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JuLöa, Dienstag, den 21. August 1900.

27. Jahrgang.

«r 'Was wird weiter in China?

Die Nachrichten aus China haben uns von einerNÜberraschung zur anderen geführt. Nur wenige Wochen sind vergangen seit der Zeit,' in der man aller Welt klar zu machen suchte, "es sei ganz unmöglich, mit den in China schon vorhandenen Streitkräften der Verbündeten beitrug gegen die Hauptstadt Peking zu wagen. Die Verstärkungen dieser Streitkräfte beginnen i Mr erst in China zu landen; auch die deutschen. »Meebataillone sind als erste deutsche Truppe an i&er Küste des Reiches der Mitte in diesen Tagen angekommen. Aber die Stadt Peking ist von den Truppen der verbündeten Mächte ein­genommen, die Gesandten und anderen Fremden in Peking find auS ihrer entsetzlichen Lage befreit worden, Wie tonnte das möglich gemacht werden?

-Des scheinbaren Näthsets Losung kann nur 'die sein, daß die Chinesen unter einem uns bisher vollkommen unbekannten Einflüsse ihre Hauptstadt im Stiche gelaffen haben, ohne einen ernstlichen Widerstand gegen die anrückenden fremden Truppen auch nur zu versuchen. Von dieser plötzlichen Sinnesänderung sind wohl auch die Befehlshaber der fremden Truppen unter­richtet gewesen; sonst hätten sie schwerlich diesen Zug mit allen seinen außerordentlichen Schwierigkeiten unternommen. Auf jeden Fall wäre es ihnen kaum möglich gewesen, gegen einen ernstlichen Widerstand der Chinesen die gut befestigte Hauptstadt Peking mit Erfolg anzugreifen.

Nichts konnte erfreulicher sein, als diese glück­liche Wendung der Dinge, das versteht sich von selbst und braucht nicht besonders betont zu wer­den. Aber die ganze Sache beweist von Neuem, wie vollkommen unberechenbar die Chinesen und ihre Handlungen sind. Es ist gerade, als Mitten die Chinesen eine ganz andere Art zu denken ,alS wir; und deswegen müssen alle chinestschen Dinge nach wie vor mit der allergrößten Behüt- tsamkeit angefaßt und behandelt werden. Die erste Bedingung aber wird die sein müsien, den Söhnen 'des himmlischen Reiches die Ueberzeugung beizu- ! bringen, daß die Mächte unerschütterlich fest aus ihren Standpunkten verharren, diese Standpunkte unterstützen durch eine ausreichende bewaff­nete Macht und sich durch keine Winkelzüge Wesiren lassen, welcher Art sie auch sein mögen.

Genau:dk"s? unö"^ndlich wie di» plötzlich« Preisgabe der Hauptstadt Peking ist die vorauf­gegangene Erfindung der schauerlichenNach- richt von der Niedermetzelung der fremden Ge­sandten, ihrer Frauen und Kinder und der übrigen fremden in Peking. Die Sensations-Presse in England und Amerika ist es gewesen, welche diese schauerliche Erfindung, vor der die gesammte Kulturwelt in Entsetzen erstarrte, bis in alle Möglichen scheußlichen Einzelheiten ausmalte. Aber die ursprüngliche Erfindung stammte von chohen chinestschen Beamten her; und längere -Zeit hindurch fiel es keinem der auswärtigen diplomatischen Vertreter Chinas ein, der schauer­lichen Lügennachricht zu widersprechen. Warum? Die Gründe dafür können nur darin gelegen haben, daß die Chinesen aus der Erfindung und Verbreitung der entsetzlichen Lüge fich Vortheile

Die Tochter des Khrmmr.

Roman von O. Elster.

88 ------ (Nachdruck verboten.)

„Nee, Karl, mein Junge, wir verlassen Euch Nicht. Wenn Ihr gesund seid, das heißt, wenn Ihr die Fahrt nach Lissabon vertragen könnt', dann machen wir die Reise gemeinsam. Meinen Wagen und mein Maulthier stelle ich so lange bei einem Gärtner in der Vorstadt ein — wir können ihn später wohl noch gebrauchen. Einen längeren Urlaub müßt Ihr doch wohl nehmen um Euch zu erholen."

„Ich fürchte, daß ich das thun muß. Meine Brust ist sehr angegriffen."

„Na, seht Ihr, dann schadet das ja weiter nicht. Aber wenn nur die infamigten Franzosen San Sebastian nicht wieder besetzen. . .*

„Dafür laßt Lord Wellington sorgen."

