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KuldaerMZertung
Safmti: Die eine spalt. Garmond» ieile oder beten Rauml5Pfg.,Re- Kamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
mit Zlnterhalümgs-Aeilage „Illüstrirle Sonnlags-Zeitnng:"
jgg 221. Juköcr, Mittwoch, dm 26. September 1900. 27. Jahrgang.
Das Letzte TaartaL
des Jahres bringt dem Sandmanns, der fleißig den Sommer und den Herbst über in Feld und Flur zu schaffen hatte, wieder mehr Muße, um die Weltereigniffe in Nähe und Ferne verfolgen zu können. Der k a t h o l i s ch e Mann greift dann zu einer katholischen Zeitung, die ganz für seine religiösen und wirthschaftlichen Interessen eintritt und dieselben stets bereit ist zu verfechten.
Das bevorstehende Vierteljahr wird nun voraussichtlich ganz besonders reich an interessanten Vorgängen sein: Die Vorgänge in China werden von der ganzen Welt mit Spannung verfolgt. und heute weiß noch kein Mensch zu sagen, was dort in nächster Zeit geschehen wird. In Südafrika spielt sich der letzte Akt des Trauerspieles ab, in dem ein tapferer Volksstamm der Uedermacht seines Gegners erliegt und langsam verblutet. In Deutschland wird gegen Mite November der Reichstag wieder zufammen- treten und sich mit einer Reihe von wichtigen Dingen zu beschäftigen haben, die das Interesse des gesammten Volkes in hohem Maße in Anspruch nehmen.
Die »Fuldaer Zeitung" ist durch bewährte Mitarbeiter in der Lage, über alle diese Dinge rasch und zuverlässig zu berichten. Neben den politischen Ereignissen des In- und Auslandes widmet sie den Vorgängen auf w irth schäft - lichem Gebiete besondere Ausmerkfamkeit und berichtet über alles Wissenswerthe in der Stadt und der Umgegend.
Soll aber die katholische Presse in vollem Umfange ihrer Aufgabe gerecht werden, soll sie auch fernerhin die gedeihlichen Bestrebungen des Centrums und des katholischen Volkes, besonders der verschiedenen christlichen Vereine unterstützen, soll sie die sich ihr entgegenstellenden Schwierigkeiten überwinden können, so ist es vor allem nothwendig, daß das katholische Volk und deren Führer sich allerorts zusammenthun, um der katholischen Presse immer mehr und mehr Abonnenten zuzuführen. Hat sie die Katholiken niemals im Stiche gelassen, hat sie unter der Fahne des Centrums treulich gekämpft, so ist es auch Ehrenpflicht für dieselben wiederum, ihre katholische Presse auch in schweren Zeiten zu unterstützen, zu kräftigen und zu erhalten.
Jeder katholische Mann muß eS deshalb als seine Ehrenpflicht betrachten, nicht nur selber das katholische Blatt seines Bezirks zu halten und durch MUtheilungen zu unterstützen, sondern es auch in seinen Bekanntenkreisen zu empfehlen und für dasselbe zu werben. Darum, Katholiken der Diözese Fulda, werbet fleißig für die
»Fuldaer Zeitung'
und unterstützt sie durch Abonnement, Mitarbeit und Inserate!
Der Bezugspreis der .Fuldaer Zeitung" mit der Gratisbeilage .Jllustrirte Sonntags- Zeitung" beträgt für die Monate Oktober, November und Dezember nur 1,50 Mark, durch die Post frei ins Haus geliefert 1,90 Mark.
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Die Merle von Ikorenz.
Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
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Daß Anita nicht dem Ideal entsprach, das er, verblendet durch Ihre Schönheit, in ihr erblickt hatte, wußte Hans Reinhold längst, doch suchte er stets ein gutes Einvernehmen zwischen sich und seiner Gattin herzustellen und zu erhalten, um wenigstens nach außen hin den Schein zu wahren. Niemand sollte an seiner Frau etwas Tadelnswerches finden, er war immer darauf bedacht, daß jeder, der in seinem Hause verkehrte, in Anita das sah, was sie eigentlich sein sollte und doch nicht war. Eine tüchtige, fürsorgliche Hausfrau.
