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FuldaerMIeitung

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M 208.

Jul^öLl, Dienstag, den 11. September 1900.

27. Jahrgang.

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verantw.: Mr di-Redaktion t. v. »arl Schaffer, für Inserate I. Parzelle» tu Fulda.

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mtt AnKrhattimgs-Meikage „Zssustrirtt Sonntags-Zeitung!'

47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands

z« Ao«« 1900.

O Bonn, 5. u. 6. Sept.

Der Deröaud der kathokifche« Rottfm. Dereiuignvge« Deutschlands

hielt am Mittwoch Nachmittag im oberen Saale des „Kaiser Friedrich" eine sehr gut besuchte Versammlung. Den Vorsitz führte Namens der Verbandsleitung der Vorsitzende des Bonner Vereins, Herr Haack, welcher besonders die Mitglieder der auswärtigen Vereine mit herzlichen Worten bewillkommnete.

Herr Fuchs (Koblenz) verbreitete sich in längerer Rede über den Verband, seine Ent­wickelung und seine Zwecke. Als Aufgabe der Verbandsoereinigung bezeichnet er es, den Mit­gliedern moralischen Halt zu gewähren und sie zum Guten anzueifern, für die Mitglieder durch Wohlfahrtseinrichtungen in allen Lebenslagen zu sorgen und endlich denselben durch freundschaft­liche Beziehungen reine Vergnügungen und damit wahre Lebensfreude zu bieten.

Herr Dech (Köln) behandelte den Bildungs­gang des Kaufmanns und äußerte sich eingehend über Handelsschulen und Handelshochschulen. Seine Ausführungen, denen er das Programm der Kölner Handelshochschule zu Grunde legte, zeugten von eingehendem Studium der einschlägigen Verhältniffe und fanden den Beifall der An­wesenden.

Herr Heck hausen (Barmen) stellte die For­derung auf, daß in Fabrik-, Engros- und Bank­geschäften die völlige Sonntagsruhe eingeführ werde. Daß dieses möglich sei, lehre das Bei­spiel Englands. Nach längerer Besprechung nahm die Versammlung einstimmig folgende Re­solution des Herrn Heckhausen an: „Die bei Ge­legenheit der 47. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands tagende Versammlung des Verbandes katholischer kaufmännischer Vereini­gungen Deutschlands wolle beschließen, dos Een- trum des deutschen Reiches zu ersuchen, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß dem Gesetz ent­sprechend überall durch OrtSstatut die völlige Sonntagsruhe für die Handelsgehilfen in Fabrik-, Engros» und Bankgeschäften eingeführt werde."

Herr Weismantel (Köln) nahm als Mit- glied des Agitationskomitees hierauf Vrran- laffung, dem Herrn Vogeno (Aachen) zu danken für die anerkennenden Worte, welche derselbe in der ersten öffentlichen Generalversammlung den katholischen kaufmännischen Vereinen gewidmet habe. Ferner dankte er dem anwesenden Herrn Abg. Marx für die Thätigkeit, welche derselbe im Sinne der katholischen kaufmännischen Vereini­gungen bei Berathung des Gesetzentwurfs bett, die Waarenhaussteuer entfaltet habe und richtete schließlich an bie Herren Geistlichen die Bitte, bei Neugründungen von katholischen kaufmänni­schen Vereinen oder Kongregationen mithelfen zu wollen.

Die gleiche Bitte sprach Herr Heckhausen aus, dieselbe dahin erweiternd, daß Vereine, welche durch diese nothwendigen Neugründunoen

Die Merke von Jkorenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

2 ------ (Nachdruck verboten.)

Rolands Züge hatten sich bei diesen Worten gänzlich verändert. Aus seinen Augen brach ein heller, freudiger Strahl, um den Mund lag ein glückliches Lächeln; auf seinen Wangen jedoch brannten zwei rothe Flecke.

Seufzend und mit recht sorgenvollem Gesicht ging Konrad daran, sich umzukleiden, während Roland mit großen Schritten im Gemach hin und her lief. Man sah es ihm an, es dauerte ihm viel zu lange, bis der Freund seine Toilette be­endet hatte, es schien fast, als brauchte Konrad absichtlich viel mehr Zeit, als nöthig war.

