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mit NnterHatümgs-Meitage „Illnstrirte Sonntags-Ieitung"

JK 216.

Julöa, Donnerstag, den 20. September 1900.

27. JahrgMg.

•F Vom Markte der Industrie- Papiere.

Das Sinken der Werthe der Jndustriepapiere ist nicht nur eine vorübergehende Erscheinung ge­wesen. Diese Kursrückgänge find seit einer Reihe von Wochen immer stärker geworden. Man scheut sich vor ihnen, als befände man sich inmitten einer ganz gefährlichen wirthschaftlichen Krise; und doch kann von einer solchen nicht die Rede sein. Aber sie kann künstlich geschaffen werden, wenn die Ent­wertung der Jndustiepapiere noch eine Zeit lang so fortschreitet, wie sie jetzt bereits seit fast einem Vierteljahre an der Tagesordnung ist. Vor etwa einem Vierteljahre meinte man, die Kurse der Jndustriepapiere könnten nicht noch weiter zurück­gehen ; und jetzt muß man sehen, daß der Unter­schied in diesen Werthen zwischen damals und jetzt wiederum ganz ungeahnt bedeutend geworden ist.

Vor einem Jahre und länger stiegen dieselben Werthe in unnatürlicher Weise. An den Börsen wurde mitunter ein förmlicher Sturmangriff auf die Jndustriepapiere unternommen. Es war gar nicht möglich, die Nachfrage danach zu befriedigen, und alle Warnungen damals wurden in den Wind geschlagen. Man achtete gar nicht darauf, oder noch mehr: man verdächtigte womöglich auch noch die Warner als angebliche „Feinde der Industrie", die es nur darauf abgesehen haben sollten, aus Neid die Jndustriewerlhe künstlich zu erniedrigen. Da auf einmal wandte sich das Blatt, und es kam der Umschlag, die „Panik". Wie man vorher übertrieben war in dem Ansturm auf die Jn­dustriepapiere, so war man jetzt wiederum über­eilig in der Entäußerung derselben um jeden Preis, und nun gilt es, stets von Neuem das Publikum zur Ruhe und Besonnenheit zu mahnen und ihm immer wieder vorzuhalten, daß Grund zu so übertriebener Angst und zu so übereiliger Flucht vor den Jndustriewerthen gar nicht vor­handen ist. Jedermann kann in beinahe jeder Zeitung täglich lesen von der Kohlennoth.

Würde es denn eine Kohlennoth geben, wenn die Industrie nicht mehr Kohlen brauchte und noch fortgesetzt bestellte, als gefördert und ge­liefert werden können? Unmöglich. Einer In­dustrie, die so ungewöhnliche Anforderungen stellt an die Kohlenbergwerke, kann unmöglich in einer Krisis sich befinden, die irgendwie bedenklich zu werden verdiente. Eine Industrie, deren Kohlen­verbrauch fortgesetzt im WachSthum begriffen ist, muß fich noch immer in steigender Entwickelung befinden; es kann ihr unmöglich schlecht gehen; und selbst zugegeben, daß in vereinzelten Ge­schäftszweigen, wie züin Beispiel in der Textil­industrie, eine Stockung eingetreten ist, so kann das unmöglich als ein Kennzeichen aufgefaßt werden für die Lage der ganzen Industrie im allgemeinen. Diese Lage ist gut, nicht schlecht. Und deswegen sind die Jndustriewerlhe nicht werth, verschleudert zu werden um jeden Preis. Derjenige, der solche Jndustriewerlhe als fest

Die Serke von Morenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

10 ------ (Nachdruck verboten.)

Alfred war eine ernste Natur. Er kannte nur ein Streben: Vorwärts zu kommen auf der erwählten Bahn. In rastlosem Eifer arbeitete er, angespornt von einem bei solcher Jugend sel­tenen Ehrgeiz; von den Freuden des Lebens hatte er noch nichts genoffen; stand er doch auch erst im ersten Semester.

Mit beweglichen Worten hatte Roland dem Bruder noch die Geschichte seines Liebesleidens erzählt, und diesen so innig und herzlich um Ver­zeihung gebeten, weil er so gering von ihm be­dacht worden war.

