Einzelbild herunterladen
 

JilfroeitX »ws«U«i t» mit Anterhattnngs-Mlage „Alknstrirke Son«tags-Zeiümg!' “äWSS“

Lrschrint »glich, tx. WuMa^neber €otw= «td S<in> tay.etaWSd.

uni>Brft»llg«K> tu Fulda mA au»« wär»1«.S0Pf.

Inserat«: Die eine spalt. Garmond« geile oder deren Raum15Pfg.,Re« Kamen die Petit­geile 25 Pfg.; bei Wiederholungen »ird entsprechend. Rabatt gewährt.

J2 166.__________________

Deutsche« Keich.

Berlin, den 21. Juli.

K Der Kaiser kürzt seine Rundreise ganz erheblich ab. Nach dem ursprünglichen Plane sollte die Reise bis zum 6. August dauern; nach den neuesten Beschlüssen wird der Kaiser schon am 25. ds. Mts. wieder in Kiel eintreffen und dann in der folgenden Zeit sich an der Küste der Nordsee aufhalten, um die Truppen, die nach China gesandt werden, persönlich zu verab­schieden.

* Graf ZLakkeSrem hat, wie aus Kattowitz berichtet wird, dem Vorstande des kameradschaft­lichen Vereins seiner Arbeiter mitgetheilt, daß dieser alljährliche Zuwendungen aus den Überschüssen seines Grubenbetriebes erhalten soll. Die diesjährige Zuwendung soll 100,000 Mark betragen, die als Sparkassen - Einlagen für die Arbeiter verwendet werden.

X Kerr August AeSek übertrifft sich selbst. Er hat in einer sozialdemokratischen Versammlung in Zürich dargklegt, wann nun endlich der berühmte „große Kladderadatsch" kommen wird, der nach früheren Prophezeiungen des alten Herrn noch vor der Jahrhundert­wende, „spätestens aber im Jahre 1898" ein­treten sollte. Sein Prophetenthum hat bei der „Genossenschaft" arg Schiffbruch gelitten — be­kanntlich hat derselbe Herr Bebel im Jahre 1898 sich dahin verbessert, daß der große Klad­deradatsch innerhalb der nächsten--hundert

Jahre sich vollzogen haben werde---!

Der Prophet war vorsichtig geworden! Jetzt hat Herr Bebel eine neue Entdeckung gemacht: der Zusammenbruch der gegenwärtigen kapita­listischen Gesellschaft wird kommen, wenn aus der gegenwärtigen Eifersucht der Mächte in China der „Weltbrand" sich entzündet haben wird und zu diesem blühenden Blödsinn hat die Zu­hörerschaft in Zürich begeisterten Beifall ge­klatscht ! Die Züricher Sozialdemokraten müssen recht anspruchslose Leutchen sein, sonst würden sie sich solche alberne Mätzchen nicht vormachen lassen. Aber die Sache hat auch eine ernste Seite: die sozialdemokratische Presse nimmt ja nämlich mit erstaunlicher Leidenschaftlichkeit Partei für die „tausendjährige Kultur Chinas", die durch die Barbarenstaaten Deutschland, Frank­reich usw. nach ihrer Ansicht „vernichtet" werden soll. Die mongolischen Mordgesellen mit ihrer viehischen Blutgier und ihrer Bestienwuth ge­fallen der Presse „Genossen" als die Vertreter der sogenannten chinesischen „Kultur", die sie, die Genoffen, auf jeden Fall geschützt sehen möchten. Wahrscheinlich also wünschen die Herren Sozialdemokraten, daß in China alles darunter und darüber gehen soll, die Mächte über einander herfallen, die Chinesen aber dann alle diese Mächte über den Haufen werfen und ihre Kultursitten verbreiten sollen mit Mord und Brand und allerhand wüsten Scheußlichkeiten: dann würde ja die Saat der Sozialdemokratie reif: die „kapitalistische Gesellschaft" würde dann zusammenbrechen. Warum geht denn Herr August Bebel nicht nach China und nimmt alle seine Gesinnungsgenossen aus Deutschland mit, um seinen gelben Freunden zu helfen gegen die

Dir Achter des Khrnmus.

Roman von O. Elster.

14 ------- (Nachdruck verboten.)

„Mister Howard, ich muß bitten . . ., ich will solche Worte nicht hören." Damit schritt Ge­sine rasch den schmalen Pfad hinan, der die Felsen hinauf zu dem Leuchtthurm und der Lotsenstation führte.

