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FuldaerMIertung

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.Jerantw.: Für die Redaktion t. v. S-rl Schaffe», sgr Inserate 3. Parzelle» in Fulda.

M 203.

mit Zlnterhaltungs-Meilage „Illusirirte Sonntags-Zeitung" " Pete»»««-« Hi. 1 (txrrBumte).

Jutöa, Mittwoch, den 5. September 1900.

27. Jahrgang.

47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands

z« Ao»« 1900.

Zweite geschlossene cheneralversammkung.

O Bonn, 4. Sept.

Präsident Graf Praschma eröffnet ll1/» Uhr die zweite geschloffene Generalversammlung mit der Mittheilung, daß ihm im Namen und ;um Andenken des Grafen Hermann v. Stabilem 1000 M. übergeben worden seien für den Bonifatius- werein, 1000 Mk. für den Vincenzverein, 1000 Mk. für ein Werk, das geeignet ist, die Frauen und Mädchen von der Fabrikarbeit fernzuhalten, und 1000 Mk. für ein Werk, das kranken Ar­beitern Verpflegung gibt. Die Gesammtsumme wurde dem Lokalkomitee zur Verwendung über­mittelt.

Angenommen wurden sodann die Anträge betr. bieFörderung der katholisch-kaufmännischen Vereinigungen, Abhaltung geistlicher Uebungen für die verschiedenen Stände und Bekämpfung der farblosen Preffe.

Letzterer Antrag wird laut .Köln. Volksztg/ von Rektor Dr. Huppert (Bensheim) eingehend begründet.

* *

*

In der heute Abend staltstndenden zweiten öffentlichen Versammlung sprechen: Dr. Maus buch (Münster) über Autorität und Frei­heit als die Grundsragen aller heutigen Krisen «und ihren Ausgleich im Geiste der Kirche, RegierungSrath Dr. Wuermerling (Berlin) über die Ausgaben der Vincenzoereine, Landwirth Johannes Blum (Krefeld) über die Agrar­frage und Arbeitersekretär Giesberts (M.- Gladbach) über die Arbeitersrage. (Ausführ­licher Bericht folgt).

□ Kommunale Sozialpolitik im Sparkaffenwesen.

Ein für die Förderung der Sparsamkeit unter -en minderbegüterten Klassen der Bevölkerung wichtiger Umstand ist die bequeme und möglichst vorthellhafte «pargelegenheit. Kommt es doch vor, daß mancher Spargroschen auf dem Wege zur Sparkaffe verloren geht, entweder weil die Kaffe geschloffen, oder der Sparer vielleicht nach langem Warten unverrichteter Dinge zurück- iehrt. Auch in der Art der Spargelegenheit liegt also ein erzieherischer Einfluß zum Sparen, und diejenigen Faktoren der Gesellschaft, welche diesen Ginflntz zu verstärken in der Lage find, dürsen dies um so weniger vernachlässigen, al« das Sparen vor allem wegen seiner ethischen Natur eine der wichtigsten Grundlagen der heutigen Volkswirthschaft und insbesondere auch ei« Mittel zum sozialen Frieden bildet. Der Arbeiter z. B., welcher spart, ist in der Regel mäßiger, charakterfester, nicht so leicht ohne Grund unzv-

Sie Tochter brr Khrmoms.

Roman von O. Elster.

$1 ------ (Nachdruck verboten.)

Ei« freudiger Schreck durchzuckte Gefinens Herz. S« war da« braunschweigische Korp«, welche« hier Biwak bezogen hatte. Zum ersten- mal sah sie die schwanen Uniformen wieder — fetzt mußte sie auch von Karl hören — mußte ihn wiedersehen. . .ihn wiedersehen? Sollte der Himmel barmherzig gewesen sei» und ihn aus dem Chaos der Schlacht gerettet haben?

Ach, wie hatte sie gebebt, wenn sie auf ihrer Mühseligen Wanderung über da« Schlachtfeld auf eine» Tobten oder Verwundete» de« braun­schweigischen Korps traf! In jedem meinte sie Jtatl zu sehen!

Doktor Westphal meldet« sich bei dem Komman­deur mit der Frage, ob »och Hilf« »örhig sei.

„Gewiß," entgeg»ete der Offizier, „in dem Dorfe drinnen liege» noch eine Menge Verwundeter, unsere Aerzte find »och »icht zur Stelle — suchen Sie den Unglücklichen zu helfen."