Fred dachte in diesen Stunden gar nicht so recht daran, was er eigentlich an dem allezeit freigebigen Bruder verlor, und daß er jetzt fast mittellos in der Welt dastand. Und er brauchte doch noch eine sehr lange Zeit, bi» er selbst etwas verdienen konnte. Aber in der Trennungsstunde, da Roland ihm die durchsichtigen Hände hinge­streckt und gebeten hatte: „Trage es mir nicht nach, lieber, lieber Fred, daß jenes Mädchen, da» ich über alles auf der Welt geliebt habe, mir mehr galt, als Du," — da hätte der arme Fred, der nur mit äußerster Anstrengung seines Schmerze» Herr wurde, es nicht vermocht dem Sterbenden irgend welchen Vorwurf zu machen.

„Um mich sorge Dich nicht, Landy," hatte er zuversichtlich gesagt, „ich werde schon meinen Weg machen." —

gekauftes Eigenthum besitzt, möge darum ja nicht von der allgemeinen Panik sich anstecken lassen, sondern ruhig und kaltblütig ein wenig der weiteren Entwickelung der Dinge zuschauen. Er wird nachher froh darüber fein, daß er sich von dem allgemeinen Strome des hastigen Schreckens nicht hat fortreißen lassen. Dieser niedrige Kurs- stand der Jndustriewerlhe, wie er jetzt herrscht, kann unmöglich dauernd bestehen bletben; und er wird desto schneller wieder einer Aufwärts­bewegung welchen, je ruhiger und kaltblütiger das Publikum fich verhält. Ruhe und Beson­nenheit des Publikums werden am allerehesten dazu beitragen, den Rückgang der Jndustrie- werthe zum Stillstände zu bringen und die Hoff­nungen der gewissenlosen Baisse-Spekulanten auf weitere Beute zu Schanden zu machen.

Auch die Nachrichten, dir über den Geldmarkt in Paris und London einlaufen, lauten besser als feit langer Zeit. In London zeigt fich neue Unternehmungslust, weil man dort sich auf den Standpunkt stellt, den südafrikanischen Krieg als beendet anzusehen, und ebenso ist man in Paris sehr geneigt geworden zum Ankauf von allerhand Werthen, auch Jndustriepapieren und Bergwerks­aktien. Also auch die auswärtige Lage und Stimmung ist nicht schlechter geworden, als in letzter Zeit, sondern besser; und es drohen auch von dort her keine Wolken. Vor einem Jahre und länger warnten wir vor den Übertrieben hohen Kursen und schrieben: den Letzten beißen die Hunde, verkauft! Jrtzt werden den Letzten, der nicht jetzt verkauft, einmal ausnahmsweise nicht die Hunde beißen!

Deutsches Deich.

Berlin, den 19. September.

X Ausländische Ikeisch-Konserven hat, wie bekannt, die deutsche Militär-Verwaltung in großen Mengen für die nach Ostasien entsandten Mannschaften bezogen. Die Maßregel fiel mit Recht damals allgemein auf; sie stand in wenig angenehmem Gegensätze zu den unmittelbar vor- aufgegangenen Reichstags-Verhandlungen Über daS Fleischbeschau-Gesetz und die Einfuhr der gering- werthigen ausländischen Fleisch-Präparate. Noch auffälliger werden diese Fleisch-Bestellungen der Marine-Verwaltung im Auslande, wenn man jetzt nachträglich erfährt, daß dieselbe deutsche Angebote unmittelbar zurückgewiesen hat. Eine landwirthschastliche Schlachtviehver- werthungs-Genossenfchaft hatte sich an die Marine- Behörde mit der Anfrage gewandt, ob Bedarf an Fleisch-Präparaten vorhanden sei. Sie erhielt darauf die Antwort, ein Bedarf liege nicht vor; aber im Oktober oder November dieses Jahres werde dieAusschreibung eines Wettbewerbes um die Lieferung deutscher Fleisch-Konserven er­folgen. Man hat also das deutsche Angebot zu Gunsten der Auslands - Waare unmittelbar ver­nachlässigt, obwohl man weiß, daß die aus­ländischen Fabrikate nichts taugen. In dem fraglichen Antwort-Schreiben wird nämlich ausdrücklich verlangt, daß die deutschen Fabri­kate von bedeutend bessererQualität und entsprechend höherem Nährwerthe sein müs­sen, als die ausländischen Fabrikate.... Das

Noch jetzt, nachdem Rolands Finger längst erkaltet, fühlte Fred den innigen herzlichen Hände­druck, mit dem der Bruder ihm gedankt. Es war chm eine Wohlchat, ein Trost in seinem großen Weh, daß er durch kein Wort, durch keinen Blick des Vorwurfs dem Sterbenden das Scheiden erschwert hatte.

