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mit Anterhaltungs-Aeikage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" \
M 183. Jutöcl, Samstag, den 11. August 1900. 27. Jahrgang.
Wochen-Rundschau.
(Nachdruck verboten^
X Fulda, 11. August.
Die Sammlung der Reden des Kaisers darf um einige weitere vermehrt werden. Zwar ist auf die Bremerhavener „Kein Pardon!"-Rede, die in der Presse zumeist ablehnend ausgenommen wurde, keine weitere Ansprache an die abfahrenden „Ostasiaten" erfolgt, deren letzte — es war das 4. Regiment, dessen 1. Bataillon in den Reichslanden gebildet wurde, während bekanntlich das 2. aus Bayern besteht — überhaupt nicht mehr vom Kaiser selbst, der nach Koburg zu der Beisetzung des verlebten Herzogs Alfred sich begeben mußte, sondern vom Prinzen Heinrich verabschiedet wurden, aber inzwischen ist zunächst der Text einer „Seepredigt", die der Kaiser auf der „Hohenzolleru" gehalten hat, und in welcher er in markigen Worten zur Fürbitte für unsere Chinasoldaten aufruft, bekannt worden. Mit dem Inhalt dieser Predigt kann ein gläubiger Christ im Wesentlichen nur einverstanden sein — am wenigsten vielleicht jene Herrn des „Evangelischen Bundes", die eserst kurz vorher als unprotestantisch bekämpft hatten, den Krieg in China zu einem „Kreuzzuge" zu machen. Ob der Kaiser die Predigt selbst versaßt hat oder, wie seine anderen Predigten, von einem Geistlichen sich hat anfertigen lassen, verschlägt wenig, denn jedenfalls gibt sie seine Anschauungen wieder.
Eine zweite Rede hielt der Kaiser in Bremen bei der Bertheilung von Auszeichnungen an die Werftarbeiter des Norddeutschen Lloyd. Er lobte ihre patriotische Pflichttreue, daß sie sich nicht hätten verleiten lassen wie die Arbeiter in Hamburg, zu streiken in einem Augenblick, wo das Vaterland ihrer Hände, bei der Ausrüstung der Transportschiffe, bedurfte. Deren Verhalten nannte er ehrlos. Ganz gewiß ist es verwerflich, wenn Arbeiter einen kritischen Augenblick, wo man ihrer bedarf, um eine Mobilmachung durchzuführen, benutzen, um persönliche Vortheile zu erringen, was eine Mobilmachung mindestens verzögern muß. Aber in Hamburg lag die Sache so, daß nur wenige hundert Mann streikten, auf die man verzichten konnte. Dann aber gingen die Arbeitgeber in allzu großer Schneidigkeit damit vor, ihrerseits sämmtliche Arbeiter auszusperren. Gerade sie haben sich also jenes unpatriotischen Verhaltens schuldig gemacht, das der Kaiser lediglich an den Arbeitern tadelt. Offenbar war der Monarch über den Hamburger Streik schlecht unterrichtet, und seinem Civilkabinet, das ihn auf dem Laufenden zu erhalten hat, kann der schwere Vorwurf nicht erspart werden, daß er durch seine mangelhaften oder einseitigen Informationen den Kaiser in die Lage gebracht hat, öffentlich einen in seiner Einseitigkeit nicht gerechtfertigten Vorwurf zu erheben.
Hierzu ist noch am Montag noch eine dritte Rede hinzugekommen, welche der Kaiser bei der feierlichen Enthüllung des Denkmals des Kurfürsten Friedrich Wilhelm auf dem Sparenberge bei Bielefeld seinen „treuen Ravensbergern" hielt. Nicht zum ersten Male betont darin der Kaiser kräftig das Gottesgnadenthum und das Gefühl der göttlichen Sendung, der sich jeder Hohenzollern bewußt gewesen sei. Ob das historisch richtig ist, haben wir heute nicht zu untersuchen. Für die Gegenwart ist es wichtiger, daß der Kaiser selbst jedenfalls vollständig davon überzeugt ist, eine besondere göttliche Mission zu haben, und es versteht sich von selbst, daß er diese darin erkennt, dem deutschen Volke „den Weg über die See" zu bahnen, damit, wie jetzt MChina, sich zeige, „daßder Arm des deutschen Kaisers auch bis in die entferntesten Theile der Welt reicht". Wie einst seinenBran- -denburgern verhieß der Kaiser auch in Bielefeld dem deutschen Volke noch große Zeiten, unbekümmert über die dunklen Wolken, die über uns dahin ziehen." Die Rede bewegte sich, wie man sieht, in dem bekannten Gedankengange des kaiserlichen Redners und bedarf daher keines Kommentars.
