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KuldaerMZettung

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27. Jchrgmg.

Iuküa, Donnerstag, dm 2. August 1900.

JK 175.

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mit Zlnterhaktungs-Anlage „Illullrirte Konntags-Dniung"

•f- Italien.

Der scheußliche KöuigSmord in Monza hat mitte» in den Aufregungen und Sorgen um die Fortentwickelung der chinesischen Ding« die Augen der Welt wieder einmal auf jenes klassische Land gelenkt, daS leider auch das klassische Land der Morde ist. Angelo Bressi, der Mörder deS Königs Humbert, ist Italiener, ebenso wie Luc. cheni, deffen feigem Mordstahl die unglückliche Kaiserin Elisabeth erlag, und wie Caserio, dessen Dolch dem Leben Gabi CarnotS ein MeS Ziel setzte.

Es ist sicherlich kein Zufall, daß gerade daS italienische Volk so viele Meuchelmörder hervor- bringt, ebenso wenig wie der Umstand Übersehen werden kann, daß bei den Nachrichten von einer anarchistischen Verschwörung, die sofort nach der Mordthat aufgetaucht sind, und die auch durch Mittheilungen auS Oesterreich und Amerika bestätigt zu werden scheinen, ebenfalls nur von Italienern die Rede ist. Wir sind weit ent- fernt, das ganze italienische Volk als eine Nation von Mördern hinstellen zu wollen, aber daß ein starker Hang zu Sewaltthätigkeiten in dem­selben vorhanden ist, läßt sich »un einmal nicht leugnen. Auf demWege der G e w alt, derReoolution, ist ja auch das „geeinigte Italien" zu Stande ge- kommen, daS den Italienern so viel versprochen, und so wenig gehalten hat. AuS der Hand von Revolutionären empfing Viktor Emanuel die Rrone Italiens, durch die Hand eines Reoo- luttonärS fand sein Sohn und Nachfolger den Tod! Und dieselben Revolutionäre, die auf Se- waltthaten den Thron Neuitaliens aufgebaut, voran der alte Crispi, glaubten schließlich ihrer­seits sich berufen, den Gewaltthaten der heutigen Revolutionäre, der Anarchisten, entgegenzutreten, natürlich wieder mit — Gewalt. Allein alle Zwangsgesetze haben mitsammt der von Italien angeregten internationalen Anarchisten-Konferenz so wenig gefruchtet, daß heute Italien — den durch eines Anarchisten Hand herbeigeführten Tod seines Königs betrauern muß!

Ja, Gewalt ist ein schlechte« Fundamet der Staaten und eine armselige Schutzmauer für die Throne. Es ruht kein Segen auf Ländern, die die nur der Gewalt ihre Entstehung und ihr Fort­bestehen verdanken. Was hat Italien von seiner durch blutige Revolutionen erkausten Einheit ge­habt? „Italien hat für seine innere Entwickelung durch die so heiß herbei­gesehnte und mit so vielen Opfern er- kämpfte nationale Einigung wenig oder nichts gewonnen." So erklärte heute, im Anschluß au die Schreckensnachricht von Monza, kurz und hart die den radikalen Staatsmännern Jungitaliens gesinnungsverwandte .Frank­furter Zeitung'. Wenn „klerikale" Blätter ein solches Unheil fällten, fiel man wüthend über sie her und zieh sie gar des VerrathS am Drei- Kunde; heute bricht so mit dürren Worten ein führendes antiklerikales Blatt den Stab über die vielgerühmte nationale Einigung.

Die «Franks. Ztg/ ist es auch, die, während sie König Humbert persönlich entlastet, alle Schuld den radikalen Politikern Italiens zu- schiebt, die ja als Revolutionäre wie später als

Hit Tochter der Khrmmr.

Roman von O. Elster.

23 ------ (Nachdruck verboten.)

„Recht habt Ihr schon," lachte der Feld­webel und ließ sich seine Feldflasche mit dem Whisky füllen. Dann nahm er einen herzhaften Schluck. „Wißt Ihr denn das Neueste?" fragte er darauf lächelnd, einen Feldstuhl neben HanS Heinrich ziehend und sich setzend.

„Was soll's sein," entgegnete dieser. „Will Marschall Maffeno uns überrumpeln?"

