begründet werden durch einen Hinweis auf „die Schwierigkeit der Kontrolle fremdsprachiger Ver­sammlungen durch der betreffenden Sprache nicht mächtige Polizeibeamte". Diese Begründung ist doch aber gar zu schwach. Sie wird ja sofort entkräftet durch den Einwand, daß dann eben die Regierung sich auch polnisch sprechende Beamten anschaffen muß. Schon früher hatte man in der Provinz Posen Versammlungen aufgelöst, weil polnisch darin gesprochen wurde und der über­wachende Beamte deswegen den Verhandlungen nicht genügend folgen konnte. Aber das preußische Oberverwaltungsgericht hat die Beschwerden, die dagegen erhoben wurden, immer als begründet anerkannt und entschieden, daß eine Auflösung von Versammlungen aus diesem Grunde dort nicht zulässig ist, wo die fremde Sprache im Gebrauche der Bevölkerung ist. Thatsächlich würde ja auch sonst das Versammlungsrecht deS preußischen Staatsbürgers hinfällig werden, und vorläufig ist noch nicht recht daran zu glauben, daß die preußische Regierung es unternehmen sollte, durch eine Ergänzung des Vereinsgesetzes eine Beugung des Rechtes in dieser Weise zu versuchen. Sollte fie es aber unternehmen, dann würde es ihr vermuthlich schwer werden, im Landtage eine Mehrheit zu finden, die dieser Rechtsbeugung ihre Zustimmung ertheilt.

* Auf den Anschluß a» Telephouverkehr zwischen Frankreich und dem Gebiete der deutschen Reichspostverwaltung werden Württemberg und Bayern wohl noch recht lange warten können, da beide Länder an der Herffellung der französisch-deutschen Telephonleitungen keinen An- theil genommen haben und wahrscheinlich zu einer solchen Antheilnahme auch nicht eingeladen worden waren. Die zwei süddeutschen Staaten sehen sich also, wie die »Franks. Zig.' hervor­hebt, vorläufig in eine besonders dem Auslande gegenüber unliebsame Partikularstellung zurück- gedrängt, bis sie sich entweder selber entschließen, eine eigene gemeinsame Leitung nach Paris her­zustellen, oder bis sich die Reichspostverwaltung im Falle einer ungenügenden Rentabilität ihrer Linien zur Heranziehung des süddeutschen Ver­kehrs herbeiläßt.

Aber auch das erhitzte Blut des Professors hatte sick, als er draußen angekommen war, merklich 'abgekühlt. Er war im Ganzen eine sehr friedfertige Natur und begriff es jetzt gar nicht mehr, wie er sich so weit hinreißen taffen konnte. Er bereute feine Heftigkeit schon wieder, entnahm seinem Notizbuche ein Blättchen Papier, sowie einen Bleistift und schrieb, das Buch als Unterlage benützend:

„Meine liebe Hedwig! Laß das Voran­gegangene vergeffen fein! Ich habe Dich trotz allem und allem und allem sehr lieb, — Du mich auch, ich weiß es. Wir gehören doch nun einmal zusammen. Dars ick kommen, mir den Versöhnungskuß zu holen? Meine geliebte Hedwig, sende mir Antwort, — und ich eile in Deine Arme. Dein Alfred."

Er faltete das Blättchen zusammen und schickte einen kleinen Jungen, dem er ein Geld­stück in die Hand drückte, damit ins Haus.

Gleich darauf kam derselbe zurück und über­gab ihm den Zettel, auf dem ganz unten von Hedwigs Hand geschrieben war: „Komm zu Deiner Hedwig." —

Alfred folgte eiligst dieser Aufforderung und trat, den Zettel, den er noch in der Hand trug, auf den Tisch werfend, bei feiner Braut ein.

Anita las neugierig und mit spöttischem Lächeln die wenigen Worte von dem Blättchen ab, das Hedwig sich zum Andenken an den ersten großen Streit aufbewahren wollte.

Der Friede war wieder hergestellt.

Hedwig suchte so gut als möglich das Pein­liche der Situation zu mildern. Sie plauderte heiter und unbefangen.