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Juwa, Freitag, den 10. August 1900.
27. JahrgMg.
G Aus der nationalliberalen Partei.
Seit einiger Zeit gefalle» sich manche liberale BlLUer darin, von einem „Wiedererstarken des liberalen Gedankens" in Deutschland zu sprechen. Von der Heinzebündelei erwartete man große Dinge, und auch heute noch stellen sich liberale Blätter so an, als glaubte» sie wirklich an einen Erfolg jener „Bewegung" in ihrem Sinne. Sie übersehen dabei absichtlich, daß die sozialdemokratische Bundesgeuoffenschaft, welche sich ihrem Charakter nach weit heftiger und radikaler gegen die lex Heinze ins Zeug legte, auch den meisten Profit von der Sache haben muß. Und welcher Partei gaben diejenigen, die auf solche Weise ins sozialistische Lager hinübergezogen werden, bisher ihre Stimme? Ganz gewiß nicht dem Centrum, schwerlich auch den Konservativen — bleibt also nur, daß sie, abgesehen von den politisch Gleich- giltigen, bisher Liberale waren! So mußte eS kommen! In der That dürften sich auch einsichtige Liberale nicht darüber täuschen, daß die Heinzebündelei, deren sich die Nationalliberalen im Lande so eifrig angenommen, «ährend sie allerdings im Reichstage die vorsichtigen Diplomaten spielten, für sie mit einem beträchtlichen Defizit abschließt. Mit dem Mommsen'schen Plane, den „Göthebund" zu verewigen, wird es nicht anders gehen; lediglich die Sozialdemokratie als die schärfere Tonart wird den Nutzen davon haben, denn bei solchen „Bewegungen" hat immer der die Maffe für sich, der am radikalsten auftritt.
Das Hauptquartier der Heinzebündler war 'München, und hier machen dann begreiflicher Weise die liberalen .Münchener Neuesten Nachr/ auch noch immer große Sprüche von dem Aufschwünge der Liberalen und de« Heldenthaten, die sie noch zu vollbringen gedächten. In Wahrheit sieht die Sache, im besonderen auch in Bayern, wo die Liberalen doch sogar noch .„einig" find, anders aus. Soeben ist wiederein Ättmstück, welches einen drastischen Beweis für unsere Behauptung liefert, der Redaktion eines 'Centrumkblattes, „auf den Tisch geflogen." DaS Schriftstück, das an zahlreiche Männer verschickt wurde, welche man für Liberale hielt — hie und da offenbar mit Unrecht, da die betr. Herrn der liberalen Partei den Rücken gekehrt haben —, geht ans von dem geschäftSführenden AuSfchuffe der uationalliberalen Partei in Bayern o. d. Rh. und stellt sich als ein kläglicher Hilferuf in äußerster Noth dar. Nachdem zuerst die „großen Verdienste" der Partei im Reiche wie in Bayern genügend heroorgehoben sind, die große Vergangenheit der Partei in Parade vorgeführt worden, kommt die Klage: „Das ist anders geworben: Im Reiche ist die Centrumspartei ausschlaggebend, im Landtage haben die Ultramontanen die absolute Mehrheit erobert. Die Zahl der sozialdemokratischen Abgeord- neten nimmt ständig zu. Neue Parteigebilde entstehen, die nur Klaffen- und Stan- desintereffen, nicht das Wohl der Gesammtheit als Richtschnur für ihr Handeln anerkennen. Der Einfluß der nationalliberalen Partei auf die Wähler wie auf die Regierung hat abgenommen."
Hier ist also nicht von einem Aufschwung,
Die Tochter des Khrmms.
Roman von O. Elster.
30 ------ (Nachdruck verboten.)
Er wagte nicht, sie zu stören. Hastig stürzte er ein Glas Wein hinab. Dann sagte er, um die peinliche Stille zu unterbrechen: „Welch seltsames Gemach dies ist!"
Ihre dunklen Augen starrten finster sinnend in die Ferne, als stiegen vor ihren Augen blutige, furchtbare Bilder auf. Ihre Lippen waren fest zusammengepreßt, ihre Hände umkrampften mit festem Griff die Lehne des Sessels.
