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Juwa, Freitag, den 7. September 1900.

Jfä 205.

47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands

z« Mo«« 1900.

O Bonn, 4. Sept.

Kenerakversammknug des Mokksvereins für das Katholische Ae«tschla«d.

Schon seit einer Reihe von Jahren hat sich die Generalversammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland als die wichtigste Nrbenveranstaltung anläßlich der großen Katho­likentage ausgebildet, weshalb ihr von den Theil- nehmern der letzteren stets große Beachtung ge­schenkt wird. So war denn auch die auf heute Morgen 9'/, Uhr anberaumte Versammlung recht gut besucht. Von den bekannteren Parlamentariern waren u. a. die Herren Abgeordneten Dr. Lieber, Trimborn, Porsch und Hitze anwesend.

Der Vorsitzende Herr Fabrikant Franz Brandts (M.-Gladbach) weist auf diejenigen Gebiete hin, auf welche wegen ihrer hohen Be­deutung die Thätigkeit des Volksvereins in her­vorragendem Maße sich erstreckt. Unsere Pflicht ist es, durch Thatsachen zu beweisen, daß nichts falscher ist, als zu behaupten, das positive Christenthum sei nicht mehr zeitgemäß, weil es mit Kultur und Wiffenschaft nicht Schritt ge­halten habe. Das positive Christenthum gehört vielmehr allen Zeiten an und wird für allen wirklichen, dauernden Fortschritt die Grundlage bieten. Dürfen wir zugeben, daß die Männer des positiven Christenthums rücht mehr im Vorder­gründe der Wissenschaft und Kunst, Handel und Gewerbe stehen? Soweit es der Fall, suche man jedenfalls den Grund nicht im Christenthum. Unsere Aufgabe ist es, mit allen Mitteln das Möglichste zu leisten und unsere ganze Arbeit in den Dienst des Höchsten zu stellen. (Bravo!) Man unterlaße namentlich nicht, die unteren und mittleren Stände auf christlicher Grundlage zu organisiren und zur Selbsthilfe zu erziehen. Vor allem ist erforderlich eine gesunde, auf dem Christenthum sich aufbauende Bildung des Volkes. Auf solcher Grundlage wird es erleichtert, in Kunst und Wiffenschaft, Handel und Gewerbe fortzuschreiten. Daß dabei der Hilfe von Staat und Kirche nicht zu entrathen ist, braucht nicht erst betont zu werden. Wir dürfen natürlich hinsichtlich des Erfolges nicht mit Jahren, son­dern mit Jahrzehnten rechnen. Immerhin wer­den wir alles thun, um im Volke das Verständ- niß für die großen Fragen der Zeit zu wecken und zu pflegen. Unsere ganze Kultur ruht auf dem Christenthum, und so wird es bleiben, wenn wir unsere Aufgabe erkennen und darnach han­deln. Bleiben wir also unseren Grundsätzen treu, und Gott wird mit uns sein. (Lebhafter Beifall.)

Herr Generalsekretär Dr. Pieper berichtet über die Thätigkeit des Volksvereins für das katholische Deutschland im Jahre 1899. Der Verein zählte danach 186,818 Mitglieder, und zwar in Rheinland 60,236, Westfalen 38,813, Hannover 15,906, Hessen-Nassau 8081, Provinz Sachsen 238, Brandenburg 1373, Westpreußen 1386, Ostpreußen 822, Posen 170, Pommern 31, Schlesien 4861, Hohenzollern 1604, ferner in Bayern 18,020, Württemberg 21,450, Königreich Sachsen 823, Baden 8046, Hessen - Darmstadt 3670, Oldenburg 2011, Braunschweig 194, Elsaß- Lothringen 2083. Neben der Abwehr der falschen Bestrebungen der Sozialdemokralie verfolgte der Verein als Hauptaufgabe die Förderung der Sozialreform, die Hebung der wirthschaft- lichen und gesellschaftlichen Lage der einzelnen Berufsstände. Zu diesem Zwecke arbeitete er un­ablässig durch Wort und Schrift'darauf hin, die katholischen Mitglieder der einzelnen Stände, welche in der Mehrzahl noch gletchgiltig den sozialen Fragen gegenüberstehen, zunächst für diese Fragen zu interesfiren, sodann sie über die praktischen Mittel und Wege der sozialen Reformarbeit zu belehren. Durch soziale Schulung soll in der Masse der katholischen Volkes das soziale Verständniß ge­weckt werden, sowohl für die Nothwendigkeit, daß fortschreitend die sozialen Gesetze ausgebaut und die geschaffenen Gesetze von den Betheiligten dnrch- geführt werden müssen, wie für die noch dringendere Nothwendigkeit, daß die Mitglieder der einzelnen Stände sich zur genossenschaftlichen Selbsthilfe in Berufsvereinigungen und »irthschastlichen Ge­nossenschaften zusammenschließen. Diese Thätigkeit der Volkrvereius stellt sich dar al» eine mühsame, ost auch auf Schwierigkeiten stoßende soziale Klein­arbeit. Sie bietet darum auch in 1899 ein reiche» Bild. — Für die Förderung de« Handwerke» war der Verein in solchem Maße thätig, daß ein weit» verbreitetes Handwerkerblatt hervorheben konnte.