„Das sollt ihm schwer werden, so lange das vierte Bataillon der King German Legion die Vorposten hat. Aber wir erhalten in den nächsten Tagen Verstärkung. Schon vor einiger Zeit find frische Regimenter von England in Lissabon angekommen und auf dem Marsch nach Torres VetraS. Jeden Tag können fte eintreff n und dann gehen wir zum Angriff über."

„Da wird'« wieder blutige Köpfe setzen!"

„Das wird'«. Aber was Euch besonders freuen wird, Allerkamp, das braunschweigische Regiment befindet stch unter den frischen Truppen und soll mit uns die Vorposten besetzen."

„Alle Wetter! Das schwane Regiment?"

„Ja, da« alte, schwarze Regiment, da«, wie Ihr ja »ißt, in britische Dienste getreten ist. Diese« Mal ist'« nur die Infanterie, die Husaren find noch in England geblieben."

„Ob der Karl Ahrendt wohl noch beim Regi­ment ist?"

„Gewiß. Wohin sollt' der sonst gegangen

Reaktionäre fich als richtige Gewaltpolittker ge­zeigt haben. Leider ist die Ausficht auf eine Besserung in Italien gering. Die Leute, die dort die Polttik als Geschäft betreiben, werden sich schwerlich zu der befferen Einsicht bekehren, daß nicht Gewalt, sondern eine gründliche Reform in Erziehung, WirthschastS- und Sozialpolitik, aufgebaut auf den Grundsätzen deS ChristenthumS und Hand in Hand mit de» geistigen Mächten deS ChristenthumS, dem armen Lande helfen kann. Denn eine solche Reform ist nicht denkbar ohne Bildung einer wahrhaft konservativen Partei, welche »ewillt ist, auch der Religion freie Hand zu assen, und eine solche Partei ist in Italien olange nicht möglich, als nicht durch eine AuS- öbnunfl mit dem Papstthum die über- zeugten Katholiken die Freihett und Möglichkeit erlangen, sich an den Wahlen und an dem ganzen öffentlichen Leben der Nation wirksam zu betheiligen. Dem Königthum find allzusehr die Hände gebunden, als daß es von fich auS, ohne die Zustimmung deS Parlaments, diese Aus­söhnung herbeiführen könnte. Ganz wollen wir immerhin die Hoffnung noch nicht aufgeben. Möchte eS Humberts Erben, dem Könige Viktor Emanuel EL beschieden sein, seinem Volke den Frieden wiederzugeben! Italiens nationale Stärke wird durch eine solche Abkehr von der Politik der Gewalt zur Politik des Friedens und der Versöhnung, insbesondere durch eine Aussöhnung mit dem hl. Stuhle gewiß nicht leiden, sondern neu erblühen.

Deutsches Keich.

Berlin, den 1. August.

+ Das Arveils-Aensum des Reichstages für die nächste Session wird nun auch in den halbamtlichen ,Berl. Polst. Nachr.' aufgezählt. Voran steht der neue Zolltarif, der noch einer Umarbeitung unterzogen wird, alsdann (im November, jedenfalls aber noch im laufenden Jahre) dem Bundesrathe und in den ersten Monaten des nächsten Jahres dem Reichstage zugehen soll. Ferner werden angekündigt zwei Versiche- rungS - Gesetze über die privaten Versicherungs- Unternehmungen, eine Novelle zur Krankenver­sicherung, der Gesetzentwurf über daS Urheber­und Verlagsrecht und voraussichtlich auch noch „dieser ober jener kleinere Steuer-Gesehentwurf". Ziemlich sicher sei die Vorlegung eines Schaum­weinsteuer-Gesetzes; ob für Saccharin der Steuer­weg oder ein anderer beschritten werde, bleibe abzuwarten. Ob die Umgestaltung der Militär- Pensions-Gesetzgebung schon in der nächsten Ses- sion erledigt werden könne, sei zweifelhaft. — Bon Militär - und Marine-Vorlagen, insbesondere von einer Nachforderung der vom Reichstage gestrichenen Auslands-Flotte ver­lautet hier also nichts. Hoffentlich bleibt's da­bei. Jedenfalls aber ist zu wünschen, daß die Session nicht wieder überlastet, und daß nament­lich nicht wieder so Vieles in einem schon vor­geschrittenen Stadium der Tagung vorgelegt wird, denn darunter muß jede vernünftige Gesetzgebungs- Arbeit leiden.

sein? Er folgt den Spuren eine« gewissen, hübschen, blondhaarigen Mädchens . . /'

Dabei winkte der Feldwebel lächelnd nach der schlafenden Gesine hin.