„Wenn Du jetzt nicht bald fertig wirst", brach Roland heftig los, „dann gehe ich allein, ich darf sonst wirklich nicht hoffen, Änita noch zu treffen 1"

„Wollte Gott, Du hättest sie nie getroffen", murmelte Konrad, mehr zu sich selbst sprechend. Allein der Andere hatte es doch vernommen.

„Fängst Du schon wieder damit an!" rief er ärgerlich, „laß doch endlich einmal Deine ganz unbegründeten Besorgniffe! — Du weißt, ich glaube niemals daran.

„Lieber Roland," sagte Konrad begütigend, ohne auf den barschen Ton seines Freundes zu achten, „es ist nur die Angst und Sorge um Dich, die mich immer wieder verleitet, davon zu sprechen. Ich kann mich nun einmal von dem Gedanken nicht frei machen, daß Du mit dieser schwarzen Anita niemals glücklich werden wirst.

eine Verminderung ihrer Mitglieder befürchteten, keine Schwierigkeiten erheben möchten.

Herr Abg. Marx (Elberfeld) erklärte, daß er, wenn er bei Gelegenheit der Berathung des Gesetzentwurfs seine Kraft in den Dienst der guten Sache gestellt, nur seine Pflicht erfüllt habe. Gern habe er das gethan, zumal da ihm in dieser Frage Material speziell von den kathol. kaufmännischen Vereinen zur Verfügung gestellt worden sei. In allen wirthschaftlichen Fragen, welche zur gesetzgeberischen Erledigung kommen, sollten die Interessenten die Abgeordneten mit sachverständigen Unterlagen versehen. Der Feind, mit dem man auch in den nächsten Jahren sowohl auf wirthschastlichem wie. religiösem Gebiete werde zu rechnen haben, sei der Jndifferentismus. Leider müsse gesagt werden, daß gerade in den kaufmännischen Kreisen der Jndifferentismus die meisten Anhänger habe. Die Bildung und För­derung der katholischen kaufmännischen Vereine sollten sich alle Kreise angelegen fein laffen; überall, wo dieselben noch nicht vorhanden sind, solle man schleunigst an die Gründung heran- treten. Auch könnten seines Erachtens die Ver­eine mehr wirken als bisher. In welcher Rich­tung das zu geschehen habe, zeige das Vorgehen bei der Berathung der Waarenhaussteuer; in allen wirthschaftlichen Fragen müffe man sich so rühren, als es hier geschehen sei. Rechtzeitig müßten die Kaufleute ihre Bedürfnisse erkennen und dieselben an geeigneter Stelle und in geeig­neter Form kundgeben, die Centrumsfraktion, welche die Interessen aller Stände vertrete, werde auch so weit als möglich den Kaufleuten zu Hilfe kommen.

Herr Seminarpräses Laus berg (Köln), Ehrenmitglied des Verbandes, richtete, laut ,Köln. Volkrztg.' zum Schluffe Worte der Auf­munterung an die Versammlung.

General - Rerfammkung des Mereius zur Unterstützung üudirender deutscher

Katholiken.

Im „Kaiser Friedrich" tagte am Mittwoch Nachmittag eine General-Versammlung des Ver­eins zur Unterstützung studirender deutscherKalho- liken, die zahlreichen Besuch aufwies. Hauptgegen­stand der Tagesordnung war die Berathung der neuen Satzungen, die in einem Entwürfe vorlagen und zu einer längeren Diskussion führten. Der Zweck der neuen Satzungen ging dahin, den Vereinsmitgliedern noch mehr wie bisher Gewähr zu bieten, daß ihre Beiträge vorzugsweise Ge- suchsstellern aus ihrer engeren Heimath zu gute kommen. Dem erstatteten zweiten Jahresberichte entnehmen wir nach der Deutschen Reichszeitung' Folgendes: Beiträge gingen ein bis zum'31. De­zember 1898 2730.80 Mk., im Jahre 1899 7959.82, bis Ende 1899 insgesammt 10,690.62 Mk. Unterstützungen wurden bewilligt im Jahre 1898 1386 Mk., im Jahre 1899 7476 Mk., bis Ende 1899 insgesammt 8862 Mk. Die Unter­stützungen wurden im Jahre 1898 an 7 und im vorigen Jahre an 49 Gesuchsteller vertheilt. Weit mehr Gesuche konnten leider nicht berücksichtigt werden, weil die Mittel des Vereins zu gering waren. Viele Ortsgruppen sind entstanden; wei­tere Diözesan - K imitee's haben sich in Münster,