daß diese Thätigkeit des Vereins für die Interessen des Handwerkerstandes einzig dastehe. (Lebhafter Beifall.) Für die Hebung der Landwirthfchaft trat der Verein in gleicher Weife ein. Jedes Heft der Vereinszeitschrift brachte für die Landwirth- schaft sozial belehrende Artikel über die Aufgaben der Gesetzgebung wie der berufsgenossenschaftlichen Selbsthilfe. Die besonderen Flugblätter über diese Aufgaben fanden weite Verbreitung. Im Interesse des Kaufmannsstandes wurde namentlich die Bildung kaufmännischer Genossenschaften befür­wortet. Der Förderung des Arbeiterstandes galt nicht minder eine vielseitige Thätigkeit. Ein besonderes Verdienst erwarb sich der Verein um die gesunde Entwickelung der schnell anwachsenden christlichen Gewerkoereine, die Ende 1899 schon 112,000 Mitglieder, meist aus katholischen Ar- beiterkreisen, zählten. Redner schließt mit einer begeisternden Aufforderung, dem Volksverein bei­zutreten.

Der Gesammtvorstand des Vereins wurde durch Akklamation wiedergewählt; zum Andenken an das verstorbene Vorstandsmitglied Rechts­anwalt Görtz (Trier) erhob sich die Versamm­lung von den Sitzen. Dem Vorstande wurde Entlastung ertheilt.

Abg. Justizrath Porsch richtete einen warmen Appell an die Versammlung, den Vor­stand wirksam zu unterstützen; in der einen Hand den Rosenkranz, aber mit der anderen Hand muß man sich durchzudrängen suchen auf allen Gebieten des wirthschaftlichen Lebens. Nicht zu verkennen ist, daß in der praktischen Arbeit noch viel mehr geschehen könnte. Viele kritisiren, wie dies oder jenes besser hätte gemacht werden können, aber haben nicht den Muth oder auch nicht den guten Willen, selbst einmal eine Sache schlecht zu machen. (Sehr richtig!) Damit löst man nicht die soziale Frage, indem man die Sozialdemokratie niederwirst, sondern durch soziale Arbeit. Katholikentage sind gewissermaßen für den Einzelnen geeignet, ihn zu veranlaffen, eine Gewissenserforschung anzustellen, ob er auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens seine Pflicht gethan hat. Möge darum die diesjährige Ver­sammlung reiche Früchte tragen. (Lebhafter Beifall)

Landtagsabgeordneter Siben (Deidesheim) wiederholt, wie die ,Köln. Volksztg/ berichtet, den Appell zum Anschluß an den Volksverein, speziell für Süddeu.schland. Er hofft, daß die Ausbreitung des Vereins in den lothringischen Landen diese auch dem deutschen Vaterlande und den deutschen Katholiken näher bringen werde. Wenn im Süden der Stand des Vereins nicht überall befriedigend ist, so liegt die Ursache in der mangelnden Erl.nntniß, wie sehr eS Pflicht der Katholiken ist, am öffentlichen Leben theil- zunehmen. Man glaubt noch vielfach, es genüge die Betheiligung am religiösen Leben. Auch be- ?segnet der Verein in Süddeutschland noch viel- ach deshalb einer Antipathie, weil er seine Zentralstelle in Norddeutschland hat. Und doch haben die Katholiken Deutschlands als Minder­heit alle Ursache, in den heutigen Kämpfen, die sogar einen internationalen Charakter annehmen, einmütbig zusammenzuhalten. Nur dann können sie Einfluß gewinnen. Aber auch vom partikularisti- schen Standpunkte ist eine solche Haltung unbe­rechtigt. Der Volksverein ist durch seine elastische Organisation und die Vielseitigkeit seiner Mittel durchaus in der Lage, den Eigenthümlichkeiten der einzelnen Länder Rechnung zu tragen.

