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iRfmtitStette spalt. SarmE leite oder d««M Raum 15 tzs, Är Name» die Petit« teile 25 Pf.; bei Bieberbetuag* wird entsprechet Rabatt gewährt.

perantw.: Für die Redaktion i. v. Karl Schaffer, für Inserate X Parzelle» in Allda.

mit Zlnlerhattungs-Meikage „Issuflrirte Sonnlags-Ieilung!' petewerfe R«. 1 (Knrewde).

M 207.

JuLöa, Montag, den 10. September 1900.

27. Jahrgang.

47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands

z« Ao«« 1900.

O Bonn, 6. Sept.

Alsbald nach d-r letzten öffentlichen Versamm­lung begann das

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in den prachtvollen Räumen der Bonner Lesegesell­schaft in gehobenster Stimmung. Der erste Präsi­dent, Graf Praschma, brachte den Papst- und Kaiser-Toast aus. Es ist eine schöne Sitte unserer General-Versammlungen, bei dem Fest- und Abschiedsmahle nochmals zu gedenken der ge­krönten Träger der beiden höchsten Gewalten, die Gott uns vorgesetzt. Mit lebhaftem Danke und hoher Befriedigung erkennen wir es an, daß auf Grund einer gegenseitigen Achtung und Würdigung des persönlichen Verhältnisses der beiden Träger der geistlichen und weltlichen Gewalt ein freund­liches Zusammenwirken herbeigeführt worden ist und hoffentlich erhalten bleibt zum Wohle der Völker, der Kirche und des Staates. Von ganzem Herzen erneuern wir deshalb das Gelöbniß nicht nur der Treue und des Gehorsams, sondern auch der ehrerbietigen Verehrung gegen Papst und Kaiser. Mein letzter Akt meiner präsidialen Thätigkeit besteht deshalb darin. Sie aufzufordern, mit mir einzustimmen in den Ruf: Se. Heilig­keit, unser glorreich regierender Papst, und Se. Majestät, unser erhabener Kaiser, sie leben hoch!

Nachdem stehend eine Strophe der Kaiser­hymne gesungen worden war, widmete Herr Graf Max zu Vifcherrng sein Glas dem Episko­pat. Mit Dankbarkeit, Liebe und in Gehorsam sind wir den Bischöfen ergeben. In schwerer Zeit sind sie uns Führer gewesen, Führer sind sie uns auch in der Gegenwart und werden sie uns auch der Zukunft sein. Leider konnte der Hochw. Herr Erzbischof heute nicht unter uns weilen; wir alle danken ihm aber aus ganzem Herzen, daß er gleich zu Beginn unserer Ver­sammlung erhebende, erbauende und wahrhaft apostolische Worte zu uns gesprochen hat. Er ist hier nrcht mehr weiter fremd, er hat 30 Jahre hier gewirkt, dann den Paderborner Bischofsstuhl bestiegen und vor wenigen Monaten den Hirten, stab des hl. Maternus in seine kraftvolle Hand genommen. Eine besondere Anerkennung ist uns zu Theil geworden durch die Anwesenheit des Hochw. Herrn Weihbischof Dr. Fischer. In hohem Maße hat sich derselbe die Liebe, Hoch­achtung und Verehrung der ganzen Erzdiözese erworben, deshalb sind wir stolz und freuen uns, ihn in unserer Mitte zu haben. Dem deutschen Episkopat, besonders dem Erzbischof Dr. Hubertus Simar und Herrn Weihbrschof Dr. Antonius Fischer galt des Redners Hoch.

Herr Weihbischof Dr. Fischer dankte im Namen des deutschen Episkopates, besonders im Namen des Herrn Erzbischofs und in seinem eigenen Namen für die freundlichen Worte. Eine schöne Gewohnheit ist es, daß die Generalver­sammlungen sich so eng an den Episkopat an- schließen. Das ist gut, recht und echt katholisch; denn die Versammlungen berühren Fragen, die mehr oder weniger den Episkopat betreffen, mittel-

Die Uerle von Morenz.

Orginal-Roman von Irene v. Hellmuth.

------- (Nachdruck verboten.)

I.

