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SÄfTiÄT-’U'"1 mit Zlnlerhattungs-Beilage „Issullrirte Sonntags-Zeitung"
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192.
JuLöa, Donnerstag, den 23. August 1900.
27. Jahrgang.
£ Die Kohlennoth.
Als vor einem halben Jahre und länger sachkundige Männer in den Parlamenten und in der Presse auf die Wahrscheinlichkeit hinwiesen, daß in nicht allzu langer Zeit eine Roth an Kohlen und gleichzeitig eine sehr starke Preisesteigerung derselben eintreten würde, hatten die Minister im Reichstage und im preußischen Landtage als Antwort darauf nicht vielmehr als einige kurze Bemerkungen, die sogar nicht ganz frei von Spötterei waren, gerade so, als verständen die Herren vom grünen Tische alles, alle anderen Leute aber nichts von der Sache. Und wirklich ist es der Reichsregierung bis zum heutigen Tage nicht einmal eingefallen, die Vergünstigungstarife für die Ausfuhr von deutschen Kohlen nach dem Auslande aufzuheben. Die Kohlennoth aber ist da und klopft drohend beim Herannahen des Winters an die Thür des armen Mannes; und schon jetzt lasten sich die Kohlenhändler Preise bezahlen, die um ein Fünftel bis ein Viertel höher sind als die Preise vergangenen Winters. In Berlin und Umgegend zahlt man jetzt beispielsweise für tausend Briketts, die vor einem halben Jahre neun Mark kosteten, bereits elf Mark. Die Preise für die Steinkohlen sind in entsprechender Weise gestiegen, und schon beschloß eine am letzten Dienstag in Köln abgehaltene Versammlung von Kohlenhändlern, vom 1. September ab die Brikettpreise noch weiter zu erhöhen. Vermuthlich wird das Kölner Beispiel bald von den Kohlenhändlern anderer Gegenden nachgeahmt werden, und es ist im Augenblicke schwer abzusehen, wie die Sache enden wird.
Was verdienen die Händler an den Kohlen? Die Verdienste sind zum Theil geradezu ungeheuer, wie man aus einzelnen Beispielen ersehen kann. So berechnete im Juli die Königsgrube in Oberschlesien den Centner Stückkohlen dem Händler mit 53,8 Pfennigen; der Händler aber verkaufte dieselben Kohlen mit 80 Pfennigen. Die Kleinkohlen bezahlte der Händler bei derselben Grube zu derselben Zeit mit 37,B Pfennigen und verkaufte sie mit 65 Pfennigen — ein ganz unver- hältnißmäßig hoher Verdienst im Vergleiche zu der geringen Mühe, die der Händler hat, und zu der Thatsache, daß gerade der Kohlenhändler in seinem Geschäfte nicht eine Spur von Wagniß hat. Irgend welches Verderben der Waare ist ausgeschlossen, ein Liegenbleiben derselben ebenfalls. Und dabei wird gleichzeitig über ganz frivole Treibereien der Kohlenhändler berichtet, die diese in manchen Bezirken beginnen, um Vorwände zu gewinnen für noch weitere Preiserhöhungen. So wird z. B. aus den westlichen Stadt- theilen und Vororten von Berlin berichtet, daß die Händler mit Brennmaterialien ihre Arbeiter geradezu anstiften dazu, Lohnerhöhungen zu verlangen und Streik anzufangen, nur um weitere Vorwände dafür zu gewinnen, die Preise desto stärker in die Höhe zu schrauben.
Nach außen hin berufen sich die Händler, wie in Köln, auf die Weigerung der Kohlen-Syndi- kate, die erforderlichen Kohlenmengen zu liefern, oder wie in Berlin, auf die erhöhten Kohlenpreise bei den schlesischen Gruben. Die Syndikate aber
Sie Tochter des Khmoms.
Roman von O. Elster.
40 ------ (Nachdruck verboten.)
Jetzt näherte man sich einem kleinen Dorfe. Vorsichtig hielt Hans Heinrich an und Gesine mit Johannes Stöckel, der ebenfalls der spanischen Sprache etwas mächtig war, begaben sich in das Dorf, um die Stimmung der Einwohner zu erkunden. Aber schon nach kurzer Zeit erschienen sie am Eingänge des Dorfes wieder, begleitet von den Einwohnern, welche die Flüchtlinge mit dem lauten Ruf: Vivan les ingleses! (Es leben die Engländer!) begrüßten. Wie im Triumph wurden sie in das Dorf geführt und reichlich bewirthet. Dann spannte man zwei frische Maulthiere vor den Wagen und fort ging es in raschem Trabe den englischen Vorposten entgegen, die man gegen Abend erreichte.