Endlich blickte sie zu ihm auf mit einem tief leidenschaftlichen Blick. Da hielt er sich nicht länger, er sprang empor und rief:
„Manuela, lassen Sie mich tödten, stoßen Sie selbst mir den Dolch in das Herz — ich muß Ihnen mein Herz ausschütten, ich muß Ihnen sagen, wie tief sich Ihr schönes Bild vom ersten Augenblick, wo ich Sie sah, in meine Seele eingegraben hat. Zwischen den Schlachten und Gefahren ist wohl nicht die Stunde, von Liebe zu sprechen — aber das Soldatenleben ist kurz — es muß den Augenblick ergreifen — unauslöschlich wird Ihr Bild in meinem Herzen leben, Manuela, unvergeßlich wird mir diese Stunde sein, wenn auch des Krieges Sturm mich weiter von ihrer Seite reißt . . . Manuela — ich liebe Dich!"
Er schlang den Arm um sie und sie ruhte eine Weile an seinem Herzen —, da schreckte sie auf. Ein scharfer, kurzer Knall drang wie aus weiter
sondern vielmehr, wenn man so sagen darf, von einem Abschwung der Partei die Rede. Das Centrum, das als der „Erbfeind" vorangestellt ist, die Sozialdemokratie und „neue Parteigebilde" haben diesen Abschwung bewirkt. Unter den „neuen Parteigebilden" ist der Bauernbund zu verstehen, der als Sturmbock gegen das Centrum gegründet und von den Liberalen mit Jndianer- geheul begrüßt und in jeder Weise unterstützt, heute thatsächlich nur noch den Liberalen gefährlich ist, benen er in den protestantischen Gegenden ein Manbat nach dem andern abjagt, während er in den katholischen Bezirken vollständig fertig ist und seine Wähler wieder an das Centrum zurückgibt. Ja, wer andern eine Grube gräbt!
Natürlich ist das Vaterland in Gefahr, wenn es den Nationalliberalen schlecht geht, und so folgt denn jetzt auch in dem erwähnten Aufruf der obligate Hinweis auf die „Gefahr für die Zukunft des Vaterlandes", um daran die dringende Bitte zu knüpfen, der Landespartei als zahlendes Mitglied förmlich beizutreten. Denn ach, bisher sieht es mit der am 3. Dez. 1899 befchloffenen Organisation schlecht aus: zwar die Offiziere find da und haben die Kommandos unter sich vertheitt, aber es fehlen die Soldaten! Das ist mit anderen Worten der Inhalt der folgenden Abschnitte. Der geschäftsfüh- rende Ausschuß hat eine fieberhafte Thätigkeit entwickelt, eine Geschäftsstelle errichtet, einen Partei- Sekretär (in der Person eines Herrn Albrecht Baist) angestellt, ein Korrespondenzblatt herausgegeben, in allen Kreisen Partei-Versammlungen abgehalten — und trotz alledem kein Erfolg! „Gleichwohl . . . . ist bis zur Stunde in den meisten Wahlkreisen nur wenig oder gar nichts geschehen, um die beschlossene Neuorganisation der Partei zur Wahrheit zu machen .... hat bisher nur ein verschwindend kleiner Bruchtheil der Partei - Angehörigen dem dringenden, oft wiederholten Rufe Folge geleistet," der Landespartei als zahlende Mitglieder beizutreten.
Dieser Nothschrei ist ein geradezu klassisches Zeugniß für das nationalliberale Partei • Elend. Helfen wird er auch nicht viel. Denn der Rückgang der nationalliberalen Partei beruht nicht auf Mangel an Geld, auch nicht auf mangelhafter Organisation, sondern lediglich auf Mangel au Wählern. Die Wähler haben die Partei, von der sie gründlich enttäuscht wurden, verlassen und werden nicht zurückkehren. Der Liberalismus hat seine Zeit gehabt; sie ist unwiederbringlich dahin.
Deutsches Deich.
Berlin, den 9. August.
+ Heute Vormittag 10’/a Uhr wurde in der St. HedwigSkirche ein feierliches Alequiem für den König Humbert von Italien abgehalten. Das Portal und das Innere der Kirche waren mit Trauerflor und Blattpflanzen dekorirt; ein zahlreiches Publikum, darunter viele Mitglieder der italienischen Kolonie, hielt die Seitenschiffe besetzt. Am Hauptportal empfingen die Herren der italienischen Botschaft mit dem Grafen Lanza und die Geistlichkeit mit dem Propst Neuber an der Spitze die geladenen Personen. Als Vertreter deS Kaisers erschien der Kronprinz in Begleitung deS Prinzen Friedrich Heinrich. Die italienische Kolonie hatte sich über- SSSSS^SSSWSMSSSSS^^SSSSSWSSSSSN Ferne zu ihnen . . . dann ein furchtbarer Schrei — dann wieder Todtenstille . . .
