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IrrLöa, Freitag, den 24. August 1900.

27. JahrgMg.

O Rumänien und Bulgarien.

Um das Pulverfaß an der unteren Donau stieben wieder einmal die Funken. Zwischen Rumänien und Bulgarien ist nicht alles klar. Von Bulgarien aus wird gewühlt. Ver- schwörungsfäden ziehen sich von Sofia nach Makedonien und nach Rumänien. Gedungene Mörder schwingen den Mordstahl; als Opfer fiel bereits vor einigen Wochen der rumänische Politiker Profeffor Michaileanu. Die rumänische Regierung warnte in Sofia schon durch zwei diplomatische Schriftstücke. Von Bulgarien aus antwortete man im Tone der Beschwichtigung; aber es gibt Leute, die der Aufrichtigkeit der bulgarischen Sprache nicht recht trauen und ein Preß-Organ der rumänischen Regierung, die „Rumänische Agentur" („Agence roumaine“), will sogar wissen, in Bulgarien arbeite man be­reits an der Mobilmachung des Heeres: beur­laubte Offiziere würden in schleuniger Weise zurückberufen und allerhand Leute, die im Re- serveverhältniffe zum bulgarischen Heere stehen, und zur Zeit im Auslande arbeiten, kündigten ihr Arbeitsverhältniß, um nach ihrem Heimath- lande zurückzukehren. Briefe, die man in Bukarest bei einem Mitschuldigen des Mörders des Professors Michaileanu auffand, lassen mit Sicherheit den Schluß zu, daß hervorragende bulgarische Offiziere in die VerfchwörungSfäden verwickelt sind; und aus diesen Briefen konnte man ferner herauslesen, daß verschiedene andere Personen, bulgarische und auch rumänische, als Opfer der Verschwörung fallen sollten. Gift, Dolch und Revolver spielen dabei eine recht un­heimliche Rolle — kurz, die ganze Sache sieht so unliebsam wie möglich aus und man kann es der rumänischen Regierung nicht verdenken, daß sie den gesammten Thatbestand zur Kenntniß der Mächte des Berliner Vertrages gebracht hat, nach dessen Bestimmungen die Verhältnisse an der unteren Donau geregelt find.

Zunächst handelt es sich um das Make­donische Komitee. Die Bulgaren in Make­donien wollen, daß ihr Land zu Bulgarien komme, um mit diesem zusammen ein größeres Bulgarien zu bilden; und der Herd dieser Agi­tation, die ihre Ziele nur auf dem Wege einer gewaltsamen Umwälzung der gegenwärtigen Zu­stände und Besitzverhältniffe an der untern Donau verwirklichen könnte, ist eben das Makedonische Komitee, das seinen Hauptsitz in Sofia hat. Dem Bulgarenfürsten Ferdinand würde es natür­lich nichts weniger als unangenehm sei«, wenn durch irgendwelche Umstände, an denen er dem äußern Anscheine nach vollkommen unbetheiligt ist, eine Lage geschaffen würde, die ihm eine Aus- sicht auf Avancement eröffnete — entweder Fürst eines größer» Landes oder aber König von Bul­garien zu werden. Nach dem Königthum sehnt er sich schon lange; aber bisher hatte man an keinem einzigen europäischen Hofe Verständniß für diese Sehnsucht, und so mußte er feine Königshoffnungen stets wieder zu Grabe tragen und ausspeichern im stillen Herzenskämmerlein. Das aber weiß man ja hinlänglich, daß der edle Bulgarenfürst nichts weniger als wählerisch ist

Die Tochter des Khrmms.

Roman von O. Elster.

41 ------ (Nachdruck verboten.)

„Ahrendt — Christian Ahrendt, kennt Ihr denn unsere alten Freunde nicht mehr?" rief er in höchster Aufregung. „Den alten Hans Heinrich Allerkamp und Berendt Prigge und Gesine — unsere Heldenjungfrau — Ahrendt — Christian Ahrendt, steht doch nicht so steif wie ein Stock da! — Das ist die Avantgarde — jetzt kommen die Anderen auch bald . . . Hurrah für Gesine, die Heldenjungfrau von Nienhagen!'

Und der begeisterte Schullehrer schwang den Stock und warf den grauen Filzhut vor Freude hoch in die Luft.

„Ihr thut ja, Mann," lachte er, „als ob der Prinzregent von England selbst Euch die Ehre ge­geben und seinen allerhöchsten Fuß auf den Boden von AhrendtShof gesetzt hätte. Kommt zu Euch, Herr Stöckel — wir bringen Nachricht von Eurem Sohn Johannes und von Karl Ahrendt."

