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JuLöa, Montag, den 18, August 1900

Anstand.

Hit Tochter des Mrmnns

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Ja, mein theurer Freund, ich habe jene

geworden — ich kaffe Sie nicht mehr!"

Spanierin zu erkennen, die sich mit einem kost­baren Spitzenfächer Kühlung zuwehte, während ihr dunkles Auge mit weichem Glanze auf dem Antlitz Karls ruhte.

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Mu>»nteitnMhtfMtn>nM s Pdtwaal« B». < OmMrir). ,

für die bay.'rischen Civilstaatsministerien ist am Freitag erschienen. Er bestimmt, daß sümmtliche

Paare ergingen sich Arm in Arm in dem Saale Stunde nicht vergeffeu! — Sie find der Meine und in den Nebengemächern. j geworden — ich lasse Sie nicht mehr!"

tiefe Betrübniß in ihr Herz, wenn sie an ihre arme, geknechtete Heimath dachte. Weshalb konnte diese Begeisterung für Freiheit und Recht nicht auch in ihrem Vaterlande emporflammen? Wes­halb entstand nicht dem deutschen Volke eine Heldin, wie Manuela, die die Flammen der Be­geisterung schürte und entfachte?

Aber wie ein trüber Nebel lag es über dem armen, geknechteten Deutschland und Niemand wagte die Hand gegen den fremden Eroberer zu erheben. Hier aber strahlte die Sonne vom wolkenlosen Himmel, hier glühten tausend und abertausend blinkende Sterne von dem nächtlichen Firmament, hier stand ein ganzes Volk auf, die Knechtschaft abzuschütteln! Hier jauchzte das Volk der Heldenjungfrau entgegen, in der es seine Freiheit verkörpert sah! Jetzt stand Manuela in der Mitte des Saales und ließ ihre dunklen Augen über die Menge schweifen. Auf dem Ant­litz eines jungen Osfiziers in der schwarzen Uni­form der Braunschweiger blieben sie haften und plötzlich streckte sie dem jungen Offizier beide Hände entgegen. Hastig ergriff dieser beide Hände Manuelas und bedeckte sie mit heißen Küsten, während eine tiefe Gluth seine gebräunten Wangen überflammte.

Mister Howard fühlte, wie die Hand Ge- sinens, die auf seinem Arm lag, heftig, krampf­haft-zusammenzuckte. Erstaunt sah er, wie ihre Wange eine Todtenbläffe überzog.

„Was ist Ihnen, Gesine?"

„Sehen Sie dort — ist jener junge braun« chweigische Offizier nicht . . ."

Sie vermochte den Namen nicht auszusprechen. „Wahrhaftig!" flüsterte Leutnant Howard,

„Ja, um den Burschen zu beobachten! — Doch wie Sie wollen. Miß Gesine. — Nehmen wir an diesem Tischchen Platz."

In einer Nische befand sich ein lauschiges Plätzchen, dort setzte sich Gesine nieder, während Leutnant Howard forteilte, um ihr eine Erfrischung zu holen.

Die Musik Hub wieder an. Der eigentliche Ball begann, der von dem Prinzen von Oranien aus dem Stabe Lord Wellingtons mit der Mar­quise de AlcanizaS, der Gattin des Stadtsber- qauptes, eröffnet wurde. Lord Wellington selbst und die alten englischen Generale hatten an der Seite des Saales Platz genommen. Es wurde Eis und süßes Zuckerwerk umhergereicht; die alten Generale zogen ein bitteres Gesicht, ihnen wäre ein saftiges Stück Roastbeef und ein steifes Glas Grog lieber^ gewesen. Die jungen Offiziere chwangen sich mit den Spanierinnen im Tanz.

In schmerzliches Sinnen verloren blickte Ge­rne auf das laute Gewühl, das gleich einem i auberischen, phantastischen Bilde an ihr vorüber- auschte, jubelnd, seufzend, flimmernd und blitzend, innverwirrend und betäubend.

Jetzt lösten sich die Reihen und die einzelnen

Roman von O. Elster.

------- (Nachdruck verboten.)