„Was war das? — Es klang wie ein Schuß?"
„Es war ein Schuß," sprach sie lächelnd und hochaufathmend die schwarzen Locken aus der weißen Stirne streichend. „Und sein Klang mahnt mich an meine Pfl cht."
„An Deine Pfltckt, Manuela?"
„Ja, an meine Pflicht dem Vaterlande gegenüber. Noch liegt es in Banden der Knechtschaft, noch ist es nicht frei, und unsere Pflicht ist der Kampf . .
„Der Kampf ist die Pflicht der Männer — Du aber, Manuela, magst friedlichen, sanften Gedanken Raum gewähren."
Ein Lächeln, das Karl erschreckte, zuckte blitzartig über das finsterschöne Gesicht der Spanierin.
„So mögen deutsche Frauen denken," sagte sie stolz, „wir Spanierinnen denken anders. Wir Spanierinnen denken zuerst an daS Glück unseres Heimathlandes, dann erst an unser eigenes Glück."
„Manuela, wie soll ich das verstehen?"
„Ehe Spanien nicht frei, ehe nicht der letzte fremde Soldat von Spaniens Erde vertrieben, eher reiche ich keinem Manne die Hand zum Herzensbunde. Ich kenne meine Aufgabe. Ich will die Prophetin meines Volkes werden, die es aufruft zum heiligen Rachekrieg, die ihm die Fahne der Freiheit voranträgt, die es in die Schlacht und zum blutigen Siege führt. Rache
auS zahlreich eingefunden. Das ganze Mittel- schiff war den offiziellen Vertretern der Hof-, Staats- und Militärbehörden, sowie dem diplomatischen KorpS überlassen. Im Auftrage der Kaiserin erschien der Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach; ferner waren anwesend die Minister Dr. Studt und Schönstedt, der Oberstkämmerer des Kaisers Graf Sclms-Baruth, der Zeremonie», meister v. Bellheim, der Chef des Zioilkabinets v. Lucanus, Generalarzt v. Leuthold, Admiral v. Senden-Bibran, viele Generäle und andere hohe Offiziere, sowie die Polizeipräsidenten von Berlin und Potsdam v. Windheim und v. Balau. UeberauS zahlreich vertreten war daS diplomatische Korps, persönlich erschienen waren die Botschafter von Frankreich, Rußland, England, der Türkei und Spanien, sowie die Gesandten von Japan, der Schweiz, Rumänien, Argentinien, Belgien, Portugal und Griechenland. Der Kronprinz, in dessen Gefolge sich der Oberst v. Pritzel- witz befand, wurde am Portal der Kirche von der Geistlichkeit, dem in Generalsuniform erschienenen italienischen Botschafter Graf Lanza und den Herren der Botschaft, sowie vom Prinzen Friedrich Heinrich empfangen und in die Kirche geleitet. Das Requiem selbst celebrirte der fürstbischöfliche Delegat, Herr Propst Dr. Reuber unter Assistenz des Herrn Kuratus Barthel und der Herren Kapläne Sonneck und Dr. Jüttner. Der Chor unter Weckers Leitung sang das Requiem von Kaspar Ett.
tl General-Feldmarschall chraf Makdersee hegt die Absicht, sich über San Francisco nach China zu begeben, sodaß er dort noch früher als die zuletzt ausgereisten Truppen eintreffen würde. Dieser Weg ist sicherlich, abgesehen von der sibirischen Bahn, die aus verschiedenen Rücksichten kaum in Betracht kommen dürfte, der kürzeste. Die Seefahrt nach New-Aork beansprucht etwa 7 Tage, die Durchquerung von Nordamerika mit der Pacificbahn 3—4 Tage, sowie die Seefahrt von San Francisco nach Uokohama 14 Tage, von dort nach Taku dürfte noch ein Zeitaufwand von 4—5 Tagen erforderlich sein, so daß die ganze Reise eine Dauer von 29—30 Tagen haben würde. Die Abreise erfolgt voraussichtlich schon in 14 Tagen nach erfolgter Mobill- sirung des Generalstabs. Derselbe wird schleunigst zusammengesetzt werden. Man nimmt in militärischen Kreisen an, daß Graf Waldersee in erster Linie die Offiziere seiner bisherigen Umgebung, also diejenigen im Bereiche des Generalstabe« der HL Armeeinspektion für feinen Stab wählen wird. In Hannover wird voraussichtlich noch eine Abschiedsfeier für den Generalfeldmarschall veranstaltet.