„Ja freilich — wenn Admiral Nelson noch 'lebte!"

Karl lachte. Dann erzählten fie fich von der gemeinsamen Heimath und waren glücklich in der Erinnerung und der ftohen Hoffnung auf die .Zukunft.

An demselben Tage noch marschirte die Armee Lord Wellingtons ab, um eine feste Stellung in der Nähe der Stadt einzunehmen. Alle Verwundeten blieben in San Sebastian, außerdem ein schwaches Detachement, das die Zerstörung der Festungswerke weiter bewerk­stelligen sollte.

Nach einigen Tagen jedoch griff Marschall Soult Wellington mit überlegenen Kräften [an

für sich selbst versprachen; und doch konnte die Lüge nur den einen Erfolg haben, daß die ge­sammte Kulturwelt von einer leidenschaftlichen Entrüstung entflammt wurde gegen die Barbaren, gegen die Maffenmörder in Peking, deren viehische Grausamkeit und Blutgier aller bisher Erlebte zu überbieten schien. Also ein neues Räthsel in der Denkweise der Chinesen,, ein »euer Hinweis darauf, in wie frevelhafter Weise der so­genannte Diplomat in China mit der Wahrheit umspringt und wie alle Angaben und Behauptungen, die von chinesischer Seite auSgehen, so lange nicht den allergeringsten Anspruch auf Glaubwürdig­keit haben, bevor nicht unwiderleglich bewiesene Thatsachen ihnen zur Stütze dienen.

In der Preffe tauchen Nachrichten auf, als seien mehrere Mächte sehr zu beschleunigtem Friedensschlüsse Mu den Chinesen geneigt. Man erzählt dies von den Vereinigten Staaten von Amerika, von England, Japan und Rußland. Rußland ist aber noch fortgesetzt beschäftigt mit Truppensendungen nach Ostasien; und den Ja­panern kann man zu ihrem Ruhme nachsagen, daß sie sich in außerordentlich thatkräftiger und dabei uneigennütziger Art an den gemeinsamen Operationen der Mächte betheiligt haben. 3rgenb» welche thatsächliche Spuren von Lauheit und Schlaffheit sind also weder bei den Ruffen, noch bei den Japanern zu entdecken; und deswegen hat man vorläufig noch keinen ernstlichen Grund zu der Annahme, daß gerade diese Mächte eine Abneigung empfänden gegen die Ertheiluna der sehr kräftigen und eindringlichen Lehre an China, daß eine W.ederholung der jüngsten Greuel nie­mals mehr vorkommen darf.

Und das ist die große und eigentlich die einzige Aufgabe für das Vorgehen der Mächte in China: die Chinesen aller Partei­schattirungen müssen einsehen lernen, daß sie nie mehr daran denken dürfen, gleiche oder ähnliche Scheußlichkeiten wie jetzt gegen die Fremden und gegen die eingeborenen Christen zu unternehmen. Wie ihnen dieses feste Bewußtsein eingeimpft werden kann, dafür werden die nunmehr befreiten Gesandten in Peking die besten Fingerzeige geben können. Sollte dieses Ziel zu erreichen sein ohne fernere militärische Maßnahmen großen Stils, so daß also Feldmarschall Graf Waldersee nach seiner Ankunft in China nichts mehr zu thun vorfinden würde, dann LM so bester. Aber auch dann darf dieses Ziel niemals aus den Augen gekästen werden, wenn noch ein langer Krieg in China werden sollte; oder aber man müßte mit Bedauern die unliebsame Thatsache verzeich­nen, daß unter den Kulturmächten nicht einmal so viel Einigkeit und Zusammenhalt zu erzielen wäre, wie nothwendig ist, um in China wieder geordnete Zustände herbeizuführen und zu ver­bürgen.

In seiner Ansprache an den Grafen Walder­see und an besten Stabsoffiziere hat am Sams­tag der Kaiser die Hoffnung ausgesprochen, eS möchte die China-Krise diejenige Einigkeit unter den Mächten herbeiführen, die durch die inter­nationale Friedenskonferenz im vergangenen Jahre vergebens angestrebt wurde. Möchte diese Mahnung des Kaisers auf fruchtbaren Boden fallen; fie scheint nothwendiger als je zu sein!

und drängte ihn zurück. Lord Wellingtons erschöpfte Armee mußte fich vor den frischen Truppen DoultS nach der portugiestschen Grenze in aller Eile zurückziehen, auch das Detachement in San Sebastian zog eilig ab, ein großer Theil der Bagage, fast alle Verwundeten fielen in die Hände der fiegreichen Franzosen.

