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JH 194.

Isrrlöa, Samstag, den 25. August 1960.

27. Jahrgang.

G Ueberschwang.

Der Zug des Generalfeldmarschalls Grafen von Waldersee durch Europa ist beendet. Am letzten Donnerstag hat der Feldmarschall auf der „Sachsen" von Neapel aus mit seinem Stabe die Reise nach Ostasien angetreten, lieber» eifrige Berichterstatter, namentlich solche, die von der Regierung abhängig sind, konnten nicht genug thun in überschwänglichen Schilderungen der Empfänge, die dem Grafen Waldersee bei seiner Fahrt durch Deutschland und Oesterreich zu theil wurden; einer dieser Berichterstatter sprach sogar von einem „Triumphzuge", den der Marschall durch Preußen, Sachsen, Bayern und Oesterreich ge­halten habe.

Es konnte nicht fehlen, daß die Kritik an dieser Art und Weise, den Grafen Waldersee zu verherrlichen, sich übte; denn es lag gar kein Grund dazu vor, trotz aller Sympathien, deren Graf Waldersee sich erfreut und die er auch in vollem Maße als vortrefflicher Offizier, hervor­ragender Geist und Mann von echtem Schrot und Korn verdient. Denn zu triumphiren haben wir bis jetzt noch gar keinen Grund. Die Auf­gaben, die Graf Waldersee zu lösen hat, find sehr unangenehm und schwierig; und es ist darum sehr thöricht, wenn Blätter von der Art der Krupp'schen .Berliner Neuesten Nachrichten' über „Aengfilichkett" sich ereifern, weil die überwiegende Mehrzahl der deutschen Blätter besagte Kritik an dem sogenannten „Triumphzuge" des Grafen Waldersee übten „Unbehagen, Verstimmung, Mißtrauen in immer wachsendem Maße" will das genannte Blatt als Kennzeichen der aller­jüngsten Zeit bemerken, während vorher „Ein- müthigkeit geherrscht habe in der Billigung der Chinapolttik". Thorheit! Das deutsche Volk ist in seinen Ansichten nicht so wankelmüthig wie gewisse Blätter, die ihre Haltung nur nach dem Winde richten, der in häufig wechselnder Richtung von oben weht; aber dasselbe deutsche Volk hat allen Grund zur Gelbstabkühlung und zur Auf­merksamkeit gegenüber den tollen Fanfaren der Alldeutschen, der Flottenvereiuler und derjenigen Politiker, nach deren Rezepten so gern auch die Zeitungen von dem Schlage des Berliner Krupp­organs arbeiten.

Was er will, nämlich der Flottenverein, das hat er gesagt in der letzten Nummer seiner.Mit­theilungen'. Jetzt werden wir darüber belehrt, wie wir die neue „Weltpolitik" durchzuführen haben.

Danach muß schleunigst die Auslands-Flotte ganz erheblich verstärkt werden, diese „thut drin­gend noch". Diese neue Auslands-Flotte muß aus Kreuzern und aus Linienschiffen bestehen; denn „auch die Auslands-Flotte bedarf des Panzer­kerns der Schlachtschiffe". Dem Flottenverein ge­nügt also noch gar nicht diejenige Verstärkung der Auslands - Flotte, welche die Regierung in ihrer letzten Flottenvorlage vorgeschlagen hatte.

Die Tochter der Khrmms.

Roman von O. Elster.

42 ------ (Nachdruck verboten.)

„Bleib, Frau," sagte er rauh und herrisch. „Dein Platz ist hier am Herde Deines Hauses, nicht an der Seite der Landstreicherin!"

„Daß Euch das Wort nicht gereut, Christian Ahrendt," tief Berendt Prigge drohend.

Der Bauer lachte spöttisch auf.

„Wollt Ihr mir den rothen Hahn aufs Dach setzen?" fragte er höhnisch. „Hab' mir sagen lassen, daß man'« im Kriege lernt, Feuer an die Wohnungen zu legen . . ."

Hans Heinrich schüttelte drohend die Faust, doch Gefine legte die Hand auf seinen Arm und zog ihn fort.

