mit Zlnkrhaktungs-Aeikage „Illustrirte Komtags-Ittümgi'
Pdmeel« «». > C»mwM*
° Fuldaer
♦ MmIi: Die et»
. - ßpall. Garmond-
mnnn
v SS
27. Jahrgang.
JuLöa, Samstag, den 18. August 1900.
M 188.
[| Beanstandung der Steuererklärungen.
Zu der vielerörterten Frage der allgemeinen Zuverlässigkeit der abgegebenen Ein ko mm en. steuererklärungen und der Nothwendig- keit ihrer sorgfältigen Prüfung durch die Veranlagungsbehörden findet sich in dem jüngst erschienenen, auch im Buchhandel (v. Deckers Verlag) käuflichen Hefte 40 der Mttheilungen aus der Verwaltung der direkten Steuern im preußischen Staate' ein bisher nicht veröffentlichtes beachtenswerthes Material, welchem nachstehende Angaben entnommen sind.
Von den im ganzen Staate 1899 abgegebenen 482,526 Steuererklärungen sind 120,894 oder 25,1 v. H. förmlich beanstandet worden. Außer- dem sind noch vor der förmlichen Beanstandung 29,727 oder 6,2 v. H. der Steuererklärungen in Folge der von den Steuerbehörden erhobenen Bedenken von den Steuerpflichtigen berichtigt worden. Von den förmlichen Beanstandungen haben 96,358 oder 79,7 v. H. zu einer Abänderung der Steuerangaben gefiihrt, während nur 24,536 oder 5,1 v. H. derselben trotz erfolgter Anfechtung bei der Veranlagung unverändert geblieben sind. Im Berichtigungsverfahren sind 209,811,000 Mark oder 28 v. H. mehr an steuerpflichtigen Einkommen und 7,160,000 Mark oder 34,1 v. H. mehr an Einkommensteuer festgestellt worden.
Die weiteren statistischen Nachweisungen bestätigen die bekannte Thatsache, daß die Zahl der Berufungen .und Beschwerden gegen die Einkommen- und Ergänzungssteuer zurückgeht, obgleich die Zahl der Censiten anwächst. Wegen Zuwiderhandlungen gegen die Einkommensteuergesetze sind in dem dreijährigen Zeitraum vom 1. Oktober 1896 bis zum 30. September 1899 3986 Straffälle anhängig gemacht worden, bei denen an Strafen 1,191,161 Mark und an Nachsteuern 443,659 Mark, zusammen also 1,634,820 Mark, festgesetzt worden sind. Welche Vorgänge zur Strafverfolgung Anlaß geben können und mit welchen Schwierigkeiten die Prüfung der Steuererklärungen unter Umständen zu kämpfen hat, ergibt sich aus einer Zusammenstellung von Beispielen, die in der obenerwähnten amtlichen Quelle mitgetheilt werden. Einige Fälle seien hier aufgesührt.
Ein Gewerbetreibender, welcher sein Einkommen für zwei Steuerjahre auf 13041 Mark angegeben hatte, während dasselbe in Wirklichkeit 66264 Mark betrug, führte neben den eigentlichen Geschäftsbüchern drei kleinere Bücher mit unrichtigen Angaben, lediglich zur Begründung der von ihm alljährlich erhobenen Einkommensteuer-Berufungen. Er ist zu 11984 Mark Strafe verurtheilt worden. Aehnliche Buchführungsmanöver sind wiederholt aufgedeckt worden.
Zwei Viehhändler wurden mit je 4000 Mk. Strafe belegt, weil sie in vier Steuerjahren 80000 Mark Einkommen zu wenig deklarirt halten.
F* Gegen zwei Bierbrauereien wurden Strafen von 30000 und 25000 Mark verhängt, weil ihre Steuerangaben entsprechend hinter der Wirklichkeit zurückgeblieben waren.
Vie Tochter der Khrnmur.
Roman von O. Elster.
