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JuLöcr, Dienstag, den 24. Juli 1900.
27. Jahrgang.
G Mörder oder Ehrenmann?
Wenn man einen Beleidiger n Leder schießt, handelt man als Mann von Muth und „Ehre". Wenn man es nicht thut, wenn man sich dessen als Christ und Katholik weigert, unter dem Hinweise auf die göttlichen und menschlichen Gesetze, macht man sich der Feigheit schuldig und ist nicht mehr werth, mir „Ehrenmännern" umzugehen. Man wird dann verfehmt, man wird, wenn man Offizier ist, sogar aus dem Berufe hinausgestoßen mit Schimpf und Schande. Man ist dann nicht mehr werth, des Königs oder Kaisers Rock zu tragen. Man kann sogar zeitlebens unglücklich gemacht werden, weil man sich weigerte, die Mordwaffe gegen einen Mitmenschen zu erheben, weil man es ablehnte, sich zu empören gegen das ewige Gesetz des Höchsten und gegen das Staatsgefitz.
Jetzt hat sich im österreichischen Heere ein Fall ereignet, der wieder einmal recht deutlich die unglaubliche Begriffsverwirrung brandmarkt, die in Offizierskreisen über den Duellmord herrscht. Ein Offizier verlästert einen Erzherzog. Ein anderer Offizier, Marchese Tacoli, stellt jenen zur Rede und wirst ihm vor, „ein Mitglied des kaiserlichen Hauses verleumdet zu haben". Darauf beschimpft der erste Offizier den Marchese Tacoli durch gröblichst beleidigende Worte, und der letztere übergibt die Sache zwei weiteren Offizieren zur Beilegung. Was tbun diese Beiden? Ohne dem Marchese ein Wort davon zu sagen, verabreden sie einen Zweikampf und stellen für diesen auch gleich die Bedingungen fest: Zweikampf mit Pistolen auf 15 Schritte Entfernung, fünf Schritte Avanciren. Marchese Tacoli nahm den Auftrag, den er den beiden Offizieren gegeben hatte, zurück und unterließ die Herausforderung zum Zweikampfe. Da erfolgte auf die Anordnung des Regimentskommandeurs hin die Untersuchung gegen den Marchese Tacoli „wegen Feigheit", und diese Untersuchung endete damit, daß Marchese Tacoli „der >Offizierscharge verlustig erklärt wurde".
Man weiß aber noch mehr über diesen Fall; -eins hohe Persönlichkeit im österreichischen Heere soll gesagt haben, ein Katholik müßte erst seine „katholischen Ansichten ablegen", ehe man ihn zum Offizier mache in der ruhmreichen österreichischen Armee! Katholische Ansichten! Nach dem unabänderlichen Gesetze der katholischen Kirche werden Theilnehmer und Begünstiger eines Zweikampfes aus der Kirche aus> geschloffen, sie verfallen der Exkommunikation, von dec der Papst allein den Betroffenen lossprechen kann. Nach dem Verfahren in dem Falle des Marchese Tacoli also könnte niemals ein Mann von treu katholischer Gesinnung Offizier sein; denn er wird als Offizier kassirt, wenn er dem strengen Gebote der Kirche und damit einem allgemeinen Gebote des Christenthums folgt. Und so wird verfahren in einem katholischen Lande.
Da machte die von der Kirche abgefallene blutige Elisabeth von England ihre Sache besser: diese verbot ihren Offizieren das Duell unter Androhung der Todesstrafe. In unserem Zeitalter dagegen, das so gern das „aufgeklärte
Vir Tiilhtcr des Khrmm.
Roman von O. Elster.
15 ------- (Nachdruck verboten.)
„Ja, Mädchen, das will doch erst überlegt fein . . . ?"
„Was ist da zu überlegen, Vater? Wollt Ihr hier dem braven Berendt Prigge zur Last fallen?"
„O was das anbetrifft", grinste Berendt Prigge, „so hat's keine Noth. Ich halt'S noch 'ne Weile aus."
„Im Grunde genommen hat das Mädchen nicht fo unrecht", meinte Hans Heinrich nachdenklich.
„Ei, so kommt mit zu meinem Hauptmann, daß wir den Kontrakt auffetzen", rief der Feldwebel.
