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27. JahrgMg.
IuLöa, Montag, dm 24. September 1900.
JS219.
. Deutsches R^ch*
Berlin, den 22. September.
ft Ileichskanzker Fürst AohenkoHe wird demnächst noch einmal Berlin für einige Wochen verlassen, vermuthlich in der Mitte des Monats Oktober. Anderweite Meldungen, daß der Kanzler von Krankheitsanfällen heimgesucht sei, werden als unzutreffend bezeichnet.
Fulda und auS- wärt, 1 «SO Pf.
erscheint täglich, «.Ausnahme der Sonn- u«b Feiertage. «ierteljährl. 8e,n,,pr»i»
so weit her seine zweite Frau hole, er, dem in der Heimath keine Thür verschlossen worden wäre, er mochte anklopfen, wo er immer wollte.
„Mögest Du recht gewählt haben, mein Sohn! Gott gebe dar Beste, seinen Segen flrhe ich auf Euren Bund herab!" schrieb sie. — Doch nun, kehre bald zurück, die Kinder ftagen täglich nach Dir, da» Geschäfts die Arbnter - alleS braucht den Herrn. — Mögest Du glücklich
Hans Reinhold las eS mit feuchten Augen.
Etwas fernab von dem großstädtischen Leben und Treiben Hamburgs befand sich bas an der Außenalster gelegene, 'm modernen Villenstil erbaute Wohnhaus HanS Reinholds. Schon dem. Eintrttt in den großen, wohlgepflegten Garten, wo breite, fauber gehaltene Kieswege von bem Ordnungssinn der Bewohner sprachen, merkte man eS, daß Wohlhabenheit und guter Geschmack
^Das^ hell getünchte HauS, daS gar anmuthig zwischen den Bäumen h«°orlugte machte einen durchaus anheimelnden Eindruck. A«dem Tage wo der Besitzer mit seiner zungen Frau erwartet wurde, sah es besonders f-Mch au^ Eine Guirlande, auS Blumen und frsschem Grün gewunden, schmückte die eiserne Eingangspforte, während das Haus selbst mit Blumen und Kränzen fast überreich geziert war. «n alter weißhaariger Mann war noch eifrig bemüht, über der HauSthüre, zu der ein paar.Sandsteinstufen emporführten, ein leuchtender „Willkommen anzubringen.
äX Sozialdemokratie und Landtagswahlen.
Der mit starker Mehrheit gefaßte Beschluß des sozialdemokratischen Parteitages in Mainz, an den Landtagswahlen sich zu betheiligen, ist einer genaueren Betrachtung werth. Denn er bedeutet thatsächlich einen Bruch an alten Überlieferungen der Partei, an denen zu rütteln ehedem geradezu als eine Rebellion gegen die sozialdemokratische Parteizucht angesehen worden wäre. Man muß nur bedenken, daß durch den neuen Mainzer Beschluß geradezu der Grundsatz aufgestellt ist, daß die Sozialdemokcatte an diesen Wahlen, die nach deN bekannten drei Vermögensklaffen vorgenommen werden, pflichtmäßig sich zu betheiligen hat; und daS ist genau das Gegentheil des früheren Grundsatzes, nach dem die Sozialdemokratie sich ebenso bestimmt von einer Theilnahme an dieser Dreiklaffenwahl, die ja auch in öffentlicher Stimmabgabe vorgenommen wird, zu enthalten hatte. Der Hauptvertreter des alten Grundsatzes war Wilhelm Liebknecht. Nun Liebknecht tobt ist, ist man schnell genug über ihn und die Lehren der Alten zur Tagesordnung übergegangen; und sein nächster Freund und engerer Gesinnungsgenosse Bebel ist es gewesen, der selbst den Antrag gestellt hat, die Neuerung einzuführen.
Nach den ftüheren Wahlgrundsätzen der Sozialdemokratie galten alle bürgerlichen Parteien als eine geschloffene „reaktionäre Masse". Die Sozialdemokratie stellte sich auf den Standpunkt, ober gab es doch wenigstens vor, daß es ihr ganz glerchgiltig fei, ob in den preußischen Landtag Freisinnige, Eentrumsmänner ober Konservative gewählt würben. Ost genug hörte man ogar den Ausspruch, die Wahl von Konservativen ei den „Genossen" lieber, als die Wahl von Leuten aus den liberalen Mittelvarteien. Denn e mehr sich das Zünglein der Mehrheit auf die konservativen zuneigte, desto eher, so meinte man, müßte es zu dem ersehnten und von Herrn Bebel schon für das letzte Jahrzehnt dieses zur Neige gehenden Jahrhunderts prophezeiten „großen Kladeradatsch" kommen. Die Prophe- zriung vom „großen Kladeradatsch" ist zum alten Eisen gewandert und ihre Erfüllung auf die nächsten hundert Jahre verschoben worden, und da er nicht mehr erwartet wird, hält man eS nun für besser, auch an der Dreiklassenwahl mit ihrer öffentlichen Stimmabgabe sich zu betheiligen. Nur bann soll Wahlenthaltung erfolgen, wenn „mit Sicherheit anzunehmen ist, baß in Folge bet öffentlichen Stimmabgabe Maßregelungen zahlreich eintreten werben".