Wer mit aller Gewalt jedes Wort des Kaisers zu glossiren strebt, der könnte sich höchstens gerade an die letzterwähnten „dunklen Wolken" halten, von denen nicht ausdrücklich gesagt ist, ob sie sich auf die chinesischen Wirren beziehen, was man allerdings aus dem vorhergehenden Absätze schließen könnte, oder auf die anarchistischen Unthaten und Drohungen, eine Deutung, welche durch die Fassung des letzten Satzes — unbekümmert um die dunklen Wolken will der Kaiser wie einst Eberhard der Greiner sein Haupt ruhig in eines jeden Ravensber- gerS Schooß legen können — nahegelegt wird. Für Italien würde allerdings in dieser Auffassung nicht gerade eine Schmeichelei liegens Eine solche wäre freilich auch übel angebracht. Das revolutionäre Neuitalien ist ja nur ein großer Anarchiftenherd, und dabei wollen seine freimaurerischen Machthaber offenbar immer noch nichts lernen. Die warme Tyeitnahme des Papstes hat sie ebenso wenig wie die Rücksicht auf die Königin-Witwe und auf den Willen des tobten Königs selbst, deffen Testamentmerkwürdigerweise noch immer „nicht gefunden" wurde, vermocht auf die politisch antipäpstliche Demonstration einer pompösen Beisetzung in Rom zu verzichten und die Königsgruft in Turin ihrem Zwecke zu erhalten. Die Proklamation des neuen Königs Viktor Emanuel III., die natürlich auch von den Ministern verfaßt ist, zeigt ebenfalls absolut kein Verständniß für die Lehren des grausigen Ereignisses: wohl ist von der Erhaltung der nationalen Einheit die Rede, nicht aber von der Aus-1
söhnung der religiös sittlichen Mächte, von besserer Erziehung der Jugend, von sozialen und wirthschaft- lichen Reformen. Von alledem, was so nothwendig wäre, kein Wort! Nimmt man nun noch dazu die wüste Skandalsitzung der Kammer, die eine Trauersitzung sein sollte und doch die wilde Leidenschaft des Kampfes zwischen den Parteien nicht bändigen konnte, so hat man ein Bild vom heutigen Italien, das nichts Gutes für die Zukunft verspricht.
Ob das Attentat, das nach dem blutigen Drama in Monza auf den Schah von Persien, zum Glück ohne Erfolg, in Paris von dem südfranzöfischen Anarchisten Saison verübt wurde, nur ein weiteres Glied in einer ganzen Kette von Monarchenmorden, wie angekündigt war, steht dahin. Die Polizei wird jedenfalls das ihrige thun, weitere Schreckenstaten zu verhindern. In Italien und Frankreich ließ sie freilich zu wünschen übrig.
In China werden die Dinge immer unklarer. Von dem Vormarsch der Verbündeten auf Peking kommen nur verworrene Nachrichten. Sehr weit scheint man jedenfalls noch nicht vorgedrungen zu sein, wird doch erst vom Sonntag eine sehr verlustreiche Schlacht bei P eit sang, nur 13 Kilometer von Tientsin gemeldet. Die Chinesen werden uns noch genug zu schaffen machen.
In Serbien ist die Vermählung des Königs mit Frau Draga schon vollzögen worden. Der König brachte bei dem Festmahl zuerst auf den Kaiser von Rußland und den Präsidenten L o u b e t Trinksprüche aus, dann auf die anderen Staatshäupter, das sagt genug!
Römische Briese.
XXXVII.
□ Rom, 5. August 1900.
Die ganze vergangene Woche war mit den offiziellen und privaten Ausdrücken aufrichtigster Trauer um den ermordeten zweiten König Italiens ausgefüllt. Auf all' die kleineren aber darum nicht weniger imposanten Demonstrationen folgte vorgestern eine Trauerseier der gejammten römischen Bevölkerung. Ein endloser Zug, an dem alle Vereine und Genossenschaften mit ihren Fahnen und Abzeichen theilnahmen, bewegte sich lautlos von der Piazza del Popolo aus über den Corso nach dem Capitol. Alle Läden waren geschlossen, die Theilnehmer am Zuge marschirten entblösten Hauptes. Im großen Saal des Capitols hielt der Gemeinderath eine Trauersitzung ab. Der Bürgermeister, Fürst Colonna, trat auf den Balkon und hielt eine ergreifende Ansprache. Alles verlief in der größten Ordnung.