In seinen Bekanntenkreisen hatte man es ihm sehr verübelt, daß er sich seine zweite Frau aus der Fremde mitgebracht, darum sollte man wenigstens nicht merken, wie sehr er sich in dieser Frau getäuscht hatte.
Nur der Freund des Hauses, Leo Eisenberg, blickte tiefer; er erkannte sehr bald den Werth Anitas, ihr oberflächliches, launenhaftes Wesen sowohl, als ihre Sucht nach Vergnügen, nach Zerstreuung. Die junge Frau wollte bewundert sein, sie ließ sich nicht genügen an einem stillen, häuslichen Glück, wie ihr Gatte es wünschte, sondern suchte außerhalb des HauseS ihr Vergnügen. Man bewunderte Anitas Schönheit allgemein und dies schmeichelte der eitlen Frau, die es gewöhnt war, daß man ihr huldigte. Sie hatte halb genug einen Kreis von Bewunderern um sich zu versammeln gewußt, gab Gesellschaften,
0 Neun-Uhr-Ladenschluß.
Die Reichsgewerbeordnung besteht seit dreißig Jahren. In seiner letzten Tagung hat der Reichstag das fünfundzwanzigste Abänderungsgesetz dazu beschlossen, eine Mannigfaltigkeit der Gesetzgebung, die nicht leicht ihres Gleichen finden wird. Manche Leute, namentlich solche, die einer aufrichtigen Sozialreform nicht hold find, spotten gern über diese Vielgesetzgeberei. Und wenn auch nicht zu leugnen ist, daß in diesem Sinne bet uns häufig Uebereifer sich geltend macht, so muß man doch die vielen sogenannten Novellen innerhalb des Bereiches der Gewerbeordnung als ein gutes Zeugniß dafür anerkennen, daß die deutsche Gesetzgebung bestrebt ist, der foEchreitenden Entwickelung unseres gewerblichen Leben? und seinen mannigfachen Bedürfnissen sich so gut wie eben möglich in fortlaufender Reihenfolge anzupaffen.
Dieses lobende Zeugniß gebührt vor allem der letzten Novelle zur Gewerbeordnung, und dieser wiederum in erster Reihe in ihren Bestimmungen zum Schutze der Angestellten im Handelsgewerbe. Die Novelle tritt mit dem bevorstehenden 1. Oktober in Kraft, und von diesem Tage an müssen die Läden um neun Uhr geschlossen werden. In dem ursprünglichen Regierungsentwurfe war dieser allgemeine Ladenschluß zu bestimmter Stunde nicht enthalten. Nach dem Regierungsentwurfe sollte es der Mehrheit der Ladeninhaber der einzelnen Gemeinden überlaffen bleiben, über die Ladenschlußzeit zu entscheiden. Aber mit diesen freien Verabredungen innerhalb der Kreise der Laden- inhaber hat man, wie männiglich bekannt, während der letzten Jahre sehr schlechte Erfahrungen gemacht, und so hat der Reichstag in der richtigen Erkenntniß dessen, worauf es ankommt, allgemein den Ladenschluß um neun Uhr Abends vorgeschrieben und es den Ladeninhabern überlaffen, durch freie Vereinbarung auch einen noch früheren Ladenschluß einzuführen.
Die Unglücksraben, die von allerhand schrecklichen Folgen eines allgemeinen früheren Ladenschlusses und von großer Mißstimmung unter den Kaufleuten prophezeiten, sind schon jetzt vollständig widerlegt. Denn allenthalben regt es sich mächtig unter den Ladeninhabern und ihren Angestellten, von den Bestimmungen der letzten Gewerbe-Novelle Gebrauch zu machen und einen Ladenschluß schon um acht Uhr Abends herbeizuführen; und nirgends, aber auch nirgends hat man auS dem Volke heraus Stimmen vernommen, die im Ernste die Beschlüsse des Reichstages mißbilligen möchten. Nur einige liberale Zeitungen in sehr großen Städten, namentlich in Berlin, erheben den absonderlichen Einwand, das Nachtleben werde Einbuße erleiden durch die neue Ladenschlußbestimmung. Als ob das ein Nachtheil sein würde! Als ob es nicht nur nicht ein Schaden, sondern vielmehr ein großer sittlicher und wirtbschaftlicher Nutzen sein würde, wenn in Berlin, Breslau und in anderen Städten mehr dieses sogenannte glänzende Nachtleben ein wenig früher als jetzt aufhören müßte.
und stets war sie der Mittelpunkt dieses Kreises.