Nach der ganzen Lage der Dinge und nach der Art der Stimmabgabe bei der preußischen Landtagswahl ist es so gut wie ausgeschlossen, daß die Sozialdemokratie dabei aus eigener Kraft Mandate gewinnt. Bei ihrer Wahlbetheiligung ist sie vielmehr, und das ist grundsätzlich das Bedeutsamste dabei, der Hauptsache nach aus gemeinschaftliches Handeln mit anderen Parteien verwiesen; und Herr Bebel hat in der Begründung seines Antrages nicht einmal gesagt, daß die Wahlbetheiligung der Sozialdemokratie auf der Erreichung sozialdemokratischer Mandate beruhen müsse Man wird also auch vielfach für frei
sinnige ober gar für nationalliberale Wahlbewerber eintreten, um biefen gegen einen Konservativen oder gegen einen Centrumsmann zu helfen, nur also, um zwischen zwei Uebeln das kleinere zu wählen, ein Wahlgrundsatz, der ehedem eine vollkommene Unmöglichkeit bei bett Sozialdemokraten gewesen wäre. In welchen Fällen die Sozialdemokraten Wahlbewerber mit bürgerlichen Parteien zu schließen ober bürgerliche Wahlmänner oder Kandidaten zu unterstützen haben, bestimmt nach dem Mainzer Beschlüsse die Parteileitung. Die Parteileitung gewinnt dadurch eine weitere Machtbefugniß innerhalb der Partei als Hauptwahlkomitee für die Landtagswahlen im ganzen preußischen Staate mit absoluter Entscheidungswillkür.
Einige freisinnige Blätter sind des Jubels voll über diesen Mainzer Beschluß. Sie sehen im Geiste schon eine ganze Schar von sreisinnigen GtsiinungsgenoffeninbaspreußischeAbgeordneten- haus einziehen, in bem sie jetzt bekanntlich nur noch spurweise Vorkommen, gestützt auf sozialdemokratische Krücken. Die Sozialdemokratie soll sich schon wieder einmal recht gründlich „gemausert" haben und beinahe selbst schon zur bürgerlichen Partei geworben sein. Die Herren schwärmen von der Zurückbrängung anberet Parteien durch bas „freiheitliche Bürgerthum" durch die Hilfe der Sozialdemokratie — als ob diese sich das ruhig lange Zeit gefallen lassen würde, als freisinniges Stimmvieh mit zu marschiren, ohne entsprechende Gegenleistungen zu erhalten! Die Masse der Genossen wird sich sicherlich nicht lange in dieser Weise ausnütz »v lassen; und es ist noch sehr die Frage, ob sie gleich bei der ersten Probe Stich halten und allgemein dem Mainzer Beschlüsse Folge leisten wird. Im übrigen aber ist das Gerede von einer neuen bedeutungsvollen Mauserung der Sozialdemokratie Unsinn. Auch mit dem Mainzer Beschlüsse ist sie genau ebenso gefährlich wie vorher, vielleicht noch gefährlicher, weil sie durch diesen Beschluß aufs neue darge- than hat, daß sie immer mehr geneigt wird, alte Grundsätze der offenen Verneinung aufzugeben und dafür eine Taktik einzuschlagen, die es ihr gest rttet, mehr im Dunkeln zu fechten. Eine polternde Sozialdemokratie von der Tonart des verstorbenen alten Liebknecht ist leichter zu bekämpfen, als die auf Filzsohlen daherschleichende „Schutztruppe der Börse" unter dem Oberbefehle der angeblich „gemauserten" Parteigrößen der jüngsten Zeit, bei denen die Zwecke Mittel heiligen. Die noch vorhandenen geringen Reste der freisitnigen Partei aber werden bald genug gewahr werden, daß die neue Wahltaktik der Sozialdemokratie darauf berechnet ist, auch diese letzten Reste ihrer politischen Vorfrucht allmählich in sich selbst mit wohlgefälligem Schmunzeln aufzunehmen.