Zögernd war der alte Bauer näher getreten. Er mißtraute allen lauten Gefühlsausbrüchen, er prüfte lieber erst alles mit feinen scharfen, alten Augen, mit seinem grüblerischen Verstände, ehe er es gut hieß. Und so trat er auch den „Land­streichern" aus dem kleinen Fährhause an der Weser zögernd und mißtrauisch entgegen.

Sehr vertrauenerweckend sahen sie freilich auch nicht aus. Berendt Prigge in seiner abgetragenen Friesjacke, dem schlaff niederhängenden Südwester und den nassen bis an die Hüften heraufgezogenen Wasserstiefeln, und der alte Marketender der

in der Wahl seiner Mittel; und wenn auch Gift und Dolch dabei waren, Fürst Ferdinand denkt: non ölet — man würde es der Königswürde nicht anmerken, wenn auch vorher Blut ge­meuchelter politischer Opfer darum gefloffen wäre I"

Thatsächlich scheint aber die bulgarische Re­gierung gar nicht so ganz als unwissendes und unschuldiges Lamm abseits von den reißenden makedonischen Wölfen zu stehen. Die Regierung des Fürsten Ferdinand erscheint dringend ver­dächtig, mindestens ein Auge oder aber alle beide Augen zugedrückt zu haben, um nichts von den Sesponnenen Ränken zu merken. In diesem Sinne at sie augenscheinlich ihre internationalen Pflich­ten vernachlässigt, und leider ist ihr neuestes Ver­halten kaum anders als so zu deuten, daß sie den Bemühungen der rumänischen Regierung um Klärung des ganzen Sachverhaltes nichts weniger als förderlich zur Seite steht, wenn nicht sogar ihr geradezu entgegenwirkt. Namentlich munkelt man allerlei von Briefen, die zwischen dem bul­garischen Minister des Innern und einem der Verschwörer gewechselt wurden.

Die Bulgaren mögen sich in Acht nehmen. Nicht nur die europäischen Mächte, auch die Be­völkerung der Übrigen Staaten der Balkanhalb­insel haben nicht das leiseste Verständniß für ihre Großmachtssehnsucht; und die intriguante Art und Weise, in der diese Sucht zum Ausdrucke kommt, wird allgemein aufs schärfste gemißbilligt. Oeffentliche Versammlungen in Rumänien legen beredtes Zeugniß davon ab; und nicht minder abweichend äußern sich darüber griechische Blätter. Fürst Ferdinand aber möge des alten Sprüch­leins eingedenk sein von dem Kruge, der so lange zu Waffer geht, bis er bricht; damit nicht plötzlich einmal auch sein Fürstenthron unter ihm zusam­menbreche !

Deirtsches Weich.

Berlin, den 23. August.

* Die Kröffttttng des Landtags ist, wie die ,D. Warte' aus guter Quelle erfahren haben will, aus diesmal zu der üblichen Zeit, also An­fang Januar, zu erwarten. Die neu erweiterte Kanalvorlage, die unbedingt zu den ersten Gesetzentwürfen der Tagung gehören wird, wird einen Kostenaufwand von rund 420 Millionen Mark fordern. Die Vorlage wird die Oder-Inte­ressenten durch Regulirungen und Kanalisirungen der Oder, die Lippe-Interessenten durch Freigebung und wohlwollende Förderung einer Kanalisirung der Lippe als Privat-Unternehmen zu befriedigen suchen. Sie wird endlich Projekte zur Verbesserung der Vorflut in Havel und Spree, zur Herstellung des Großschifffahrtsweges Berlin—Stettin, zur Verbesserung der Wasserstraßen zwischen Weichsel und Warthe und der Warthe selber sowie den Entwurf des masurischen Seekanals enthalten, kurz lauter Unternehmungen, die den Wünschen der Landwirthe des Ostens entsprechen.

h Zwei Höhere Katholische Geistliche sollen angeblich, so behauptet ein Posener Hakatisten- blatt, in Posen auf der Straße Schüler an­halten, um ihnen die Anweisung zu geben, daß

deutschen Legion, Hans Heinrich Allerkamp in dem wunderlichsten Kostüm, das man sich denken konnte — halb Seemann, halb spanischer Bauer. Nur Gesine sah schmuck und doch einfach wie immer aus. Aber ihr früher so zartes weißes Gesicht war gebräunt von der Sonne Spaniens und dem Wind und Wetter der langen Seefahrt und in ihren Augen glänzte ein feuchter, tiefer Glanz und ihre rotben Lippen bebten leise, als sie dem alten Ahrendt die Hand entgegenstreckte und bittend sprach: „Vater — da sind wir wieder . . ."

