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jg 201.___________________

47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands

z« ZLonu 1900.

O Bonn, 2. Sept.

Nahezu zwei Jahrzehnte sind verfloffen, seit zuletzt die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in den Mauern Bonns tagte. Wer damals der imposanten Feier beigewohnt hat, dem wird es unvergeßlich geblieben sein, wie die Bewohner der gastlichen Stadt sich in edlem Wetteifer bemühten, ihren von nah und fern herbeigeströmten Glaubensgenoffen für die Tage der Katholikenversammlung ein trauter Heim zu bereiten — dem wird es unvergeßlich sein, welch herrlichen Verlauf die damalige Heerschau der Katholiken Deutschlands genommen hat. Wenn aber irgendwo die Erinnerung an jene erhebenden Tage eine lebendige geblieben ist, dann ist dies bei den Bewohnern der Stadt Bonn selbst der Fall. Mit Stolz hört man sie von der 1881er Versammlung erzählen. Mit Staunen vernimmt man, wie sie sich all der einzelnen Details ent­sinnen, mag es sich handeln um die Persönlichkeit der Redner,mögen denGegenstand der Erinnerungen bilden die Reden, in welchen zum Ausdruck ge­langte, was damals die Gemüther des katholischen Volkes bewegte, oder mag endlich die Erinnerung anknüpfen an die Namen von Gästen, die mit der Geschichte des deutschen katholischen Volkes für immer verbunden sein werden.

Zwei Jahrzehnte! Ein beträchtlicher Bruchtheil des Lebens! Und doch für das Buch der Zeit nur eine kleine Spanne! Wie damals läßt wieder das ehrwürdige Münster die mächtigen Klänge seiner Glocken über die liebe rheinische Stadt ertönen, um den Besuchern des Katholikentages seinen Willkommensgruß zu entbieten. So viele von jenen, denen damals dieser Gruß galt, da­runter Personen, die das katholische deutsche Volk zu seinen Führern zählt, find nicht mehr; es hat ihnen eine andere Glocke geläutet: aus dem Leben, in welchem fie Streiter Christi waren, find fie dahingeschieden zu einem befferen Jensrüs, wo ihnen die Palme des Sieges zu Theil ward, aber in dem Andenken des katholischen Volkes leben fie fort, und gerade heute, wo uns der eherne Ton der Glocken die Zeit von 1881 wieder mächtig in die Erinnerung ruft, steht das Bild jener Führer wieder lebhaft vor unseren Augen, fühlen wir fie im Geiste unter uns weilen und schöpfen Straft und Hoffnung auS dem Vorbild, das fie uns gegeben. — Wehmuth wecken die Glocken, aber ihr Klang stimmt zur Wende des Jahrhunderts doch anders denn vor 20 Jahren. In die Wehmuth mischt stch das Gefühl des Stolzes über die Errungenschaften des deutschen katholischen Volkes und das Gefühl des Gottoer- trauens und der Zuversicht für die Zukunft.

Dies Gefühl mag auch die Einwohner der Stadt Bonn erfüllt haben, wenn sie sich zum Empfang der 47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands im Vergleich zu 1881 Überboten haben. Ueberall bringt man in der Einwohnerschaft der Katholikenoersammlung die größte Begeisterung entgegen. Tausend und aber­tausend rege Hände sind thätig gewesen, um die Stadt in einen förmlichen Laubengang umzu-

Hit Tochter -er Khrmmr.

Roman von O. Elster.

49 ------ (Nachdruck verboten.)

„Es war mein letztes Kind" — flüstert sie — „mein jüngster Sohn — ich habe dem Vater­lande keine Opfer mehr zu geben . . ."

Sie senkt das Haupt, schlaff hängen die ge­falteten Hände nieder, um Jahre gealtert, ist die Frau in dieser Stunde.

Und lauter und lauter brüllt der Dämon der Schlachten und erweckt die Gräfin aus ihrem schmerzlichen Sinnen. Sie athmet tief auf und richtet sich straff empor.

„Gott hat e? gewollt", spricht sie mit tiefer Stimme und sendet einen Blick zum Himmel empor, den Gesine nie, nie vergessen wird. „Gott hat es gewollt — nun komme, mein Kind, andere Pflichten harren unser . . ."

