FuldaerWZertlmg
Jutöcr, Dienstag, den 28. August 1900.
M 196.
27. Jahrgang.
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Das Ende eines Wunderknaben.
Wenn ein Student im Alter von 24 Jahren, ehe er überhaupt den Doktortitel sich erworben hat, als Profeffor an eine Universität berufen wird, so gehört das im Bereiche der deutschen Hochschulen in das Gebiet der Wunderknaben.
Mit Friedrich Nietzsche ist es so gegangen. Durch die Empfehlung seines Lehrers, des berühmten Philologen Ritschl, erhielt der 24 Jahre alte Nietzsche, noch nicht einmal Doktor, eine Profeffur an der Universität Basel; und im Jahre darauf, 1870, wurde er an derselben Universität bereits zum ordentlichen Profeffor ernannt. Zehn Jahre war er Profeffor in Basel. Dann mußte er sein Lehramt aufgeben, weil die ersten Vorboten der unheilbaren Hirnkrankheit in der nicht ungewöhnlichen Form eines schweren Augenleidens auftraten.
Der Name des «unmehr Verstorbenen gehörte zu denen, die während der letzten Jahrzehnte am häufigsten genannt wurden. Das beruhte auf zwei Gründen; erstens hat nicht bald ein Anderer Christenthum und christliche Moral so frech und so unoerhüllt angegriffen, wie Nietzsche; zweitens konnte Nietzsche seine zersetzenden und wahnwitzigen Ideen in ein schriftstellerisches Gewand hüllen, das durch seine glitzernde Außenseite auf unreife und unklare Gemüther einen gefährlich berückenden Einfluß ausübte. Man hat manchmal gesagt, Nietzsche sei wenigstens ein ehrlicher Gegner des Christenthums gewesen; er habe sich von Anfang an offen als Gegner des Christenthums bekannt. Daran hat er es freilich nicht fehlen kaffen. Aber man kann ihn dennoch als ehrlichen Gegner nicht anerkennen; denn er vermischte, so namentlich in seiner Schrift „Der Antichrist", persönlich gehässige Angriffe mit den Dingen, die er als seine Grundsätze, als sein sogenanntes philosophisches System der Welt vorführte. Nietzsche kämpfte nicht nur gegen das Christenthum aus einer eingebildeten lieber- zeuauna heraus; er haßte es mit der ganzen un- gezügeuen Leidenschaftlichkeit einer durch Geisteskrankbeit getrübten Seele. i
Die Grundlage dessen, was Nietzsche seine „Philosophie" nannte, sind ein wilder, brutaler Eigennutz, der in seiner unglaublichen Rohheit von Anfang an einen krankhaftenMindruck macht. Man könnte das die Moral her Bestie nennen: der Mensch ist nach des unglückseligen Nietzsche Ansicht nichts weiter als ein reines Naturerzeug- niß ohne Glauben, ohne Ideale, ohne Moral, ohne alle höheren Gesichtspunkte; als Aufgabe fällt ihm nichts weiter zu, als für sich zu sorgen, sich zur Geltung zu bringen und dabei die Triebe zu befriedigen, die er als natürliche Triebe zu empfinden wähnt. Was man Tugend und Moral nennt, galt für Nietzsche nicht als etwas, dem man sich fügen müffe; umgekehrt betrachtete er diese Begriffe als abgethane Dinge, nur noch vorhanden für die blö»e thörichte Menge, die ein Mensch nach Nietzsche's Sinn sich im Gegentheil unterordnen, sich unterthan machen müffe. Gut und Böse war diesem sogen. Philosophen Unsinn; er fühlte sich über diese Begriffe erhaben, „jenseits von Gut und Böse".
Vir Tochter der Khrwms.
Roman von O. Elster.
44 ------ (Nachdruck verboten.)
