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JhtfmbiStedM/ spalt, «ermow zeile oder bete»;. Raum 15 Ps., Äe» Hamen die Prttt- jeile 26 Pf.; M Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

•TiÄSZ* mit Anterhaktungs-Meikage „Zssuffrirle Sonntags-Zeitungs

sm n> Verlag der Fnlbaer Xdl«bfi<mt jXtmaaft 61. » lDarmeate).

M 199.

Jutöa, Freitag, den 31. August 1900.

27. Jahrgang.

L Bekämpfung des Anarchismus.

Es ist angeregt, in^nternationale Berathuvgen einzulrkten über «r>e gemensame Bekämpfung des Anarchismus duck die Regierungen der ver­schiedenen Mächte. Man hatte dies im Voraus zu erwarten noch der Unthat von Monza. Der Gedanke lag gar zu nahe, daß er nicht hätte gedacht und geäußert weroen sollen. Nur ist der Zeitpunkt sehr ungünstig; die Mächte sind von den Vorgängen in Ostasien so außerordent­lich in Anspruch genommen, daß es fraglich er­scheint, ob eS zu einer erneuten internationalen Berathung über Maßregeln zur Bekämpfung des Anarchismus kommen werde.

In England und in der Schweiz duldet man Anarchisten ohne werteres. Das geschieht nach dem Asylrechte dieser beiden Staaten, wonach Politische Flüchtlinge aller Art dort ungestört sich niederlaffen dürfen; und es ist nicht anzunehmen, daß die Engländer und Schweizer geneigt sein sollten, grundsätzlich hierin eine Aenderung ein­treten zu laffen. Aber man kann mitunter Eines thun, ohne das Andere zu lassen; und sowohl die Schweiz als auch England könnten ihr Asyl- recht unverändert beibehalten und dennoch an gemeinsamen Maßregeln gegen den Anarchismus sich betheiligen. Es fragt sich ja doch sehr, ob denn überhaupt noch ein verständig denkender Mensch, etwa die Anarchisten selbst und einige Sozialdemokraten ausgenommen, Anarchisten in der That als politische Leute ansehen oder sie nicht vielmehr unter die Rubrik einreihen will, unter die sie gehören, nämlich unter die Rubrik der gemeinen Mörder?

In der Schweiz steht augenscheinlich die Mehr­zahl der Bundesbürger und mit ihr auch der Bundesrath auf diesem Standpunkte. Das geht aus einer Reihe von Maßregeln des schweizer Bundesrathes und aus Zugeständnissen hervor, die derselbe nach dem Aufruhr in Mailand in der Behandlung und Auslieferung von Anarchisten an Italien machte; und ebenso richtet sich gegen die anarchistische Propaganda der Thal ein sehr scharfes Gesttz über den Gebrauch von Spreng­mitteln, das in der schweizer Republik eingeführt worden ist.

In England hat man sich bisher ohne Zweifel am wenigsten um die ganze Frage gekümmert. Aber bereits seit mehreren Jahren besteht man sich doch schon die Leute, die vom europäischen Festlande herüber kommen, etwas genauer, und das Attentat des unreifen Burschen Sipido auf dem Nordbahnhofe in Brüssel gegen den britischen Thronfolger wird auch dazu beigetragen haben, die englische Aufmerksamkeit mehr als bisher auf diesen Gegenstand zu lenken. Auch die bereitwillige Annahme der belgischen Forderung durch die Schweiz, einen Vertrag zu schließen über die Auslieferung jugendlicher Leute an die Heimaths- behörde, gehört in das Kapitel von der Sinnes­änderung der Schweizer in der Beurtheilung Öiefgc Angelegenheiten. Es liegt also kein Grund vornan der Bereitwilligkeit der Schweiz und auch der Engländer zu zweifeln, an einer neuen ge­meinsamen Berathung über Maßregeln zur Be­kämpfung des Anarchismus theilzunehmen.

Air Tuchler des Mrmmns.

Roman von O. Elster.

47 ------ (Nachdruck verboten.)

