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Das Reuter'sche Bureau vsrbrritrt folgendes Telegramm aus Zeerust: 15 Buren werden nach Eto auf Ceylon gebracht, weil sie nach tiRtt Unterwerfung nochmals gegen die Eng­länder zu den Waffen gegriffen haben. Ihr Eigenthum wird konstszirt.

Ein neue- Blaubuch über Südafrika ist in London ausgegeben worden. Unter den vorher noch nicht veröffentlichten Telegrammen befinde« fich einige, die Lord GaliSbury und Präsident Krüger ungefähr einen Monat vor de» berühmten Depeschen über die eventuellen Friedensbedingungen auswechselten. Lord Salis­bury theilt darin Präsident Krüger mit, daß, wenn die Gefangenen nicht in angemeffener Weise behandelt würden, die beide« Präsidenten persönlich dafür verantwortlich gemacht würden. Darauf antwortete Präsident Krüger: „Wenn Diejenigen, die für diesen ungerechten Krieg verantwortlich sind, sich nicht so weit vom Kriegsschauplatz fernhielten, könnten wir auch ähnliche Drohungen ausstoßen. Wir Aber» lassen das Alles getrost dem Urtheile der ganzen zioilisirten Welt, die langsam, aber sicher einzusehe« beginnt, wie das britische Kabinet an uns gehandelt. Seien Sie sicher, daß Ihre von einem sicheren Platz aus ausge­stoßenen Drohungen uns nicht hindern werden, unsere Pflicht zu thun."

Der englische Konsul in Beira in der portugiesischen Kolonie Mozambique ist der Wunde erlegen, welche er bei dem am 16. Juli auf ihn verübten Mordanschlag erhalten hat.

Die Wirren in China.

In Berlin sind an amtlicher Stelle weitere Nachrichten aus Tientsin seit gestern nicht eingetroffen. Die Verhandlungen in Betreff des Oberkommandos über die verbündeten Streit­kräfte in China sind noch nicht abgeschlossen. Nach offiziösen Informationen der , Post' ist an deutscher maßgebender Stelle von einer Ent­schließung der deutschen Regierung nichts be­kannt, wonach die deutsche Regierung mit der Ernennung Lord Wolseleys zum Oberbefehls­haber einverstanden sei. Dem anderseits von englischer Seite gemachten Vorschläge (der,Daily Chronicle' hatte dieses empfohlen), ob man nicht Deutschland den Oberbefehl in China über­tragen solle, steht nach der »Post' die deutsche Regierung „kühl" gegenüber. Man dürste gegebenenfalls zwar dem einmüthigen Wunsche der verbündeten Regierungen nachkommen, verhehlt dabei jedoch nicht, daß man in diesem Falle eine Last übernehmen würde, die für das Maß unserer Betheiligung in China entschieden zu groß erscheinen müffe. Jedenfalls hegt Deutschland nicht den Wunsch, selbst das Oberkommando zu übernehmen; man wird es hier aber mit Freuden begrüßen, wenn dasselbe in eine Hand gelegt wird, die stark genug ist, die alliirten Truppen sicher und ruhig durch alle Fährlichkeiten hindurch zu leiten.- — Die Mächte scheinen sich soweit einig zu sein, daß Japan keineswegs das Oberkommando erhält.

Die Meldung, daß hunderttausend mo­dern bewaffnete Chinesen gegen Shanghai vorrücken, wird jetzt von verschiedenen Seiten wiederholt. Zum Schutze von Shanghai sind bisher an Landungstruppen nur etwa tausend Freiwillige und 400 Mann französische und eng­lische Polizei verfügbar.

In Japan besteht nicht allzu viel Neigung, sich auf große Operationen in China einzulasfen, da man wahrscheinlich nach den Erfahrungen deS japanisch-chinesischen Feldzuges befürchtet, daß die von Japan gebrachten Opfer an Gut und Blut dem japanischen Reiche keine Früchte tragen werden, indem nachher die anderen Mächte sich einmischen. Wie das Reutersche Bureau aus Aokohama meldet, nimmt, obwohl die führenden

emporstteg. Dann trat der Herzog auf Karl zu und legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Kapitän von Helmholtz hat mir viel Gutes von Dir erzählt, mein Sohn," sprach er mit milder, tiefer Stimme in fast väterlichem Tone. „Willst Du wirklich unter mir dienen und die Gefahren mit mir theilen?"

