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§futoa, Freitag, den 21. September 1900.

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27. Jahrgang.

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Bom sozialdemokratischen Parteitage.

Der sozialdemokratische Parteitag ähnelt seinem Vorgänger von 1899 in einem allgemeinen Punkte sehr, nämlich darin, daß er fürchterlich langweilig ist. lieber längst bekannte Dinge und über sehr gleichgiltige Sachen werden übertrieben lange und über die Maßen viele Reden gehalten, und schließlich werden die meisten der versammel­ten Herren Genoffen bei sich in ihrem Innern denken, daß das dsch meistens „Quatsch" ist, wie sich eine der Genossinnen in der sozialdemo­kratischen Frauenversammlung ausdrückte, mit der der Parteitag diesmal anfing. Diese Frauenversammlung war nun freilich etwas Neues und nicht ganz ohne Humor. Namentlich die herrliche Ausdruck-weise und Forderung einer strammen Genossin aus Hamburg, daß man den Männern den Begriff „Weibchen" abgewöhnen müffe und an deffrn Stelle den derben Begriff „Weib" angewöhnen müffe, mag sich recht lustig angehört haben und ist in den Berichten auch recht lustig zu lesen. Aber auf diese lustige Wirkung werden es die Herren Veranstalter dieser Frauenversammlung schwerlich abgesehen haben.

Man hatte vielleicht gehofft, durch diese weib­liche Vorvcrsammlung einen Blitzableiter zu schaffen für die zügellose Aufgeregtheit einiger der Hauptdamen von dem Schlage der zungenfertigen Frau Zetkin, der blutdürstigen Rosa Luxem­burg uab anderer Heldinnen mehr. Sie sollten sich vorher austoben, damit sie nachher in der Hauptversammlung ruhiger seien. Aber dieses Ziel ist nicht erreicht worden. Der Lärm, den die Rednerinnen des schönen Geschlechte- machten, war deswegen nicht geringer; namentlich bei der Debatte über die neue Organisation der Partei brach der Zorn der Damen fürchterlich los. Diese hatten den Antrag gestellt, daß in den Bundesstaaten, in denen die Theilnahme der Frauen an politischen Vereinen verboten ist, die alte Organisation unter Vertrauenspersonen bei» zubehalten fei. Alles gute Zureden half nichts. Frau Siete aus Hamburg fuhr Herrn Auer, der die erregten Genossinnen beschwichtigen wollte, wüthend an: die Frauen, die bereits Staatsbürger zweiter Klaffe wären, sollten nicht auch zu Ge- nosfinnen zweiter Klaffe herabgedrückt werden und anderes mehr. Stunden lang wurde allein über die Organisation und Betheiligung der Frauen geredet; aber trotz der langen Reden ist nichts dabei herauSgekommen. Die neue Organi­sation ist nicht geglückt, sondern an eine Kom­mission von 25 Köpfen zur Vorberathung über­wiesen worden. Dieser Kommission gehören nun auch die Damen Ihrer, Ziele und Zetkin an, um sich gegen ihre Dregradirung zu Genossinnen zweiter Klaffe zu wehren.

Mit der neuen Organisation der sozialdemo­kratischen Partei wollte sich die Leitung der letzteren vollkommene Herrschaft verschaffen über die ganze Genoffenschaft. Der Parteivorstand soll danach „nach Anhörung der Genoffeu der einzelnen Orte" über die Parteizugehörigkeit entscheiden — nach der Anhörung, also nicht nach den Wünschen der

Die 'Merke von Ikorenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

11 ------ (Nachdruck verboten.)

„Aber eS wirb Niemand seinen stillen Hügel mit Blumen schmücken. Niemand an seinem Grabe ein leiseS Gebet sprechen," meinte Fred unter er­neuten Thränen.

„Oho," — entgegnete Konrad, etwas beleidigt, „da irren Sie denn doch sehr. — Wozu wäre ich denn da? Wollen Sie deutsche Treue und Anhänglichkeit, deutsche Liebe und Freundschaft so sehr unterschätzen? — Ich gebe Ihnen die Versicherung, und mein Wort zum Pfände, dem Grabe Ihres Bruders fall nichts fehlen, — denn — ich werde für dasselbe sorgen."

Konrad hatte feine kraftvolle Gestalt hoch aufgerichtet, er reichte Fred die Hand hin, die dieser hastig ergriff und warm drückte.