„Hat es denn solche Eile?"
„Gewiß — in einigen Tagen segeln wir ab und Ihr müßt doch Eure Vorräthe einkaufen."
„Stimmt! — Na, Gesine, was meinst Du? Sollen wir mitgehen?"
„Gewiß, Vater . . ."
„Na, dann kommt, Feldwebel . . ."
„Hurrah, unsere neue Marketenderin soll leben", riefen mehrere Soldaten und drängten sich um Gesine, ihr die Hand zu schütteln.
Auch Johannes Stöckel trat zu Gesine.
„Mädchen — Gesine —" sprach er und in seinen dunklen Augen blitzte es auf — „jetzt ziehe ich noch einmal so gern ins Feld!"
lieber Gesinens blasses Gesicht flog ein trübes Lächeln. Die Welt der Jugend lag hinter ihr. Die Hoffnung ihres Herzens war vernichtet — sie sehnte sich hinaus in die weite Welt — in
Zeitalter" sich nennen hört, wird es einem Offizier unmöglich gemacht, nach den Gesetzen zu handeln, die Staat, Christenthum und allgemeine Menschlichkeit ihm vorschreiben; er muß zu morden bereit sein, wenn er mit „Ehren" als Offizier bestehen will.
Kaiser Wilhelm dem Zweiten kommt das hohe Verdienst zu, mehrfach in Kabinetsbefehlen gegen das Duellunwesen vorgcgangen zu sein; und ganz ohne Wirkung sind diese Befehle auch nicht geblieben. Aber daß der scheußliche Unfug dadurch nicht ausgerottet worden ist, weiß man ja leider hinlänglich. In Oesterreich scheint es damit noch schlimmer bestellt zu sein. Wann endlich wird die wahre Kultur siegen über diesen Kultus des Molochs einer falsch verstandenen Ehre? Wann endlich wird die Vernunft den Sieg davon tragen über diese rohe und blutige Unvernunft?
Wer hat mehr Muth: der Offizier, der unter dem Drucke von außen her, in der Angst davor, sonst mit Schimpf und Schande aus seinem Berufe hinausgestoßen zu werden, bleich und zagend der Pistole des Gegners sich gegenüberstellt, oder der Missionspriester, der in ruhigem Gehorsam nach dem Befehle seines Obern ohne Widerrede und mit fröhlichem Gottvertraueu in die Welt hinauszieht und täglich in der Ausübung seiner Pflichten dem Tode trotzt? Nichts in der Welt kann als Beweis dafür vorgebracht werden, daß Katholiken es an Muth fehlen lassen im Kriege, wenn es um die Ehre des Vaterlandes gilt. Vielmehr sollte es allen denen, die nicht Katholiken sind, ein veroächtiges Zeichen sein, wenn Jemand leichten Herzens die allerstrengsten Vorschriften seiner Kirche in den Wind schlägt; denn wer seine Pflichten in dem einen Punkte so mißachtet, wird es wahrscheinlich auch nicht allzu streng damit in anderen Punkten halten. Und auf jeden Fall ist es ein geradezu ungeheuerlicher Zustand, wenn alle diejenigen von dem Osfizierstande ausgeschloffen sein sollen, die als Katholiken treu den Geboten ihrer Kirche folgen. Ein solcher Zustand ist ungeheuerlich, weil er unsagbar ungerecht und unbeschreiblich unvernünftig sein würde. Nicht nur die Katholiken, alle Menschen, die noch einen Funken von Sinn für Recht und Gerechtigkeit haben, müssen sich mit Entrüstung verwahren gegen jegliche Gemeinschaft mit solchen Verirrungen der Zeit. Wie lange noch werden sie auf uns lasten als ein blutiger Hohn auf Christenthum und Autorität der Gesetze?
Deutsches gUiity»
Berlin, den 23. Juli.
ft Der Kaiser wird wahrscheinlich in der Mitte des Monats August inkognito die Passionsspiele in Oberammergau besuchen und von dort nach Wien reisen, um an den Festlichkeiten zum70.Geburtstage desKaisersFranzJoseph lheiljunehmen. Die Abreise von Norwegen über Bergen nach Bremerhaven erfolgt Dienstag früh 4 Uhr von Molde aus.