Angesichts der Majestät des Todes herrscht in allen Kreisen das Bestreben vor, dem ermordeten Monarchen nicht Sachen zuzuschreiben, an denen er persönlich keine Schuld hatte. Auch Papst Leo XIII. hat ja das beste Beispiel der Milde und der Versöhnung bei dieser Gelegenheit gegeben. Denn bald nach dem Eintreffen der Trauernachricht (welche er noch am Abend des 29. und nicht durch den Kardinal Rampolla, sondern durch den Sekretär Angeli erhielt) wollte der hl. Vater ein Beileidstelegramm an die Königin-Witwe richten und las die Meffe für die Seelenruhe des Königs.
Am Donnerstag stieg der hl. Vater in Begleitung von 19 Kardinälen in die Peterskirche hinab, wo er vom Erzpriester Kardinal Rampolla und dem vatikanischen Kapitel und Klerus empfangen in Gesellschaft der gejammten Einwohnerschaft des Vatikan's den vierten Jubiläumsbesuch machte. An Stelle deS Altares des hl. Ley trat diesmal derjenige der Chorkapelle, Der Segen wurde vom Vic-gerenten Erzbischof Ceppetelli ertheilt Leo XIII. befindet sich sehr wohl, aber auch auf ihn macht die ungewöhnliche Hitze der letzten Woche ihren bekannten erschlaffenden Eindruck. Trrtzdem aber arbeitet der Papst trotz seiner neunzig Jahre auf das Eifrigste für das Wohl der Kirche, Wie ich aus'sicherer Quelle erfahre, beschäftigt der hl. Vater sich gegenwärtig mit einem großartigen Plane, womit er gewissermaßen sein langes Pontifikat zu krönen gedenkt. Und so wäre es denn durchaus nicht unwahrscheinlich, daß unsere Stadt, welche während dieser ersten Hälfte des hl. Jahres so viel christlichen Sinn und politische Mäßigung gezeigt hat, vielleicht schon im n äch ste n Jahre der Schauplatz von Berathungen und Arbeiten sein würde, mittels welcher diejenigen Fragen gelöst werden könnten, deren Unterbrechung durch den Einmarsch der Italiener in Rom im Jahre 1870 veranlaßt wurde.
Ueber die intime Lebensweise des ermordeten Königs Humbert I. von Italien ist wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen, trotzdem sein täglicher Lebenslauf sehr von denjenigen anderer gekrönter Häupter abwich und im höchsten Grade charakteristisch für den König war. In Folge eines — wenn auch nur geringen — asthmatischen Leidens schlief der König sehr unruhig und wenig. Bereits um 5 Uhr stand er regelmäßig auf und nahm während der ersten Toilette eine halbe Taffe schwarzen Kaffes zu sich. Nach einer kalten Douche, welche im Winter durch ein lauwarmes Bad ersetzt wurde, begab Humbert I.
sich in den Garten, um einen kurzen Spazierritt in deffen weiten Alleen zu machen. Gegen 8 Uhr nahm er sein Frühstück, welches jedoch nicht aus Kaffee, Thee oder Chokoladr, sondern aus derben Fleischgerichten, Braten und Gemüsen bestand. Hierzu trank der König, Sommer und Winter, ausschließlich Eiswasser und höchstens des Abends beim Diner ein Gläschen piemontestschen Weins. Nunmehr erschien der langjährige Generaladjutant und späterer Hausminister Ponzio Vaglia, um dem Könige Vortrag zu halten nnd die eingegangene Korrespondenz zu öffnen, welche der König selbst klassifizirte. Außerdem aber trug Humbert I. jeden Tag die ihm vom Minister nnt- getheilten Ausgaben für die Hofhaltung in ein eigenes Kontrollbuch ein. Darauf begab sich der Monarch allein auf die Terrasse, die nach den Gärten hinausgeht und beschäftigte sich über eine Stunde damit, die hier in Töpfen ausgestellten Blumen zu pflegen und eigenhändig zu begießen. Von der dem Qairinal unmittelbar benachbarten päpstlichen Daterie aus konnte man den königlichen Gärtner tagtäglich bei der Arbeit inmitten seiner duftenden Lieblings beobachten. Sodann zog sich der König in sein Arbeitszimmer zurück und durchsah die bereits mit Anmerkungen versehenen in- und ausländischen Zeitungen, indem er selbst mit einem Blaustift Bemerkungen auf den Rand derselben schrieb. Um 10 Uhr erschienen in der Regel die Minister oder es begannen die Audienzen. Sie wurden um die Mittagsstunde durch das Frühstück unterbrochen, welches der König gewöhnlich gemeinsam mit der Königin einnahm. Am Nachmittage besuchte der König seinen Marstall und bestimmte persönlich die Pferde, welche zur Spazierfahrt angespannt werden sollten. Der König fuhr niemals gemeinsam mit seiner Gemahlin, sondern war immer von einem Adju'antrn begleitet. Zum Diner, welches um 8 Uhr stattfand, waren fast immer Einladungen ergangen. Nach demselben spielte König Humbert Schach oder Billard. Diese Tagesein- thrilung wurde immer festzehalten und nur — wenn dringend nothwendig — abgeändert.