Mit stolz emporgerichtetem Haupte schreitet fie Gesinen voraus zu dem Schmerzenslager der Söhne anderer Mütter.---

Und das furchtbarste Ringen aller napoleoni­schen Kriege begann. Ein Geschützfeuer, das rings auf Meilen jemals die Erde erbeben ließ, über­schüttete die Stellung der Engländer.

„Ich hörte noch nie eine solche Kanonade", wendet sich der Herzog Wellington an seine Um­gebung.

„Euer Lordschaft haben noch nicht gegen Napoleon gefochten", entgegnete ein alter deutscher Dffizier, „und kennen die Mittel diese» Meister» der Schlachten noch nicht."

gtuföa, Montag, den 3. September 1900.

27. Jahrgang.

wandeln: Keine Gaffe so eng, kein Haus so klein, das nicht im Festschmuck prangte.

So möge denn der Stadt Bonn, die kein Opfer gescheut hat, den Fremden ein gastliches Heim zu bieten, durch regen Besuch der Katholiken- versammlunq gedankt werden. — Schon heute sind über 2200 Mitgliederkarten ausgegeben — und möge sich so die diesjährige Katholiken Ver­sammlung der früheren Bonner Versammlung würdig anreihen.

Deutsches Keich.

Berlin, den 1. September.

ft Eine Ilsform des Aorfe« - Gesetzes sollte nach der Meldung eines schlesischen konser­vativen Blattes innerhalb der konservativen Partei gewünscht werden. Die liberale Preffe hat sich des Stoffes natürlich mit großem Eifer bemächtigt, aber int Uebrigen wird die Meldung mit sehr starkem Zweifel ausgenommen. Die kon­servative ,Pomm. Reichspost', die gute Verbin­dungen mit leitenden konservativen Kreisen hat, stellt fest, daß „in einflußreichen konservattven Kreisen, die von der Sache etwas wissen müß- ten, absolut nichts bekannt sei." Somit wird wohl die .Deutsche Tagesztg.' recht haben mit ihrer Vermuthung, daß es sich dabei um einen Versuchs-Ballon der,Schles. Ztg.' handele.

+ Die staatliche« Kehkenüergwerke i« Kchkeste« wollen, wie berichtet, für den bevor­stehenden Winter, entgegen dem bisherigen Brauche, eine Erhöhung des Kohlenpreises nicht eintreten laffen — eine sehr verständige Maß­regel, die leider bei den anderen Kohlenberg­werken noch keine Nachahmung gefunden hat. Nach einer Meldung eines Wiener Blattes ist aber, wenn die Meldung richtig ist, die Staats­verwaltung der oberschlestschen Bergwerke noch weiter gegangen, indem fie nämlich den Kohlen­preis für das Ausland, also Oesterreich, um 5 Pfennige für den Centner heraufsetzt. Dadurch würde die ungerechtfertigte Frachtermäßigung für die Kohlensendungen nach dem Auslande ein wenig ausgeglichen werden in ihrer für Deutsch­land schädlichen Wirkung, und deswegen ist die Maßregel als sehr verständig durchaus zu loben. Wirkliche Hilfe ist aber doch nur dann möglich, wenn nicht nur in Oberschlefien, sondern in allen Kohlenrevieren in Deuffchland gleichmäßig in dieser Weise vorgegangen wird. Davon ist noch keine Spur zu bemerken. Im Gegentheil werden neuerdings, wohl nicht ohne Kenntniß und Ein­fluß der preußischen Staatsregierung, allerhand Bedenken vorgebracht gegen die Gewährung des sogenannten Rohstoff-Tarifs, also einer er­mäßigten Bahnfracht für die Beförderung von Kohlen von See- und Stapelplätzen nach dem Jnlande. So wird in der,Volkswirthschaftlichen Korrespondenz' dagegen angeführt, es bestehe als­dann die Befürchtung, daß die Küstenplätze an der Nordsee wieder dem Wettbewerb der aus­ländischen Kohle preisgegeben würden. Natürlich, das ist ja jetzt gerade vothwendig. Und wenn es einmal nicht mehr nothwendig sein sollte, könnte man ja ebenso leicht wieder ein Ende da­mit machen. Die Gewährung des Rohstoff- TarisS ist von der sächsischen Staats-

„Wir werden seinen furchtbaren Mitteln eng­lische Standhaftigkeit entgegenstellen", sagte der Herzog stolz. „Auch Napoleon hat noch nicht gegen Engländer gefochten."

