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Jutöa, Samstag, dm 11. August 1900.

27. Jahrgang. saiMMfiaMav

Deutsches Keich.

Berlin, den 10. August.

* Wette Zlttrtthe« itt Hkafrika im Kili- mandscharo-Gebiete werden von der letzten Post aus Ostafrika gemeldet. Erst neulich war auf Grund privater Nachrichten bekannt geworden, daß 19 Häuptlinge im Kilimandscharo-Gebiet hingerichtet worden sind. Es handelt sich angeblich um die Bestrafung eines abgekarteten Uederfalles der deutschen Station Moschi, der nur durch einen Zufall vereitelt wurde. Die Strenge des Urtheils soll durch die Tücke und Verschlagen­heit der Gegners geboten gewesen fein. In der Kolonialpreffe war die Erwartung ausgesprochen, daß diese Strenge nachhaltige Wirkung auf die Eingeborenen ausgeübt haben würde. Wie sich jetzt zeigt, ist das ganz und gar nicht der Fall gewesen. Es sind aus Madschame von dem Missionsökonom Herrn von Hopffgarten Nach­richten zur Küste gelangt, wonach die Maffenhin- richtnng in Moschi nicht den geringsten Eindruck auf die räuberischen Aruschaleute aus- geübt hat. In Schira ist es im Mai zu ernsten Unruhen gekommen. Jetzt wird abermals eine „große Strafexpedition" nach dem Meru in Aussicht genommen. — Daß solche Straf­expeditionen trotz aller blutigen Strenge nicht zur Beruhigung der Eingeborenen führen, zeigen gerade die diesjährigen Vorgänge in Deutsch- Ostafrika.

h Der .Reichs-Anzeiger' veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung vom 6. ds. Mts., nach der von diesem Tage an die Ausfuhr vo« Waffe» ttttd Kriegsmaterial «ach Khina und den europäischen Niederlaffungen an der chinesischen Grenze, sowie nach den China be- nachbarten Hafenplätzen über sämmtliche Grenzen des Reiches bis auf weiteres verboten ist.

* Mil der „IreiwiMgKeit" bei der Fahrt nach China hat es feine eigene Bewandtniß. Wer sich einmal „freiwillig" gemeldet hat, kann nicht mehr zurücktreten, auch wenn er es wollte. Verschiedentlich ist es oorgekommen, daß Leute ihre Meldung zurückziehen wollten, weil der Vater oder sonst ein Verwandter ihnen Vor­stellungen gemacht hatte. Das Ergebniß war negativ, und selbst Eingaben an die Militärbe­hörden wurden abschlägig beschieden. Auch die Begründung, daß der Soldat minderjährig sei, erhielt zur Entgegnung, daß jeder Soldat durch des Königs Rock in gewissem Sinne groß­jährig geworden sei und für sein Thun und Handeln selbst eivzutreten habe.

h. Wie der .Vorwärts' mittheilt, hat das Polizeipräsidium für das am Sonntag statt- findende L-ichettöegättgttih LieSKvechts die Genehmigung zum Zuge vom Trauerhause in Charlottenburg bis zum Friedhöfe in Friedrichs­felde davon abhängig gemacht, daß Fahnen und Kränze mit rothen Schleifen im Zuge nicht getragen werden dürfen.

* Züotttt, 10. Bug. Die Anmeldungen zur Theilnahme an der diesjährigen Katholikenver-

Hit Tchtn des Khrmms.

Roman von O. Elster.

31 ------ (Nachdruck verboten.)

16. Kapitel.

Ganz Madrid schwamm in Lust und Freude. Lord Wellington war mit seiner Armee in die spanische Hauptstadt eingezogen und hatte den König Joseph von Napoleons Gnaden verjagt. Lustbarkeiten über Lustbarkeiten fanden statt. Alle Hauser waren festlich geschmückt, kostbare Teppiche mit Goldstickereien hingen von den Balkons her­ab, jubelnde Menschen erfüllten die Straßen, Abends war die Stadt glänzend erleuchtet und überall war Musik und Tanz.

