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ilnseralt: Di« eht# palt. Barmond- zeile oder deren Raum 15 Pfg.,Re­klamen die Petit- zeile 25 Pfg.; bei Mederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

mit NnterHattunfis-Ieitage „IlluSrirte Sormtags-Iettung!' —«wXEST"

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JuLöcr, Samstag, den 28. Juli 1900.

Dentsche» Keich.

Berlin, den 27. Juli.

* Der außerordentliche Professor in der juristischen Fakultät zu Göttingen Dk. von KavkgNY soll, wie die .Kreuzzeitung' höL, als Hilfsarbeiter für das Kultusministerium in Aussicht genommen sein. Dr. v. Gavigny war früher srdenllicher Professor in Freiburg in der Schweiz und gab seine StcSung wegen der bekannten Differenz zwischen dec Mehrzahl der deutschen Professoren und dem Herrn Decurtiu? und Genossen auf. Er hat sich in Göttingen 'in kurzer Leit Anerkennung zu 'verschaffen ge­wußt und man wird ihn dort in Kreisen der Universität nur ungern scheiden sshen.

-s- Iltei (Heverakmojore Haben nach dem neuesten .Militär-Wochenblatt' ihren Abschied erhalten und ein Generalnmxsr ist zur Dispo­sition gestellt worden. Die verabschiedeten GeneMlmajore sind Kunhardt von Schmidt, Kommandeur der 2. Kavkllleriebrigade, von Plagen, Kommandenr bet 10. Infanterie- btigf.be und Bahn, Inspekteur der technischen JMitute der Artillerie. Zur Disposition gestellt ist der Kommandant von Glatz, Frhr. v. Sell.

* Zu den Mra«u1rvfi«keuergesetzer» sind endlich nach 13 Jahren!fitzt diedefinitwenAus­führungsbestimmungen vom Bundesrathe erlassen worden. Bi8 dahin waren es immer nur vorläufige AssführungSvorschriften, die vielfach durch Beschlüsse des Brondesraths der Abänderung oder Ergänzung unterroorfen waren. Eine vier­malige gründliche Umarbeitung der Entwürfe, welche auch den in der Praxis stehenden Steuer» beamten zur Begutachtung zugegangen sind, hat stattgefunden. Wie Ausführungsbestimmungen find in 5 Büchern geordnet und werden am 1. Ott. allgemein zur Anwendung kommen.

* Große gefchrlftkiche Schädigung««, die auf die chinesischen Wirren zurückgeführt werden, machen sich setzt e auch in Berlin bemerkbar. Vor Allem wird die Textilindustrie betroffen. Es herrscht in den Strumpfwirkereien, Appretur- unb Färbeanstalten absolute Geschäftsstille. Auch die KnvipfsaÄriken unb die Schmuck- sedern-AnstLlten werden empfindlich davon berührt, daß die Ausfuhr nach China gänzlich stockt. Selbst'die Bierbrauereien, die für den Export arbeiten, haben in Folge des Aufstandes in China große Verluste. Die chemische Industrie war in den letzten Jahren steigend an dem Ex­port nach -China beteiligt. Andererseits steigen die Preise für solche Artikel, die wir aus China erhalten,desonders für The e. Auch auf Seide» aller Art end feine Bettfedern dehnt sich die Preiserhöhung aus. Die Berliner Textilar­beiter planten eine Lohnbewegung, um oen viel­fach vorhandenen Mißständen in den Betrieben ein Ende zu bereiten. Sie haben jedoch in der letzten Versammlung davon Abstand nehmen müffen, weil in Folge der chinesischen Wirren

di« Arbeitslosigkeit überhand nimmt. Nehnlich liegt es in anderen Betrieben, die mit dem chinesischen Export zu tbun haben

