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uldaerMZeitung

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M 223. JuLöa, Freitag, dm 28. September 1900.

27. JahrgMg.

Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung' für das 4. Quarta werden zum Preise von 1,50 Mark (ohne Bestellgeld) vo« allen Postanstalten und Landbriefträgern eutgegengenommeu.

Q Die gewerbliche Kinderarbeit.

Vor einigen Tagen ging durch die Presse die erfreuliche Nachricht, im Berliner Reichsamte des Innern arbeite man an bestimmte» Vorschlägen zur einheitlichen Regelung d« Bestimmungen über die gewerbliche Arbeit der Kinder außerhalb der Fabriken; man hoffe, dem Reichstage während seiner nächsten Tagung diese Vorschläge unter­breiten zu können.

Solche einheitliche, und zwar nicht gar zu sanfte Maßregeln find unbedingt nolhwendig. Denn die Ausbeutung der kindlichen Arbeitskraft ist fortgesetzt in der Zunahme, und zwar nicht nur in leichten landwirthschaftlichen Hantirungen, die der Gesundheit der Kinder eher nützen, als schaden können, sondern auch in Arbeiten, die dem kindlichen Menschen unbedingt in irgend einer Art schaden müffen, in gesundheitlicher oder sittlicher Beziehung, wenn nicht beides zugleich. Deswegen ist auch die Langsamkeit, um nicht zu sagen Saumseligkeit, zu beklagen, mit der von den Bundesregierungen und ihren aussührenden Organen in dieser Sache vorgegangen wird. Im Jahre 1897 richtete der Reichskanzler rin Rund­schreiben an die Bundesregierungen, worin er darauf hinwies, daß die Berufszählung von 1895 ein ungenügendes Ergebniß habe über die Arbeit der Kinder im Alter von weniger als 15 Jahren, und worin die Bundesregierungen aufgefordert wurden zu neuen Erhebungen über die Zahl und das Alter der außerhalb der Fabriken gewerblich beschäftigten Kinder, über die Art ihrer Be­schäftigung, die Dauer und den Ort ihrer Ar­beitszeit und über einige andere Verhältnisse mehr, die damit in Verbindung stehen. Für diese Er­hebungen wurde eine reichlich lange Zeit frei« gelassen, nämlich bis zum 1. April 1898. Aber es scheint- als habe auch diese reichlich lange Zeit bei weitem nicht ausgereicht dazu, die langsame bureaukratische Maschine auslaufen zu lassen, oder aber man hat in Berlin eine arge Saum­seligkeit begangen. Jedenfalls werden die Er- gebnisse der angestellten Erhebungen erst jetzt in dem soeben erschienenen Vierteljahrsheft für die Statistik des deutschen Reiches veröffentlicht, erheblich länger als drei Jahre nach dem Rund­schreiben des Reichskanzlers.

Auch die Art und Weise, in der diese Er­hebungen vorgenommen worden sind, fordert die Kritik in schärfster Weise heraus. Zunächst ist in den einzelnen deutschen Bundesstaaten gar nicht einheitlich verfahren worden; einzelne Staaten, so Württemberg und das Herzogthum Sachsen- Koburg, haben nur einzelne Bezirke ihres Landes­gebietes herausgegriffen und nur in diesen die Erhebungen vorgenommen, so daß diese letzteren keinen Aufschluß geben über die wirklichen Ver­hältnisse im ganzen Lande. Vielfach hat man gar nicht unterschieden zwischen Knaben und Mädchen,

Die Merle von Ikorenz.

Orgmal-Roman von Irene v. Hellmuth.

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„Laß nur. Alte," wandte sich Leo an seine Frau, „ich möchte doch wiffen, wo den Professor der Schuh drückt!"

Dieser blickte fragend auf Leo, der heiter fortfuhr: „Hedwig gibt einmal eine tüchtige, spar­same, fleißige Hausfrau ab, wer sie gewinnt, nennt einen Schatz sein eigen, der die Zierde jedes bürgerlichen Hauses sein wird."

Professor Hammon nickte: „Das glaube ich auch!" —

„Na also, — greise frisch zu, mein lieber Alfred, Dir gönne ich das Mädchen am ersten. Du wirst Hedwig hochhalten, und ich kann Dir verrathen, daß Du Dir keinen Korb bei ihr holst; denn, soviel ich bemerkte, — und ich verstehe mich auf derlei Sachen, — ist sie Dir von Herzen gut! Also, warum willst Du zögern, Profeffor« cheu? Immer frisch drauf los gefreit, wenn alles so stimmt, wie bei Euch!"