In diesem Augenblicke ertönte in der Ferne dumpfer Trommelwirbel. An dem Offizierszelt wurde e« lebendig. Ein Adjutant sprengte herbei und machte dem Vorposten-Kommandeur, dem Brigadier Oberst Packenham, eine Meldung. Dieser sprach lebhaft mit den Offizieren und ertheilte einige Befehle. Die Offiziere eilten zu ihren Kompagnien, die Mannschaften traten an ihre Gewehre, Oberst Packenham mit seinem Stabe ging dem immer näher ertönenden Trommelklang entgegen.

Auch der Feldwebel hatte sich von dem Marke­tenderwagen entfernt und sich zu seiner Kompagnie begeben. Gesine erwachte und richtete sich empor.

„Was gibt's Vater?" fragte sie.

„Weiß nicht!" brummte dieser. „Es scheinen neue Truppen in’e Biwak zu rüden."

Eine lebhafte Bewegung machte sich in den Reihen der Soldaten bemerkbar. Aufmerksam blickten sie in den Nebel hinaus und horchten auf die näherkommenden, dumpfen Trommelwirbel.

Jetzt verstummten diese. Eine fast feierliche Stille trat ein. Die Offiziere bedeuteten den Soldaten zu schweigen. Stärker rauschte der Wind in dm Zweigen und trieb die Nebelschwadm vor fich her, die sich zu gespenstigen Gestalten zu- sammmballten, um gleich darauf wieder ausein­ander |U flattern.

Der dumpfe Tritt einer marschirendm Truppe »achte sich vernehmbar. Waffen klirrten, Pferde stampften und wieherten, einzelne Kommandorufe

Ausland.

* Ao«, 1. Aug. lieber die Beisetzung des König« geht daS Gerücht, König Humbert habe testamentarisch die Beisetzung im Königsmauso- leum Superga bei Turca, nicht im Pantheon verfügt. Die Nachricht ist nnkoittrollirbar. Wie ferner verlautet, habe der Papst nach der Ron» sulation mit den Kardinalen beschlossen, die Leichenseier nach Art derjenigen von König Viktor Emanuel zu bewilligen. (lieber die Vorgänge beim Tode des Königs Viktor Emanuel mtnehmen wir der ,Köln. VolkSztg/ das Folgende: Als die

nachdem der König folgende vorn Papste ge­nehmigte Erklärung abgegeben hatte: „Ich sterbe als Katholik; ich hatte vor der Person Sr. Heiligkeit stets Hochachtung und Ehrfurcht, und ich bedauere auftichtig, wenn irgend eine meiner Handlungen dem hl. Vater Schmerz bereitet haben sollte. Aber in allen meinen Handlungen habe ich stets das Bewußtsein gehabt, meine Pflicht als Bürger und Fürst zu erfüllen und nichts gegen die Religion meiner Väter zu unter­nehmen." Nach Abgabe dieser Erklärung erschien der Beichtvater des Papstes, Monsignore Mari­nelli, im Ouirinal als Heberbringer des päpst­lichen Segens und der hl. Wegzehrung, die der Almosenier des Königs, Kanonikus Angino, dem Sterbenden reichte. Die über Viktor Emanuel E. ausgesprochene Exkommunikation wurde nicht förmlich aufgehoben. An dem Leichenbegängniß im Pantheon nahmen nur wenige Priester Theil, ein Todtenamt wurde in Rom nicht gehalten. D. R.) — Die Annahme, daß König Humbert das Opfer ertönten und jetzt traten aus dem Dunst des Nebels die dunklen Gestalten der neu eintreffenden Krieger und die rothen Flammen der Biwakfeuer blitzten in den Augen der schwarzen Soldaten.

Wie Gespenster tauchten sie aus dem Dunkel der Nacht empor, selbst in die Farbe der Nacht des Todes gehüllt, und von dem schwarzen Tschako blickte unheimlich der weiße Todtenkopf.

