FuldaerMIeitung
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mit Itnterhattungs-Meikage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung!
JuLöcr, Mittwoch, den 5. September 1900.
Jfä 203
27. Jahrgang.
| E ^ Zweites Wtcrtt.^ |
47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands z« 380«« 1900.
O Bonn, 3. Sept.
Erster Tag, Montag.
Der erste Tag der Katholikenversammlung wurde heute eingeleitet durch ein Pontifikalamt in der Hauptpfarrktrche zum heil. Marttnus, (Münsterkirche) zur Anrufung des hl. Geistes. Celebrirt wurde dasselbe durch den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof Simar aus Köln unter Assistenz der Bonner Geistlichkeit. Lange vor Beginn des Gottesdienstes harrte eine dichtgedrängte Menschenmenge der Ankunft des Erzbischofs, der in feierlichem Zuge von der Wohnung des hochwürdigsten Herrn Dechanten Neu, bei welchem er Absteigequartier genommen, abgeholt wurde. Ein prächtiges Bild gewährten die zahlreichen Studenten- Dcputationen mit ihren Fahnen. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde der Erzbischof im Zuge in seine Wohnung zurückgeleitet.
Die
erste geschtosseue Nersammkrmg
wurde durch den Vorsitzenden des Lokalkomito's Dr. Ruegenberg bei starker Betheiligung um 101/4 Uhr mit dem kathol. Gruß eröffnet. Er theilte mit, daß vom hl. Vater an ihn ein Breve gerichtet worden sei, in welchem er dem Lokalkomitö den Dank für seine Bemühungen und die Hoffnung ausspreche, daß der Segen Gottes die Versammlung leiten möge. (Ein Schriftführer verliest daS Breve, dessen Wortlaut bereits in der Preffe veröffentlicht worden ist.) Der Vorsitzende theilt sodann mit, daß der Hochw. Herr Erzbischof von Köln Dr. Simar am Abend die Versammlung mit seiner Gegenwart beehren werde, und weist dann darauf hin, daß dieses Jahr gerade ein gnadenvolles sei, ein Jubeljahr der ganzen Christenheit. In endlosen Zügen sehe man die Pilgerscharen nach der heiligen Stadt Rom ziehen, um dem Erlöser zu danken, daß er die Kirche durch alle Fährnisse geführt habe. Und da sehe man das erhabene Schauspiel, daß der Greis auf Petri Stuhl in so hohem Alter di« körperliche Frische besitze, die Pilger zu empfangen. Die Versamm- lung beweise, daß man mit Recht von einer katholischen Heerschau spreche. Redner gibt sodann einen Ueberblick über die ersten Anfänge der Katholckenversammlungen. Vor 52 Jahren sei die Kirche, die Braut Christi, zur Magd herabgedrückt und von den Mächtigen der Erde, wie vielfach auch von den eigenen Kindern ver- laffen gewesen. Damals sei durch die Gründung des BonifatiuSvereins in Mainz die Grundlage für die Katholikenversammlungen gelegt worden, und zwar im Jahre 1848. Das damalige Programm sei heute noch maßgebend. Ein Veteran jener Versammlung, Dr. Lingens, sei leider verhindert zu erscheinen. Er glaube aber im Interesse Aller zu handeln, wenn er ihm den Gruß der Versammlung entbiete. (Beifall.) Wenn heute auch vieles bester geworden sei, so heiße es doch noch wachsam sein; es heiße beten, damit die nöthige Kraft und Ausdauer nicht fehle, und damit das Wort sich bewähre: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen." Redner bringt sodann ein Hoch auf Papst und Kaiser aus, in welcbes die Versammlung begeistert einstimmt. Es folgt die Wahl des Präsidiums. Zum Präsidenten wird gewählt Graf Praschma, zum I. Vizepräsidenten Abgeordneter Trimborn, zum II. Vizepräsidenten Erbdroste Vischering. Die Gewählten nehmen die Wahl dankend