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...... mit Mnlerhattungs-Meitage „Mustrirte Sonntags-Zeitungs DtUregagt N». 8 (Larmoairz.
M 195.
JuLöcr, Montag, den 27. August 1900.
27. Jahrgang.
L Nochmals der Religionsunterricht in Posen.
„In dieser Campagne werden also wieder seinmal Centrum und Sozialdemokratie sich brüderlich die Hand reichen" — so schreibt ein Berliner Blatt aus dem nationafliberalen freikonservativen Fahrwasser und meint damit die Abschaffung deS Religionsunterrichtes an den Schulen in der Stadt Posen. Den scheinbaren Grund für diesen Satz, mit dem man augenscheinlich dem Centrum gewaltig zu imponiren gedenkt, nimmt das gedachte Blatt von der Thatsache her, daß eine Protestversammlung polnischer Sozialdemokraten in Berlin eine Entschließung gefaßt hat, die besagt, daß der Unterricht in der Muttersprache eine Kulturfrage ersten Ranges für jedes Volk bilde: für die polnischen Kinder also polnischer Unterricht in polnischen Schulen. Die polnischen Sozialdemokraten wollen einen sörm- lichen Agitationszug gegen den preußischen Kultusminister eröffnen, indem sie viele Versammlungen in dieser Sache abhalten und eine Schrift verbreiten wollen mit dem Titel: das Attentat des Kultusministers auf die polnische Sprache.
Schon auS dem Titel dieser Schrift ersieht jeder Verständige, daß das Centrum und die polnischen Sozialdemokraten gar nicht daran denken, in dieser Sache brüderlich miteinander Hand in Hand zu gehen; denn das Centrum legt seinerseits keinen grundsätzlichen Werth auf die polnische Sprache, weil sie eben gerade die polnische Sprache ist, sondern darum, weil erstens der Religionsunterricht als der allerwichtigste aller Religionsgegenstände in einer Sprache ertheilt .werden soll, die den Kindern heimisch und mit aller Bestimmtheit vollkommen geläufig ist, und zweitens aus dem andern Grunde, weil die Regierung nicht solche einschneidende Aenderungen Vornehmen soll ohn- voraufgegangenes Einvernehmen mit dem zuständigen Bischof. Wer diesen grundsätzlichen und sehr wichtigen Unterschied nicht begreift, versteht diese ganze Sache nicht: die Polen, in diesem Falle polnische Sozialdemokraten, denen gerade die Religion Nebensache ist, verfechten nationale Grundsätze, das Centrum aber ethische Grundsätze von höchster Bedeutung.
Das Recht ist ohne Zweifel auf der Seite der katholischen Kirche und des Centrums; nicht das Recht, das jedem zusteht, der sich gegen die Angriffe anderer vertheidigt, sondern ein höheres Recht, das begründet ist auf göttlichen Gesetzen, auf der geschichtlichen Ueberlieferung und auf der Staatsverfaffung. Und wer die göttlichen Gesetze und die geschichtliche Ueberlieferung nicht anerkennen will, der sollte doch allermindestens vor den Bestimmungen der Staatsverfaffung sich beugen. Namentlich aber ein Staatsminister sollte mit der allergrößten Aengstlichkeit sich davor hüten, gegen die verfassungsmäßigen Bestimmungen des Staates zu verstoßen, in dem er sein hohes Amt bekleidet. Welches sollen die Folgen davon sein, wenn in dieser rücksichtslosen Weise Revolution von oben getrieben wird? Und bangt der Negierung nicht auch vor den anderen Folgen, die ein mangelhafter und unverstanden gebliebener Religionsunterricht unvermeidlich nach sich ziehen muß?
Hit Tochter -es Mhrmm.
Roman von O. Elster.'
43 ------ (Nachdruck verboten.)