„Du bist eben ein schüchternes, kleines Mädchen." tagte Hans zärtlich.
Doch Leo hatte bas Gefühl, als ob es etwas burchaus Anderes wäre, waS Anita zurückhielt. Er wußte selbst nicht, wie es kam, aber er fühlte sich nicht besonders zu Anita hingezogen; in ihrem ganzen Wesen war etwas wie Scheu, ihm kam es vor, als wenn die zur Schau getragene Hingabe nur Schein wäre, als ob sih dahinter etwas ganz Anderes verberge. Ihre Blicke waren unruhig und flackernd. Doch so schüchtern, wie Hans meinte, war Anita nicht, daS stand fest. Aber Leo vermied es, sich über feine Wahrnehmung und Ansicht zu äußern.
„Sagen Sie selbst", begann Anita wieder, sich an Leo wendend, „ist es nicht ein ungeheures Opfer, daß ich dies Alles hier verlassen soll, um eines Mannes willen? — Ist er denn eines solchen Opfers werth ?" fügte sie mit schelmischem Lächeln bei.
„Er ist es. Sie haben den besten, edelsten Mann für sich gewonnen, er hat ein Herz wie Gold, Sie dürfen stolz auf ihn fein", antwortete Leo warm.
„Das bin ich auch, der blonde Rese hat es mir 'angethan, er hat mir gleich riesig imponirt, als ich ihn das erste Mal sah. Solch interessanten Mann hatte ich nie kennen gelernt, so etwas gibt es bei uns nicht", lachte Anita und zupfte ihrem Verlobten neckisch am Bart.
„Ich hoffe. Du wirst eS nicht bereuen, meine Anita", sagte Hans einfach. „Was an mir liegt, soll geschehen. Dich glücklich zu machen. Ich werbe mich bemühen, Dir Deine schöne
lefttelt: Die ein« spalt, darmonb« »eilt oder deren Raum IbPfa.,Reklamen die Prtit- zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
4- Der Ileichsiag wird also höchst wahrscheinlich auch in diesem Jahre nicht eher zu- ammentreten, alS in den Jahren vorher. DaS st bas Ergebniß der langen Auseinandersetzungen in den Blättern aller Parteien. Leiber steht nicht nur dieses Ergebniß fest; gleichzeitig sind offiziöse Federn eifrig an der Arbeit, um die Oeffentuch- : leit und den Reichstag selbst daraus vorzubereaten, daß er auf höchst wichtige Vorlagen genau ebenso ange zu warten haben wird, wie in den letzten Jahren vorher. „Die Arbeiten an der Revision !>er Krankenversicherung — so läßt sich ein Offiziosus in der ,Berl. Pol. Nachr/ vernehmen — tonnten noch nicht so weit gefördert werden, daß ihr Abschluß abzusehen ist . . . ES ward wohl von dem Gange der Arbeiten im Reichstage ab- ! längen, ob es als zweckmäßig angesehen werden bnn, eine so umfangreiche Vorlage noch in einem pätern Stadium der Tagung überhaupt einzu- -ringen". Es ist mehr als naiv, schon im voraus der Rnchstag verantwortlich machen zu wollen dafür, daß die Regierung der Vorarbeiten ur Krankenversicherungs-Novelle nicht im er« orderlichen Maße gefördert hat. Außerdem aber wird man sich augenscheinlich auch sehr lange gedulden müffen, bis daS neue Zolltartfgesetz an den Reickstag gelangen wird; nach der halbamtlicken A lkündigung „taffen sich weder der Abschluß der Vorarbeiten noch die Dauer der Berathungrn im Bundesrathe schon jetzt Überehen". Außer dem China-Material wird also der Reichstag zunächst wiederum nur dre Vorlagen zweiten Ranges erhalten, als da sind die Gesetzentwürfe über die Regelung des privaten Versicherungswesens, über das Urheberund Verlagsrecht, die bereits bekannte Seemann sordnung u. s. w., und erst nachher, wenn schon bei den Mitgliedern deS Reichstages die Sehnsucht nach der Heimath immer stärker tu werden beginnt, die Hauptsachen. Das kann unmöglich zur Erhöhung der Parlamentsfreudigkeit beitragen, im Gegentheil diese nur noch weiter abschwächen. Die ReichSregierung sollte doch endlich einmal mit diesem vollkommen verunglückten System der Eintheilung der ReichStagSarbeiten brechen; denn es liegt kein Grund vor zu dem Argwöhne, daß sie absichtlich auf die Ermüdung des Reichstages hinarbeüe. In ihrem Jntereffe liegt das wenigstens keineswegs. Denn je schwächer der Reichstag im ganzen besucht ist, desto stärker ist erfahrungsgemäß verhältnißmäßig die äußerste Linke mit ihrer grundsätzlichen Verneinung.