X Der Zlwborr de» Sitzungssaales im Abgeordnetenhause zum Zwecke der Ver- beffetung der Akustik ist in Angriff genommen. DaS Inventar ist, soweit der Umbau dies erfordert, bei Seite geschafft. Man hat damit begonnen, die über die jetzige Decke hinlaufenden Kanäle abzubrechen und die D«cke behufs Senkung freizulegen. In nächster Woche sollen sämmt- liche Scheiben des inneren Oberlichtes heraus­genommen und die vorhandene Holzbecke in allen ihren Theilen vorsichtig abgehoben werben. Alsbann soll die umfangreiche Arbeit des Senkens der Decke selbst beginnen. Zu diesem Zwecke ist es nöthig, an den großen Dach- konstruktionsbindern eine Hilfskonstruktion aus Eisen herzustellen, diese mit den großen Dach­bindern zu verbinden und Flaichenzüge zu befestigen. Die HLngestangen müssen um 31/«, Meter verlängert und darauf wieder mit den Dachbindern verbunden werden, damit die Decke gesenkt werden kann. Das Mauerwerk des Prasidententisches ist bereits freigelegt unb soll um eine Stufenhöhe gesenkt unb 30 (Zentimeter vorgerückt werden. Die beiden Tribünen hinter den Ministertischen sollen gänzlich beseitigt und an ihrer Stelle zwei bis zur Decke reichende risalitartige Vorbauten Hergestellt werden. Eno- lich will man auch die beiden halbkreisförmigen Rischen der Südost- und Südwestseite durch HolzrvLnde abschließen unb die Tribünen durch Stützen aus Drahtputz vom Mittelraum ab- trennen. Die Arbeiten werden fünf Monate in Anspruch nehmen.

* Darmstadt, 27. Juli. Der katholische Lehrerverein des Großherzoglhums hielt gestern hier eine Generalversammlung ab, die sich u. A. mit der Lehrerbesolbnngssrage be­schäftigte. Es wurde beschlossen, an die Stände und trie Regierung die dringende Bitte zu richten, dahin zu wirken, daß die Gehaltsaufbesserung noch in diesem Jahre, und zwar mit Wirkung vom 1. April 1900 an auf gesetzlichem Wege herbeigeführt werbe.

□ Mo««, 27. Juli. Einen wesentlichen Anziehungspunkt der mit der Katho lik en - Versammlung verbundenen Kunst­ausstellung wirb neben den prachtvollen Er­zeugnissen der Bildhauerkunst, Paramentik n.^c. die Abtheilung der christlichen Malerei bilden. Es ist zu hoffen, daß sie imponirend in die Erscheinung tritt, damit immer mehr er­kannt werde, wie hochbedeutsam fie für die Aus­schmückung vorzüglich unserer Gotteshäuser ist. Die Ausstellung wird neben der Veranschaulichung der KunstthätiArit der Gegenwart, zur Vervoll­ständigung und weiteren Anregung auch die Werke der Vergangenheit, soweitfie auf wirklichem kunsthistorischen Werth Anspruch machen, hinzu­ziehen. Dem Entgegenkommen der Provinzial­behörde ist es zu danken, daß die mittelalterliche Abtheilung der Kunstausstellung im Anschluffe an die hn Provinzialmufium vorhandenen Schätze zu einer Ausstellung dort vereinigt werden kann. DaS Komitee würde es gewiß dankbar anerkennen, wenn Inhaber von Kunstgegenständen dieser

Richtung, ihre Schätze für die Tage vom 28. August bis 6. September zur Verfügung stellen und hiervon gefälligst umgehend Herrn Carl Henry in Bonn Mittheilung machen wollten.

Ausland.

* Amsterdam, 27. Juli. Das .Handels­blad' erfährt, die Königin Wilhelmina werde en ihrem Geburtstage, dem 31. August ihre bevorstehende Vermählung ankündigen.

* London, 27. Juli. Im Unterhause erklärte gestern der erste Lord des Schatzes, Balfour, der Kohlenexport von England nach Frankreich habe sich in zwei Jahren von 2670000 auf 4230000 Tonnen pro Halb­jahr gehoben. Der Staatssekretär für Indien, Lord Hamilton, theilte im Laufe seiner Dar­legungen über das Budget von Indien mit, er habe Vorkehrungen getroffen für die Emission einer Anleihe von 3 Millionen Pfund zur Deckung der durch die Hungersnoth noth- weudig gewordenen Mehrausgaben. Er hoffe, daß dieser Betrag für alle Erfotderniffe bis Ende Oktober genügen werde.