„Napoleon ist noch weit entfernt. Seine Durch­laucht der Herzog und der Feldmarschall Blücher sind Schwarzseher", sagte er lächelnd zu der schönen Herzogin von Richmond an seiner Stelle. „Ich habe den Vormarsch für Morgen bestimmt, aber ich will Seine Durchlaucht nicht zurückhalten ; er mag mit seinem Avantgardenkorps bis Quatre- -bras vorrücken und die dortige Straßenkreuzung besetzen. Die Division des Generals Pichun soll ihm Morgen folgen. Melden Sie das Seiner Durchlaucht."

Karl Ahrendt verbeugte sich und eilte davon.

Gesine verfolgte ihn mit den Augen und sehn­süchtigem Herzen. Sie hätte aufjauchzen mögen im innigen Glücksgefühl, lebte doch der Geliebte noch — aber eine bange Empfindung preßte ihr Herz krampfhaft zusammen. Was sollten seine bösen Worte bedeuten? Hatte er nicht von Untreue ge­sprochen? Hatten seine Augen sie nicht kalt und zornig angeblickt? — Oh, wer löste ihr dieses Räthsel? Sie wollte ihm nach — sie wollte ihn nicht eher verlassen, bis sie Aufklärung erhalten — sie drängte sich durch die Menge — jetzt stand sie am Eingang des Saale« — Karl eilte die breite Treppe hinunter.

„Karl!* rief sie und streckte die Arme nach ihm aus.

Da wandte er sich noch einmal um, über fein Antlitz flog ein heißes Erröthen. Er winkte mit der Hand, dann trat er hinaus in die Nacht —

In Deutschland hat man bisher den Anarchisten und ihrem Treiben wenig Hindernisie in den Weg gelegt. Namentlich werden zahlreiche anarchisti­sche Versammlungen in Berlin abgehalten, ohne daß die Polizei etwas dagegen unternimmt. Das nimmt sich sehr wunderlich aus im Vergleich zu der Thatsache, daß preußische Regierungs-Behörden Vorträge von Priestern der Gesellschaft Jesu ver­bieten, die in diesen Vorträgen gerade gegen den Umsturz sprechen wollen. Vielleicht duldete man bisher anarchistische Versammlungen, um in diesen die Leute kennen zu lernen, die darin verkehren. Aber welcher Polizeimann kann es einem solchen Versammlungs-Besucher ansehen, ob er nur ein Liebhaber anarchistischer Redensarten oder ein Mann der That ist, der nicht davor zurückschreckt, die Redensarten umzusetzen in den gewaltsamen Mord? Und Anarchisten der That bilden sich ohne Zweifel nicht aus durch den Besuch solcher Versammlungen.

Mitunter hat man schon die Behauptung ge- lesen, die politische Polizei kenne alle Anarchisten und überwache sie im geheimen. Das aber ist ohne Zweifel ganz und gar nicht wahr; denn wie hätten sonst die Unthaten in Genf und in Morza ausgeführt werden können? Von diesen Anarchisten der That hatte die Polizei augen­scheinlich keine Ahnung. Mindestens war sie vollkommen unfähig, die geplanten Scheußlichkeiten zu verhindern.

Ohne Zweifel ist also Vieles auf diesem Ge­biete der Besserung bedürftig; und wenn man eine solche Befferung anstrebt, so kann sie mit Erfolg nur gleichzeitig in allen Staaten vor­genommen werden. Jede einseitige Maßnahme eines einzelnen Landes wird ohne die gewünschte Wirkung bleiben, und gerade auch deswegen scheint der Gedanke, eine neue internationale Äe- rathung über Maßregeln gegen den Anarchismus zusammenzuberufen, viel für sich zu haben. Mindestens lohnt der Versuch; und er sollte des­wegen unternommen werden.

Deutsches Deich.

Berlin, den 30. August.

4- Deutschland und Belgien. Die belgische China-Expedition ist, wie bekannt, durch ein Machtwort der belgischen Regierung auf­gelöst worden. Einige französische Blätter, die sich ihre alte Geflogenheit, geflissentlich gegen Deutschland zu Hetzen, nicht abgewöhnen können, hatten die Tollheit aufgebracht, diese Auflösung der belgischen Expedition sei auf deutsche Ein­flüsse zurückzuführen; und sie hatten, was noch mehr ist, dafür auch Gläubige in der deutschen Preffe gefunden. Natürlich ist nicht eine Silbe davon wahr; wie käme Deutschland dazu, Macht­worte in Belgien zu sprechen oder sprechen zu lassen? Jetzt wird nun durch die Brüsseler „Independance beige“ selbst festgestellt, daß Deutschland erst ganz zuletzt von der belgischen Regierung um seine Meinung befragt, diese geäußert hat. Die Versuche, durchaus Zwietracht zwischen Deutschland und Belgien zu säen, sind vergeblich.

