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JuLöa, Donnerstag, dm 27. September 1900.
27. Jahrgang.
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aX Die Neuwahlen in Oesterreich.
Erst kurze Zeit ist verfloffen seit der Aus« schreibung der Neuwahlen zum österreichischen Abgeordnetenhause. Aber die Wahlbewegung hat bereits eine außerordentliche Lebhaftigkeit an« genommen. Daß das namentlich in tschechischen und tschechisch durchsetzten Lan« deStheilen der Fall ist, versteht sich von selbst. Die radikalen Tschechenführer wühlen förmlich und überstürzen sich in allerhand anmaßenden und tollen Redeblüthen. Hat doch einer dieser Herren in öffentlicher Versammlung rund heraus gesagt, daß das Streben des „entschiedenen- Tschechenflügels dahin geht, die österreichische Verfassung zu zertrümmern und ein selbständiger Königreich ebenso zu errichten, wiedas ungarische Königreich bereits besteht. Daß bei den radikalen Tschechen diese Wünsche bestehen, weiß man freilich längst. Aber daß es wirklich so ist, hat bisher noch keiner von ihnen so offen heraus zu sagen gewagt.
Die Folgen dieser Anmaßung und dieser verfassungswidrigen Bestrebungen zum Schaden der Tschechen bleiben nicht aus. Man wendet stch von ihnen ab; einer nach dem anderen ihrer Freunde wird ihnen untreu, und wenn die übereifrigen Herrn ihre nationale Hetze so weiter treiben wie jetzt, könnte möglicherweise der Tag kommen, an dem sie sich ganz vereinzelt dastehen sehen auf der parlamentarischen Arena.
Vor allen Dingen ist in diesem Sinne die Thatsache zu verzeichnen, daß die katholischen Parteien sammt und sonders von den Tschechen in dieser ihrer neuesten Entwickelung nichts mehr wiffen wollen. Daß die Christlich-Sozialen völlig von chnen abrücken, ist nichts Neues mehr. Für den Kenner der Verhältnisse konnte auch kein Zweifel darüber obwalten, daß die katho« lische Volkspartei das thun würde, wenn die Tschechen nicht von ihrem wüsten und reichsfeindlichen Treiben Massen, aber freilich haben die Gegner der Katholiken sich alle Mühe gegeben, die katholische Volkspartei des Gegentheils zu verdächtigen, des „VerrathS am Deutschthum", wie der Kunstausdruck lautet. Jetzt können das auch die Gegner nicht mehr thun. Der parlamentarische Führer der katholischen Volkspartei, Abg. Dr. Ebenhoch hat es nunmehr klipp und klar ausgesprochen, daß gegenüber den tschechischen Forderungen „Böhmisches Staatsrecht" und „Zerstörung des Centralparlaments" die katholische Volkspartei nur zu den übrigen deutschen Parteien halten uno diese tschechischen Forderungen nur bekämpfen kann. In diesem Sinne ist auch die „Obmänner-Konferenz" der deutschen Parteien klug vorgegangen und hat ihre Kundgebungen so eingerichtet, daß nicht von vorn herein irgend eine politische Partei von der Mitwirkung ausgeschloffen ist.
Manchen unter den Tschechen kommt die Sachlage auch nicht ganz geheuer vor. Dr. Engel, der bisherige Vorsitzende des parlamentarischen Jungtschechenklubs, will stch gar nicht mehr in den Reichsrath wählen laffen; und noch in diesen Tagen hat ein anderer Tscheche«, führer von der verständigeren Tonart, Dr. Herold, vor allzu großer Vertrauensseligkeit zu der eigenen Kraft und Stärke gewarnt. Aber es ist kaum anzunehmen, daß diese mäßigenden Einflüsse unter den Tschechen großen Eindruck auf die tschechischen Wählermassen machen werden; auch bei gemeinsamem Vorgehen aller deutschen Elemente in den tschechischen Landes« theilen ist schwerlich zu hoffen, daß die Zahl der tschechischen Ab geordneten im österreichischen Reichs- rathe in beachteuswerther Weise vermindert werden könnte. Das sieht man allgemein ein und deswegen fängt man sich schon jetzt mit Gedanken darüber zu beschäftigen an, was wohl werden soll, wenn auch das neue Abgeordnetenhaus durch neue Obstruktion der Tschechen arbeitsunfähig gemacht wird — eine üble Vorbedeutung für die Zukunft! Und doch hat Kaiser Franz Joseph in einer Ansprache an eine galizische Abordnung selbst darauf aufmerksam gemacht, daß die Auflösung des Abgeordnetenhauses und Neuwahlen die letzten verfassungsmäßigen Mittel der Regierung sind. Die Regierung wird aber gut thun, schon jetzt auf das längere sAlleinregieren sich einzurichten.
