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Julöa, Mittwoch, den 22. August 1900.

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27. Jahrgang.

lefmtft: fließ. Garmond« teile ober deren Rauml5Pfg.,Re« kamen die Peti^ teile 26 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend, Rabatt gewährt.

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G Ein neuer Skandal im österreichischen Heere.

Man erinnert sich noch mit unliebsamer Deutlichkeit an die Entfernung des Leutnant Marchese Tacoli aus dem österreichischen Heere. Marchese Tacoli hatte es abgelehnt, sich mit einem Kameraden zu duelliren, unter Hin­weis auf die Gebote der Kirche, die dem Zwei­kampfe entgegenstehen. Er hatte höchst ehrenhaft dabei gehandelt: er hatte jenen Kameraden, mit dem er den Zweikampf ausfechten sollte, ge« tadelt wegen gewisser Aeußerungen gegen ein Mitglied des kaiserlichen Hauses und war dann von demselben anderen Offizier in gröblichster Weise durch Worte beschimpft worden. Zwei andere Offiziere, die Marchese Tacoli als Vermittler anrief, machten ohne weiteres, ohne Ermächtigung dazu, harte Zwei­kampfsbedingungen aus und denunzirten nachher den Marchese Tacoli wegen „Feigheit", weil er das Duell verweigerte. Das Ende der Sache war, daß Marchese Tacoli auf Veranlaffung seines Regimentskommandeurs wegen „Feigheit" seiner Offiziercharge verlustig erklärt wurde. Marchese Tacoli wurde mit Schimpf und Schande aus dem Heere des katholischen Oesterreich ausgestoßen, weil er nicht den strengen Geboten der katholischen Kirche, nicht den bürger­lichen Gesetzen zuwider handeln wollte.

Aber damit hat sich der moderne Moloch der sogenannten militärischen Standesehre noch nicht zufrieden gegeben. Er hat noch ein anderes Opfer gefordert. Der Generalftabshauptmann Graf Ledochowsky hatte dem Marchese Tacoli von dem Zweikampfe abgerathen und wurde deswegen ebenfalls des Offizierranges verlustig erklärt. Das wurde bereits berichtet. Aber jetzt erfährt man erst, in welcher rücksichts­losen und brutalen Weise dieser zweite Beschluß ausgeführt worden ist: der ehemalige Hauptmann Graf Ledochowsky ist schuldig, noch drei Wochen beim Heere zu dienen und er wurde zum Zwecke der Ableistung dieser Dienstzeit als gemeiner Soldat bei einem Ulanen-Regimente eingereiht!

Dem Hauptmann gereicht diese Degradation in den Augen aller rechtlich und christlich denken­den Männer zur größten Ehre. Der ehe­malige Hauptmann ist es, der wahren Muth zeigt, indem er unter Beachtung höherer und größerer Gesichtspunkte barbarischen Vorurtheilen trotzt, die allen Bemühungen zum Trotze noch immer das österreichische Heer und leider auch noch andere Heere verunzieren, und sich das große Verdienst erwirbt, von neuem die Augen der gesitteten Welt auf diesen barbarischen lieber, rest zu lenken. Hoffentlich bleibt die erwünschte Folge nicht aus, daß alsbald auch mit diesem letzten Reste ein Ende gemacht werde. Der Zweikampf im Heere und die Bestimmungen darüber haben sich vollkommen überlebt. Die Unsitte schreit nach nothweadiger Reform. Hoffent­lich tritt der gesammte österreichische Epi­skopat einmüthig und mit wuchtigem Nach­drucke ein für die höhere Achtung der obersten Gebote der katholischen Kirche in Oesterreich, das man sonst so gern das katholische nennt!

Dir Tochter des Khmms.

Roman von O. Elster.

89 ------ (Nachdruck verboten.)

Eine stürmische, regnerische Nacht wurde zur Ausführung der Flucht ausersehen. Gesine hatte ein starkes Seil eingeschmuggelt, das in dem Strohlager Karls verborgen wurde. Sie wollte die Flüchtlinge auf der Straße erwarten, um ihnen durch den Schrei einer Eule, den sie trefflich nachzuahmen verstand, das Zeichen zu geben, daß der Wachtposten an der anderen Seite des Gebäudes patrouillirte. Diesen Zeit­punkt wollte man benutzen, um sich an dem Seil rasch auf die Straße niederzulaffen.