Politische Attentate.
Politische Morde sind schon im Alter- thum öfters vorgekommen, doch gingen die Ermordungen von Monarchen und Regenten im Alterthum gleichwie im Mittelalter meist aus den persönlichen Motiven der Herrschsucht, des Eigennutzes oder der Rachsucht hervor; so auch die Morde an zwei deutschen Kaisern, an Philipp von Schwaben durch Otto von Wittelrbach und an dem Habsburger Albrecht I. durch Johann Parricida im Jahre 1308. Mordthaten zum Zwecke der Vernichtung der Vertreters einer großen Idee oder Institution durch überspannte, fanatisirte Menschen kommen zuerst in der Zeit der erbitterten Reltgionskämpfe des sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderts vor; außer den verschiedenen Mordanfällen auf die Königin Elisabeth von England sind hier namentlich die Ermordung Wilhelms von Oranien durch Balthasar (Beraub (1584) und Heinrichs IV. durch Franz Ravaillac (1610), ferner die Pulververschwörung des Guy Fawkes in London (1605) zu nennen. Im 18. Jahrhundert erregte besonders das Attentat Damiens' auf Ludwig XV. von Frankreich (1757) und die Ermordung Gustavs III. von Schweden durch Anckarström, das Werkzeug der Adelspartei, (1792) Aufsehen.
Reich an Morden und Mordversuchen aus politischem Fanatismus, mitunter aber auch bloß aus an Verrücktheit grenzender Eitelkeit und Ueber- fpanntheit, ist das 19. Jahrhundert. Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, der vor zwei Jahren seine Lebensgefährtin auf so entsetzliche Weile verlor, war selbst einmal Gegenstand eines Attentates eines Verblendeten, Am 18. Februar 1853 unternahm der Ungar Ltbenyi einen Morb- anschlag auf den Kaiser, der glücklicherweise mißlang; die Stichwunde, die der Monarch Franz Joseph davongetragen hatte, war nach ein paar Wochen verheilt. Eine Votivkirche ist der Erinnerung an den glücklichen Ausgang des mörderischen Anschlages geweiht.
Rußland ist „eine durch Meuchelmorde gemäßigte Despotie" genannt worden. Dort waren Mordthaten selbst innerhalb des Kaiserhauses bis in dieses Jahrhundert hinein „an der Tagesordnung". So wurde im Einverständniß mit Mt- gliedern des Kaiserhauses Paul I. am 23. März 1801 das Opfer einer Adelsverschwörung. Auf Alexander II. wurden viele Attentate verübt: am 16. April 1866 in Petersburg von dem russischen Nihilisten Karakosow, am 6. Juni 1867 in Paris beim Besuche der Weltaussiellung von dem Polen Berezowski, und am 14. April 1879 von Solo- wiew. Nachdem die Versuche der Nihilisten, am 1. Dezember 1879 den kaiserlichen Eisenbahnzug in Moskau und am 17. Februar 1880 den Winterpalast in Petersburg in die Luft zu sprengen, mißlungen waren, wurde Alexander II. am 13.