Niemand vermochte sich dem eigenartigen Ein­druck dieser ernsten, schwarzen Truppe zu ent­ziehen. Schweigend standen die britischen Soldaten da und erst als der Oberst Packenham den feder­geschmückten Hut zum Gruß für die Neuange­kommenen erhob, da brachen sie in ein donnerndes Hip, Hip, Hurrah! aus.

Gesine preßte die Hand krampfhaft auf das heftig pochende Her,. Ihre Wangen waren blaß geworden, ihre Augen starrten erschreckt auf die schwarze Truppe und ihre Lippen bebten.

„Vater — ist es wahr — ist es da« braun­schweigische Regiment?"

„Ja, Mädchen. Es find die schwarzen Braun­schweiger, welche man von England herübergeholt hat. Nun werden wir ja auch von Karl wieder 'mal hören."

„Vater — wenn er dabei wäre ...

„Er wird dabei sein, Kind — da, steh, jetzt setzen sie die Gewehre zusammen und lagern sich um die Feuer. Soll ich 'mal nach Karl fragen..?"

Aber da« hatte er gar nicht nöthiy. Die Kompagnieen de« braunschweigischen Regiment« waren entlassen; man begrüßte sich mit den bri­tischen und deutschen Kameraden, Umarmungen, Händeschütteln und Küsse. Au« der dunklen Menge lösten fich jetzt mehrere Gestalten; eine

Der Schatz vo« Gerste« wird am 29. August Über Köln am Rh. kommend in Berlin eintreffen und hier als Gast deS Kaiser« mit feinem glSn- zendenGefolge im Schlöffe Bellevue Wohnung nehmen. Am 1. September wird der Schah auf Einladung des Kaisers in der Kaiser!. Suite an der großen Herbst-Parade auf dem Tempelhofer Felde und später an dm mit dieser verbundenen Hof-Festlichkeiten theilnehrnm. Die Abreise des Schah'« erfolgt voraussichtlich am 3. September Abends.

* Sicherem Vernehmen nach hat, wie die ,Nordd. Allg. Ztg.' meldet, der Kaiser gründ- sätzlich die Annahme von tropmdienstfähigen, zu einer Verwendung in China freiwillig fich meldenden Unteroffizieren und Mann­schaften des Ae«rta«»t-«sta«v-- für etwa nothwendig werdende Ersatztransporte genehmigt. Durch die Bezirkskommandos werden in nächster Zeit entsprechende Ermittelungen angestellt werden. Die betreffenden Leute würden Handgeld und einen Löhnungszuschuß erhalten.

* Kovars, 1. August. Heute Mittag 12 Uhr fand int Thronsaale des herzoglichen Schlosses Ehrmburg die feierliche Ver­eidigung des RegierungSverweserS Erb­prinzen Ernst Hohenlohe-Langenburg in Gegenwart des gesummten Staatsministeriums statt. Der Verweser versprach, die Versassung der Herzogthümer wahren uub kräftig schützen zu wollen.

eine« anarchistischen Komplotts geworden, findet immer mehr Verbreitung und Glauben. Man glaubt, die Ausführung deS Verbrechens sei in Paterson beschlossen worden. Bresfi gibt zu, in Pari« gewesen zu fein, leugnet aber, Zu­sammenkünfte mit Anarchisten gehabt zu haben. Ein gewisser Salvatore Quintavalli, der mit Bresfi auS Amerika zurückkehrte und mit ihm nach Paris zu einer Anarchisten-Versammlung ging, wurde gestern in Rio Marina (Insel Elba) ver­haftet. Dem Vernehmen nach wurden bei ihm mehrere Briefe und die Photographien von fünf Anarchistm, sowie eine Postkarte beschlagnahmt, in welcher er zu einer Zusammenkunft bestellt wird, zu der er auch hingegangen ist. Quinta­valli wurde in das Gefängniß nach Portöferrazo gebracht. Tin gewisser Antonio Lanner au8 Trient, welcher gleichfalls mit Bresfi und einer Frauensperson aus Amerika zurückgekehrt ist, wurde gestern in Jorea verhaftet. Die Gründe, weshalb Sanner fich in Jorea aufhielt, find nicht bekannt. — Als die Nachricht von der Ermordung deS Königs bekannt wurde, forschte die Genfer Po­lizei sogleich nach, ob der Thäter nicht in Be- ziehung stehe zu den Mördern CarnotS und der Kaiserin Elisabeth. ES stellte fich heraus, daß Bresfi vor zwei Jahren in Genf gewohnt hat, wo er als Anarchist scharf Überwacht wurde. Als Luccheni, der Mörder der Kaiserin Elisabeth, über Bressi befragt wurde, verweigerte er die Antwort. — Das Parlament ist zum 6. ds. MtS. einbetufen worden. Wie es heißt, würde zunächst eine Sitzung stattfinden, in welcher der König eine kurze Ansprache halten werde. Als­dann werden die Kammern eine weitere Sitzung abhalten zur Genehmigung der Civilliste und einer Dotation für die Königin-Mutter, welche sich einige Zeit nach Stresa zu ihrer Mutter, der Herzogin von Genua, zurückziehen wird. — Die Beisetzung des Königs wird wahrscheinlich am Samstag stattfinden. — In Monza und ft» dem ganzen übrigen Italien werden von der Geistlichkeit Trauergottesdienste abgehalten.