Der erste Stoß der Franzosen unter Jerome Bonaparte, dem früheren König von Westfalen, richtet sich gegen das Schloß Hougemont, hinter dem das braunschweigische Korps in Reserve steht. Nur die Avantgarde steht mit der englischen Garde in der Meierei selbst. Hier ficht auch die Scharffchützen-Kompagnie, bei der Karl Ahrendt steht, in der ersten Linie.

Der Kampf wogt hin und her. Die Franzosen bringen in das Gehöft ein und werden wieder hinausgeworfen. Abermals erfolgt ein Angriff, da» Schloß und die Stellung der Braunschweiger wird mit Kartätschen überschüttet, das Schloß geht in Flammen auf, ein gewaltiger Kavallerieangriff der Keller mannschen Kürassiere soll den Kampf entscheiden. Die Trommeln rasseln, die Hörner rufen mahnend zum Sammeln — die Reiterfluth braust heran — die erste Linie wird überrttten — die Reiterei drängt in die Artilleriestellung ein, deren Bespannung und Bedienung sich hinter die Infanterie der zweiten Linie rettet. An den Karree» dieser zweiten Linie zerschellt der Reiter- sturm — „Husaren und Ulanen vor!" Die Trompeten schmettern zur Attacke, und pele mele mit den Kürassieren gehen die schwarzen Husaren und Ulanen über da» blutgedüngte Feld.

Doch so rasch gibt die französische Armee den Sieg nicht auf. Mehrere Male kehrt die Reiterfluth zurück, jedes Mal schlagen sie die braunschweigischen Bataillone ab und verfolgen

regierung angeregt, wie man neuerdings er­fährt. Wie lange wird es dauern, bis der An­regung Folge gegeben wird? Sollen die Kohlen­verbraucher, denen es jetzt schlecht geht, noch mehr bluten zu Gunsten der Kohlengruben und Kohlenhändler, denen es besser geht, als je vor­her? Das hieße die Ungerechtigkeit auf die Spitze treiben. Deswegen kann man nicht recht glauben, daß nun auch diese Anregung auf un­fruchtbaren Boden fallen sollte.

X 5t$r Keimzeichmmg der wirtyschaft- Kchen Verhältnisse tragen von Neuem Er­hebungen bei, die im Königreich Sachsen vor­genommen wurden. Danach hat sich während der letzten zwanzig Jahre das steuerpflichtige Ein­kommen der Bevölkerung des Königreiches um 60 v. H. vermehrt. Besonders interessant ist die Art, in der dieses Mehreinkommen der Bevölkerung als Ganzes auf die einzelnen Berufsstände sich vertheilt. Das Einkommen aus Lohn und Ge­halt hat die stärkste Steigerung erfahren, nämlich um nicht weniger als 185 v. H.; das beruht in erster Reihe auf der sehr bedeutenden Erhöhung der Arbeitslöhne während der letzten beiden Jahr­zehnte. Aber auch das Renten tragende Kapital­vermögen hat sich im Saufe dieser Zeit sehr stark vermehrt, nämlich um 146 v. H., ferner das Einkommen aus Handel und Gewerbe um 86 v. H. Die geringste Steigerung hat das Einkommen aus dem Grundbesitze aufzuweisen. Diese beträgt, ländliche und städtische Grundstücke zusammengenommen, nur 46 v. H. Die Statistik ist, wie man sieht, recht unvollkommen. Aus der Sammelrubrik Lohn und Gehalt hätten die Löhne für Arbeiter, namentlich Industrie-, Bau- und Bergwerksarbeiter ausgeschieden werden müssen als ein Punkt, auf dessen Klarstellung es in unseren Tagen ganz besonders ankommt. Und der Grund­besitz hätte unbedingt in ländlichen und städtischen Grundbesitz getrennt werden müssen. Im Allge­meinen aber geht es uns gut, das beweisen von Neuem die Erhebungen im Königreiche Sachsen.