* London, 27. Juli, lieber die Kampes int Aschantilande meldet das Reutersche Bureau aus Bekwai vom 22. Juli: Eine vom Oberst WikcrckZ abgesandte Streitmacht von 800 Mann überraschte und zerstörte em großes Feldlager bei Kokofu und erbeutete eine große Menge Schießpulver und Gewehre. Kokofu wurde dem Erdboden gleich gemacht. Dieser Erfolg macht den Weg zwischen Prahsu und Esumkja wieder frei. Der Feind hatte große, die Engländer gar keine Verluste.

* Belgrad, 27. Juli. König Milan hat es vorläufig aufgegeben, nach Serbien zu kommen; er bleibt in Wien. Daß dieses Muster eines Familienvaters, wie er nicht sein soll, auf feine alten Tage noch in die Lage kommen würde, sich als einen um den Ruf und die Würde seiner Familie besorgten Familienvater aufzuspielen, ist eine eigene Ironie der Weltgeschichte. Der letzte Schritt Milans bei seinem Sohne war ein Brief, in dem er offen zur Entthronung des Königs aufforderte. Milan schickte diesen Brief aus Wien nach Belgrad durch feinen früheren Adju­tanten Tschiritsch. Milan forderte Tschiritsch auf, den Brief zu lesen, da Alexander ihn wahrschein­lich ablehnen oder zerreißen würde. „Du richtest", so schrieb Milan, „durch Deine Verehelichung das Land zu Grunde; doch ich hoffe zu Gott, daß es nicht dahin kommen werde, daß sich Patrioten finden werden, die Dich vertreiben. Ich werde der erste fein, um diejenige Regierung, die das thut, zu beglückwünschen." Alexander hat diesen Brief in Empfang genommen.

* Ilew-ZFork, 27. Juli. Di« Revolution in Panama ist zu Ende. Wie der ,New-Uork- Herald' aus Panama meldet,, haben die Regierung und die Aufständlschen einen Friedensvertrag unterzeichnet, in welchem die Aufständischen sich bereit erklären, alle Waffen, Munition und Schiffe auszuliefern. Die Regierung gewährt allen, die am Aufstand theilgenommen haben, Amnestie und ge­stattet ihnen, ihre Säbel zu behalten. Den Aus­ländern, welche auf Seiten der Aufständischen ge-

Die Eichler des Khnnmus.

Roman von O. Elster.

19 ------ (Nachdruck verboten.)

„Juchhe!" jubelten die Burschen und warfen die Hüte und Mützen an die Decke. „Glaubt Ihr, Unteroffizier, wir würden mit über das Meer fahren? Nein, so dumm sind wir nicht. Das Meer hat keine Balken — und in den eng­lischen Schiffen soll es verdammt eng fein."

„Fürchtet Ihr Euch vor dem Waffer?"

„Wir haben uns dem Herzoge nur zu Lande verpflichtet; der Teufel hole die englischen Schiffe unb das. Waffer. Branntwein her! Es lebe die Heimaih!"

Sie stießen jubelnd an und tranken und fangen. Karl trat auf einen der Burschen, der mit ihm in ter Scharfschützen-Kompagnie gestanden hatte, zu. .^Willst Du mir nicht sagen, Wilhelm, was Ihr vorhabt?" fragte er.

„Was wir vorhaben? Das ist einfach genug. Wir haben den Herzog um unseren Abschied ge­beten und ziehen jetzt in die Heirnath ..."

Mnd der Herzog hat Euch den Abschied ge­geben ?"

„Jeder erhält ihn, der ihn fordert. Der Herzog will Niemanden zwingen, mit ihm zu gehen." Der Verabschiedete erhält dann einen Plch-^der Oldenburgischen Regierung und ist frei wie *ber Vogel. Kannst es ja selbst versuchen, Karl. Geh' fordere Deinen Abschied . ."

Sr wandte sich den Kameraden wieder zu. Kar! stand in Gedanken versunken da. Da er­faßter: zwei zitternde Hände seine Rechte und zwei

thränengefüllte Augen blickten bittend zu ihm auf.

„Karl, mein lieber Sohn", flüsterte seine Mutter mit bebenden Lippen, „kannst Du es nicht machen, wie Jene?"

„Mutter . .