„Verdammt!" murmelte der Engländer zwischen den Zähnen. „Ein stolzes Mädchen! Aber sie muß doch noch Mistreß Howard werden!"

Er folgte Gesinen und schritt stumm an ihrer Seite dahin. Mister James Howard war wohl geeignet, einem Mädchenherzen zu gefallen. Eine hohe, kräftige Gestalt, blaue, fröhlich blitzende Augen, blondes lockiges Haar und ein frisches, von Wind und Wetter gebräuntes Gesicht — das waren die äußeren Vorzüge des jungen, kaum fünfundzwanzigjährigen Mannes, denen sich ein energischer, kühner Charakeer und eine stets lustige, fröhliche Laune anschlossen. Manches Helgoländer Mädchen blickte verstohlen sehnsüchtig dem jungen Offizier nach, wenn er die schmalen Gäschen des Dorfes durchschritt und auch die Frauen und Töchter der Offiziere und britischen Beamten lächelten freundlich bei dem höflichen Gruße Mister James Howards. Aber Mister James hatte nur Augen für d e blonde Gesine und brachte fast seine ganze freie Zeit in dem kleinen Gasthaus „Zum Admiral Nelson" zu, welches dicht bei der Lotsen­station lag und von dem alten Berendt Prigge mit seinem Burschen Peter Hans verwaltet wurde. Denn im „Admiral Nelson" hatte Hans Heinrich

IrrLöa, Montag,

verrottete kapitalistische Gesellschaft aus Europa? Vielleicht würde der Reichstag gern die Mittel bewilligen zur Reise nach dem gelobten Lande der Sekten vom großen Messer und von der Rothen Hand!

X Im Aeichstagswahkkreise Mauz keve« hatten die Nationalliberalen gehofft, ihr Wahlbewerber würde von den anderen bürger­lichen Parteien keine Anfechtung erfahren, sondern der einzige bürgerliche Kandidat im Wahlkreise bleiben. Jetzt müssen sie zu ihrem Schmerze sehen, daß sie sich mit dieser Hoffnung getäuscht haben. „Plötzlich melden sich alle erdenklichen Parteien — so klagt die Berliner nationalliberale ,National- Zeitung' — die sich bett Luxus einer Sonder­kandidatur leisten wollen, uni den Kreis, wenn möglich, dem einzigen ernstlich in Betracht kommen­den Konkurrenten des nationalliberalen Kandidaten, nämlich dem Sozialdemokraten, in die Hände zu spielen." Einem Centrumsmanne kann es ziem­lich gleichgiltig sein, ob in Wanzleben der natio­nalliberale Kandidat Konkurrenten bekommt oder nicht. Die Sache hat aber eine allgemeine Be­deutung, nämlich die, daß es gar nicht gut sein würde, wenn in allen Wahlkreisen, wo ein Sozial­demokrat bei der Wahl in Frage kommt, alle bürgerlichen Parteien von vornherein auf eigene Kandidaten verzichten und für einen einzigen Kom­promißkandidaten stimmen wollten. Durch den Mischmasch erweckt man bekanntlich nicht höheres politisches Interesse, wie kürzlich erst wieder das Beispiel im schlesischen Wahlkreise Waldenburg ge­zeigt hat. Besser, ein ganzes Heer von Wahlbe­werbern kommt in den Wahlkreis und wühlt alle gleichgiltigen Leute auf, als daß von Anfang an ein lahmes Kompromiß geschlossen wird, für das Niemand sich sonderlich erwärmen kann. Die Stich­wahl bringt dann eher eine gute Entscheidung gegen den Sozialdemokraten, als eine solche lahme Kompromiß-Taktik!

* Kamvrrrg, 21. Juli. Der Verband der Eisenindustrielten Hamburg's hat be­schlossen, daß heute Abend ein zweites Sechstel aller auf den größeren und mittleren Wersten Hamburg's beschäftigten Arbeiter entlassen werden. Es kommen hierbei etwa 1200 Werft­arbeiter in Betracht. Sofern unter diesen zur Entlassung bestimmten Arbeitern sich Leute be­finden, die sich bereit erklären, die von ihnen geforderten Arbeiten zu verrichten, soll von der Entlassung Abstand genommen werden. Da die Zahl der Feiernden etwa 2600 Mann beträgt, so dürsten mit Einschluß der heute zu entlassenden 1200 Mann und einer Anzahl Werftarbeiter, die in kleineren Trupps fortgesetzt die Arbeit niederlegen, weil sie die von ihnen geforderten Arbeiten nicht verrichten wollen, etwa 4000 Mann von heute Abend ab ausständig oder ausgesperrt sein.

