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M 206.
JuLNa, Samstag, den 8. September 1900.
27. Jahrgmg.
mit Anterhattungs-Aellage „Illuflrirte Sonnlags-Zeitungi' “xatTSS"“
47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands
z» Ao»« 1900.
O Bonn, 5. Sept.
Vierter und letzter Tag.
Der letzte Tag der Generalversammlung wurde eingeleitet durch heil. Messen, welche in sämmt- lichen Kirchen nach der Intention des Bonifatius- wereins gelesen wurden. Die
letzte geschkosseue Aersammkrmg
Wurde um 81/« Uhr mit dem kath Gmß eröffnet und die Beratung der Anträge fortgesetzt. (Es betritt den Saal der Hochw. Weihbischof Fischer- Köln, von der Versammlung lebhaft begrüßt.) Bur Annahme gelangen: Ein Antrag, welcher allen akademischen Katholiken wiffenschaftliche Arbeiten insbesondere auf dem Gebiet der weltlichen Disziplin empfiehlt; ein Antrag, welcher die Erhaltung der Konfesstonellität der Schule fordert; ein Antrag, welcher das Studium und die Aufführung der religiösen Dramen und Festspiele Calderons und anderer geistlichen Stücke empfiehlt; ein Antrag, welcher um Unterstützung der Mäßigkeitsbestrebungen bittet; ei» Antrag, welcher sich mit der Verwahrlosung der Jugend beschäftigt; ferner ein Antrag, der den Beitritt zum Vincenzverein empfiehlt; ein Antrag brtr. Gründung von St. RegiSoereinen. Bei der Be- rathung über diesen Antrag bemerkt Pfarrer Schäfer-Londo«, Brautpaare, die sich in England trauen lassen wollten, möchten sich an ihn wenden, damit er ihnen bez. der Legitimationspapiere usw. Auskunft erthrilen könne. Ein fernerer Antrag, derzur Annahme gelangt, betrifft Mädchen- fchutz und die Bahnhofsmission, mit einem Unterantrag Dr. Urf ey, welcher die Gründung von Mädchenschutzoereinen nach dem Vorbilde von München und Köln befürwortet. Sodann wurde ein Antrag berathen, welcher sich mit den Mädchenschutzanstalten im Auslande beschäftigt. Derselbe empfiehlt den deutschen Frauenklöstern, die sich mit dem Verdingen ihrer Schützlinge im AuS- lande befassen, die an sie vom Auslande gerichteten Anträge um Dienstboten an die im belr. Lande für Deutsche bestehenden Anstaften zu verweisen. Der Antrag wird angenommen, ebenso «in Antrag, welcher die Belebung der christlichen Kunst befürwortet. Schließlich gelangen noch Anträge zur Annahme, die die Unterstützung der deutschen Gesellschaft für christliche Kunst, den Albrecht Dürerverein und die Zeitschrift für christliche Kunst empfehlen. Damit schloß um 10 Uhr die Versammlung. Die
-vierte «*> Letzte öffentliche Versammkrrng wurde um 101/* Uhr eröffnet. Zunächst sprach Pfarrer Dr. Wurm au« Hausberge über das Thema: „Rückblick in das alte und Ausblick in das neue Jahrhundert unter Berücksichtigung der Kirchen Deutschlands". Redner führt aus, vor 100 Jahren habe die katholische Kirche am Rande ihrer Vernichtung gestanden. Im Jahre 1803 Habe man ihr Besitztum genommen, die auS demselben stammenden Gelder seien für Unter- richtS» und dgl. Zwecke bestimmt und verwendet Worden, aber nicht für diejenigen, denen das Geld gehört habe, die Katholiken. Die Orden erlitten einen schweren Schlag dadurch, daß man ihr Fortbestehen in das Belieben der Fürsten stellte. Die Zeiten wurden so schlimm, daß selbst Napoleon I. einen deutschen Fürsten ermahnte, die Katholiken nicht rechtlos, wie Heloten, zu be- -handeln. Aber unter der Schneedecke erstarrte die Kirche nicht. Vom Süden ging eine neue Bewegung aus, unter den