22. Kapitel.
„Es gibt Krieg, Hans Heinrich! Es gibt Krieg!" Mit diesem Schreckensrufe stürzte Benjamin Stöckel mit fliegenden Rockschößen gleich einem Unglücksraben in das Fährhaus, an dessen Herdstelle Berendt Prigge, Peter Haas, Gesine und der alle Hans Heinrich saßen. Der Letztere erzählte gerade seine Heldenthaten aus Spanien, denen Berendt Prigge ungläubig lächelnd und mißtrauisch gegen die Wahrheitsliebe seines alten Freundes zuhörte, während Peler Haas mit offenem Munde und weitgeöffneten Augen den bunten Abenteuern lauschte. Gesine nähte still an einem Leinentuche. Das alte seine Leinen, welches noch von ihrer Mutter herstammte, dessen Flachs selbst gesäet, selbst geerntet, selbst gehechelt und gesponnen, gehaspelt, gewebt und gebleicht war, eS sollte zu ihrer eigenen Ausstattung dienen; jetzt mar daS vorüber, und wenn Gesine das alte, feine, weiße Leinen hervorholte, um ein Hemd, eine Schürze oder dergleichen daraus zu nähen, dann war es ihr, als nähte sie an ihrem Leichentuche und manche heimliche Thräne fiel auf das Leinen in ihrer Hand.
Ihr trübes Sinnen und die Kriegsabenteuer Hans Heinrichs unterbrach nun der Schreckensruf des Schullehrers: „Es gibt Krieg!"
„I Gott bewahre," sagte Berendt Prigge, indem er die Pfeife aus dem Munde nahm, „der Schullehrer träumt jetzt nix als Krieg, Mord und
Und einen solchen Mann macht man zum Lehrer der Jugend und ließ ihn in dieser Stellung zehn Jahre lang, zeichnete ihn sogar aus durch besondere Ehrungen, auch nachdem bereits einige seiner wüsten Schriften erschienen waren, obwohl verschiedene dieser Schriften dem gesunden Geiste unfehlbar von Anfang an den Eindruck des krankhaft Verzerrten machen mußten. Man huldigte einem Wahnsinnigen, man ließ ungehindert das Gift seiner Geisteserzeugniffe au den unerfahrenen und leicht bethörten Sinn der Jugend einwirken; ja, man betrachtete und behandelte manche Unbegreiflichkeiten im Verhalten Nietzsches als höchst beachtenswerthe Ereignisse, so z. B. die übergangslose Wandlung desselben aus einem überschwänglichen Schwärmer für Richard Wagners Tondichtungen in einen leidenschaftlichen Gegner derselben. Die Begründung der Wandlung fehlte. Die Wandlung trug das Merkmal der krankhaft übertriebenen Laune deutlich an sich — aber es war der „große" Nietzsche, dem sie so beliebte, und so staunte sie die blöde Welt an als ein Ereigniß ersten Ranges.
Nietzsche war der Sohn eines protestantischen Geistlichen in Sachsen. In Sachsen und in Schlesien hört man oft im Munde des Volkes den Satz von „den Pastorenjungen, die nicht viel taugen". Sollten der Volksstimme auch in diesem Falle Wahrheiten zu Grunde liegen? Mindestens ist es auffällig, daß aus dem Pastorensohne Friedrich Nietzsche sich gerade derjenige Schriftsteller entwickelt, der wilder als irgend ein Anderer den Krieg gegen das Christenthum führte, bei dem die Wuth gegen das Christenthum auch noch im Wahnsinne der leitende Gedanke blieb; daS ist auf jenen Fall ein schlechtes Zeugniß für die Erziehung der Kinder in dem Pastorenhause von Nietzsche's Vater. Aber es kann ja [ein, daß wir es nur mit einer Ausnahme, nicht mit einem Vertreter der Regel zu thun haben; deswegen möge hier der Gedanke nicht weiter ausgesponnen sein!
Nietzsche's Einfluß ist unsagbar unheilvoll gewesen; aber er ist schwerlich von längerer Dauer, und in Wahrheit können die Schriften eines Wahnsinnigen nicht die ewig wahren Grundlagen des Christenthums unterhöhlen. Und weil Nietzsche längst schon, noch ehe sein Wahnsinn als solcher allgemein erkannt war, von diesem augenscheinlich bei feiner Schriftstellerthätigkeit beeinflußt wurde, gebührt ihm nicht allein die strenge Verurtheilung, sondern auch das Mitleid des wahren Christen. Thaten, die im Wahnsinne begangen werden, können nicht voll zur Rechenschaft gezogen werden; und unsäglich traurig ist das Ende des Erdenwallens dieses Menschen gewesen, der als Wunderknabe feine Laufbahn begann und als „Uebermensch" von vielen Hohlköpfen angestaunt wurde. Denn er ist gestorben in dem ganzen Elende tiefster geistiger Umnachtung.