Berendt Prigge langte am Morgen in Lehe, der kleinen Hafenstadt an der Wesermündung an. Eine ungeheure Aufregung herrschte in der Stadt. Von Nah und Fern war mah herbeigeeilt, um die heimkehrenden Krieger zu begrüßen. Noch stand in aller Erinnerung der Tag vor fast sechs Jahren, als das schwarze Korps in Elsfleth, kaum einige Meilen von Lehe entfernt, sich einschiffte, verfolgt von den französischen Truppen, erschöpft, ermattet von den Eilmärschen, von den Gefechten und Kämpfen mit dem Feinde. Damals waren die schwarzen Krieger die einzigen Männer in Deutschland, welche dem korsischen Imperator zu trotzen gewagt hatten! Damals lag Deutschland geknechtet, zerriffen, zerschmettert am Boden, ohnmächtig sich zu erheben! Heute war das Vaterland frei! Das deutsche Volk hatte sich erhoben und die Ketten der Fremdherrschaft gesprengt. Was damals vor sechs Jahren die tapferen Schwarzen vergeblich gehofft hatten, wofür sie gekämpft und geblutet, jetzt war es zur Wahrheit geworden — die Freiheitskämpfer empfing ein befreites Vaterland.
Das britische Transportschiff, welches die Schwarzen von Helgoland herüberbrachte, kreuzte bereits auf der Rhede von Lehe. Es vermochte des ungünstigen Landwindes und des am Abend sich erhebenden Nebels wegen noch nicht zu landen und fuhr für die Nacht wieder in die
Der Kirche also und dem Centrum kommt es gar nicht darauf an, daß der Unterricht in der Religion in Posen gerade polnisch ertheilt werde; er soll nur in derjenigen Sprache ertheilt werden, die der Jugend am geläufigsten ist, in ihrer Muttersprache, damit er gute Früchte trage. Im übrigen aber kann man vom unparteiischen Standpunkte aus den polnischen Sozialdemokraten gar nicht unrecht geben, wenn sie den Satz auf- stellen, daß der Unterricht in der Muttersprache eine Kulturfrage allerersten Ranges sei; in diesem einen Punkte schämen wir uns der Gleichheit der Ansichten mit den polnischen Sozialdemokraten ganz und gar nicht. Denn es ist wirklich so, wie diese in ihrer Entschließung sagen: der Unterricht, der nicht verstanden wird, hat seinen Zweck verfehlt. Das ist Übel in allen Fällen; am übelsten aber dann, wenn der Unterricht in der Religion davon betroffen wird.
Der Staat ist allmächtig geworden auf dem Gebiete der Schule; er hat die Kirche aus ihrer Stellung als Leiterin der christlichen Jugend verdrängt und die Kirche int Schulwesen sich unter« than gemacht als untergeordnete Gehilfin. Namentlich in der Provinz Posen gibt es kaum noch einen Schulinspektor geistlichen Standes. Mit dieser Machtentfaltung sollte der Staat sich zufrieden geben; will er nun auch noch die Kirche verdrängen aus ihrem ureigensten Gebiete, aus dem Gebiete der Religion? Das Verfahren gegen die verfassungsmäßigen Rechte des Bischofs in Posen sieht ganz danach aus, und das ist ja gerade das Kennzeichen des Kulturkampfes, wenn der Staat in dieser Weise gewaltthätig gegen die Kirche verfährt auf dem Gebiete der Religion.
Deswegen ist eS durchaus richtig, zu sagen, der Erlaß des preußischen Kultusministers Über den Religionsunterricht in Posen sei eine Handlung im Sinne des Kulturkampfes, nicht deswegen, roetl es Polen sind, die nebenher auch dadurch getroffen werden, sondern deswegen, weil die Kirche aus einem Rechte gewaltsam hinaus- gedrängt wird, das ihr nach Ueberlieferung und Verfassung allein zusteht. Die Verfügung des preußischen Kultusministers bedeutet einen grellen Widerspruch gegen den altpreußischen Wahlspruch: euum cuique — jedem das Seine!
Deutsches Deich*
Berlin, den 25. August.
* Der Kaiser und die Kaiserin sind am Samstag Vormittag in Erfurt eingetroffen. Der Kaiser begab sich zu Pferde, die Kaiserin im Wagen zum Denkmalsplatz. Die Stadt war prächtig geschmückt. Vor dem Denkmal war ein kostbares Kaiserzelt errichtet. Oberbürgermeister Dr. Schmidt begrüßte das Kaiserpaar in einer längeren Ansprache, worauf auf Befehl des Kaisers die Hülle des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. fiel. Der Kaiser besichtigte das Denkmal in Begleitung des Schöpfers desselben Professor Brunow-Berlin und des Oberbürgermeisters und ritt dann um den ganzen Festplatz. Nach der Enthüllungsfeier unternahm das Kaiserpaar eine Besichtigung der Stadt und begab sich zunächst nach dem Friedrich Wilhelm-Platz, wo
hohe See hinaus, um nicht in dem Nebel auf eine Sandbank oder Untiefe aufzulaufen.