Auch in dem kleinen Thorhäuschen, in dem der alte Hans Heinrich Allerkamp seine Marke­tenderei aufgeschtagen hatte, ging es hoch her. Soldaten und Offiziere — Spanier, Poriugiesen, Engländer, Schotten und Deutsche erfüllten die enge, mit Säulen gefchmückte Vorhalle und tranken auf das Wohl Lord Wellingtons und spotteten über den vertriebenen König Joseph, der, wie fein Bruder in Kassel, den Spottnamen „Morgen wieder lustik" führte, von den Spaniern mit dem Spottnamen El Hei de Botellas, „Flaschenkönig", belegt worden war. Jetzt ertönt rauschende Musik und alles strömte nach dem „Prado", dem Hauptplatze Madrids, auf dem mehrere Musik­kapellen konzertirten. und die vornehme Gesell- fchaft Madrids sich erging.

Es ward leer in der Marketenderei und auf- athmend sank Gesine auf einen Stuhl, das Haupt

fammlung find schon jetzt sehr zahlreich. Mau glaubt, daß die Zahl der eigentlichen MUglieder der Generalversammlung 5000 und vielleicht noch mehr erreichen wird. Für die Festfahrt auf dem Rheine bis Linz, die am letzten Tage nach Schluß der Generalversammlung stattfindet, dürften vier bis fünf Dampfer nöthig sein. — Inder Fest­halle für die Katholikenversammlung hat am Samstag eine Probe bezüglich der Akustik statt­gefunden. Dieselbe ist, wie man das auch voraussetzte, zur vollen Zufriedenheit ausgefallen, selbst in den äußersten Ecken konnte man gut hören. — Die Restauration in der Festhalle ist dem Hofrestaurateur Riech und dem Oekonomen der Lesegesellschaft, Feldmann, Übertragen worden.

* Kovttrg, 10. Ang. Der Erbprinz von Hohenlohe-Langenburg, Regent der Herzog- thümer Sachseu-Koburg und Gotha hat folgende Proklamation erlassen: Im Namen des Herzogs! Wir, Ernst, Erbprinz von Hohenlohe- Langenburg thun hiermit zu roiffen, dem All­mächtigen hat es nach seinem unerforschlichen Rath­schluffe gefallen.Herzog Alfred von Sachsen-Koburg- Gotha, Unfern geliebten Schwiegervater, nach siebenjähriger gesegneter Regierung aus diesem Leben abzuberufen und das ganze herzogliche Haus sowie die Bevölkerung des Landes in tiefe und gerechteTrauer zu versetzen. Nach der int herzoglichen Hause bestehenden Erbfolgeordnung, den abge­schloffenen Verträgen und den Landesgesetzen ist die Regierung auf Herzog Eduard von Sachsen- Koburg und Gotha, Herzog von Albany königl. Hoheit, Unser Mündel, übergegangen. Kraft Ge­setzes vom 15. Juli 1899 sind Wir Erbprinz von Hohenlohe-Langenburg für die Zeit der Minder­jährigkeit des Herzogs zur Regierungsver­wesung berufen. Wir werden solche im Namen des Herzogs nach den Gesetzen des Landes führen, haben auch eidlich angelobt, die Ver- faffung gewissenhaft zu beobachten und kräftig zu schützen. Wir werden Unsere ganze Kraft diesem Uns anvertrauten Amt ro’bmen, Recht und Gerechtigkeit üben und die Wohlfahrt des Landes, wo Wir können, fördern. Wir werden treu zu Kaiser und Reich stehen in der Ueber- zeugung, daß die friedliche Entwickelung des Landes durch die Einheit und Kraft des Landes bedingt werde. Wir bitten Gott um feinen gnädigen Beistand, damit es Uns gelinge, die Regierungsoerwesung so zu führen, daß der Herzog bei bereinftiger Uebernahme ber Re- gierung bie Erfüllung feiner hohen Pflichten allerwegs erleichtert finde. Demnächst versehen Wir uns aber auch von allen öffentlichen Be­amten, geistlichen und weltlichen Dienern, welche Wir in ihren Aemtern hiermit bestätigen, sowie überhaupt von allen Angehörigen des Landes, )aß sie in der Treue und dem Gehorsam gegen hren rechtmäßigen Landesherrn und Uns, so- ange Wir an dessen Statt die Regierung ver­walten, bestehen und Uns nach Kräften bei der Erfüllung ber Pflichten unterstützen werden. Ernst Erdprinz vonHohenlohe-Langenburg. Gegen- gez. v. Strenge.

Ausland.