Profeffor Hammon hatte sich erhoben.

„Siehst, Du, Leo, was Du da soeben aus­gesprochen, bewegt mich seit Wochen. Ich weiß nicht, — ich bin eigentlich mit mir selbst nicht im Klaren. Ich bin Fräulein Hedwig von Herzen gut, — das ist wahr, und doch zögerte ich bis jetzt, — die Entscheidung herbeizusühren. — Ist eS die Rechte? — Oder ist sie es nicht? Diese Frage schwebt mir beständig vor, und ich meine, wo man erst lange wägt und sinnt, — wo man schwankt in seinem Entschluß, da —

und zum Theil hat man erstaunlicherweise nicht einmal auf das Alter der Kinder Rücksicht ge­nommen; ebenso fehlen häufig die doch ohne Zweifel ganz nothwendigen und ganz selbstver­ständlichen Angaben über die Dauer der Beschäfti­gung, z. B. in Preußen. In Preußen hat man sich damit begnügt, die Kinder mit einer Arbeits­zeit von mehr als 3 Stunden täglich anzugeben.

Die nach so langer Zeit endlich erzielten Ergebniffe sind also durchaus lückenhaft und machen weder der Einsicht noch dem guten Willen derjenigen Ehre, die diese Erhebungen eingeleitet und ausgeführt haben. Dennoch geh eine Thatsache klar daraus hervor, daß die Zahl der schulpflichtigen Kinder, deren Arbeitskraft außerhalb der Fabriken gewerblich ausgebeutet wird, während der letzten Jahre von neuem ganz erheblich zugenommen hat, namentlich auf industriellem Gebiete. Die Berufszählung von 1895 hatte 214051 gewerblich thätige Kinder ergeben, wovon 45 375 im Handel und in der Industrie beschäftigt waren; nach diesen letzten Erhebungen beschäftigt allein die Industrie um die Hälfte mehr Kinder, als ehedem überhaupt gewerblich thätig waren. Danach gibt es allein 306823 Schulkinder, die innerhalb des deutschen Reiches in der Industrie beschäftigt werden, das heißt mehr Lls die Hälfte, nämlich 57,64 v. H. aller gewerblich thätigen Kinder überhaupt. Am schlimmsten steht es aus in den Bezirken mit stark entwickelter Hausindustrie, so besonders in den thüringischen Staaten Sachsen - Weimar, Sachsen-Koburg-Gotha, Reuß, Schwarzburg- Sondershausen-Schwarzburg-Rudolstadt, Sachsen- Meiningen, Sachsen-AUenburg. Obenan steht das Königreich Sachsen, in dem rund 23 vom Hundert aller Schulkinder gewerblich thätig sind. Betrachtet man die verschiedenen In­dustrien nach ihrer Art, so gelangt man zu dem Ergebniffe, daß bei weitem am meisten Kinder in der Textilindustrie beschäftigt werden, nämlich 143 710 von den 306823 überhaupt beschäftigten. Dann sind noch besonders hervorzuheben das Bekleidungsgewerbe, die Industrie der Holz- und Schnitzstoffe und die Industrie der Nahrungs­und Genußmittel — alles Beschäftigungen, bei denen die Hausindustrie eine hervorragende Rolle spielt.

Man weiß noch nichts von den Vorschlägen, die das Reichsamt des Innern dem Reichstage machen will, um die Beschäftigung von Schul­kindern einheitlich zu regeln. Aber wünschen muß man sehr lebhaft, daß diese Regelung so viel wie nur irgend möglich, einer Verhinderung gleichkomme. Alle Kinderarbeit kann nicht ver­boten werden und soll auch nicht verboten werden. Aber dort, wo diese Arbeit gleichbedeutend ist mit Gefährdung der Gesundheit und der Sitt­lichkeit der Kinder, sollte nun endlich einmal mit voller Energie vorgegangen werden. Das ist kein Gegenstand, dessen Behandlung noch irgend­welche Langsamkeit oder Lauheit erfordert.

Deutsches Deich.

Berlin, den 27. September.