„Verzechen Sie mir," bat er, „ich wollte Sie nicht kränken, ganz gewiß nicht!"

Als alles nach dem Wunsche des Verstorbenen geordnet war, reifte Fred ab, um sich von Neuem mit allem Eifer seinen Studien hinzugeben. Ec mußte jetzt suchen, nebenbei durch Stundengeben etwas zu verdienen, nachdem die Quelle, die durch Rolands Freigebigkeit so reichlich geflossen, nun- mehr verstecht war. Mit rastlosem Eifer und ungeheurer Willenskraft verfolgte der fast mittel- lose Student sein fernes Ziel. Manchmal freilich drohte feine Kraft im Kampfe um die Existenz 8« erlahmen; in solchen Stunden konnte er sich von einer gewissen Bitterkeit gegen Roland nicht ganz befreien, und ein grenzenloser Haß gegen

Parteigenossen der einzelnen Orte, vollkommen selbstherrlich. Außerdem aber soll es in Zukunft nicht nur allein heißen: wer nicht parirt, der fliegt hinaus, sondern noch ganz anders: wer nicht zahlt, fliegt auch hinaus. In dem Anträge, der aus der Parteileitung heraus über die Ein­führung der neuen Organisation gestellt ist, heißt eS nämlich, daß nur derjenige als Mitglied der Partei anzusehen sei, der „die Partei dauernd durch Geldmittel unterstützt". Wer also ganz arm ist und nichts zahlen kann, wird da­nach in Zukunft nicht mehr als „Genosse" ange­sehen — ein netter Grundsatz für eine Partei, die doch die Vollkommenheit verkörpern will in der Breite der Volksgrundlage, auf der sie steht, die sich als die Beschützerin, Vertreterin und Retterin der Enterbten aufspielen möchte!

Man fühlt zum Theil innerhalb der Partei selbst ganz gut, daß solche Sachen ganz und gar nicht zu dem paffen, was die Sozialdemokratte sein möchte. Namentlich das Münchener sozial­demokrattsche Blatt, das unter dem Einflüsse des Abg. von Vollmar steht, bezeichnete schon vor der Mainzer Versammlung eine solche Uebertragung von Machtbefugnissen auf den Parteivorstand als durchaus undemokratisch; der Parteivorstand werde dadurch zur„Regierung",zum„Mniisterium"; und Herr Auer, der in der Versammlung selbst gegen diese höchst berechtigte Kritik sprach, konnte kaum etwas Sachliches dagegen vorbringen. Er schützte Parteigehrimniffe vor und behauptete, folche Maßregeln seien „durch die Umstände ge­boten" — sicherlich eine sehr billige Redensart, die keinen der sehr vielen Mißvergnügten befriedigt hat!

Heberhaupt kam auch diesmal wieder der alte Gegensatz zwischen den norddeutschen, namentlich Berliner Genossen und den Süddeutschen zum schärfsten Ausdrucke. Mit vollem Rechte wehren sich die Süddeutschen gegen die Herrschsucht der Berliner, die die ganze Partei nach ihrer Pfeife tanzen lasten möchten, und ein hessischer Partei- mann Namens Ulrich ging gewalttg gegen die Berliner los unter dem großen Beifalle aller an­wesenden Süddeutschen.

Und endlich zeigte sich Herr Singer in dem Lichte besonderer Weisheit. Herr Singer sprach nämlich über „ Welt Politik" an Stelle des ver­storbenen Liebknecht, dem eigentlich diese Rede zugedacht gewesen war. Daß unsere auswärtige Politik dabei nicht gut wegkam, kann man sich ohne weiteres denken. Aber nun hätte Herr Singer uns doch sagen sollen, wie es bester zu machen sei. DaS zu thun hat er sich indessen wohlweislich gehütet. Mit bewundernSwerther Unverfrorenheit erklärte er vielmehr: „Man darf unS nicht fragen, welche Weltpolitik die Sozial­demokratie treiben will. Diese Beantwortung lehne ich ab, bis die Sozialdemokratie im Besitze der polttischen Macht ist ... ." Freilich sehr bequem, wenn man auf diese Weise Politik treiben kann. Gemein aber ist eS, wenn die Herren Ge- noffen, wie der Redakteur Dr. Quarck, Lügen- behauptungen der Art aufstellen, daß sie sich nicht entblösen zu sagen, die deutschen Soldaten „spießten Kinder aus".