Laß es mich einmal wenigstens aussprechen, laß mir die Sorge von der Seele reden. Du bist ja blind und taub allen meinen E^mahnunarn gegen- über: Ich habe das Gefühl, daß Anita Dich überhaupt nicht liebt, daß sie nur ein kokettes Spiel mit Dir treibt, daß Tu selbst ihr voll­ständig gleichgiltig bist, und daß sie es nur da­rauf abgesehen hat, möglichst viel Nutzen aus dieser Liebelei zu ziehen. Sie weiß, daß Du reich bist; die Geschenke, die Du ihr machst, möchte sie nicht gern entbehren, weil sie ein eitles, putzsüchtiges Ding ist und--«

Roland preßte die Hände auf die Ohren.

„Um Gotteswillen, ich bitte Dich, — hör' auf, — Du machst mich wahnsinnig!" schrie er )em Freund zu, „ich kann und will nun ein­mal nicht ohne Amta leben. In ihr, in ihrem Besitz gipfelt all' mein Glück, liegt alles, was ich vom Leben noch erwarte. Selbst wenn sie mich nicht liebte, soll sie dennoch die Meine werden! Lieber will ich sterben, als ohne sie eben, — was sollte ich auf der Welt ohne Anita! Ich kann, ich — kann nicht mehr von ihr laffen, — Konrad, das siebst Du doch ein, nicht wahr? Also quäle mich ferner nicht, und nun — komm endlich." —

Roland hatte heftig erregt und mit den Hän­den gestikulirend gesprochen, jetzt faßte er den Freund am Arm und wollte ihn mit sich fort- iehen. Dieser blickte dem Erregten treuherzig in >as jetzt sehr gerröthete Gesicht, dann haschte er nach den Händen Rolands und sagte in weichem, nnigem Ton: „Du bist doch fest überzeugt, Landy, raß ich Dein treuester, aufrichtigster Freund bin, daß ich es von Herzen gut mit Dir meine, und

Limburg und Köln gebildet. Eine besondere Empfehlung fand der Verein auch im Amtsblatte des Bisthums Limburg und im kirchlichen An­zeiger des Bisthums Hildesheim. Eine stattliche Zahl neuer Mitglieder wurde dadurch dem Ver­eine gewonnen, die Einnahmen stiegen im lau­fenden Jahre bedeutend.

Jestverfammlung des katholischen kaufmännischen Vereins.

Einen geradezu glänzenden Verlauf nahm die Festversammlung des kathol. kaufmänn. Vereins, die am Donnerstag den 6. d. M. zu Ehren der Theilnehmer an der Katholiken-Versammlung und der Mitglieder des Verbandes der katholischen kaufmännischen Vereinigungen Deutschlands in der Beethoven-Halle stattfand. Aus allen Gegenden Deutschlands hatten sich die Gäste eingefunden und aus den größeren Städten der Rheinprovin^ hatten sich Gruppen gebildet, so sahen wir eine stattliche Anzahl beisammen aus Düffeldorf, Cre- feld, Aachen, Esten rc. rc. Der Präsident des Bonner Vereins, Herr Haa ck, eröffnete dieSitzung gegen 9 Uhr und hieß die Erschienenen herzlich willkommen. Der katholische kaufmännische Ver­ein sei, so führte Redner aus, au erster Stelle berufen, den Theilnehmern an der Katholiken- Versammlunq einen Festabend zu bieten, denn der Verein sei ein Kind der Katholiken-Versamm- lung vor 19 Jahren hier in Bonn. Auf einen Weckruf des seligen Windthorst hin habe sich 1881 der Derein gebildet. Zunächst habe er allerdings ganz bescheidentlich aus nur wenigen Mitgliedern bestanden. Wie er sich entwickelt habe, das zeige die Festoersammlung des heutigen Abends. Redner begrüßte sodann die Gäste und drückte den Wunsch aus, daß der Abend ihnen recht gefallen möge. Eine markige Rede auf Papst und Kaiser hielt der Seminarprediger Lausberg-Köln. Von lautem Jubel begrüßt erschien im Verlaufe der Versammlung das ganze Präsidium der Katho- likenoersamnilung, das der Präsident Haack herz­lich bewillkommt. Der Präsident der Katholiken­versammlung, Gras Praschma, dankte für das herzliche Willkommen. Groß sei schon seine Freude, an dem Feste so vieler katholischer Kaufleute theil- zunehmen, aber erhöht würde die Freude durch den Gedanken, daß eben der Bonner katholische kaufmännische Verein die Frucht der ersten in Bonn abgehaltenen Katholikenversammlung, die Mitglieder sozusagen die Söhne derselben seien. Herrlich habe sich der Verein entwickelt und sein Hoch gelte dem weiteren Wachsen, Blühen und Gedeihen des Vereins. — Msgr. Dr. Hill- mann, mit lebhaftem Händeklatschen begrüßt, sprach dem katholischen kaufmännischen Verein den herzlichen Dank der päpstlichen Soldaten aus, welche an diesem Abend an mehreren Tischen ge­eint, der Gastfreundschaft des Vereins theilhastig würden Es sei eine gute Zusammenstellung, daß ein Geistlicher im Namen der Soldaten den Kaufleuten danke. Schon von alten Zeiten her seien die drei Stände besonders im Auslands in christlicher Treue vereint gewesen, waren doch oft­mals der Kaufmann und der Soldat die Pioniere des Missionars im fernen Heidenlande. Redner fordert die altenKriegsgenoffen auf, dem gastfreundlich katholischen kaufmännischen Verein ein donnerndes