„Ja, Eure Durchlaucht" — stieß Karl hervor.

„Wir kämpfen einen schweren Kampf, mein Sohn," fuhr der Herzog fort. „Aber auch einen heiligen Kamps für des deutschen Vaterlandes Ehre und Freiheit. Wie der Kampf endet, weiß nut Gott allein — er kann uns den Sieg ver­leihen — aber wir können auch alle untergehen in dem Kampfe. Hast Du alles das bedacht, mein Sohn?"

„Ja, Eure Durchlaucht!"

„Gib mir Deine Hand, mein Sohn! '— So — und jetzt nehme ich Dich an als Kämpfer für deutsche Ehre, für deutsche- Recht, für deutsche Freiheit!"

Er drückte Karl die Hand und trat zu seinen Offizieren zurück. Aber Karl war in dieser Stunde zum wahren Kämpfer für Deutschlands Freiheit, für Deutschlack« Ehre gewordyr» ' 7

' . K 8'Kapitel.

■- Gesine saß auf einem Felsstück an der viel- fach zerklüfteten Küste des kleinen Felseneilandes Helgoland und schaute, die Hände um die Knie geschlungen, sinnenden AugeS hinaus auf die See, auf der.sich, gerade ihr gegenüber/ eine zierliche

„ Schaluppe auf und ab wiegte. Er war dar Lotfenschlff boft HelgolaM welches hier unweit des alten mächtigen LeuchtthurmeS und der Lotsenstation da oben auf dem Felsenplateau vor

Blätter noch immer darauf dränge», mehr Truppen nach China zu senden, doch die W Neigung dagegen zu, daß Japan fich in aus­gedehnte Operationen einläßt. Die Entscheidung der Regierung ist nicht bekannt. ES ist indeffen eine weitere Division jetzt von Sendai auf dem Marsch, um fich nach China einzuschiffen. Große Maffen von Flüchtlinge« aus China treffen ständig m Japan ein. >

Der chinefische Gesandte in Berlin hat auf die Telegramm-Censur des Grafen von Bülow auch weiter geschwiegen und dürfte diese Taktik fraglos weiter befolgen. Dagegen find dem Auswärtigen Amte bereits mehrere Depeschen der chinestschen Gesandtschaft zur Einsicht vorgelegt worden. Dieselben sollen aber keinen Anlaß zu Beanstandungen gegeben haben. Hierbei drängt sich die Frage auf, wie lange wohl die chinesische Gesandtschaft in Berlin ohne Zufluß von Baarmitteln wird existtren können. Wenn die in Betracht kommenden Herren auch selbst ver­mögend sind, so dürfte sich doch auch dieser Brunnen einmal erschöpfen und dann dürste der Mangel an Geld die Mitglieder der Gesandt­schaft zur Abreise nöthigen.

Während alle Welt überzeugt ist, daß die sämmtlichen Gesandten in Peking mit allen anderen Fremden getödtet worden sind, bringt heute die.Frankfurter Zeitung' folgende Kabel­depesche: „New Aork, 20. Juli, 10 V. Soeben überreichte der chinesische Gesandte Wu dem Staats-Departement eine chiffrirte De­pesche Congers, des amerikanischen Ge­sandten in Peking." Falls hier nicht irgend eine Mystifikation im Spiele ist, würde also wenig­stens der amerikanische Gesandte in Peking noch am Leben sein. Jedenfalls wird man in den nächsten Tagen Näheres darüber erfahren, da die amerikanische Regierung sicher den Inhalt der Depesche, falls sie wirklich eine solche er­halten hat, bekannt geben wird.