X Generalmajor v. Lievert, Gouverneur von Deutschostafrika, tritt augenscheinlich in der fehlt doch etwas, — da stimmt etwas nicht! Ich habe mir die Liebe, diese htmmelstürmende, alle Schranken niederreißende Leidenschaft eigent­lich doch ganz, ganz anders vorgestellt. Siehst Du, Leo, ich meine, das müßte Einem packen und mit unwiderstehlicher Gewalt zu dem geliebten Mädchen hinziehen. Tag und Nacht alle Gedanken in Anspruch nehmen, und Einem nimmer ruhen und rasten lassen, bis man Gewißheit hat. Von alledem empfinde ich nichts, darum zögere ich noch immer. Oder, — frage ich mich, — ist eine Natur wie die meinige, die stets prüft und überlegt, solch einer überwältigenden Leidenschaft überhaupt nicht fähig? Werde ich sie etwa nie­mals kennen lernen? — Ich weiß nicht! Ich meine, wenn einer über die erste Jugend hinaus st, und hat die Liebe noch nicht kennen gelernt, rann ist er eben nicht dazu geschaffen. Meine Jugendzeit hatte nicht Raum für Liebe. Sie war der Arbeit, der ernsten, strengen Arbeit, dem Ringen nach dem fernen Ziel geweiht! —

„Ich denke es mir als ein stilles, freundliches Glück", fuhr der Profeffor nach einer kleinen Pause fort, — „und ich habe mir dies auch chon oft vor Augen geführt, Fräulein Hedwig n einer angenehmen, ruhigen Häuslichkeit schal­ten und walten zu sehen, — sie, mit ihrem stets -eiteren Wesen, mit ihrer sich immer gleich ileibenden Ruhe. Und wenn ich sie so sehe, wie ie die Kinder versorgt, stets darauf bedacht, llles in Ordnung zu halten, überall Behaglich­keit um sich her verbreitend, dann denke ich: „Ja, sie ist die Rechte, sie muß es sein! Mein Leden an ihrer Seite wird einem Bächlein gleichen, das sanft zwischen blumigen Wissen

Gestalt einer Darlegung in der .Deutschen Kolonialzeitung' eine „Flucht in die Oeffentlich- keit" an. Herr v. Liebert hat ohne Zweifel sehr schätzenswerthe Verdienste sich erworben um die Verwaltung des ostafrikanischen Schutzgebietes, und die Angriffe, noch dazu theilweise Angriffe pöbelhaftester Art, die gegen ihn fortgesetzt in der Presse gerichtet werden, sind unbedingt zu verurtheilen als Ungerechtigkeiten und Ungezogen­heiten, für die man nicht leicht den richtigen Ausdruck findet. Herr v. Liebert weist in seiner Darlegung in der .Deutschen Kolonialzeitung' nach, wie günstig Deutschostafrika sich während der Dauer seines Gouvernements entwickelt hat, und dafür wird er allgemein auf Beistimmung und Anerkennung zu rechnen haben. Alsdann legt er eine Lanze ein für den Riesenplan der ostafrikanischen Crntralbahn, und mit diesem Plane fordert er freilich, wie bekannt, die öffentliche Kritik ziemlich stark heraus. „Mit dem Bahnbau — schreibt Herr v. Liebert — steht und fällt die Kolonie; sie kann ohne ibn wirthschastlich nicht bestehen. . . Sollte der Reichstag die jetzt bis ins Kleinste ausgearbeitete Bahnvorlage wiederum ablehnen, so ist aller deutscher Fleiß und das bisher dort angelegte Kapital verloren." Herr v. Liebert sieht darin viel zu schwarz. Es gibt bekanntlich ebenso zuverlässsge Sachverständige, die über den Bahnbau die genau entgegengesetzte Anschauung haben. Der Reichstag stimmt doch auch nicht nach augenblicklicher Laune ab!

* Für die 4 prozeutige« Schatzscyeitte sollen die Newyorker Bankiers, wie man der ,Weserztg.' schreibt, an das deutsche Reich nur den Kurs von 98 gezahlt haben. Wir können unmög­lich annehmen, daß zu einem solchen niedrigen Kurs die Schatzscheine begeben worden sind.