+ Ai- preußisch« Austedeluugs Kam misst»« und ihren ZuchthauS-Küchenzettel sucht

vor dem Thore hielt ein Diener ein Pferd, Karl schwang sich in den Sattel — noch einen Blick — ein flüchtiger Wink mit der Hand — dann sprengte er davon und verschwand wie ein Schatten in der finsteren Nacht.

Auf eine Bank, die im Vorsaal des Hauses stand, sank Gesine nieder und verhüllte ihre Augen mit den Händen. War es ein Traum gewesen, eine Vision, die ihr liebendes Herz getäuscht? — doch nein — er hatte ja zu ihr gesprochen, wenn auch hart und grausam — er lebte — dieser eine Gedanke erfüllte sie mit einem tiefen Glück und ließ sie alles andere vergessen. Jetzt mußte ja alles gut werden und im glücklichen Traum versunken blieb sie da draußen sitzen, während über sie die lauten jubelnden Töne des Festes hinwegflutheten — weit, weit hinaus in die dunkle, stürmische, regenfeuchte Nacht. —

Im Saale rüstete sich der schwarze Herzog zum Aufbruch. Da trat die schöne Herzogin von Richmond auf ihn zu, seine begeisterte Verehrerin, in deren Palast der verbannte Fürst bereits in London verkehrt hatte. Flüsterte sich die Londoner Gesellschaft doch lächelnd zu, daß die Herzogin eine bewundernde Liebe für den heldenmüthigen deut­schen Fürsten im Herzen trage.

Eine düstere, sorgenvolle Wolke schwebte auf dem schönen Antlitz der Herzogin. DeS Herzogs Züge erheiterten sich dagegen ein wenig, als die Herzogin auf ihn zutrat.

Sie bot ihm die feine, weiche Hand, die er mit höflicher Ehrerbietung küßte.

„Ich höre", sagte die Herzogin, „daß Sie, Durchlaucht, schon diese Nacht mst Ihren Truppen aufbrechen wollen?"

die,Nationallib. Korrespondenz' zu vertheidigen. Sie setzt sich dabei aufs hohe Pferd als Lehrerin angeblich unwissender Leute und schreibt: „daß dieser Küchenzettel ein starker Stoß für dieGer- manisirungspolitik sei", sei — „klerikale Ignoranz". Zu derartigen Schlüssen könne nur jemand kommen, der von den thatsächlichen Verhältnissen bei der Ansiedelungspolitik nichts wisse oder wissen wolle; und dann gibt uns das nationolliberale Partei-Organ die niederschmet­ternde Belehrung, daß es sich um zweierlei Arten von Gütern handele: um diejenigen, die bereits von der Kommission an Ansiedler ausgethan sind, und um diejenigen anderen, mit denen das noch nicht geschehen ist, die sich also noch in der un­mittelbaren Verwaltung der Kommission befinden usw. usw. Der Küchenzettel gehe nur diese letzteren an! Es ist erstaunlich, für wie unglaub­lich dumm die,Nationall. Korr.' uns arme, be- dauernswerlhe „Klerikalen" hält: als ob es über­haupt noch anders möglich sein könnte, als in der von dem nationalliberalen Partei-Organ geschil­derten Art! und als ob niemand wüßte, daß die selbständig gewordenen Ansiedler natürlich sich nicht mehr von dem Präsidenten der Kommission ihren Arbeiter-Küchenzettel diktiren laffen! In ihrem blinden Uebereifer, doch ja diese „Germa- nisirungs-Politik" im preußischen Osten zu ver­theidigen, hat sich die .Nationalliberale Korre­spondenz' schauderhaft lächerlich gemacht; das sieht sie nun hoffentlich auch selbst ein.