Die hohe, schlanke Gestalt Manuelas, um­geben von einigen spanischen und englischen Offi­zieren, betrat den Saal. Was war aus dem ein­fachen Landmädchen geworden! Kostbare, bunt- :phantastische Kleidung umhüllte sie. Am Gürtel hing an silberner Kette ein dolchartiger Degen, an den rothen Stiefeln klirrten leise die silbernen -Sporen. In ihren dunklen Augen blitzte es kühn auf, um ihre vollen Lippen schwebte ein stolzes r Lächeln.

Als sie in den Saal trat, umringte sie eine Menge spanischer Offiziere, die die Säbel schwangen und ihr ein donnerndes „Evviva Manuela!" ent­gegenriefen. Binnen kurzer Zeit war sie die Heldin des spanischen Volkes geworden, dessen Freiheitssinn und kriegerischer Fanatismus sie zu Hellen Flammen zu entfachen wußte. Selbst Lord Wellington begrüßte sie artig und küßte ihr die Hand.

Sie glich dem Genius dieses Volkes, das sich wie ein Mann gegen die fremde Tyrannei • er­hoben hatte.

Ein Schauder durchrieselte die Glieder Ge- finens. Der brausende Jubel der Spanier, die schmetternde Musik, die märchenhaft schöne Er­scheinung Manuelas, die glänzenden Uniformen, das Lachen und Plaudern, die blitzenden Waffen, die leuchtenden, funkelnden Diamanten der spani­schen Damen — das alles verwirrte sie und setzte sie in Erstaunen, senkt« ^gleich aber auch eine

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„Wie freue ich mich, Sie wiederzusehen, mein Freund," sagte sie in englischer Sprache, die sie I noch mit einem fremden Accente aussprach.

„Die Freude ist auf meiner Seite nicht minder groß, Sennorita," entgegnete Karl, deffen Augen die herrliche Gestalt Manuelas mit liebeglühendem Blick umfaßten. Alle die Monate hindurch habe ich an Sie gedacht, Manuela. Ich hörte von Ihrem Muth, Ihrer Kühnheit, Ihren Thaten, und mein Herz sehnte sich danach, Ihnen meine Bewunderung zu Füßen legen zu dürfen. Ich danke Ihnen, daß Sie mir gestattet haben, Sie hier begrüßen zu dürfen."

„Weshalb sind Sie nicht früher schon zu mir gekommen?"

„Durfte ich es wagen, Manuela? Ich, ein junger, einfacher Offizier, der geringste im Re« giment — und Sie, die gefeierte Heldin eines ganzen Volkes?"

„In dem einsamen Palast San Franzisko sprachen Sie anders," entgegnete sie lächelnd.

„O Manuela . . ."

Deutsches R^ch.

Berlin, den 11. August.

* J.l Betreff der Dienstpflicht Wer See hat bekanntlich der Reichstag am 21. März eine Resolution angenommen, die Schutztruppen in Kiautschou „thunlichst" auf Grund freiwilliger Meldungen zu bilden. Die Mehrheit des Reichs- tags war mit der freisinnigen Volkspartei der Ansicht, daß für eine dauernde Besatzung in überseeischen Welttheilen Freiwillige zu verwen­den sind, nicht Mannschaften, die nur fder all­gemeinen Dienstpflicht obliegen. Staatssekretär von Tirpitz berief sich freilich einfach auf den Fahneneid, der jeden Soldaten verpflichte, zu Wasser und zu Lande den Befehlen des Kriegs­herrn zu folgen, auch wenn es sich um entfernte Welttheile handle. Art. 64 der Verfassung lautet: „Alle deutschen Truppen sind verpflichtet, den Befehlen des Kaisers unbedingt Folge zu leisten. Diese Verpflichtung ist in den Fahnen­eid aufzunehmen." Wie nun Münchener Blätter berichten, ist der bayerische Bundesrathsbevoll­mächtigte Graf Lerchenfeld am Freitag plötzlich in das Jagdlager des Prinz-Regenten berufen worden. Diese Berufung soll zusammenhängen mit dem Zusammentritt des Bundes­raths behufs Berathung der Anwendung des Artikels 64 der Verfassung, wonach demnächst außer Freiwilligen auch andere deut­sche Truppen nach China gesendet werden können.