Die Herren mögen nur so fortfahren. Dann werden sie in späteren Parteitagen noch mehr als

Anita erfüllte sein junges Herz. Allein, — was half ihm das Alles?

Längere Zeit stand er in regem Briefwechsel mit Konrad Altherr, aber nach und nach hörte er ganz auf; die Bekanntschaft zwischen den Beiden war zu flüchtig gewesen, als daß sich daran ein dauerndes Interesse geknüpft hätte.

III.

Auf dem reizvollen Spazierwege nach San Miniato zu schlenderte ein Jahr später in gemäch­lichster Gangart ein hochgewachsener, elegant und sorgfältig gekleideter Mann. Sein trunkener Blick schweifte über das vor ihm liegende breitgedehnte Arnochal, besten Oliven, Feigen und Cypresten hier und da mit Ulmen, Pappeln, Weinpflanzun­gen und schön bebauten Feldern abwechselten.

Die hochstämmige Pinie krönt den Kranz der langgezogenen Höhen, die wie übersäet find mit schimmernden Landhäusern und Ortschaften, Alles in Allem ein wahrhaft entzückendes Bild, wohl eines der schönsten von ganz Italien.

Von Zeit zu Zeit blieb der Beschauer all' dieser Herrlichkeiten stehen, als könne er sich gar nicht satt sehen. Dann hob er den breitrandigen Strohhut, um sich ten Schweiß von der Stirn zu wischen. Ein kurzgehaltener, blonder Bart umrahmte daS edle, männlich schöne Gesicht, auS dem ein paar ernste, für gewöhnlich etwas schwer- müthig blickende Augen schauten. Man merkte eS der ganzen Erscheinung des ManneS an, daß der Ernst deS Lebens ihn bereits gestreift hatte, wenigstens schienen die kleinen Fältchen, welche um die Augen lagerten, sowie die etwas gefurchte Stirn solches anzudeuteu.

in diesem sich über den Rückgang der Sozial­demokratie und über die Theilnahmelosigkeit in bereu Scharen zu beklagen haben!

Derrtsches Keich.

Berlin, den 20. September.

h Die Neuwahlen zum gothaische« Landtage haben den Sozialdemokraten bisher gute Erfolge gebracht. Der Landtag be­steht im ganzen aus 19 Abgeordneten. Bis jetzt sind bereits 9 Sozialdemokraten gewählt. Somit fehlt nur noch ein Sieg der Sozialdemokraten, um diesen in besagtem Landtage eine Mehrheit in sich zu geben. Daß die Sozialdemokraten diese Wahlergebniste nicht allein ihren eignen Partei­mitgliedern verdanken, sondern vielfach den An­gehörigen anderer Parteien, die durch die Stimm­abgabe für Sozialdemokraten ihre Mißstimmung zum Ausdrucke bringen wollen, ist sattsam be­kannt. Es würde nun recht intereffant sein, zu beobachten, was die Sozialdemokraten in Gotha thun würden nach erlangter Landtagsmehrheit. Es würde ein ganz neues Schauspiel in Deutsch­land sein, die Thatigkeit eines Landtages mit einer geschloffenen sozialdemokratischen Mehrheit zu studiren. Daß dieses Schauspiel gerade in Gotha zu beobachten ist, kann niemanden in Er­staunen setz n. Wenn irgendwo Mißvergnügen unter der Bevölkerung erregt worden ist lange Jahre hindurch durch Regierungsmißstände, so ist das in Gotha geschehen. Sonst find diese kleinen Theilerfolge der Genoffen im Gothaischen nicht weiter gefährlich.

+ N-u „weitere« Neichsankeihen" für die Kriegszwecke in China ist in den offiziösen ,Berl Polit. Nachrichten' die Rede. Sehr vor­nehme« Tones heißt es da: „Jetzt . . . eine ausführliche Darlegung über die gesummten finanziellen Verhältniffe des Reiches veröffent­lichen, wäre zwecklos. So wett eS fich dabei um den Zeitpunkt, zu welchem weitere Reichsanleihen zu begeben wären, handelt, würde eine solche Veröffentlichung sogar überaus zweckwidrig fein". DaS ist ja recht intereffant zu hö-en, aber leider gar nicht erfteulich. Man gelangt durch diese offiziösen Andeutungen auf die Vermuthung, die Meldung fei richtig, daß Sei dem Abschlüsse dieser 80 Millionen-Anleihe gleich deren Vermehrung bis auf 200 Millionen ausbedungen worden fei. Unter solchen Umständen sollte eben doch die Reichsregierung schon vor der Eröffnung des Reichstages zuverläsfige Aufschlüffe über diesen Anleiheplan geben. Die verschiedenen Gerüchte und Meldungen wirken beunruhigend im höchsten Grade.