* Arüffek, lO.Aug. Der König von Bel­gien hat eine Seereise angetreten. Wie verlau­

ermüdet auf eine der Säulen lehnend. Der alte Hans Heinrich, ber hinter dem Schenktisch staub unb Gläser spülte, blickte besorgt zu seiner Tochter jinfiber, deren Wangen in bett letzten Monaten chmal unb blaß geworben waren und deren sonst o froh blitzende Augen einen trüben Glanz an« enommen hatten. Hans Heinrich legte die Flaschenbürste und das Tuch nieder und humpelte sinter dem Schenktisch hervor.

„Bist wohl müde und matt von all dem Trubel, Gesine?" fragte er mit sanfter Stimme, ndem sich seine Hand liebkosend auf den blonden Scheitel seiner Tochter legte.

Trübe lächelnd blickte Gesine zu ihm auf. „Nur einige Minuten der Ruhe, Vater, dann elfe ich Euch wieder."

„Ich fragte nicht deshalb, Gesine," entgegnete der Alte. „Ich kann schon allein mit der Arbeit ertig werden. Aber Du machst mir Sorge in der letzten Zeit, Kind. Ich wollt', wir säßen ruhig unb still in bem kleinen Fährhause von Nienhagen unb kümmerten uns gar nicht um bie . Zänbel der Welt."

„Ach ja, Vater, bas wünscht' ich auch," kam es wie ein tiefer Seufzer über bie Sippen Ge- sinens. Vor ihren Augen stieg bas friebliche Bilb Nienhagens auf. Die breit dahinfluthenbe Weser, auf ber bie Sonne flimmernd ruhte, bie röthlich blühende, duftende Haide, die weite, nebelblaue Ferne, das wogende, blaugrüne Meer, die schäumende Brandung — unb eine unend­liche Sehnsucht schlich sich in ihr Herz. Sie senkte das Haupt unb eine Thräne stahl sich in ihr Auge.

tet, wirb er auch bie englische Küste besuchen unb auf ber Insel Wight eine erste Zusammenkunft mit seiner Tochter Stephanie, ber Gemahlin bes Grafen Lonyay, haben.

* Karis, 10. August. Der Schah von Persien begibt sich morgen von hier nach Ostenbe unb wirb am 23. b. M. in Brüssel eintreffen.

* Lottdo«, 10. August. Der Lorb Ober­richter von Englanb, Lorb Ruffel of Killowen ist am Freitag in Lonbon gestorben. Lord Ruffel of Killowen, unter feinem ursprünglichen Namen Sir Charles Ruffel, war ein hervor­ragendes Mitglied des letzten liberalen Kabinets und einer der bedeutendsten Juristen Englands.

* Lottdo», 9. August. Seit Jahr und Tag wüthet bekanntlich in Indien bie grausamste Hnngersnoth. Nach Hnnberttansenbenzählen bie Opfer, welche sie unb bie ihr folgenden epi­demischen Krankheiten Jahr um Jahr fordern. In dem Eiend der nunmehr verflossenen Zeit tröstet man sich mit der Hoffnung auf den Aus­fall der neuen Ernte. Diese Hoffnung scheint sich nun leider nicht erfüllen zu sollen. Ein an den Unterstaatssekretär des Aeußeren gelangter Bericht des Vizekönigs von Indien besagt nämlich:

„Große Angst flößt die Schwäche des Monsun (regenbringender Südwind) ein. Derselbe bringt nur bei starkem, anhaltendem Weden den nothwendigen Regen. Die Lage ist ernst und kritisch in Guiurat, Baroda, Raiputana und dem Westen, wo die Aussaat noch immer nicht erfolgt ist und wo kein Futter irgend welcher Art aufzutreiben ist. Im südwestlichen Punjab ist die Aussaat in dringender Gefahr, weil der Regen noch immer auf fich warten läßt Futter ist sehr selten und das Vieh stirbt. In den Cenlralprovinzen Berar und Hyderabad kann eine Ernte nur erzielt werden, wenn der Monsum stärker weht, sonst nicht. Die Zahl der Unterstützung Empfangenden ist auf sechs Milli­onen zweihundertsechsundsechzigtausend gestiegen. In der verflossenen Worbe erlagen der Cholera allein 5703 Menschen von 8607 Erkrankten in den Hunger­distrikten. In den Eingeborenenstaaten starben von 8240 Kranken 5710. Von den an den Hungerbauten Be­schäftigten starben von 9476 Angesteckten 6753 in den britischen Gouvernements allein. Es erlagen der Cholera allein danach in dieser einen letzten Juniwoche 17,166 Menschen in den Distrikten, in denen von einer zuverlässigen Statistik überhaupt die Rede sein kann, und daS gilt in Indien nur von einem um so kleineren Gebiete, als selbst in den ganz britisch verwalteten Großstädten der Einfluß der Brahma- wie Buddha- und Jslampriester nicht einmal den Aerzten gestattet, ihres Amtes ordentlich zu walten und oer Mohammedaner wie der Buddhist das Eindringen eines nicht geladenen Fremden in sein Haus für einen Ein­bruch in seine heiligsten Rechte betrachtet. Die wirkliche Zahl der Opfer wird also die angegebenen Ziffern vor­aussichtlich bedeutend übersteigen, und doch weist diese offizielle Statistik bereits für die letzten Monate fast 20,000 Todte für jede Woche und über 200,000 Sodte für das zweite Vierteljahr auf. Die Zahl der Hungers Gestorbenen und die zweifellos ungeheure Zahl der an­deren Krankheiten und Entbehrungen Erlegenen nennt keine Statistik."