Ausland.

* Aaris, 21. Juli. Der Ressort-Chef der deutschen Ausstellung, Staatssekretär Graf Posa- dowsly, wurde gestern Nachmittag von dem Präsidenten 2oübet empfangen. Der Audienz, welche etwa eine Stunde dauerte, wohnte auch der deutsche Geschäftsträger o. Schlözer bei.

Allerkamp mit seiner Tochter Quartier genommen und Gesine half dem alten Berendl Pligge in der Küche und in der Wirthschaft, die seitdem einen großen Aufschwung genommen hatte.

Auch heute saß die kleine niedrige Gaststube gedrängt voll. Englische Soldaten und Matrosen, Angehörige der englisch-deutschen Legion, die aus der aufgelösten früheren freihannoverschen Armee gebildet war, sowie Helgoländer Fischer saßen im bunten Gemisch an den weißgescheuerten Tischi n, tranken Genever und Whisky und rauchten aus kurzen Thonpfeisen.

Neue Rekruten aus Deutschland für die eng­lisch-deutsche Legion waren angekommen, kräftige Burschen mit flachsblonden Haaren und treuher­zigen blauen Augen. Ein junger Mann fiel unter ihnen besonders auf. Er war kaum 20 Jahre alt, schlank und zierlich gewachsen, mit einem feinen, durchgeistigten Antlitz und großen dunkeln, schwermülhig blickenden Augen. Man sah es ihm an, daß er den gebildeten Ständen angehörte. Das starke Getränk hatte seine Wangen erhitzt, et sprach lebhaft und die Umstehenden hörten ihm aufmerksam zu.

„Ja, Kameraden," rief er laut, „fitzt ist keine Zeit, hinter dem Ofen zu hocken oder über Büchern zu brüten. Deshalb habe ich auch die Universität Göttingen freiwillig verlassen und bin hierher ge­kommen, um mit euch für die Freiheit zu fechten. Nach dem Willen meiner Eltern sollte ich Theologie studiren, aber ich paßte nicht dazu und da wählte ich mir den bunten Rock des Soldaten. Heute ist das Schicksal unseres Vaterlandes und der Welt auf die Spitze der Bajonette und Säbel gestellt."

bett 23. Juli 1900.__

Posadowsky hat auch in Begleitung des Reichs- Kommissars Richter und des Gebeimrathes Sero alb, einer Einladung der Ausstellungs-Be­hörde folgend, an Bord des französischen Dampfers „Touraine" der Flotten-Revue auf der Rhede von Cherbourg beiqewohnt.

• Mekgral», 22. Juli. In einer Pro­klamation an das Volk kündigt König Alexander seine gestern erfolgte Verlobung mit Frau Draga Maschin, einet ehemaligen Hofdame der Königin Natalie an. Diese Frau ist Wittwe und entstammt dem alten Wojewoden-Geschlecht der Lunjevicas. Ihr Batet spielte seiner Zeit eine hervorragende politische Rolle. — Der König hat die Demission das Kabinets nicht an­genommen. Derselbe berief aber den Liberalen Csaoacumov c sowie den Fortschrittler Ragovic. Ein partei-politisches Ministerium gilt für aus­geschlossen. __________

13. Kies mb btt WeltmsßkllMS 1900.

Bon unserem Speziattorrespondenten. (Nachdruck verboten.) Q Paris, 20. Juli.

Kirch licher Nothstand in Paris.

Was! Eine ganz katholische Stadt mit zahl­reichen Kirchen und Geistlichen und kirchlicher Noth- ftanb ? So wird mancher Leser erstaunt fragen. Aber jeder mag selbst urtheilen. Paris hat nach dem kirchlichen Schematismus für 1900 2436949 katholische Einwohner, welche auf 70 Pfarreien vertheilt sind. Das macht im Durchschnitt 34800 Seelen aus eine Pfarrei. In der Praxis ist die Sache aber noch viel schlimmer, da die Seelen­zahl der einzelnen Pfarreien sehr erheblich aus­einander geht. So gehören zu der Kapelle des Jnvaliden-Hotels, wo Napoleon I. begraben liegt, nur 2300 Seelen, zu der großen Notre-Dame- K-rche 6800, alle anderen Pfarreien laben aber bedeut, nd mehr. 13 Pfarreien zählen 10 bis 20000 Einwohner, 20 Pfarreien 20 bis 30000 Einwohner, 10 Pfaireien bis 40000, 10 Pfarreien bis 50000, 5 Pfarreien bis 60000, 5 Pfarreien bis 70000 Seelen, und einige müssen wir noch besonders aufführen: St. Pierre du petit mont- rouge hat 72 000, St. Ambroise hat 84 500, St. Marguerite 96 2 00 und Notre-Dame de Clig- nancourt hat gar 102 00 0 Pfarrangehörige. Daß da jede geordnete Pfarrfeelforge aufhören muß, liegt auf der Hand.