Rechtsanwalt Karl Trimborn (Köln) theilt zunächst mit, daß der diesjährige praktisch- soziale Kursus in Köln stattfindet und dankt allen anwesenden Vertrauensmännern, namentlich aber dem verehrten Abg. Dr. Lieber. (Lebhafter Beifall.) Wir sind in hohem Maße erfreut über seine Wiederherstellung, ist er doch unter den treuen Mitarbeitern des Volksvereins eines der treuesten. Redner faßt sodann die praktischen Ergebniffe der heutigen Versammlung zusammen. Der Verein ist überall nothwendig für unser öffentliches Leben. Ich würde mich nicht als Pfarrer wohl fühlen, wenn in meiner Gemeinde kein Volksverein wäre. (Lebhafter Beifall.) Wärme erzeugt Wärme und darum wird der Volksveretn auch das Jntereffe für die andern Vereinen be­leben. Der Volksverein hat eine große patrio­tische Aufgabe, nämlich den katholischen Volkstheil gesund und widerstandsfähig zu erhalten. Schluß IF/i Uhr. __________

Der Aartellvervaud der katholischeu- dentschev Studentenveröindnngen

versammelte sich am Montag Abend in der Beethovenhalle zu einem solennen Festkommers. Die stattliche Korona füllte den weiten Saal bi» zum letzten Platz; Aktive und Philister waren zu fast gleichen Theilen vertreten. Da« Präsidium war bei ^errn cand. jur. Dehler von der Guestfalia gut augehoben. Derselbe begrüßte, nach­dem der erste Kautu« gestiegen «ar, di- PHUister

und Kartellbrüder. Ein schöner Fleck sei zur dies­jährigen Kartellversammlung ausersehen worden, Bonn am sagenumwobenen herrlichen Rhein. Der Rhein mit seinen Burgen und Bergen sei der Himmel des Studententhums genannt worden; viel mehr noch treffe diese Bezeichnung auf Bonn zu, der GeburtSstätte des Verbandes. Hier traten vor 56 Jahren wackere junge Studenten zusammen, um den Grund zum Verbände zu legen; zu dieser Absonderung waren dieselben gezwungen, wenn sie sich von unduldsamen Burschenschaften nicht fortgesetzt in ihren heiligsten Gefühlen verletzen lassen wollten. Immer größer wurde die Zahl derer, die sich zu ihnen bekannten. Das beweisen die 32 Banner, die das Podium zieren, welche stets rein gehalten wurden. Verkehrt wäre es, jetzt die Hände in den Schooß legen zu wollen; der Verband bedürfe auch heute noch des Aus­baues. Einen kurzen Rückblick auf die Entwickelung des Verbandes werfend, stellte Redner fest, daß sich manches zu Gunsten der Katholiken verschoben habe und daß auch die Zeiten vorüber seien, in denen ein schöner Schmiß als Zeichen besonderer Tüchtigkeit galt und den Schlüssel zu den Herzen der Damen bildete. (Beifall und Heiterkeit.) Auf das Wohl der Gäste kommandirte das Präsidium einen kräftigen Salamander.

Msgr. Baumgarten (Rom) rief die erste Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm II. und Papst Leo XIII. am 10. Okt. 1888 ins Gedächt- niß zurück, hob die herzliche Begrüßung zwischen den beiden höchsten Autoritäten hervor, die hohen Ehren, welche der Papst dem Kaiser, die Achtung und Sympathie, welche der Kaiser dem Papste ge­zollt habe, und kommandirte im Anschluß daran einen Salamander auf Papst und Kaiser.

Das inzwischen erschienene Präsidium der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt.