,aß nur der Gedanke an Dein Glück die Trieb­feder meines Handelns ist, nicht wahr?"

„Gewiß, Konrad, das glaube ich auch, aber ich sage Dir, Du siehst Gespenster, wo keine sind. Anita liebt mich wirklich, sie hat eS mir oft ge­nug versichert, — und ich glaube ihr. Ich wieder­hole Dir, ich kann ohne sie nicht mehr leben!

Roland hatte etwas ruhiger gesprochen als vorher, wenn auch die zwei rothen Flecken auf seinen Wangen deutlich genug seine innere Er­regung verriethen, und man ihm anmerkte, wie er sich mit Gewalt zur Ruhe zwang.

Konrad ließ sich indeß nicht so leicht ab- schütteln, er fiig wiederum, und noch eindring­licher als vorher, an, auf Roland einzureden.

„Wenn das Mädchen Dich liebte, wie Du es verdiek st. Niemand würde sich mehr freuen, als ich. Aber mein Herz sagt mir, daß dem nicht so ist; denn würde Anita nicht längst Deinem nng-stümeu D äugen nachgegeben haben, würde sie nicht mit F.enden eingewilligt haben. Deine Fran zu werten? Ihr höchstes Glück würde sie in einer Verbindung mit dem Geliebten erblicken, wie jedes andere Mädchen auch. Aber weicht sie Deinen dringenden Bitten nicht immer aus? Will sie nicht immer die Verlobung und noch mehr die Heirath hinausschieben? Und die Gründe, die sie vorbringt, — das mußt Du selbst zu­geben, sind nur Scheingründe. O Roland, — höre auf mich, — ich flehe Dich an, — laß von Anita!"

Mit finster zusammengerogeneu Brauen, und fest aufeinandergkpreßten Lppen hatte Roland zugehört. Eine Weile schien es, als wollte er

dreifaches „Evviva"zu brinaen.— Eine mit manchen Witzen gewürzte Rede hielt Herr Dekan Hammer aus der Pfalz, der die kathol. Kaufleute als Männer der Arbeit, des Gebetes, des Glaubens, der Milde und der Wohlthätigkeit pries. — Als Delegirter von dem katholischen kaufmännischen Kongreß, der vor 14 Tagen in Freiburg getagt hatte, über­bringt Herr Mittendorf aus Osnabrück herz­liche Grüße dieses Kongreffes. Ju später Stunde erschien noch Herr Reichsgerichtsrath Spahn, der es sich als Abgeordneter des Kreises Bonn nicht nehmen lassen wollte, wenn auch zu später Stunde den Verein zu begrüßen, er habe immer Freude, einen solchen Verein begrüßen zu können, aber doppelt sei dieselbe hier in Bonn, da er ja ihr Vertreter im Reichstage sei. Sein Hoch galt dem Kaufmannsstande. — Herr Pfarrer Borr­ho lt-Neunkirchen hielt eine mit Scherzen gewürzte Damenrede, die rauschenden Beifall fand.