36 ------ (Nachdruck verboten.)
War das der Freiheitskampf eines Volkes? Zerfleischte es fich nicht selbst? Sah Gesine nicht mit eigenen Augen, wie Portugiesen und Spanier die Häuser ihrer eigenen Landsleute verwüsteten, ihre eigenen Landsleute niederschossen, wenn sie ihr Eigenthum vertheidigen wollten?
Und alles das im Namen der Freiheit? der Gerechtigkeit? — Ihr Glaube an die Freiheit, an die Gerechtigkeit hatte einen argen Stoß bekommen und mit Sehnsucht sah sie dem Zeitpunkt entgegen, wo sie von einem Lande Abschied nehmen konnte, in dem die Freiheit zur Zügellosigkeit, die Gerechtigkeit zur Rachsucht geworden war.
. Der alte Hans Heinrich that mürrisch und einsilbig seinen Dienst. „Noch einige Tage halte aus, Gesine," sagte er, „dann ist mein Kontrakt zu Ende. Wir gehen nach Lissabon und mit dem ersten Schiff nach England. Der Deubel halte es hier aus. Ja, wenn der Admiral Nelson noch lebte!"
Und mürrisch schenkte er einem Soldaten ein Glas Branntwein ein.
Still saß Gesine in einem Winkel. Sie dachte an die Heimath — an die friedliche, stille Haide, an die leise murmelnde Weser — an den »lchtverschleierten Himmel — an den Ahrendts- hof und an —• Karl.
Wo mochte er weilen? War er dem Kampf, dem Getümmel, dem Wirrwarr der Plünderung
Ein höherer Kommunalbeamter hatte sein Einkommen auS Kapitalvermögen auf 600 Mark angegeben; thatsächlich war daS Einkommen sechsmal so groß. Nach seinem Tode ist die Nachsteuer eingezogen worden.
Ein Rentier, welcher sein Einkommen aus Kapitalvermögen auf 14200 bezw. 19500 Mark angegeben hatte, während es sich aus 65 314 bezw. 75 905 Mark bezifferte, wurde zu einer Geldstrafe von 17 250 Mark verurtheilt.
Einem hochangesehenen Fabrikanten, welcher sich zuerst „mit Entrüstung" gegen jede Beanstandung seiner Steuerdeklaration gewehrt hatte, wurde nachgewiesen, daß er in drei Steuerjahren nicht, wie von ihm angegeben, 142000, sondern 197000 Mark Einkommen gehabt habe. Er zahlte 20800 Mark Strafe.
Ein hochangesehener Weinhändler, welcher voller Entrüstung gegen die Anzweiflung seiner Steuerangaben protestirt hatte, hat letztere mit Bewußtsein und Vorbedacht abweichend von den Bilanzen gemacht. Er hatte für 6 Jahre zusammen 690.000 Mark deklarirt, während sein wirkliches Einkommen über eine Million betragen hatte. Gegen den Kontravenienten sind zusammen 130.000 Mark an Strafen festgesetzt worden.
Ein Rentier, der seine Einnahmen aus Spekulationsgewinnen völlig verschwiegen und dadurch 447.099 Mark der Besteuerung entzogen hatte, mußte 18.966 Mark Nachsteuer und 14.000 Mark Strafe zahlen.
Ein Oberlehrer hatte durch falsche Angaben über sein Zinseinkommen 374 Mark Steuer hinterzogen und mußte das Vierfache nachzahlen.
Ein Kommis hatte die alljährlich erhaltenen Provisionen verschwiegen, auch sein Gehalt zu niedrig angegeben, und mußte gegen 5000 Mark Nachsteuer und Strafe zahlen.
Die Erben eines Bankdirettors, welcher mehrere Jahre hindurch je 140.000 Mark zu wenig deklarirt hatte, mußten 33.035 Mark Nachsteuer zahlen.