an. Als Schriftführer werden gewählt Freiherr von Schönberg, Pfarrer Gerstenberger, Rechtsanwalt Bell-Esten und Rechtsanwalt Abs-Bonn. Zu Vorsitzenden der Ausschüsse werden gewählt: für den 1. Graf Rechberg, für den 2. Landtagsabgeordneter Eckhardt, für den 3. Reichs- gerichtsrath Spahn, für den 4. Prälat Hülskamp-Münster, für den 5. Domkapitular Dr. Schmidtgens-Köln. — Hierauf dankt Graf Droste-Vischering Namens des Central- Comite's der Bonner Bürgerschaft für die großen Opfer, die sie gebracht habe, ferner dem Lokat- komitö, namentlich deflen Vorsitzenden Dr. Ruegenberg, und den städtischen und staatlichen Behörden. Redner hebt hervor, daß für die Abfassung eines Berichts über die Geschichte der Generalversammlungen eine Kraft noch nicht gefunden sei. Für die Pilgerfahrten nach Rom sei in Freiburg i. B eine Centralleitung eingerichtet worden. Ein zweiter Pilgerzug sei in Vorbereitung; es sei zu wünschen, daß die Betheiligung daran recht rege sei. Präsident Graf Praschma dankt dem Redner für die Berichterstattung. Sodann
werden Anträge berathen. Einstimmig zur Annahme gelangt der Antrag betr. die Römische Frage. In dem Anträge erhebt die Generalversammlung Einspruch gegen die Lage des hl. Vaters und fordert, daß ihm die nothwendige Unabhängigkeit und die wahre und wirkliche Freiheit völlig wiedergegeben werde. Diese Freiheit sei besonders geeignet,-bett hl. Vater als Schiedsrichter bei den Jnteressenstreitigkeiten der Völker zu qualifiziren. — Sodann werden Resolutionen angenommen, in welchen den kathol. Vereinen insbesondere die Selbstschulung empfohlen wird, damit sie in der Lage seien, in allen öffentlichen Angelegenheiten ihr volles Gewicht in die Wagschale zu werfen, in welchen der St. Rafaelsveretn empfohlen wird; in welchen die Deutsche St. Elisa- bethmisfion zu Paris der Unterstützung der Katholiken empfohlen wird; in welchen die Generalversammlung die Thätigkeit des deutschen Vereins vom hl. Lande und die bevorstehende Grundsteinlegung der Deutschen Votivkirche auf dem Berge Zion freudig begrüßt. — Hierauf wird folgendes Telegramm an den hl. Vater abgesandt:
„Die 47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, aus allen Gegenden Deutschlands vereinigt in Bonn, dessen katholische Einwohner stets in Treue hervorragten, bringt dem hl. Vater die Gefühle der Verehrung, der Unterthänigkeit und des Gehorsams entgegen und erfleht inständigst den apostolischen Segen."
An Se. Majestät den Kaiser wird folgender Telegramm abgesandt:
„Die 47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, welche sich aus allen Theilen des deutschen Reiches und namentlich aus gang Preußen in der blühenden Universitätsstadt Bonn versammelt hat, um die Interessen der deutschen Katholiken gu berathen, bringt Ew. Majestät als dem Deutschen Kaiser und Landesherrn der Bersammlungsstadt den einmüthigen Ausdruck ihrer unterthänigsten Ergebenheit und ehrfurchtsvollen Huldigung dar."
Hierauf werden Anträge angenrmmen, welche den Bonifatiusverein und den Afrikaverein der Unterstützung der Katholiken empfehlen. Die Versammlung schloß um 12 Uhr.
Krste öffentliche chetterakversammk»««.
Die Versammlung findet unter gleich starkem Andrang von Gästen, wie die gestrige Begrüßungsversammlung statt. Kurz vor Beginn der Versammlung erschien der Hochw. Herr Erzbischof Dr. Simar von Köln, von der Versammlung lebhaft mit einem dreifachen Hoch begrüßt. Der Versammlung wohnte auch der Abg. Dr. Lieber bei.