Deutsches Keich.

Berlin, den 10. September.

h Reichskanzler Fürst Aoheulotze ist am Sonntag nach Berlin zurückgekehrt. Nunmehr werden die eigentlichen Verhandlungen über den Zeitpunkt der Einberufung des Reichstages beginnen können. Der Vollstän­digkeit wegen sei ein von einer Zeitungskorre­spondenz verbreitetes Gerücht verzeichnet, im Ok­tober werde diese Einberufung des deutschen Par­lamentes noch nicht erfolgen."

x Die Kiuöernsnng des Reichstages soll nach einer Meldung der ,Tägl. Rundschau' für den 16. Oktober in Aussicht genommen sein. Das genannte Blatt will diese Nachricht von zu­verlässiger Seite haben, fügt aber sehr vorsichtig gleich selbst hinzu, die Richtigkeit der Meldung fei für den Augenblick nicht zu kontrolliren. In der That ist, wie schon wiederholt in der ,Fuld. Ztg.' hervorgehoben wurde, kaum anzunehmen, daß schon jetzt ein bestimmter Tag für die Wiedereröffnung des Reichstages bestimmt worden fei. Auf den Tag und sogar auf eine Woche oder zwei Wochen früher oder später kommt es jetzt auch wirklich nicht mehr an. Die Hauptfrage, deren Beantwortung jetzt am meisten interessirt, ist die: soll der Reichstag zunächst nur zu einer außerordentlichen Tagung mit wenigen Sitzungen zusammenbe­rufen werden zur Bewilligung der China-Kredite und der dabei ganz unvermeidlichen allgemeinen Besprechung der ganzen China-Frage; oder soll dann der Reichstag gleich beisammen bleiben zu einer ordentlichen Wintertagung? Wenn man annehmen könnte, daß der Reichstag im nächsten Frühjahr desto eher seine Pforte wieder schließen könnte, je früher er jetzt im Herbste mit seinen Berathungen beginnt, dann müßte man wohl befürworten, daß im Oktober gleich die ordentliche, große Tagung begonnen würde. Aber das ist nach den Erfahrungen der letzten Jahrs leider gar nicht anzunehmen; denn die Regierung war fast niemals zu rechter Zeit mit ihren Vor­lagen auf dem Plane. Voraussichtlich wird an diesem Grundübel noch nichts gebeffert sein. Es hieße darum mit Gewalt auf die Erhöhung der schon vorhandenen Parlamentsmüdigkeit hinarbeiten, wenn man im Oktober bereits die ordentliche

den Ermahnungen des Freundes ein williges Ohr leihen, doch schnell hatte er diese Regung Überwunden.

„Nein, — nein, — tausend Mal ein! Ich mag den Gedanken nicht ausder.ken, er ist mir chrecklich. Und nun laß uns eilen, ich will Anita elbst fragen, will von ihr die Bestätigung ;ören, daß Deine Befürchtungen ganz grundlos ind."

„Immer und immer dasselbe Resultat," mur­melte Konrad mit betrübter Miene.

Die Freunde verließen das Haus. Eine Menge lachender, schwatzender Menschen begeg­neten ihnen, doch Keiner der Beiden hatte ein Auge für das buntbewegte Leben und Treiben ringsumher, — sie waren zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Roland war feinem Begleiter immer um ein paar Schritte voraus. Er war kaum im Stande, feine Ungeduld zu ügeln, und Konrad mußte sich seufzend einge- tehen, daß er wieder einmal tauben Ohren ge- iredigt hatte. Gegen diese Leidenschaft ver­mochte er eben Überhaupt nicht anzukämpfen, er mußte den Dingen ihren Lauf laffen.

Konrad gab sich Mühe, an die Seite des da- sineilenden Freundes zu kommen, und eine Weile chritten die Beiden schweigend nebeneinander her, dann zog Roland aus der Brusttasche ein kleines, gemaltes Bild hervor, und hielt es Konrad hin, ndem er anhub: „Sei einmal aufrichtig! Du »ist Bildhauer wie ich und hast ein offenes Auge für Frauenschönheit. Hast Du je in Deinem Leben ein schöneres Mädchen gesehen, als Anita?"

Konrad antwortete nicht.

(Fortsetzung folgt.)