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IuLöa, Dienstag, den 25. September 1900.

M 220.

27. Jahrgang.

G Die Bestrafung der chinesischen Uebelthäter

stellen sich die Regierung-Herren in Washington ganz anders vor, als die Berliner Regierung. Das wurde i« vorläufigen Drahtnachrichten bereits angedeutet. Jetzt wissen wir, was Amerika will: mit der Bestrafung der Uebelthäter ist man im Allgemeinen auch in Amerika einverstanden, aber man will, daß diese Bestrafung durch die kaiserliche Gewalt in China selbst ausge­führt werde! Und außerdem soll nach der ameri­kanischen Ansicht diese Bestrafung als eine Be­dingung angesehen werden, über die erst am Ende der Friedensverhandlungen ge­redet werden soll.

Die Washingtoner Regierung bleibt damit der Rolle treu, die sie von Anfang an bei der Be­handlung der Chinafrage gespielt hat, nämlich die Rolle des zurückhaltenden Betheiligten, der seine eigenen Wege zu wandeln liebt und mit keiner europäischen Macht sich verkoppeln läßt. Warum Amerika so zu handeln beliebt, ist nicht klar. Die Annahme läge nicht fern, daß die Dankees mit der Möglichkeit einer Entzweiung der europäischen Mächte untereinander rechnen und nachher, nach dem möglichen Eintritt einer solchen Zwietracht, mit der ferneren Möglichkeit, für sich und die be­sonderen amerikanischen Interessen dabei im Trüben zu fischen. Gerade edel wäre eine solche Politik nicht. Aber man ist es auch nicht gewöhnt, daß die Politik der Vereinigten Staaten in sehr edler Weise arbeitet, namentlich nicht mehr seit der Zeit der sogenannten imperialistischen, das heißt also der neuen Eroberungspolitik, die die beiden „angel­sächsischen Vettern" diesseits und jenseits des Atlantischen Meeres gleichzeitig sich zur Richtschnur genommen haben. Außerdem steht man aber, wie bekannt, in Amerika vor der Präsidentenwahl; und im Hinblicke auf diese möchte Herr Mac Kinley auch in der Behandlung der China-Frage doppelt vorsichtig sein, um seine demokratischen Präsidentschaftsgegner nicht unnöthig zu ärgern und auf der anderen Seite auch seins Freunde sich warm zu halten.

Die Haltung der Amerikaner kann man also, obwohl ihre Beweggründe nicht offen zu Tage liegen, begreifen, d. h. wenn man sich selbst auf den amerikanischen Standpunkt stellt. Aber die Zumurhung, daß auch Deutschland diesen amerikanischen Standpunkt theile, müssen wir Deutschen entschieden ablehnen, ganz ab­gesehen davon, daß er ein beinahe kindlicher Ge­danke ist, der chinesischen Regierung selbst die Bestrafung der Uebelthäter überlassen zu wollen. Zu den Haupträdelsführern in der Fremden­schlachterei gehören bekanntlich die Kaiserin- Wittwe selbst und neben ihr der kaiserl. Prinz Tua»; wie kann man annehmen, daß die kaiser­liche Regierung von China mit der Bestrafung an ihrem eigenen Leibe beginnen würde? Die chinesische Regierung würde einige hundert arme Tröpfe hinrichten lassen, die in ihrer Theilnahme an den Fremden - Verfolgungen nur auf höheren Befehl gehandelt haben; die eigentlichen Anstifter aber würden höchst wahrscheinlich sammt und sonders straffrei ausgehen.

Außerdem muß immer und immer darauf hingewiesen werden, daß Deutschland be-

Die Aerle von Ikorenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

sah es der Dame an, es war ihr gar nicht so leicht ums Herz, denn hier und da entfloh ein schwerer Seufzer ihren Lippen.

„Und nun, meine Kinder, thut, was ich Euch sagte. Ihr müßt der Mama fteundlich entgegen gehen, ihr artig die Hand geben, fie muß jetzt bald da sein; dann kommt auch Väterchen wieder zurück, freut Ihr Euch denn nicht darauf?"

»Ja, ja!" riefen die Kinder wie aus einem Munde.

„Könnt Ihr denn das VerSchen, das ich Euch gelernt habe, auch ganz gut?"

„Ja, Großmama."