* Eine zweite Khina-Aukeihe soll bevorstehen und zwar soll eine 31 h prozentige Anleihe im Betrage von 100 bis 120 Millionen Mark in Deutschland selbst ausgenommen werden. Die Verhandlungen hierüber sollen mit den deutschen Banken bereits eingeleitet sein. Die deutschen Steuerzahler, welche die 4 Prozent für die Yankees aufzubringen haben, sollen also für das Geld, das sie selbst dem Reiche borgen, mit 3'/, Prozent abgeschifft werden.
h Die preußische-Manak Dorkag- soll „so gut wie vollendet sein", versichert die.Nationalliberale Korrespondenz'. Man begreift nicht recht, was damit gemeint ist; denn, wie allgemein feit der preußischen Thronrede im Januar d. I. bekannt, diese Vorlage ist doch fertig schon seit j-ner Zeit. Sollte sie etwa eine abermalige Erweiterung erfahren haben? Fast sollte man Heimath nicht allzu fthr vrrmiffen zu lassen. Meine Verhältnisse gestatten mir, Dir irden Wunsch zu erfüllen, mein Vermögen ist groß genug, Dir das Leben so angenehm als möglich zu gestalten, ich sprach Dir bereits davon mein Liebling."
„Und schön ist es bei uns in Hamburg auch, nicht Leo? fügte er mit aufleuchtendem Blick hinzu, indem er sich an den Freund wendete.
„Ob e» bei uns schön ist!" rief dieser begeistert „O ich möchte mit keiner andern Stadt tauschen! ES ist ja wahr, Jedem ist seine Vaterstadt an- Herz gewachsen, aber ich meine, so schön wie bei uns ist es nirgends, selbst hier nicht! Wenn ich eine Reise gemacht habe und ich kehre heim und sehe die liebe alte Stadt mit ihren Thürmen, ihren ehrwürdigen Gebäuden, ihren schmalen und breiten Gaffen und Gäßchen vor mir liegen, da möchte ich die Arme aus- breiten und sie an mein Herz ziehen, die liebe, liebe Stadt, an die sich für mich die Erinnerungen einer glücklich verlebten Jugend knüpfen. Stolz und erhaben liegt sie da, die alte Hansastadt, ein Bild kraftvollen Lebens und Gedeihens! — Prost, — unsere Heimath, unser schönes Hamburg soll leben, — hoch!" —
Er ließ sein Glas an die beiden anderen an- klingen und leerte es auf einen Zug. Hans Reinhold lächelte über den begeisterten jugenb= lichen Schwärmer. _ ,
Acht Tage später hielt HanS einen Brt» feiner Mutter in der Hand. Aus den Zeilen der guten alten, stets treubeforgten Frau sprach eine leise Unzufriedenheit, daß ihr Sohn sich
es glauben, wenn man nämlich in dem genannten Organ die weitere Versicherung lieft, daß „die erweiterte Kanal-Vorlage. . . ein vollständiges Wasserbau-Programm für den preußischen Staat darstellt, deffen Ausführung . . . Preußen mit einem System von Wasserstraßen versehen würde, das allen berechtigten Ansprüchen auf lange ZrU hinaus genügen dürste." Leider werden die Gegner der Wafferstraßen desto hartnäckiger werden, \e umfangreicher die Vorlage wird.
X Die Kohleuausfuyr ans Dentschkaud sollte angeblich schon ganz geringfügig geworden ein, so versicherte immer und immer wieder die Presse, die im Interesse der Kohlensyndikate und Kohlenhändler arbeitet. Jetzt stellt sich heraus, daß gerade das Gegentheil wahr ist: aus den beben veröffentlichten amtlichen Auszeichnungen Iber den Außenhandel Deutschlands ergibt ich, daß während der ersten acht Monate >es laufenden Jahres die Koh len aus fuhr aus Deutschland eine starke Zunahme erfahren hat; sie war um l1 /* Million Tonnen größer als während derselben Zeit des Vorjahres. Die Kohleninteressenten, die ortwährend befeuerten, sie wollten die Ausfuhr o sehr wie möglich einschränken, haben also ganz einfach geflunkert. Die Verbündeten Reiterungen aber haben genau ebenso unve^ antwortlich gehandelt und handeln noch ortgesetzt so, indem sie trotz dieser vermehrten TohlenauSsuhr die ermäßigten Frachtsätze für liefe Ausfuhr nicht aufheben. Von Rechtswegen bKte die Kohlenausfuhr aus Deutschland ver- ,oten werden. Damit, daß die Verbündeten Rr- lierungen nicht einmal die Ermäßigung der Frachten nachdemAuSlande aufheben,beweisen si; einbedauerlich geringes Maaß von Interesse und Virstandmß ür die nothwendigsten Bedürfnisse des Volkes.