* Der derktsche KattpflichtschtttzverSand hat sich mit dem Verbände der deutschen Prioat- feueroersicherungs-Gesellschaften zu Berlin zu ge­meinsamen Berathungen über die Berechtigung erhobener Klagen, über Bedenken gegen die Ver­sicherungsbedingungen, Höhe der Prämien rc. in der Feuerversicherung in Verbindung ge­setzt. Auch mit dem Verein der Industriellen des Regierungsbezitks Köln ist ein gemeinsames Vor­gehen in dieser Frage beschlossen, sowie auch in der Frage des gerichtlichen Sachverständigenwesevs.

„ , , * Krüssel, 11. August. Die seit etwa

Civilstaatsgkbäude ohne besondere Anord- einem Jahre eingeführte Abschaffung der 1. nung an Geburtsfesten und Ramensfesten des Wagenklaffe auf den belgischen Bahnen stellt sich Königs und des Prinzregenten, wie auch immer mehr als eine wirklich zweckmäßige und am Geburtsfeste des deutschen Kaisers zu be- für das große Publikum angenehme Einrichtung flaggen sind. Bei Reisen des Königs, des Prinz- heraus. Vor allem wird dieselbe von denjenigen regenten, des deutschen Kaisers und der bayerischen Personen freudig begrüßt, die es früher ihrem Prinzen und Prinzessinnen sowie von Souveränen Stande schuldig zu fein glaubten, bei ihren Reisen deutscher Bundesstaaten und bei sonstigen Anlässen stets die 2. Klaffe zu benutzen und für die nun- erfolgt Beflaggung auf besondere Anordnung, mehr die 3. Klaffe in den Rang von jener welche die Regierungspräsidenten bezw.für München hinaufgerückt ist. Das Publikum spart in Folge das Staatsministermm des Innern erlassen. Die der neuen Einrichtung viel Geld, und dabei Beflaggung der Cwilstaatsgebaude erfolgt in den haben gleichwohl die Einnahmen der Eisenbahn- bayerischen Landessurben, am Geburtsfest sowie Verwaltung ganz entschieden zugenommen. Es bei Reffen des deutschen Kaisers in bayerischen wird nämlich seit Beseitigung der 1. Klaffe in

und in deutschen Farben. Belgien viel mehr gereift, und auch von den in

h König Wiktor Kmarmek III. von diesem Jahre in ungewöhnlich großer Zahl die Italien hat der — demokratisch - republikanischen belgischen Eisenbahnen bmutzenden Fremden ,Franks. Ztg/ gewaltig irnponirt, und zwar gerade finden es sehr viele äußerst angenehm und ver- durch die „Energie", mit welcher er bei seiner lockend, daß hier zu Lande Jedermann ungenirt Eidesleistung am Samstag Vormittag zu dem in der sehr billigen 3. Klaffe fahren kann. Mit Parlament gesprochen und gezeigt habe, daß er großem Eifer wird dabei von der hier be- „furchtlos und sicher" den Thron besteigen und, stehenden Einrichtung Gebrauch gemacht, wonach „bei aller Achtung vor der Konstitution doch eine man sich für 23 Francs ein Billet 3. Klaffe — energische Initiative" bekunden werde. Mit in der 2. Klaffe kostet ein solches 40 Francs — anderen Worten: Das Vorbild Kaiser Wilhelms II. kaufen kann, welches zur Benutzung sämmtlicher hat sich Viktor Emanuel zum Muster genommen, belgischer Bahnlinien 15 Tage berechtigt, und in Was aber dem König des revolutionären Italien Brüssel, in Antwerpen, in Ostende, „ und be- bei der ,Franks. Zig/ zum Lobe angerechnet wird, sonders in den hochromantischen Thälern der das ist dem demokratischen Blatte bei Kaiser Maas, der Leffe, der Ourthe, der Semois usw. Wilhelm höchst unangenehm. wimmelt es gegenwärtig förmlich von Fremden,

O Monn, 13. Aug. Häufig sind die leiten- darunter besonders vielen Deutschen, die mit

den Motive für die christliche Kunst in solchen Fahrkarten versehen sind.