Berendt Prigge sah Christian Ahrendt mit einem verächtlichen Blick von oben bis unten an, dann spie er ihm vor die Füße, drehte sich kurz um und stampfte davon, indem er dem Hunde, der sich ihm an der Thür zähnefletschend entgegen­stellte, einen Fußtritt versetzte, daß er heulend davonlief.

Frau Christine war weinend zusammengesunken. Christian Ahrendt stand da und blickte den sich Entfernenden mit finsteren Blicken nach.

,;Christian Ahrendt," sagte der Schullehrer, „wißt Ihr, daß Ihr den dümmsten und — schlech­testen Streich Eures Lebens gemacht habt?"

„Geht zum Teufel mit Eurem Weichmuth," brummte der Bauer. „Ich weiß selbst, was ich zu thun habe, und solch' Landstreichervolk dulde ich nicht auf dem Ahrendtshofl"

aber beim Reichstage nicht durchsetzen konnte und sich schließlich auch damit zufrieden gab.

Danach muß ferner schleunigst eine Kolonial- Armer geschaffen und ein beträchtlicher Theil da­von bauen* in Ostasien stationirt werden.

Danach endlich muß „ein deutsches Kabelnetz das ganze Erdenrund umspannen", um „die Be­fehle des Kaisers im Nu durch die ganze Welt zu senden"; und dazu gehören wiederum Anlege- Stationen für die Kabel, die zugleich Flotten- und Kohlen-Stationen sein können.

Vom Deutschen Flottenverein wird im all­gemeinen im Volke angenommen, daß er außer­ordentlich gute Verbindungen „nach oben hin" habe. Es wird also in weiten Kreisen die Neigung zu der weiteren Annahme bestehen, daß auch maßgebende Kreise der Regierung ähnliche Zukunftspläne hegen, wie das Organ des Flotten­vereins sie uns verräth; und man kann es wahrhaftig niemandem verargen, wenn er desto kühler, um nicht zu sagen mißtrauischer wird bei diesem Lärmen der Flottenvereinler und All­deutschen. Vor solchen Wunschorgien sollte man sich doch sehr hüten. Damit gibt man dem allerneuesten „Weltkurse" die denkbar schlechtesten Empfehlungen mit auf den Weg; und es ist vollkommen unberechtigt und falsch, von „klein­licher Nörgelsucht" und dergleichen zu reden, weil die deutsche Preffe ganz Überwiegend die Augenblicksbegeisterung bei dem Abzüge des Grafen Waldersee und seiner Stabsoffiziere mit einem abkühlenden Sturzbade vernünftiger Kritik behandelt hat. Die .Berliner Neuesten Nach­richten' müssen sogar so ganz nebenbei selbst zu­geben, daß während der jüngsten Zett in Ueber­schwang so manches bei uns gefehlt worden ist. Also warum da Räuber und Mörder?

Mit dem hochkonservativen .Berliner Reichs­boten' sprechen wir: „Es ist wirklich hoch an der Zeit, daß alle anständigen Leute mit ge­sunder Empfindung gegen dieses geradezu ekel­hafte byzantinische, fade und läppische Treiben Front machen, um zu verhüten, daß auch bei uns in Deutschland das ehrliche gesunde Em­pfinden in der Sticklust solch innerlich durch und durch unwahrer schmeichlerischer Phrasenhaftigkeit zu Grunde gehe."

Deutsches Deich.

Berlin, den 24. August.

+ Was Kohlenhändler jetzt verdienen, ersteht man von neuem aus einer kleinen Notiz in dem örtlichen Theile verschiedener Berliner Blätter. Die Berliner Bäckerinnungen haben mit mehreren Großkohlenfirmen Verträge abge­schloffen, um ihren Mitgliedern Brennmaterial zu ermäßigten Preisen zu verschaffen. Der Unter- schied zwischen diesem ermäßigten Preise und den jetzt üblichen Preisen der Berliner Kohlen­händler ist so bedeutend, daß verschiedene Bäcker­meister die Gelegenheit benützten, um nebenher einen Kohlenhandel auf eigene Rechnung anzu­fangen. Sie verkauften Kohlen an Bekannte er­heblich unter dem Preise ver Berliner Kohlen­händler und machten sich selbst dadurch großen

Damit wandte er sich und ging in das Wohn­zimmer, deffen Thür er krachend hinter sich zu­schlug.