So saß Fred mit dem treuen Konrad in dem Sterbezimmer. Anita ließ sich nicht blicken, trotzdem man ihr einen Boten geschickt mit der traurigen Nachricht.

Konrad erging sich in Schmähungen über die „Erbschleicherin", die jetzt, nachdem die Komödie auSgespielt, vollständig beruhigt sein konnte, — es war ja alles nach ihrem Wunsche geglückt. Von Anfang bis zu Ende erzählte Konrad, dem es ein Bedürfniß war, seinem gepreßten Herzen endlich Luft zu machen, die Geschichte Rolands, wie et sie mit durchlebt hatte. Er erzählte, biS dem armen Fred vor Erschöpfung die Augen zufielen.

Und Fred schlief, — trotz seines Kummers. Zu viel war heute auf den fast noch int Knaben­alter stehenden jungen Mann eingestürmt.

Am folgenden Tage gab es viel zu besorgen. Fred hatte nur den einen Wunsch, den geliebten Bruder in heimathlicher Erde begraben zu können. Er sollte im Familiengrab, wo Tante Alberttne und die Eltern den letzten Schlaf schliefen, seine Ruhestätte finden. — Doch daS kostete Geld und Fred verfügte nur über geringe Mittel. Des­halb entschloß er fich, auf Anratheu Konrads von Anita, die ja nahezu in den Besitz des ganzen Vermögens kommen sollte, die nöthige Summe zu verlangen.

Verfahren der Marine-Behörde ist wirklich sehr schwer zu begreifen. Sie weiß, daß die auslän­dischen Erzeugnisse nichts taugen und bevorzugt sie dennoch vor den deutschen Fabrikaten, indem sie das Angebot solcher ausdrücklich abweist. Das ist genau das Gegentheil von „nationaler" Wirth- schafts-Polittk!

tl „Ai- wetteroöernde Kraft der Soziak- demostratte", wie der Herr fich ausdrückte, hat der „Genosse" Dr. D a v t d bei der Begrüßungs­feier des sozialdemokratischen Parteitages in Mainz gerühmt. „Niemand in Mainz — sagte der Herr — habe ernstlich daran denken können, der Sozialdemokratte zu diesem Kongresse den städtischen Festsaal zu verweigern." Der reine, blanke Uebermuth ist es, der aus diesen Worten spricht. Wenn die Herren Genossen denjenigen einen Gefallen thun wollen, die aufs neue die Einführung von Ausnahmemaßregeln gegen die Sozialdemokratie anstreben, dann brauchen fie sich nur immer in derselben Weife auszudrücken wie Herr Dr. David in Mainz. Alsdann werden sie den Freunden neuer Ausnahmemaßregeln sehr bald einen ganzen großen Stoß von Material zur Unterstützung der Forderung solcher weiterer Ausnahmemaßregeln zusammengeredet haben.

+ Ai- Erzeugung der Steinkohle» zu vermehren, ist unter den gegenwärtigen Verhält­nissen äußerst nothwendig. Darum ist sehr er­freulich eine Mittheilung der ministeriellen .Berliner Korrespondenz', wonach in den verschiedenen Kohlenbezirken gegenwärtig 72 neue Kohlengruben angelegt werden. Die Mittheilung muß als zuverlässig angesehen »erben, denn fie entstammt staatlichen Erhebungen, die auf ministerielle An­ordnung hin vorgenommen werden. Man rechnet, daß aus diesen neuen Anlagen im bevorstehenden Jahre 1901 etwa 21/* Millionen, und im Jahre 1905 etwa 12 Millionen Tonnen Steinkohlen ge­fördert werden können. Das ist gut. Aber alle Vertröstungen auf da« Jahre 1905 helfen uns im Augenblicke herzlich wenig; und leider zeigt es sich immer wieder, daß allen den schönen Worten und Versprechungen, die gemacht worden find in dem Sinne, als bemühe fich auch die staatliche BergwerkSverwaltung um das Wohl der Kohlenverbraucher, nicht die entsprechenden Thaten folgen. Ausdrücklich man hat die Ver­braucher aufgefordert, fich genossenschaftlich zu« sammenzuthun und in Wagenladungen die Kohlen unmittelbar von den Bergwerken zu beziehen; und nun kommen schon jetzt Klagen über Klagen auS dem oberschlefischen Kohlenrevier, daß die Verwaltungen der staatlichen Bergwerke solche Gesuche um die Abgabe von Kohlen einfach mit dem Bemerken abweisen, es gebe keine Kohlen mehr! Und was nützt schließlich alle Steigerung der Kohlenerzeugnisse, wenn die ermäßigten Frachtsätze für die Ausfuhr von Kohlen nach dem Auslande bestehen bleiben?