Christian Mumme hatte mehrere Eisenstücke kunstvoll durchfeilt. Et« Griff und die Stücke konnten zur Seite gebogen werden.

Die letzte Runde war vorüber. Die Lichter erloschen und tiefe Ruhe herrschte in dem Ge­bäude. Nur die Wetterfahne auf dem Dache drehte sich kreischend in dem stürmischen Winde und plätschernd rauschte der Regen nieder.

In athemloser Spannung warteten die Flücht­linge auf das verabredete Zeichen; Mumme bereits oben auf dem kleinen Fenstersims kauernd, jeden Moment bereit, die Eisenstäbe auseinander zu biegen und das Seil auf der Straße herab­fallen zu laffen, das er an dem Gitter befestigt hatte.

„Der Posten passirt unser Fenster", flüsterte Christian Mumme. „Er entfernt sich — jetzt ist er um die Ecke — da — hört Ihr den Ruf?"

Der unheimliche Ruf der Eule erklang ganz in der Nähe. Leise klirrten die Eisenstäbe, die

Deutsches Deich.

Berlin, den 21. August.

x Die Ileichsfinauzerr bilden fortgesetzt den Gegenstand begeisterter Loblieder der Offiziösen. „Der Ueberschuß — so schreibt von neuem ein Berliner Offiziosus, der den Winken des preußi­schen Finanzministeriums folgt — den das Finanz­jahr 1899 für die Reichskaffe ergeben hat, ist mit den rund 32^/z Millionen Mark der größte, der bisher erzielt worden ist. Die kurz vorange­gangenen Jahre hatten sich zwar dieser Summe genähert; so belief sich der Ueberschuß für 1898 auf 301/2 Millionen, für 1897/98 auf 25,4 Mill., für 1896/97 auf 28,5 Millionen. In der Weise jedoch, wie es für 1899 der Fall gewesen ist, hatten sich damals die einzelnen Einnahmen nicht gesteigert. In den vier noch weiter zurück liegen­den Jahren ist kaum die Hälfte der genannten Ueberschüsie erzielt worden . . ." Ohne Zweifel sind die neuerdings erzielten Ueberfchüffe recht an­genehm und erfreulich. Desto unerfreulicher ist die Thatsache, daß die Schulden des Reiches, wie männiglich bekannt, im umgekehrten Verhältnisse fortgesetzt sich vermehrt haben, wovon man freilich in den offiziösen Darlegungen niemals etwas zu lesen pflegt. Und wenn man weiter daran denkt, was der China-Feldzug kostet und daß die Reichs­regierung aller Voraussicht nach vom Reichstage weitere sehr große Summen fordern wird für er­neute Vermehrung der Kriegsflotte, für die Schaffung eines besonderen Kolonialheeres usw. usw, dann muß man auch diesen neuesten und an sich ja recht erfreulich bedeutenden Reichsüberfchuß leider recht gering anschlagen. Das Soll wird das Haben so reichlich überwiegen, daß man schließlich von dem Haben im Vergleiche zu dem Soll kaum noch etwas Wesentliches spüren wird. Wir haben also gar keinen Grund, mit einzustimmen in die offiziöse Finanzbegeisterung!

* Um dem Geschrei der Freisinnigen und Sozialdemokraten ein Ende zu machen, gibt es kein besseres Mittel als sachliche, ganz unpar­teiliche Untersuchungen unserer ka«d«»iLttz- schafMche« Wertzattuisse. Solche Erhebungen sind z. B. fettens des ostpreußischen landwirth- schaftlichen Centralvereins in Angriff genommen und auf Grund von Fragebogen bearbeitet wor­den. Die Unterfuchung erstreckte sich auf 112 ostpreußische Wirtschaften, deren Besitzer ein­gehende Mittheilungen betr. die Resultate ihrer Betriebe gemacht hatten. Wie der Centralverein mittheilt, schwankte die Größe der Wirthschaften zwischen 26 und 1875 Hektar. Das Endresultat dieser Untersuchungen ergab, daß nur ein relativ kleiner Theil der Wirthschaften eine nennenswerthe Grundrente geliefert hatte. Etwa die Hälfte der Wirthschaften hatten nicht allem keine Grund­rente abgeworfen, sondern ihr Wirthschafts-Rein- ertrag hatte nicht hin gereicht, um das Ge­bäude- und Betriebs-Kapital zu verzinsen. Diese Angaben, welche auf genauester Untersuchung be­ruhen, sprechen eine laute, deutliche Sprache von der Nothlage deutscher Landwirthschaft.