Aber ihre Hand zuckte zurück. Die Worte er­stürben ihr auf den Lippen und eine glühende Röthe ergoß sich über ihre Wange, als sie den finsteren, starren Ausdruck in dem Gesicht des alten Bauern bemerkte.

„Versteh' Euch nicht recht, Mädchen, was Ihr wollt," brummte dieser. „Wenn Ihr hungrig und durstig seid, könnt Ihr Euch an meinem Herde erquicken und ausruhen — aber bann wandert nur weiter, für solche Art fahrende Leute ist auf dem Ahrendthof kein Platz."

„Na, was hab' ich gesagt," rief Berendt Prigge, indem er Hans Heinrich einen Puff ver­setzte, der jeden Anderen zu Boden geworfen haben würde. „Ist der alte Christian Ahrendt nicht noch derselbe geblieben? Immer höflich und freundlich — stets Seehund und Wallfisch."

„Ahrendt, Christian Ahrendt, seid Ihr toll geworden?" krähte Benjamin Stöckel mit hoher Fistelstimme. „Ihr weist der Gesine Eure Thür? Ja, Mann, wißt Ihr denn nicht, daß sie Euch Euren Sohn zurückbringt? Sie hat ihn sicher durch die feindlichen Kugeln und Lanzen geführt, sie hat ihn vor den schwarzen Augen der Spanierinnen behütet — nun ift’S an Euch, sie zu belohnen und

sie mit Nein antworten sollen, wenn sie danach gefragt würden, ob sie den deutschen Religions­unterricht verständen. Die angeblichen höheren Geistlichen würden, wenn sie so verfahren woll­ten, wohl leicht geeignetere Plätze dazu ausfindig machen können als die offene Straße. Wenn Niemand die Namen dieser angeblichen höheren Geistlichen zu nennen weiß, bleibt die Mär voll­kommen ohne Wirkung — ein Hetzmärchen, wie sie die Hakatistenpreffe schon zu Hunderten er­sonnen und verbreitet hat, ohne gläubige Hörer dafür zu finden. Aber gerade diese allerneueste Mär übertrifft die Mehrzahl der voraufgegangenen an Unwahrscheinlichkeit und Widersinn.

+ Die Lage der Laadrvirth schäft ist nicht mehr ganz so erbärmlich wie vor sechs oder sieben und acht Jahren. Einige gute Ernten sind der deutschen Landwirthschaft gerade noch zu rechter Z-it zu Hilfe gekommen, um das Allerschlimm ii e und den Ausbruch einer Maffen- krise allerschlimmster Art zu verhüten; das weiß jedermann, ebenso wie jedermann, der eine auch nur oberflächliche Kenntniß der thatsächlichen Verhältnisse hat, ganz genau weiß, daß durch diese kleine Besserung die Dinge für die Land- wirthschast noch lange nicht genug zum Guten gewandt sind. Aber es gibt nun einmal Leute, die mit Gewalt diese Binsenwahrheit nicht als Wahrheit anerkennen wollen und sich nach erst­klassischem Muster die Ohren verstopfen, um nur ja nicht die Wahrheit hören zu müssen, die von allen Ecken und Enden her ihnen mit gewaltigen Tönen entgegenläutet. Jetzt benützen liberale Blätter die Thatsache, daß nach der amtlichen Statistik die Zwangsversteigerungen landwirth- schaftlicher Grundstücke im Königreich Preußen seit 1892 ein klein wenig an Zahl und Gesammt- grund fläche abgenommen haben, zu derselben alten Behauptung, daß man von einer Nothlage der Landwirthschaft nicht mehr reden könne. Die Thatsache ist die folgende: auf dem Zwangswege wurden versteigert

