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mit Zlnterßaktungs-Anlage „Illuffrirte Sonntags-Zeitung"
Druck und Nerlaa der Luldaer Actlendruckeret pelersgaü'e Nr. - (Harmonie).
Jtt. 164.
Jutüa, Freitag, den 20. Juli 1900.
27. Jahrgang.
Was wird in China geschehen?
Ueber die Frage, wie die Dinge in China sich weiter entwickeln werden, insbesondere auch in welcher Weise die verbündeten Mächte vorgehen werden, wird in der Presie viel geschrieben. Ohne Zweifel werden die Chinesen noch reichlichen .Anlaß zu einem energischen Einschreiten der Mächte geben. Müder Ermordung der Fremden in Peking sind die Hände der fanatischen Horden, mit denen das Heer in Peking gemeinschaftliche Sache gemacht, frei geworden für weiteres Blutvergießen. Nachdem man in Peking dem Fremdenhaß weiter keine Opfer bringen kann, wird man sie außerhalb .Pekings suchen.
Die ,Köln. Ztg/ verlangte dieser Tage „blutige Rache" an den Chinesen. „Es ist" — so schrieb das rheinische nationalliberale Blatt — „internationaler Brauch geworden, wenn Wilde und Neger sich am Leben des Abendländers vergreifen, die ganze Ortschaft, zu der die Mörder .gehören, zusammenzuschießen und niederzubrennen. Soll aber die Strafe gelinder ausfallen bei einem auf seine alte Kultur stolzen Volke wie die Chinesen, die sich zum großen Theil der Schandthaten, die sie verübt, bewußt sein mußten, als bei Wilden und Kannibalen? Sicherlich nicht, denn die höhere Kultur ist für sie ein erschwerender Umstand. Die Konsequenz aus alledem wäre daher, daß Peking, die Stadt mit den drei Mauern, die Chinesen-, die Tartaren- und die kaiserliche Stadt von Grund aus zerstört würde und daß dann, falls die Mächte es aus politischen Gründen für erforderlich halten sollten, an demselben Platze die Regierungscentrale wiederum zu errichten, die Chinesen gezwungen würden, auf den Trümmern der alten ihre neue Hauptstadt wieder aufzubauen als eine Stadt ohne Mauern und Festungswerke, als eine nach den »Grundsätzen des Abendlandes gedachte und durchgeführte offene Stadt, in der jeder Fremde frei und unbehelligt aus- und ein- und seinen Geschäften nachgehen kann. Wir wiffen nicht, wie man im Rathe der Mächte darüber denkt, aber vielleicht wird sich dort ein Cato finden, der für diese Frage immer und immer wieder sein ceterum -censeu in die Wage wirft."
Dieser Artikel der ,Köln. Ztg/ kennzeichnete sich durch den schroffen Widerspruch zu den Darlegungen des Staatssekretärs v. Bülow als eine Privatarbeit der Redaktion, und schon am folgenden Tage brachte dasselbe Blatt eine aus dem Auswärtigen Amte stammende Notiz, die den 'Ruf nach blutiger Rache zurückwies. An der deutschen Politik ändere die Thalsache, daß auch die anderen Gesandten die Opfer der chinesischen Mörder geworden sind, nichts. Niemand wisse heute, wie die Zustände in China zukünftig sich gestalten, das aber bleibe sicher, daß die deutsche Politik in erster Linie unbedingt die Herbeiführung einer Genugthuung für den Gesandtenmord verlange, so, wie sie den schweren Verbrechen entspricht. Man würde übrigens einen großen Fehler begehen, wenn man heute noch die Kraft der Chinesen unterschätzen wollte. Seit Montag hält General v. Lessel mit feinem Generalstabe, sowie den höheren Offizieren der Expedition Berathungen ab, um jedem Befehlshaber genaue Instruktion zu ertheilen, da
Vie Tochter der Khmmo.
Roman von O. Elster.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
In Karls Herzen wallte es heiß auf. Das waren die Husaren des Herzogs — das waren die unerschrockenen Krieger, welche auf den Ruf des tapferen Fürsten hin das Schwert ergriffen hatten, um für des Vaterlandes Freiheit, Ehre -und Recht zu kämpfen, zu siegen oder zu sterben.
Ganz Deutschland schmachtete in den Ketten Bonapartes! Kein anderer deutscher Fürst wagte ffich gegen die Macht des Korsen aufzulehnen, nur der vaterlandslose, heimathlose Herzog von Braun- tzchweig-Oels trotzte mit Löwenkühnheit dem gewaltigen Eroberer und warf sich todtesmuthig mit kleiner Schaar der übergewaltigen Macht des Korsen entgegen-
In dieser Schaar sollte Karl mitkämpfen! Stolz reckte er sich empor und in seinen Augen flammte es auf.
Kapitän von Helmholtz trat vor die Thür des kleinen Gasthauses und rief den Husaren einen Gruß zu. Kaum erblickte ihn der an der Spitze der Husaren reitende Offizier, als er auf den Kapitän zusprengte, vor ihm sein Pferd parirte, aus dem Sattel sprang und dem Kapitän die Hand entgegenstreckte.
„Sind Sie'S wirklich, Kapitän?!" rief er. Wir hatten schon die Hoffnung aufgegeben, Sie wiederzusehen..."
„Dank dieses braven Burschen," entgegnete Herr von Helmholtz lächelnd, indem er die Hand
mit sie den späteren Intentionen deS Oberbefehles entsprechend handeln können.