Männern Graf Stolberg, Friedrich Schlegel und GörreS. Und besonders ist hier rühmend zu erwähnen Ludwig I. Aber der ÄüreaukratiSmus dauerte noch eine geraume Lett fort und von Preußen galt das Wort, daß die katholische Kirche in ihm eine unter Polizeiaufsicht stehende Delinquentin sei. Man suchte die Katholiken mit den Protestanten zu vereinigen. Aber ein Erwachen ging durch daS katholische Volk, alS am 20. November 1837 Erzbischof August Clemens inS Sefängniß wanderte. Taufende und Taufende sandten ihre Gebete zum Himmel, «s half der Regierung nichts, daß sie «eitere Bischöfe einsperrte; sie kam schließlich zur Einsicht. Friedrich Wilhelm IV. öffnete die Gefängnisse und gab den Katholiken die katholische Abtheilung im Ministerium. DaS Jahr 1844 stand mit seiner Pilgerfahrt zum hl. Rock unter dem Zeichen der Einigung. 1844 wurde in Bonn der Grund zu den kathol. Studentenkorporationen gelegt. Dann kam das „tolle Jahr 1848". In der Nationalversammlung schaarten sich die kathol. Ab
geordneten zusammen zur kathol. Vereinigung. 1848 kam die erste Generalversammlung der Kmholiken. Um dieselbe Zeit wurden die Bischofsversammlungen gegründet. Es kam eine Zeit de» Friedens, in welcher die Katholiken wachsam waren, so daß dec Kulturkampf sie nicht unvorbereitet fand. Redner schildert die Kulturkampfzeit und fährt dann fort: Selbst der Heros Bi«, marck habe sein Unrecht eingesehen. Nachtheile habe der Kampf für die Katholiken gehabt, aber auch Vortheile, indem er das morsche hinweggeschwemmt habe. Nach dem Kampfe sei die soziale Frage aufgetaucht. Hier habe das kathol. Volk sich ein großes Verdienst erworben. Man könne daher vom 19. Jahrhundert sagen: Gott über seiner Kirche! Was das neue Jahrhundert anbelange, so würden uns auch hier Kämpfe bevorstehen, und zwar würden sie sich bewegen auf dem Gebiete der Schule, des Ocdenswesens und der Freiheit der Kirche. Man habe ein Recht zu hoffen, daß Gott weiter über seiner Kirche bleiben werde; aber Pflicht der Katholiken sei es, des Wortes eingedenk zu sein: Beten und arbeiten! (Lebhafter Beifall.)
Hierauf sprach Ober-Landesger.-Rath Roeren, von lebhaftem Beifall begrüßt, über: „Schutz der Jugend gegen die Auswüchse in Kunst und Belletristik". Redner begrüßt mit Freuden die von der Generalversammlung angenommene Resolution gegen die Unsittiichkeit und kommt dann auf die Berliner und Münchener Versammlungen zu sprechen, welche die Gründung der GoethebundeS zur Folge gehabt hätten. Den dort verkündeten Grundsätzen gegenüber, daß die höchste Kunst der nackte Mensch sei, daß die Bibel Aberglaube sei und daß Goethe in einem Wort mehr sage, al» die 10 Gebote zusammen, müßte darauf hingewirkt werden, daß die Prinzipien der christlichen Moral hochgehalten würden. In erschreckender Weise hätten sich die Sittlichkeitsverbrechen der Jugend vermehrt. Da« sei die Folge de» Vertriebs unsittlicher Bilder und Literatur an jugendliche Personen und die Ausstellung von anstößigen Bildern in den Schaufenstern. Im Parlament habe das Centrum einen theilwetsen Erfolg gehabt ; e« habe */» seiner Forderungen erreicht. Zu dem Erreichten müsse die freiwillige Mitarbeit Aller, und namentlich der Vereine gegen die Un- fittlichkeit treten. Redner schließt mit einem warmen Appell an Eltern, Lehrer u. s. w., auf die Jugend scharf Acht zu haben und alle» zu thun, was in ihren Kräften stehe, die Unfittlichkeit zu bekämpfen. (Lebhafter Beifall.)
