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M 200. JuLöcr, Samstag, den 1. September 1900. 27. Jahrgang.

2 Die Pest.

Gegen den Willen der Engländer, aber sehr zum Nutzen der Allgemeinheit ist von den deutschen Behörden ermittelt worden, daß ein an de» Beulenpest tn Hamburg gestorbener Schiffs­kellner den Krankheitsstoff in der britischen Hafen­stadt Cardiff ausgenommen hatte. Bis dahin wußte kein Mensch etwas davon, daß es in Eng­land solche Seuchenherde gebe; aus Eigennutz hatte man wieder einmal das leidige alte Ver- tuschungssyfiem angewandt, und man würde ver- muthlich dabei geblieben sein, wenn das möglich gewesen und durch die Nachforschungen der deutschen Behörde nicht verhindert worden wäre.

Jetzt weiß man schon, daß es in England nicht nur den einen Seuchenherd in Cardiff gibt. In viel schärferer Weise tritt die Beulenpest in Glasgow auf; und diese Stadt liegt von Cardiff doch ein recht beträchtliches Stück entfernt, so daß man der Wahrheit gemäß schon von einer ziemlich weiten Verbreitung der indischen Pest in Britannien sprechen muß. Bis zum Don- nerstag waren in Glasgow elf Pestfälle festge­stellt, die in ärztlicher Behandlung stehen — eine wenig angenehme Neuigkeit im Vergleiche zu de« voraufgegangenen vollkommenen Schweigen! Dabei steht es in sehr eigenthümlichem und eben­falls keineswegs angenehmem Gegensätze zu einander, daß einmal versichert wird, die Pest­fälle verliefen „gutartig", dann aber berichtet werden muß, daß an dieser angeblich „gutartigen" Pest auch schon mehrere Personen gestorben find. Pest ist Pest; der Unterschied zwischen einer gut­artigen und eines bösartigen Beulenpest soll noch erfunden werden. Höchstens kann eS sich darum handeln, ob die einzelnen an der Seuche er­krankten Leute der Krankheit mehr oder weniger Widerstand in Folge ihrer Körperbeschaffenhett entgegensetzen können.

Für uns in Deutschland ist die Bildung von Seuchenherden in England unangenehm genug, weit unangenehmer als der Ausbruch der Seuche vor einem Jahre in Portugal. Erstens liegt uns England ungleich näher, so nahe, daß der Seuchenkeim zu uns verschleppt werden kann, ohne daß die Krankheit während der kurzen See­fahrt bei einer angesteckten Person auch schon aus­zubrechen braucht. So war es ja eben auch bei dem Schiffskellner, der erst nach seiner Ankunft in Hamburg erkrankte und starb, nachdem er sich vorher in Cardiff die Seuche geholt hatte. Zwei­tens ist der Verkehr zwischen den englischen und deutschen Häfen bei weitem stärker, als zwischen Portugal und Deutschland, und auch deswegen die Gefahr erheblich größer.

Es würde recht thöricht sein, sich bei uns über diese Gefahr täuschen zu wollen. Bei solchen Dingen ist nichts ungeschickter als ein System der Vertuschung und der absichtlicben Schönfär­berei. Am besten ist es, wenn alle Leute ganz genau unterrichtet werden über die Umstände, die dabei in Betracht kommen und zu beachten find;

Sie Tochter der Fährmanns.

Roman von O. Elster.

48 ------ (Nachdruck verboten.)

Das Fest nahm seinen Fortgang. Aber durch die Töne deS Festes drang der mahnende Klang der Hörner und das Raffeln der Trommeln. Auch Gefine hörte die kriegerischen Töne und schreckte aus ihren Träumen empor. Da eilte eine dunkle Gestalt, einem Schatten gleich, an ihr vorüber — der Herzog von Braunschweig — und mehrere seiner Offiziere folgen in hastiger Elle und die Hörner schmettern mahnender und hef­tiger raffeln da draußen durch die Straßen der Stadt die Trommeln der Braunschweiger.

Mit erschreckten Augen starrt Gefine in die Nacht hinaus. Sieht auch sie das blutige Ge­sicht, wie die Herzogin von Richmond? Sieht auch fie die zerriffene Gestalt des Geliebten auf blutiger Bahre liegen?

Sie schaudert leicht zusammen. Da legt sich ein Arm um ihre Schultern. Die Gräfin Wals­rode steht neben ihr.