„Es geht doch nichts über solchen barten Bauernschädel", spottete dec Schullehrer. „Wenn die Welt mal sich anders gestalten will, als sich's in seinem Schädel malt, dann will er mit dem Dickkopf durch die Wand und wenn er sich auch die Stirne blutig stößt. — Na, Frau Christine, weint nur nicht so sehr, es wird sich noch alles zum besten kehren, wenn er erst eingesehen hat, daß er mit seinem Schädel die Wand nicht durchstoßen kann. Laßt nur Karl erst einmal hier sein."

„Ach, ich glaube es jetzt nicht mehr, daß er zurückkommt", klagte die arme Frau.

„Wißt Ihr, was wir thun? Wir fahren morgen nach Lehe an der Wesermündung. Ich hab' gehört, dsß in dem Hafen von Lehe das Korps landen soll, das direkt von England kommt. Da treffen wir dann Euren Karl und den Schlingel von meinem Sohn, der ja auch bei den Schwarzen Dienste genommen hat. Ja, Frau Christine, das wollen wir thun!"

Ein schwaches Lächeln erhellte das traurige Gesicht Frau Christinens. Ste faltete die Hände und blickte mit thränenfeuchten Augen zum Himmel auf.

„Nur noch einmal möchte ich meinen Karl in die Arme schließen", flüsterte sie.

„Ihr werdet es noch öfter thun, Frau Christine", sagte der Kantor eifrig, „so wahr ich Benjamin Stöckel heiße und noch einige Jabre das Schulsc-pter in Nienhagen zu schwingen denke. Haltet Euch morgen in aller Frühe be­reit — ich hole Euch ab. Und jetzt adieu —

Nutzen. Der Nutzen also, den die Kohlenhändler haben, muß ganz über Gebühr hoch sein. Zu­sammenschluß der Verbraucher zum Zwecke des gemeinsamen Kohlenbezuges in großen Mengen unmittelbar mit Umgehung des Zwischenhandels ist die beste Waffe gegen das wucherische Treiben dieses letzteren.

h Die sozialdemokratischen Gewerk­schaften geben in ihrem Hamburger .Korrespon­denzblatt' eine Uebersicht über ihre Einnahmen und Ausgaben. Die Einnahmen betrugen wäh­rend des letzten Berichtsjahres (1899) im Ganzen 7,687,154 Mark, die Ausgaben 6,450,876 Mark. Aus der Vertheilung der Ausgaben ersieht man von Neuem, daß diese Gewerkschaften nichts weniger als billig arbeiten; denn Agitation und Verwal­tung haben in dem letzten Berichtsjahre rund 20 v. H. der Gesammt-Ausgaben betragen, nämlich mehr als Vk Millionen Mark. Die Mitglieder­zahl hat auss Nene einen erheblichen Zuwachs zu verzeichnen. Sie betrug am Ende des Jahres 1899 im Ganzen 580,473 in her Central-Orga­nisation, darunter 19,280 weibliche Mitglieder. Außerdem werden noch örtliche Vereine mit 15,946 Mitgliedern aufgeführt.

X Air Waarenhänser nnd IUesen- vazare behaupten mitunter, ste seien ein Segen für die Angestellten, denn sie bezahlten diesen beffere Löhne als der kleinere Kaufmann. Jeder Sachkundige weiß, daß auch diese Behauptung unrichtig ist; aber es ist von Werth, dies auch thatsächlich feststellen zu können. Wie wenig liebenswürdig sich die Waarenhäuser gegen ihre Angestellten in der That benehmen, geht aus einem Beispiel hervor, das gerade jetzt bekannt wird; das Waarenhaus der Gebrüder Barrasch in Beuthen (Oberschlesien) wälzt die neue Waarenhaus-Steuer auf seine Ange­stellten ab. Die genannte Firma erhebt zu diesem Zwecke Kopfsteuer von ihren Ange­stellten. bei einem Gehalt von monatlich 30 bis 40 Mk, 1 Mk., bei 40—50 Mk. 2 Mk., 50 bis 80 Mk. 3 Mk. uni bei mehr als 80Mk.4Mk. monatlich. Das Verfahren an sich schreit zum Himmel; gleichzettig erfährt man dabei, daß die Löhne in den Waarenhäusern durchaus nicht höher als in anderen kaufmännischen Betrieben, sondern eher niedriger als dort find. In Berlin rekru- tiren sich die Besucherinnen mehrerer Übel be­rüchtigter Tanzlokale zu einem sehr großen Bruch- theile aus den weiblichen Angestellten der großen Waarenhausfirmen; das muß doch ohne Zweifel auch seine bestimmten Gründe haben, die voraus­sichtlich auf demselben Gebiete liegen werden. Daß die Waarenhäuser auch vielfach dadurch an ihren Angestellten zu verdienen suchen, daß sie dieselben dazu nöthigRi, bei ihnen Kost und Wohnung zu nehmen, ist bekannt genug.