Von stürmischem Beifall und Händeklatschen begrüßt, betritt Abg. Dr. Lieber die Rednertribüne. Er bemerkt, daß er gern dem Rufe gefolgt sei, die Schlußrede zu halten, um einer Pflicht zu genügen, die ihn seit Anfang diese« Jahres drücke, nämlich den Dank auszusprechen dafür, daß die Katholiken Deutschlands, er könne sogar sagen der ganzen Welt, zu seiner Rettung aus nächster Lebensgefahr heiße Gebete zum Himmel emporgesandt hätten, und daß er diesen Gebeten seine Rettung -verdanke und die Ehre, noch einmal an einer Katholikenversammlung theilzunehmen. (Lebhafter Beifall.) Wenn man auf die Tage der Katholtkenversammlung zurückblicke, so müsse man mit tiefster Ergriffenheit der herrlichen Worte gedenken, die hier gesprochen seien. Vom ersten bis zum letzten Augenblick habe die Versammlung auf der Höhe gestanden. Wenn heute vor hundert Jahren Jemand gesagt haben würde, daß heute in Bonn eine derartige Ver- sammlung stattfinden würde, so würde man ihn als für das Irrenhaus reif erklärt haben. Redner wirft sodann einen Rückblick auf die Kulturkampfzeit. Wenn wir auch nicht die Folgerungen aus dieser Zeit zögen, zu Haffen und Rache zu üben, so müsse man wohl die Folgerung aus ihr ziehen, unser Pulver trocken zu halten. (Beifall.) Glücklicherweise sei es gelungen, auch in politischen Dingen eine Einheitlichkeit der Katholiken herbeizuführen, um die uns die Katho- liken der ganzen Welt beneideten. In dem Maße, wie das Centrum in der Gesetzgebung des Reiches wenn auch nicht die maßgebende, so doch die ausschlaggebende Partei geworden sei, sei auch daS Bedürfniß und die Erkenntniß mächtiger geworden, daß wir in scheinbar gleichgiltigen Dingen auf den LuxuS einer selbständigen politischen Uebrrzeugung vielfach im Interesse der Sesammt- heil verzichten müßten, und das Bedürfniß rege geworden, tn freier Verständigung auch in politischen Dingen eine ausschlaggebende Stellung zu gewinnen, ohne die wir auch in religiösen Fragen eine Macht auf parlamentarischem Boden auSzuübeu nicht in der Lage wären. DaS Centrum habe als die größte Partei auch die Verantwortung für den Sang der parlamentarischen Verhandlungen zu tragen, und daher möchte er, da er vielleicht zum letzten Male vor einer Katholiken-Versammlung spreche, die Bitte aussprechen, daß man fürArbetter sorgen möge, die im Stande seien, diese schwere Aufgabe zu lösen. Er trage kein Bedenken, eS
auszusprechen. Seit dem Oberverwaltungsgerichts- Erkenntniß in Sachen Pater Andelfinger sei die Lage für uns deutsche Katholiken in der Frage des Jesuitengesetzes eine unerträgliche geworden. (Lebh. Zustimmung.) Aber glauben Sie, daß ich, eben vom Sterbebett erstanden, kraft des Gebetes der Katholiken und kraft der mehr als 6000 hl. Messen, die der Pater-General der Jesuiten für mich hat dem Himmel aufopfern lassen, daß ich von Berlin fortgegangen wäre, ohne dieses selbe Wort an maßgebender Stelle ausgesprochen zu haben? (Lauge anhaltender stürmischer Beifall.) Wir können zu wenig Einblick in die oft so verschlungenen Wege des politischen Lebens gewähren, Sie mögen die feste Zuverficht haben und wenn eS auch manchmal einen andern Anschein hat, daß die katholischen Interessen heute noch so warm und noch so sorglich in den Händen deS CentrumS geborgen find, wie nie zuvor. (Stürm. Beifall.) Redner warnt zum Schluffe vor Bildung zu vieler Vereine, da die bestehenden genügten und sonst geschädigt würden. (Lebh. Beifall.)
Nachdem Präsident Graf Prafchma den Dank an die Betheiligten ausgefprochen und Weih- bifchof Fischer-Köln den Segen ertheilt hatte, schloß die Äeisammlung um 1 Uhr mit dem ambrofianischen Lobgesange.
Deutsches Keich.
Berlin, den 7. September.
h MelchsSattzker Iörst AohealoHe wird am 9. September wieder in Berlin eintreffen.
