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Jtl 213.

JuLöcr, Montag, den 17. September 1900.

27. Jahrgang.

0 Gewerbliche Arbeit der Frauen und Jugendlichen.

Daß die Zahl der weiblichen Arbeiter liberal in Deutschland im Zunehmen begriffen ist, weiß man leider längst ganz genau, auch wenn diese leidige Thatsache nicht von Neuem festgestellt worden wäre durch die verschiedenen Berichte der -GewerbeaufstchtSbeamten aus dem Jahre 1899, so weit sie bisher bekannt geworden sind, aber daß diese Zunahme so außerordentlich stark ist, wie das wirklich der Fall ist, hat man vorher nicht angenommen; und namentlich hat man nicht die rechte Vorstellung gehabt von dem wirklichen Wachsthum der Zahl der jugendlichen Arbeiter. Die Berichte der preußischen Aufsichtsbeamten, die wollständig erst in diesen letzten Tagen erschienen sind, geben einen unheimlichen Aufschluß darüber: die Zahl der weiblichen Arbeiter über 16 Jahre, der in der Industrie beschäftigten jugend­lichen Arbeiter und Kinder hat von 1898 auf .1899 um die Hälfte stärker zuge­nommen als von 1897 auf 1898! Und ebenso bedeutend ist die Zunahme der Zahl der Be­triebe, die weibliche, jugendliche utfb kindliche Arbeiter beschäftigen.

Es wurden gezählt im Staate Preußen:

1897 1898 1899

Betriebe mit Arbeiterinnen

über 16 Jahre: 18 621 18898 22285

Betriebe mit jugendlichen

Arbeitern: 23 136 23 949 26 707

Arbeiterinnen über 16 Jahre 337504 353629 376408 Jugendliche Arbeiter 132352 142121 156121 Kinder 1359 1421 1546

Man darf diese an und für sich unheimlichen Zahlen nicht so deuten, als sei das Bestreben stärker geworden, gerade Frauen und jugendliche Personen zur gewerblichen Arbeit heranzuziehen. Das hieße unserer Industrie einen ungerechten Vorwurf machen. Aber der Mangel an Arbeitern wird von einem Jahre zum andern stärker, ent­sprechend gleichzeitig der Vermehrung der Zahl der gewerblichen Betriebe und der darin im Ganzen beschäftigten Arbeiter überhaupt. Diese Verhält­nisse lassen sich wiederum am besten durch eine Eleine Tabelle kennzeichnen. Es betrug die Zahl der

1897 1898 1899

beausfichtigten Betriebe: 126 878 137298 143199

darin l efdjäftigten Ar­

beiter: 2118096 2 291866 2 402760

Die Zahl der gewerblichen Betriebe wächst beständig. Demgemäß nimmt die Zahl der gewerblichen Arbeiter fortgesetzt zu; und Wiederum wird im entsprechenden Verhältnisse auch die Zahl der weiblichen und jugendlichen Arbeiter immer größer, weil die vorhandene Summe der männlichen Arbeitskräfte bei weitem nicht auSreicht dazu, die Nachfrage nach ArbritS- «kräften zu decken. Die Klage über Lrutenoth «tönt längst nicht mehr nur aus den Kreisen der Landwirthschaft, wenn auch dort dieser Mangel am fühlbarsten hervortritt. Auch In­dustrielle beklagen sich in demselben Sinne, und

Die Merle von Morenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

------- (Nachdruck verboten.)

Wie lange er umhergeirrt, ganz in seine schmerz- kichen Gedanken vertieft, — er wußte er nicht. •®r befand sich wieder in der innern Skadt, finster Tagten die vom Alter geschwärzten Paläste zum Himmel empor. Roland war es plötzlich, als stürzten die schweren Steinmassen drohend über ihm zusammen, ihn unter ihren Trümmern be* -grabend, — und mit leisem Wehlaut sank er bei dem mächtigen Dome Santa Maria del Fiore, da wo Anita sonst immer gestanden, auf den Boden nieder.---

Als er das Bewußtsein wieder erlangte, lag er in seiner Wohnung, weich und bequem ge­bettet, und da« besorgte, kummervolle Geficht de« treuen Konrad beugte sich ängstlich über ihn.