* Hamburg ist gewiß eine „aufgeklärte", im Geruch hoher „Bildung" stehende Stadt, die Niemand im Verdacht hat, daß dort finsterer „Ultramontanismus" umgehe und Dunkelmänner ihr Wesen treiben. Und welche Kunde kommt aus dieser „aufgeklärten" Stadt! Dort hat das Wahrsagernnivesen derart überhand genommen, daß der „Verein gegen Unwesen im Handel und Gewerbe" sich genötigt sah, an den Senat

seid guten Muths, Frau Christine — seid guten Muths."

Ec schüttelte ihr die Hand und eilte rasch davon.

21. Kapitel.

Peter Haas, der Stellvertreter Hans Hein­richs in dem kleinen Fährhause von Nienhagen, machte sein dümmstes Gesicht, deffen er fähig war, als daS Segelboot seines früheren Herrn, Berendt Prigge, an dem Fährhause anlegte und Hans Heinrich, sowie Gefinen und den alten Berendt Prigge auslud.

Erst nachdem ihn Berendt Prigge derb ge­schüttelt und ihm ein „Potz Hummer und See­fisch!" in die langen Ohren gebrüllt, erwachte der gute Junge aus seinem grenzenlosen Erstaunen und führte Hans Heinrich und Gefine mit breitem Grinsen in ihre alte Behausung.

„Jetzt bleiben wir hier vor Anker liegen", rief Hans H-inrich und warf fich auf die alt­gewohnte Ofenbank, daß fie in allen Fugen krachte. „Wir sind ein altes, unbrauchbares Wrack geworden, Berendt Prigge; Spanien und Portugal haben uns den Rest gegeben und der Rheumatismus und die Gicht melden fich ganz unverschämt bei mir an. Ich setze keinen Fuß mehr auf die Bohle eines Schiffes. Peter Haas, gib mir ’ne Kohle zu meiner Pfeife, jetzt ist mit die ganze Welt egal."

Peter Haas legte die glühende Kohle auf die Pfeife und in den nächsten Minuten sah man wettet nichts, als eine dicke Dampfwolke, hinter der Hans Heinrich, wie Jnpttet hinter seinen Himmelswolken verschwand.

eine Eingabe zu richten, in welcher dieser er­sucht wird: 1. den Geschäftsbetrieb der Wahr­sagerinnen amtlich festzustellen und zu ver­bieten; 2. fremde Personen, die den Wahr­sageschwindel betreiben, auszuweisen, und 3. eine öffentliche Warnung gegen den Wahrsageschwindel zu erlaffen. Müffen daS aber Zustünde sein, wenn selbst ein gewerblicher Verein fie nicht mehr erträglich findet! Aber wer wird darüber fich wundern? In demselben Maße, in welchem bei einem Volke der wahre Glaube, der Glaube an einen Dreieinigen Gott schwindet, ziehen Unglaube und Aberglaube bei ihm ein. An göttliche Wunder glaubt die „aufgeklärte" protestantische Bevölkerung von Hamburg, Berlin usw. nicht mehr; dafür aber verfällt sie immer mehr dem gröblichsten, ab­scheulichsten Aberglauben, wie er kaum bei den heidnischen Völkern Afrikas zu finden ist, glaubt aufs Wort Gauklern und Charlatanen das dümmste und widersinnigste Zeug. Das ist der Mensch in der Abkehr von Gott. Die „aufge­klärte" Preffe dieser Städte aber zetert am lautesten über „ultramontane Verdummungssucht" und „mittelalterliche Finsterniß", gegen „pfäffischen Trug" und „katholische Rückständigkeit". Spottet ihrer selbst und merkt es nicht!