„'S ist doch keine Schande, den Soldatenrock wieder auszuziehen, nachdem man seine Haut zu Markte getragen hat?" brummte der alte Bauer.

„Aber ich hab' geschworen, für Deutschlands Freiheit zu kämpfen, bis sie errungen ist, Vater 1"

„Pah, die deutsche Freiheit ! Dafür laß die deutschen Fürsten sorgen."

„Der Herzog ist auch ein deutscher Fürst."

„Aber ohne Land und Leute! Sei verständig, Karl, und nimm Deinen Abschied . . . wegen der Gesine läßt sich ja sprechen . . ."

„Hollah, da haben wir ihn ja !" rief in diesem Augenblick eine laute, rauhe Stimme, daß Karl freudig erschreckt zusammenfuhr.

Eine derbe Gestalt drängte sich durch die Menge und streckte Karl beide Hände entgegen. „Karl, mein Junge — da sind wir wieder — unb Du auch, heil und gesund ! Beim Admiral Nelson — das ist eine Freude!"

Und Hans Heinrich Allerkamp zog Karl stürmisch dn die Arme und drückte ihn an die Brust, daß Karl der Athem verging.

„Vater Allerkamp — Ihr feid's? — Woher kommt Ihr? — Wo ist Gesine?"

„Von Helgoland kommen wir, um Dich zu holen, Äarl, Dich und Deinen Herzog und alle di« brauen, schwarzen Krieger. Und die Gesine — ja, sieht Du sie denn nicht ? — Da steht sie ja und wartet, daß Du fie begrüßt I"

Karl eilte auf das junge Mädchen zu, das im nächsten Augenblick an feiner Brust lag.

Dann gab eS ein Fragen unb Erzählen wohl eine Stunde lang. Die Nacht war längst herein­gebrochen; die Gäste hatten sich entfernt und nur Christian Ahrendt und Frau Christine, Hans Heinrich Allerkamp, Karl unb Gesine faßen noch beisammen.

„Vater", rief Karl mit leuchtenden Augen, „Ihr erinnert Euch Eurer Worte von vorhin! Gebt mir Gesine zum Weibe und ich kehre mit Euch nach Ahrendtshof zurück."

Der alte Bauer schmunzelte vergnügt. „Dar­über läßt sich ja sprechen . . . wenn Gesine will . . ."

Diese sah Karl mit großen, erstaunten Augen an. „Du willst den Herzog oerlaffen, Karl? Jetzt verlassen?"

„Um Deinetwillen, Gesine . . ."

„Um meinetwillen?! Ah, dann wünschte ich, ich hätte Dich niemals wiedergesehen!"

„Gesine?!"

Das Mädchen erhob sich. Ein stolzer, trotziger Ausdruck flog über ihr schönes Gesicht. „Lebe wohl, Karl, ich habe mich in Dir getäuscht . . . lebe wohl. . “

„Gesine — Du willst mich verlassen?!"

„Wer seinem Fürsten nicht treu ist, der hält auch seinem Weide nicht die Treue — lebe wohl . . ."

Er erfaßte ihre Hände und zog sie ungestüm an sich. „Gesine —", sprach er tief aufathmend — ich danke Dir ... Du — Du zeigst mir zum zweiten Male den rechten Weg!"

27. Jahrgang.

fochten haben, wird gestattet, in ihre Heirnath zurück- zukehren. Die politischen Gefangenen sollen frei- gelassen werden, die Erregung in der Stadt läßt nach.

Der Krieg in Südafrika.

Aus dem südafrikanischen Kriegs­schauplatz hat nach einem Telegramm von Lord Roberts. Gen er al Hunter die Stellungen der Buren auf dem südlich von Bethlehem befindlichen Hügeln angegriffen. Nach einem den ganzen Tag andauernden Gefechte wurde ein Hügel genommen und auf einen zweiten, der den Paß beherrschte, ebenfalls ein Sturmangriff unter­nommen. Dieser Angriff fand heftigen Widerstand und glückte nicht. Die leichte Hochländer-Jn- fanterie wurde durch ein heftiges Feuer gezwungen, sich zurückzuziehen. Der englische Verlust beträgt etwa 50 Mann. Am 24. Juli besetzte Hunter einen Einschnitt hinter dem Passe und am 25. räumte der Feind seine Stellungen.