Gesine und der alte Hans Heinrich wurden wie Helden gefeiert und mit Bitten bestürmt, doch bei der Armee zu bleiben. Aber Hans Heinrich schüttelte den grauen Kopf. „Es ist Zeit, daß wir heimkehren, auch in Deutschland beginnt eS zu tagen und möchte ich doch gerne dabei sein," sagte er mit breitem Lachen. „Morgen früh fahren wir, Kinder. Soll ich die Heimath grüßen?"
„Ja, ja, Hans Heinrich, grüßt die Weser!— grüßt unsere Heimathberge! Wir kommen bald nach — und dann wollen wir die Franzosen aus dem Lande treiben!" —
Karl saß in einen Mantel gehüllt an einem Biwakfeuer und blickte mit traurigen Sinnen in
und die Gruben lehnen ihrerseits wiederum die Verantwortung ab und suchen die Schuld an der übermäßigen Vertheuerung auf die Händler abzuwälzen — in solchen Dingen will eS gewöhnlich „Keiner gewesen sein".
Hier sollte nun unbedingt zunächst bet Staat eingreifen. Der Staat sollte dafür sorgen durch eine geeignete Geschäftsführung bei den fiskalischen Bergwerken, daß die Kohle zu geeignetem Preise möglichst unmittelbar an die Verbraucher abgegeben, der vertheuernde Zwischenhändler nach Möglichkeit umgangen werde. Die Staatsbehörden sollten ferner ihren ganzen Einfluß aufbieten, um die Kohlensyndikate zu ähnlichem Vorgehen zu veranlaffen. Die Regierungen sollten endlich ein Ende machen mit den Frachtermäßigungen für die Ausfuhr deutscher Kohlen nach dem Auslande. Es kommt hinzu, daß der Staat selbst durch seinen Riesenverbrauch an Kohle für die China-Schiffe zur Verringerung der Kohlenmenge und damit gleichzeitig zur Vertheuerung der Kohlen beiträgt; es erwächst ihm somit eine doppelte Pflicht, alles aufzubieten, um die Lage für die Verbraucher der Kohlen so wenig ungünstig wie möglich zu gestalten.
Aber auch die Verbraucher selbst können manches thun, um die Vertheuerungsmanöoer des Zwischenhandels lahm zu legen. Zunächst können sich mehrere Familien zusammenthun und ihren Winterbedarf mit Umgehung des Händlers gemeinschaftlich in ganzen Wagenladungen von der Quelle beziehen. Auch gemeinsames Auftreten ganzer Verbrauchergruppen gegen die Händler und deren übertriebene Gewinnsucht wird in den allermeisten Fällen nicht ohne Eindruck bei den Händlern bleiben. Außerdem aber möge man sich daran erinnern, daß es noch anderes Brennmaterial als Kohle gibt: das Holz. Brennholz ist gegenwärtig verhältniß- mäßig billig, und in vielen Gegenden wird man deswegen jetzt die Oefen vortheilhafter mit Holz, als mit Kohle Heizen können. Die Staatsforsten wiederum sollten gerade jetzt so viel Holz wie nur irgend möglich schlagen laffen und in den Handel bringen, um auch aus diese Weise beizutragen zur Linderung der herrschenden Kohlennoth.
Während des letzten Winters mußte man aus dem Munde von ortskundigen und durchaus zuverlässigen Männern im Reichstage vernehmen, daß es kleinen Leuten mitten im Revier der Ruhrkohle zeitweise nicht möglich gewesen sei, die allernothwendigste Kohle für die Erwärmung ihrer Wohnungen aufzutreiben. Solche Zustände sollten bei uns auf keinen Fall wiederkehren. Denn sie sind ein überraschend scharfes Armuths- zeugniß für unsere wirthschaftlichen Verhältniffe und für die Schlaffheit und Lauheit unserer Staatsbehörden in Dingen, die zu den allerersten LebenSbedürfniffen aller Staatsangehörigen und Steuerzahler gehören.