Deutsches Keich.
Berlin, den 36. September.
* In der Aokeufrage scheint wieder eine große Aktion bevorzustehen. Der Finanzminister v. Miquel, der Landwirthschaftsminister o. Hammer st ein und der Minister des Innern v. Rheinbaben haben sich nach Posen begeben, um Konferenzen beizuwohnen, die vom Oberprästdenten o. Bitter veranlaßt worden sind. Es sind Vertreter der Staats- und Kommunalbehörden der Provinzen Posen und Westpreußen geladen. Zur Besprechung soll auch die Frage gelangen, ob eine Erweiterung des Gesetzes über die Geschäftssprache der Beamten, Behörden und politischen Körperschaften des Staates vom 20. August 1876 angezeigt erscheint. Für die Berathungen sind drei Tage in Aussicht genommen. Die Minister haben gleich nach ihrer Ankunft in Posen dem Hochw. Herrn Erzbischöfe einen Besuch abgestattet. Die Reise der Minister gilt, wie die ,Berl. Pol. Nachr/ melden, der Stärkung und Erhaltung des Deutschthums. ES handelt sich dabei nicht mehr um Erwägungen, sondern um die Durchführung konkreter spruchreifer Pläne, wozu die Ent« festigung der Stadt, die Errichtung von Theater, Bibliothek und Kasino zur Hebung und Stärkung de8 Kleingewerbes und des Handwerks gehören.
* In der gestrigen Sitzung des Zentral- Ausschuffes der AeichsvanK wies Präsident Koch darauf hin, daß die Ansprüche au die Reichsbank seit dem Juni 1900 geringer seien, als im Vorjahre. Die Anlage sei zwar seit dem 31. August um 80 Millionen Mark gewachsen, darunter befanden sich aber nur etwa 53 Mill.
Mark Wechsel. Die Gesammtanlage stehe gegenwärtig hinter der vorjährigen um 108 Mill. Mk. zurück, während der Metalloorrath um etwa 30 Mill, größer sei. Die steuerfreie Notenreserve betrage etwa 46 Mill. Mk., im Vorjahre waren dagegen etwa eine halbe Mill. Mk. steuerpflichtiger Noten am 23. September im Umlaufe. Die fremden Wechselkurse, besonders der kurze Kurs auf London, ermöglichten keine Goldaussuhr, im Gegentheil erfolgten in den letzten Tagen Goldeingänge in Deutschland. Der Privatdiskont ist in letzter Zeit gefallen, allerdings ist gegen den Quartalsschluß eine erhebliche Steigerung der Anlage merkbar, indeffen für jetzt eine Diskontoänderung nicht beabsichtigt. Widerspruch gegen diese Ausführungen wurde von keiner Seite geäußert.
* Auf den deutschen Geschäftsträger in Guatemala Herrn v. Eyb ist in der Nacht zum 16. September ein Attentat verübt worden. Die,Nordd. Allg. Ztg/ meldet darüber: Als v. Eyb im Wagen nach seiner vor der Stadt Guatemala gelegenen Villa zurückkehrte, wurde er von zwei völlig vermummten Individuen überfallen. Bei dem Kugelwechsel blieb Herr v. Eyb unverletzt, während einer der Angreifer von ihm durch den Arm geschossen wurde. Wie sich heraus bellte, gehörten die Angreifer der geheimen Polizei an. Der Geschäftsträger stellte folgende Forderungen: Absetzung des Ge- heimpolizeichefs, Absetzung und Bestrafung der Uebelthäter und Stellung einer berittenen Schutzwache. Die dortige Regierung hat diese Forderungen alsbald erfüllt, und der Präsident der Republik und der Minister der Auswärtigen Angelegenheiten sprachen offiziell und schriftlich in besonders warmen Ausdrücken ihr tiefes Bedauern über das Attentat aus.