Heber das wunderliebliche Florenz spannte sich der tiefblaue Äbenöhimme! aus. Rosige kleine Wölkchen zogen langsam an demselben da­hin ; alles ringsum schien im Duft gehüllt, die alte Stadt der Medizi bot einen herrlichen An­blick. Purpurner Glanz breitete sich über die zahllosen Thürme und Kuppeln, über dir Zinnen der großen, meist im ernten, strengen Stil er­bauten Paläste, an denen Florenz so reich ist, während die einfachen, meist .edlen Schmuckes entbehrenden Fassaden derselben, die mächtigen eisenbeschlagenen Thore, sowie die viereckigen, meist mit Arkaden Umgebenen Höfe bereits im Dunkel lagen. Auf Straßen und Plätzen begann sich daß rege Leben zu entfalten, das dort be­sonders in dm Abendstunden herrscht.

Im Zentrum der Stadt, zwischen dem Dom- vlah und dem Granducaplatze liegt die neue Calzajolistraße, wohl eine der schönsten Straßen und der Mittelpunkt des florentinischen Lebens. Dort befand sich in einem ansehnlichen Hause das Atelier des deutschen Bildhauers Roland Krüger. Dieser saß mit. seinem Freunde Konrad Alcherr eifrig bei der Arbeit, in die Beide anscheinend sehr verliest waren. Man konnte sich kaum einen größeren Gegensatz denken, als die zwei, etwa in gleichem Alter stehenden jungen Männer. Konrad war eine kräftige, breitschultrige Erscheinung, der

bar oder unmittelbar von den Bischöfen abhingen, zum Theil auch zur engeren Jurisdiktion der Bischöfe gehören. Für die hier zum Ausdruck gebrachte treue Gesinnung sagte er herzlichen Dank; er beantwortete dieselbe mit einem Hoch auf das Zentralkomitee, welches vor zwei Jahren inKrefeldeingesetztworden sei. Rühmend müsse er bei diesem Anlaß des früheren Kommissars Fürsten Löwenstein gedenken, eines Edelmannes vom Scheitel bis zur Sohle. Fürst Löwenstein vermochte die Last, welche ihm das Amt eines Kommisssrs auferlegte, bei der Fülle der Jahre nicht mehr zu tragen, und zu seiner Entlastung wurde das Zentralkomitee eingesetzt. Die General­versammlungen wuchsen derart, daß die Frage einer etwaigen Reorganisation bald vielleicht eine aktuelle wird. Wenn ich nun dem Zentralkomitee ein Hoch aus bringe, so möchte ich darin besonders einschließen den Vorsitzenden Grasen Droste-Erb- droste. den Träger eines Namens, vor dem jeder Katholik sich in Ehrfurcht neigt. Freudig stimmte die Tafelrunde in dieses Hoch ein.

Herr Rechtsanwalt Trimborn sang das Lob der Stadt Bonn. Daß er dazu ausersehen sei, erachte er als eine kleine Bosheit: man wollte einen Kölner zwingen, Bonn zu preisen. Der Preiswürdigkeit Bonns vermöge er nach diesen Tagen nicht länger zu widerstehen; spät sei die Erkenntniß von Bonns Ruhm bei ihm zum Durch­bruch gekommen, aber jetzt mit aller Macht. Bonn sei unter den schönen Töchtern des Rheines die üppigste und vielleicht gefährlichste. Seine Kon­kurrenz sei ernsthaft zu fürchten. Aber Köln habe sich Bonn gegenüber äußerst nobel gezeigt: es habe ihm das geistige und weltliche Oberhaupt gegeben: Was Herr Dechant Reu Gutes habe, sei Kölner Erbtheil, und den besten Beigeordneten überließ Köln in Herrn Spiritus Bonn als Ober­bürgermeister. Wir Kölner sind ollen, auch Bonn gegenüber, gute Menschen. Die von echt rhei­nischem Humor durchwehten Worte, welche stür­mische Beifallssalven entfesselten, gipfelten in einem Hoch auf das gastfreundliche Bonn.

Herr Sanitätsrath Dr. Ruegenberg wid­mete sein Glas dem Präsidenten GrafenP ras ch ma, dem trefflichen Leiter der Verhandlungen, Rechts­anwalt Karl Trimborn, dem verdienten Par­lamentarier und dem Grafen Droste-Vische- r ing, der sich — um sich eines rheinischen Aus­druckes zu bedienen — „gut anrauche".

Oberbürgermeister Spiritus bat, der Stadt Bonn ein so gutes Andenkerf zu bewahren, wie diese der Generalversammlung bewahren werde. Ja glänzender Rede zeichnete er die hervor­ragendsten Mitglieder der Tafelrunde in treffenden Strichen; er versäumte es auch nicht, die Herrlich­keiten Bonns heroortreten zu lassen. Jubelnd stim­mten nach den zündenden Worten die Bonner ein in ein Hoch auf die Mitglieder der Versammlung.