„Ich hab' Dich lieb, mein Mütterlein, will auch immer artig sein!" deklamirte die Kleine mit allerliebster Wichtigkeit.

„Und Du, Leonie?" mahnte die Großmutter.

„Schließ mich in Dein Herze ein, will Dich immerdar erfteu'n!" klang eS kindlich rührend von den Lippen des älteren Mädchens.

Der Garten mit dem Haus lag bereits in Dämmerung gehüllt, als Haus Reinhold seine junge Frau sorgsam am Arme führend, den breiten Kiesweg entlang auf das Haus zuschritt. In dem geräumigen Eckzimmer, das als Empfangssalon diente, brannte die mächtige, von der Decke herabhängende Lampe, in großen Basen dufteten herrliche Rosenbouquets, daS ganze Zimmer trug ein vornehmes Gepräge.

sondere Genugthuung zu fordern hat für die Ermordung seines Gesandten. Deutsch­land hat deswegen um so mehr das Recht, zu fordern, daß die Frage von der Bestrafung der Rädelsführer in den Vordergrund und nicht an daS letzte Ende der Verhandlungen mit Li-Hung Tschang und dem Prinzen Tsching gestellt werde. Das ist aber nicht nur Deutschlands gutes Recht; daS gebieten auch die Gesetze der poli­tischen Klugheit, wenn man überhaupt an der Bestrafung der Hauptanstifter festhalten will. Außerdem müssen die Chinesen dadurch, daß diese Bestrafung zur Hauptsache gemacht wird, den lebendigen Eindruck erhalten, daß ähnliche Vorgänge wie im Sommer dieses Jahres nie­mals sich wiederholen dürfen ohne die aller­schwerste Bestrafung der Schuldigen. Kurz und gut, sehr viele Gründe sprechen für den deutschen und gegen den amerikanischen Vorschlag, und man kann nicht nur im deutschen, sondern im ganz allgemeinen Kulturintereffe gar nicht drin­gend genug wünschen, daß der amerikanische Vor­schlag den Beifall der Mächte nicht finden möge.

Strenge gegen die Chinesen bedeutet Unter­stützung und Förderung der allgemeinen Kultur. Hebel angebrachte Nachsicht und Schlaff­heit aber würden für sehr lange Zeit hinaus das ganze Kulturwerk in China von neuem in Frage stellen, und das würde nicht etwa nur zu bedauern sein in dem Sinne unserer und der anderen europäischen Mächte besonderer Inte­ressen, sondern auch im Interesse der Hunderte von Millionen Menschen, die die Bevölkerung des Reiches der Mitte bilden. Diese Hunderte von Millionen leiben entsetzlich, ohne baß sie es selbst wissen, schwer unter der schauerlichen Miß­regierung der herrschenden chinesischen Dynastie. Später werden sie einmal den fremden Mächten aufrichtigen Dank wissen dafür, daß diese mit rauher Hand, aber in bester Absicht in das Wespennest hineingegriffen haben. Nicht nur eigenes politisches Interesse, auch der höhere Ge­sichtspunkt der Förderung der allgemeinen Kultur erfordert unbedingt ein festes und strenges Ein­greifen der europäischen Mächte!

Deutsches Keich.

Berlin, den 24. September.

ft, Die neue Aeichsemkeihe ist nunmehr auch an der Berliner Börse zum Börsenhandel zugelaffen. Diese Anleihe beträgt bekanntlich 80 Millionen in vierprozentigen Schatzanweisungen. Ob es lange dauern wird, bis eine weitere Reichsanleihe für China das Licht der Welt er­blickt? Börsenblätter reden, wie wir gestern mel­deten, schon jetzt von der Wahrscheinlichkeit, daß bald eine weitere Anleihe in noch höherem Be­trage, 100 bis 120 Millionen, nachfolgen werde, und daß diese dann in Deutschland selbst begeben werden solle. Recht nette Aussichten!

+ Die Arügekllrafe für Aohheitsver- vreche« ist während der letzten Tagung des Reichstages ausführlich besprochen worden an­läßlich einer Petition aus Westdeutschland, die die Wiedereinführung dieser Strafart forderte. Gegen eine starke Minderheit ist die Petition abgelehnt worden; das Centrum hat unter der

Die alte Dame eilte, an jeder Hand eines der Kinder führend, den Angekommenen entgegen.