„Kommen Sie, mein Kind," spricht fie ernst. „Die Männer ziehen aus zu blutigem Kriegen, rott dürfen hier nicht mehr säumen — thun wir unsere Pflicht, die Wunden zu Hellen, die der Kampf geschlagen. Kommen Sie — der Tag bringt uns Arbeit — fürchterliche Arbeit — seien wir stark und muthig." —

Und fie zieht das junge Mädchen mit sich fort z« der Arbeit des Mitleids, der Barmherzigkeit.

Auf den Straßen huschen dunkle Schatten in langen Reihen an ihnen vorüber — GefinenS

das Publikum hat einen vollauf berechtigten An­spruch auf die genaueste Kenntniß aller ein- schlägigen Thatsachen und Umstände, die zur Be- urtbellung der Seuche und der Verschleppungs­gefahr beitragen können. Auch ist die sorgfältige Unterrichtung des Publikums gleichzeitig mit ein Schutzmittel gegen Einschleppung der Seuche. Aber ebenso thöricht würde es sein, wollten sich die Deut­schen nun in Angst und Schrecken versehen lasten durch die Thatsache, daß in Folge saumselig ge­handhabter Gesundheitsüberwachung in England dort mehrere Seuchenherde entstanden sind. Wir stehen heute, dank unserer vorgeschrittenen Wrsten- schaft, einer Seuche gegenüber anders gewappnet da als in früheren Zeiten, und die Erfahrungen der letzten Jahre haben bewiesen, daß wir es in der Beschränkung ansteckender Seuchen auf einzelne Orte schon ziemlich weit gebracht haben. Die Pest konnte in Portugal auf ihren Herd beschränkt werden. Die letzte Cholera-Epidemie in Hamburg hat keine anderen Choleraherde in Deutschland erzeugt, mit einer einzigen Ausnahme in der Irrenanstalt zu Nietleben bei Halle a. d. S., wohin ein Wärter gekommen war, der vorher als Krankenpfleger in Hamburg gearbeitet hatte. Und aus der genannten Anstalt heraus hat die Seuche sich nicht in einem einzigen Falle auf die Umgegend verbreitet.

Umsichtige Fürsorge gegen die Einschleppung der Pest ist jetzt bereits in umfangreichem Maße getroffen worden. Die Einschleppung von Eng­land und von anderwärts her ist unter den herr­schenden Umständen nur auf dem Seewege denk­bar; und unsere Seehäfen find sofort unter strenge gesundheitspolizelliche Aufsicht gestellt worden. In Königsberg, Danzig, Stettin, Kiel, Flens­burg, Altona, Lübeck, Hamburg und Bremen werden alle einlaufenden Schiffe auf den Gesund­heitszustand ihrer Mannschaften und Fahrgäste untersucht, und zwar durch eigens angestellte Aerzte; und außerdem werden alle Schiffsführer dazu verpflichtet, von allen an Bord vorkommen, den Krankheitsfällen Anzeige zu machen und sich allen «Anordnungen des überwachenden Arztes unweigerlich zu fügen. Vor der ärztlichen Unter­suchung darf niemand das ankommende Schiff verlassen, und niemand darf es vom Lande aus betreten. Abgeschloffene Quarantäne-Stationen für Schiffsbesatzungen, die einer Beobachtung unterstellt werden sollen, find in den genannten Häfen ebenfalls eingerichtet.

Die geeigneten Schutzmaßregeln find getroffen. Nun ist es nöthig, daß auch der sorgsamste Ge­brauch davon gemacht werde. Zum Glück liegt die äußerst sorgfältige Aufmerksamkeit im Interesse der Hafenstädte selbst, so daß man mit einem hohen Grade von Sicherheit auf die genaue Be­obachtung der Schutzvorschriften rechnen tarnt.

Deutsches Deich.

Berlin, den 31. August.

* Aus Anlaß der AerligsteMmg des deutsch - amerikanische« Kaveks hat der Kaiser an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika folgendes Telegramm ge­richtet :

Herz erbebt, es sind die Braunschweiger, welche in den Kampf ziehen---

2 4. Kapitel.