Zur Zahlung von Nachsteuern und beträchtlichen Strafen wurden u. A. verurtheilt: ein Kaufmann, der sein steuerpflichtiges Reineinkommen willkürlich gekürzt hatte, ein Arzt, der das ihm durch Beerbung seines Schwiegervaters zugefallene Vermögen verschwiegen hatte, zwei Kaufleute, die alljährlich die gesammten Kosten ihres Haushalts von ihrem steuerpflichtigen Einkommen abgerechnet hatten, ein Rechtsanwalt, der die seiner Ehefrau alljährlich zufließenden Kapitalzinsen nicht angegeben hatte, ein Fabrikdirektor, der den Staat um 23.060 Mark Einkommensteuer verkürzt hatte, rc. rc.
Die angeführten Beispiele mögen genügen zum Nachweis, daß eine gründliche Prüfung und Erörterung der Steuererklärungen nicht nur zur Erreichung einer gerechten und gleichmäßigen Veranlagung unerläßlich ist, sondern auch im wohlverstandenen Interesse der Steuerpflichtigen selbst liegt, da dadurch in zahlreichen Fällen das Strafverfahren und die Erhebung einer Nachsteuer vermieden wird. In welchem Umfange das Berichtigungsverfahren der Steuerbehörden den Censiten gegenüber unter Umständen platzgreifen muß, ergibt sich au« der Thatsache, daß für das Steuerjahr 1900 bei einer einzigen Unterkommission einer Veranlagungskommission 22 Censiten ihr Einkommen um 1 882 291 Mark zu gering angegeben hatten.
Deutsches Keich.
Berlin, den 17. August.
h. Anläßlich des morgigen 70. Geburtstages des Kaisers Iravz Joseph von Hesterreich schreibt der .Reichsanzeiger': In dankbarer Liebe und Verehrung begehen morgen die Völker der verbündeten österreichisch-ungarischen Monarkdie die Feier des 70. Geburtstages ihres ehrwürdigen Herrschers, des erlauchten Bundes- genoffen des deutschen Reiches, den wir in diesem Frühjahre in unvergeßlich schönen Maientagen
entronnen? Das braunschweigische Regiment hatte an dem Sturm theilgenommen und beträchtliche Verluste erlitten. Näheres konnte Gesine nicht erfahren. Und so saß sie da in ihrer Herzensangst, in ihrer Noth und Sorge und das Herz wollte ihr stillstehen, wenn sie die langen Züge der Verwundeten sah, welche fast ununterbrochen die Straßen passirten.
Da öffnete sich neben ihr, im Schatten einer Säule, eine kleine Thür, welche in das Innere des Klosters führte. Eine Nonne trat heraus und blickte sich suchend um.
Gesine erhob fich. Die Nonne schreckte leicht zusammen, sie mochte wohl denken, daß Gesine zu jenen wilden, fanatischen Weibern gehörte, welche am Tage vorher an der Plünderung der Stadt theilgenommen hatten.
„Fürchtet Euch nicht, Madonna," sprach Gesine in spanischer Sprache, die sie während ihres Aufenthaltes in diesem Lande erlernt hatte. „Die Stadt ist jetzt ruhig und sicher. Sucht Ihr Jemanden?"
„Ich bin von der Oberin unseres Klosters ausgesandt worden, einen Arzt zu suchen," entgegnete )ie Nonne furchtsam. „Mehrere Verwundete be- inbcn sich in dem Kloster, auch ein junger, deutscher Offizier — ich glaube, es geht mit ihm zu Ende."
„Geht zu dem Bataillon, welches den Platz »esetzt hält, Ihr werdet dort einen Arzt finden, Madonna."
„Ich danke Euch — aber es fehlt im Kloster auch an Krankenpflegerinnen."