Gras Praschma dankte für die Begrüßung. Für ihn sei eS eine hohe Freude, heute als Präsident in diesem Kreise anwesend sein zu können, nachdem er vor 47 Jahren hier als Student geweilt und seitdem Bonn nicht wieder gesehen habe. Ein Vergleich mit der damaligen Zeit bringe die Heberzeugung, daß die katholischen Studentenverbindungen Fortschritte gemacht, Zu­wachs erhalten haben. Heute Mittag habe er das Centrum das stehende Heer, daS katholische Volk die Reserve genannt; die Studenten seien die erste Reserve. Dieser lägen hohe Pflichten ob, deren Erfüllung er erhoffe. Da ihm die Hebung im Salamanderkommandiren abhanden gekommen sei, habe er als Hilfe den ersten Vize­präsidenten, Herrn Rechtsanwalt Trimborn, mit­gebracht, der darin sehr tüchtig sei.

Herr Rechtsanwalt Trimborn: Als Mitglied des Kartellverbandes der Dtudentenvereine gereicht es mir zur Ehre, Ihnen mein Können im Salaman­derreiben vorführen zu können. Ich habe dabei keinen Gedanken des unlauteren Wettbewerbs, vielmehr habe ich immer die Idee verfochten, daß Verbindungen und Vereine zusammengehören. Schon als Fuchs habe ich die Ansicht ausge­sprochen, daß die Korporationen sich zu einander verhalten wie die verschiedenen Orden. Ein Ziel haben Verbindungen und Vereine. Aus beiden sind tüchtige Männer hervorgegangen; das ist ihr und unser Ruhm. Um eine Länge find Sie uns aber voraus, das ist mein Freund Porsch. In den Salamander, den ich jetzt kommandire, schließe ich ihn besonders als ein leuchtendes Vorbild für alle Mitglieder der Studendenverbindungen und -Vereine. Wir wollen streben, daß aus den Ver­einigungen Männer hervorgehen, wie er einer ist, ganze Männer.

Nachdem auch dieser Salamander gerieben, wurden zahlreiche Telegramme verlesen.

Die Festrede hielt Herr Rechtsanwalt Dorne­mann (Aachen). Mit zündenden Worten legte er die Ziele und Bestrebungen der Studenten- Verbindungen dar und führte aus, daß diese nichts anderes sein wollen, als katholische deutsche Studenten. Wiederholter Beifall begleitete die packenden Darlegungen, und mit Begeisterung wurde der Aufforderung deS Festredners ent­sprochen, in dem Wunsche, daß alle Mitglieder des Kartellverbandes Christusträger sein und bleiben wollen, einen Salamander zu reiben.

Der Ehre der Stadt Bonn widmete atud. jur. Scharlich (Rhenania) seine Worte und komman­dirte auf Bonna und ihre Damen einen donnern­den utltSftigen Salamander.

Weitere Ansprachen wechselnden mit Liedern und Mufikvorträgen, und lange noch blieb die Korona in traulicher Unterhaltung versammelt, während die Damenwelt nicht müde wurde, dem anziehenden studentischen Treiben von der Galerie herab ihre Aufmerksamkeit zu widmen.

Der Kl. Maphaelsverei« z«« Schutze Kattz. A«»rv anderer.

hielt am Montag Nachmittag im Kaiser Friedrich eine gut besuchte Generalversammlung ab, welche

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27. Jahrgang.

der Präsident des Vereins. Herr Abg. Cahensly (Limburg) leitete. Derselbe ertheilte nach kurzer Begrüßung den anwesenden Vertrauensmännern das Wort zur Berichterstattung über ihre Thätig­keit.

Herr Theodor M e y n b e r g (Hamburg), welcher auf eine 25jährige Thätigkeit im Dienste des Raphaelsvereins zurückblickt, theilte mit, daß in seiner Station der Verein bisher insgesammt 59,000 Schützlinge hatte. Während die Aus­wanderung aus Deutschland erfreulicherweise tm Abnehme« begriffen sei, nehme diejenige aus anderen, besonders den slavischen Ländern erheb­lich zu. Die Auswanderung über Hamburg be­trug 1899 insgesammt 64,214, erreichte aber in den ersten sieben Monaten dieses Jahres bereits die Zahl von 60,000. Der Vertrauensmann richtete besonders an die Damen das Ersuchen, dahin zu wirken, daß kein Katholik auswandere, bevor er nicht an einen der Vertrauensmänner überwiesen worden wäre.