Um häusliche Pstichten kümmerte Anita sich nicht. Sie spielte die reiche, vornehme, elegante Frau mit einem „Chic'", den selbst ihre Neiderinnen an ihr bewundern mußten.
Nach und nach machte sich eine leise Entfremdung zwischen den Eheleuten geltend, unter der Reinhold sehr viel litt.
Wie ganz anders hatte er sich doch das Leben an der Seite dieser Frau ausgemalt, wie bald hatte Anita die Schüchternheit und Kindlichkeit ihres Wesens abgestreist, und an ihre Stelle waren Eitelkeit, Putzsucht und Stolz getreten !
Es fehlte in ihrem Hause vor allem die richtige, gemüthliche Stimmung; sie gab das Geld mit vollen Händen aus und Reinhold sah ihr in unbegreiflicher Schwäche alles nach. Er konnte seiner schönen Frau keinen Wunsch versagen, sie verstand sich aber auch auf Schmeicheln und bitten, wie keine Zweite.
Reinholds Mutter sah mit tiefer Bekümmerniß dem Treiben AnUas zu. Sie drang oft in ihren Sohn, doch Einhalt zu gebieten, aber sie predigte tauben Ohren.
Ein Jahr nach der Verheirathung wurde dem Hause Reinhold ein Töchterchen geboren. Das kleine Mädchen, das Zug um Zug der Mutter glich, war Reinholds Sonnenschein geworden. Ec liebte das reizende Kind mit den nachtschwarzen Augen und Haaren, das so zierlich und herzig war, fast abgötttsch. Anfangs hatte er gehofft, daß Anita sich nun ändern würde, um des Kindes willen, aber diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Die Mutter betrachtete die Kleine als ein nette?
Dieses Nachtleben bringt der großen Maffe derjenigen, die daran theilnehmen, Einbuße in mehr als einer Beziehung und den soliden Kaufmannsgeschäften keinen Gewinn. Denn in Zukunft wird eben jedermann seine Bedürfniffe zu rechter Zeit einkaufen, und nicht erst nach 9 Uhr Abends; die Bedürfniffe selbst aber und ihre Befriedigung werden durch den früheren Ladenschluß ganz bestimmt nicht verringert werden. Vortheil von dem großstädtischen Nachtleben haben nur die Gastwirthschaften und einige Cigarrenläden; und zwar in erster Reihe auch nicht die solideren, sondern in der Hauptsache diejenigen Gastwirthschaften, in denen Leben und Verkehr das Gegentheil von solide zu sein pflegen. Wird das nun, vom allgemeinen Gesichtspunkte aus betrachtet, ein Unglück sein, wenn einige nächtliche Cigarrenläden, einige „Bars" und mehrere Gastwirthschaften etwas weniger als bisher verdienen sollten? Wir möchten den sehen, der das bejahen wollte. Und gerade in Berlin hat sich dieses Nachtleben in so auffallender und unliebsam rascher Weise entwickelt, daß es darin sämmtliche andere Großstädte der Welt, Parts und London nicht ausgenommen, überflügelt hat. Desto willkommener müssen von allen verständigen und rein sachlich urtheilenden Leuten alle Maßregeln gutgeheißen werden, die danach angethan sind, diesen Uebertreibungen in großstädtischen Eigenthümlichkeiten ein wenig Schranken zu setzen. Dadurch wird der allgemeine Charakter einer Großstadt nur gewinnen können.
Und bei alledem vergißt man häufig ganz und gar, daß die Ladenangestellten gerade in großen Städten den früheren Schluß viel n ö t h i g e r noch brauchen, als ihre Berufsgenossen anderwärts. Denn sie pflegen int allgemeinen angestrengter thätig zu sein, als ihre Kollegen in kleineren Orten, und außerdem haben sie durchschnittlich viel weitere Wege zu ihren Wohnungen zurückzulegen und auch darum noch größeren Anspruch auf früheren Ladenschluß. Das Publikum aber wird sich so schnell an diesen früheren Ladenschluß gewöhnt haben, daß eS bald gar nicht mehr begreifen wird, wie eS denn möglich fein konnte, daß der Mißbrauch des späten Ladenschlusses so lange bestehen blieb.