Das ftnb bie „Segnungen", welche Indien in Folge ber völlig verkehrten englischen Wirth- schaftspolitik zu theil werden. Denn längst haben bebeutenbe Nationalökonomen dargelegt, baß Indien bei seinen immensen Bobenreichthümern jeglicher partiellen Hnngersnoth — unb nur um eine solche handelt es sich — begegnen könnte, wenn bas englische Regiment es verstände unb es wollte: daß diese Bodenreichthümer erschlossen, und baß Industrie unb Handel unb Wandel in

„Der Deuwel hole bies schöne Spanien mit sammt seinen Kastanienwäldern unb Palästen!" brummte Hans Heinrich Allerkamp. „Hatte mir die Sache anders gedacht — ja, wenn ber Admiral Nelson noch lebte, bann wäre ber Krieg bald vorüber. Aber so kann er noch Jahre bauern unb für wen tragen wir unsere Haut zu Markte? Für bie Spanier unb Portugiesen! Ich kann sie nicht leiben. Weißt Du, Gesine — ich löse meinen Kontrakt mit bem Bataillon unb wir segeln mit bem ersten Schiff nach Deutschlanb zurück."

„Was sollen wir dort, Vater?" fragte Gesine muthlos.

„Leben und uns ausruhen vom Kriege, Ge­sine. Ich weiß wohl, mein armes Kind, was Dein Herz bedrückt — der Karl hat sich ja nicht mehr sehen laffen, obgleich er mit bem Regiment in ber Stadl ist . . ."

„O schweigt, Vater. Karl kann thun unb lassen, was er will."

„Ja, aber ein Schurkenstreich ist es doch."

„Vater..."

„Ja, ja, bin schon ruhig. Aber wenn er mir einmal unter bie Hände kommt, bann gnad' ihm Gott."

„Laßt ihn zufrieben, Vater. Wir haben uns in ihm getäuscht."

Brummend wandte sich ber Alte ab, um sich roieber hinter den Schenktisch zu begeben.

„Grüß Gott, Miß Gesine!" rief eine luftige Stimme von Der Straße her unb Leutnant James Howarb betrat fporenflingenb unb fäbelraffelnb bie Säulenhalle.

„Gesine erröthete leicht. „Guten Taz, Mister

Jnbien selbst entwickelt würben. Aber man will bies nicht, um Jnbien vorn englischen König­reich in Bezug auf ben Waarenkonsum ab­hängig zu erhalten. Währenb ber Typus ber englischen Gewalt- unb Jntereffenpolitiker, Cham­berlain unb Konsorten, in Südafrika Tausende won Millionen opfern, um einem tüchtigen, ber Höchsten Entwickelung fähigen Völkchen feine an­gestammte Freiheiten zu rauben, lassen biefeiben englischen „Staatsmänner" in bem von Natur so reich gesegneten Jnbien Millionen Hungers sterben!!

* Madrid, 10. Aug. In verschiedenen Städten Spaniens machen fich wieder karlistischeAgi- tationen bemerkbar. In Plasencia, Provinz Caceres, wurden in Folge Entdeckung einer Waffen- Niederlage mehrere Personen verhaftet, jedoch vorläufig wieder in Freiheit gesetzt.

Der Krieg w Südafrika.