„Ich werde hineingehen und mich der Oberin anbieten," sagte Gefine rasch. „Wollt Ihr mir den Weg zeigen?"
als hochgeehrten Gast begrüßen konnten. Ihm schlagen auch am morgigen Freudentage in unserem Vaterland- die Herzen warm entgegen und unser aller Segenswunsch vereinigt sich mit dem Gebet, das in Oesterreich wie in Ungarn die Gemüther der Patrioten bewegt: Gott schütze, Gott erhalte den Kaiser und König Franz Joseph! Auch die ,Nordd. Allg. Ztg.' bringt an der Spitze ihrer heutigen Nummer einen Glückwunsch-Artikel.
* Zu den angeblichen Rücktrittsplänen des Neichskemzkers Iürste« z« Koheakohe schreibt die Korrespondenz Woth, welche die Nachricht zuerst in die Welt gesetzt hat: „Der Demen- tirungseifer hat sich gegen unsere Notiz über den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe gewendet, ohne das, was wir gesagt haben, zu treffen. Das von uns Gemeldete halten wir durchaus aufrecht. Ob wir richtig oder falsch informirt worden sind, wird sich spätestens beim Zusammentritte des Reichstags zeigen. Die Annahme, als ob es sich bei unserer Notiz um eine Jntrigue konservativer Kreise handle, weisen wir zurück. Im Reichstage wird man erleben, daß weit mehr Liberale als Konservative Anstoß daran nehmen, daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe eigentlich jetzt schon zurückgetreten ist. Wie hoch der Kurs von Dementis steht, haben in diesem Jahre erst vor kurzem Beispiele ergeben. Die amtliche Bekundung hat bald darauf das, was vorher bestritten worden war, bewahrheitet."
+ Zu der Frage der Kixvernfnug des Aeichskages wird dem ,Lokal-Anzeiger' von wohlunterrichteter Seite geschrieben: Als sich die Nothwendigkeit herausstellte, eine Expedition nach China auszurüsten, wurde in maßgebenden Kreisen auch die Frage erörtert, ob es rathsam sei, den Reichstag einzuberufen. Der Plan wurde von sehr hohen Stellen befürwortet, aber schließlich fallen gelassen, weil das verfassungsmäßige Recht des Kaisers, die zum Schutze der bedrohten deutschen Interessen erforderlichen Maßnahmen zu tnffen, zweifellos ist und weil sich ein Ueberschlag der aufzuwendenden Mittel damals noch nicht machen ließ. Diese Gründe bestehen zur Zeit für die Regierung noch fort. Die Darstellung, als ob der verantwortliche Leiter der Politik int Reiche, der Reichskanzler, das jetzige Hervortreten Deutschlands in der ost- astatischen Aktion ungern sehe, wird in dem Schreiben als unbegründet bezeichnet. Zum Schluffe heißt es in demselben, daß der Staatssekretär des Auswärttgen, Graf Bülow, sich fortgesetzt des unbegrenzten Vertrauens des Kaisers erfreut. Von irgend welchen Meinungs- Verschiedenheiten zwischen dem Kaiser und dem Grafen Bülow könne keine Rede sein.
V Aerki«, 17. Aug. Der Kaiser hörte im Schlosse Wilhelmshöhe heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, Generals von Hahnke. — Die Abfahrt des Grafen Waldersee nach Kassel erfolgte heute Nachmittag mit dem fahrplanmäßigen Durchgangszuge 1,44. Zehn Minuten vor Abgang des Zuges erschien der Feldmarschall mit seiner Gemahlin, er trug den Ueberrock der Königsulanen mit dem Abzeichen seines Ranges, in der Hand hielt er den Stock mit filbernem Knopf, den er vom Kaiser geschenkt erhalten hat. Während die Gräfin sofort das Koupee 1. Klasse bestieg, unterhielt stch der Graf bis zur Abfahrt sehr lebhaft mit dem österreichischen Botschafter; als ihm dann gemeldet wurde, daß es Zeit zur Abfahrt
„O Ihr seid gut, Sennorita — folgt mir. Die Oberin wird Euch willkommen heißen."