X Hebet Beihilfe« zn« Besuch der pariser Meltaus steiluug schreibt die halb- amtliche ,Berl. Korresp.' heute: Der Minister für Handel und Gewerbe hat entsprechend den vor einigen Monaten im Abgeordnetenhause ab-
die Gefahren und Mühen des Krieges, in denen sie Vergessen zu finden hoffte.
Als sie in Begleitung des Feldwebels und ihres Vaters dem Quartier des Hauptmanns zuschritt, bornierten die Kanonen der Fregatte auf der Rhede einen Salut. Eine Brigg, ein leichtes, schmuckes Fahrzeug, fuhr mit vollen Segeln auf Helgoland zu; an dem Topp ihres Hauptmastes wehte die englische Flagge, in den Wanten hingen die Matrosen und begrüßten Helgoland und die Flotte mit lautem Hurrah.
„Das ist die Kaptaube", sagte der Feldwebel. „Sie wurde schon seit einigen Tagen von England zurückerwaitet; sie bringt neue Nachrichten und Befehle. Seht, da fährt schon das Admiralsboot ihr entgegen. Jetzt wird unter Schicksal bald entschieden fein."
9. Kapitel.
Der Kontrakt mit dem Hauptmann von Ehlen war bald geschlossen und nach einer Stunde verließ Hans Heinrich Allerkamp als wohlbestallter Marketender der ersten Kompagnie des vierten Bataillons der englisch-deutschen Legion das kleine Haus, in dem der Hauptmann wohnte.
„Ihre Tochter geht doch als Ihre Gehilfin mit?" fragte der Hauptmann lächelnd, indem sein Auge mit Wohlgefallen auf der schlanken Gestalt Gestnen's ruhte.
„Ja, Herr Hauptmann."
„Fürchten Sie sich nicht vor dem rauhen Soldatenleben, liebes Kind?" wandte sich der Hauptmann an Gesine. „Wir rücken sehr bald aus. Ich höre, unsere Legion soll die englische Armee m Portugal und Spanien verstärken. Mit
gegebenen Erklärungen etwa 120 Gewerbetreibenden, Handwerkern und Arbeitern sowie außerdem einer größeren Zahl von Lehrern und Beamten aus dem Bereiche seiner Verwaltung Beihilfen zum Be- suche der Pariser Weltausstellung bewilligt. Mehr als die doppelte Zahl der staatlich Unterstützten wird voraussichtlich durch Gemeinden und Vereine Beihilfen erhalten. Um diesen Personen die Orientirung aus der Ausstellung zu erleichtern und, soweit dies möglich ist, eine sachverständige Führung zu Theil werden zu laffen, sind von der Handels- und Gewerbeverwaltung zwei Sachverständige (je einer für Kunstgewerbe und die Technik) berufen worden, welche sich den während der Monate August und September die Ausstellung besuchenden, aus öffentlichen Mitteln mit Behilsen aus- gestatteken Personen zur Verfügung stellen tollen. Als Ausweis für die Berechtigung zur Theilnahme an der Führung sind den Gemeindevorständen Legitimationsscheine zur Aushändigung an die Theilnahmeberechkigten zugesandt worden, welche gleichzeitig die näheren Angaben über die Führung enthalten. Es ist zu hoffen, daß die angeordneten Maßnahmen dazu beitragen werden, das Studium der Weltausstellung den deutschen Besuchern namentlich aus dem Handwerker- und Arbeiterstande zu erleichtern.
+ Außerkurssetzung der gokdeueu Iünf markstücke. Nachdem der Bundesrath laut Bekanntmachung vom 13. Juni d. Js. (R. G. Bl. S. 253) die Außerkurssetzung der Reichs- goldmünzen zu fünf Mark vom 1. Oktober d. I. ab mit einjähriger Einlösungsfrist angeordnet hat, sind die Königlichen Regierungen vom Finanzminister beauftragt worden, die ihnen unterstellten Kaffen anzuweisen, im Sinne der Bekanntmachung schon von jetzt ab zu verfahren und die zur Einlösung kommenden Stücke in gleicher Weise wie die durch den Umlauf unterwichtig gewordenen Reichsgoldmünzm dem MünzmetaÜdepot des Reichs zuzuführen. That- sächlich sind wohl kaum noch einzelne von den kleinen Goldstückchen im Verkehr.