Resolutionen auf den General-Versammlungen * Kom, 12. Aug. Gestern Abend gegen halb der Katholiken Deutschlands zum Ausdruck ge- zehn Uhr zogen etwa sechszig Vereine, im Ganzen bracht worden. Mit der bloßen Ausstellung von 2 0,000 Personen, mit Musik und Bannern theoretischen Prinzipien allein aber wird die vor den Königspalast, um dem Könige zu Kunst nicht gefördert, es ist vielmehr nothwendig, huldigen. Bei Ankunft des Zuges war der der Kunst eine direkte praktische Unterstützung zu Platz schon gefüllt. Der König erschien mit der

* Die Antisemiten werden nächstens wohl ein Preisausschreiben für einen brauchbaren Parteinamen erlaffen müssen. „Antisemiten" ist ihnen nicht gut genug und so suchen sie schon feit langem nach etwas Besserem und Zugkräftigerem herum. Alle paar Jahre haben sie sich umgetauft, aber kein Name hat ihnen gefallen, noch der Partei in die Höhe geholfen. Heute nennen sie sich „deutsch-soziale Reformpartei". Selbst­verständlich steht dieser umständliche Name lediglich auf dem Papier; kein Mensch nennt sie so. Auf dem bevorstehenden Parteitage wird nun wieder über die Umtaufung berathen werden. Der brauch­bare Name fehlt aber noch. In der ,Staatsb Ztgff wird jetzt vorgeschlagen, sich „deutsch-nationale Volkspartei" zu nennen. Dieses papierne Unge« thüm wird aber der Partei ebensowenig aufhelfen wie der jetzige Name. Für den täglichen Gebrauch ist es schon gar nicht zu verwenden Im Uebrigen kann auch der packendste, knappste und volksthüm- lichste Name einer Partei nichts nützen, wenn diese nicht einem politischen Bedürfniß entspricht und den Beweis zu liefern versteht, daß sie das von ihr Erwartete zu leisten vermag. Die Antisemiten, die nicht so genannt sein wollen, haben bis jetzt nur bewiesen, daß sie selbst nicht wissen, was sie wollen.

* Ein «euer Sayerischer Akaggenersatz

„das ist ja Karl Ahrendt! Ah, wie er die schöne Ein Paar kam auf die Nische zu, in der Spanierin anblickt! — Kommen Sie, Gesine — Gesine soß. Sie erschrak; sie erkannte Karl und Sie zittern, Sie befinden sich nicht wohl ..." Manuela. Tiefer zog sie sich in die Nische zurück

Gesine richtete sich straff empor. „Ich befinde und zog die Vorhänge weiter vor. Unmittelbar mich ganz wohl, Mister Howard," entgegnete sie vor der Nische nahmen Karl und Manuela Platz, mit stolzer, wenn auch leicht bebender Stimme. Jetzt erst vermochte Gesine die volle Schönheit der „Ich möchte noch hier bleiben ..."

'ands überhaupt angekreidet würden. Zugleich ürchtet man auch, daß Deutschland, jetzt allzu ehr in den Vordergrund gedrängt, zur Ueber- nahme allzu großer Lasten gezwungen und vor eine überaus gefahrvolle Entwickelung gestellt würde.

Diese Erwägungen haben nun in der deutschen

Presse wieder zu Betrachtungen geführt, deren Ton uns denn doch gar zu ängstlich und eben­falls mit Rücksicht auf das Ausland wieder nicht als wünschenswerth erscheint. Sollen wir denn dem Auslande ein Schauspiel bieten, auf welche die Worte des Dichters passen würden „himmel­hoch jauchzend — zu Tode betrübt!" Wir meinen denn doch, zu pessimistischen Betrachtungen wäre in diesem Augenblicke ebensowenig ein Anlaß, wie zu den bisherigen optimistischen Freudenausbrüchen. In Dingen der auswärtigen Politik reißt, wie uns scheint, nachgerade eine Nervosität bei uns ein, welche auf alle Fälle oom Uebel ist, mag sie sich nun nach der „himmelhoch jauchzenden" oder nach der „zu Tode betrübten" Richtung hin äußern. Unsere Mahnung ist daher an alle, die es angeht: „Ruhig Blut!"