Weiter verzeichnen wir folgende Meldungen: 1t Loudon, 20. Juli. Der Shanghaier Ver­treter des »Daily Expreß' meldet: Ein chinesi­scher Kaufmann habe ihm die Einzelheiten der Scenen in Peking mitgetheilt, deren Augenzeugen er während der jüngsten Metzeleien gewesen sei. Danach wurden die europäischen Frauen von den Boxern auf die Straße geschleppt, entkleidet und in Stücke zerhackt. Die einzelnen Glieder wurden unter die Menge geworfen. Einige der Frauen waren bereits tobt, weil sie von ihren Beschützern erschossen worden waren.

* Saris, 20. Juli. Der chinesische Gesandte in Paris ließ dem Minister des Auswärtigen Delcassö ein Telegramm des Kaisers von Chinä zugehen 'mit dem Ersuchen, dasselbe dem Präsidenten Loubet mit« zutheilen. In diesem Telegramm, welches am 19. d. M. vom Gouverneur von Shantung be­fördert worden ist, und welches der fremden Gesandten inPeking keine Erwähnung thut, ersucht der Kaiser um die Vermittelung Frankreichs. Delcaff« ließ den chinesischen Ge­sandten wissen, daß die Antwort Loubets an die französische Gesandtschaft inPeking gesandt werden würde. Dort könne die kaiser­liche Regierung sie in Empfang nehmen. Die Regierung der Republik erwarte jedoch vorher die Sicherheit zu haben, daß der Gesandte Pichon wohlbehalten sei.

* Setersvnrg, 20. Juli. Vize-Admiral Alexejew ließ dem Kriegsminister auS Tschifu nachstehendes Telegramm zugehen: Tientsin, 12. ds. Mts. Gestern wurden unsere Vorposten vor dem Bahnhofe von mehr als 2000 Mann chinesischer Truppen und Boxern über­fallen. Eine halbe Kompagnie der 10. Regiments wurde umzingett und mußte fich mit dem Bajonett durchschlagen. Ein Leutnant und 18 Mann sind verwundet, 4 Mann tobt. Als Verstärkungen eintrafen, zogen sich die Chinesen mit einem Verlust von 70 Mann zurück.

Kokale».

Fulda, 21. Juli.

(*) Wie der Magistrat im Anzeigentheile dieses Blattes bekannt macht, befinden sich die Ge­schäftsräume des Ktandesamle», des Steererfekretariats und des Kiuwohner- Mekdeamles von heute ab im südlichen Flügel des Stadtschlosses.

—* Die Urliste der zu Schöffen und Ge­schworenen geeigneten Personen der Stadt Fulda liegt vom nächsten Dienstag ab acht Tage im Steuersekretariate (Stadtschloß) zur Einsicht der Betheiligten auf.

Im Sowmerlheater wurde gestern das Stück „Als ich miederkam" zum zweiten Male aufgeführt. Die durchweg anerkennenswerthen Leistungen der Personen, die wir bei Gelegenheit der ersten Aufführung schon gewürdigt haben, fanden gestern in dem vollbesetzten Hause die ge­bührende Anerkennung. — Am nächsten Montag steht den Besuchern des Sommertheaters ein be­sonders genußreicher Abend in Aussicht. Bei der Aufführung der Gefangspoffe „Auf Straf­urlaub" wird Frl. Anna Herrmann, die Tochter des Theaterdirektors, nach dem ersten Akte die Pagen-Arie aus „Figaro's Hochzeit" singen. Frl. Anna Herrmann, deren künstlerische Begabung den hiesigen Theaterfreunden aus früheren Jahren bekannt ist, hat sich feit Jahresfrist ausschließlich dem Gesang gewidmet und ist eine Schülerin der herzoglich sächsischen Kammersängerin Emma Bau­mann in Leipzig.

* Die Ausgabe der neuen Ariefmarke zn drei Mark ist zum 1. August zu erwarten. Der Zeichnung der Drei-Mark-Marke ist ein Motiv eines in dem größeren Bilde von W. Pape zu Grunde gelegt: sie zeigt die Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms des Grrßen in Berlin und trägt die Inschrift: 1797— 22. März 1897. Ihre Farbe ist violett. Die Aus- gäbe der Briefmarke zu 5 Mark ist auf bett 1. September festgesetzt. Im Herbst ist bann bie Ausgabe bet besonderen Briefmarken und Werth­zeichen für unsere Schutzgebiete und Post­anstalten im AuSlande zu erwarten.