Eine grün verschleierte Ampel verbreitete ein angenehme« Licht in dem traulichen, vornehmen, ganz nach deutscher Sitte eingerichteten Gemach. Doch die ungewisse Beleuchtung ließ Rolands Züge geisterbleich erscheinen. Er machte einen Versuch, sich zu erheben, fiel aber sofort wieder in die Kissen zurück.

„Gottlob!" rief Konrad, indem ein erleichtern­der Seufter seine breite Brust hob, „er schlägt die Augen auf, er kommt zu sich!" Leise, nur für sich, fügte er hinzu: „Armer Freund, wa« hat rnan Dir wieder angethan!"

„Du glaubtest wohl schon, ich wäre todt?" sagte Roland mit einem hei^zerreißenden Lächeln, »ich sage Dir Konrad, ich wollte, ich wäre nie

naturgemäß desto mehr, je schwerer die verlangte Arbeit ist und je ungünstiger den Arbeitern die besonderen Umstände erscheinen, unter denen die Arbeit geleistet werden soll.

Dieselben Verhältnisse, auf denen diese zuletzt gekennzeichneten Thatsachen beruhen, bedingen nun aber auch im allgemeinen eine Vermehrung der täglichen Arbeitszeit der weiblichen Arbeiter. Nach den letzten Beichten der preußischen Fabrik­inspektoren macht sich in weiten Jndustriekreisen ein allmählicher Uebergang zum zehnstündigen Arbeitstage bei den weiblichen Arbeitern bemerk­bar — an und für sich ein kleiner Anfang zur Besserung. Aber gleichzeitig mußten fast all­gemein Ueberstunden geleistet werden, so daß zwar die Einnahme aus der geleisteten Arbeit sich gebessert, aber gleichzeitig auch die Fern­haltung der Frauen von ihrer Häuslichkeit während des letzten Jahres keine Verminderung, sondern umgekehrt eine weitere Verschärfung er­fahren hat." Und außerdem ist die höchst be­dauerliche Thatsache zu verzeichnen, daß die Zahl der Bestrafungen wegen Uebertretung der Schutz­vorschriften für jugendliche Arbeiter von 1898 auf 1899 nicht unerheblich gestiegen ist, sich nämlich um 53, von 730 auf 783 vermehrt hat. Auf der anderen Seite ist anzuerkennen, daß die Uebertretungen der Schutzvorschriften für weibliche Arbeiter während der letzten Jahre ständig sich vermindert haben.

Im ganzen genommen ist die Lage des Arbeits­marktes sehr günstig für die Arbeiter, wie eS sich aus den vorher gekennzeichneten Verhältnissen von selbst ergibt, günstiger als vielleicht jemals vorher. Die vorhandenen Arbeitskräfte decken nicht die Nachfrage; die Löhne steigen; die Ar­beitszeit Wird kürzer — und dennoch kann man nicht sagen, daß die Lebenslage der Arbeiter in entsprechender Weise sich verbessert habe. Denn auch die Lebenshaltung wird kostspieliger von einem Jahre zum andern, und namentlich die Wohnungsmiethen, vor allem in den großen Städten, vertheuern sich in ganz unverhältniß- mäßiqer Weise.

Was hilft somit die Vermehrung der Arbeit der Frauen und Kinder der Arbeiterschaft im allgemeinen? Die Antwort kann nur eine voll­kommene Verneinung fein:] nichts! Und unter solchen Umständen tritt die Nothwendigkeit, die Arbeitszeit und die ArbeitSverhältniffe der weib­lichen Arbeiter und vor allem der vnheiratheten Arbeiterinnen gesetzlich in ganz bestimmter Weise zu regeln, stärker als je hervor. Leider muß festgestellt werden, daß die Berichte der preußischen Aufsichtsbeamten für diesen letzten Punkt nicht das erforderliche Verständniß zeigen.

Deutsches Deich.

Berlin, be» 15. September.

• Die KiuVerufrrttg des Reichstage» soll nun wieder einmal zum 23. Oktober erfolgen. Nächstens wird kein Tag des Monats Oktob« mehr übrig sein, zu dem der Reichstag nicht an­geblich einberufen werden soll; und auch dieses neueste Datum ist mit größtem Mißtrauen auf» zunehmeu. Es wird hier nur der Vollständigkeit wegen verzeichnet.