h Der Dnellzwang im österreichische« Keere soll ganz neuerdings auch schon auf Ein­jährig-Freiwillige ausgedehnt werden! — das ist das Allerneueste auf diesem Gebiete der Unglaublichkeiten. So ist es in Salzburg, wie die Wiener,Reichspost' berichtet, aber wirklich ge­schehen: Dort gab es einen Einjährigen, der der katholischen Studentenverbindung Norica angehört und allein aus diesem Grunde zwei anderen Ein­jährigen unangenehm war, die sich zur Farbe Schönerer bekennen. Der katholische Student wurde auf offener Straße „angerempelt"; man sorgte dafür, daß das einige Offiziere er­fuhren, und nun sollte der katholische Student mit aller Gewalt dazu gezwungen werden, mit dem Hauptrempler sich zu schlagen. Der katholische Student lehnte das ab unter dem Hinweise auf seine katholischen Grundsätze und die strengen Verbote der Kirche, und die Folge davon ist die, daß der Student nicht zum Reserve-Offi­zier befördert wird. Man begreift kaum, wie es möglich sein kann, daß derartig uner­hörte Mißstände in dem österreichischen Heere be­stehen können, ohne daß schleunigst Kehraus mit ihnen gemacht wird. Denn sie sind ein Schandfleck für das habsburgische Kaiserreich!

* Ai- A-sorm der Krankenverfiche- r««g. In Bundesrathskreisen rechnet man nicht darauf, daß die Arbeiten für Durchsicht be^t Krankenversickerung noch in diesem Jahre ausgenommen werden können. Die Ausführungs­bestimmungen zu den abgeänderten Unfallverfiche- rungsgesetzen werden die Zeit deS Bundesraths während der letzten Monate des Jahres in einem Maße in Anspruch nehmen, daß die Revision der Krankenversicherung auch dann für später zurück- gestellt werden müßte, wenn sich die Formuli-

„Freiltch, Mylady", entgegnete der Herzog ernst, „die Meldungen, die ich erhalten habe, lassen es vöthig erscheinen."

„Aber der Herzog Wellington meint, Napo­leon sei noch weit entfernt."

„Der Herzog täuscht sich. Der Herzog kennt die Schnelligkeit Napoleons nicht, er glaubt, den Krieg wie in Spanien führen zu können, er be­denkt nicht, daß er dem Meister der Kriegskunst selbst gegenübersteht."

„Und doch würde ich Sie gern noch hier be­halten, Durchlaucht."

„Mylady find sehr gütig . . ."

In den großen blauen Augen der Dame schimmerte es feucht, wie von Thränen. Noch­mals bot sie ihm die Hand. „Bleiben Sie heute noch hier, Durchlaucht — ich bitte Sie — bleiben Sie für die nächsten Tagen den Kämpfen fern . . ."

„Aber, Herzogin, wie wäre das möglich?"

„Ich hatte die letzte Nacht einen entsetzlichen Traum, fuhr die Herzogin mit bebender Stimme fort, indem ihr Auge mit düsterem Ausdruck in die Ferne schweifte, „ich sah Sie auf blutiger Bahre mit zerrissener Brust liegen, Herzog — tobt, mit gespenstisch geöffneten, verglasten Augen — ich flehe Sie an, Herzog, bleiben Sie bet nächsten Schlacht fern.“*)

Der Herzog blickte ernst in die Ferne.

„Geben Sie so viel auf eitle Träume, My­lady?" fragte er bann.

•) Die geschilderte Szene ist historisch. Bekanntlich starb der Herzog den Heldentod bei QuatrebraS am 16. Juni 1815. Der Verfasser.

rung des ersten Entwurfs auch schon früher alS möglich erweisen sollte.

X „Die feige Wat «s« Zfleuues" — unter dieser Urberschrstl hatte, wie bekannt, vor einem Jahre das Berliner sogenannte Witzblatt „Ult" im Anschlüsse an den Wahrspruch der Geschworenen in Rennes gegen ben ehemaligen Hauvtknann Dreyfus eine schmachvolle Reimerei veröffentlicht, in der die katholische Kirche, ihre gottesdienstlichen Einrichtungen und ihre Priester in fast unglaublich gemeiner Weise verhöhnt und beschimpft wurden. Die Folge davon war eine kräftige Berurtheilung des Reimschmiedes und diese Veruriheilung ist jetzt durch das Reichs­gericht bestätigt worden. In seiner Erkenntniß über diesen Fall sagt das Reichsgericht unter anderem: das Priesterthum ist eine Einrichtung der katholischen Kirche; deswegen darf es von niemand gröblich verhöhnt und herabgewürdigt werden. Auch die kirchlich approbirten Orden find eine kirchliche Einrichtung und stehen unter demselben gesetzlichen Schutze; die Approbation ist nach Konzilbeschlüssen dem Papste vorbehalten. Es war nicht zu erwarten, daß das Reichs­gericht anders entscheiden würde, aber heutzutage lohnt es sich doch zu verzeichnen, daß es wirklich so entschieden hat.