• Die norwegische» Demokraten find sonderbare Leute. Sie betonen das Demo­kratische so stark, wie kaum eine andere bürger­liche Demokratie in der Welt, und dennoch hängen fie mit ängstlicher Kleinlichkeit an der Beobachtung aller OrdenSetiquetten. Der Herzog der Abruzzen, der von seiner glücklich überstandenen Nordpol­reise in Christiania eintraf, wurde von dem

Schon am nächsten Vormittag führte er fein Vorhaben aus und suchte Anita in ihrer Woh­nung auf. Er war der italienischen Sprache nicht recht mächtig und es dauerte ziemlich lange, bis er fich mit ihr verständigen konnte. Antta hatte von Roland auch einige deutsche Brocken aufgefangen, und so ging es leidlich.

Ein eigenthümliches, undefinirbares Gefühl, halb Haß und Grimm, und halb doch wieder staunende Bewunderung vor der dämonischen Schönheit dieses Mädchens, bemächtigte fich des jungen, unerfahrenen Studenten während der Auseinandersetzungen. Konrad hatte Anita in seinem maßlosen Zorn geradezu beschuldigt, Roland gemordet zu haben, und Fred, der ebenfalls eine furchtbare Bitterkeit gegen dieses Mädchen in fich aufsteigen fühlte, theilte nach allem, waS er er­fahren, diese Ansicht.

Als er bei Anita eintrat, fand er diese bamit beschäftigt, fich vor einem kleinen Spiegel bie nachtschwarzen, glänzenben Haare glatt zu kämmen. Ihre ganze Umgebung verrieth nichts von bem OrbnungSfinn einer Frau, wie Fred eS von Jugenb auf gewöhnt war. Staub unb Schmutz bebeckten alle Seräthe, verschiebene Kleibungsstücke lagen auf ben Stühlen umher; bie Alte saß wie gewöhnlich mit ausgestützten Ellenbogen, das spitze Kinn auf die Hand gelegt, auf einem Schemel unb starrte unbeweglich den fremden Eindring, ling an.

Bor dem fpähenden Blick Anita'S schlug der junge Mensch etwas verwirrt bie Augen zu Boden. Sie lächelte Über das unbeholfene Benehmen be­vor ihr Stehenben. An Huldigungen jeder Art gewöhnt, hatte sie sofort erkannt, daß auch dieser

König von Schweden und Norwegen durch die Verleihung des schwedischen Seraphinen-Ordens ausgezeichnet, und nun schlagen die norwegischen „Demokraten" großen Lärm darüber, daß der italienische Prinz in der norwegischen Hauptstadt Christiania den schwedischen Seraphinen-Orden unb nicht ben norwegischen Olaf-Orden bekommen hat. Manche der radikalen Blätter gehen so weit, daS norwegische Ministerium, daS dieses „polittsche Aergerniß" geduldet habe, deswegen zum Rücktritte aufzufordern. DaS Ende dieses FroschmäusekriegeS wird nun wahrscheinlich bas fein, daß der Herzog der Abruzzen nach dem Seraphinen-Orden nun auch noch den Olaf- Orden dazu bekommt, worüber sich bann am meisten bie sogenannten „Demokraten" in Nor­wegen freuen «erben.