Graf Droste-Vischering, Erbdroste, wies ein gutes Theil des Gelingens der Versammlung dem Lokalkomitee zu und toastete unter großem Jubel aus dasselbe und seinen Vorsitzenden Herrn Sanitätsrath Dr. Ruegenberg.

Die Schlußrede hielt Herr Pfarrer Ludwigs auf die Redner der öffentlichen Versammlungen. In gehobener Stimmung begab sich die Tafel­runde gegen 4*/a Uhr zur Landebrücke.

rrennTeiMiiiH»iii iimeiiiii 111 1111.1111111™ s&i« 1 ■ irünwreri echte Deutsche, während Roland fast zu zart er­schien mit feiner elastischen, schlank-.' Gestalt und dem mädchenhaft schmalen, etwas bleichen Gesicht und den träumerischen, von großer Seelengüte sprechenden Augen.

In dem geräumigen Zimmer herrschte jene malerische Unordnung, die man in Ateliers häufig findet, und die hier durchaus nicht störend wirkt. Die Freunde unterhielten sich heiter miteinander, und wohl in Fortsetzung eines schon vorher be­gonnenen Gespräches sagte Konrad, indem er die Arbeit seines Kollegen näher in Augenschein nahm:

„Roland, ich wiederhole es Dir, Du bist ein Künstler von Gottes Gnaden! So etwas werde ich nie fertig bringen! Ich weiß nicht, woran es liegt, — aber bei mir fehlt immer fo ein ge­wisses Etwas, meine Arbeiten tragen alle den Stempel des Stümperhaften an sich, —ich fühle das ganz gut, und doch kann ich es nicht besser machen, — ich bin eben kein Künstler wie Du!"

Auf seufzend fuhr er sich mit der bräunlichen Hand durch das dichte Haar, dessen blonde Ringel wm in die Slim hingen; nach einer kleinen Pause begann er von Neuem: „Wenn ich doch Dein Talent hätte, Freund I Warum nur Man­cher fo gar tief im Pech sitzt, wie zum Beispiel ich! — Während Du, der Du eigentlich nur zu Deinem Vergnügen zu arbeiten brauchst, ein fo großes Talent besitzest, habe ich kein Geld und kein Talent! Wenn ich wenigstens das Eine oder das Andere hätte, — Beides wollte ich gar nicht aus einmal, aber fo----"

Wieder seufzte er aus und starrte trübe vor sich hin.

Ai- Iestfayrt

bildete einen Abschluß der festlichen Veranstal­tungen, wie er wirkungsvoller nicht gedacht werden konnte. Schon von 3 Uhr ab suchten die Fahr­gäste sich einen möglichst vortheilhasten Platz auf den Schiffen zu sichern; eine vieltausendköpfiges Publikum besetzte die festlich geschmückten Ufer, die benachbarten Häuser und die im Fahnenschmuck prangende Brücke, um Zeuge zu fein der Abfahrt der Flottille. Als dann die Teilnehmer des Fest­mahles sich zu den übrigen Fahrgästen gesellt hatten, ging« unter dem Donner der Geschütze den Rhein hinauf, unter begeisterten Zurufen und Tücherschwenken der Menge und den Klängen der Fanfaren.

Geführt von dem stattlichen Rheindampfer „Mosel" eröffnete der reich beflaggte und be­wimpelte Salondampfer „Frauenlob" die Fahrt, und in kurzen Abständen folgten im Kielwasser desselben „Ooerstolz", zwei Salondampfer der Niederländischen Dampfschifffahrtsgesellschaft und neun kleinere Privatdampfer, sämmtlich in reichem Flaggenschmuck paradirend, bis zum äußersten Plätzchen besetzt mit einer frohgestimmten Menge. Richt müde wurde das Auge des schönen Bildes, welches die langsam vorüberziehende Flottenparade bot, zu dem die Rheinpromenade und die jubelnde Volksmenge den Rahmen bot. Vorüber gings an den festlich geschmückten Ufern nach Oberkassel, Königswimsr, Rüngsdorf, Rhöndorf, den Inseln Nonnenwerth und Grafenwerth, Unkel, Erpel, Remagen, Linz bis Kripp. Ueberatt erschallten Zurufe von den Ufern zu den Festtheilnehmern hinüber, alle Ortschaften, welche auf der Fahrt berührt wurden, hatten ihren Feiertagsstaat ange­legt. Besonders ausgezeichnet hatten sich in dieser Beziehung Oberkaffel, Königswinter, Unkel, Re­magen und Linz. Die Witterung, welche sich am Nachmittag etwas trüb anließ, war der Fahrt außerordentlich günstig; als die Flottille in die Nähe von Königswruter kam, durchbrach die Sonne mit Macht das Gewölk und vergoldete das herr­liche LandschaftSbilf.