Doktor Westphal begab sich mit seinem ve- gleiter und Begleiterinnen in da« Dorf. Auch hier Zerstörung überall: brennende Hütten, zer­schossene Häuser, verwüstete Gärten.

Viele preußische Jäger lagen hier und dort verwundet auf de» Gaffe», in den Häusern. Da- zwischen französische Gardisten und einzelne Braunschweiger. Es mußte hart um den Besitz de« Dorfe« gckämpft worden sei». Einige preußische Aerzte waren um die Verwundeten beschäftigt. Gie begrüßten Dr. Westphal freudig.

frieden; er versteht den Werth des durch eigne Arbeit Erworbenen zu schätzen und ist sozialen Imwälzungen abhold.

Vor allem müffen daher Staat und Gemeinde, zumal sie gewiß in erster Linie zur Sicherung lieblicher sozialer Zustände nichts vernachlässigen »ürfen, ihren ganzen Einfluß auf die Förderung >er Sparsamkeit aufbieten, speziell durch die günstige Gestaltung der Spargelegenheit des Sparkassenwesens. Ja dieser Hinsicht wird noch vieles versäumt, insbesondere von den Gemeinden, in deren Hand das heutige Sparkaffenwesen zum großen Theile ruht. Hier ergibt sich eine wich- ige Aufgabe kommunaler Sozialpolitik.

Es ist naturgemäß, daß die Vermehrung der Spargelegenheit, als die Voraussetzung des Sparens überhaupt, bis zu einem gewiffen Grade mit der Anzahl der Sparer, welche als Merkmal )er Sparsamkeit wohl noch beachtenswerther ist, als die Höhe der Spareinlagen, in enger Wechsel­beziehung steht. Zahlenmäßig läßt sich das aller­dings schwer feflstellen, da gleichzeitig stets auch eine Reihe anderer Umstände ins Gewicht fallen, z. B Bestehen vieler anderer Spareinrichtungen, wie Fabriksparkaffen rc, neben den öffentlichen, städtischen Sparkassen. Aber es kann zweifellos nicht auf bloßem Zufall beruhen bezw. von der Vermehrung der Spargelegenheit ganz unab- bänqiq sein, wenn (nach den Angabe des,Stat. Jahrb. deutsch. Städte') 1896/97 z. B. in Straßburg mit 1 öffentlichen Sparstelle auf je ca. 12 000 Einwohner, Magdeburg mit 1 solchen auf 14.000, Görlitz auf 23,000, Leip­zig auf 24,000 Einwohner — 45 bis 60 Spar­bücher auf je 100 Einwohner entfallen, dagegen nur ca. 14 bi« 24 Sparbücher auf 100 Einw. z. B. in Elberfeld, wo erst auf 139,000, Barmen auf 127.000, Krefeld auf 107,000, Duisburg auf 70,000 Einwohner 1 einzige öffentliche Sparstelle kommt. Jedenfalls sind die angeführten und sonstigen vorhandenen Beispiele und Erfahrungen zu deutlich, als daß die Wechsel­beziehung zwischen größerer oder geringerer Spar- bethätiguna der Bevölkerung gänzlich in Ab­rede gestellt werden könnte, wenn sie auch in manchen Städten in Folge vorherrschenden Ein­flusses anderer Umstände weniger oder gar nicht zu Tage tritt.

In richtiger Würdigung dieser Wechsel- beziehung haben denn auch nach den Angaben über 52 größere Städte im .Statist. Jahrbuch deutscher Städte' (Jahrg. 8, 1900) bereits 22 städtische Spät kaffen außer der Hauptstelle noch Filialen eingerichtet, und zwar zum Theil Filialen mit Auszahlungsberechtigung, zum Theil einfache Annahmestellen. So hat die städttsche Sparkaffe-in Hamburg 17 Filialen mit Aus­zahlungsberechtigung Straßburg 7 Filialen und 3 Annahmestellen, Köln 6 Filialen und 11 An­nahmestellen, Dresden 4 Filialen, Görlitz 4 Filialen, Hannover 3 Filialen, Magdeburg 3 Filialen und 8 Annahmestellen, Königsberg 2 Filialen, Chemnitz 2 Filialen, ferner Berlin 92 Annahmestellen, München 11, Breslau 9, Düssel­dorf 8, Pofen 6, Stettin 6, Charlottenburg 5, Leipzig-Altstadt 5, Leipzig-Reudnitz 4, Potsdam 4, Plauen 3, Mannheim 2, Altona 1 An­nahmestellen.