mehr aufgewacht, es wäre eine Wohlthat für mich gewesen. — Na, hoffentlich tritt dieser Fall, den ich nun von Herzen herbeisehne, recht bald ein." Dem treuen Konrad standen bei Roland- Worten, die wie ein Hauch von den bleichen Lippen tönten, die Thränen in den Augen. Er wandte sich ab, um dem Kranken seinen Schmerz ju verbergen. Es hätte dessen wohl kaum bedurft, renn Roland starrte zur Decke empor, und schien gar nicht zu wissen, was um ihn her vorging. Konrad wagte da», was sein Herz bewegte, nicht in Worte zu kleiden, die Frage nach der Ursache von Rolands Kummer drängte er immer wieder Zurück, au» Furcht, den Freund aufmregen. Er am indeß mit seinen Gedanken der Wahrheit sehr nahe. Nur, diese schillernde Schlange, diese Anita, tonnte schuld sein! Konrad ahnte es wohl, und lallte die Hände in maßlosem Grimm.

Plötzlich richtete der Kranke seine großen Augen orschend auf den neben seinem Bette fitzenden Freund.

„Und Du fragst mich gar nicht, was mir pafftrt ist, Alter? Bist Du denn gar nicht neu­gierig ?"

„Du sollst Dich jetzt nicht aufregen, Roland", ieschwichtigte Konrad den Frager, „Du wirst mir pater, wenn Du wieder wohler bist, alle« er­zählen."

„Ich glaube, ich werde das Leben nun nicht äuge mehr ertragen, mein Lieber! Ich sagte Dir a schon einmal, ich habe die Krankheit meine« Vaters geerbt, alle Anzeichen sprechen dafür. Ich lätte vielleicht, ja ganz gewiß, noch manche« Jahr eben können, — doch, ein Greis wäre ich nicht geworden, aber so,---nun e« ist gut, —

+ Der nette KttkturüarrrpL. Warnend hat der Centrumsführer Dr. Lieber in der Schlußversammlung des Bonner Katholikentages seine Stimme erhoben, haltet euer Pulver trocken, denn es kann leicht ein neuer Kulturkampf auf den alten folgen. Die Lage der deutschen Katho­liken unter der Herrschaft des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten und die ihnen „verwandten" Orden ist unerträglich. Und kaum waren die Versammlungsgäste aus Bonn abgereist, sorgte die Kölnische Regierung dafür, daß sofort nach den Worten Dr. Lieber's für diese ein greifbarer Beweis geliefert würde: es folgte die unerhörte Maßregel, in Bens berg plötzlich und unerwartet die von den Lazaristenpatres abgehaltene Mission zu unterbrechen. Und bereits mehrere Wochen vorher war der Polizeibehörde bekannt, daß diese Mission stattfinden sollte! „Es gibt — so äußern sich dazu die nationalliberal - freikonservativen Berliner Neuesten Nachrichten — für dieses wider­spruchsvolle Verhalten der Polizei (anderwärts hat man die Lazaristen ruhig predigen lassen!) keine andere Erklärung, als den Schwebezustand, in welchem sich die ganze Jrsuitengesetzfrage be­findet. Daß das allerdings ein nach allen Seiten hin unerträglicher Zustand ist, läßt sich nicht be­streiten ....'' Der Bundesrath sollte nach der Ansicht des genannten Blattes unzweideutig erklären, daß der Jesuitenorden, und was ihm gleich zu achten ist, in Deutschland unter keinen Umständen zur Ausübung seiner Thätig- keit zugelassen werden wird, eine Auf­fassung, die seit Jahren unbestritten als die der maßgebendsten Stelle Preußens gilt. So lange das nicht geschieht, wird dte Regierung niemanden befriedigen, wohl aber auf der einen wie auf der andern Seite Mißtrauen gegen sich Hervorrufen. Obendrein muß der Gesetzlichkeüs» sinn weiter Volkikreise Schaden erleiden." Das ist die Stimme der Scharfmach«, der ausgesproche­nen Katholikenfeinde. Aber in diesem Falle haben sie ganz recht. Wenn im Bundesrathe die Anschauung vorherrscht, daß an eine Auf­hebung des schmählichen Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten niemals zu denken ist, warum gibt man sich dazu her, den Anschein zu erwecken, als sei eine Aufhebung doch noch vielleicht zu erwarten? Das ist keine vornehme Politik, und es ist auch keine richtige Politik. Denn, wie die .Berliner Neuesten Nachrichten' ganz richtig sagen, auf diese Weise kann die Regierung niemanden befriedigen, wohl aber auf beiden Seiten Miß­trauen gegen sich Hervorrufen. Daß die Katholiken und das Centrum nichts weniger als befriedigt find, haben die Aeußerungen der Abgeordneten Freiherrn v. Heereman und Dr. Lieber in Bonn klar und deutlich bewiese», wenn darüber noch bei irgendwem ein Zweifel obgewaltet haben sollte. Wenn man also durch diese Schwebe- und Schaukelpolitik die deutschen Katholiken allgemach einschläfern wollte, so muß man sitzt einsehen, daß diese Berechnung fehlgeschlagen ist. Warum hinter dem Berge halten mit ber wahren Ansicht, wenn nicht vorauszusetzen ist, baß biefe Ansicht jemals anders werde? Der Reichstag Hal es außerdem zu beanspruchen, daß er vom Bundes­rathe in dieser Sache nicht fortgesetzt als „Luft" behandelt roerbe. Warum kränkt ber Bundesrath