X Ei« Schrchzvk für gärluerische Kr- ze«s«iffe roirb von den deutschen HandelS- gärtnern verlangt. In diesem Sinne hat auch die Hauptversammlung des Verbandes der

Christian Mumme mit starker Hand bei Seite bog, das Seil rollte herab — einen Augenblick noch und Christian verschwand in der dunklen Oeffnung und glitt an dem Seil auf die Straße nieder.

Als zweiter folgte Karl. Er war noch schwach, nur mit dem Aufgebot aller Kräfte und feiner ganzen Energie vermochte er sich am Seil festzu­halten — aufathmend stand er auf dem Pflaster und wäre zu Boden gesunken, wenn Gesine ihn nicht mit starker Hand gehalten hätte.

Dankbar drückte Karl ihr die Hand. Das Mädchen trug Die Kleidung eines spanischen Bauernmädchens und reichte Karl einen dunklen Mantel, in den er sich fröstelnd einhüllte.

Johannes Stöckel und die beiden Legions- soldaten glitten jetzt an dem Seil herunter. Ohne alles Geräusch war es jedoch nicht abgegangen. Der Posten war aufmerksam geworden, er eilte herbei und rief ein lautes „Wer da?" — In demselben Augenblick traf ihn aber auch ein Faust­schlag Christian Mumme's, daß er besinnungslos niederstürzte. Sein Gewehr klirrte bei dem Fall laut auf dem Pflaster.

„Rasch in das gegenüberliegende Haus", flüsterte Gesine.

„Dort wird man uns leicht finden —" meinte Johannes Stöckel.

„Rein, nein — das Haus besitzt einen zweiten Aus­gang nach einer anderen Straße! Folgt mir nur!"

Sie eilte voraus und die Flüchtlinge folgten. Aber in der Hast und der Dunkelheit verfehlten die beiden Legionssoldaten den richtigen Weg. Sie eilten die Straße hinab und verschwanden in dem Gewirr der Gaffe.

Handelsgärtner Deutschlands, die vor einigen Tagen in Leipzig stattfand, mit großer Mehrheit beschlossen. Gegen dieses Verlangen an sich läßt sich kaum etwas einwenden. Wo alle nationale Arbeit des Zollschutzes gegen auswärtige Erzeugniffe sich erfreut, hat auch der Gärtner das Recht auf einen solchen Zollschutz für seine Erzeugnisse; und der Allgemeinheit des Volkes kann es beispielsweise gleichgiltig fein, ob ein Mitglied der wohlhabenden Gesellschaft in größeren Städten für eine Rose int Januar fünfzig oder achtzig Pfennige bezahlt. Wer mitten int Winter Rosen verschenken oder Erdbeeren effen will, mag diesen Willen auch entsprechend bezahlen. Der einheimische Gärtner sollte auf keinen Fall darunter leiden, daß solche Luxuswünsche durch allerhand Einfuhr aus dem Auslande recht billig dadurch befriedigt werden können, daß diese Einfuhr vollkommen von jeglichem Zoll befreit ist. In diesem Sinne also ist das Verlangen, Schutzzölle auch für gärtnerifche Erzeugniffe ein­zuführen, durchaus berechtigt. Aber ein Punkt darf dabei nicht überfehen werden: es bestehen Tausende von Blumengeschäften bei uns in Deutschland, die durch allzu hohe Einfuhrzölle für frische Blumen schwer geschädigt werden würden, nämlich dann, wenn diese Einfuhrzölle die ausländische Winterblumenwaare so sehr versteuern würden, daß nur noch sehr wenige Leute solche Waare kaufen könnten. Dann würde dem ganzen Blumenhandel die Lebensader unterbunden werden; sehr viele reelle Existenzen würden schweren Schaden erleiden und möglicherweift mit dem Ruin bedroht sein, und so weit dürfte man gerechterweise in der Höhe der Einfuhrzölle für frische Blumen niemals gehen. Die genannte Versammlung in Leipzig schlägt einen Einfuhrzoll von dreihundert Mark für den Doppelzentner frischer Blumen vor; es wird sehr genau zu prüfen fein, ob dieser Satz nicht hinausgeht über das zulässige Maß, mit dem b-r Gärtner geschützt werden soll, ohne daß fihr vielen reellen Blumen­geschäften ungebührt.cher Schaden daraus erwachse. Sehr verständig ist der Vorschlag der genannten Leipziger Versammlung, für Gemüse und Kartoffeln Einfuhrzölle nur während be­stimmter Jahreszeiten zu erheben: für Kartoffeln einen Zoll von 12 Mark für den Doppelzentner nur vom 15. Februar bis zum 31. Juli, in der andern Zeit des Jahres aber die Kartoffeln von jedem Einfuhrzölle frei zu lassen; für feines Gemüse einen Zoll von 50 Mark vom 1. Dezember bis zum 30. Juni, sonst nur einen Zoll von 5 Mark. Man schützt damit tatsächlich die ein­heimische Erzeugung und besteuert damit nur die Bedürfnisse des wohlhabenden Theils der Be­völkerung. Die Bedürfnisse der weniger be­mittelten Volksschichten würden durch die Er­hebung solcher Zölle nicht getroffen werden.