1886—1891: 13.550 Betriebe mit 452.486 ha Gesammtfl., 1892: 2.299 „ „ 69.266 „

1893-1898 : 9.917 „ „ 341.409 „

Also das ist erfreulicherweise richtig, daß nach der amtlichen Zusammenstellung im Königreiche Preußen die Zahl der Zwangsversteigerungen landwirthschaftlicher Grundstücke in der neuesten Zeit ein wenig abgenommen hat. Aber die Zahl ist noch immer sehr groß, und namentlich die Zahl von 2299 Zwangsversteigerungen i. 1.1892 ist so unheimlich bedeutend, daß eine Besserung int Vergleiche dazu noch nicht allzu viel besagen will. Dieselben Leute, die heute ungemein viel Aufhebens machen von der Verminderung der landwirthschaftlichenZwangsversteigerungen,haben aber auch i. I. 1892 nicht zugegeben, daß eine Nothlage der Landwirthschaft bestehe, damals vielleicht noch weniger als gegenwärtig; denn in­zwischen ist es ihnen doch ein wenig klar geworden, daß es einen Übeln Stand der Dinge bedeutet, wenn der Landwirth trotz aller Sorge, Arbeit und Mühe noch nicht einmal so viele Zinsen von seinem Betriebskapital herauswirthschaftet, als der Rentner erzielt, der in bequemer Lage auf dem Kanapee jedes Vierteljahr die Zinskoupons von

laßt mich das Aufgebot für die Beiden bei dem Herrn Pfarrer bestellen."

„Ich sehe meinen Sohn nicht," entgegnete der Alte finster.

In diesem Augenblicke kam seine Christine herbeigeeilt. Erschreckt schlug sie die Hände über dem Kopfe zusammen, dann aber sank sie mit einem lauten Freudenschrei in die Arme Gesinens, welche die alte Frau fest umschlang und ihr die eingesunkene« Wangen und Augen küßte.

„Mein Sohn — mein Karl — bringst Du mir meinen Karl wieder?" schluchzte die Alte.

„Ihr werdet Euren Sohn wieder in Eure Arme schließen, so Gott will, Mutter," sagte Gesine tiefbewegt.

Die Kniee zitterten der alten Frau, daß sie sich setzen mußte.

„Na, Christian Ahrendt," fragte Stöckel grin­send, „was lagt Ihr nun?"

„Gar nichts, Gevatter Stöckel," entgegnete der Bauer ruhig. „Ich glaub’ von all' den Worten nichts, ich muß erst meinen Sohn wieder­sehen. Aber wenn die Dirne da glaubt, daß nun Alles vergeben und vergessen sei, dann irrt sie sich. Meinen Sohn hat sie dem Vaterhause ent­führt, sie soll ihn wieder zurückbringen — dann läßt sich ja über Manches sprechen. So lange habe ich nichts zu sagen."

„Ei, da schlag' doch gleich ein Hagelwetter drein!" fuhr Berendt Prigge auf, doch Hans Heinrich legte dem alten Burschen die breite Hand auf den Mund. „Schweig, Berendt Prigge," sagte er, und es klang ein dumpfer Zorn in seiner grollenden Stimme, „schweig und laß mich einmal sprechen." Dann wandte er sich an Christian Ahrendt. „Ihr seid hier Herr im Hause, Christian

feinen Papieren abtrennt. Zum Glücke geht es aber bei uns in Deutschland nicht mehr nach der politischen und wirthschaftlichen Melodie dieser liberalen Phrasenhelden, und es ist einige Hoff­nung darauf vorhanden, daß es in Zukunft noch weniger danach gehen möge als gegenwärtig.

X Die Jeier de» Sedanlages sollte in diesem Jahre allgemein unterlassen werden. Die Verhältnisse find wahrlich nicht dazu angethan, einen Bier- und Sektpatriotismus üppig inS Kraut schießen zu lassen, und erfreulicherweise unterläßt man aus dieser richtigen Erkenntniß heraus an sehr vielen Orten alle die sonst üblichen Festlichkeiten und Gelegenheiten, gut zu essen und noch besser und mehr zu trinken. Was man sonst dafür auszugeben gewohnt war, möge man den Hilfskaffen für unsere Krieger und ihre Kranken und Verwundeten in Ostasien zuführen; das wird der beste Ausgleich sein. Von einem rheinischen nationalliberalen Blatte wird in dieser Sache noch auf einen anderen Gesichtspunkt aufmerksam gemacht; gerade jetzt, wo die Söhne unseres Landes in Ostasien Schulter an Schulter mit französischen Kriegern fechten, geziemt es sich wenig, Feste zu feiern, um demselben Frankreich in lärmender Weise von neuem ins Gedächtniß zurückzurufen, daß wir es vor nunmehr dreißig Jahren besiegt haben. Der Gesichtspunkt ist richtig ausgestellt: feineres Taktgefühl kann dem dem rheinischen Blatte — es ist die .Kölnische Zeitung' — nur recht geben. Darum weg mit den Seklflaschen und den hergebrachten Gelagen am bevorstehenden 2. September; sie passen in unsere Zeit und Lage so wenig wie nur irgend möglich hinein!