Die beiden Mädchen eilten mit einem Jubel­ruf auf den Vater zu, er hob eins nach dem andern empor und küßte es innig. Er wollte die Kleinen sodann seiner jungen Frau zuführen, doch die Kinder sträubten sich dagegen nach Leibeskräften.

„Laß nur — laß sie doch — ich bin müde," sagte Anita gelangweilt, ohne die Kinder auch nur zu beachten.

Hans Reinhold wußte eigentlich nicht recht, was er machen sollte, es that ihm weh, daß Anita den Kleinen nicht einmal die Hand reichte. Auch seine Mutter hatte dieselbe Empfindung. Anita berührte nur flüchtig die bargebotene Rechte der alten Frau, die mit bewegtem Herzen der neuen Schwiegertochter und dem geliebten Sohn den Willkommgruß entgegenbrachte. Ja, fast wollte es ihr scheinen, als ob um die vollen Lippen der jungen Frau ein spöttisches Lächeln spielte bei dem au8 tiefsten Herzen kommenden Segensspruch: „Wge Gott Euren Eintritt segnen viel tausendmal!"

Die alte Dame wollte die Frau ihres Sohnes mütterlich liebreich an ihr warmschlagendeS Herz ziehen, doch — es blieb bei dem Versuch. Anita entzog sich durch eine rasche Bewegung der ihr zugedachten Liebkosung.

Die Matrone fühlte sich erkaltet biS ins Herz.

Die Kinder waren selbst durch das liebevolle Zureden der Großmutter nicht zu bewegen, Anita auch nur die Hand zu reichen. Scheu und ängst- lich schmiegten fie sich an die alte Dame. Das

Führung deS Abg. Gröber in seiner großen Mehrheit gegen die Wiedereinführung der Prügel­strafe gestimmt. Vermuthlich wird derselbe Gegen­stand den Reichstag auch in seiner bevorstehenden Tagung beschäfttgen; jedenfalls geht in West­deutschland wiederum eine Petttion rund, die auf die immer mehr zunehmende Zahl der empörendsten Rohheitsoerbrechen hinweist und auf die immer schrecklichere sittliche Verwilderung, die dabei zu Tage tritt. In der Petition wird gleich ein fertiger Gesetzentwurf vorgeschlagen; danach wollen die Petenten in zwei neuen Paragraphen des Strafgesetzbuches (§ 26a und 26b) verordnet wissen, daß die körperliche Züchtigung bestehen soll in Hieben mit einer Lederpeitsche, bis höchstens 25, und daß sie als Strafe selbständig oder neben der Gefängniß-, Haft- ober Zuchthausstrafe verhängt werden soll. Dies soll nach dem Vor­schläge der Petttion nur bann geschehen, wenn „bie sittliche Rohheit des Thäters in besonbers auffallenber unb verletzenber Weise hervortritt". Daß bie Zahl derjenigen, bie bie Wiedereinführung der Prügelstrafe für Rohheitsverbrechen wünschen, in der Zunahme begriffen ist, kann nicht geleugnet werden.

X Die gewervttche Beschäftig««- vo« Schulkinder« findet in Deutschland noch immer in ganz umfangreichem Maße statt. Nament­lich in einer Reihe von Großstädten, vor allem in Berlin, wird noch immer ein schauderhafter Mißbrauch getrieben in der Ausbeutung der kinblichen Arbeitskraft. Neuerdings ist in Berlin eine Verordnung dagegen ergangen; aber auch diese Verordnung bezieht sich nur auf Kinder unter 10 Jahren unb schließt nicht einmal bereu gewerbliche Ausnützung vollkommen aus. Die jungen Geschöpfe aber, bie bas zehnte Lebensjahr Überschritten haben, ftnb in Berlin nach wie vor schutzlos gegen bie Übermäßige Ausnützung beim Austragen von Zeitungen unb Gebäck in frühester Morgenstunbe und gegen bie Ausbeutung in Gastwirthschasten, beispielweise zum Kegelaufsetzen, biS über Mitternacht hinaus. Es ist beshalb mit lebhafter Freude zu begrüßen, baß nun enblich im ReichSamte deS Innern Vorschläge aus- gearbeitet werden, bie eine gleichmäßige Regelung ber gewerblichen Kinderarbeit außerhalb der Fa­briken ins Auge fassen. Zu den Vorberathungen über diese Vorschläge sind als Mitberather die preußischen Minister für Handel und Unterricht hinzugezogen worden. Es heißt, die Reichs­regierung werde im Reichstage bestimmte Vor­schläge machen zur reichsgesetzlichen Regelung des Kinderschuhes. Nothwendig, äußerst nothwendig, ist das bereits seit langer Zeit. Leider sind wir schon recht abgehärtet dagegen, daß manche Maß­regel auf sozialpolitischem Gebiete immer und immer wieder verschoben werden, trotz brennender Bedürsniffe. Hoffentlich täuscht die Nachricht nicht auch hier wieder.