27. Jahrgang.

I bieten. Aus dieser Erkenntniß sind die Kunst­ausstellungen im Anschlüsse an die Katho­likenoersammlungen entstanden. Auf denselben wird den Künstlern und den Kunsthandwerkern Gelegenheit geboten, mit ihren Werken sich gerade den Kreisen vorzustellen, von denen sie Aufträge zu erwarten haben, auf der anderen Seite finden diejenigen, denen es schon durch ihren Beruf obliegt, die christliche Kunst zu pflegen, eine günstige Gelegenheit, durch Schauen und Betrachten, durch Vergleichen und Besprechen mit Andern sich anregen zu taffen und sich zu orientiren. Die Kunstausstellungen auf den Katholikenversammlungen sollen aber auch eine Kundgebung echter Künstlerschaft fein, welche energisch Protest erhebt gegen die vielen Mißstände, welche sich leider zum Schmerze aller ausrichtigen Freunde der wahren Kunst in der Künstler- und Laienwelt, auf dem Gebiete der christlichen Kunst im Laufe der Jahre einge« schlichen hat. Der Aufruf, den das Bonner Komitee in diesem Sinne ergehen ließ, ist denn auch nicht unbeachtet geblieben, und so wird die Ausstellung, am 29. August beginnend, eine Fülle von Gegenständen echter christlicher Kunst und christlichen Kunstgewerbes bieten.

rX Nur ruhig Blut!

Sie Ernennung des Grafen Waldersee zum Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen in China ist in der deutschen Presse leider viel­fach nicht mit jenem Gleichmuth ausgenommen worden, welchen wir ihr schon mit Rücksicht auf das beobachtende Ausland gewünscht hätten. Es ist ja leicht begreiflich, daß die Ernennung eines deutschen und in Deutschland hochgeschätzten Generals dem deutschen Empfinden schmeicheln und zugleich die Zuversicht stärken mußte, daß jetzt in China alles viel bester gehen werde, als bisher. Aber es klang durch die freudigen Kom­mentare eines großen Theiles der deutschen Preste doch allzusehr ein gewisser triumphirender Ton hindurch, welcher zu der Mäßigung, die der deutschen Politik in Ostasien unbedingt vorge­zeichnet ist, nicht recht passen wollte, und zugleich das Ehrgefühl des eifersüchtigen Auslandes nicht in dem gebotenen Maße schonte, Dies war um so übler angebracht, als, wie sich später heraus- stellte, die Ernennung des Grasen Waldersee noch gar nicht vollzogen, sondern erst vom deutschen Kaiser in Vorschlag gebracht war. Allerdings wäre ja letzteres gewiß nicht geschehen, wenn der Kaiser sich nicht vorher vertraulich der Zustimnrung wenigstens einiger Mächte — nämlich der anderen Dreibundstaäten und Ruß­lands — vergewissert hätte. Von anderen Mächten aber wird erst jetzt berichtet, daß sie ihre Zustimmung inzwischen gegeben haben, und dies nicht einmal ohne Bedingungen: es sind dies England und Amerika, während von Frank­reich und Japan vorerst überhaupt noch nichts verlautet.

Nun zweifelt ja «Cerdings wohl niemand daran, daß auch diese beiden Mächte nicht nein sagen werden. Zn Frankreich haben nur extreme Chauvinisten gegen den deutschen Oberbefehl etwas einzuwenden, nachdem ihn Frankreich selbst nicht übernehmen wollte, und auch diese müssen sich bescheiden, weil Rußland es will. Und was Japan betrifft, fo kann, wo alles liebt, doch „Karl allein nicht Haffen". Somit also wäre alles glatt, aber der Triumph für Deutschland wäre sicherlich doch größer, wenn ber Vorschlag nicht von Deutsch­land Selbst ausgegangen, sondern der Oberbefehl ihm von den anderen Mächten einstimmig angetragen worden märe.

Ist dieser Umstand schon sehr geeignet, den Jubel eines Theiles der öffentlichen Meinung in Dentschtaüd etwas zu dämpfen, fo kommt hinzu • die Wirkung der nachträglich aufgedämmerten Ec-! kenntniß, daß Graf Waldersee durch große Schwierigkeiten, nicht nur solche, die ihm der Widerstand der Chinesen und die geographisch- klimatischen Verhältnisse, sondern auch solche, die ihm die vielleicht nicht immer zweifelfveie Unter« -ordnung der ausländischen Befehlsdaber bereiten wird, stoßen dürfte und dadurch leicht Mißerfolge erleiden könnte, welche dann vom neidischen Aus-! land vielleicht dem militärischen Können Deutsch-^