Selbstverständlich sind, mit Ausnahme der kleinen Pfarrei St. Louis des Invalides, bei jeder Kirche mehrere Geistliche. St. Sulpice, bei welcher sich das große Seminar befindet, weist deren 18 bis 20 auf, sonst sind es meist 4 bis 6, selbst bis 10 Kapläne. St. Marguerite mit 96200 Seelen hat 7 Kapläne, N. D. de Clignancourt hat deren 9, auch gibt es in fast jeder Pfarrei das eine oder andere Kloster mit Kapelle, aber was ist das für so viele? Und ganz abgesehen davon, wie kann denn der Pfarrer feine Pf an linder und diese ihn kennen, wie es nach kirchlichem Grund­sätze sein soll?

Wir haben also in einer fast ganz katholischen Stadt (auf jene rund 21/» Millionen Katholiken kommen nur etwa 90 000 Andersgläubige) und zwar mitten in einem ganz katholischen Land

„Bravo, Johann Stöckel!" tief ein alter Feld wedel von bet englisch-deutschen Legion mit schmun­zelndem Lachen. „So gefallt Ihr mir. Der Sohn des Schullehrers Benjamin Stöckel soll leben — oioat hoch!"

Der Chor stimmte mit lautem Halloh ein und die Bicher klangen zusammen.

„Gesine wird sich freuen. Euch zu begrüßen, Johann Stöckel," meinte Hans Heinrich Aller­kamp, mit dem Studiosus anstoßend. „Ihr könnt von derHeimath erzählen — sehr, dort kommt sie!"

Des Jünglings dunkle Augen richteten sich auf die schlanke Gestalt des jungen Mädchens, das eben in die Gaststube trat. Rasch erhob er sich und bot Gesinen die Hand.

Ein flüchtiges Roth färbte Gesinens Wangen. „Johann Stöckel — Sie hier?" fragte sie er­staunt.

,Ja, ich bin's, Gesine — ich ziehe mit ins Feld, wie jeder brave deutsche Bursche jetzt thun sollte. Ich soll Euch Grüße bringen von meinem Vater."

„Ich danke Ihnen . . . und — und habt Ihr weiter nichts zu bestellen? Wißt Ihr wie's auf dem Ahrendtshof steht?"

„Aha, Ihr denkt an Karl Ahrendt!"

Wiederum erröthete Gesine; sie nickte mit dem Haupte, ohne Worte finden zu können.

„Ja, der Karl — wer weiß, roie’6 ihm geht. Einmal hat er geschrieben — von Halberstadt aus, das die schwarzen Husaren des Herzogs von Braunschweig mit stürmender Hand genommen."

„So ist er Soldat des Herzogs?"

„Ja — aber um den Herzog sieht es schlimm. Bei Braunschweig ist er von zwei französischen

27. Jahrgang.

einen kirchlichen Nothstand, von dem wir Deutschen uns kaum einen Begriff machen.

Und geschieht denn gar nichts, um diesen Nothstand zu beheben, werden denn gar keine Versuche gemacht, die übergroßen Pfarreien zu theilen, wie bei uns selbst in den ärmsten Jndustriegegenden. Ich habe diese Frage mehr­mals gestellt, aber meist nur ein zweifelhaftes Achselzucken gefunden. „Dazu gehört Geld", war einmal die Antwort, „und zum anderen ge­hört dazu die Zustimmung der Regierung, die der Kirche ohnehin nicht günstig gesinnt ist." — Ader wenn die Katholiken doch aufftänden wie ein Mann und eine Aenderung in diesen himmel­schreienden Zuständen verlangten, so müßten st« das doch fertig bringen? Frankreich ist doch ein parlamentarisch regiertes Land, das Volk macht selbst seine Regierung, da müßte das doch eine Kleinigkeit fein! — So meinen wir in Deutschland; Leute aber, welche die französischen Verhältnisse kennen, wissens besser: „Die Fran­zosen gehen ja doch nicht in die Kirche," sagte mir einmal Einer.