Ausland.

* Wie», 2. Sept. Der österreichisch-ungarische Legattonssekretär in Peking v. Rosthorn ist zum Legationsrath ernannt und mit dem Ritter­kreuze des Leopoldordens ausgezeichnet worden. Seine Gemahlin erhielt den Elisabethorden 2. Kl. —DerReichsrathsabgeordneteG eorgSchönerer, der schon vor längerer Zeit aus der katholischen Kirchengemeinschaft ausgetreten war, ist in den Verband der evangelischen Kirche ausgenommen worden. Schönerer wählte für seinen Uebertritt in die evangelische Kirche den gestrigen Sonntag, als den Jahrestag von Sedan.

fl Aaris, 2. Sept- Am 29. August erhielt der Generalsuperior der Lazaristen aus Peking von Herrn Bischof Favier die Nachricht, daß 10 Lazaristen und eine barmherzige Schwester von den Chinesen ermordet worden seien. Fünf derselben befanden sich in der Nähe Pekings, konnten sich aber nicht mehr flüchten.

* Glasgow, 2. Sept. Der 13. Pestver­dächtige wurde gestern früh im Hospital aus­genommen. Jetzt stehen 83 Personen unter Be­obachtung. Die Frau, die zuerst von der Pest befallen wurde, befindet sich auf dem Wege der

die Reiter mit dem Bajonett. Aber sowie auch die Infanterie sich über die schützenden Anhöhen hervorwagt, schmettert ihr ein mörderisches Kartätschenfeuer der französischen Batterien ent­gegen — hier fällt Oberst Alfermann, hier Major von Brandenstein und Major Ebeling — hier Hunderte von braven Offizieren und Soldaten — und Oberstlieutenant von Heinemann führte die erschöpften Bataillone zurück.

Auch die Avantgarde unter dem ebenfalls verwundeten Major von Bülow muß sich aus dem brennenden Hougemont zurückziehen. Sie hat fast ihre ganze Munition verschossen und wird durch das zweite Treffen abgelöst.

Jndeß der Kampf um Hougemont wüthet, hat sich ein ebenso ernsthaftes Gefecht um Sa Haye fainte im Centrum entwickelt. Nach hartem Kampfe ist es den Franzosen gelungen, sich im Besitze des Gehöftes zu behaupten. Sieben Uhr Abends ist es bereits, die Armee Wellingtons durch die wüthenden Kämpfe aus's Aeußerste erschöpft ... in dem englisch-deutschen Generalstabe erwägt man bereits den Rückzug.

Da steigt Wellington auS dem Sattel, läßt sich einen einfachen Feldstuhl bringen und setzt sich auf diesen nieder, unmittelbar hinter den kämpfenden Truppen. Die feindlichen Kartätschen schmettern in den Generalstab und zerreißen den neben Wellington stehenden Adjutanten, dem der Herzog soeben einen Befehl ertheilt. Ruhig wendet sich der Feldherr an einen anderen Offizier: „Ordonnanzen auf die Straße nach Wavre, ob die preußischen Spitzen noch nicht sichtbar find . . ."

Besserung. Die Leichen der beiden der Krank' heit erlegenen Patienten sind verbrannt, nachdem die katholische Geistlichkeit ihren Widerspruch zurückgezogen hatte. Die Zollkommission weigert sich, ausreisenden Schiffen Gesundheitspäffe aus­zustellen. Der Ort, wo die Pest ausgebrochen ift wurde für gesundheitsgefährlich erklärt. Die Häuser sind desinfizirt und alle Hausthiere aus Vorsicht vernichtet.

h. Mailand, 2. Sept. Bresci hat gestern Abend einem Vertheidiger mitgetheilt, daß er gegen die Höhe der Strafe keine Be­rufung einlegen werde, da dieselbe doch nicht gemildert werden würde. Nur gegen die Kon- fiszirung seine» Vermögens werde er sich ver­wahren.