* Wie wehrt man am Sesten die Kitze av? Die Beantwortung dieser Frage dürfte bei der jetzt herrschenden fast tropischen Hitze vielen Lesern nicht unerwünscht kommen. Um Zimmer kühl zu halten, ist auf Mehreres genau zu achten. Zuerst müssen zeitig am Morgen die Fenster geöffnet werden, und zwar alle Flügel. Die Fenster läßt man, auch wenn man Schattenseite hat, nur so lange geöffnet, bis es draußen warm zu werden beginnt, und wenn es geht, sprenge man gleich die Dielen. Kommt dte Sonne, werden auch noch die Fenster- Rouleaux geschlossen. Der Fehler ist eben, daß die Fenster meistens so lange, bis die Sonne kommt, offen gelassen werben, bann ist aber bie erwärmte Luft von braußen schon in's Zimmer geströmt unb an Kühle nicht mehr zu denken. Man öffnet auch Nachmittags bie Fenster nicht sofort, wenn die Sonne fort ist, sondern war­tet, bis ein wenig Abkühlung eingetreten tft, dann wird man ein behagliches Zimmer haben. Am heißesten sind die nach Westen gelegenen Schlaf­zimmer, weil sie von bet Sonne am längsten be­troffen werben; eine Umquartierung für ben Juli hält ben Geist frischer, denn ber Schlaf in den hitzerfüllten Zimmern gibt wenig Erquickung.

* Tokio, 20. Juli. Nach japanische»« Berichten begann der allgemeine Angriff auf die Wälle von Tientsin am 13. Juli früh 4 Uhr. Arn 14. Juli früh 3 Uhr sprengten die Japaner das Stadtthor und pflanzten das Banner der ausgehende« Sonne auf dem Zentralthurme der Stadt auf. Die Verluste betrugen 9 Offiziere tobt unb 300 Mann tobt ober verwundet. Ein später eingegangener japanischer Bericht besagt: Nachdem die Stadt am 14. Juli früh genommen war, beschoffen die japanischen Geschütze die Marinekaseme, worauf die Russen einen An­griff machten. Inzwischen hielten 2 japanische Abtheilungen die Eisenbahnstation und schlugen die chinesischen Angreifer zurück. Darauf ergriffen sie Besitz von der Marinekaferne und ihrer Um­gebung und erbeuteten 48 Kanonen. Die Ver­luste betrugen 60 Tobte unb 270 Verwundete Nach einem noch später eingegangenen Bericht wurden in ber Marinekaseme 80 Geschütze erobert, von benen 16 von neuester Konstruktion sinb. Die umwallte Stabt Tientsin hat jetzt eine Besatzung von Japanern, Engländern, Amerika­nern und Franzosen. Der Gesammtverlust an Verwundeten am 13. und 14. Juli beträgt 500 Mann, unter denen über 300 Japaner sich befinden.

Aus Kirche und Schule.

f I«Na, 21. J«li. Morgen früh 7'/. Uhr wird, wie schon früher gemeldet, der «eugnveihte Priester der Diözese Salzburg Herr In litt- Braun in der BonifattuSgrust des Domes seine Primizfeier halten.

* Das .Militärwochenbl.' veröffentlicht eine Uebersicht über bie Streitkräfte der Mächte, soweit sie in China und in Kiautschou bereits find, ober sich auf bem Wege dorthin befinden, ober ihre Abreise vorbereiten.