Rasch durchschritten sie mehrere Kreuzgänge. Auch hier bemerkte Gefine Spuren der Zerstörung, welche die Geschosse der Plünderer und Marodeure angerichtet hatten. Sogar ein Bild des Gekreuzigten zeigte die Spur eines Schusses. Bald darauf betrat man einen kleinen Saal, in dem die Oberin und zwei Nonnen um einige Verwundete beschäftigt waren.
Die Oberin, eine würdige Greisin, begrüßte Gesine herzlich. „Sei mir willkommen, meine Tochter, bei dem Werke der Barmherzigkeit," sprach sie freundlich-ernst. „Wir Frauen sind vor allem berufen, die Wunden zu heilen, welche die Hand des wilden Krieges geschlagen. Sieh, da liegt ein junger Landsmann von Dir. Seine Wunde ist schwer — ich glaube, er überlebt den Tag nicht mehr. Pflege ihn und sage ihm in seiner Heimathsprache den letzten Trost . . ."
Die würdige Frau wies auf die Gestalt eines Verwundeten, welche regungslos unter einer grünen Decke lag, die Hände über die Brust gefaltet, die Augen geschlossen, die Schatten des Todes auf den gelblich blassen Wangen.
Mit einem leichten Schreckensruf eilte Gesine an feine Seite und sank neben feinem Lager nieder.
Sie hatte Karl Ahrendt erkannt.
Erstaunt blickte die Oberin auf das seltsame Benehmen GefinenS, die ihr Antlitz in die Hände verbarg und heftig schluchzte. Dann strich sie leicht mit der schmalen, blaffen Hand über den Scheitel de« jungen Mädchen«, sie mochte wohl den Grund des heißen Schmerzes erkennen, flüsterte
fei, bestieg er den Zug, der sich alsbald in Bewegung setzte. Graf und Gräfin erwiderten am Fenster stehend freundlichst die Grüße deS Publikums. Der Stab des Feldmarschalls fährt heute Abend nach Kassel. — G r a f Bülow hat heute Nachmittag gegen 2 Uhr die Fahrt nach Kaffel angetreten. Bei der Verabschiedung des Grafen Waldersee vom Kaiser werden hervorragende Mitglieder der deutschen Diplomatie zugegen sein. Angemeldet sind u. A.: Freiherr von Marschall, Fürst Münster, Dr. Stübel, Geheimrath von LukanuS. — Der RegierungSaffeffor von Miquel in Rathenow, ein Sohn deS Finanzministers, ist zum Landrath deS Kreises Westhavelland ernannt worden. — Der Minister der öffentlichen Arbeiten von Thielen ist vom Urlaub zurückgekehrt. — Durch die Preffe ist die Nachricht gegangen, daß eine Begrüßung des König? von Spanien durch ein deutsches Kriegsschiff bevorstehe. Es befindet sich aber kein deutsches Kriegsfahrzeug in solcher Nähe der spanischen Küste, daß eine Begrüßung des Königs Alfonso zu erwarten wäre. Die Nachricht muß daher wohl auf einem Mißverständ- niß beruhen. — Nach dem ,Berl. Tagebl/ ist nunmehr ein neuer Pockenfall in Berlin konstatirt worden, der um so ernster beurtheilt werden muß, als der davon Betroffene ein Angestellter der Charitö ist und stch die Ansteckung in derselben zugezogen hat. Es betrifft den Krankendiener Hans Neide, welcher erst feit einigen Wochen in der Charite angestellt ist.