Die preußische Armee unter dem greisen Feld­marschall Blücher war auf Wavre zurückgeworfen worden und sollte durch den Marschall Grouchy mit 50,000 Mann bewährter Truppen in Schach gehalten werden. Napoleon selbst wandte sich mit seiner Hauptmacht — wohl 80,000 Mann — dem englisch-deutschen Heere unter Wellington zu, das er in gewaltigem Ansturm zerschmettern wollte, um siegreich in Brüssel einzuziehen. War die englisch-deutsche Armee und die preußische Armee geschlagen und zersprengt, dann durfte Napoleon hoffen, in Brüffel den Frieden diktiren zu können.

Aber Napoleon kannte nicht die Zähigkeit des Herzogs von Wellington und rechnete nicht mit der stürmischen, jugendfrischen Energie des greisen Marschall Vorwärts.

Die Straße von Brüffel zieht sich durch den großen Wald von Waterloo, hier ein Desilee bildend, das einer geschlagenen Armee zum Ver­derben gereichen mußte. Warf Napoleon die Engländer und die Deutschen in dieses Desilee, dann waren fie verloren; die französische Reiter­geschwader und Geschütze würden die Armee ver­nichtet haben.

Vor dem Walde von Waterloo hielt der Her­zog von Wellington, umgeben von seinem glän- zenden Stabe. Ordonnanz-Offiziere flogen hier­hin und dorthin, die Truppen erhoben fich aus den regennaffen Biwaks und rückten in die be­fohlenen Stellungen. Den rechten Flügel bildete

An den Präsidenten der Bereinigten Staaten. Washington.

Bei der heutigen Eröffnung des neuen Kabels, das Deutschland mit den Bereinigten Staaten in die engste telegraphische Verbindung bringt, freut es Mich, Euerer Exzellenz Meine Befriedigung über die Vollendung dieses bedeutsamen Friedenswerkes auszusprechen. Ich weiß Mich mit Euerer Exzellenz eins in dem Wunsche und in der Hoffnung, daß die Kabelverbindung die allgemeine Wohlfahrt fördern und zur Erhaltung und Festigung freundlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern beitragen möge.

Präsident Mac Kinley erwiderte:

Sr. Majestät dem Kaiser und König Wilhelm II. Berlin.

Ich empfange mit großer Genugthuung das Glück­wunschtelegramm Ew. Majestät anläßlich der Eröffnung des Kabels, welches das Netz des engeren Verkehrs zwischen diesem Lande und dem deutschen Reich vervoll­ständigt. In diesem Zeitalter des Fortschritts fördert jedes Land, welches die Nationen in ihren kommerziellen Beziehungen mtt> freundschaftlichen Interessen einander näher bringt, ihre allgemeine Wohlfahrt. Es kann nicht verfehlen, ihr herzliches Berhältniß zu stärken und ihren wechselseitigen Vormarsch auf den Friedenspfaden zu beschleunigen.

* Neue Lehrpläne für die Gymnasien. Wie die ,Kreuzzeitung' hört, besteht die Absicht, in den neuen, anläßlich der letzten Schulkonferenz auszuarbeitenden Lehrplänen für die Gymnasien die Wochenstundenzahl im Lateinischen von 62 auf 69 zu vermehren und den Unterricht im Englischen obligatorisch zu machen. Für die Realgymnasien soll eine Verstärkung des Lateinischen von Quarta bis einschließlich Prima um je eine Stunde, d. h. auf 50 Wochenstunden, geplant sein.

X Acs eine Maßregel gegen die Kohlenuoth wird neuerdings die Einführung des sogenannten Rohstoff-Tarifs, auch für Frachten empfohlen, die von Seehäfen und von Umschlagsplätzen ausgehen. Es handelt sich dabei, wie bekannt, um eine ermäßigte Eisen­bahnfracht, die bisher aber nur angewandt wurde für Ladungen von inländischen Produktionsstätten aus, also bei Kohlen nur von der Eisenbahn­station desjenigen Bergwerkes aus, aus dem die Kohlen herstammen. Wenn nun dieser billigste Eisenbahntarif auch für Kohlensendungen von Stapel- und Umschlagsplätzen und von Seehäfen aus in Anwendung kommt, dann werden wir beispielsweise englische Kohlen über unsere See­häfen und böhmische Kohlen von den Umschlags­plätzen an der Elbe billiger als bisher erhalten können, so daß eine solche Maßregel in der That willkommen geheißen werden müßte als eine Hilfe gegen die bereits bestehende und in noch höherem Maße drohende Kohlennoth und Kohlensteuerung. In diesen Tagen hieß es, die preußische Staats- regierung sei mit der Verfügung in diesem Sinne bereits fertig. Aber das ist leider nicht richtig. Die Sache schwebt vorläufig noch in den Er- wägungen einer Eisenbahn-Kommission und hat daS preußische Ministerium noch gar nicht be­schäftigt; aber — so wird berichtet — es „ist möglich, daß dies bereits in der nächsten Zeit geschieht". Solche Erwägungen und Möglich- leiten sind sehr verdächtig; denn seit bald einem Jahre schweben ebensolche „Erwägungen" über die Aufhebung der niedrigen Ausnahmefrachtsätze für die Ausfuhr von Kohlen nach dem AnSlande, ohne daß bisher aus der Aufhebung etwas ge­worden oder Aussicht darauf vorhanden wäre.