I. In China besanben fich bereits Mitte Juli etwa 43,000 Mann, nämlich: A. In Tientsin—Taku etwa 22,000 Mann mit 80 Ge­schützen unb 19 Maschinengeschützen; barunter beutscherseits nur Theile ber Schiffsbesatzungen, nachbem eine Kompagnie des 3. Seebataillons wieder nach Kiautschou zurückbefördert worden war. Die Hälfte der Kämpfer in Tientsin sind Russe«, indessen treffen jetzt täglich Verstärkungen aus Indien und Japan ein. B. In Peking waren insgesammt 431 Mann, darunter 1 Offi­zier unb 50 Mann deutsche Marine-Infanteristen. C. Auf der Halbinsel Kwantu, dem russtschen Gebiet (Liau-tung) find augenblicklich etwa 20,000 Mann mit 32 Geschützen vereinigt, nachdem die dortigen Garnisonen aus dem mobilgemachten sibirischen Armeekorps, vornehmlich aus Wladi­wostok. erheblich verstärkt worden sind. D. In Kiautschou haben wir etwa 1600 Mann mit 16 Feldgeschützen, 12 schweren Geschützen unb 6 Maschinengeschützen.

II. Auf bem Wege nach China sind zur Zeit aus Deutschlanb, Frankreich unb Indien etwa 15,000 Mann mit 28 Geschützen, 11 Ma­schinengeschützen, sowie aus Japan die ersten Theile einer mobilen Division.

III. Vorbereitet wird die Absendung von insgesammt etwa 57,000 Mann mit 144 Gkschützrn; barunter aus Deutschland 11,344 Mann mit 30 Geschützen, Japan 16,000 Mann mit 36 Geschützen, Rußland etwa 20,000 Mann mit 48 Geschützen, Frankreich, Amerika, Italien etwa 10,000 Mann mit 30 Geschützen.

Insgesammt berechnet fich die Stärke der für die Kämpfe in China verfügbar gemachten Truppen auf etwa: 16,000 Deutsche, 12,000 Engländer, 6500 Franzosen, 50,000 Russen, 21,000 Japaner, 7000 Amerikaner, 2000 Ita­liener, 170 Oesterreicher, also rund 115,000 Ma«« mit 311 Geschützen und 36 Ma schiaea-eschütze«. — Nach den Angaben Pariser Blätter wird die internationale Armee in Chin a, welche in drei Wochen zu­sammengestellt sein wird, bestehen aus 15,000 Franzosen, 15,000 Deutschen, 12,000 Engländern, 25,000 Russen, 25,000 Japanern unb 33,000 Mann von ben übrigen Staaten, Oesterreich- Ungarn, Amerika rc. zusammen.

nach, welche ste in ber Nacht ber Flucht begleiteten, unb immer aufs neue tauchte die bange Frage in ihrem Herzen auf: Haben bie Geschosse ihr Ziel erreicht? Liegt Karl, ihr lieber Karl, starr und tobt in bem rochen Haidekraut, bie gebrochenen Augen gen Himmel gerichtet? Nachricht hatte sie von ihm nicht erhalten. Die Küste wirb jetzt von französischen unb dänischen Kriegsschiffen so scharf bewacht, baß es selbst ben kühnen Helgo- länber Schmugglern unmöglich ist, bott zu landen. Man wartet eine Verstärkung ber englischen Flotte ab, um bann auf bem Festlande eine Ar­mee auSznschiffen. Jetzt liegt nur eine stattliche Flotte von Kriegsschiffen bei Helgoland, die aber gegen den wohlvertheidigten Strand nicht- aus- zurichten vermag. So kommen auch keine Nach­richten von dem Festlande. Nur Über England laufen die spärlichen Mittheilungen ein und diese melden, daß Oesterreich geschlagen und Frieden geschloffen und daß Napoleon Bonaparte auf der Höhe seiner Macht, seine- Ruhmes stehe.

Doch was kümmert Gefine jetzt bie Weltge­schichte? Sie sehnt fich nach einer Nachricht von ihm, bem Freund, bem Geliebten ihrer Jugend. Aber wie bie Wellen vorübertreiben in nie enden­der Hast und Eile, ohne Nachricht von bem Schiff zu bringen, da« längst versank, so folgten fich Tage auf Tage in endloser Reihe, ohne daß Nach­richt von ihm kam, an dem ihr ganzes Herz hing mit leidenschaftlicher Sehnsucht. Erst jetzt, wo ste Karl nicht mehr sah, merkte fie, wie sehr fie ihn

tagSsonnenschein Vahinfloß. - 7.- 71 :■ GefinenS Auge ruhte -träumerisch auf bem schönen Bilde. Wie oft hat fie schon an dieser

Anker ging, während die größeren Kriegsschiffe und Handelsfahrzeuge in den bequemeren Süd- Hafen der Insel einliefen.