+ ZLiLdRUgssürsorge rmd kändkiHe Wohlfahrt stehen in engerem Zusammenhang, als mancher glauben möchte. Die Landwirthe wollen sich vielfach nicht davon überzeugen laffen, daß für sie selbst und ihre Kinder, aber auch für ihre Arbeiter eine gute Bildung in allgemeinen UNS landwirthschaftlichen Kenntnissen von großem wirthschaftlichem Vortheil ist. Die Beispiele

Karl, Johannes Stöckel und Christian Mumme folgten der kühnen Führerin. Glücklich erreichten sie die andere Straße, eine kleine finstere Gaffe, welche sie bald an die Stadtmauer brachte, die hier durch die mehrfachen Beschießungen demolirt war, so daß sie leicht überstiegen werden konnte.

Rasch durcheilte man den breiten Graben, kletterte an der anderen Seite empor und befand sich zwischen Hecken und niedrigen Zäunen, welche die Gärten der Vorstadt einfriedigten.

Aufathmend von dem hastigen Lauf stand man still. Da ertönte wüthendes Hundegebell und einige große, zottige Hunde sprangen auf die Flüchtlinge zu. „Haltet die Diebe!" riefen einige Männer­stimmen in spanischer Sprache und die Gestalten der Männer tauchten aus dem Dunkel auf, indem sie drohend ihre Knüttel schwangen.

Gesine ging ihnen entgegen.

„Wir sind keine Diebe, gute Leute," sagte sie. „Rust dir Hunde zurück!"

„Wer seid Ihr — was wollt Ihr?" tönte es zurück.

„Wir sind englische Soldaten, die eben aus der Gefangenschaft entflohen sind."

Engländer? — Halloh, das ist etwas anderes! Dann mögt Ihr frei davonlaufen. „Juan,"rief dann dieselbe Stimme, „rufe die Hunde zurück, sie machen ja einen Höllenlärm und allarmiren noch die Wache."

Es waren einige Gärtner, auf die man gestoßen war, und die fürchteten, ihre Gärten sollten ge­plündert werden. Jetzt zeigten sie sich von großer Freundlichkeit, führten die Flüchtlinge in ihre versteckt liegenden Hütten, bewirtheten sie mit Wein und Früchten, und wiesen ihnen den nächsten