Präsident Graf Praschma eröffnete die Sitzung um i/,4 Uhr mit dem kathol. Gruße, und verbreitete sich dann in seiner einleitenden Rede über den Zweck der Katholikenversammlungen. Derselbe sei ein dreifacher: Die Versammlungen seien ein öffentliches Bekenntniß und eine öffentliche Bethätigung des kathol. Glaubens, eine Kundgebung unserer wahren Vaterlandsliebe, ein Beweis und eine Befestigung unserer Einheit. Eine besondere Weihe werde der diesjährigen Versammlung durch das Jubeljahr verliehen. Dasselbe schließt ernste Zeiten ab, aber die Gegenwart sei gleichwohl noch ernst, und auch vor der Zukunft dürfe man den Blick nicht verschließen. Die revolutionären Ideen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts hätten sich auch int 19. Jahrhundert wiederholt, in verschiedener Form, aber mit demselben Ziele, die Autorität der Kirche und der weltlichen Gewalt zu untergraben. Den Umsturz zu bekämpfen sei Aufgabe des Christenthums und speziell der katholischen Kirche. Die Gegner des Christenthums glaubten nicht oder wollten nicht glauben an die göttliche Mission der Kirche, aber sie seien sich wohl bewußt, daß die Kirche ihre Gegnerin sei und daher bekämpften sie dieselbe. Gleichwohl stehe die Kirche, glänzender da als je, an der Spitze der Papst, obwohl ein Gefangener. Erfreulich sei das christliche Be- kenntniß unseres Kaisers. Wenn alle Monarchen ein solches Bekenntniß betätigten, so brauchte man nicht für die Tbrone von Gottes Gnaden zu fürchten. Unsere Jugend, der theilweise der Muth des Bekenntniffes fehle, sollte sich daran ein Beispiel nehmen. Die Gegner nannten uns häufig Römlinge, um uns als vaterlandslos zu bezeichnen; gewiß, das himmlische Vaterland steht uns höher als das irdische; aber das hindere nicht an unserer Liebe und Hingebung an das irdische Vaterland und unseren König von Gottes Gnaden. (Lebh. Beif.) In blutigen Kriegen und im Frieden hätten die Katholiken es niemals an Loyalität fehlen lassen und für das Vaterland gekämpft. Das Centrum habe es — int Gegensatz zu anderen — verschmäht, zu Mitteln der Obstruktion zu greifen, obschon es das im Kulturkämpfe gekonnt hätte. Es sei auch falsch, wenn ntan sage, Religion und Politik hätten nichts miteinander zu thun; auch die Politik müsse christliche Prinzipien haben. Weiter sage ntan, die Katholiken störten den konfessionellen Frieden — das sei nicht wahr, aber sie hielten sich schlagfertig, und dazu gehöre, daß auf der Generalversammlung die Heerschau abgehalten werde. Daher wünsche er, daß auch die diesjährige Ver
sammlung zur Stärkung und Befestigung des katholischen Glaubens, der Vaterlandsliebe und der Einheit beitrage. Zum Schluffe bittet Redner den Hochw. Erzbischof, der Versammlung den apostolischen Segen zu ertheilen. (Lebh. Beifall)
Erzbischof Dr.Simar(Köln) begrüßte hier- auf die Versammlung, die in feiner Diözese tage und dankt für die Früchte, welche die Versammlung zeitigen werde. Die Katholikenversammlun- gen seien stets ein glückverheißendes Wahrzeichen der in den Herzen der Katholiken Deutschlands durch Gottes Gnade erweckten Glaubenskraft und Freudigkeit. Die Versammlungen hätten stets Protest erhoben gegen jede Schmälerung der Freiheit und der Rechte der Kirche und des apostolischen Stuhles und Verständniß gehabt für die Zeitbedürfniffe, für jede soziale Noth. Dieselbe segensreiche Thätigkeit werde auch die diesjährige Versammlung haben. (Lebh. Beifall.)
Hierauf ertheilte der Hochw. Herr Erzbischof den Segen, welchen die Versammlung knieend empfing.
Landtagsabgeordneter Stiegle spricht über das Thema: „Christus, Angelpunkt der Weltgeschichte". Christus habe sich selbst als das Alpha und Omega bezeichnet. Er sei von der göttlichen Vorsehung in die Hinbewegung der Menschheit zu ihrem Ziele hineingesandt worden. Dies erhebe ihn über alle großen Männer der Geschichte. Sowohl durch seine Persönlichkeit wie durch sein Werk sei Christus der Angelpunkt. Nur da Christus Gott gewesen, habe er eine solche Rolle spielen können. Aber nicht nur das Göttliche, sondern auch das Menschliche in der Persönlichkeit Christi weise ihm die herrschende Stellung an. Er sei allen Nationen gleich nahe, allen Geschlechtern und allen Menschen. Christus sei der Jdealmensch; er habe die Welt von der Sünde erlöst, und habe die Wahrheit gebracht, und eine Sitte gelehrt, die geeignet sei. Norm für das ganze Menschengeschlecht zu werden. Und nachdem er von der Erde hingeschieden, sei er der Angelpunkt der Welt geblieben, denn er lebe in der Kirche fort. Daher hätten die Leute recht ge- than, daß sie mit Christus eine neue Zeitrechnung begonnen hätten. Es sei nicht wahr, daß er seine Herrschaft an die moderne Wissenschaft abgegeben habe, und scheinbare Niederlagen seien nichts als vorübergehende Verzögerungen seines Sieges. Ohne Christus gehe es in der Welt nicht, das zeige der Anarchismus mit feinen Dolchspitzen, Revolverschüssen und Königsmorden. Solche Bewegungen ließen sich nur durch das Christenthum bekämpfen. Dasselbe gelte von Bewegungen, wie sie sich in Böhmen geltend gemacht hätten. Der Kirche würden diese aber nichts anhaben können. Die Kirche sei die Arche, die oben schwimme in der Sündstuth der Zeit. Was die Heiden betreffe, so könne man diese ruhig Christus überlassen — vielleicht habe er seine Hand schon über Afrika und China ausgestreckt. Der Glaube an die Göttlichkeit Christi sei stets das Erbtheil des deutschen Volkes gewesen, und dieses Erbe unserer Vorfahren soll unS ewig heilig bleiben. (Beifall.)