* Wie die Sozialdemokratie aus allen Blüthen Honig zu saugen, alle Verhältniffe für sich auszunützen weiß, zeigt die Aufforderung, welche der .Vorwärts' mit Rücksicht auf die eben stattfindenden Reseroisten-Entlaffungen an „die schon früher vom Klaffenbewußtsein erfüllt gewesenen Reservisten" richtet, ihrer Kameraden, die noch nicht zu dieser Stufe der Erkenntniß empor« ^stiegen sind, sich anzunehmen, sie „im Auge zu »ehalten und ihnen im freundschaftlichen Verkehr >ie Nothwendigkeit des Beitritts zur gewerk- chaftlichen Organisation klar zu machen". Interessant hierbei ist, daß der .Vorwärts' damit >ie Gewerkschaften ohne Weiteres als eine spezi- isch sozialdemokratische Organisation in Anspruch nimmt, denn indem er zum Eintritt in die Gewerkschaft einladet, versteht er darunter den Beiritt zur Sozialdemokratie. Das sollte für alle diejenigen lehrreich sein, die da meinen, es sei möglich, „neutrale" Gewerkschaften zu gründen, in denen sozialdemokratische und christliche Arbeiter, ohne daß deren Grundsätze darunter litten, vereinigt werden könnten.
* lieber die Mel der Mkttärjnstiz ieamlev wird in einer Kabinetsordre vom 6. September bestimmt: Die am 1. Oktober in die neue Militärgerichtsorganisation übertretenden Ober- und Korpsauditeure führen von diesem Zeitpunkte ab die Amtsbezeichnung „Ober- riegsgerichtsrath", die übertretenden Divifions«,
Gouvernements- und Garnisonauditeure die Amtsbezeichnung „Kriegsgerichtsrath". Vom 1. Oktober 1900 ab sind die Anträge auf Verleihung des Charakters als „Geheimer Justizrath" ober als „Justizrath" an richterliche Militärjustizbeamte nicht mehr vorzulegen. Von den gegenwärtigen Inhabern find diese Titel neben der Amtsbezeichnung „Oberkriegsgerichtsrath" und „Kriegsgerichtsrath" nicht mehr zu führen.
* Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten hat eine dankenswerthe Verfügung über die Derweudttttg geringer Arennhölzer aus den königlichen Forsten an sämmtliche königliche Regierungen erlaffen. Dieselbe lautet: „Der in neuester Zeit hervorgetretene Mangel an Brennholz läßt es dringend wünschens- werth erscheinen, die geringen Brennhölzer, welche bisher oft nicht genügenden Absatz gefunden haben, namentlich Stockholz und schwächeres Reisig, in größerer Menge zum Verkauf zu stellen. Wo e8 an einer ausreichenden Zahl von Holzhauern fehlt, wird häufig durch Selbstwerbung des Stockholzes seitens der Käufer der angestrebte Zweck zu erreichen sein. Auf eine gesteigerte Einnahme für die Forstkasse ist dabei viel weniger Gewicht zu legen, als auf die vermehrte Gelegenheit, den Brennholzbedarf der minder Bemittelten zu befriedigen und im volkswirthschaftlichen Interesse Forsterzeugniffe zu verwerthen, die bisher unbenutzt geblieben find. Es kommt hinzu, daß die Kosten, die in einer Zahl von Oberförstereien aufgewendet worden find, um zur Verminderung der Beschädigungen durch Rüsselkäfer die Nadelholzstöcke mit kleinen Erdhügeln zu bedecken, durch ausgedehntere Stockrodung in Wegfall kommen. Die königlichen Regiemngen wollen fich die Ausbeute der geringen Brennhölzer, namentlich auch durch Erweiterung der Durchforstungsschläge, sorgfältig angelegen sein laffen und zum 1. Juli f. I. Anzeige darüber machen, was in dieser Beziehung veranlaßt worden ist, und welche Erfolge erzielt worden sind."
A«sla«d.