Eine viel schwerere Verantwortung tragen diejenigen, die auch jetzt noch, nach Nietzsche, mit vollem Bewußtsein zur Verbreitung seiner wahnsinnigen Ideen beitragen, und alle die Anderen, die berufen sind zu Jugendlehrern und diesen letzteren wiederum zur Aussicht gesetzt sind, ohne ■eBSHBHHBBSBBBMBSBHSBHBBBHBH Brand. Wo soll denn jetzt der Krieg Herkommen? Wir haben doch nachgerade Krieg genug in der Welt gehabt. Die Kaiser, Könige, Herzöge und Fürsten sorgen schon dafür, daß es keinen Krieg «ehr gibt; sie sitzen in Wien und klamüsern die Landkarte von Europa wieder auseinander, die hnen der Bonaparte so eklig in Unordnung gebracht hat, und der Bonaparte sitzt jetzt auf der Insel Elba, bewacht von den englischen Schiffen."
„Ja, Berendt Prigge," lachte Stöckel, „da leckt gerade der Haken. Die englischen Schiffe jaben nicht gut aufgepaßt und der Bonaparte tft ihnen entwischt."
„Das wär' der Deuwel!" meinte Hans Heinrich nachdenklich. „Ja, ja, wenn Admiral Nelson noch lebte, würde der Bonaparte nicht echappirt sein."
„Aber jetzt ist er echappirt," fuhr Benjamin Stöckel triumphirend fort, als verkünde er eine ehr frohe Botschaft. „Und die Kaiser und Könige, Herzöge und Fürsten sind eilig von Wien heim- gereift und der König von Frankreich ist nach England geflohen und der Bonaparte sitzt wieder auf dem Thron von Frankreich und marschirt wieder mit einem großen Heer an den Rhein."
„Das wär' der Deuwel," wiederholte Berendt Prigge nachdenklich, während sich Gesine erhoben jatte und aufmerksam dem Schullehrer Über die Schulter in das Zeitungsblatt sah, das dieser mit ausgestreckten Armen vor sich hielt, da er etwas weitsichtig geworden war.
„Hier steht's," fuhr er wichtig fort, „es gibt wieder Krieg! Die Ruffen, die Oesterreicher, Preußen, die Engländer und die deutschen Fürsten von Nord bis Süd rüsten und senden ihre Truppen an den Rhein. Die Preußen stehen noch da vom
mit aller ihrer Kraft den christusfeindlichen Geist zu bekämpfen, der je länger desto mehr die Herrschaft über unsere Zeit gewinnt.
De«1sches Keich.
Berlin, den 27. August.
h Der AeichstagswaHkKreis AUniektt- Kofgeismar hat, wie bekannt, eine Ersatzwahl vorzunehmen an Stelle des antisemitischen Abgeordneten Vielhaben, der sein Mandat zum Reichstage niedergelegt hat. Den Wählern stellt sich eine stattliche Reihe von Wahlbewerbern vor; im ganzen werden deren wohl sechs zusammenkommen, da Konservative und Bund der Land- wirthe, Antisemiten, Nationalliberale, Freisinnige und Sozialdemokraten eigne Kandidaten aufstellen und wohl auch die hessische Rechtspartei diesem Beispiele folgen wird. Von allgemeinem Jntereffe ist das Verhalten der Konservativen und des Bundes der Landwirthe zu den Antisemiten. Diese letzteren hatten im Anfänge auf eine entschiedene Unterstützung durch den Bund der Landwirthe gehofft, sehen sich in dieser Hoffnung aber getäuscht, denn der Gutsbesitzer L i p p o l d e s, den die Konservativen aufgestellt haben, wird als Vertrauensmann des Bundes der Landwirthe bezeichnet. Es ist indeffen noch nicht ganz klar, wie diese Wählergruppen stimmen werden.
+ Oege« die KoHke««o1tz beginnen geschäftliche Kreise mobil zu machen. Die sächsischen Handelskammern haben bei der sächsischen Staatsregierung darum gebeten, die billigen Frachtsätze des Rohstofftarifs auf der Eisenbahn auch auf die Beförderung von Kohlen von deutschen Seehäfen nach dem Binnenlands anzuwenden. Auf die Anregung von Sachsen her wird sich demnächst auch der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller mit der Angelegenheit beschäftigen und aller Voraussicht nach zu dem Beschlüsse gelangen, dieselbe Bitte auch an die preußische Staatsregierung zu richten; denn es ist von allgemeinem und großem wirthschastlichem Werthe, daß ausländische Kohlen, namentlich englische Steinkohlen, zur Linderung der Kohlennoth in Deutschland so billig wie nur irgend möglich zu dem deutschen Verbraucher gelangen können. Die Anregung der sächsischen Handelskammern verdient Beachtung und Befolgung im ganzen Reiche, namentlich in den westlichen Theilen desselben.