„Es gibt viel Arbeit, Herr Kollege." riefen sie ihm zu. „Dort in dem Schulhause liegt ein verwundeter Offizier — der Arm ist ihm zer­schmettert — sehe» Sie doch einmal nach ihm."

Der Arzt betrat mit Gesinen da« Schulhaus. In der Schulstube lagen einige Verwundete, die bereits verbunden waren, stille, bleiche Gestalten. Ein englischer Offizier lehnt, bleich wie ein Todter, mit dem Rücken gegen die Wand, die Beine mit einer Decke umhüllt. Er rauchte au« einer kleinen Pfeife.

Ms Gesine in da« Zimmer trat, stößt er einen Ruf der Ueberraschung aus. „Miß Gesine — Sie hier? — Ah, welch ein Glück, daß ich Sie «och einmal sehe..."

Gesine erschrickt, sie erkennt Jame« Howard.

Sie reichte ihm die Hand. „Mister Howard — Sie sind verwundet. . . ?"

Mit einem trüben Lächeln schlägt er die Decke zurück — beide Beine find ihm amputirt. — Gesine schauderte. — „Mein Gott, welch' ein Unglück — wie bedaure ich Sie, Mister Ho­ward . . . "

Er küßte ihre Hand. ,0 never mind, Mies Gesine®, sagte er lächelnd, „mein Vaterland wird für mich sorgen. — Old England kor ever! — Aber Miß Gesine, eine Hoffnung habe ich mit dem Verlust meiner Seine zu Grabe getragen — ich werde Ihre Liebe nicht mehr erringen können..."

„O Mister James..."

„Ja, es ist vorüber, Gesine. . . mögen Sie noch einmal recht, recht glücklich werden . . . «

„Fräulein!" ruft der Arzt au« dem Neben­zimmer. „Kommen Sie doch einmal her!"

Das Filialensystem ist freilich kostspieliger und seine Anwendung, so wünschenswerth die- elbe ist, daher enger begrenzt. Jndeß wird auch schon durch die einfachen Sammelstellen bei Privatpersonen, Kaufleuten rc., mögen nun durch te nur Ein- ober auch Rückzahlungen bewirkt werden, eine erhebliche Förderung des Spar­wesens herbeigesührt. Wenn man die Sparstelle in der Nähe hat, eventuell häufiger vorbeikommt, ist der Entschluß, sie zu benutzen bezw. wieder einmal eine Einlage zu machen, viel leichter gefaßt, selbst wenn man stets noch ein zweites Mal hingehen muß zum Abholen des Spar­buches.

In noch höherem Maße wie durch Einrich­tung von Annahmestellen kann das Sparen — vor allem in räumlicher Beziehung — erleichtert und so gefördert werden durch Abholen der Ersparnisse beim Sparer selbst, wie das mit großem Erfolge z. B. von Spar­anstalten zu Frankfurt a. M., Bornheim und Neu-Isenburg bei Frankfurt, von der Volksbank in Mainz u. a. geschieht. Das Abholen der Sparbeträge erfolgt durch Boten der Spar­anstalt (auf Kosten derselben) von solchen Sparern, die sich zu regelmäßigen Einzahlungen — zumeist von bestimmter Höhe, z. B. in Frankfurt von 50 Pfg. bis 20 Mk. — verpflichten. Die V«r- sinsung der abgeholten Einlagen geschieht bann entweder von Beginn des folgenden Quartals ober auch von Beginn de« nächsten Jahres an.