X Vorsicht i» der Krheönvg vo« Maje- üätsöeleidiguttgs-Attkkage« wäre sicherlich vielen Staatsanwälten anzuempfehlen. Wenn aber ein sächsisches sozialdemokratisches Blatt berichtet, der bayerische Justizminister habe eine solche Mahnung in einem „stillen Erlaß" ergehen lassen, so ist dies nicht nur falsch, sondern beruht auch auf Unkenntniß der bayerischen Verhältnisse. Angesichts der Praxis der Schwurgerichte, die in Bayern Majestätsbeleidigungen in der Regel nicht tragisch nehmen, verzichten hier die Staatsanwälte meist von vornherein auf Anklagen, die auf schwachen Füßen stehen oder Lappalien zum Gegenstände haben. Ein solches Verfahren wäre auch anderwärts zu empfehlen.
für die Unbill, die mein Volk von diesen Unterdrückern erfahren, das ist meines Lebens Ziel!"
Sie richtete sich straff auf und richtete die Hand wie zum Schwure empor.
Karl blickte mit scheuer Bewunderung auf daS stolze, schöne Weib.
„Du hast den Schuß gehört — den Schrei —", fuhr sie fort — „es war das Signal, daß unsere Brüder nahen — daß sie die That der Rache vollenden — schon liegt der Wachtposten am Thor in seinem Blute — binnen Kurzem werden auch die Fremden, die drunten im schwarzen Saale ruhen, ein Raub der Dolche meiner Landsleute sein ..."
Karl schauderte. „Sie werde» für ihr Leben kämpfen!"
„Der Wein, den ich ihnen gab, hat sie betäubt und kraftlos gemacht," entgegnete Manuela höhnisch lachend. „Sie werden von den Dolchen meiner Landsleute fallen, ehe sie sich von ihrem Lager erhoben haben. Mein Vater Pedro führt die Schaar der Rache, er hat sie herbeigr- tufen ..." t
„Manuela!" rief Karl schaudernd, „das tft kein ehrlicher Kampf — das ist Mord . . .“
„Morden die Fremden nicht auch unsere Landsleute? — Vor einigen Wochen war es, als wir uns in einem kleinen Orte verborgen hielten," fuhr sie finster fort. „Eine Schaar französischer Marodeure überfiel den Ort. Ich sah, wie sie einen jungen Bauern mißhandelten und kaebelten, als er sich der Plünderung seines
* In Berlin besteht ein gtatfrafoereht für Arveitouachwei», der durchaus parüätisch ist und dem Arbeiter und Unternehmer angehören. Die Stadt hat beschlossen, ihn mit jährlich 20000 Mark zu unterstützen. Das hat den höchsten Zorn der .Post' erregt, die natürlich auf dem Standpunkte steht, den die bekannte Leipziger Unternehmerversammlung einnahm, daß nämlich der Arbeitsnachweis allein in der Hand der Unternehmer gehöre, weil er das beste Mittel zur Bändigung der Arbeiters«. Sie schimpft mächtig, daß mit den Steuergroschen ein Kampf gegen das Berliner Unternehmerthum geführt werden soll, das sich organifirt und selbst einen Arbeitsnachweis eingerichtet habe. Ebenso ist daS Blatt darüber empört, daß die JnoalidenverficheruyMe anstatt Berlin den Ankauf eines GrundstüM beschlossen hat, um dort ein Arbeitsnachweis- Gebäude zu errichten, welches bann bem Centralverein für Arbeitsnachweis verpachtet werde» soll. — Es ist auch wirklich unerträglich, daß sich immer noch Leute weigern, auf das soziale Programm des Herrn v. Stumm zu schwören.