Die Bevölkerung von Lehe ging aber diese Nacht nicht schlafen. Am Strande lagerte man sich, zündete große Feuer an und wachte dem Morgen entgegen, wo die Landung stattfinden sollte.
Und endlich schlug die Stunde, da die Freiheitskämpfer wieder den Fuß auf den befreiten Boden des Vaterlandes setzen konnten. Ein nicht endenwollender Jubel durchbrauste die Luft. Man umarmte die Soldaten, man schüttelte ihnen die Hände, man bekränzte sie mit Blumen, man führte sie im Triumph in die Quartire. Manchem alten, schlachtgewohnten Krieger standen die Thränen in den Augen. Ja, das war das Vaterland, die Heimath! Die Muttersprache! Die treuen, blauen Augen der Heimath! Die Luft des Vaterlandes!
Was waren alle Schönheiten des Südens gegen die weite, grenzenlose Haide der Heimath! Was das dunkelblaue Meer des Südens gegen das graue, schäumende, brandende Meer? WaS der tiefblaue, leuchtende Himmel des Südens gegen den wolkenverhangenen, grauen Himmel der Heimath?"
Fremd war ihnen fast die Heimath geworden. Ein heiliger Schauer der Bewunderung durch- bebte die Menge, als sie die schwarzen Kriegergestalten dastehen sah, das Antlitz tiefgebräunt, das blitzende Auge verschleiert durch eine Freuden- thräne, die Brust geziert mit den Ehrenmedaillen, die sie sich in den Schlachten fern in Spanien erworben hatten. Fremdartig war ihre Erscheinung — fremd ihr Kommando, welches in
die Kriegervereine aufgestellt und die Mädchenschulen auf den 77 m breiten Domstufen gruppirt waren, und zwar so, daß die Kinder mit farbigen Kleidern ein „W" auf weißem Grunde bildeten. Im Rathhaus wurde der Kaiserin abermals ein schöner Strauß und dem Kaiser ein Ehrentrunk der Stadt Erfurt in einem eigens dazu gestifteten Pokal vom Oberbürgermeister überreicht. Der Kaiser trank auf das Wohl der Stadt Erfurt und hielt dabei folgende Rede an den Oberbürgermeister:
Ihrer Einladung zu entsprechen, habe ich mich gern entschloffen in Erinnerung an meinen hochseligen Herrn Großvater. Ich war Zeuge seiner letzten Anwesenheit in Erfurt, und werde nicht vergessen den Jubel der hiesigen Bevölkerung und den Ausdruck der hohen Freude der Bürgerschaft darüber, daß die landesväterlichen milden Augen des hochseligen Herrn über der Stadt leuchteten. Seit der Zeit hat, wie ich mich persönlich überzeugen konnte, die Stadt einen gewaltigen Aufschwung genommen. Sie wird wohl die größte und maßgebendste Stadt Thüringens werden, dank der Qpfersreudigkeit der Bürgerschaft und dank der Hilfe meines Großvaters. Indem ich diesen deutschen Wein an die Lippen setze, verbinde ich damit den innigsten Wunsch, daß die Stadt Erfurt grünen und blühen und sich weiter entwickeln möge, in der Hoffnung, daß es mir immer vergönnt sein werde, ihr den für die Entwickelung eines großen städtischen Gemeinwesens nöthigen Frieden zu erhalten. Dazu verhelfe uns Gott! Auf das Wohl der Stadt Erfurt!