♦ Ikeischschaugesetz und Fleisch ex Iraki. Bekanntlich tagte in jüngster Zeit der Kongreß der deutschen Naturforscher und Aerzte in Aachen. In der Abtheilung für Hygiene und Bakteriologie sprach u. a. Sanitätsrath Fürst auS Berlin Iber den Stand der Fleischextraktfrage. Es wird über diese Ausführungen folgendes berichtet:
„Der Redner suchte an der Hand der von Jung, König und Bömer gemachten Unternehmungen darzulegen, daß der auf der letzten Naturforscherversammlung in München von Bremer behauptete Gehalt des Lrebrgschen Fleischertraktes an wasserlöslichem Eiweiß, der diesem Präparate einen Mhrwerth beilegen könnte, r r r- thümllchist. Jedenfalls hat sich der angebliche Gehalt an Albuminosen alS so geringfügig erwl-sen, daß er gleich Null bezeichnet werden kann. Dieser ist vielmehr Leim und Letmsubstanzen ,uzuschretben,diebeiderFabri- kation auS den nicht ganz zu trennenden kleinen Sehnen und aus dem interfibrillärm Bindegewebe herrühren und zu etwa sechs bis zehn Prozent im Fleischextrakt vorhanden find. DaS Fleischextrakt HM also nach wie vor keinen Anspruch auf Nährwerth, sondern ist infolge seines GehaltS an Extraktivstoffen und SÄ,en lediglich alS anregendes Genußmittel anzusehen. Redner knüpfte hieran folgende Schlußsätze: ES ist bedauerlich, daß bei den Konsumenten die durchaus unbegründete Annahme erhalten wird, das Fleischextrakt sei ^hrhaft und erhöhe den Nährwerth der damit versetzten Speisen. Auch ist es volkswirthschaftlich zu bedauern, daß durch den koloflalen Import, der dem deutschen Reick- sett 35 Jahren alljährlich Millionen entzieht, daS Fleischergewerbe, bei dem sich der lohnende Absatz des Suppenfleisches verschlechtert, und die Viehzucht, die indirekt darunter leidet, geschädigt werden. Rednn verlang deshalb die Beseitigung der im neuen Fleischschaugesetz dem Fleischextrakt gewährten Ausnahmestellung.
Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.
13 ------ (Nachdruck verboten.)
„Du gehörst ganz und gar mir, nicht wahr?" fragte Anita zärtlich.
„Ja, gewiß, mein Liebling."
„Sage selbst, ist es hier nicht taufend Mal schöner, als in all den Museen und Gallerten mit ihrer dumpfen Luft. Dort ist es so schwül, daß man kaum athmen kann, hier dagegen genießt man den Dust der Blumen, es träumt sich so süß im Schatten der Bäume!"
„Aber Sie könnten uns doch begleiten, Sie wissen ja wohl überall am Besten Bescheid," „warf Leo ein.
„Ah, ein herrlicher Gedanke!" rief Hans dazwischen.
Doch Anita war aufgesprungen. Ihre Augen sprühten förmlich.
„Ich gehe ganz gewiß nicht mit," äußerte sie mit einer trotzigen Bestimmtheit, die zu ihrer bisherigen Sanftmutb in scharfem Widersprach stand.
„Aber rege Dich doch nicht auf," meinte Hans begütigend.
Ein leises Befremden klang aus feiner Stimme. Anita hörte es, und sofort veränderte sich ihr Ton.
„Warum soll ich mir denn mit diesem Herum - laufen müde Füße machen?" sagte sie sanft; „ich bin das Gewühl der Stadt nicht mehr gewöhnt, ich liebe die Ruhe nnb Stille meines Gartens, hieltst es mir am wohlstcn."
FuKmerMIettung
mit Anlerhaltungs-Meifage „Illuürirte Sonnlags-Ieilung