* Arag, 26. Sept. Der hiesige Stabtrath hat beschloffen, von allen städtischen Schulge- »Süden die deutschen Aufschriften zu entfernen und dieselben ausschließlich durch schechische zu ersetzen.
* Budapest, 26. Sept. Als der Schah von Persien heute hier zum Wettrennen fuhr, versuchte ein ärmlich gekleidetes Individuum in den Wagen des Schah eine Bittschrift zu werfen. Das Individuum wurde verhaftet, jedoch, nachdem es sich legitimirt hatte, wieder auf freien Fuß gesetzt. In der Menge hatte der Vorfall einen Augenblick Aufregung hervorgerufen, da man geglaubt hatte, eS handle sich um einen Attentatsversuch.
* Aarts, 26. Sept. Der internationale Sozialisten-Kongreß ist äußerst stark beucht. Frankreich stellt 473 Delegirte, England )5 (solche der sozialdemokratischen Förderation, »er unabhängigen Arbeiterpartei und der Fabian- Aefellschaft und einiger Gewerkschaften), Deutsch- and 54, Belgien 37, Rußland 23, Dänemark 19, : Defterreid) 12, Italien 14, die Schweiz 10,
Die Merle von Morenz.
Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
16 ------ (Nachdruck verboten.)
IV.
Hans Reinhold war, nachdem sein Liebling das Haus verlassen hatte, gar trübselig umhergeschlichen. E« kam ihm alles so öde vor, so leer, wie ausgestorben, und er fühlte erst jetzt, wie sehr sein Herz an Julia hing. Dos heitere, ftet« zu lustigen Streichen aufgelegte Mädchen, das mit einem tollen Ueberrnuth eine seltene Herzensgüte verband, war sein Augapfel, die Wonne seines Lebens. Er verzieh Anita viel um dieses Kindes willen, das sie ihm geschenkt. Er suchte den Trennungsschmerz in angestrengter Thätigkeit zu ersticken, und nach und nach gelang ihm dies auch. Die Arbeit ist unter allen Umständen eine gute Trösterin.
Schon zweimal, seit Julia in der Pension weilte, war in dem Hause am alten Jungfernstieg, wo Leonie mit ihrem Gatten wohnte, der Storch Mit einem allerliebsten Jungen eingekehrt. Er gab natürlich dort viel zu thun, und Hedwig war fast immer im Hause der Schwester, um diese, die von jeher eine schwächliche Konstitution besaß, Möglichst zu unterstützen. Leonie und deren Gatte, der allezett gut gelaunte, und zu einem Späßchen aufgelegte Leo Eilenberg, zeigten fich ungemein dankbar gegen Hedwig. Diese weilte auch viel lieber im Hause des Schwagers als daheim, wo " gar so still und eintönig war. Sie fühlte, hier wnme sie nützen, hier wurde fte nothwendig gebaucht. Hedwig war eine etwas hausbackene Na
tur, ohne besondere geistige Interessen, und versprach sicher, einmal eine tüchtige Hausfrau zu werden. Freilich, wenn sie aufrichtig gegen sich selbst fein wollte, so mußte sie sich gestehen, daß es auch noch etwas Anderes war, das sie magnetisch nach dem Hause der Schwester zog. Sie erröthete zwar stets ein wenig bei dem Gedanken, aber wahr blieb er deswegen doch: der Freund ihres Schwagers, Professor Alfred Hamman, ein stattlicher, sehr geistreich aussehender Herr, mit einem dichten, wohlgepflegten Vollbart, und schönen, klarblickenden Augen, goldbraunen, leichtgewellten Haaren, — er hatte sich unbewußt in Hedwigs Herzen einen Platz erobert. Sein ernste«, männliches Auftreten, fein reiches Wissen impontrte Hedwig ungemein; sie sah in dem Gelehrten das Ideal verkörpert, das sie sich von dem Manne gebUbet hatte, ber sie erringen sollte. Wie schlug ihr da« Herz immer, wenn sie ihm eine Tasse Kaffee präsentirte, und er sie so eigen dabei anschaute, ober, wenn sie mit »em kleinen Jungen ihrer Schwester auf dem Arm, im Zimmer umher ging, um den Schreihals zu beruhigen, und Professor Hammon, mit der weißen, wohlgepflegten Hand seinen schönen Bart streichend, ebe ihrer Bewegungen verfolgte.