Abgeordneter Konsistorialrath Dr. Porsch weist darauf hin, daß in diesem Jubeljahr so viele Pilger nach Rom zum hl. Vater gewandert seien. Zu bedauern sei, daß die verschiedenen Nationen nicht einsehen, daß sie Kinder eines Vaters seien. Wenn das der Fall wäre, dann wären die blutigen Kriege in den letzten Jahren vermieden worden. Das Zuströmen der Pilger in Italien sei eine Ehre für Die italienische Nation, und lehre dieselbe, daß das Papstthum nicht eine italienische Einrichtung fei,bereu Lebensbedingungen man auf die mehr oder minder berechtigten Jntereffen des italienischen Staates zuschneiden dürfe. Der Papst gehöre der ganzen Welt; Rom sei nicht nur Hauptstadt eines Landes, sondern es sei das vom 2000jährigen Glanze des Christenthums umfloffene, ewige Rom. (Lebhafter, lang anhaltender Beifall.) Der Papst schaue auf eine Reihe Ahnen zurück, wie kein weltlicher Dynast, und seine Dynastie stehe fester als irgend eine. Die territoriale Unabhängigkeit des Papstes sei die einzige Garantie für die nothwendige Freiheit und die Unabhängigkeit des Papstthums. Daher sei die Resolution wieder eingebracht worden. Es sei eine Lüge, wenn gesagt werde, damit werde bezweckt, gewaltsam in die Verhältnisse einzugreifen, oder dem Dreibund Schwierigkeiten zu bereiten. Diese Vorwürfe habe schon Windt- horst zurückgewiesen. Eher würde die Ausführung der Resolution Den Dreibund festigen. Darum sei es wünschenswerth, daß die Ration, die durch Gottes Vorsehung dem Papstthum am nächsten gestellt sei, ihre Pflichten begreifen lerne. (Beis.) Mit der Resolution dürfe man sich nicht begnügen, sondern müsse durch die That zeigen, daß ntan guter Katholik sei. Durch die Aufhebung der weltlichen Herrschaft des Papstes seien ihm die Einkünfte genommen roorüen; daher müsse man dem Papste seine finanziellen Sorgen erleichtern. (Stürmischer, immer wiederkehrender Beifall.)
Letzter Redner der heutigen Versammlung war Herr Fabrikbesitzer Vogeno aus Haaren bei Aachen, der sich über das Thema Handel und Gewerbe auf christlicher Grundlage verbreitete. Der Katholik, so führte er ans, dürfe auch Reich- thümer erwerben. Wenn nahe der Geldtasche ein katholisches Herz schlage und eine Wechselwirkung zwischen beiden bestehe, hätten alle wiffenschaft- lichen, künstlerischen und charitativen Bestrebungen Vortheil davon. Die moderne Entwickelung in Handel und Gewerbe habe die Forderungen der Sittlichkeit vielfach bei Seite geschoben. Unter )er Entwickelung der Großbetriebe seien die Kleinbetriebe ins Gedränge gekommen. Jetzt sei es nothwendig, einzugreifen, die christlichen An- chauungen im Handel wieder zur Geltung zu »ringen, durch Organisation und Genoffenschaftsbildung die Kleinbetriebe zu stärken. Dem katho- ischen Kaufmann biete sich da die Organisation des Verbandes katholischer kaufmännischer Vereinigungen, der bereits 12000 Mitglieder in 113 Vereinen zähle. Jeder katholische Kaufmann solle einem solchen Vereine angehören und den Verband besonders durch Besetzung seiner Vakanzen im Geschäft durch die Vermittelung der Stellenvermittelung jenes unterstützen. Auch in der Industrie müsse man die christlichen Grundsätze zur Geltung kommen laffen, man müsse eine christliche Sozialpolitik üben. Nicht die Schaffung bewundernswerther Werke der Technik sei das erstrebenswerthe höchste Ziel, sondern die Durchdringung des ganzen Handels und Gewerbes mit christlichen Grundsätzen. (Lebhafter Beifall.)