für das Gegentheil kann man alltäglich erleben; nnd größtenteils ist es die Folge mangelhaftere Bildung, wenn sich in ländlichen Gemeinden Ge­ringschätzung und Widerstand gegen Verbesse­rungen des landwirthschaftlichen Betriebes, gegen moderne Einrichtungen rc. geltend macht. Hat da z. B. in einem "Dorfe die Gemeindebehörde nach Ueberwindung vielen Widerspruchs eine Viehwaage ausgestellt, deren Benutzung gegen Zahlung von 30 Pfg. für Kleinvieh, 40 Pfg. für Großvieh Jedermann zugängig ist. Trotzdem wird dieselbe bei Viehverkäufen wenig benutzt. „Das fei ja doch Unsinn", behaupten die meisten steif und fest; „das Gewicht kann man ohnehin sicher genug ab schätzen." Wer sich bei dem „Absätzen" manchmal ins Fäustchen lacht, sind natürlich die Viehhändler. In einem Falle ist denn auch thatsächlich festgestellt worden, daß ein sonst recht sparsamer Landwirth um 40 Mk. zu niedrig verkauft hatte, weil ihm die Benutzung der Viehwaage nicht der Mühe werth ober „moderner Unsinn" gewesen war. In demselben Orte läßt man fast allgemein die Jauche ein­fach über die Straße fließen, anstatt sie zum Düngen zu verwerthen. Alle Vorstellungen fruch­teten bisher nichts. So und ähnlich geht es heute noch in vielen ländlichen Gemeinden zu, und der Grund liegt zweifellos zu einem ganz erheblichen Theile in der Vernachlässigung der Bildungs-Für­sorge. Ein durchaus verfehlter Standpunkt ist es, zu sagen: „Ach, Bildung — das ist nichts für uns, studirte Leute brauchen uns das Wirthschas- ten nicht zu lehren!" Auch ein tüchtiger Bauer, der in feinem Berufe etwas leisten und es zu etwas bringen will, muß mit der Zeit voran- schreiten und ihren Anforderungen Rechnung tragen. Legi man aber keinen Werth auf gründliche Schul­bildung der Jugend, auf Fortführung dersel­ben in landwirthschaftlichen Fortbildungs­und Winterschulen und ähnlichen Veranstal­tungen (Vorträge von Wanderlehrern u. a.), bann ist es kein Wunder, wenn man hier und da in der landwirthschaftlichen Bevölkerung (wie auch in anderen Ständen, z. B. bei den Handwerkern und Arbeitern gegenüber genoffenschaftlicher Selbst­hilfe) die richtige Einsicht vermiffen muß, wo es sich um praktische Verbesserungen handelt. Den Schaden tragen dann die betreffendenLandwirthe selbst.

—* Zu den Nearrstatldrmgerr vo« 5 fetter- erkkärrmger» schreiben die ,Berl. Pol. Nachr/ offiziös: Aus der Thaisache, daß bei 28 Prozent der Steuerzahler des Königreichs Preußen durch das Berichtigungsverfahren ein Plus von steuer­pflichtigem Einkommen und bei 34 Prozent mehr Einkommensteuer ermittelt wurden, als in den Steuererklärungen angegeben war, dürfte in der That als ein Beweis für die Nothwendigkeit des Benchtigungsverfahrens gelten. In den zahl­reichsten Fällen handelt es sich dabei keineswegs um die Berichtigung wissentlich falscher Angaben, sondern lediglich um die Richtigstellung von Jrr- thümern, welche auf Mißverständniß der be­treffenden gesetzlichen Vorschriften beruhen. Be­dauerlicher Weise aber ist, wie die Zahl der Bestrafungen wegen Steuerhinterziehung und die Art der Straffälle zeigt, auch die Erziehung zur Steuerehrlichkeit gegenüber dem Staate noch

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Weg zu dem Walde, in dem, wie Gesine sagte, ihr Vater mit seinem Wagen harrte.

Nach einflündigem Marsch erreichte man den Wald, durch den sich die große Heerstraße zog.

Karl vermochte sich kaum noch aufrecht zu erhalten. Zum Tode erschöpft sank er auf dm Wagen des wackeren Hans Heinrich Allerkamp nieder; Gesine bettete fein Haupt in ihren Schooß und hüllte ihn sorglich in eine Decke ein. Rasch fliegen Johannes Stöckel und Christian Mumme auf. Ungeduldig scharrten die beiden jungen und muthigen Maulthiere mit den Hufen, hatten sie doch schon seit Sonnenuntergang in Wind und Regen gewartet. Hans Heinrich gab ihnen die Zügel, schnalzte mit der Zunge und dahin flogen die Thiere, daß der Wagen von einer Seite der Straße zur anderen geworfen wurde.

Es war eine tolle Fahrt durch dm finsteren Wald, durch Sturm und Regen. Aber galt es doch Freiheit und Leben! Ihre Flucht mußte ja jetzt schon entdeckt fein und wahrscheinlich waren Dragoner-Patrouillen nach allen Seiten zu ihrer Verfolgung ausgesandt.

Zuweilen war es den Flüchtlingen auch, als ob Hufschlag galoppirender Pferde in der Ferne ertönte, dann hieb Hans Heinrich auf die Maul­thiere ein, daß die Thiere wie rasend davon­stürmten.

Endlich lichtete stch der Wald. Der Morgen dämmerte. Sturm und Regen hatten nachgelaffen; ein leichter, durch die aufgehende Sonne durch­leuchteter Nebel lag Über der weiten Ebene, welche sich vor dm Flüchtlingen auSbreitete. Am Horizont erhob stch das Gelände wieder zu leichten Anhöhen.