Herr Pfarrer Pr achar (Bremen) berichtete über die neue St. Raphaelskapelle in Bremen und würdigte die Bedeutung derselben für die katholischen Auswanderer.

Herr Vikar Haas (Wittlaer) wies mit be­redten Worten aus die Nothwendigkeit hin, an den Hafenplätzen Schuhhäuser für die deutschen katholischen Matrosen zu errichten. Es gelte, die Matrosen vor den ihnen bedrohenden Ge­fahren zu bewahren, ihr Hab und Gut zu schützen, ihnen sittlichen Halt zu geben. Frankreich sei auf diesem Gebiete mit gutem Beispiel vorange­gangen. Möge Deutschland bald folgen.

Herr Abg. Cahensly wies auf die vielen Schwierigkeiten hin, die der Gründung katholischer Matrosenschutzhäuser entgegenstehen. Ein Anfang werde demnächst in Rotterdam gemacht werden, wo P. Wollschläger aus Krakau neben der Pastoration der deutschen Katholiken den Schutz der katholischen Matrosen sich werde an­gelegen sein lassen.

Herr Pott (Rotterdam) berichtete über das Matrosenelend in den Hafenplätzen und schilderte die schamlose Art, in der die Seeleute ausge­beutet werden. Der Mädchenschutz werde be­sonders in den Hafenstädten seitens des Raphaels­vereins gepflegt. Viel Gutes sei in den letzten Jahren hierin geleistet worden; leider sei aber den Seelenverkäufern nicht immer beizukommen, weil diese zur Auswanderung häufig die weniger scharf kontrollierten kleineren Hafenplätze benutzen.

Heber die Pastoration der italienischen Arbeiter in Deutschland, welche der Raphaels- verein sich ebenfalls angelegen sein läßt, erstattete Herr Geistlicher Rath Dr. Werthmann (Frei­burg) Bericht. Die große Einwanderung der italienischen Arbeiter lege eine neue Pflicht auf, welcher man sich nicht entziehen könne. I« Elsaß-Lothringen seien 50,000, in Baden 30,000, in Württemberg 70,000, in der Schweiz 180,000 italienische Arbeiter vorhanden. Die seit Jahren erfolgten Bemühungen zur Pastoration der Italiener kurz skizzirend, theilte Redner mit, daß in der Erzdiözese Freiburg jetzt die Seelsorge sür die Italiener geregelt sei. Es sei die höchste Zeit gewesen, sich der italienischen Arbeiter an­zunehmen, da die Sozialdemokratie bereits be­müht sei, die italienischen Arbeiter auf ihre Seite zu bringen. Auch der Import italienischer Mäd­chen, der in letzter Zeit besonders in Süd­deutschland erheblich zunehme, lege der christ­lichen Charitas erhöhte Pflichten auf. Dem Raphaelsverein gebühre der Ruhm, zuerst auf diese Pflichten aufmerksam gemacht und Mitte! zur Versügung gestellt zu haben, dieselben aus­führen zu können.

Herr Pater Lorleberg berichtete Über die in Antwerpen vom Verein erzielten Erfolge. Leider seien die verfügbaren Mittel zu knapp, um so wirken zu können, wie die traurigen Ver- hältniffe es erheischen.

Herr Pfarrer Schamer (Danzig) ersuchte, für die Sache des Raphaelsvereins in der Presse Propaganda zu machen. Es sei diese- um so mehr nöthig, als bei den sich mehrenden Aufgaben die Einnahmen nicht entsprechend seien.

Herr Fabrikant Wiese (Werden) hielt es für besser, die Agitation in Zukunft an erster Stelle auf die Tagesordnung der Generalversammlung zu setzen. Er kenne keinen Verein, dessen Auf- gaben in einem schreienderen Gegensätze mit den Einnahmen stehen, als den Raphaelsverein.

Der Vorsitzende versprach, den Anregungen Folge gebe« zu wollen.

Deutsche» Deich.

Berlin, den 6. September.

4- Die Agitation für tat Achtuhr- Andenschüth. Bekanntlich kann statt des mit dem 1. Oktober d. I. in Kraft tretende« Neunuhr-Ladenschluffe- für dasHandels- gewerbe durch Anordnung der höher« Der- -