+ An der dentschsoziaken Aeformpartei, gemeinhin Antisemiten genannt, gährt eS bekanntlich seit einiger Zeit gewaltig. Bereits im letzten Winter vernahm man, der Abg. Liebermann v. Sonnenberg wolle sich ganz von der Leitung der Partei zurückziehen, und seine Stelle als Leiter der Partei werde auf den Führer der radikalen Richtung, Herrn Zimmermann, übergehen. Am 9. und 10. September wird in Magdeburg der Parteitag abgehalten, und bei dieser Gelegenheit wird der Kampf zwischen beiden Richtungen wahrscheinlich sehr heftig entbrennen. Herr Liebermann von Sonnenberg veröffentlicht in den .Deutschsozialen Blättern' eine Erklärung, in der er dringend dazu mahnt, die bestehenden Gegensätze nicht noch einmal zu verkleistern, sondern zum Austrag und zur vollkommenen Klärung zu bringen; er hält fest an der „grundsätzlichen Auffassung", daß die Partei „ein Kartell mit dem Bunde der Land- wirthe, den Christlich-Sozialeu und der konser- vatioeu Partei anstreben müsse zur Wahrung des gegenseitigen BefitzstandeS". Die Gruppe des Herrn Zimmermann und Sen. ist der entgegen« gefitzten Ansicht. Mag nun der Magdeburger Parteitag dem einen oder dem anderen Theile den Siez bringen, ist auf jeden Fall das Eine klar, daß eine Partei mit so scharfen Gegensätzen innerhalb ihrer Reihen keine bedeutende Zukunft vor sich hat, womit nicht gesagt sein soll, daß dasselbe zutreffe auf alle von der genannten Partei angestrebten Ziele.
X Die lex Aeintze soll in einem Lustspiele verulkt werden, daS aus der bekannten Lustspiel- Werkstatt von Blumenthal und Kabelburg hervorgegangen ist und von dem Berliner Theater in Berlin zur Aufführung angenommen worden war, das unter der Leitung von Paul Lindau steht. Den Dichtern Blumenthal und Kadelburg ver- danken wir manche hübsche Sachen, so das allbekannte Lustspiel „Im weißen Röfl'l", das durch seinen liebenswürdigen und von allen Zweideutigkeiten freien Humor Überall, wo eS aufgeführt wurde, sich den Beifall der Zuschauer erworben hat. Diese Thatsache ändert aber nichts daran, daß die Censur-Behörde eS nicht gestattet, durch ein anderes Lustspiel derselben Verfasser in der lex Heintze den Reichstag und die verbündeten Regierungen verhöhne» zu lassen, die diese- wohl- thätige Gesetz beschlossen und eingeführt haben, auch wenn dieses Lustspiel, genannt „Die strengen Herren", an sich ziemlich harmloser Natur ist. Den» der Sinn eines solchen Theaterstückes kann niemals ein anderer als der fein, daß die Gesetzgebung des Reiches lächerlich gemacht wird, und daß die Censur-Behörde das beanstandet, ist nur recht und selbstverständlich. Die Presse der liberalen und sozialdemokratischen Heintzebrüder schreit aber natürlich wieder Ach uni Weh über die angebliche „Vergewalttgung", jedoch hoffent- lich ohne Erfolg. ES ist nur zu wünschen, daß alle Censur-Behörden sich auf denselben richtigen Standpunkt bei der Beurtheilnng deS Stückes stellen werden wie die Berliner Behörde.