X De« Moflscheckverkehr in der Gestalt, die ihm durch die Beschlüffe deS Reichstages ge­geben worden ist, will die Reichsregierung augen­scheinlich nicht durchführen. DaS muß man auS einer Rede herauslesen, die Herr von Pod- bilski, Staatssekretär beS Reichspostamtes, bei dem Festmahle gehalten hat nach dem Stapel- laufe des ReichSpostdampferS „Klautfchou" in Stettin. Die Rede ist erst nachträglich genauer be­kannt worden. Herr Schatzsekretär Frhr. von Thielmann ließ AehnlicheS schon im Reichs­tage selbst durchblicken. Jetzt, nach der Rede

Plötzlich klopfte dem ftnnenb Dahinwandeln- ben Jemand auf die Schütter, und sich rasch um« wendend schaute er in ein lachendes, übermüthiges Gesicht.

„Ist es die Möglichkeit — Eilenberg — Du hier!--Welch' freudige Überraschung! —

Wo kommst Du denn her, Leo? Du schriebst mir doch, daß ich Dich erst in einigen Tagen in Florenz erwarten dürfte?" rief er, dem Angekom­menen herzlich die Hand schüttelnd.

„Ja, mein lieber Hans, ich bekam plötzlich daS Reisefieber," antwortete dieser — und das ließ mir keine Ruhe mehr. Ich sage Dir, eine Sehnsucht hat mich erfaßt nach der Welt da draußen, daß ich schleunigst unserer guten Stadt Hamburg den Rücken kehrte — und da bin ich!"

Leo Elenberg war viel kleiner als fein Freund, dem er kaum bis an die Schulter reichte, aber offenbar ein lustiger, neckischer Geselle, dem der Frohmuch ans den blitzenden Augen lachte. Er mochte etwa 25 Jahre alt fein, während der mit Hans Angeresete wohl 35 Lenze zählte.

„Und nun sage mir," begann Leo, nachdem die erste Ueberrafchung vorüber war, „habe ich Dir die Schönhett von Florenz zu viel gerühmt? — Bist Du zufrieden, daß ich Dich hierherschickte, ober bereust Du, meinem Drängen, endlich einmal etwas zu Deiner Erholung zu thun, nachgegeben zu haben, mein lieber Hand?'

„Nein, nein, ganz gewiß nicht!" versicherte dieser eifrig. „Florenz ist ein wahres Schatzkäst­lein, ich lebe förmlich auf in dieser Umgebung, nach all dem Trüben, das ich durchgemacht habe. Ich bin ein völlig Anderer geworden!"

deS Generalpcstmeisters, kann kein Zweifel mehr darüber obwalten. Die Reichsregierung stößt sich augenscheinlich an dem vom Reichstage beschloffenen Wegfalle der Gebühren für die Vermittelung der Postoerwaltung.

X Der Goethe-Knud ist nicht mehr vorhanden, auch nach der Ansicht mancher Freunde und Hauptförderer nicht. In diesem Sinne hat der Berliner Geschichtsprofeffor Theodor Mommsen ein Schreiben an ein Hamburger Blatt gerichtet, in dem es heißt: „Meine Heber« zeugung ist, daß der Goethe-Bund nicht mehr vorhanden ist. Es ist nicht zu ändern, daß die Deutschen keinen Bürgerfi nn haben, daß sie sich bereitwilligst regieren kaffen, auch auf Verlangen steuern und heuern, daß ihnen der Militarismus und die Bismarckerei die Selbstbestimmung gründ­lichst auSgettieben haben..." Der Bürger­sinn der Deutschen ist, Gott sei Dank, im Gegen« theil noch sehr gut, so gut, daß ihnen die klare Besinnung sehr bald nach dem künstlich ange- sachten Heintze-Rummel wieder gekommen ist. Die Deutschen in ihrem guten Bürgerfinne haben sehr schnell eingesehen, daß eS ihrem Ansehen und ihrer Ehre nicht frommt, wenn sie sich vor den Wagen der Herren Singer, Sudermann und Genoffen spannen laffen, um sich aufzulehnen gegen gute, alte, deutsche Bürgerordnung und Bürgersitte. Die Macher deS Heintzerummels mitfammt ihren Goethebünden sind verstummt und zerstoßen, weil sie eingesehen haben, baß eS nichts mehr zu rummeln gibt. DaS beutsche Volk ist mit ben Ergänzungen des Strafgesetz­buches gegen bie Hnfittlichkeit durchaus zufrieden!