X Der Ausstand der WerflarSeiier in KamSnrg hat gerade jetzt eine besondere Bedeutung, denn er steht im Zusammenhänge mit der China-Frage und mit der rechtzeitigen Verschiffung unserer Truppen nach Ostasten. Die Werftarbeiter wollen die Zwecke ausnützen: sie haben neuerdings beschlossen, alle Nachtarbeit und alle^Ueberstunden abzulehnen, und es kann kommen, daß dadurch die Werftbesitzer daran verhindert werden, rechtzeitig die Dampfer für die UeberfÜhrung der Truppen nach China bereit zu stellen. Die Arbeiter handeln auf diese Weise nicht klug. Sie verscherzen dadurch alle Sym- pathieen weiterer Volkskreise, und außerdem liefern sie ihren grundsätzlichen Gegnern selbst Waffen gegen sich in die Hände; denn man wird später sagen, der Ausstand der Hamburger Werftarbeiter sei gegen die Kriegsbereitschaft deutscher Truppen gerichtet gewesen.
h Der Word i« Könitz wird immer dunkler und schleierhafter, je langer die Untersuchung darüber geführt wird. Jetzt endlich ist nach einem Beschlüsse der Strafkammer des Landgerichtes zu
einer Landung in Deutschland ist es nichts, da ja Oesterreich bereits wieder Frieden geschloffen hat. Wir müffen also in einem fremden Lande kämpfen."
„Ich fürchte mich nicht, Herr Hauptmann," entgegnete Gesine ernst und ruhig. „Auch in einem fremden Lande stehen wir unter Gottes Regiment."
„Aber Sie — ein Mädchen . . . ?"
„Ich kann ja leider die Waffen nicht tragen, aber ich kann die Kranken und Verwundeten pflegen und so meinem Vaterlande dienen, Herr Hauptmann."
„Sie sind ein wackeres Mädchen," sprach Herr v. Ehlen bewegt und reichte Gesine die Hand. „Wenn Sie einen Freund nöthig haben, dann denken Sie an mich. Ich werde Ihnen helfen, so gut ich kann."
„Ich danke Ihnen, Herr Hauptmann."
„Und nun geht," wandte sich der Offizier an Hans Heinrich. „Rüstet Alles zum Abmarsch; wir fahren ab, sowie die genügende Anzahl Transportschiffe angekommen ist, was in einigen Tagen der Fall fein wird. Uebermorgen ist Musterung, da müßt Ihr mit zur Stelle fein.”
„Werd' nicht fehlen," entgegnete Hans Heinrich, stolz auf seine neue Würde, grüßte militärisch, machte eine unbeholfene Kehrtwendung und stampfte hinaus, begleitet von Gesine, während der Feldwebel bei dem Hauptmann zurückblieb.
„Da wären wir ja wieder in Amt und Würden," lachte Hans Heinrich, als er mit Gesine dem kleinen Wirthshause Berendt Prigge's wieder zuschritt, „'s ist ein wunderliches Leben, Gesine, mein Goldkind — aber wenn wir nach Spanien
Könitz der Fleischermeister Hoffmann außer Verfolgung gesetzt worden: die Voruntersuchung habe die N chtfchuld des Angeklagten ergeben. Darüber, daß Hoffmann unschuldig ist, war im Volke von Anfang an nur eine Stimme. Des Volkes Stimme traf hier das Rechte. Und dennoch scheint man mit großer Aengstlichkeit darauf Bedacht zu nehmen, auf die allgemeine Stimme deS Volkes in anderen Stücken mcht zu hören.