In der Thai ist der Kirchenbesuch noch viel trauriger als die äußeren Pfarrverhältnisse. Nehmen wir an, daß von den 21/« Millionen Pariser Katholiken ein Drittel Kinder, Kranke ober Greise sind, die zum Kirchen besuch nicht verpflichtet sind, so müßten doch noch im Durch­schnitt in jeder Pfarrei an jedem Sonntag 23 200 Personen ihre Messe hören. Das ist natürlich ganz unmöglich. In Wirklichkeit wird es nach den Beobachtungen, die ich anstellte, noch nicht der zehnte Theil thun, von den Männern noch nicht der dreißigste. Ist es da ein Wunder, daß bei Katholizismus auch politisch in Frankreich darniederliegt und daß Atheisten und Sozialisten glauben, sie könnten in den Kirchen schalten und walten, wie es ihnen beliebt?

An allen Pariser Kirchen steht heute noch die Devise der Revolution: Liberte, Egalite,Fra- ternite. Die Kirchen sind Staatseigenthum, und der Staat und die Polizei machen ihre Vorschriften bis in die intimsten Angelegenheiten hinein. Die Polizei schreibt z. B. vor, wann die Beerdigungen statlfinöen: bann muß aber auch der Trauer­gottesdienst abgehalten werden, selbst am Sonntag! So ist es einst in dem mit Napoleon I. abgeschlossenen Konkordat festgesetzt worden, und die französischen Katholiken lassen es sich gefallen bis auf den heutigen Tag. Die Polizei hat die Beerdigungen an Gesellschaften vergeben, welche dafür Tarife haben von 3 bis über 7000 Franks. Da wird natürlich oft ein P.mp entfaltet, der keine Grenzen kennt. In den Kirchen werden wahre Konzerte mit Harfen, Flöten und Sängern veranstaltet — der Hauptraum in der Kirche wird dabei natürlich streng abgesperrt. — Wenn die Gesellschaft ihren Trauerpomp anschlagen läßt, dann wird gehämmert und geklopft in der Kirche, einerlei ob es Sonntag oder Werktag ist, und wenn es in irgend einer Seitenkapelle gerade zur Wandlung lautet, stören sich die Arbeiter daran gar nicht. —

Was die „Freiheit" in Frankreich angeht, so müssen sich aber die Katholiken geradezu fürchten in die Kirche zu gehen Beamte und sonst Leute, Divisionen umstellt — fein Korps soll vernichtet sein ober muß zu Grunde gehen, wenn die Eng­länder ihm nicht zu Hilfe kommen."

„Damit hat's gute Wege," brummte der alte Legionsfeldwebel Friedrich Wilhelm Müller.

„Ja, wenn Admiral Nelson noch lebte," meinte Hans Heinrich Allerkamp.

„Mit den Schiffen könnte selbst ein Admiral Nelson nicht die Lüneburger Haide durchqueren," sagte Berendt Prigge lachend. ,,Jch hab' auch schon davon gehört, daß das Korps des Herzogs gefangen genommen fein soll. Die Offiziere wer­den erschossen, die Mannschaften kommen auf die Galeere in Brest — der Herzog soll im Kampf bei Braunschweig gefallen fein — es ergeht ihm gerade wie dem Major von Schill in Stralsund.

Gesine war bleich geworden. Wenn die Ge­rüchte die Wahrheit sagten, bann war auch Karl Ahrendt verloren. Nur ein Zufall konnte ihn gerettet haben. Aber wo mochte er jetzt wellen? Wo als Flüchtling umherirren? Oder lag er gar mit zerrissenen Gliedern auf blutigem Schlacht­feld? War er in französische Gefangenschaft geraden? Ihr Herz erbebte bei tem Gedanken, aber trotzig preßte sie die Lippen zusammen. Ihren Schmerz wollte sie den Männern nicht zeigen. , _ . „

„Der Plan des Herzogs war wahr,sinnig," mischte sich James Howard in das Gespräch. „Wie ich von dem Gouverneur gehört habe, hat der Admiral Befehl erhalten, mit der Flotte nach England abzusegeln. Von einer Landung in Deutschland ift Abstand genommen worden."

„Ja, so geht s immer," grollte der alte Feld­webel. „Man läßt Deutschland im Stich."