* Mieder ei« «e«e» Gewehr? In mili­tärischen Kreisen ist seit einiger Zeit die Ansicht verbreitet, daß ber modernen Kriegsführung auch das neuoerbefferte Infanterie Gewehr nicht genüge und daß an eine Neuerung gedacht werde. Es ist, so schreibt die.Freisinnige Zeitung', Thatsache, daß in den verschiedenen militärtechnischen Anstalten Versuche mit Heineren Gewehrkalibern vorgenommen werden. Allerdings soll, wie wir

Berschen, das die Großmutter sie gelehrt, sprachen sie wohl, aber Anita beachtete es gar nicht. Mit halbgeschlossenen Augen lehnte sie sich bequem in die Polster des Sophas und gähnte mehrere Male, so daß es selbst auf ihren Gatten peinlich zu wirken begann.

„Ich begreife die Kinder gar nicht, Mutter," sagte Reinhold, die Stirne runzelnd.

„Laß sie nur," bemerkte Anita leichthin und spöttisch. „Man wird ihnen vor mir Angst ge­macht haben. Wer weiß, was man ihnen alles erzählt hat. Kinder find ja leichtgläubig, und gern zur Frucht geneigt."

„Da sind Sie doch sehr im Jrrthum," ver- theidigte sich Reinholds Mutter. Die sonst so sanfte Stimme klang etwas gereizt.

„Ich sagte ja nicht, daß Sie eS waren, die den Kindern Furcht eingejagt, es kann ebensogut Jemand anders gewesen sein; wenn Sie sich durch meine Worte getroffen wähnen, fo ist es nicht meine Schuld," spöttelte Anita.

Die alte Frau fühlte sich tief verletzt.

„Ein Kinderherz ist ein gar eigenes Ding," begann fie mit leicht bebender Stimme von Neuem. „Es liebt nur da, wo es stch geliebt weiß. Will man sich das Zutrauen eines Kindes erringen, so muß man ihm vor allen Dingen fteundlich und herzlich entgegenkommen. Man muß um das Heine Herz ordentlich werben. Wenn eS aber einmal Vertrauen gefaßt hat, dann liebt es auch Überschwänglich, und man heimst den schönsten Lohn für die kleine Mühe ein."

Um Antta'S Lippen zuckte es schon wieder.

„WaS werde ich alles lernen müssen, um

erfahren, bisher keins derselben derart befr iebigt haben, daß es für „einführbar" erkannt worden wäre.

Berlin. Der Kaiser hat enbgiltig für bett 13. unb 14. Oktober feinen Besuch in Barmen-Etberfelb zugesagt. — Nach einer Meldung auS Kiel find bie E r- satzmannschaften für bie gefallenen unb verwunbe- ten Seesolbaten heute Bormittag nach China abge­gangen. - In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß im nächsten ReichShaushaltsetat nicht uner­hebliche Beträge für Kabel werben geforbert werben. Auch soll bie Position für Anlegung eines Docks in Tsingtau in diesem Etat erscheinen. — Aus zuverlässi- ?,er Quelle verlautet, baß bie Borarbeiten für das Ge- etz betreffend bie Besteuerung des inländischen Schaum­weins vollständig beendet find. Es wird angenommen daß der Gesetzentwurf schon im November den Reichs­tag beschäftigen wird. — Im ReichSamte des Innern besteht die Absicht, bei dem in diesem Jahre vom Bundes- rathe und Reichstage beschloffenen Gesetze, betreffend die Fleischbeschau und Echlachtviehverstcherung, die bezüglich des Inlandes gegebenen Bestimmungen erst im Frühjahr 1901 in Kraft treten zu lassen. — Die gestern in Allenstein abgehaltene Generalversammlung des Ver­eins der Drucker und Zeitungsverleger von Ost- und Westpreußen nahm einstimmig eine Resolution an betreffend Erhöhung der Abonnementspreise vom 1. Januar 1901 ab; motivirt wird die Er­höhung mit der Steigerung des Preises deS Druck- papieres um 40 bis 45 Prozent und mit dem neuen Posttarif.