Hinsichtlich der zeitlichen Spargelegen­heit ist, von der Vermehrung der Sparstellen abgesehen, besonders wichtig, daß die Geschäfts­stunden günstig gelegt und nicht zu sehr beschränkt werden, damit insbesondere der an bestimmte Arbeitsstunden gebundenen Bevölkerung Gelegen­heit gegeben ist, ihre Ersparniffe ohne große« Zeitverlust anzubringen. Manche Sparkaffen haben außer ihren regelmäßigen Geschäftsstunden am Samstag Abend mit Rücksicht auf die Arbeiter­bevölkerung besondere Geschäftsstunden eingeführt; hier und da hat man sogar am Sonntag die Sparkasse geöffnet. Auch in den geschäft- lichen Einrichtungen der Sparkaffe ist mög- lichst auf die Vermeidung von Zeitverlusten der Sparer Rücksicht zu nehmen. Namentlich sind Maßregeln zu treffen, um dem Andrange des Publikums zu gewiffen Zeiten, wie beim Quartal­wechsel, möglichst gerecht zu werden. Es gilt auch hier der Satz, daß die Sparkasse des Publikums wegen da ist, nicht aber daS Publikum wegen der Sparkasse

Um die Betheiliguvg namentlich der Minder­bemittelten an den Sparkassen zu fördern, ist endlich die geschäftliche Spargelegenheit zu erleichtern und möglichst günstig zu gestalten. Wenn z. B. vielfach (selbst bei größeren städtischen Sparkassen) die Einrichtung besteht, daß de« Ein­legern zunächst nur Jnterimsscheine auSgehändigt werden, wenn Sparkassen Einlagen unter 3 Mk. nicht verzinsen, über jede Rücknahme eine Quit­tung ausstellen lassen, sich selbst bei Geldvorrath auf die Kündigungsfristen versteifen, wenn sie die Eintragungen in die Sparkassenbücher wenig übersichtlich anordnen rc , — so kann man von solche« Sparkassen mit sagen, daß sie hinter den Bedürfnissen des modernen Lebens zurückge­

blieben sind und nicht als Musterfparkaffen gelten können. In geschäftlicher Hinsicht bedeutet auch eine angemessene Verzinsung der Einlagen einen wirksamen Antrieb zum Sparen. Eine kluge und die Bedeutung des Sparens für die wirthschaftliche und soziale Wohlfahrt stets be­rücksichtigende Sparkaffenpolitck wird daher nicht nur eine allzuweitgehende Herabsetzung des Zins­fußes thunlichst zu vermeiden suchen, sondern auch womöglich besondere Sparprämien ober auch Zinsvergünstigungen für kleineSparer gewähren. Die städtische Sparkaffe zu Görlitz |. B. gewährt Sparprämien an Personen des Arbeiter-, Gesinde- und kleinen Handwerkerstandes.

Als besondere Einrichtungen zur Förderung der Sparsamkeit kommen sodann noch das Spar- markensystem, die „gesperrten Sparkaffenbücher," Alters- und Prämiensparkaffen rc. in Betracht.

Die zweckmäßige Einrichtung der Gemeinde­sparkassen ist unter all diesen Gesichtspunkten ihrer großen sozialen Bedeutung entsprechend nicht nur von den Gemeindeangehörigen selbst, die ein besonderes Interesse daran haben. Die Frage muß daher z. B. von Handwerker-, Arbeiter­und ähnlichen Vereinigungen zum Gegenstand der öffentlichen Besprechung gemacht werden, speziell dort, wo das kommunale Sparkaffenwesen ver- befferungsbedürftig erscheint. Die öffentliche Mei­nung vermag auch hier einen wirksamen Druck auf die Inangriffnahme sozialer Reformen auszuüben.

Deutsches Deich.

Berlin, den 4. September.

* Herr Domkapitular Dr. Drau» zu Köln beging am 4. Sept, in voller Rüstigkeit sein goldenes Priesterjubiläum. Herr Dom­kapitular Dr. Braun wurde am 5. Februar 1825 zu Breinig geboren und gehört seit dem 17. Aug. 1886 dem Domkapitel an. Der König verlieh dem Jubilar den Rothen Adlerorden dritter Klaffe mit der Schleife.

G cheheimrath Aargtzardt, Generaldirektor der direkten Steuern in Preußen, wird am be­vorstehende« 1. Oktober in den Ruhestand treten.