X Die Kohtettfrage ist zwar schon recht reichlich besprochen. Aber es werden noch immer neue Umstände bekannt, die zu Überraschender weiterer Kennzeichnung der bestehenden Mißverhältnisse beitragen. Namentlich der Kohlenwucher, den die Händler treiben, ist vielfach bei weitem
ärger, als man eS sich bisher vorgestellt hat. So stellen die .Zwickauer Neuesten Nachrichten' u. a. folgenden Fall fest: „ein Kohlenhändler kaufte in Zwickau Kohlen für 168 Mk. den Doppel- waggon und verkaufte sie an eine thüringische Porzellanfabrik, die Nothlage derselben sich zu nutze machend, für 260 Mark ... Die Fabrik brauchte in der Woche zehn Ladungen; jede mit 92 Mk. Verdienst geliefert, brachte dem biedern Herrn 10 X 92 = 920 Mk. Gewinn an einem einzigen Abnehmer!" Warum in aller Welt muß nun beispielsweise diese thüringische Porzellanfabrik von einem Händler kaufen; warum kaust sie nicht unmittelbar von dem Bergwerk? Die Hauptschuld an solche» Mißständen tragen ohne Zweifel die Bergwerke. Diese sollten sich mehr und mehr auf den Verkauf unmittelbar an den Verbraucher einrichten, wo das irgend zu bewerkstelligen gehr; bann würden sie selbst mehr verdienen und die Verbraucher würden geringere Preise zahlen. Der Kleinverkauf an das allgemeine Publikum aber sollte allgemein organisirt werden durch Genossenschaften, Gemeindeverwaltungen, unter Umständen durch den Staat. Wie leicht könnte beispielsweise mit jeder Eisenbahnstation, ein amtlicher Koh lenverkauf verbunden werden! Man sage also doch ja nicht, eS sei unmöglich, den Zwischenhandel zu umgehen. Man brauchte nur ernstlich wollen, dann würde die Sache gemacht sein. — Daß in den Kreisen der preußischen Staatsregierung Geneigtheit besteht, vorübergehend für alle Kohlenstachten auf der Eisenbahn niedrigsten Frachtsätze einzuführen, wird von einem zweiten Offiziös»- bestätigt. — Endlich in der letzten Sitzung des preußischen Staats- ministeriumS, die am Donnerstag Nachmittag stattfand, wurde beschlossen, die Zufuhr der ausländischen Kohle dadurch zu erleichtern, daß die ermäßigten Frachtsätze deS Rohstofftarifs für die Zeit deS Weiter- beftehens der gegenwärtigen Verhältnisse, mindestens aber für zwei Jahre, allgemein eingeführt werden. Die preußischen Staats- bahnen find mit sofortiger Durchführung dieser Maßregel in ihrem eigenen Bereiche und, soweit wie erforderlich, zur Verhandlung mit den beteiligten Bahnen beauftragt. Der Beschluß des preußischen Ministeriums ist schnell erfolgt, und ebenso ist anzuerkennen, daß die Einführung der Maßregel gleich auf zwei Jahre sehr dankenswerth ist. Augenscheinlich teilt also das preußische Ministerium nicht die Anschauung, die die Kohlenintereffenten jetzt gern verbreiten möchten, daß nämlich mit dem Ende des bevorstehenden WinterS die Kohlenpreise von selbst wieder sinken würden und es dann ohnehin mit aller Kohlennoth ein Ende haben werde. Nunmehr ist es Sache der anderen Bundesregierungen, dieselbe Maßregel auch für den Umfang ihrer Staaten einzuführen. ES wäre zu wünschen gewesen, daß auch die ermäßigten Frachtsätze für die KohlenauSfuhr auf gehoben worden wären; und erst dann, wenn auch dies geschehen wäre, würde die Maßregel eine ganze gewesen fein. Aber ein wenig Hilfe wird auch schon die Frachtermäßigung für die Kohlenzufuhr bringen.
Ausland.
* London, 7. Sept. Lord Roberts scheint thatsächlich die Absicht zu haben, demnächst den Krieg-schauplatz zu verlassen, nachdem er seine famose Proklamation der Annexion losgelaffen hat. Man erwartet seine persönliche Ankunft in Kapstadt in den nächsten Tagen. Er soll nach seiner Rückkehr nach Europa durch General Buller im Oberkommando über die englischen Truppen ersetzt werden. — Der.Standard' meldet aus Durban: Gestern ist eine Patrouille berittener Infanterie in einen Hinterhalt geraten und gefangen genommen worden.
* Lissabon, 7. Sept. ES werden 1166 Mann zur Verstärkung der Grenzbewachung in den nächsten Tagen nach der Delagoa» Bai abgehen.
• Konstantinopel 6. Sept. Türkische Truppen griffen heute die Kurden an, die vor Rurjem den englischen Vizekonsul in Ban auf einer Reise im Vilajet überfielen. Die Anstifter deS Uebtrfalles wurden gefangen genommen. -■■B9nB9S9EBBSS9B»
Die Wirren in China.
Deutschland bleibt in Peking — da« ist der Hauptpunkt einer diplomattschen Mitthei- lung, die die deutsche Regierung durch die Berliner Gesandtschaft der Vereinigten Staaten nach Washington hat gelangen lassen. Deutschland, so heißt e« in der Mittheilung, wünscht jede Reibung zwischen den Mächten zu vermeiden, hält aber dafür, daß die bestehenden Verhättmffe in Peking die Zurückhaltung einer deutschen Truppe b»rt