* Hebet die Errichtung einer Auskrmft»- fieffe für de» auswärtige» Kandel in Deutschland wird gegenwärtig vom deutsche» Handelstag bei feinen Mitgliedern eine Umfrage veranstaltet. AlS Zweck einer solchen Reichs- handelsstelle ist gedacht, den Gewerbetreibenden Auskunft zu geben über dasjenige, was sie zur Anbahnung, Erhaltung und Erweiterung geschäftlicher Beziehungen mit dem Ausland wissen müssen. Zu diesem Zwecke sollen gesammelt und für Nachfragen zur Verfügung gehalten werden Auskünfte über ausländische Gesetze, Verordnungen und berg!, betr. Zollwesen, Gewerbe- und Handelsrecht, Patent-, Muster- und Zeichenschutz, Steuern u. a., für den Handel wichtige Statistiken, Auskünfte über Beförderungswege und Frachten, Länder und Orte für den Bezug und Absatz, auch Marktberichte u. s. w.. Über Personen und Firmen für Bezug und Absatz, Rechtsanwälte. Die Fragen an die Mitglieder des HandelstagS lauten in erster Linie, ob die Errichtung einer derartigen Auskunftsstelle er* strebrnSwerth fei und ob das von ihr zu Bietende nützlich und erreichbar fei.
V Merkt«, S. August. Der Kaiser hört heute Bormittag im Schlosse WilhelmShöhe die «orträge deS Chefs des Militär-KabinetS von Habnke, des Chefs des SeneralftabeS Trafen Schliessen und des Kriegsministers von Soßler. — Der Minister des Innern, Freiherr von Rheinbaben, ist nach mehr- wöchentlichem Aufenthalt in England nunmehr nach Deutschland zurückgekehrt und gevenkt der .Nordd. Allg. Ztg.' zufolge gegen Ende des MonatS nach Beendigung feines Urlaubs in Berlin wieder einzutreffen. — Morgen Nachmittag 3 Uhr findet eine Sitzung des StaatS- ministeriums statt, an welcher der Justizminister Schönstedt, Kriegsminister Goßler, Kultusminister Dr. Studt und Staatssekretär Tirpitz theilnehmen werden. Den Bor sitz führt Justizmintster Schönstedt. Die abwesenden Minister werden durch ihre Unterstaatssekretäre vertreten sein. — Die hier anwesende Buren- aesandtschaft hat, wie wir zuverlässig erfahren, bis heute Mittag auf dem hiesigen Auswärtigen Amt nicht vorgesprochen. — Laut Bekanntmachung deS Kieler Bezirks-Kommandos vom 9. Armee-Korps ist die Annahme von Meldungen Angehöriger des Beurlaubtenstandes für den Ersatz des ostastatischen ExpAtionS- Korps heute abgeschlossen worden. - Dre auf dem Kreuzer „Bussard" verletzten beiden Herzer Müller und Fischer find in Aden gestörten.
X Kasiet, 9. August. Gras Walbersee unb Gemahlin finb heute Vormittag 10 Uhr 52
Hofes wibersetzte unb einen bet Marodeure nieberschlug. Sein junges Weib mit bem Säugling sogar fiel unter ben Schüssen der Räuber, währenb sie ben Mann gefesselt fort- schleppten, um ihn bem Kriegsgerichte zu übergeben. War bas ein ehrlicher Kampf? — Von jenem Tage an kennt mein Herz kein Erbarmen."
Karl senkte ba8 Haupt. Er hatte nur zu viel solcher Schreckensthaten gesehen, zu viel von ben Brutalitäten ber französischen Soldaten
ö Und doch konnte er diesen mörderischen lieber* fall der französischen Soldaten durch die spanischen Bauern nicht billigen! Der ehrliche Kampf zweier Nationen wurde zu einem Stäuber* kriege entwürdigt, in bem alle Leidenschaften entfesselt und jede erhabene, ehrliche Gesinnung unterdrückt wurde.
Er wagte nicht, zu Manuela aufzublicken. Da fühlte er ihren Arm um seinen Nacken unb ihre weiche Wange an ber {einigen. Leise unb sanft flüsterte sie: „Noch eben sprachst Du zu nur wn Siebe unb Leidenschaft — waren alle drese Worte nur Eingebungen bes Augenblickes, nur Aeutze- runaen ber erregten Sinne? Dann waren sie nichts werth und der Wind soll sie verwehen, rote die dürren Blätter der Bäume tm Herbst. . . ich will sie vergessen ... ich will Dich vergessen und Dir Lebewohl sagen ..."
„Nein, nein,“ rief Karl, indem er Manuela leidenschaftlich umschlang. „Ich liebe Dich unb kann Dich nie mehr vergessen!"