Die unglückliche Stadt glaubte sich einer zweiten Plünderung preisgegeben, aber wenn auch einige Exzeffe vorfielen, so wußte Marschall Soult doch im allgemeinen die Ordnung aufrecht zu er­halten, zumal sich bei seiner Armee viele deutsche Regimenter befanden, welche an den Greuelscenen der Plünderungen keinen Gefallen fanden.

Marschall Soult suchte aus San Sebastian einen festen Stützpunkt für die ferneren Operationen zu machen. Auch für die Gefangenen und Verwunde­ren wurde, so gut es ging, gesorgt. Das Kloster zum „blutenden Herzen der hl. Jungfrau" ward in ein großes Lazareth umgewandelt. Alle Räume wurden mit Kranken und Verwundeten belegt; Franzosen, Engländer, Portugiesen, Deutsche und Spanier lagen in langen Reihen in den Sälen und auf den Korridoren auf einem einfachen Lager von Stroh und einer Decke.

In dem Hofe des Klosters ward eine Wache ausgestellt, welche mehrere Posten rings um das Kloster ausstellte.

Auch Karls kleines Zimmer sollte noch mehr Gäste erhalten. Eines Morgens erschien ein französischer Sergeant und führte mehrere leicht­verwundete Soldaten der deutschen Legion und einen Braunschweigzr herein.

„Hier liegt ein Landsmann," sagte der Sergeant in deutscher Sprache, den man den Schwaben

Deutsches Deich.

Berlin, den 20. August.

* Die Ansprache des Kaisers an den Grafen Walversee und feinen Stab bei der Ver­abschiedung im Schlöffe zu Wilhelmshöhe hatte folgenden Wortlaut:

Ich begrüße Sie im Moment Ihrer Abfahrt aus dem Baterlande und gratulire Ihnen dazu, daß Sie auserwählt worden find, als Stab unter Führung und Leitung unseres bewährten Feldmarschalls Grafen Waldersee die Campagne in China mitmachen zu können. Lieber Waldersee, Ich spreche Ihnen Meinen Glück­wunsch aus, daß Ich Sie nochmals an dem heutigen Lage als Führer der vereinigten Truppen der zivili- firten Welt begrüßen darf. Bon hoher Bedeutung ist es, daß Ihre Ernennung zum Ausgangspunkt hat die Anregung und den Wunsch Sr. Majestät des Kaisers aller Reußen, des mächtigen Herrschers, der weit bis in die astatischen Lande hinein seine Macht fühlen läßt. Es zeigt dies wiederum, wie eng verbunden die alten Waffentraditionen der beiden Kaiserreiche find, und Ich begrüße es mit Freuden, daß auf die Anregung Seiner Majestät hin die gesammte gefittete Welt ohne Unter­schied, aus freiem Antrieb Eure Exzellenz nunmehr mit dem Kommando über ihre Truppen betraut. Wir können als preußische Offiziere dankbar und mit Stolz erfüllt sein ob der Aufgabe, die Ihnen zugefallen ist. Denn es wird darin eine einheitliche Anerkennung für unser ganzes militärisches Leben und Wirken ausge­sprochen, sowie für das militärische System und für die Ausbildung und Führerschaft unserer Generale und Offiziere. Zum Zeichen Ihrer Würde überreiche Ich Ihnen an dem heutigen Tage den Feldmarschallsftab, indem Ich hoffe, daß Sie ihn führen werden mit der altgewohnten Frische, mit der Sicherheit, die Sie immer entwickelt haben in wichtigen Augenblicken, und vor allen Dingen mit der Unterstützung der Vorsehung, ohne deren Hilfe selbst der beste Soldat nichts zu leisten im stände ist.

Ich schließe mit dem Wunsche, daß es Eurer Exzellenz beschieden fein möge, die Aufgaben, welcher Art sie auch sein mögen, ob langwärtig, ob schnell, ob blutig oder nicht, so zu leisten, wie Sie es wünschen würden, und wie wir alle ohne Ausnahme es wünschen, die wir Ihnen unsere Truppen anvertraut haben. Im Jntereffe unserer Völker wünsche Ich, daß unsere ge­meinsame Expedition eine feste Bürgschaft gegenseitiger Anerkennung und gegenseitigen Friedens für die europäischen Mächte werden möge, wie dies Seine Majestät der Kaiser von Rußland im vorigen Jahre auf anderem Gebiete versucht hat. Was uns im Frieden nicht hat beschieden sein können, daS ist nun vielleicht mit den Waffen in der Hand zu erreichen.