+ Ieldmarschaik Graf von Waldersee erfreut sich der Ehre, zum Gegenstände einer Kundgebung im,Reichsanzeiger' gemacht zu werden. Was das amtliche Organ zu seinem Hervortreten veranlaßt, wird im Anfänge dieser Kundgebung gesagt, und zwar mit folgenden Worten: „In eintm Theil der deutschen Preffe tritt immer weniger verhüllt das Bestreben hervor, den nach China in See gegangenen deutschen Oberbefehlshaber über die Truppen der verbündeten Großmächte durch Angriffe vom Standpunkte der parlamentarischen Fraktionspolitik zu verunglimpfen." Welche Fraktionspolitik das ein soll, verschweigt der.Reichsanzeiger'. Wahr- cheinlich würde es ihm auch nicht möglich sein, eine Behauptung durch die Thatsachen zu beweisen; denn gegen die Person des Feldmarschalls ist nirgends ein Angriff gerichtet worden, noch weniger hat man ihn „verunglimpft", wie das amtliche Organ sich auszudrücken beliebt. Man hat im Gegentheil den Grafen Waldersee in Schutz genommen gegen die alberne und geschmacklose Verhimmelung, die eine gewisse Sorte von Berichterstattern mit ihm in der Preffe getrieben hat; und gerade in dieser unsinnigen Verhimmelung könnte ein guter deutscher Geschmack eine Verunglimpfung des genannten Offiziers erblicken, den zu besitzen und an der Spitze der verbündeten Truppen in China zu sehen jeder gute Deutsche sich aufrichtig freut. Im allgemeinen aber sollte sich der .Reichsanzeiger' doch sehr hüten davor, in diesem verächtlichen Tone von parlamentarischer Fraktionspolitik zu reden; das kommt dem Offi- ziosus ganz und gar nicht zu. Gerade albern aber ist es, mit pomphaften Worten zu versichern. daß Graf Waldersee auf seiner Fahrt begleitet werde von „dem unerschütterlichen Vertrauen Seiner Majestät des Kaisers und Königs". Daran zweifelt kein Mensch und hat kein Mensch gezweifelt. Man möge sich um des Himmels
englischer Sprache abgegeben wurde, fremdartig ihre dunkle Uniform, dieses Ehrenkleid, das sie von den rauschenden Wäldern Böhmens getragen durch Tod und Sieg, durch Mühen und Gefahren bis zum Strand des brausenden Mittelmeeres, bis zu den wilden Felsengebirgen der Pyrenäen, bis zu den rauschenden Wäldern Spaniens.
Aber ein deutsches Herz schlug doch in der Brust der so fremdartig erscheinenden Krieger und das erste Hoch, welches sie donnernd ausbrachten, es galt dem deutschen Vaterlande.
„Vater — da bin ich!"
„Johannes — Du Schlingel — wahrhaftig, es ist der Johannes — komm an mein Herz, mein lieber Junge, mein lieber, toller Schlingel!" Und Benjamin Stöckel schlang die langen, hageren Arme um den Nacken seines Sohnes und Über seine eingefallenen Wangen rannen die Thränen und um den zahnlosen Mund zuckte es in tiefer, inniger Rührung.
Johannes Stöckel, der Fahnen - Sergeant bei dem braunschweigischen Regiment geworden war, weinte zum ersten Mal in seinem Leben Thränen der Rührung. Wild war er hinausgestürmt in die Welt, in den Krieg, hatte im Sturmesanlauf die Freiheit erringen wollen, und jetzt kehrte er beim und die Freiheit des Vaterlandes hatten Andere erkämpft, während er sich in Portugal und Spanien unter fremden Fahnen herumschlug. Doch einerlei — man war wieder daheim, und weiter war vor der Hand nichts nöthig.
„Du — Johannes," sagte der alte Schullehrer und versuchte vergeblich die Thränen zu trocknen und seiner Stimme einen festen Klang zu geben, „da steht noch Jemand, der
willen aufs ängstlichste davor hüten, durch solche theils Überschwängliche, theils lakaienhafte Art und Weise, den Chinafeldzug und unsere Thell- nähme daran zu behandeln, gefliffentlich bei unserem Volke die günstige Stimmung zu zerstören, die von Anfang an dafür vorhanden gewesen ist und trotz aller Ungeschicklichkeiten von oben her noch immer besteht. Ein solches Ver- fahren könnte sich eines Tages schwer rächen!
x Keine Arveiiskosenverficherrmg! — so erklärt ein Berliner Offiziosus: man könne „ganz sicher sein, daß die kompetenten Regierungskreise der Arbeitslosenversicherung ablehnend gegenüberstehen . . ." Staatssekretär Graf PosadowSky habe ja auch schon im Reichstage bei der Erörterung der Einführung einer Wittwen- und Waisenversicherung der Arbeiter erklärt, daß dieser Frage nicht eher näher getreten werden würde, bis die Industrie selbst ihre Leistungsfähigkeit dazu erklärt hätte usw. Rach unseren Offiziösen geht es zum Glück nicht bei der Sozialreform und ihrem weitern Ausbau; und der Gedanke der Arbeitslosenversicherung wird nie mehr wieder aus der sozialen Debatte verschwinden !