* Im preußischen Avgeordneteuhause sind gegenwärtig 10 Mandate erledigt. Es ist dies eine außergewöhnlich hohe Zahl. Vier davon, nämlich Strasburg W.-Pr., Rawitsch, Wohlau und Gifhorn, sind durch die mit Rang- und Gehalts­erhöhung verbundene Wiederanstellung der Land- räthe z. D. Dumrath, Lewald, v. Wrochem und v. Berg, drei, nämlich Randow, Wetzlar und Meseritz, durch den Tod der Abgeordneten von Manteuffel, Prinz zu Solms-Braunfels und von Dziembowski, die drei Breslauer Mandate durch die UngiltigkeitSerklärung der früheren Wahl er­ledigt.

* DieArbeitskommiffionen desrvirth- schaftkicheir Ausschusses haben heute im Reichs­amte des Innern ihre Berathungen über die wich­tigsten Positionen des Zolltarifs beendigt. Die Beschlüsse derselben werden im nächsten Monat dem Plenum vorgelegt werden.

* Eine Iessleguug der Grenze zwischen der deutschen und englischen Jntereffen- sphäre vom Viktoriasee bis zum Kongo­staate unter 30 Grad östl. Länge wird nach den ,Berl. Reuest. Nachr.' geplant. Die englische Regierung ist auch entschlossen, den Viktoriasee zu vermessen; sie hat, wie verlautet, auch nach Berlin davon Mittheilung gemacht mit dem Hinzufügen, daß sie auch den südlichen Theil des Sees, der zur deutschen Interessensphäre gehört, mit vermessen lassen will, damit der große Binnensee in seiner ganzen Ausdehnnng genau

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dahinfließt, dem die wilden Stürme, die das Meer aufwühlen in seinen tiefsten Tiefen, daß es brüllend an den Strand schlägt, nichts anhaben können. Die Leidenschaft, die wilde, glühende, die gleich einem Lavastrom alles niederreißt, was ihr in den Weg tritt, — sie wird mir fremd bleiben."

Der Professor hatte bei den letzten Worten einen Stuhl herbeigezogen, und sich darauf nieder­lassend, den schönen, ausdrucksvollen Kopf in beide Hände gestützt. —

So blickte er lange sinnend vor sich hin.

Leo klopfte dem in seine Gedanken Versunkenen auf die Schulter: „Glaube mir, Fred, diese himmel­türmende Leidenschaft, wie Du sie schilderst, habe ch auch nicht empfunden, als ich um meine Leonie warb; und wir sind doch in Wahrheit sehr glück- ich geworden. Nicht Alte?" wandte er sich an eine Frau.

Diese winkte dem Gatten liebreich zu: „Ich denke, — ja, — Leo!"

„Solche stürmische Liebe taugt auch nichts!" ühr Leo fort, „ich halte dieses wahnsinnige, alle Schranken niederreißende Begehren erst recht nicht ür echte Liebe, mir dünkt ein gegenseitiges Sich gern-haben als der Grund zum wahren, dauern­den Glück!"

„Zu dieser Ansicht habe ich mich in den etzten Tagen auch bekehrt, und sie wird wohl die richtige sein, denn —"

Der Professor vollendete nicht, weil in diesem Augenblick Hedwig mit einem Tablet voll Tassen und Tellern hereintrat. Ihr Blick traf den etwas erregt aussehenden Professor, und fie errieth mit einem weiblichen Instinkt, um was sich die Unter­

bestimmt wird. England wünscht, daß deutscher­seits kein Widerspruch erhoben wird und macht sich dem Vernehmen nach gleich anheischig, Deutsch­land die nötigen Karten von dem See zu liefern.

Arrslarrd.

* Wie«. 27. Sept. Die.Wiener Zeitung' veröffentlicht ein Verbot der Einfuhr von Rindvieh in die Länder des Reichsraths aus den Lungenseuchen-Sperrgebieten Liegnitz. Magde­burg, Merseburg, Arnsberg, im Königreich Preußen und aus dem Großherzogthum Sachsen- Weimar. Dieses Verbot tritt an Stelle des Verbotes vom 11. September 1900.

* Krüssel, 27. Sept. Die belgische Regie­rung sucht den Besuch Krügers in Brüssel unter der Hand zu hintertreiben, weil ihr durch die dann unvermeidlichen Kundgebungen in Brüssel und Antwerpen neuerdings Ungelegenheiten mit England drohen, sie andererseits aber außer Stande ist, solche Kundgebungen zu ver­hindern, da ein Verbot derselben thatsächlich un­gesetzlich wäre, sowie auch gefahrvoll für den Bestand der Regierung würde.