**, ■Rettin, 23. Aug. Der ,Reichs-Anzeiger" meldet, der Kaiser nahm heute im Schloß Wilhelmshöhe die Vorträge des Kriegsmtnisters v. Goßler und des Chefs des Generalstabes der Armee, Grafen Schlieffen sowie des Chefs des Militär-Kabinets v. Hahnke entgegen. — Die Nachricht, daß das gerichtliche Verfahren gegen beit Leutnant Prinzen Arenderg wegen der bekannten Affaire in Südwestafrika abgeschloffen sei, ist verfrüht, jedoch ist der Abschluß binnen Kurzem zu erwarten. Das Urtheil dürfte alsbald, nachdem es die kaiserliche Bestätigung erhalten hat, veröffentlicht werden. — Professor Rudolf Virchow feiert morgen mit seiner Gemahlin die goldene Hochzeit. Er wird den Ge­denktag in W i l h e l m s h ö h e bei seiner Gattin zubringen, die dort zur Erholung bei ihrem dritten Sohne weilt. — Der Gesandte der Republik Haiti am hiesigen Hofe Dalbömar JeanJoseph ist nachBerlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen. — Wie aus Hamburg gemeldet wird, hat die englisch« Regierung der Wagner'schen Rhederei in Altona Schadenersatz-Ansprüche in Höhe von 60,020 Mk. für die in der Delagoa-Bai unberechtigt erfolgte Beschlag­nahme des Schiffes Hans Wagner, welches bekanntlich Kriegs-Kontrebande für die Buren an Bord haben sollte, zuerkannt. In Folge der Vermittelung des Auswärtigen Amtes gelangt die geforderte Entschädigung jetzt zur Auszahlung. — Der Finanzminister hat die Regierungs­präsidien durch Runderlaß angewiesen, dafür zu sorgen, daß die Rückerstattung von Einkommensteuer- und Ergänzungssteuer-Beträgen an solche Steuerpflichtige, welche im Rechtsmittelverfahren eine Steuerermäßigung oder aus sonstigem Grunde einen Steuererstattungs­anspruch erlangt haben, ungesäumt erfolge. — Die Auflösung der sogenannten „Jägerbrigade" in Kolmar im Elsaß ist zum 1. April 1901 festgesetzt. Die 4 Jägerbatatllone, da? Magdeburgische, Rheinische, Hannoversche und Mecklenburgische, kehren nicht wieder, wie vielfach gehofft, in die Heimath zurück, sondern bleiben zu je zweien im Verbände des 14. und 15. Armee-Korps.

Ahrendt, Ihr habt hier zu befehlen. Wir sind freilich als Freunde hierher gekommen und wir glaubten als Freunde empfangen zu werden, denn die Zeit heilt ja manche Wunde und die Wunde, die einst die Entfernung Eures Sohnes Eurem Stolze geschlagen hat, sie sollte längst geheilt und vernarbt sein. Aber es scheint, Christian Ahrendt, daß Ihr eine schlecht Heilhaut habt und nicht vergessen und vergeben könnt ... na, das ist nun Eure Sache. . . aber wir, Christian Ahrendt, wir drängen uns nicht auf, und da Ihr die Hand meiner Tochter zurückgewiesen habt, so ist das für uns genug, das heißt, wir wiffen jetzt, was wir zu thun haben. Lebt wohl, Christian Ahrendt, wenn Euer Karl zurückkommt, so grüßt ihn von uns — er brauchte sich nicht mehr nach dem Fährhause von Nienhagen zu bemühen. — Komm, Gesine..."

„Schwerebrett — seid Ihr denn Alle verrückt geworden!" kreischte der Schullehrer.

„Still," unterbrach ihn Christian Ahrendt. „Ich hab' hier auch noch ein Wort zu sagen. Euch, Hans Heinrich Allerkamp, steht Euer Stolz wahrhaftig gut," fuhr er mit spöttischem Lachen fort. „Ihr kommt als Landstreicher in mein Haus . . ."

„Aha, Christian Ahrendt . ." lachte Berendt Prigge.

„Laß ihn ausreden, Prigge," begütigte ihn Hans Heinrich. „Mich soll's wundern, was er zu sagen hat. Also, Christian Ahrendt, wir kommen als Landstreicher in Euer Haus und — und . . . ich bitt’ Euch, fahrt fort."

Die Flamme des Jähzornes schlug dem alten Bauern in die Stirne. „Ja", rief er, „als Land­streicher kommt Ihr aus dem Lande der Zigeuner