Deutsches Keich.
Berlin, den 22. August.
h Das einfache Ariefgewicht soll von jetzt ab auch im Verkehr mit der Schweiz von 15
die Flamme. Neben chm stand Gesine und sprach leise auf ihn ein.
„Laßt mich fortziehen, Karl," sagte sie mit halb erstickter Stimme. „Wir haben beide noch unsere Lebensaufgabe zu erfüllen..."
„Weshalb uns trennen, nachdem wir uns kaum wiedergefunden?" fragte er traurig. „Ich war in einem unheilvollen Wahn befangen, Du hast mich daraus gerettet, wie Du mich dem Tode, der chmachvollen Gefangenschaft entrissen hast. Dir >anke ich alles — mein Leben, meine Ehre, mein besseres Selbst — weshalb willst Du Dich jetzt wieder von mir scheiden?"
„Ich scheibe mich nicht von Dir, Karl. Auf ewig sind wir jetzt verbunden — ich werde Dein n der Heimath."
„Und wenn mich des Feindes Blei zum andern Male trifft — zum Tode trifft?"
„Dann müßten wir auch hier scheiden, Karl — aber der Himmel wird barmherzig sein und Dich zurückführen. Lebe wohl, Karl — laß uns cheiden wie zwei treue Kameraden — gib mir Deine Hand."
Sie hielt seine Hand fest in der ihrigen.
„Auf Wiedersehen, Karl
„Ich weiß. Du mißtrauest mir noch immer." „Nein, Karl — ich mißtraue Dir nicht mehr. Du wirst treu sein, wie ich Dir treu sein werde . . . und zum Zeichen, daß ich in Treue Deiner Jatren werde, soll jede Nacht ein Lämpchen in lern Fenster meines Kämmerchens brennen — Du kennst es ja, das kleine Fenster nach dem Garten und der Weser hinaus."
„Ja, ich kenne es. .
„So lebe wohl, Karl. . ."
auf 20 Gramm erhöht werden. In diesem Sinne hat am letzten Dienstag die in Bregenz tagende internationale Postkonferenz neue Postverträge zwischen Deutschland (einschließlich Bayern und Württemberg) Oesterreich-Ungarn und der Schweiz abgeschloffen. Von Wichtigkeit ist ferner der Beschluß, daß den Zeitungen gestattet werden soll, auch fremde Beilagen beizufügen. Es ist red):: sehr zu wünschen, daß dem Abkommen über das erhöhte Briefgewicht auch bald die übrigen Länder des Weltpostvereins beitreten.
X Sozialdemokratie «ad Laudtags- wahke« — dieses nicht mehr neue, aber nichts weniger als erledigte Thema wird auch die nächste allgemeine sozialdemokratische Parteiversammlung in Mainz beschäftigen. Die sozialdemokratische Parteikonferenz des märkischen Wahlkreises Teltow-BeeSkow-Charlottenburg hat nämlich mit 31 gegen ‘28 Stimmen beschlossen, beim Parteitage in Mainz den Antrag zu stellen, daß „der bisherigen Unklarheit in der Frage unserer (eben der sozialdemokratischen) Taktik bei den Landtagswahlen in Preußen ein Ende gemacht werde durch den Beschluß allgemeiner und selbständiger Betheiligung der sozialdemokratischen Partei bei den nächsten preußischen Landtagswahlen". Die geringe Mehrheit, mit der dieser Beschluß gefaßt worden ist, beweist deutlich genug, daß in der Parteikonferenz selbst starke Meinungsverschiedenheiten über besagtes Thema vorhanden waren. In der nächsten Nachbarschaft, nämlich in Berlin, waren bisher die Herren „Genossen" größtentheils ausgesprochene Gegner der Betheili- gung an den Landtagswahlen; und da auch die sächsische Sozialdemokratie für ihr Land vollkommen gespalten ist in der Beurtheilung dieser Frage, kann es auch diesmal wieder recht lebhaft werden bei der Besprechung des Antrages von Teltow- Beeskow-Charlottenburg. Den Antrag einfach unter den Tisch fallen zu (affen, wird die Leitung des Mainzer Parteitages ja doch nicht wagen!