X Kin Zttsammettschkntz aller deutsche« Kaneruvereine war von den christlichen Bauern­vereinen in Bayern vorgeschlagen worden. Es war durch den Reichstagsabgeordneten Pfarrer Gerstenberger al« Generalsekretär der bayeri­schen Vereine Einladung an alle anderen Vereine ergangen zu einer Besprechung eines allgemeinen Zusammenschluffes in Bonn; aber leider ist diese Zusammenkunft gescheitert an konfessionellen Be­denken. Innerhalb des rheinischen und westfälischen Bauernvereins sind Bedenken entstanden aus Rücksicht auf die protestantischen Mitglieder dieser Vereine: man war der Ansicht, daß die Wahl von Zeit und Ort (nämlich im katholischen Kasino zu Bonn während der Katholiken-Versarnrnlung) dem paritätischen Charakter der Bauernvereine zmviderlaufe und möglicherweise dem Zusammen­schluffe aller Bauernvereine nachtheilig sei. So ist denn die Versammlung sofort nach ihrer Er­öffnung wieder geschloffen worden; und zwar geschah die« auf den Antrag de« rheinischen

„Gehen Sie nur, Gesine," sagte Mister Ho­ward wehmüthig lächelnd. „Da drinnen bedarf man Ihrer Hilfe."

Stumm drückte sie ihm die Hand und ent­fernte sich. Der Arzt trat ihr entgegen. „Sie müssen mir bei einer Operation helfen, Fräulein," sagte er. „Da drinnen liegt ei» Offizier mit voll­ständig zerschmettertem Arm, ich muß ihm den Arm ans der Schulter lösen — er ist bereits ganz blau und es könnte der Brand hinzutreten."

Rasch folgte Gesine dem Arzt. Aber wie er­schrak sie, als sie in einem alten, großen Lehn­stuhl einen jungen braunschweigischen Offizier fitzen sah, den rechten Arm von einer vollständig blut­getränkten Bmde umwunden.

„Karl — !" und sie flog auf den Verwundeten zu und umfing ihn ausschluchzend mit den Armen.

Da« blaffe Antlitz de« Verwundeten Überzog eine jähe Röche. „Gesine — wie kommst Du hierher? — Zum zweiten Mal trittst Du mir ent­gegen — ich glaube zu träumen —"

„O Karl — Karl welche Freude, Dich wieder- zufinden," schluchzte Gesine zu seinen Füßen. „Ich vermochte et daheim nicht auszuhalten — ich glaubte Dich tobt — sie sagten, Du seiest im Kampfe gefallen — da wollte ich nicht thatenlor daheim bleiben, ich begleitete eine Sanitätetolonne al« Pflegerin — vor der blutigen Waffe schau­derte ich zurück, aber nicht vor den blutigen Wunden des Kriege« — und jetzt finde ich Dich wieder, Karl — verwundet — schwer ver­wundet . . ."

Sie strich zärtlich und scheu Über sein« ver­wundeten Arm.

Gedankenvoll, ernst blickte er zu ihr nieder.

„Aber da« Licht in Deiner Kammer — sprach er stockend. „Da« Zeichen Deiner Treue? .."

„Ich löschte e« au«, Karl, weil man mir sagte, Du seiest tobt."

„Ja, ja, man hielt mich für tobt. Ich blieb ja auch für tobt auf bem Schlachtfelde liegen, doch die Franzosen hoben mich auf, ich genas in der Gefangenschaft, dann schickte man mich nach England — von dort reiste ich nach Deutschland, ich kam gerade an, al« der KriegSruf von Neuem erscholl. Ich wollte Dich begrüßen — da sah ich Dein Licht nicht — und ich stürmte verzweifelnd weiter hinan« in die Welt — in den Krieg ■ in die Schlacht. — Und jetzt — jetzt lieg ich hier — ein armseliger Invalide — ein zer­schossener Krüppel — oh, läge ich doch neben meinem Herzog auf der Todtenbahre!"

„Nein, nein, Karl — nicht sterben — nicht sterben!" schluchzte Gesine.

„Was soll ich noch im Leben?"

„Du sollst leben — um meinetwillen, Karl! Ja, in dieser Stunde fühle ich e«, daß ich nicht leben kann ohne Dich und wenn Du auch schwer krank bist, wenn Du der Hilfe nöthig hast bei jedem Schritt — oh, ich weiche nicht von Deiner Sette und ich will für Dich arbeiten und sorgen und D» sollst Deine Wunden nicht fühlen — ich bleibe bei Dir — ich will Dein Arm fein, rch will Dich stützen und pflegen."

Gefine verbarg weinend rhr Antlitz in Karl« Schoos. Sie vermochte nicht mehr zu sprechen. Glück und Seligkeit, den Geliebten wieder zu haben, Schmerz und Kummer, ihn so wiederge- funben zu haben, überwältigten ihr starkes und muthiges Herz, daß es fast zu brechen drohte. Dis