* Maris, 27. Sept. Kriegsminister Andr« wird den der Kammer vorliegenden An­trag auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit entschieden unterstützen. Die Dienst- zeit soll zwei volle Jahre umfassen und es sollen keine Ausnahmen gemacht werden. — Ferner will der Kriegsminister sich die Abschaffung der Verordnung, wonach jeder Offizier, der heirathen will, 1200 Franks jährlicher Rente nachweisen muß, angelegen sein lassen. Die betreffende Ver­ordnung stammt vom Marschall Soult aus dem Jahre 1843 her. Sie wird ohnehin vielfach umgangen. Es lkommt häufig vor, daß der heicathSlustige Offizier sich die Rententitel leiht, sie vorweist und nachher dem gütigen Leiher wieder zurückstellt. Oder er stellt einem gefälligen Gläubiger einen Schein aus, daß er die Renten­titel nur vorübergehend besitzt.

* Landon, 27. Sept. Die englischen Wahlen werden in der nächsten Woche ihren Anfang nehmen. Das Wahlrecht ist an eine Altersgrenze von 21 Jahren geknüpft. Zur Wahl­berechtigung gehört ferner, daß man nicht Peer ist, seit 12 Monaten keine Armenunterstützung empfangen hat und weder unter Polizei-Aufsicht noch unter Aufsicht des Bankerott-Gerichtes steht. Außerdem ist ein gewisser Grundbesitz oder eine oder gemiethete Wohnung, sei es auch nur ein Zimmer, das unmöblirt mindestens einen Miethwerth von 10 Pfd. Stert. — 200 Mark haben muß, erforderlich. Bedienstete, welche in einem Hause ihres Arbeitgebers wohnen, sind nur dann wahlberechtigt, wenn der Brodherr nicht mit in demselben Hause wohnt. Auf dem Lande berechtigt ein Grundeigenthum im Werthe von 40 Schilling oder eine Pachtung zur Theilnahme an der Wahl. Die Aufstellung der Wählerlisten findet vom Juli bis zum Anfänge der neuen Jahres statt. Auf etwaige Neuwahlen wird da­bei keine Rücksicht genommen. So kommt es, daß die diesmalige Wahl auf Grund der Listen vom vorigen Jahre vorgenommen wird, womit alle seit Juli umgezogenen Wähler des Wahlrecht

Haltung während ihrer Abwesenheit gedreht hatte. Teller und Tassen klirrten leise zusammen, und als sie neben Hammon trat, und ihm seine Tasse hinreichte, haschte er nach ihrer Hand, und drückte sie leise. In Hedwigs Herzen jubelte eine Stimme auf: „Er liebt Dich, liebt Dich wirklich!"

Ein freundlicher Blick streifte das schöne, geist­reiche Gesicht des Professors; er lud sie durch eine Handbewegung ein, sich neben ihn zu setzen. Leo winkte dem Freunde zu, endlich loszuschießen.

Als dieser aber auch jetzt noch keine Anstalten machte, faßte er kurz entschlossen seine Frau an der Hand und zog sie mit sich hinaus.

„So, — jetzt wird er doch reden," sagte Leo lachend, „die Beiden werden ein vorzügliches Paar abgebrn."

Als Leo und feine Frau sich entfernt hatten, faßte der Professor nach der Hand des Mädchens.

„Wissen Sie, warum die Beiden uns jetzt allein lassen?"

Helwig schüttelte nur den Kopf. Ihr war so beklommen zu MMhe, so eigen — halb Freude, halb Angst vor dem, was die nächsten Minuten bringen mußten.

„Nein? — Sie wissen es nicht? — Nun, ich will es Ihnen sagen: Um mir Zeit zu einer wichtigen bedeutsamen Frage zu lassen, Fräulein Hedwig! Zu einer Frage, — die — entscheidend wirkt über unser Beider Zukunft! — Mein Fräulein, ich bin kein Mann, der viele Worte machen kann, auch über die erste Jugend, die sich das alles viel leichter macht, bin ich bereits hinaus, ich bin in dem Alter, wo man sich alles rsiilich überlegt, ich — ich möchte Sie fragen, Hedwig, — wollen Sie meine Frau werden?