x Schutzmaßregeku gegen Seucheueiu fchkeppuvg sind gegenwärtig sehr nothwendig. Die Pestseuche, mit der Portugal im vorigen Jahre durch Einschleppung aus Asten heimgesucht wurde, muß allen Ländern in diesem Sinne eine sehr dringliche Warnung sein. Deswegen erfordert auch der in Hamburg vorgekommene Pestfall die sorgfältigste Beachtung. Von einer Ansteckungsgefahr ist nicht mehr die Rede. Aber erstens war es eine dringende Pflicht für die Be- Hörden, Zuverläsfiges festzustellen über die Herkunft dieses Falles; und zweitens mahnt dieser letztere von neuem zu sorgfältigster hygienischer Ueberwachung unserer Häfen. Da ist nun fest- gestellt worden, daß die Ansteckung in dem englischen Seehafen Cardiff erfolgt ist. Dort wurde die Pest aus Indien oder Portugal auf dem Seewege eingeschleppt, sodaß die genannte englische Hafenstadt zur Zeit einen ausgesprochenen Seuchenheerd bildet. Die englischen Blätter haben sich merkwürdig still darüber verhalten. Erst durch die entsprechenden Untersuchungen der deutschen Behörden ist diese Thatsache festgestellt und nunmehr zur öffentlichen Kenntniß gebracht worden. Und gerade unter solchen Verhältnissen wird die allerpeinlichste hygienische Ueberwachung unserer deutschen Häfen doppelt nothwenvig; denn
Sie neigte sich zu ihm und ihre Lippen berührten im innigen Kusse seinen Mund. Dann eilte sie fort und verschwand im Dunkel des Abends.
Karl sank auf seinen Platz zurück und verhüllte das Antlitz in die Hände. Die Flammen knisterten leise, aus der Ferne klang das „Halt! Wer da?" der Posten und das Schnauben und Stampfen der Pferde. Ueber dem einsam Träumen- )en aber glänzten die ewigen Sterne des. Himmels.
III. Theil.
20. R apiteL
In feierlicher Stille lag der Ahrendtshof da. Jahre waren über dem graugrünen alten Strohdach und den gekreuzten Pferdeköpfen am Giebel des Hauses dahingegangen, aber sie hatten kaum eine Veränderung hier, wo alles in dem altgewohnten Geleise dahinging, hervorgebracht. Das Moos auf dem Strohdach war etwas dunkler geworden und hatte üppiger gewuchert; die Pferdeköpfe waren schwärzer geworden — dem einen hatte der Sturm ein Ohr abgeschlagen — )ie Bäume im Obstgarten streckten ihre Aeste ireiter au8, die Weidenhecken ragten höher und »ichter empor und die alten Ulmen rings um das Gehöft rauschten in etwas tieferen und volleren Akkorden — sonst alles wie früher. Die Pferde und Kühe im Stall, die Hühner, Enten und Gänse im Hof, der Hofhund an der Kette, der alte Christian Ahrendt auf der schattigen Streu- >ank vor der Hausthür und der lange Benjamin Stöckel, der vor dem Bauern stand und eifrig auf ihn einredete.
wenn in anderen Ländern noch immer nach dem unglückseligen Vertuschungssystem verfahren wird, müffen wir doppelt und dreifach aufmerksam sein, um uns unserer Haut zu wehren gegen die Einschleppung von Seuchen auf dem Seewege. In dieser Erkenntniß hat nunmehr die preußische Regierung eine Kommission von Sachverständigen damit beauftragt, die Hafenstädte der Nordsee und Ostsee zu bereifen und nach den gemachten Beobachtungen geeignete Vorschläge zu machen zur Einrichtung eines zuverlässigen gesundheitspolizeilichen Sicherheitsdienstes. Als erste Maßregel in diesem Sinne ist die Ernennung eines Hafenarztes und eines Assistenten desselben für den neben Hamburg besonders gefährdeten Hafen- von Stettin zu verzeichnen.