x „5«r energische« ZSeKLmpfrmg der »«archistische« Ilmtrieve" soll nach einem Pariser Berichte der diplomatisch-offiziösen Wiener ,Polit. Äorr/ nunmehr auch die französische Regierung die Hand bieten wollen. „Man räume in Paris ein, daß die bisherigen Vorkehrungen zur Ueberwachung der Anhänger des Anarchismus ihrem Zwecke nicht vollständig genügen und man . . . würde geneigt sein, in einen Meinungsaustausch zwischen den Kabinetten über schärfere Maßregeln in dieser Richtung einzutreten." Bekanntlich hat vor gar nicht langer Zeit ein solcher Meinungsaustausch stattgefunden in der in Rom abgehaltenen Konferenz zur Berathung von Maßregeln gegen den
vorigem Kriege und die Engländer schiffen bereits eine große Armee in Belgien aus und der Herzog von Braunschweig marschirt mit seinen Soldaten nach Belgien, um mit den Engländern und Preußen zusammen den Bonaparte Mores zu lehren. Hier steht's — soll ich es Euch noch einmal vorlesen?"
Er mußte cs noch einmal lesen, Wort für Wort, Satz für Satz und aufmerksam hörten Alle zu, indem sie die Hände falteten und zum Schullehrer gespannt aufblickten. Und dann ward ihnen alles klar, daß über Europa und über Deutschland und Über das kleine, roeltabgelegene Nienhagen wieder einmal ein großes Unglück herein- gebrochen war. In Wien, Petersburg, in Berlin ind London hatte man Friedensfeste gefeiert und m dem kleinen, weltabgelegenen Nienhagen hatte man still daheim gesessen und der lieben Todten gedacht und Die Zeit legte sich sanft heilend um )ie Wunden des Krieges. Und in die Friedenseste von Wien und Petersburg, Berlin und London war die Nachricht von der Rückkehr Bonaparte's wie eine Bombe hineingeplatzt und ;atte die Fürsten und Diplomaten, die Adjutanten und Legationsräthe, die Damen und Herren der verschiedenen Höfe auseinandergesprengt, wie eine Schaar Tauben, in die der Habicht stößt. In Nienhagen aber zog neue Unruhe, neue Angst und Sorge in die stillen Herzen. —
Krieg! — Aufs Neue schallte die Trommel dumpf r an ein D durch das Land. Aufs Neue gellten die Hörner und schmetterten die Trompeten und wie Marschall Blücher und der Herzog Wellington jetzt wieder die wichttgsten Leute in der großen kriegerisch bewegten Welt wurden, so ward der Schullehrer Benjamin Stöckel der wich-
Anarchismus. Man hat nie etwas vernommen von Beschlüssen, die jene Konferenz gefaßt hätte; vielmehr sollte man augenscheinlich den Eindruck gewinnen, daß diese Beschlüsse geheim gehalten werden sollten. Aber nach der vorher genannten Pariser Notiz liegt die Annahme am nächsten, daß solche Beschlüsse damals gar nicht gefaßt werden konnten aus Mangel an Uebereinstimmung zwischen den Vertretern der verschiedenen Mächte. Würde das bei einer neuen Konferenz anders fein ? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die äußere Erscheinung kann man durch Gewalt treffen und durch Polizeimaßregeln, und es fei zugegeben, daß die außerordentlichen anarchistischen Erscheinungen der jüngsten Zeit auch bestimmte außerordentliche Maßregeln dagegen rechtfertigen. Aber den Kern des Anarchismus trifft man damit nicht; man beseitigt damit nicht den Boden, aus dem er emporwuchert. Diesen Boden kann man in geeigneter Weise für dauernden Erfolg nur durch die Rückkehr zum positiven Christenthum in Schule und Staatsleben bearbeiten.