Die Abendschetten senkten sich nieder, als man Unkel erreichte, und nun leuchteten die ersten Lichter auf, das Ufer mit magischem Schimmer übergießend, im Strome sich widerspiegelnd. Von den Höhen herab leuchtete bengalisches Licht, das herrliche Geläute der Unkeler Glocken sandte feinen Gruß zu den Schiffen hinüber. In kür­zester Zeit wurde nun die Beleuchtung allgemein, Raketen zischten auf, Leuchtkugeln und Schwärmer stiegen in dis Lüfte. Die herrliche Apollinaris­kirche bei Remagen war mit einem Lichtmeer übergossen. Linz, Kripp, Remagen, Unkel, die Inseln, Königswinter und alle die anderen Ort­schaften wetteiferten in der Hervorbringung farbenprächtiger Lichteffekte. Bis in die höchsten Weinberge und in bewaldete Höhen hinauf setzte sich die Beleuchtung fort, und in oll' die Pracht hinein ertönte der Glocken Klang, der Zuruf gleichgesinnter Menschenkinder. Eine Veran­staltung so allgemeiner Natur konnte nicht von einigen wenigen ungeordnet und ins Werk gesetzt werden, dazu bedurfte es der Mitwirkung der von einem Gedanken erfüllten Masse. Die aus Angehörigen aller deutschen Lande, zahlreich auch ^emessbä [iiiii ituwitiwt!

„Na, laß gut fein, Konrad," tröstete Roland den Freund, „so lange ich lebe, wird es Dir wahrlich an nichts fehlen, das weißt Du. Wozu bin ich denn reich, was sollte ich mit meinem vielen Gelde auch anfangen?"

„Weiß Gott," sagte Konrad nicht ohne Rührung, „Du hast schon so viel an mir gethan, daß ich mich ordentlich schäme, wenn ich daran denke! Es ist auch thatsächlich eine Schande, wenn man mit 25 Jahren noch nicht einmal so viel verdient, um sich ordentlich kleiden und richtig satt essen zu können! O Roland — — Roland --wenn ich Dich nicht hätte, ich müßte Hunger leiden und--"

„Laß doch endlich einmal das alte Zeug!" unterbrach Roland fast hastig den Freund, „Du weißt, ich liebe es nicht, davon zu sprechen. Sei vernünftig und glaube mir, was ich Dir schon so oft sagte: es wird später schon anders und brsser werden. Vorläufig leidest Du ja keine Noch; ich de-'ke doch, es geht Dir nichts ab, o-ier hast Du irgend einen Wunsch, so sag es ohne Scheu, ich freue mich ja fo sehr, ihn Dir erfüllen zu können. Du entschädigst mich durch Deine treue Freundschaft reichlich für alles, was ich an Dir thue, — schließlich bin ich der Empfangende, Du der Gebende."

Er reichte bei diesen Worten dem Freunde die Hand, die dieser rasch ergriff und herzlich drückte. Konrad wollte etwas erwidern, doch Roland kam ihm zuvor.

„Nur keine weiteren Dar.kesbezeugungen, wenn ich bitten darf, ein fester, inniger Händedruck, das genügt, mehr braucht es nicht, und nun, ich

aus Ausländern zusammengesetzte Festtheilnehmer- schaft zollte der wackeren rheinischen Bevölkerung, welche mit so großen Opfern ein solches Schau­spiel bot, den wärmsten Dank

Bei Kripp drehte die Flottille, und in lang­samer Fahrt glitt sie den Strom hinab. Auf den Schiffen herrschte unterdessen ein frohbewegtes Leben und Treiben; die Musik spielte muntere Weisen und Mitglieder des Bonner Männer­gesangvereins und des Münsterkirchenchores brachten durch herrliche Liederspenden die Stim­mung auf den Höhepunkt. In gemessenem Tempo näherten sich gegen 10 Uhr die Schiffe Bonn und bald erfolgte die Landung. Die Musenstadt hatte sich in der Beleuchtung selbst übertroffen; eine dichtgedrängte Menschenmenge empfing dir Fahrgäste. Nur eine Stimme des Lobes herrschte über die so glänzend gelungene Veranstaltung, wofür herzlichster Dank allen Mit- wirkenden gebührt. Lange noch wird die Erinne­rung an diese Festfahrt den Theilnehmrrn lebendig bleiben; Uebereinstimmung herrscht bei allen darin, daß einen großartigen Abschluß die so überaus glänzend verlaufene Generalversamm­lung der Katholiken Deutschlands nicht hätte finden können.