Der Präsident schloß hierauf um Uhr die Sitzung mit dem katholischen Gruß.
Einer Einladung durch in einer Reihe von Zeitungen erschienenen Annoncen folgend, fanden sich heute Mittag im katholischen Vereinshause eine größere Anzahl von Mitgliedern deutscher Bauernvereine ein, um zu der auf der Tagesordnung stehenden Frage der Gründung einer Vereinigung der deutschen Bauernvereine zwecks besserer Einwirkung auf die Gestaltung der kommenden Handelsverträge, Erleichterung des Bezugs von Dünger- und Futtermitteln u. s. w. Stellung zu nehmen.
Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte Herr Abg. Pfarrer Gersten berg er, daß den Einberufern der Versammlung nachträglich das Bedenken gekommen sei, daß weder der Ort der Versammlung, noch die Gelegenheit geeignet sei, einen definitiven Beschluß wegen der Gründung eines Kartells der auf christlicher Grundlage stehenden Bauernvereine zu fassen. Die Zeit sei zu kurz gewesen, um die Versammlung abzusagen. Es könne sich heute also nur um eine freie Aussprache halten. Hierauf erklärte Graf v. Spee Namens des Vorstandes des rheinischen Bauernvereins, an der Berathung nicht theilnehmen zu können. Was die Sache selbst angeht, dürfe er wohl behaupten, es habe keiner der deutschen Bauernvereine mehr dahin gewirkt, dieser Vereinigung näher zu kommen, wie gerade der rheinische. Sein Vorgänger habe bereits zweimal Konferenzen zur Förderung dieser Bestrebungen einberufen, wenn er selbst noch keinen weiteren Schritt gethan habe, komme das von der großen Arbeitslast, die auf ihm ruhe, es müsse dann auch zunächst abgewartet werden, bis die Verhandlungen im wirthschaftlichen Ausschuß ein Ende gefunden hätten und veröffentlicht seien, sodaß man an der Hand dieser, eine Stellungnahme der gesammten Bauernvereine zum neuen Zolltarif anbahnen und so vielleicht einen Zusammenschluß in die Wege leiten könne. Die Betheiligung an der heutigen Berathung lehne er ab, er fei schriftlich autorisirt zu sagen, daß auch der Westfälische Bauernverein auf diesem Standpunkt stehe. Die Bauernvereine seien keine konfesfionellen Vereine, jeder christliche Bauer sei als Mitglied willkommen, denn man wolle den gesammten Bauernstand organifiren. Wir wollen vermeiden, Mitglieder einer anderen Konfession zu verletzen. Wenn man nun hier zur Zeit der Katholikenversammlung eine so wichtige und alle Mitglieder angehende Berathung anbe- raumte, so sei sehr zu fürchten, daß Mitglieder anderer Konfession sich dadurch gestoßen fühlten. Es kann und wird uns aber Niemand übel nehmen, wenn wir aus Anlaß der Katholikenversammlung hier auch als Katholiken die Lage der Bauern besprechen, wir dürfen aber als paritätische Vereine eine Angelegenheit, die die Vereine so integrircnb angeht, nicht hier gelegentlich des Katholikentags beschließen. Ein weiterer Grund zur Ablehnung sei der, daß die Einladungen nur durch die Zeitungen ergangen seien, und die Vereine keine Zeit gehabt hätten, die Frage eingehend zu prüfen und spezielle Delegirte mit einem Mandat zu entsenden. Eine durch Annoncen einberufene Versammlung könne leicht verwirrend wirken. Er stelle den Antrag ohne weitere Diskussion, die Frage der Gründung einer Vereinigung oder eines Kartells der deutschen