+ HServürgermeister Atzender von Atzres- ka« hat es, wie bekannt, im preußischen Herren­hause fertig gebracht, bei der Berathung des Waarenhaussteuer-Gesetzrs in schärfster Weise gegen dieses zu sprechen und sich gleichzeitig über den bürgerlichen Mittelstand lustig zu machen als eine Menschenklaffe, die nur werth sei unter­zugehen. Von allen Seiten sind lebhafte Wider­sprüche gegen den Breslauer Oberbürgermeister laut geworden; alle möglichen Körperschaften haben in besonderen Entschließungen ihrer Ent­rüstung Ausdruck gegeben über diese gehässigen Ausfälle des freisinnigen Stadtoberhauptes von Breslau, keine Versammlung hat fich gefunden, die eS gewagt hätte, Herrn Dr. Bender zu ver- theidigen. Jetzt ist die erste Ausnahme von dieser Regel zu verzeichnen: in Breslau haben die Sozialdemokraten eine Versammlung abgehalten und der Hauptredner des Abends hat Herrn Dr. Bender feine Sympathie aus­gedrückt für seine Angriffe gegen den Mittelstand im Herrenhause. Das geschieht Herrn Dr. Bender recht; ein sonderbarer „Bürger-Meister", der seine parlamentarische Stellung dazu benutzt, um den Bürger-Stand in dieser gehässtgen Weise zu verunglimpfen!

A«s1a«d.

* Krüssel, 24. Aug. Heute Nachmittag ist der Schah von Persien unter großer Bethei­ligung der Bevölkerung hier eingezogen.

* Saris, 24. Aug. Der ,Temps' erklärt, er sei in der Lage, versichern zu können, daß keine Rede davon sei, die Dauer der Weltaus­stellung über das ursprünglich gesetzlich festge­setzte Datum, den 5. November, hinaus zu ver­längern. Die meisten Gebäude der Ausstellung würden übrigens den Unbilden des Winters nicht widerstehen können.

Gefinen wollten die Thränen in die Augen treten, als fie sich von den wohlbekannten Gegen­ständen ihrer Jugend wieder umringt sah. Peter hatte alles aufbewahrt, selbst den Blumentopf mit der vertrockneten Rose in dem Fenster ihrer kleinen Kammer. Freilich lagerte über allen Gegenständen eine dicke Staubschicht, denn für'S Reinemachen war Peter Haas nicht — „selbst nicht am eigenen Körper," wie Berendt Prigge versicherte.

„Hast vierzehn Tage zu scheuern und zu schruppen, Gesine," sagte der alte Helgoländer, „ehe Du wieder Grund hineinkriegst. O Peter Haas, hätt' ich Dich doch einmal als Schiffs­junge auf einer von Ihrer großbritannischen Majestät Fregatten und ich wäre Dein Steuer­mann — dann solltest Du binnen vier Wochen der reinlichste Junge in der ganzen Marine Ihrer Majestät sein, oder ich wollte niemals ein Tau­ende in der Hand gehabt haben."

Peter Haas zwinkerte schlau lächelnd mit den Augen. Er wußte ganz gut, daß Berendt Prigge nicht mehr Steuermann auf einem Schiff von der großbritannischen Majestät war und daß er, Peter Haas, sich wohl hütete, als Schiffs­junge das Scheuern und Reinemachen zu lernen.

Gesine begab sich in die Küche, um einen kleinen Imbiß zu bereiten, so gut es gehen wollte. Peter HaaS schlich sich hinaus und streckte sich in den Sand des Ufers nieder, starrte in die vorübereilenden Wellen und würde der Vergäng­lichkeit des Irdischen nachgedacht haben, wenn er überhaupt im Stande gewesen wäre, zu denken.

Hans Heinrich und Berendt Prigge blieben allein in dem Keinen, von Tabaksdampf erfüllten Heim zurück.