In Pretoria soll eine Verschwörung entdeckt worden sein, bie zum Ziele halte, alle englischen Offiziere in Pretoria zu er­schießen unb Lorb Roberts zum Ge­fangenen zu machen; zehn Anstifter würben verhaftet. In einem Telegramm des „Reuter- scheu Bureaus" aus Pretoria wird darüber Folgendes gemeldet: Eine Anzahl hiesiger Ein­wohner, die mit dem Feinde in Verkehr standen, trafen am 7. August Abends Veranstaltungen, um die Ermordung aller in der Stadt wohnenden englischen Offiziere unb bie Gefangennahme unb Wegführung des Feldmarschalls Roberts zum nächsten Burenkommanbo zu oerabreben. Die Verschwörung wurde erst im letzten Augenblick entdeckt unb zehn ber Verschwörer ver­haftet. Die Verschwörer beabsichtigten, biefen Plan während einer durch Brandstiftungen her­vorgerufenen Verwirrung zur Ausführung zu bringen. — Weiter wird darüber gemeldet: Die Verschwörer, 14 an der Zahl, waren Einwohner von Pretoria und standen mit dem Feinde in Verbindung. Sie beabsichtigten, in zwei großen Häusern im äußersten Westen der Stabt Feuer anzulegen in ber Hoffnung, baß bort bie englischen Truppen zusammengezogen werben würben, um bas Feuer zu löschen. Währenb ber bann entstehenben allgemeinen Verwirrung beab­sichtigten bie Verschwörer, in bie vorher sorgfältig bezeichneten Häuser ber britischen Offiziere einzu­dringen und diese zu ermorden. Inzwischen sollten alle Burenfreunde von ber Verschwörung in Kenntniß gesetzt werben, benn bie Verschwörer hofften, baß mehrere hunbert berfelben sich ihnen anschließen würben. Mehrere Verschwörer waren bazu ausersehen worben, ben Feldmarschall Roberts gefangen zu nehmen und mit ihm zu bem nächsten Burenkommando zu eilen. Zu diesem Zwecke waren Pferde außerhalb der Stadt bereit gehalten worden. Alle an der Verschwörung Betheiligten hatten sich eidlich verpflichtet, neutral zu bleiben, m Folge dieses Eides war ihnen völlige Freiheit eingeräumt worden. Im Heere herrscht über diesen Vorfall die größte Entrüstung. Man ist berAn- icht, daß die Buren durch die milde Behandlung u einer Verschwörung ermuthigt worden seien, mb hofft, baß ein so großer Vertrauens­bruch aufs Strengste bestraft werbe.

Howard. Ich wußte nicht, baß sie in Madrid eien."

„Heule Morgen eimnarschirt, Miß Gesine, und mich sofort nach Ihnen erkundigt."

„Das ist sehr freundlich von Ihnen . . ."

„O Sie wissen, Miß Gesine, was mich zu Ihnen zieht."

„Mister Howard ... ich bitte . . ."

„Verzeihung — ich weiß. Sie wollen der­gleichen nicht hören. Ich schweige schon. Miß Zesine ... ich schweige schon. Ihnen steckt noch mmer Ihr deutscher Schatz im Sinn, obgleich 3er Bursche Ihre Siebe gar nicht verdient. Wissen Sie denn, baß Karl Ahrenbt zum Fähnrich er­nannt ist?"

„Ah — in ber That, bas freut mich", ent­gegnete Gesine hoch erröthend.

" „Das freut Sie — ah, was für ein gutes Herz Sie haben. Aber weshalb ich hierher ge- ommen bin. Miß Gesine ... auf bem Stabt« zaus finbet großer, öffentlicher Ball statt, den ollen Sie sich einmal ansehen."

„Was soll ich bort, Mister Howarb?"

„Miß Gesine, wenn es auf mich ankäme, ollten Sie dort unter ben Damen mittanzen! Doch der Trubel ist sehenswerth — eine Ab­wechselung des ewigen Einerlei von Märschen, Sagern, Schlachten und blutigen Gefechten. Nicht wahr, Mister Allerkamp", wandte er sich an den Alten, „Sie erlauben, daß ich Gesine auf eine Stunde hinführe?"

„Ich erlaube es gern, wenn Gesine will."

Gesine ließ sich überreden. Sie sehnte sich wirklich einmal nach einem fröhlichen Anblick;