Ausland.

* Setersvirrg, 30. Aug. Zu Gunsten des russischen rothenKreuzes wird demnächst eine Zuschlags-Taxe von 5 Kopeken auf fämmb lichen russischen Bahnen erhoben werden.

* Hkasgow, 30. August. Nachdem die bakteriologische Untersuchung nunmehr abge­schlossen ist, wird bad Vorhandensein der Beulenpest von den Sanitätsbehörden amt­lich bekannt gegeben. Jetzt stehen 11 Fälle in ärztlicher Behandlung.

• Bukarest, 30. August. In Folge der dauernd feindlichen Haltung der bul­garischen Regierung, sowie der von Seiten Bulgariens verfügten Grenzsperren wurden die Grenzwachen neuerdings verstärkt und die Donauflotte erhielt Befehl, sich mit KriegS- Munition zu versehen.

• Wie«, 30. August. Graf Golu- chowsky wurde heute vom Könige von Ru­mänien in längerer Audienz empfangen. Wie versichert wird, vertritt Graf Goluchowsky im rumänisch-bulgarischen Konflikt den Stand­punkt Rumäniens und hat dem König versichert, im Verein mit Rußland in Sofia auf diplo­matischem Wege vermittelnd einzuwirken.

* Mari», 30. August. Präsident Loubet unterzeichnete ein Dekret, wodurch festgesetzt wird, daß der Minimaltarif für ben Zoll auf Kaffeebohnen inHülsen bis zum 3 l.Dezember 1900 auf bie Herkünste au8 ben deutschen und dänischen Kolonien und Schutzgebieten Anwendung finden soll.

* Kaag, 30. August. Der Schah von Persien ist Nachmittags nach Marienbab abgereift. — Die Burendeputation ist gestern Abend hier eingetroffen.

„Retinen Sie nicht die Sage von dem „zweiten Gesicht", Durchlaucht, die den schottischen Berg­bewohnern eigen fein soll? Sie sagen den Tod eines Menschen vorher, denn sie sahen ihn am Tage vor seinem Tode auf der Bahre oder im Sarge liegen — Durchlaucht, ich bin eine Tochter Schottlands und schon oft hat mich diese furcht­bare Sage des zweiten Gesichtes erschreckt."

„Mylady", sprach der Herzog tief ernst, „ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Theilnahrne, sie thut mir wohl — aber, Mylady, glauben Sie, daß, d-r Tod mich abhalten könnte, meine Pflicht zu. thun? Mylady, der- Ton der Schlacht, der dumpfe Donner der Geschütze erschreckt mich nicht -T- er durchtobte meine Jugend, er streckte meinen Utter auf die blutige Bahre, er erfüllte meine Mannesjahre — er klingt auch jetzt wieder mir ins Ohr, — da, hören Sie den dumpfen Laut?"

Ein dumpfes Rollen ließ sich vernehmen, das selbst ben lauten Schall des. Festes übertönte. Einen. Augenblick warb es 5 still im Saal, man lauschte bem bumpfen, wie unterirdisch rollenben Tone — boch bann jauchzte, bie Musik wieder schmetternd auf und der Traum der Lust umfing wieder die Herzen und Sinne. -

^Es wgr nichts, Herzog," sprach die Herzogin mit bebender Stimme. „SDer Wind war'» — ober., ba».Rollen ber Wagen auf bem Pflaster . ."

Ein stolzes Lächeln flog über bas Antlitz be« Braunschweigers. „Ich kenne.'den Ton, Mylaby," entgegnete er. „Er streckte meinen Vater einst darnieder . . . da - — da ist. er abermals . . . leben Sie wohl, Mylady — und beten Sie für mich . .