das Schloß Hougomant; es wurde von einigen schottischen Regimentern und einigen Bataillonen der Hannoveraner besetzt, als Centrum stand das braunschweigische Korps unter dem Befehle des tapfern Oberst Alfermann. DaS Centrum bei La Haye sainte bildeten die englischen Garden und die hannoverschen Bataillone; dahinter stan­den die Nassauer und die Niederländer, den rech­ten Flügel bei Planchenoit besetzten wiederum Engländer und Hannoveraner.

Die Anhöhen wurden von der englisch-deut­schen Batterie gekrönt; hinter den Infanterie- Reihen hielt die englisch-deutsche und niederlän­dische Reiterei, um sich im gegebenen Moment auf den vordringenden Gegner zu stürzen.

Gegenüber dem Walde von Waterloo, durch eine flache Mulde von der Stellung Wellington'- getrennt, erhoben fich die Anhöhen von Mont St. Jean.

Die Morgensonne zertheilte die feuchten Nebel und blitzte auf tausend und abertausend Bajonet­ten der französischen Armee, welche unter klin­gendem Spiel und mit wehenden Fahnen sich in Schlachtordnung setzte.

Deutlich konnte man von der englisch-deutschen Stellung auS den Aufmarsch beobachten; Napo­leon schien mit Absicht seine ganze Macht den Blicken deS Gegners zeigen zu wollen, als ver­achte er den Feind, der eS wagte, sich diesem seinem Eliteheere entgegenzustellen. Die ältesten, bravsten Truppen deS Kaiserreiches standen in der Schlacht. Die alte Garde mit den Ueberreften aus dem russischen Feldzuge, die junge Garde, welche voller Begeisterung eS der alten Garde gleichzuthun strebte, die Kürassiere Kellermann's

daß etwas daraus werden könnte. Sollen die Maßregeln der Regierung etwa bis zum nächsten Frühjahr verschoben werden, bis nach dem Winter mit seinem Hauptkohlenbedarf? Schnelligkeit der Verfügung ist hier ebenso wichtig wie die Maß­regel selbst. Die Regierungen aller Bun­desstaaten sind an der Sache gleichmäßig be» tbeiligt; möchte also eine davon schleunigst den Anfang machen. Die anderen würden dann ver- muthlich bald nachkommen!