* Monza, 1. Aug. Der Kardinal-Erz- bischof von Mailand begab fich gestern Nach­mittag nach der König!. Villa und verweilte dort einige Zeit bei der Königin, die ihn dann in das Sterbezimmer geleitete. Hier betete der Kardinal mit der Königin und den Prinzen und ertheilte bann benSegen. — König Viktor Emanuel III. ist gestern Abenb mit seiner Gemahlin hier ein- getroffen. Karbinal-Erzbischos Ferrari stattete ihm heute früh einen Konbslenz-Besnch ab.

* London, 1. Aug. Das englische Unter­haus nahm gestern bie britten Lesungen ber Freiwilligen - Bill unb ber Bill betreffenb die Marine-Reserve, sowie bie zweite Lesung der Bill betreffend das Verbot der Ausfuhr von Waffen an. Bartlett fragte an, ob die britische Re­gierung große, reiche Gebiete des nördlichen Klein­asien unb beS EuphratthaleS anberenGroß­mächten als Einfluß-Sphären zum Bau von Eisen­bahnen unb zur kommerziellen Ausschließung über­lassen habe, ober ob bie britische Regierung an« erkannt habe, daß die deutsche Industrie und ber britische Hanbel aus einer bieser Einfluß-Sphären ausgeschlossen seien. Brobrickverneinte beibe Fragen.

Weile sprachen sie miteinander; einer von ihnen zeigte nach dem Marketenderwagen und ber junge braunschweigische Korporal stürzte in fliegender Eile auf den Wagen zu.

„Vater Allerkamp — Gesine!" rief er unb im nächsten Augenblick lag Gesine in seinen Armen.

„Hurrah!" riefen die Umstehenden. „Dal Brautpaar soll leben!"

Gesine erröthete unb entwand fich den Arme» Karl's.

Der alte Feldwebel Fritz Müller, Johann Stöckel, der es bereits bis zum Korporal gebracht hatte, und andere Soldaten von der deutschen Legion drängten nun herbei und es ging an ein Fragen und Erzählen, daß Gesine nicht klug daraus werden konnte. . .

„Laßt mich einmal zur Ruhe kommen! rief Karl lachend. „Ich bin von dem Marsch von Lissabon hungrig unb burstig unb ich glaube, Vater Allerkamp hat noch einen guten Tropfen in seinem Marketenderzrlt. Da ist ein Goldstück — ich gebe heut' Abend einen Punsch zum besten."

Mit Jubel wurden diese Worte begrüßt unb Alle eilten zu dem Zelt Hans Heinrichs. Karl aber erfaßte die Hand Gesinen« und drückte sie zart- lich. „Jetzt lind wir allein, Gesine", flüsterte er, und ich kann Dir erzählen, wie es mir ergangen, und Du mußt mir Deine Erlebnisse erzählen. Ach, wie ich mich nach Dir gesehnt habe, Gesine! Wenn Deine Briefe nicht gewesen wären, die ich in unserer Garnison in Irland erhielt, ich glaube, ich hätte e« nicht ertragen."

Gesine lächelte glücklich.

„Komm dort unter bie große Eiche", entgegnete sie. „Dort sind wir allein . . ."