Braunroth, in tiefen Schatten gehüllt, erhob sich der Lotskenkutter gegenüber, im Rücken Gesinens die in starken Massen ansteigende Küste des kleinen EilandeS; ein grüner Streifen säumte oben den Rand hier und dort ein und wie schmale Bänder zog fich das grüne Gras die rothen Felsen hinab. Die kleinen Häuser des Ober­landes in Hellen Farben, vor dem einen ober an­deren ein Gärtchen mit Fliedergebüsch und blühenden, wilden Rosen, boten, hoch über bem Meere, wie über einem Abgrund schwebend, einen ebenso malerischen wie phantastischen Anblick

Und während eS auf dem Unterlande von Menschen wimmelte, rothgeröckte, britische Sol­daten und Blaujacken, Helgoländer Schiffer in ihren Teerjacken und elegante Offiziere deS briti­schen Heeres und der Flotte, dehnte fich Gefinen gegenüber hellglänzend in schweigender Einsamkeit die Düne auS, nach der Mitte zu mäßig an­steigend, mit graugrünem Gestrüpp, kleine, schmale Landzungen in die See hinaussendend, an benen bie Wellen bes Meeres fich leise gurgelnd brachen und plätschernd unb spielend den Strand über« fluthetest. Bon einem feinen Goldduft überflogen, lag bie Düne still und geheimnißvoll da, um­rauscht von der graugrünem Nordsee, dessen Wogen leichte, weiße Schaumköpfe krönten unb über die wie eine breite Goldwelle der Nachmit-

unb ein junger Soldat in der rothen Uniform der englischen Infanterie ans Land sprang. Die goldenen Verzierungen auf dem Aermel seines rothen Rocke« und an der kleinen Soldatenmütze ließen erkennen, daß der junge Mann bereit« einen höheren Rang in der britischen Armee ein- nahm, als den eines gewöhnlichen Soldaten. In der That war James Howard bereits Unter­lieutenant in der Armee und bekleidete den Posten eines Adjutanten bei dem Helgoländer Gouverne­ment.

„Grüß Gott, Fräulein Gesine," rief er bem jungen Mädchen zu und schwenkte feine Mütze ihr entgegen. „Sah Sie von der Düne aus so ein­sam am Strande sitzen und konnte ber Versuchung nicht wiederstehen, ein Stündchen mit Ihnen zu verplaudern."

„Das ist sehr gütig von Ihnen, Mister Ho­ward," entgegnete Gesine mit kühler Freundlich­keit, indem sie fich erhob. „Aber Sie sehen mich im Begriff nach Hause zurückzukehren . . "

„O, da begleite ich Sie", lachte der Offizier, „hab' doch sowieso auf dem Leuchtthurm unb ber Lotsenstatton zu thun. Darf ich Ihnen auf dem steilen Weg den Felsen hinauf [meinen Arm anbieten?"

„Ich danke — ich gehe lieber allein."

„Fräulein Gesine, weshalb sind Sie stets so unfreundlich zu mir?"

„Ich unfreundlich? Ich wüßte nicht, daß ich er wäre?"

„Ah, verstellen Sie fich doch nicht," rief ber Begleiter ärgerlich. „Sie wissen recht gut, daß ich Sie lieb habe, daß ich eine Frau anständig ernähren kann unb daß Sie in acht Tagen Mistreß Howard fein können, wenn Sie nur motten.“

(S-rtsetzN«, fol«t)

liebte. ..........

Ein kleine« Boot löste fich von der Düne und

___, schoß, iüon zwei Rudern getrieben, rasch durch da«

Stette gesessen unb binau«geträumt in bie Ferne. f-stille Wasser. Gefine bemerkte e-. nicht eher, al« In ihrer Seele hallte« «och immer die Schüsse bi« sei« Kiel knirschend fich in den Sand bohrte