Der General-Feldmarschall Graf von Walder­see erwiderte:

Eurer Majestät lege ich meinen innigsten Dank zu Füßen für die überaus gnädigen, mich ebenso ehrenden, wie tief bewegenden Worte. Die Reihe von Jahren, die ich die Ehre habe, unter Eurer Majestät Befehl zu stehen, sind gleichbedeutend mit einer Kette von Ehrungen und von Auszeichnungen und Beweisen Allerhöchsten Vertrauens. Eure Majestät haben mich zu dem höchsten Range der militärischen Hierarchie aufsteigen lassen. Es ist mir nur eins versagt geblieben, daß ich meinen Dank in Thaten umsetze. Daß nun­mehr Eure Majestät mit die Gelegenheit gegeben haben, dies zu thun, beglückt mich in hohem Maße. Eure Majestät haben diesen wichtigen Moment benutzt, mir auch daS äußere Zeichen meines Ranges zu ver­leihen und sdadurch die Bedeutung in hohem Maße gesteigert. Ich bitte Eure Majestät, die Versicherung gnädigst anzunehmen, daß, so lange der Arm die Kraft behalten wird, diesen Stab zu halten, ein Befehl zum Rückzug über meine Lippen nicht kommen wird. Ich bitte Eure Majestät zu glauben, und ich darf daS im Namen des ausgezeichneten StabeS, den Eure Majestät mir gegeben haben, aussprechen, daß alle Herren mit mir einmüthig find, unser Letzte- daran zu setzen. Eurer Majestät treu zu dienen und den letzten Blutstropfen einzusetzen für Eure Majestät und Deutschlands Ehre.

anhörte, „daS wirb Euch lieber fein, als mit ben Beefsteakeffem ober Franzosen zusammenzuliegen."

„Wahrhaftig, Sergeant," rief einer der Ver­wundeten, „Eure Fürsorge für uns ist wirklich rührend."

„Na, soll tner nit für feine Landsleut' sorge," meinte der französische Sergeant gutmüthig. „Wenn tner auch unter verschiedene Fahne fechte, ein Herz hat tner sich immer für die Landsleut' bewahrt."

„Für's deutsche Vaterland auch, Sergeant?"

„Auch für's deutsche Vaterland, Kamerad — aber die leidigen Umständ' ..."

„Ja, die Umstände," lachte der Legionssoldat. „Wenn die Deutschen sich nur alle zusammenthun wollten, dann hauten wir die Franzosen schon aus dem Lande.

„Still — Tfifonnir Er nit. Er weiß, daß mein Fürscht der Verbündete vom Kaiser Napoleon ischt."

„Dem Himm-l sei's geklagt!"

„Na, Ihr und ich, wir können'- nit ändern. Also — haltet's Maul und fügt Euch drein. Wenn Ihr mal eppes nöthig habt, wendet Euch nur an den Sergeanten Lämmermeier von de Heffen-Darmstädter. Mer habe de Wache brunte im Hof. Und nun behüet Gott..."

Der brave Heffen-Darmstädter entfernte sich mit einem breiten Lachen.

Karl aber erkannte zu seiner freubiaen Ueber- raschung unter seinen neuen Stubenkameraden den armen Christian Mumme und Johannes Stöckel, den Sohn des Schullehrers von Nien­hagen. Außerdem waren noch zwei Legionssol­daten eingetreten.

h Die weivkiche Iaörikarveit bildet den Gegenstand eines Beschlusses, den der Bundes­tag deutscher Gastwirthe in diesen Tagen in Heidelberg gefaßt hat: gemeinsam mit dem Bunde der Landwirthe und dem deutschen Gast- wirthsverbande will der genannte Verband beim Reichstage vorstellig werden, um ein Verbot zu erzielen gegen die Beschäftigung von jungen Mäd­chen unter siebzehn Jahren in Fabriken und in kaufmännischen, namentlich auch Waarenhausbe- trieben. Dem Streben kann man nur den aller­besten Erfolg wünschen. Man darf aber dabei auch die verheiratheten Frauen nicht vergessen, deren Beschäftigung in Fabriken gleichfalls unbe­dingt einer neuen Regelung bedarf, um die Frauen wenigstens nicht vollkommen von der Besorgung ihres Haushaltes fern zu halten. Als Endziel muß man vom Standpunkte einer guten Sozial­reform aus stets die gänzliche Entfernung verhei- ratheter Frauen und ganz junger Mädchen im Al­ter von weniger als 17 Jahren aus den Fabri­ken im Auge behalten.