Deutsches Keich.
Berlin, den 25. September.
ft Dom Kettest Zolltarif wird in einer Zeitungsmeldung behauptet, er werde die Gestalt eines einheitlichen Tarife- erhalten, obwohl „in den Regierungskreisen auch eine Strömung vorhanden sei für die Aufstellung eines Maximal- und Minimaltarifs"". Bisher hörte es man stets anders, d. h. daß es ein Maximal- und Minimaltarif werden solle, so daß man die Meldung noch nicht als genaue Kennzeichnung der thatsächlichen Verhältnisse anzusehen braucht. Ueber diese Dinge hat zunächst auch der Wirthschaftltche Ausschuß mitzusprechcn und nachher der Reichstag, sodaß von irgend einem Abschlüsse in der Gestaltung unseres neuen Zolltarifes noch gar nicht die Rede sein kann.
Spielzeug, mit dem sie manchmal eine halbe Stunde vertändelte, — aber das war alles.
Reinholds größte Sorge war es, daß fein kleiner Liebling nicht den Charakter der Mutter erben möge. Doch es zeigte sich sehr bald, daß zu solcher Befürchtung nicht der mindeste Grund vorhanden war. Reinholds Mutter hatte die kleine Julia, — die im Hause und von den vielen Bekannten wegen ihrer brünetten Gesichtsfarbe allgemein das „Mohrchen" genannt wurde — zu Anitas unbeschreiblichem Aerger in ihre ganz besondere Pflege genommen und leitete Jahre hindurch ganz allein ihre Erziehung.
Uebermüthig war die Kleine, aber sie besaß ein weiches mitleidiges Herz; gern theilte sie mit den älteren Geschwistern alles, was man ihr schenkte.
Aber wenn eines davon sie mit „Mohrchen"" anrief, bann blitzten die schwarzen Augen, die kleinen Füße stampften den Boden und die Hände ballten sich zur Faust. Weinen sah man Julia nie, auch dann nicht, wenn man sie neckte.
Die beiden andern Mädchen waren lang aufgeschossene Dingerchen mit blonden Zöpfen und bleichen Gesichtchen. Wenn Hedwig sich mit Julia im Garten herumtrieb, dann saß Leonie meist still bei ihren Büchern; sie liebte das tolle Spiel der jüngeren Mädchen nicht. Es war eine Lust, Julia, die flink und graziös war, wie eine Gazelle, durch den Garten jagen zu sehen, und wenn sie dann mit gerötheten Wangen und blitzenden Augen in die ausgebreiteten Arme ihres Vaters eilte, und derselbe seinen Liebling glücklich an fein Herz drückte, bann saß sie wohl einige Minuten still auf seinem Schooß. Ertönte aber der
x Dampfkeffekexpkoststtett. Nach den Mittheilungen des Kaiserlichen Statistischen Amts im 3. Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs, Jahrgang 1900 (auch in Sonderausgabe), sanden während des Jahres 1899 im Deutschen Reich 14 Dampfkessel-Explosionen bei einem Bestände von rund 140 000 Dampfkesseln statt. Die Zahl der dabei getöteten oder binnen 48 Stunden nach dem Unfall verstorbenen Personen betrug 13, die Zahl der Schwerverwundeten 11; leicht verletzt wurden 11 Personen. Als muthmaßliche Ursache der Explosion gilt in 7 Fällen Wassermangel, meist auch nachlässige Wartung, nur in 3 Fällen war mangelhafte Konstruktion, Ausführung, Revaratur oder mangelhaftes Blech bte Ursache- In zwei Fällen war zu hohe Dampfspannung und je in einem Falle örtliche Blechschwächung, Alter die Veranlassung. Für jeden einzelnen Fall enthalten die Nachweisungen eine genaue, durch Zeichnung und Maße erläuterte Beschreibung des Kessels und eine Darlegung vor und nach der Explosion.