+ Zur Bekämpfung bet Schwindsucht, dieser weitverbreiteten heimtückischen Krankheit, welcher jeder dritte, im Alter von 15—60 Jahren sterbende Mensch erliegt, und welche in Deutschland jährlich über 100000 Opfer fordert, hat das Reichs-Gesundheitsamt ein Tuberkulose-Merkblatt herausgegeben (Verlag von I. Springer, Berlin N.; Preis 5 Pfg., 100 Exemplare 3 Mk., 1000 25 Mk.). Dieses sehr gründlich abgefaßte Merkblatt ist dankbar zu begrüßen; denn es ist kein Zweifel, daß die in den weitesten Kreisen herrschende Unkeuntniß über die Art der Verbreitung der Tuberkulose (im Volksmund „Schwindsucht" genannt) und Über die Schutzmaßregeln gegen dieselbe das immer weitere Umsichgreifen der Krankheit zum großen Theil mitverschuldet. Diese verderbliche Unkeuntniß will das Tuberkulose-Merkblatt beseitigen helfen, indem es in gemeinverständlicher Weise die Fragen beantwortet: Was ist Tuberkulose? Wie erfolgt die Ansteckung? Wie schützt man sich vor Tuberkulose? In der Beantwortung der letzteren Frage werden zuerst Maßregeln gegen die Verbreitung der sogenannten Tuberkelbazillen, der Erreger der Krankheit, sodann solche zur Kräftigung des Körpers angegeben. „Niemals wird es gelingen, heißt es da, alle Tuberkelbazillen abzntödten; deshalb ist es unerläßlich, den Körper so zu kräftigen und abzuhärten, daß der eindringende Reim ihn nicht krank machen kann." Zum Schluß werden Rathschläge für besonders gefährdete und für erkrankte Personen gegeben. Angesichts all dieser Rathschläge wird mancher zwar denken, das fei alles viel leichter gesagt wie ausgeführt. Und gewiß hängt die große Verbreitung der Tuberkulose insbesondere in den unteren Volksschichten vielfach mit ungünstigen wirthschaftlichen und sozialen Zuständen, schlechten Arbeits- und Wohnungs- verhältniffen zc. zusammen. Da ist denn an gründliche Befferung der gesundheitlichen Zustände nicht zu denken, wenn nicht durch Gesetzgebung, Verwaltung und genoffenschastliche Selbsthilfe die Reform der sozialen Selbsthilfe energisch gefördert wird. Immerhin haben aber auch die an den einzelnen gerichteten und namentlich für den Familienvater beachtenswerthen Rathschläge des Tuberkulose-Merkblattes einen hohen Werth, indem sie nicht nur vieles enthalten, zu deffen Befolgung Jedermann sofort in der Sage ist, sondern nebenbei auch nachdrücklich auf den Weg
Ungläubig schüttelte der alte Bauer, dessen dichtes Haupthaar um eine Schattirung weißer geworden war, das Haupt.
„Ich kann es nicht glauben, Kantor, daß sie zurückkehren, die vor fünf Jahren bei Nacht und Nebel hier durchmarschirten und sich in Elsfleth einschifften — wer weiß wohin?" brummte Christian Ahrendt und sog heftig an seiner kurzen Pfeife. „Dann tarne ja auch mein Sohn wieder mit zurück, von dem ich feit Jahren nichts gehört habe."
„Euer Sohn wird gewiß mit in das Vaterland zurückkehren," versetzte Benjamin Stöckel, „ebenso wie mein Schlingel von Sohn, der sich wohl jetzt die Hörner abgelaufen haben wird. Ja, ja, Christian Ahrendt, es ist eine merkwürdige Zeit. Da hinten in Spanien haben sie ür Deutschlands Freiheit ebenso gut gekämpft nie auf den Schneefeldern von Rußland und auf )er blutgedüngten Wahlstatt von Leipzig. Und etzt, wo der Bonaparte auf Elba sitzt, da kehren te alle heim — die Freiheitskämpfer ans Spanien, ans Rußland und ans Deutschland — und eine neue Zeit bricht herein, Christian Ahrendt — eine Zeit der Freiheit, wo die Fürsten hren Völkern, die ihr Blut für sie vergoffen )aben, die Dankesschuld ab tragen werden."
Der hagere Benjamin Stöckel richtete sich traff auf und hob den langen Spazierstock empor, als hätte er eine Fahne und schwenkte ihn über >em Haupte hin und her. Der Herbstwind blähte die Schöße seines langen Rockes auf, daß sie fleich Flügeln emporflatterten, und die Sonne »litzte in den Gläsern der großen Brille, daß sie wie zwei ungeheure Eulenaugen leuchteten und glühten.