* München, 24. Sept. Heute Nachmittag 4 Uhr würbe bahierber fünfte internationale Kongreß katholischer Gelehrten in Gegenwart bes Prinzen Lubwig, bes Prinzen unb ber Prinzessin Ferbinanb, bes Prinzen unb ber Prinzessin Bourbon, bes Prinzen unb ber Prinzessin Paul von Mecklenburg, bes päpstlichen NunttuS, bes Kultusministers, beS Erzbischofs von München, bes Bischofs von Augsburg, beS Bürgermeisters Borscht feierlich eröffnet. Ansprachen hielten Professor Trauert, ber gewählte Präsibent be Lapparent (Paris), NunttuS Sambucettt Namens bes Papstes, Kultusminister v. ßanbmann Namens ber Staatsregierung in sorgfältig abgewogenen Wenbungen ohne politische Anspielung, ber Hochw. Erzbischof von München-Freising unb ber Bürger­meister Borscht als Vertreter Münchens. Die Be­grüßung war überaus warm unb würbe mit stürmischem Beifall ausgenommen. Die Hochw. Erzbischöfe von Köln, Bamberg unb Mailand begrüßten ben Kongreß telegraphisch.

A«»Lavd.

ft Amsterdam, 24. Septbr. Präsibent Krüger von Transvaal wirb in Holland mit allen Ehren empfangen werden, bie einem StaatSoberhaupte zukommon. DaS ist nicht nur für Herrn Krüger persönlich wichtig, fonbern hat auch eine politische unb grundsätzliche Be­deutung. Denn wenn man Herrn Krüger jetzt noch als Staatsoberhaupt empfängt, bekundet man damit, daß man bie Annektion ber beiden Burenrepubliken durch die Engländer gar nicht als rechtmäßig anerkennt. England hatte in amtlicher Form Widerspruch gegen diese Ehrung KrÜger'S erhoben. Aber die Holländer sind von anderem Schlage als bie schlaffen Portugiesen unb haben ganz einfach geantwortet, England möge nur feinen Widerspruch aufgeben, sonst werde bie Regierung ber Niederlande ganz ein­fach darüber hinweggehen und Krüger dennoch fo empfangen, wie es dem Oberhaupte eines anerkannten Staatswesens gebührt. Das ist eine

eine musterhafte, deutsche Hausfrau zu werden," sagte sie.

Es sollte Herzhaft klingen, aber bie Worte bargen einen geheimen Stachel. Reinhold sah seine Frau befremdet an. Er kannte diesen Ton gar nicht an ihr. Wo war bie mädchenhafte Schüchternheit geblieben, bie ihn immer so ent­zückte? Anita hatte sich sehr verändert. Es war ihm schon während der Reise aufgefallen.

„Gelt, Großmama, bie neue Mama hat uns gar nichts mitgebracht?" äußerte die kleine Hed­wig leise, indem sie die alte Frau am Kleide zupfte.

„Frage sie doch selbst," ermunterte diese das Kind.

Doch dasselbe schüttelte ben blonben Kopf.

Leonie, bie Aeltere, bie das leise Geflüster gehört hatte, kam zu tijrem Vater unb legte bie Händchen auf fein Knie.

„Was hast Du denn für uns mitgebradjt, Papa?"

Herr Reinhold gerieth einigermaßen in Ver­legenheit. Er hatte eS ganz unb gar vergessen in feinem übergroßen Glück.

„Ich habe Euch doch bie Mama mttgebracht. Ihr müßt fie jetzt recht lieb haben, bann schenkt sie Euch etwas."

„Ach bie, ich mag fie gar nicht!" rief die Heine Hedwig dazwischen.

Die Großmutter drückte erschrocken ihre Hände auf ben kleinen vorwitzigen Mund.

Antta war ein wenig roth geworden, offenbar ärgerte sie sich über daS Kind, das fo ungenirt seine Meinung äußerte.