Q Norur, 17. Aug. Heute Nachmittag fand unter Hinzuziehung des Herrn Justizrath Custo- d is aus Köln, Mitglied des Central - Komitee's der Katholiken-Versammlungen, eine Besichtigung der Festhalle durch den Vorstand des Gesammt- Lokal-Komitee's der 47. General - Versammlung der Katholiken Deutschlands statt. Die großartige Anlage der Halle fand ungeteilten Beifall und man bedauerte nur, daß ein Bauwerk von dieser Größe und Vollendung nur für eine so kurze Zeit der Benutzung Übergeben werden kann. Da die heutigen sicherheitspolizeilichen Vorschriften sehr wettgehende sind sowohl auf Sicherheit, Anzahl der Ein- und Ausgänge wie Raumvertheilung, so gewann man schon bei dem ersten Anblick den Eindruck einer gewissen Raumverschwendung, die später bei den Sitzungen jedoch gewiß angenehm empfunden werden wird. Die Bänke find breit und mit bequemen Rückenlehnen ausgestaftet, der Zwischenraum derselben 90 Centimeter, so daß nicht allein ein angenehmes Sitzen, sondern auch ein leichtes Ein- und Ausgehen gewährleistet ist. Mit ganz besonderer Geschicklichkeit hat der Erbauer der Halle, Herr Regierungs-Baumeister Thoma, daraus Rücksicht genommen, daß die Redner-Tribüne von allen Plätzen sichtbar ist. Die Akustik ist nach den hierfür angestellten Proben eine geradezu hervorragende zu nennen. Justizrath Custodis erklärte, er habe noch bei keiner Katholiken-Versammlung eine so großartige Halle mit so ausgezeichneter Akustik gesehen. Bon besonderem Werthe wird dieses an dem Begrüßungs- Abend sein, an welchem ein aus 500 Knaben und Männern bestehender Chor gesangliche Vorträge darbieten wird. Es ist hierfür eine Anordnung getroffen worden, daß auch, wie bei den Begrüßungs- Abenden der früheren Katholiken-Versammlungen, hierbei Erfrischungen gereicht werden können. Bei der Größe des Raumes, welcher 7500 Personen faßt, dürfte dieses eine bisher nicht erreichte Leistung sein. Wir wollen hierbei noch bemerken, daß auch die einzelnen Räume, wie Vorstands- Zimmer, Post-Bureau, Zimmer der Presse, das Korrespondenz-Bureau, Sienographen-Zimmer sich durch Größe, gutes Licht und Bequemlichkeit auszeichnen. Die Beleuchtung der großen Halle wird
sanft: „Die heilige Jungfrau erbarme sich Deiner . . ." und entfernte sich leise.
Gesine war mit Karl allein, dessen Fieberschlummer jetzt unruhiger ward.
Gesine ergriff feine fieberheiße Hand und benetzte fie mit bitteren Thränen. Sollte fie ihn jetzt ganz verlieren, nachdem sie sein Herz, seine Liebe schon eingebüßt hatte? Alles hatte dieser unglückselige Krieg ihr geraubt: Den Glauben an die Freiheit — an die Würde der Menschheit, Karls Liebe, die Heimath — jetzt wollte er ihr das Letzte tauben, das Leben des Mannes, deo sie noch immer mit inniger Leidenschaft liebte.
Sie raffte fich empor. Nein, das durste nicht geschehen! Sie wollte mit dem grausamen Schicksale kämpfen, fie wollte mit dem Tode, der über des geliebten Mannes Haupte schwebte, ringen um dieses theure Leben, sie wollte Tag und Nacht beten und kämpfen und nicht von seiner Seite weichen.
Seine Hand zuckte in der ihrigen, ein tiefer Athemzug hob feine Brust und langsam schlug er die Augen auf. Mit einem irren Blick sah er fie an, dann huschte ein flüchtiges Lächeln über sein blaffe8 Gesicht und seine Lippen bewegten fich, als flüsterte er ihren Namen. Kraftlos sank aber fein Haupt in die Kiffen zurück, während feine Augen auf ihr Antlitz gerichtet blieben — so bittend, so hilfeflehend, daß es chr tief ins Herz schnitt.
„Ich bleibe bei Dir, Karl," flüsterte fie mit bebenden Lippen und streichelte seine heiße Hand.
Wieder erschien ein freundliches, zufriedenes Lächeln auf feinem Antlitz, dann schloß er die Augen und lag regungslos da.