X Die netien Bestimmungen über bett Ladenschluß treten, wie bekannt, am kommenden 1. Oktober mit der neuen Novelle zur Gewerbe­ordnung in Kraft. Nach diesen Bestimmungen muß der Ladenschluß zu einer bestimmten Abend­stunde, beispielsweise um acht Uhr, auf Anordnung der höhern Verwaltungsbehörde erfolgen, wenn mindestens zwei Drittheile der beteiligten Ge­schäftsinhaber einer Gemeinde ober mehrerer mit- einanber zusammenhängender Gemeinden dies be­antragen. Auf den Antrag eines Drittels dieser Labeninhaber muß die Behörde die sämmtlichen Laben inhaber eines Geschäftszweiges zur Aeußerung über den Ladenschluß auffordern. In erster Reihe kommen diese Bestimmungen den männ­lichen und weiblichen Handlungsgehilfen und den anderen Angestellten in Ladengeschäften zu Gute. Deswegen liegt es in deren Interesse, für die Ausnützung der neuen Bestimmungen zu wirken. In mehreren großen Städten, so nament­lich in Berlin und Leipzig, find die Gehilfen­verbände schon eifrig an der Arbeit, und schon haben zahlreiche Ladeninhaber in Berlin durch ihre Unterschrift erklärt, daß fie bereit find, den entsprechenden Antrag bei der Verwaltungsbehörde zu stellen. Es wird vorgeschlagen, für gewöhnlich die Läden um 8 Uhr, aber an allen Samstagen und an allen Wochentagen in den Wochen vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten um 9 Uhr Abends zu schließen. Der Vorschlag ist sehr verständig und verdient die Unterstützung aller interefprten und wohlwollenden Kreise. Dm Handlungsgehilfen aber kann nicht dringend genug der Rath erteilt werden, sich selbst der Sache und der entsprechenden Vorarbeiten in ihrem eigenen Interesse anzunehmen. Die aller­meisten kleinen Ladeninhaber, die ohne Gehilfen arbeiten, werden ebenfalls froh sein, wenn fie in Zukunft früher als bisher ihre Geschäfte schließen können; und jeder Wohlwollende int großen Publikum sollte die Sache auch von sich aus unterstützen, namentlich dadurch, daß er schon jetzt alle feine Einkäufe vor acht Uhr Abend- besorgt.

* Aus einer amtlichen Uebersicht über bett deutschen Außenhandel im Jahre 1899 ergibt

„Wahrhaftig — jetzt ist ja fast ganz Nien­hagen hier versammelt," rief Johannes Stöckel lachend und schüttelte Karl die Hand. „Jetzt wollen wir treu zusammenhalten — wenn uns die Franzosen nur nicht nach Frankreich ver­schleppen. Auf der Galeere soll gerade kein an­genehmer Aufenthalt fein."

In diesem Augenblick trat Gesine in der Tracht einer dienenden Schwester des Klosters ein. Neue Begrüßungen und neue freudige Überraschung! bann sprach Gesine in flüsterndem Tone: Haltet euch einige Tage ruhig. Ich habe mit meinem Vater einen Plan zur Flucht verab­redet — ist ein Schlosser unter Euch?"

„Ich hab's Schlofferhandwerk erlernt," sagte Christian Mumme.

„Gut — hier ist eine Feile, verbergt sie sorgfältig — wenn ich Euch ein Zeichen gebe, dann durchfeilt in der Nacht die Gitter vor dem Fenster."

„Alle Wetter," lachte Johannes Stöckel, „daS wird uns wenig helfen. Wie ich gesehen habe, liegen die Fenster der Zellen alle fast fünfzig Fuß hoch über dem Straßenpflaster und ein Posten patrouillirt auf der Straße."

„Ich werde für ein Seil sorgen, an dem wir uns herunterlaffen können, den Posten müßt Ihr auf Euch nehmen. Für das Andere laßt mich sorgen. Wenn die Darmstädter auf Wache sind, muß es geschehen, dann kann ich frei aus- und eingehen."

„Gesine, Ihr seid ein Prachtmäbel!" rief Johannes Stöckel und wollte sie umarmen. Lachend wehrte fie ihn ab, warf Karl einen zärt­lich grüßenden Blick zu und entfernte sich. (F. f.)