„Reuters Bureau" meldet aus Balmoral in Transvaal: Auf seinem Marsche ostwärts traf General French südöstlich von Balmoral auf 2000 Buren, welche jedoch bei seinem Herannahen flohen. Die Buren sagen, ihr Feldzugsplan sei, den Kleinkrieg bis zur Präsidentenwahl in Amerika fortzusetzen, da ihnen Intervention versprochen worden sei, falls die Demokraten siegen. Nach einer „Reuter"-Meldung aus Maseru herrscht unter den Truppen des Generals Rundle viel Fieber, es sind mehrere Todesfälle vor­gekommen.

Die Wirren in China.

Ob der Vormarsch nach Peking wirklich schon Anfangs August angetreten werden soll, ist noch ungewiß. Jetzt wird sogar den anscheinend amtlichen Mittheitungen der,AgerceHavas' wider­sprach en hinsichtlich desUebereinkümmens der Mächte über die Grundlage des Vorgehens gegen China. Die Ansicht, daß die Gesandten in Peking noch am Leben seien und von China als Geiseln zurückbehalten würden, wird durchaus nicht von allen Mächten getheilt. Die neuerdings aus Peking eingegangenen Prioatnuchrichten, deren Glaubwürdigkeit ebenso zweifelhaft ist wie bte früherer amtlicher chinesischer Meldungen, lassen das Schicksal der Fremden in Peking wieder als durchaus ungewiß erscheinen.

In Berlin ist gestern, wie wir unfern Lesern in der Stadt durch ein Extrablatt mittheilen konnten, ein Telegramm aus Tientsin eingegangen, welches besagt, daß es einem Reitknechte des Freiherrn von Ketteier gelungen ist, am 9. ds. Mts. auS Peking zu entkommen. Nach den Aussagen dieses ftÜherenAngestellten des ermordeten deutschen Gesandten in Peking, der sich jetzt in Tientsin befindet, hätten die fremden Gesandten am 9. Juli noch gelebt und wären auch noch mit Nahrungsmitteln für etwa 14 Tage versehen gewesen. Wenngleich damit noch nicht gesagt ist, daß die Vertreter der anderen Mächte jetzt noch am Leben sind, so ist es doch nicht ganz ausge­schloffen, daß China die Gesandten tatsächlich als Geiseln zurückbehält. Während man bisher

In der Ferne klang ein Trompetensignal. Dumpfe Trommelwirbel dröhnten durch die Gassen.

„Allarm! — Zum Sammeln geblasen! — Die Einschiffung beginnt . . . Vater, Mutter — lebt wohl ..."

„Karl — Karl — verlaß uns nicht", schluchzte die Mutter, während Christian Ahrendt schweigend seinem Sohne die Hand reichte.

„Vater — hast Du kein Wort für mich?"

„Lebe wohl — thue, was Du für Deine Pflicht hältst."

Karls Hand zuckte in der des Vaters, bann riß er sich los unb eilte dem Sammelplatz feiner Kompagnie zu.

Gebrachtn sank feine Mutter auf einen Stuhl. Der alte Bauer wandte sich mit finsterem Blick an Gesine.

„Ihr habt uns den Sohn geraubt, von Euch fordere ich einst unseren Sohn zurück", sprach er in drohendem Tone.

„Nicht ich raubte Euch den Sohn", sprach Gesine stolz, „sondern das Vaterland forderte seine Dienste."

„Das Vaterland?!"

„Ja, das zerriffene, geknechtete, unterdrückte Vaterland, Christian Ahrendt. Seht doch hinaus auf Eure Felder, auf Eure Haide, auf Eure Wälder! Wer schaltet und waltet denn in ihnen als Herr? Fremde sind es, die kaum Eure heimathliche Sprache verstehen! Fremde, die über Eure alten Sitten und Gebräuche lachen, Fremde, die Euch und Eure Heirnath verachten, die Euren Sohn zu ihrem Dienst gezwungen haben würden, daß er mithelfe, sein eigenes Vaterland zn knechten. Und in dieses Vaterland voll Schmach und Schande, Unfreiheit und Knechtschaft wollt Ihr (Buren Sohn