wie e» ist. Müßte ich dieser Leben, wie es jetzt vor mir liegt, noch durch viele Jahre weiter- chleppen, ich sage Dir, es wäre eine schreckliche Tortur für mich. Oft fühlte ich mit Trauer, daß ch kein hohe« Alter erreichen würde. Du weißt, ich sprach Dir öfters davon. Du wolltest es nie hören, — siehst Du, heute freue ich micht dar­über."

„Du sollst nicht so viel sprechen, Roland", bat Konrad.

„Ach laß nur, — laß, — das ist jetzt ganz einerlei."

Konrad mußte sich Mühe geben, standhaft zu bleiben, wenn er, um den Freund verstehen zu können, sich über das bleiche Gesicht desselben beugte.

„Wie bin ich denn eigentlich hierhergekommen?" fragte der Kranke wieder.

„Du lagst bewußtlos an der Straße", be­richtete Konrad. „Es ist ein Glück zu nennen, daß e» Bekannte waren, die Dich fanden. Man schaffte Dich sofort hierher. Meinen Schrecken kannst Du Dir denken. Ich war schon sehr unruhig wegen Deines langen Ausbleiben«, hatte mich aber ge­tröstet, weil ich dachte, Du hättest vielleicht Ge­sellschaft gefunden; denn daß Du Dich bei Anita nicht so lange aufhältst, wußte ich. Ich hatte eben ein wenig zu lesen begonnen, al« ich draußen das Geräusch von vielen Tritten hörte, ich öffnete ahnungsvoll, — und da gewahrte ich mit Ent­setzen --"

„Schon gut, — schon gut!" unterbrach Roland den Erzähler etwa« ungeduldig. „Ich hatte, in meinen Gedanken versunken, nicht auf den Weg geachtet, und mich dabei ganz gehörig verlaufen."

also gleichzeitig auch fortgesetzt den Reichstag da­durch, daß er auf dessen wiederholte Beschlüsse über die Aufhebung des Jesuitengesetzes ober wenigstens eines Theiles besselben gar nicht bie geringste Rücksicht nimmt? Die Politik ist roeber klug, noch würvig. Also heraus mit eurem Fleder­wisch! Die Katholiken haben einen neuen Kultur­kampf nicht zu fürchten. Nicht mit Freuden, mit schwerem Herzen würden sie ihn aufnehmen. Aber durchgefochten würde er deswegen nicht minder entschieden werden, als fein Vorgänger traurigen Angedenkens; und niemals werden die deutschen Katholiken erlahmen in dem Kampfe für ihre Rechte, ob nun im erklärten, oder in dem fort­gesetzten schleichenden Kulturkämpfe von heute!

h Im Kkeitthattdek mit Gar« find neuer- dings arge Mißbräuche heroorgetreten, namentlich heroorgerufen durch die widerwärtiae Gepflogen­heit der sogen. Waarenhäufer, dem Publikum vor­zutäuschen, daß es im Bazar billiger kaufe als anderswo. Die Fabriken mußten den Waaren- bäusern Garnknäuel ohne Gewichtsangabe anfer­tigen, die erheblich weniger wiegen, als man es bisher gewohnt ist, und die nun natürlich auch billiger verkauft werden konnten. Jetzt ist dem Bundesrathe ein Entwurf von Vorschriften über den Kleinhandel mit Garn zugegangen, die mit diesen Schwindelpraktiken ein Ende machen werden. Danach muß die Angabe des Gewichtes in Grammen oder der Länge in Metern an der Waare leicht erkennbar angebracht werden, und es dürfen Abweichungen von diesen Angaben nur innerhalb ganz eng gezogener Grenzen Vor­kommen.'