* ^rcfjftorrnpfio«. Der „Centralverband deutscher Industrieller", in dem namentlich die Eisenbahnbarone und Schlotjunker vertreten find, hat hier einen Mann angestellt, dessen Aufgabe es ist, öffentliche Meinung zu machen. Dieser Mann, nicht einmal ein Deutscher, ist Herr Sch wein bürg, der Sohn eines mährischen Dieners, Herausgeber der offiziösen ,Berl. Politischen Nachrichten' und Leibjournalist des Herrn v. Miquel. Im Auftrage des erwähnten Centralverbandes, der ihm dafür ein Gehalt zahlt, das an das eines Ministers heranreichen soll, gibt Herr Schweinburg eine Korrespondenz heraus (Neue Reichskorrespondenz), in weicherer nicht nur die wirthschaftlichen Jntereffen des Verbandes, d. h. der in demselben vereinigten Industriellen vertritt, sondern auch für deren politische Ansichten (nationalliberal und ftei- konservativ) Propaganda macht, so zwar, daß in diesem Organ auch heute noch Andersdenkende oft genug als Reichsfeinde, als schlechte Patrioten usw., die Mitglieder des Verbandes aber als Musterpatrioten und alleinige Pächter nationalliberaler Gesinnung hingestellt werden. Es scheint nun, daß neuerdings die Beiträge für den Schweinburgschen Nährfonds nicht mehr so reichlich fließen — vielleicht in Folge des wirthschaftlichen Rückgangs — denn Vorsitzender und Sekretär des Centralverbandes haben an deffen Mitglieder ein Zirkular gerichtet, in welchem sie bewegliche Bitte um Spenden zu dem PreßfondS erheben. Aus diesem Zirkular, das der .Vorwärts' veröffentlicht, erfährt man, daß die Schweinburg' sche Korrespondenz an 465 Zeitungen unentgeltlich verschickt wird, von denen ganz sicher eine erhebliche Zahl diese bezahlte „öffentliche Meinung" als ihre eigene ausgibt, und so ihr Lesepublikum hinter das Licht führt, einfach eS belügt. Und wie sehr der Verbandsvorstand diese Täuschung des Publikums zu schätzen weiß, zeigt die Genugthuung, mit welcher er seinen Mitgliedern den Erfolg der Schweinbnrg'schen Fabriksmeinung durch die Wiedergabe derselben
Dich begrüßen möchte — Karl Ahrendt's Mutter. .
„Frau Christine . . .?!"
„Ja, ich bin's, Herr Johannes — aber — wo — ist mein Sohn — wo ist Karl? — Ich sehe ihn nirgends?"
Ihre Augen flogen in namenloser Angst über die Reihen der schwarzen Krieger.
„Frau Christine . . ." Johannes Stöckels Stimme bebte, er schlug die Augen zu Boden.
„Wo ist mein Sohn?"
„Frau Christine — ich — ich weiß es nicht — seit einem der letzten Gefechte an der Bidaffoa- brücke wird er vermißt ..."
„Er ist fort —"
„Wir wissen es nicht — Frau Christine, ich bitte Euch . .
Aber die alte Bäuerin hörte feine Worte nicht mehr, Todtenbläffe bedeckte ihr Gesicht und ohnmächtig sank sie in die Arme des Schullehrers.
Da legte sich eine schwere Hand auf den Arm des Fahnen-Sergeanten Johannes Stöckel.
„Kennt Ihr mich noch, Johannes Stöckel?" fragte eine rauhe, tiefe Stimme.
„Berendt Prigge! — Wie sollt ich Euch vergessen haben? Also Ihr lebt auch noch und seid gesund und munter?"
„Ich wollt', ein Anderer stände gesund und munter an meiner Stelle," entgegnete Berendt Prigge. „Ihr sagt, daß Karl Ahrendt tödt ist!"
„Nein, das sagte ich nicht — man weiß nichts von ihm . .
„Erzählt mir das. Ich muß heute Abend noch nach Nienhagen und Jemand erzählen, wie ich Karl Ahrendt getroffen habe."