28<rti«, 31. Aug. Eine Summe von 11300 Mark hat der Kaiser aus dem Dispositionsfonds der Stadtgemeinde zu Marienburg zur Bestreitung der Kosten für den Ausbau des dortigen Rathhausthurmes überweisen lassen. — Zum Schutze des Kaisers in Stettin aus Anlaß der bevorstehenden Kaiser-Manöver werden die Sicherheits-Maßnahmen schon jetzt getroffen. So wird die Polizei-Verordnung betreffend des Meldewesens für den Umfang des Stettiner Polizei­bezirks für die Zeit vom 1. bis 12. September verschärft. — Der Kronprinz war am Tage seiner Volljährigkeit vom Kaiser von Oesterreich zum Inhaber des 13. Husaren­regiments ernannt worden. Nunmehr ist eine Abord­nung des Regiments, bestehend aus dem Kommandeur Oberst Feigl, dem Rittmeister v. Cordier und dem Oberleutnant v. Sackany, eingetroffen, um sich dem Kronprinzen voizustellen. Die Herren waren gestern bei der Fahnenweihe anwesend, werden heute einer Ein­ladung des Kronprinzen zum Frühstück folgen und wohnen morgen der großen Herbstparade des Gardekorps bei. — Der Großherzog von Hessen, welcher zur Zeit in Oberhof verweilt, wird sich auf Einladung des Kaisers heute von dort nach Berlin begeben. — PrinzHeinrich ist Freitag früh ausHemmelmarkinKiel eingetroffen und nach kurzem Aufenthalt nach Berlin weitergereist. — Zur großen Herbstparade des Gardekorps am 1. September treffen hier ein, resp. sind bereits ein­getroffen: der Fürst zu Wied, Herzog und Herzogin zu Schleswig-Holstein, der Fürst von Hohenzollern, Prinz Friedrich von Hohenzollern, Prinz Friedrich August und Prinz Johann Georg von Sachsen, der Großherzog von Oldenburg, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, der Erbgroßherzog von Sachsen, der Fürst zu Waldeck und Pyrmont. — Anläßlich der morgigen Feier der 25. Wiederkehr des Tages der Thronbesteigung deS S ult ans Abdul Hamid bringt die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung" an der Spitze ihrer heutigen Nummer einen Glückwunsch-Artikel, in welchem auch der Reise des Kaiserpaares nach Konstantinopel und Palästina vor zwei Jahren gedacht wird, die dazu bei­getragen habe, in den deutsch-türkischen Be­ziehungen daS freundschaftliche Berhältniß zweier Staaten zu befestigen. — Auch der .Reichs-Anzei ger" wünscht dem gastfreundlichen Herrscher, welchem am 8. November 1698 der denkwürdige Trinkspruch deS Kaisers in Damaskus galt, dem freundwilligen Schützer und Förderer deutscher Kulturarbeit in der Türkei eine lange friedliche und gesegnete Fortdauer seiner Re­gierung. — Staatssekretär Graf Bülow hat infolge der neuen Ereigniffe seinen Plan, auf Ur­laub in den Semmering zu reisen, auf­gegeben.

Arrslarrd.

* Mien, 31. Aug. Wie mitgetbeilt wird, sind die Konferenzen des Ministerpräsidenten von Äoerber und den Parteiführern in vollem Gange, doch liegen seitens der Regierung keine neuen Vorschläge vor, weshalb die Konferenzen keinen formellen Charakter haben. Es stehe fest, daß der ReichSrath nur dann einberufen werde, wenn die Regierung die Zusicherung habe, daß die Jnngtschechen von der Obstruktion ab- stehen. Die Entscheidung soll noch vor der Ab- reise des Kaisers zu den galizischen Manöoern erfolgen. DaS Gerücht von der geplanten Oc« ttoyirung deS allgemeinen Wahlrechts müsse vor«

und Murat's, deren Ansturm in hundert Schlach­ten die feindlichen Karree' i gesprengt und alle die Regimenter, deren zerriffene, zerschoffene Fahnen siegreich in hundert Schlachten — am Rhein, an der Donau, in Italien, in Rußland, ja in der Wüste Egyptens angesichts der tausendjährigen Pyramiden geweht hatten.

Die erhabensten, größten, ruhmreichsten Er­innerungen vereinigte diese Armee, wie eS keine zweite in der Welt gab — und als der Kaiser auf feinem edlen arabischen Schimmelhengste, daS Haupt bedeckt mit dem historischen kleinen schwarzen Hute, die rechte Hand in die Brust seiner Uni­form gesteckt, daS Antlitz ruhig und still, wie auS Bronze gegoffen, an der Front der Truppen vorüberfprengte, da erschallte donnernd aus tausend und abertausend Kehlen daS „Vive Tempereur!“, daß eS bis zu der englisch-deutschen Armee hinüber­tönte und in jedem Soldaten dort den Gedanken erweckte: wenn diese Armee heute siegt, dann ist Europas Geschick auf lange Zeit — vielleicht auf immer entschieden und ruht in der Hand des korsi­schen Imperators, deS gewaltigen Meisters der Schlachten.

RegungSloS hiett der englische Oberbefehlshaber auf feinem edlen schlanken Pferde auf der Straße »on Waaterloo und blickte hinüber zu der Höhe von Mont St. Jean, Über welche die Truppen des Kaisers hinabquollev, überfluthet von dem Hellen Sonnenschein, der auf den taufenden und abettaufenben Bajonetten blitzte und fich in den Küraffen der Panzerreiter der Generäle Keller­manns und Murats spiegelte. Auch fein Ohr traf der donnernde Ruf „Vive Fempereur!“ und ein verächtliches Lächeln zuckte Über fein hageres.