* AerN«, 16. Sept. Der Kaiser hat für Mitte Oktober (de» 13. und 14.)seinen Besuch in Barmen- El berfeld zugesagt. In dec RuhmeShalle zu Barmen werden zwei protze Marmorstandbilder der Kaiser Wilhelm 1. und Friedrich eingeweiht. Es sind Werke der Bildhauer Johannes Boes« und Smil Sauet zu Berlin. In Elberfeld wird auch ein Besuch der neuen Stadthalle geplant. — Der Großherzog von Oldenburg verlieh dem Staatssekretär des Reichs« poftamls v. Podbielski das Ehrengrotzkreuz mit Schwertern; dem Chef des Marinekabinets v. Senken» Bibran und dem Generalarzt Leuthold das Ehren­großkreuz. — Fürst Herbert BiSmarck hat in Be­gleitung seiner Gemahlin Schloß Friedrichsruh verlassen und sich zunächst nach Bad Gastein begeben. — Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe dürfte im letzten Drittel des Monats auf einige Zeit nach Baden- Baden oder Wiesbaden reisen; es ist noch ungewiß, welcher der beide» Kurorte bevorzugt wird. — Auf der Werft des Bulkan in Stettin fand gestern der Stapellauf des Reichspostdampfrrs der Ham­burg-Amerika-Linie ,Kiaut schon" statt. Staats« sekretär PodbielSki vollzog den Taufakt. Die hier­bei von ihm gehaltene Rede klang in einem kaiserhoch aus. — Staatssekretär v. Podbielski wird am Dienstag die postalischen Einrichtungen in Leipzig be- fichtigen und einem Festmahl im Palmengarten theil- nehmen. — Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht die Be­kanntmachungen über die Ertheilung der Ermächtigung zur Beurkundung des Personenstandes in Deutsch-, Oft- und Südwest-Afrika, Kamerun, Togo, Samoa, den Marschallinseln und den Karolinen, Palau und Marianen. — Wie offiziös mitgetheilt wird, werden unter den ersten Borlagen, die dem Reichstag in seiner demnächstigen Tagung unterbreitet werden sollen, stch die Entwürfe zur Aenderung deS Urheberrechts und zum Ausbau des Verlagsrechts befinden. Mit ihnen zusammen würde dann auch der Entwurf über die privaten BersicherungSunternehmungen vorgelegt werden.

„Aber jetzt versuchst Du zu schlafen", drängte Konrad, den Kranken in eine bequemere Lage bringend.

Dieser nickte traurig vor sich hin: „Wer das könnte l An einem Tage, wo man alles, alle« verloren hat, was einem das Leben lebenswerth erscheinen ließ, wo im Herzen nichts zurückblieb als gähnende, öde, trostlose Leere, und man mit Schrecken erkennt, daß da» nun immer so bleiben werde — in der Nacht, die auf solchen Tag folgt, — Da schläft man nicht, Alter! Gott sei Dir gnädig, daß Du in Deinem Leben keinen solchen Tag zu verzeichnen hast. Siehst Du, jetzt hast Du mich auf dem Punkte, wo Du mich immer haben wolltest ; ich lasse von Anita, weil es so fein muß.

Konrad vermochte nichts zu sagen. Er schluckte die aufquellenden Thränen hinunter, es war ihm, als würge ihn etwa« an der Kehle. Es that ihm fo unsäglich weh, den geliebten Freund so leiden zu sehen.

Nach kurzer Pause fuhr dieser flüsternd fort: Al« ich heute mit jähem Entsetzen erkannte, daß Anita mich nie geliebt hat, da war es mir, al« versänke die Welt vor meinen Augen, als bräche in meinem Herzen etwa» entzwei, — den Schmer; Dir zu schildern, wäre unmöglich."

Konrad versuchte nun doch, den Leidenden so gut er es vermochte, zu trösten.

„Du wirst jene Schlange, die Deiner nicht werth ist, vergessen, und nur mit Verachtung an sie zurückvenken!"

Roland lächelte schmerzlich: „Da» ist» ja eben, wa« ich niemals lernen werde, weswegen ich mich selbst verachten muß. Ich fühle, ich kann da« Mädchen, für das ich noch jetzt alle» hinzugeben.