»Berti«, 20. Sept. Der Kaiser nahm gestern nach seiner Ankunft in Kabinen den Vortrag des ChefS des CivilkabinetS v. LucanuS entgegen. Heute Vormittag hörte der Kaiser in Kabinen die Borträge deS ChefS des CivilkabinetS von Lucanus und empfing dann den Grafen Wolff-Metternich. — Die Kaiserin wird in den nächsten Tagen zu einem Besuche ihrer beiden Söhne, der Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert in Plön er­wartet, dagegen nicht mit dem Kaiser nach Rominten fahren. — Der preußische Hof legt heute für den Prinzen Albert von Sachsen auf 8 Tage und für den Prinzen Heinrich von Heffen auf 5 Tage Trauer an. — Der ,Reichsanz/ meldet: Verliehen wurde dem Regentendes SerzogthumS Sachfen-Koburg und Gotha Ernst zu ohenlohe-Langenburg derrotheAdlerordenI.Kl., dem württembergifchen Generalleutnant Freiherr» Walter die Brillanten zum rothen Bdlerorden II. Kl. mit Stern. — Der Ministerialdirektor im Ministerium für Handel und Gewerbe, Herr Oberberghauptman» Freund, tritt vom 1. Oktober cr. ab in den Ruhestand. An feine Stelle soll der Berghauptmann v. Velsen, bisher in Halle, berufen werden. Herr v. Belsen war in den achtziger Jahren Chef der Malischen BergwrrkS- direktion zu Zabrze, von wo auS er zum Chef der Berg­werksdirektion in Saarbrücken berufen wurde, um so­dann Chef des OberbergamtS zu Halle zu werden. — Der Ausstand der Buchbinder wird allem Anschein nach fortdauern. In einer gestrigen Versammlung, in welcher die Vertreter der Gehilfen bei der Leipziger Einigungskonferenz Bericht erstatteten, sprach man sich entschieden gegen die Anerkennung eines Mindestlohnes von 13/0 Mark für Arbeiterinnen und 16,74 Mk. für Maschinenarbeiterinnen aus. Ueber die Fortdauer oeS Streikes soll heute Abend in einer Versammlung der Ausständigen und der Arbeitenden beschloffen werde». Zur Zeit find 1200 Personen ausständig. — Der Aus­stand der Maurer in Dortmund ist nicht wie anderwetttg gemeldet, beigelegt, sondern dauert, wenn auch geschwächt, fort.

„Siehst Du," lachte Leo fröhlich, „man merkt eS Dir auch an!"

Hans warf einen prüfenben Blick auf Leo, boch biefer merkte eS nicht.

Eine kleine Weile schritten bie Beiden schweigend bahin, bann begann Hans roieber: „Ich bin Dir wirklich von Herzen bantbar, daß Du mich gerade hierher schicktest, denn wenn Du nicht gewesen wärest, — bann —-------"

Ec brach mitten im Satze ab, wie fich be« sinnenb.

„Nun?" fragte Leo, bie klugen, lachenden Augen forschend auf baS ernste Antlitz Hans ReinholbS richtenb, „warum vollenbest Du nicht?"

„Laß bas Leo, — später sollst Du alles er­fahren." —

Hans war sehr roth geworben, und wandte daS Gesicht ab, damit der Freund es nicht merken sollte.

Doch so schnell ließ fich Leo nicht abweisen.

„Du weichst mir aus, und warum?"

„Ich bitte Dich, bringe nicht in mich, morgen, — übermorgen erzähle ich Dir baoon."

„Bin ich etwa Deines Vertrauens unroürbig?“ Der Ton, in dorn Leo biefe Worte sprach, klang etwas ärgerlich.

„Ich sehe schon, eS gibt kein Entrinnen, ich weiß nur nicht, wie — ich beginnen soll, — und ob Du mich recht verstehen wirst!"--

Seo horchte auf.

„Wozu bie vielen Umftänbe, Han«? — Du pflegst boch sonst nicht mit einer Mtttheilung hinter bem Berge zu halten, — ich kenne Dich gar nicht mehr."