V N«rli«, 27. Aug. Auf Befehl des Kaisers findet am 30. bS. Vormittags 10 Uhr im Zeughause die feierliche Nagelung und Weihe von 64 neuen Fahnen und Standarten statt. Darunter befindet sich die für das 1. und 2. Bataillon, der sechs ostastatischen Infanterie- Regimenter und des ostasiatischen Reiter-Regiments. Die Nagelung findet in der Ruhmeshalle statt. Nachdem der letzte Nagel eingeschlagen, findet die Weihe der Feldzeichen im Lichthofe statt. — Wie die »Post'erfährt, beabsichtigt der Kultusminister Dr. Studt Anfangs September nach Paris zu gehen und von dort zur Erholung nach der Schweiz. Der Minister von Rheinbaben kehrt morgen von feinem Urlaub zurück, einige Tage später Graf Posadowsky. Finanzminifter Miquel trifft erst Anfangs September wieder in Berlin ein. — Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat noch keine bestimmte Nachricht über den Termin seiner Rückkehr nach Berlin gegeben. — Ter Bundesrath beginnt seine regelmäßigen Sitzungen wieder Mitte September. — Das Staatsministerium trat heute Nachmittag 4 Uhr in seinem Dienstgebäude zu einer Sitzung zusammen. — Wieder ist ein gemaßregelter Landrath befördert worden. Nach der ,Kreuz- ztg/ ist der Landrath z. D. Lewald zum Ober-Regierungsrath ernannt und ihm die neugeschaffene Präfidial- Ober-Regierungsrathstelle bei der königlichen Regierung zu Breslau übertragen worden. Sein Abgeordnetenmandat erlischt dadurch.
O Der in Freiburg i. Br. vorn 24.-27, August abgehaltene 23. Kongreß des Mer- Sandes KatHokischer kaufmännischer Äer- ei«ig««ge« Deutschlands hat einen befriedigenden Verlauf genommen. Dem diesjährigen Kongreß war die schwierige Aufgabe gestellt, die Reorganisation des Verbandes zu be« rathen und diese Aufgabe hat er, den Verhältnissen entsprechend, in bester Weise gelöst. Die Hauptfrage, ob die Geschäftsführung einem ehrenamtlich funftionirenben Vorstand mit einem ihm untergeordneten Geschäftsführer übertragen werden soll, ober ob hierfür besoldete Direktoren unter Kontrolle eines Aussichtsrathes angestellt werden sollen, wurde nach ausgiebiger Besprechung dahin entschieden, daß die Leitung eine ehrenamtliche bleiben soll. Es soll indessen neben den ehrenamtlich wirkenden Herren ein besoldeter Geschäftsführer angestellt werden. Die vielfeitS gewünschte Zentralisation der Wohlfahrtseinrichtungen wurde noch nicht für spruchreif gehalten. Bezüglich der Organisation des Kongresses ist
igste Mann in Nienhagen, denn er erklärte den Leuten auf feiner Wandkarte, wo und wie der Krieg geführt werde, wo Wellington stand, welche Marschroute Blücher einschlagen würde und wie man den Bonaparte wie die Maus in einer Mäusefalle fangen würde.
Hans Heinrich Allerkamp hörte die Erklärungen des Schullehrers kopfschüttelnd an. Ja, wenn der Admiral Nelson noch lebte, dann wäre Bonaparte gar nicht so weit gekommen. Ob aber Wellington und Marschall Blücher die ridjtigen Leute dazu waren, Bonaparte zu fangen, bezweifelte HanS Heinrich sehr.
In dem Herzen der Völker aber erwachte ein jrofjer, ehrlicher Zorn Über den Friedensstörer, Iber den ehrgeizigen Imperator, und sie zogen aHefammt zum Rhein und wie eine finstere Wetterwolke sammelten sich die Heere, um mit hren Blitzen dieses Mal den Frevler für alle Zeiten zu zerschmettern. Tausende und Abertausende junge blühende Leben waren auf den Schlachtfeldern Deutschlands, Frankreichs, Ruß- ands, Spaniens und Italiens dem Ehrgeiz liefet einen dämonischen Mannes geopfert. Aus tausend und abertausend Wunden blutete die Menschheit! Tausend und abertausend Mütter, Gattinnen, Bräute und Schwestern meinten noch um die Gefallenen — in tausend und abertausend Schlösser, Häuser und Hütten hatte der Krieg Trauer und Kummer gebracht — und noch immer ruhte der Dämon der Schlachten nicht, noch mmer rang er mit dem Engel des Friedens, jen er für immer zu erwürgen drohte. Wie ein innerer Schatten flog es über die in Frühlings- flanz daliegenden Lande, wie ein finsterer Schatten lurch die Herzen der hoffnungsfrohen Menschen