19. Sept. Der Kaiser ist heute Mittag um 1'/« Uhr in Cadtnen eingetroffen. Der Chef deS Civilkabinets v. Lucanus befindet sich nochinCadinen. Der Kaiser wird voraussichtlich direkt von Cadinen nach Rominten fahren. — Die Kaiserin hat heute Vor­mittag Tolkemtt besucht und dortselbst daS neuer­baute Krankenhaus und die italienische Kirche befichttgt. In ihrer Begleitung befanden sich die Hofdame Fräulein v. Gersdorff, Graf Keller und Landrath v. Etzdorf. — Staatsminister Graf von Bülow hat heute Norderney verlaffen, um fich für einige Tage nach Flottbeck in Holstein zu begeben. Anfangs nächster Woche wird Graf v. Bülow nach Berlin zurückkehren. — — Wie die .Karlsruher Ztg.' meldet, wurde der Mini­ster deS Innern Dr. Eisenlohr auf sein An­suchen von seiner Stellung entbunden und der Prä« fident des Berwaltungsgerichtshofes Dr. Schenkel zum Minister des Innern ernannt. — Die von ver­schiedenen Blättern gebrachte Angabe, daß der Gesandte Frhr. v. Waecker-Gotter seinen Posten in Belgrad aufgeben werde, bestätigt fich nicht. — Der König von Griechenland besuchte incognito die Welt­ausstellung in Paris. — Der Zwischenfall in H a tff» ist in einer diedeutscheBotschaft zufriedenstellenden Weise bei gelegt worden. Der deutschfeindliche Iahia-Bey ist abberufen worden. Die jüngst ver­hafteten beiden Deutschen wurden in Freiheit gefetzt. — Der Hamburger Senat wählte in feiner heittigen Sitzung Dr. Hachmanu zum ersten, Dr. Moenche« berg zum zweiten Bürgermeister für den RestdeS Jahres 1900.

Ausland.

* Saris, 19. Sept. Der Ausschuß bes Gemeinberathes beschloß heute Mittag, bie für bas unterbleibenbe städtische Mairesfest be­stimmten 200,000 Francs ben Armen zuzuwen- ben. Die Festlichkeiten werben bennoch stattfinben, ba bie Ausstellungsverwaltung bie Kosten übernimmt. ,F. Z/

* Bukarest, 19. Sept. Die Kammern werben am 8. Oktober zu einer außerorbent- lichen Session gufummentreten.

• Ilew-Dork, 19. Sept. Die Kohlen­preise finb infolge bes AusflanbeS in ben Anthrazitgruben in Pennsylvanien um 25 Mark pro Tonne gestiegen. Die Zahl ber Aus- ftänbigen beträgt 140,000 Mann.

h. Kavanna, 19. Sept. Die Wahlen auf Cuba find für bie Neger günstig ausgefallen.

• Amsterdam, 19. Sept. Die hollänbl- schen Angestellten ber von Lorb Roberts beschlagnahmten Nieberlänbischen Eisen­bahn werden durch Vermittelung ber holländi­schen Regierung Engla nb um Schaben­ersatz verklagen.

„Tölpel" fich bem Zauber nicht zu entziehen ver­mochte, ber von ihr ausging. Kokett betrachtete fie sich in bem kleinen Spiegel, unb ließ bie auf­gelösten Haare burch bie schlanken Finger gleiten.

Als sie aber begriffen hatte, wer Freb war, unb was ihn herführte, veränberte sich ber Aus­druck beS schönen Gesichtes vollständig Nicht viel hätte gefehlt, sie hätte ihm bie Thüre ge­wiesen. Die Stirn in finstere galten gelegt, er­klärte sie rundweg, baß sie nicht gewillt fei, auch nur einen Centisime herzugeben.

„Lassen Sie nur Ihren Bruder hier begraben," sagte sie spöttisch. „Ich habe mir ba« Gelb viel zu sauer errungen, um für solchen Zweck etwas bavon zu opfern. Ob hier, ob bort, bie Erbe ist Überall gleich; wenn Sie selbst nicht bie Mittel besitzen, Roland fortschaffen zu lassen, von mir haben Sie nichts zu erwarten."

So etwa lautete bie Antwort, bie Freb er­hielt, babei machte Anita mit ber Hanb eine nicht mißzuverstehenbe Bewegung nach bet Thür, bie Freb empörte bis ins innerste Herz. Voll Grimm unb Abscheu trat er ben Rückweg an.

„Warum, fragte er fich, „mußte bieses Mäb- chen RolanbS Lebensweg kreuzen, diese Schlange, bie seiner so unwerth war. Warum hatte er nicht erkannt, waS biefe schillernde Hülle barg, unb fich zu rechter Zelt von ihr geroanbt wie vor einem ekelhaften Gewürm?"

Freb seufzte tief bekümmert auf. „Armer, armer Bruber! Wie warst Du verblendet, wie wurdest Du schmählich Hintergaugen! Nun kann ich Dir nicht helfen, mußt allein in frember Erbe schlummern, — möge fie Dir leicht werden." —