Ki-k, 23. Juli. Um den ungeheuren Transport von Munition und Lebensmitteln für China bewältigen zu können, ist die Oarterung weiterer Transportdampfer von der Murine - Verwaltung erfolgt. Die der Rhederei Diederichsen gehörigen Dampfer „Marie" und „Mimi" find vom Reichsmarineamt als Transportdampfer nach China gechartert worden. Die Schiffe werden Ende Juli und Anfang August mit Proviant und Infanterie die Reife antreten. Den Dampfern wird ein Marine- Deiachement beigegeben. — Der Lloyddampfer „Gera", der bekanntlich als Lazarethfchiff eingerichtet wurde, ist von Bremerhaven nach Wilhelmshaven in See gegangen, um seiner neuen Bestimmung gemäß Verwendung zu finden.
Anslarrd.
* Asm, 23, Juli. Der Minister Carcano hat angeordnet, daß bei der nächsten Volkszählung die betr. Formulare (zum erstenmal) eine Rubrik für das Religionsbekenntnis enthalten sollen. Die liberale ,Corrispondenza Verde' meint, diese Neuerung sei nicht recht verständlich, wenn man nicht annehmen müßte, in seinen Interessen geschädigt zu werden, im Falle daß man sich als Nichtkatholik ein« schriebe. Treffend bemerkte hieraus die ,Voce della Verita', man brauche heutzutage nur Jude oder Atheist zu sein, um in Italien Karriere zu machen. Es genügt ja zur Messe zu gehen, um gleich als Feind des Vaterlandes angesehen zu werden.
• Belgrad, 23. Juli. Die Verlobung des Königs von Serbien ist nicht nur in vollem Widerspruch mit dem jurücfgetretenen Kabinet, sondern auch ohne Zustimmung des Königs Milan erfolgt. Milan ist heute auS Karlsbad in Wien eingetroffen, hatte sofort eine zweistündige Konferenz mit dem dortigen serbischen Gesandten und wird voraussichtlich morgen früh hier eintreffen. Da die zukünftige Gemahlin des Königs Alexander eine intime Freundin der Königin Natalie ist, so ist man in hiesigen Hofkreisen der Ansicht, daß Natalie nach Serbien zurückkehren, der Vermählung beiwohnen und ihren alten Einfluß zurückgewinnen wird.
• KoufiaNlinopek, 23. Juli. Der Drago man des französischen Konsulates in Kirk Kilise wurde von Räubern entführt. Dieselben verlangen 4000 türkische Pfund Lösegeld. Der französische Botschafter machte sofort behufs Freilassung des Dragoman die nöthigen Schritte bei der Pforte.
gehen, dann darfst Du uns nicht begleiten; Spanien — ich kenne das Land — 's ist ein Teufelsland — gift’ge Schlangen und vergiftete Dolche. . . nein, nein, dann bleibst Du bei Berendt Prigge."
„Wo denkt Ihr hin, Vater? Ich werde Euch nicht verlassen und wenn die Fahrt nach Amerika ginge."
„Hah, das wär' noch nicht das Schlimmste," brummte Hans Heinrich in den grauen Bart.
Gesinens Auge schweifte gedankenvoll über das grüne Meer und kehrte langsam zu dem flachen Unterlande der Insel zurück, auf dem ein lebhaftes Treiben herrschte. Soldaten, Matrosen und die Helgoländer Männer und Frauen umdrängten die weit in die See hinauslaufende Landungsbrücke, deren Zugang freilich durch einen Wachtposten gesperrt war. Nicht weit von der Landungsbrücke lag die schmucke Brigg, die „Kap- taube", an deren Bord reges Leben bemerkbar war. Mehrere kleinere Fischerboote lagen zur Seite der Brigg. Die Fallreep-Treppen des Schiffes waren herabgelassen und Soldaten und Matrosen füllten nach und nach die Fischerboote.
„Die Besatzung der Brigg scheint ausgeschifft werden zu sollen," bemerkte Hans Heinrich, der die Vorgänge aufmerksam beobachtete.
„Aber seht doch nur, Vater," rief Gesine nach einer Weile erregt, „weich' sonderbare Soldaten dort in dem Kutter Behrendt Prigge's eingeschifft werden!"
„Beim Himmel, das sind weder britische noch Legions-Soldaten — das sind . . . hol' mich dieser und jener, wenn es nicht Soldaten vom Korps des Herzogs von Braunschweig sind! Die schwarzen Röcke — der Tschako mit dem schwarzen Haarbusch . . . Gesine, Mädchen, wohin willst du?"