X Die Lage unseres GsweröskeSens int Allgemeinen ist gut, besser noch als im Vorjahre ; das geht aus allen vorhandenen Anzeichen deutlich hervor. In diesem Sinne weist eine halbamtliche Darlegung in den ,Berl. Pol. Nachr." auch darauf hin, daß der Verkehr nicht nur keine Stockung, sondern umgekehrt eine Vermehrung erkennen läßt. In der Zeit vom 1. April bis 1. August d. Js. haben die preußischen Staatsbahnen an Einnahme ein Mehr von 42,6 Millionen gegen das Vorjahr gehabt, wovon ein Drittel auf den Personenverkehr und zwei Drittel auf den Güterverkehr entfallen. Diese Vermehrung des Verkehrs hält auch fortgesetzt noch an. Außerdem bewegen sich in aufsteigender Linie auch die Einnahmen des Reiches aus Zöllen und Verbrauchssteuern. Bisher ist ein Mehr von 131/» Millionen Mark im Vergleiche zu derselben Zeit des Vorjahres vorhanden, so daß man annehmen kann, es werde am Ende des Rechnungsjahres das stattliche Mehr von mindestens 32 Millionen Mark vorhanden sein, denn das Mehr von 13'/, Millionen entstammt nur den ersten fünf Monaten deS Rechnungsjahres. Alle diese Ziffern sprechen für eine vortreffliche Sage der Industrie und des Gewerbes, wenn auch einzelne Zweige z. B. die Textil-Jnbustrie zur Zeit in einer Krisis stehen. Deswegen ist es auch einigermaßen unbegreiflich, wie das Publikum sich durch die gewissenlosen Umtriebe von Tiefstandfpekulanten dazu verleiten laffen kann, alle Jndustriewerthe um jeden Preis zu veräußern und dadurch sich und der Allgemeinheit den größten Schaden zuzufügen. Den Vortheil davon haben nur die gewissenlosen Spekulanten an den Börsen selbst.
• Die künstlichen Süßstoffe sollten mit einer besondern Steuer belegt werden, deren Höbe im Verhältnisse stehen sollte zu der Süßkraft der einzelnen Stoffe — so verlangt es eine vom Reichstage in seiner letzten Tagung angenommene Resolution. Der Gesetzentwurf sollte im Anfänge der heroorstehenden Tagung vorgelegt werden. Nach einer Meldung der ,Natl. Korr." ist es jedoch fraglich, ob das Letztere geschehen werde, denn die Vorarbeiten seien noch
neckische Ruf Hedwigs: „Mohrchen, — Mohrchen — fang mich doch!" auS irgend einem Gebüsch, dann vermochte Niemand „Mohrchen"" zu halten, und wieder begann das tolle Spiel.
Julia zeigte Talent zu allem, besonders trieb sie schon als Kind überaus gern Musik. Sie lernte eifrig und Anita drang darauf, daß sie frühzeitig einer feinen Pension übergeben wurde, um ihre Ausbildung zu vollenden. Die beiden andern Mädchen hatten nach Anita's Ansicht dessen nicht bedurft.
„Sie sind aus anderem Holze geschnitzt," pflegte sie zu sagen, „man muß die Talente pflegen, wo man sie findet. Julia soll eine Virtuosin werden; was man jetzt an ihre Ausbildung wendet, wird sie einst hundertfach wieder einbringen."
Julia liebte die Musik, aber von einer Schaustellung ihrer Kunst und ihrer Person wollte sie durchaus nichts wissen. Sie hatte den geraden, schlichten Sinn ihres Vaters geerbt, und Anita schalt sie oft deswegen.-------
So vergingen die Jahre. Leo Eilenberg, der treue Freund des Hanfes, der jetzt in der großen Fabrik Hans Reinholds die Stelle eines Inspektors bekleidete, hatte, wie er sich in feiner lustigen Weife ausdrückte, „mit einem Mal fein Herz entdeckt." Er bewarb sich eifrig um Leoni's Gunst, und sie war ihm offenbar ebenfalls zugethan.
„Ich habe das stille, einfache Mädchen schon von jeher lieb gehabt," äußerte er Reinhold gegenüber, „und wenn Du glaubst, daß ich mir keinen Korb Halen werde, so will ich Leonie fragen, ob sie meine Frau werden will."
„Rur ftisch drauf los," lächelte Hans Reinhold, der den biederen Charakter des erprobten