März 1881 durch Sprengbomben in Petersburg auf der Straße getödtet. Gegen Alexander III. wurden wiederholt Attentate, das letzte am 29. Oktober 1888 auf den Eisenbahnzug in Borkr ohne Erfolg verübt. Ferner erfolgte während der Regierung Alexander II. bezw. Alexander III. eine Reihe von Attentate, so auf den Großfürsten Konstantin in Warschau 1878 und auf den Polizeidirektor Trepow von Wera Sassulitsch, am 16. August 1878 auf den Polizeiminister Mesenzow, der dem Mordstreiche erlag; am 21. Februar in Petersburg auf den Gouverneur Kropotkin mit tödtlichem Ausgange und am 3. März 1880 auf den Minister Loris-Melikow
In Frankreich geschah am 24. Dezember 1800 das Höllenmaschinen-Attentat auf den ersten Konsul Napoleon, auf den in Schönbrunn 1809 auch ein junger Deutscher, Stapß, einen Mordversuch machte. Gegen Ludwig Philipp wurden nicht weniger als 7 Attentate unternommen; bei dem am 18. Juli 1835 von Fieschi mittels der Höllenmaschine unternommenen wurden 14 Menschen getödtet. Napoleon III. wurde am 28. April 1855 durch das Attentat Pianoris, am 8. September 1855 durch das Bellemares, am 14, Januar 1858 durch das der Italiener Orsini, Radio und Pieri bedroht. Das Attentat der Letzteren wurde mit Sprengbomben ausgesührt, es verfehlte zwar sein Ziel, aber viele Menschen wurden dadurch getödtet oder verwundet. Noch in ftischer Erinnerung steht die Ermordung Carnot's, welcher am 24. Juni 1894 während seiner Fahrt durch das festlich geschmückte Lyon von dem italienischen Anarchisten Caserio durch einen Dolchstich getödtet wurde.
In Italien wurde am 8. Dezember 1856 auf König Ferdinand II. von Neapel durch Milano und am 17. November 1878 auf König Humbert in Neapel durch Passanante ein Mordversuch unternommen. Auch am 22. April 1897 wurde auf König Humbert in Rom, als er zum Rennen fuhr, von dem Schmiedegesellen Pietro Acciarito ein Attentat verübt, doch wurde damals glücklicherweise der König nicht verletzt. Ministerpräsident Crispi war im Juni 1894 Gegenstand eines mißlungenenAttentates durch einen Anarchisten Namens Lega.
In Spanien versuchte am 21. Februar 1852 der Irrsinnige Merino, am 28. Mai ein gewisser Fuentes die Königin Isabella zu ermorden. Am 19. Juli 1872 wurde auf König Amadeus, am 25. Oktober 1878 und 30. Dezember 1878 in Madrid auf Alfons XII. ein mißlungenes Attentat verübt. Am 8. August des Jahres 1897 wurde Ministerpräsident Canovas durch einen Anarchisten ermordet.
In Deutschland sind besonders hervorzu- hkben: die Ermordung Kotzebues durch Karl Ludwig Sand in Mannheim am 23. März 1819; die beiden Attentate des früheren Bürgermeisters Tschech am 26. Juli 1844 und des Feuerwerkers Seseloge am 22. Mai 1850 auf König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen; der Mordversuch OSkar Beckers auf König Wilhelm I. von Preußen in Baden-Baden am 14. Juli 1861; die beiden Attentate auf Bismarck von Ferdinand Blind am 7. Mai 1866 in Berlin und von Kullmann am 13. Juni 1874 in Kissingen, und endlich die beiden Mordversuche auf Kaiser Wilhelm I. in Berlin, die Mox Hödel am 11. Mai 1878 und 3 Wochen später Karl Nobiling verübte.
Auf die Königin von England wurden in den Jahren 1840, 1842, 1872 und 1882 Attentate ohne Erfolg verübt. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Abraham Lincoln, fiel am 14. April 1865 der Kugel des Fanatikers Booth zum Opfer. Am 2. Juli 1881 ermordete der in seinen Hoffnungen betrogene Stellenjäger Karl Guiteau den Präsidenten «»***£.
In Griechenland wurde am 9.
1831 Graf Cfl?0 d'Js.naö, veb Präsident des Senate-, von den Gebrüdern Mauromichalis er- schaffen, und am 18. September 1861 von dem Studenten Drosios ein Mordversuch auf die Korsin ain Amalia gemacht. Am 10. Juni 1868 wurde Fürst Michael III. von Serbien von den Radano- vitsch im Parke Topschider bei Belgrad ermordet.
In Bulgarien wurde am 27. März 1891 der Minister Beltschew getödtet, während es die Mörder auf Stambulow abgesehen hatten. Doch Stambulow entrann dem Mordstahliseiner Gegner nicht; am 15. Juli 1895 wurde er schwer verwundet, er erlag drei Tage später den entsetzlichen Verletzungen, welche er erhalten hatte.
Am 1. Mai 1896 wurde Nafr-ed-Din, der Schah von Persien, in seiner Residenzstadt Teheran von einem Anhänger einer fanatischen religiösen Sekte ermordet.
Das letzte politische Attentat, das denjenigen auf den König Humbert und den derzeitigen Schah oorausging, wurde am 4. April d. I. von dem erst 16jährigen Klempner Sipidio auf den Prinzen von Wales in Brüssel verübt, doch blieb der Prinz bekanntlich unverletzt.