Täuschte fte fich, oder nahm er wirklich ein tiefere« Interesse an ihr, dem einfachen, schlichten Mädchen? Sie kam fich neben dem gelehrten Mann immer so dumm und einfältig vor, daß sie ich kaum in da« Gespräch zu mischen wagte. Einige Mal hatte er sie auch schon nach Hause begleitet, und ihr beim Abschiede so warm die Hand zedrückt, daß ihr da« Herz wieder hefttg zu pochen »egann, und sie kaum ein flüchtiges „Gute Nacht" zu stammeln vermochte.
Später hatte er sogar bei den Eltern Besuch gemacht, und Papa und Mama hatten sich sehr lobend über ihn ausgesprochen. Besonders dem Papa gefiel fein bescheidenes, ruhiges, sicheres luftreten ungemein gut, — daß Hedwig vor freude erröthete über die Lobsprüche, die dem -eimlich Angebeteten ihres Herzens gezollt wurden.
Hedwig stand am Fenster, im Wohnzimmer Leonie's, und blickte träumerisch über bett Alster- damm und da» von keinem Windhauch gekräuselte Wasser da unten hinweg.
Ihr Schwager stand neben ihr, und sagte neckisch: „Schaust wohl nach dem Professor an«, Hedwig? Er wird bald hier fein."
Die Angeredete konnte e« nicht verhindern, daß ihr eine heiße Röthe in da« Gesichtchen stieg, denn in der Thal hatten sich ihre Gedanken eben mit dem Genannten beschäftigt.
„Na, na, brauchst nicht so roth zu werden," lachte Leo, „ich kenne die Geschichte, mir kannst Du eS ja einqestehen. Gelt, er ist Dir nicht aleichglltig? Du könntest auch keinen Besseren finden, als ihn!" —
„Aber Leo!" wehrte Hedwig.
Das lustige Gesicht EilenbergS neigte fich noch näher zu dem ihrigen: „Ich glaube, wenn ich recht beobachtet habe, mit unfern Freund steht es auch nicht ganz richtig; er blickt manch- mal gar zu träumerisch vor fich hin, — werde ihm einmal auf den Zahn fühlen!"
„Um Gottes willen nicht, Leo — Du bist ein schrecklicher Mensch! Ich bitte Dich, laß das, ich würde vor Scham in die Erde sinken, er könnte denken, es geschehe mit meinen Wissen und Willen!" rief Hedwig erschrocken.
„Ach, was soll das lange Schmachten und Bangen helfen? Ueberlaß das nur mir, ich werde es schon machen, daß alles recht wird!"—
„Wenn Professor Hammon mich wirklich liebt, wird er schon von selbst das richtige Wort finden."
„Ich kenne meinen Freund gar nicht mehr, er ist doch sonst ein ganz heiterer Gesellschafter gewesen. Jetzt ist er auf einmal so ernst, so chweigsam, ich glaube, daß das die Liebe macht. Da muß man dem guten Jungen doch ein wenig helfen."
In diesem Augenblick sahen die Beiden den Gegenstand ihres Gespräches auf das Haus zu- kommen. Er hatte die am Fenster Stehenden erblickt und winkte ihnen einen freundlichen Gruß zu, den Hedwig erröthend erwiderte.
Gleich darauf trat er ins Zimmer.
„Servus — alter Junge!" rief ihm Leo heiter entgegen.
Der Angekommene begrüßte freundlich die blaffe Hausfrau und drückte der erröthenden Hedwig die Hand.
Als das junge Mädchen gegangen war, den Nachmittagskaffee zu besorgen, nahm Leo den Professor bei Sette.
„Sag mal, Freund," begann er, direkt auf fein Ziel losgehend, „meine Schwägerin ist doch ein hübsche- Mädchen, nicht wahr?"
„Ganz gewiß, Leo, ich wäre der Letzte, der dies leugnete."
Frau Leonie, die ahnte, wo ihr Gatte hinaus- wollte, zupfte diesen verstohlen am Bermel; es war ihr peinlich, daß Leo fich in die Herzensangelegenheit der Beiden einmischen wollte, die ihn nach ihrer Meinung eigenllich gar nicht« anging. (F. f )