Deutsches Reich»

Berlin, den 8. September.

* A«k Kaiferrsde in Stettin über die Chinapolitik verbreitet „Wolff's Bureau" am Samstag eine andere Version über den Schluß der Erwiderung des Kaisers auf die Ansprache des Oberbürgermeisters. Danach lauten die Schlußworte: „Ich habe gar keine Besorg­nisse für die Zukunft. Denn mit uns ist Gott, der wird uns durchhelfen!" — Nach der Wolff'schen Meldung vom Freitag sollte der Kaiser gesagt haben: „Ich habe gar keine Besorgnisse für die Zukunft. Ich bin Überzeugt, daß mein Plan gelingen wird, das wird auch zum Besten Stettins, der Provinz Pommern und des ganzeu Vaterlandes dienen; das walte Gott!"

* Mit dem 1. Oktober d. I. wird eine Neue­rung für die Neschäflignng jngerrdkicher Ak- veiler ht Iavrike« Platz greifen. In vielen Betrieben ist es zweckmäßig, die jugendlichen Ar­beiter nicht so lange zu beschäftigen wie die b s- herige Bestimmung der Gewerbeordnung es'zuläßt, dasür aber ohne Pause, sowohl während des Vor­mittags wie des Nachmittags. Nach der bisherigen Gewerbeordnung dürfen die jugendlichen Arbeiter in den Fabriken täglich zehn Stunden beschäftigt werden, es muß ihnen aber, wenn sie auch nicht so lange arbeiten, sowohl Vor- wie Nachmittags eine halbe Stunde Pause gewährt werden. Mehr­fach wurde nun von Arbeitgebern der Versuch ge­macht, die Arbeitszeit auf je vier Stunden am Vor- und Nachmittage herabzusetzen, die Pausen aber wegfallen zu lassen. Es kam dieserhalb zu gerichtlichen Entscheidungen, wonach die Arbeit­geber in Strafe genommen wurden. Durch die am 1. Oktober d. I. in Kraft tretende Novelle wird es gestattet, jugendliche Arbeiter bis zu vier wiederhole es, hast Du irgend einen Wunsch, dann heraus damit!"

„Nein, — mein Roland," wehrte Konrad eifrig ab, indem er die vorhin aufgenommene Arbeit wieder bei Seite legte und rasch von dem Gegenstände des Gespräches abzukommett suchte.

Die Unterhaltung drehte sich dann um gleich - gütige Dinge, bis plötzlich Konrad wieder an­fing: „Sag mal Roland, wie es kommt, daß Du Über ein fürchterliches Vermögen verfügst, während Dein kleiner Bruder Fred, wie ich schon öfters zu bemerken Gelegenheit hatte, gänzlich von Deiner Großnmth abhängt; warum haben denn Deine Eltern ihre Gaben fo ungleich auSaetheilt? Dem Jungen geht es ja wahrlich nicht schlecht dabei, gewiß nicht; ich denke mir manchmal, daß fo ein blutjunger Student gar nicht fo viel Geld nöthig hätte, wie Du alle Monat nach Heidelberg schickst, — aber ein eigenes Vermögen scheint Dein Bruder nicht zu besitzen, weil er jedes Mal einen fo rühren­den Dankbrief an Dick schreibt, — ober ver­waltest Du nur feinen Theil mit?"

Roland kraute sich hinter den Ohren.

„Bei Fred gibt es leider Gottes nichts zu verwalten", meinte er lächelnd, „meine Eltern hatten auch nichts zu vertheilen, bevor sie starben. Die Sache liegt anders. Fred ist, wie Du weißt, mein Stiefbruder. Meine Mutter, Gott fei's ge­klagt, daß ich fo sprechen muß, kümmerte sich nicht um meine Erziehung und um mich über­haupt nicht; mein Vater war, fo lange ich denken konnte, ein tränt r Mann, und ich fürchte immer, er har mir als einziges Erbtheil feine Krankheit vermacht."