® Alottöaix, 2. Sept. Die Diskontobank von Roubaix hat in Folge der Krisis in der Baumwoll-Industrie ihre Zahlungen ein­stellen müffen. Ein Direktor der Bank erschoß sich, nachdem er unverrichteter Sache aus Paris zurückgekehrt war, wo er finanzielle Unterstützung zu finden gehofft hatte. Dieser neue Krach trifft meistens die kleinen Händler und Beamte, die ihre Ersparnisse bei der Bank niedergelegt hatten.

Der Krieg in Südafrika.

Aus dem schwarzen Erdtheil liegen heute keine epochemachenden Ereignisse vor. Eine Depesche des Feldmarschalls Roberts aus Belfast vom Freitag bestätigt die Freilassung von 1800 gefangenen Engländern durch die Buren, doch sollen die Offiziere nach Barberton gebracht worden sein. Gefangene berichten, daß die Präsidenten Krüger und Steijn, sowie die Generale Botha, Schalk-Burger und Lukas-Meyer am 29. August mit der Bahn nach Nelspruit ab« gereift seien. Kommandant Grobler hat, wie Roderts weiter meldet, 34 englische Gefangene, die er noch in feiner Gewalt hatte, an Paget zurückgeschickt. Die Buren scheinen sich nach ver­schiedenen Richtungen zu zerstreuen. — Aus Masern vom 31. August wird dem Reuterschen Bureau gemeldet: „Hier geht das Gerücht, daß 1500 Buren mit zwei Kanonen bei Meqnat« lingsnek in der Nähe von Clocolan stehen. Die Garnison von Ficksburg ist verstärkt worden."

* London, 2. Sept. Der .Manchester Guardian' meldet auS Kapstadt: Ein von Lord Roberts unterzeichnete Proklamation ist in Bloemfontein veröffentticht worden, welche das Verbrennen von über dreißig Farmen zur Strafe für Zerstörung der Eisenbahn anord­net und fünfzig weitere Farmen mit Geld­strafen bis zu einer halben Krone per Morgen für ähnliche Vergehen belegt. Eine halbe Krone bedeutet den achten Theil des durchschnittlichen WettheS der Farmen in jedem Gebiete.

h London, 2. Sept. Aus Colombo wird gemeldet: Eine dritte Abtheilnng Buren- Gefangener ist in Ceylon eingetroffen. Die Bevölkerung ist sehr erbittert über diese Zufuhr von Kriegsgefangenen, weil hierdurch die Preise der Lebensrnittel auf der Insel bedeutend ge­stiegen sind.

„Eine Staubwolke macht sich auf der Straße bemerkbar, Euer Lordschast," meldet ein heran- fprengenber Adjutant.

Lord Wellingtons ernstes Auge belebt sich einen Moment; er athmet wie erleichtert auf. Dann gibt er Befehl, alle verfügbaren Truppen im Centrum zu sammeln. Es gilt dem ent­scheidenden Stoß Napoleons zu begegnen.

Die Offiziere fliegen voran. Einen Augen­blick scheint daS Kampfgetöse nachzulaffen — einen Augenblick herrscht Stille im Vergleich zu dem furchtbaren Schlachtenlärm der letzten Stunden — doch nur einen Augenblick.

Napoleon sammelt die Kräfte zu dem ent­scheidenden Schlage. Schon tönen die ersten preußischen Hörner vom linken Flügel bei Planchenoit herüber, schon zeigen fich die ersten Husaren und Plänkler vom Korps des Generals Ziethen — eS ist keine Minute mehr zu ver­lieren, die Engländer und Deutschen müssen in daS Defilee von Waterloo zurückgeworfen werden, ehe die Preußen im Rücken des französischen Heeres erscheinen. Noch eine gewaltige An­strengung gilt eS, Napoleon setzt seine ganze Kraft ein, um bei La Haye fainte das Centrum zu durchbrechen — ein heroischer Entschluß, dem Genie eines Napoleon würdig.

Massen von Truppen wirft der Herzog Wellington hier den verzweifelten Angriffen der ältesten und tapfersten Krieger der französischen Armee ent­gegen.

Auch da» braunschweigische Korps wird zur Vertheidigung herangezogen und trifft gerade auf der Anhöhe hinter La Haye fainte ein, al» die