Die ,Kreuz;tg/ ist der Ansicht, daß nunmehr )ie militärischen Operationen, nachdem es in Peking nichts mehr zu retten gibt, gehörig vorbereitet und die Verstärkungen aller Kontingente in Ruhe abgewartet werden können, ehe man den endgiltigen Marsch nach Norden antrete. Dieser Meinung können wir ebenso wenig beipflichten, wie dem Rachedurst der ,Köln. Ztg/. Allerdings ist eine Uebereilung nicht am Platze, aber die größte Eile thut noch. Wenn auch nichts mehr in Peking zu retten ist, außerhalb Pekings ist noch viel zu retten. Die Banden, die bis jetzt ungestraft und ungehindert im Blute waten konnten, werden daraus neuen Muth für ihre Mordgier schöpfen und den Aufstand über Peking hinaus mit ungestümem Thatendrange zu verbreiten suchen. Ihrer Verbindung mit den Heeresmassen um Tientsin wird sich ein Widerstand nicht entgegensetzen. Noch neulich sagte Staatssekretär Graf v. Bülow, daß die in Ostasien anwesenden Truppen kaum auSreichten, um die Orte Takn und Tientsin zu halten. Wie nun, wenn die Fluch der aufrührerischen Boxer und regulären Truppen sich nach dem Südosten ergießt? Daher meinen wir — so schreibt die ,Köln. Volks- ztg/ mit Recht — thut Eile noch! Den Gedanken, eine Konferenz der Mächte zu berufen, halten wir für erwägenswerth. Aus diese Weise könnte der langwierige diplomatische schriftliche Verkehr vermieden und ein rascher Austausch der Meinungen der verschiedenen Mächte über die nächsten Ziele erfolgen. Jeder Zwiespalt der Mächte wäre von der gefährlichsten Tragweite. Mit Recht sagt die ,Voff. Ztg/, wie die chinesischen Mordgesellen in Peking keinen Unterschied zwischen den Angehörigen der verschiedenen Staaten gemacht hätten, so dürfe es fortan China gegenüber keinen Unterschied in der Politik der Mächte geben, sondern nur volles Einvernehmen in den Mitteln wie in dem Zwecke. Hoffentlich bewährt sich die E nmüthigkeil der Mächte, die in den letzten Wochen so häufig und so stark betont wurde, auch für die nächste Folge und wird dank derselben den empörenden Vorgängen in Ostafien baldigst ein Ende gesetzt.
Aber mit der Einigkeit der Mächte ist es leider sehr schlecht bestellt. Schon die Frage, welchem Offizier der Oberbefehl über die Landtruppen übertragen werden soll, bereitet große Schwierigkeiten. Englische Blätter wiffen zwar zu melden, die Ernennung des Lord Wolseley zum Obergeneral in China würde den leitenden europäischen Mächten annehmbar sein. Die britische Regierung soll Verficherungen in diesem Sinne empfangen haben. Dieser Meldung darf man wohl berechtigte Zweifel entgegenbringen. Wie es scheint, ist der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen. Rußland und Japan werden gewiß nicht so ohne Weiteres damit einverstanden sein: ebenso wenig ist England geneigt, einen russischen ober japanischen Osfizier als Oberbefehlshaber anzuerkennen. Ob man nun, wie ein englisches Blatt befürwortet, um diese Eifersüchteleien zu vermeiden, den Offizier einer weniger interessirten Macht, etwa einen deutschen Osfizier an die Spitze der gesummten Landarmee stellen wird, — wer kann's wiffen?
auf Karls Schulter legte, „bin ich allen Gefahren glücklich entronnen."
„Wer ist der Bursche?"
„Karl Ahrendt. Er will bei meiner Scharf- schützen-Kompagnie eintreten."
„Willkommen — der Herzog kann Soldaten brauchen. — Aber wie ist's? Ist alles in Ordnung ?*
„Alles in Ordnung. Die englischen Schiffe ankern bei Helgoland und erwarten uns!"
„Das wird den Herzog freuen!"
„Wo steht der Herzog?"
„Zwei Meilen von hier. Da hab' ich den westfälischen Karabiniers mehrere Pferde abgenommen. Steigen Sie in den Sattel — dann sind wir in einer Stunde beim Herzog, der Sie sehnsüchtig erwartet. — Könnt Ihr reiten, Karl Ahrendt?"
„Gewiß, Herr Leutnant."
„Run dann — anfgeseffen und vorwärts!"
Nach wenigen Minuten sprengten die Husaren auf der Landstraße nach Zwickau weiter, Karl in ihrer Mitte, Kapitän Helmholtz und der junge Lieutenant an ihrer Spitze.
7. Kapitel.
Als man etwa eine halbe Stunde geritten war, tönten einige dumpfe Schläge von der linken Seite herüber. . , _
„Geschützdonner!" rief der Leutnant. „Der Herzog ist mit den Franzosen handgemein geworden. Vorwärts, Leute, da müssen wir dabei sein!"
Er setzte mit gewaltigem Sprung über den Graben, der die Straße begrenzte, und flog in
Allerdings wird man der Noth gehorchend, diese Frage bald in dem einen oder andern Sinne entscheiden müssen. Wenn dann die Mächte hre Truppen auf ost asiatischem Boden vereinigt laben, kann der Sturm auf Peking los gehen. Sobald aber die Hauptstadt des chinesi- chen Reiches erobert ist, bann ist es sicher mit >em letzten Reste bet Einigkeit unter ben Mächten vorbei. Was bann kommen wirb, vermag im voraus Niemanb zu sagen.
Deutfches R^ch.
Berlin, ben 19. Juli.
x Der neue chinesische Gesandte, Dr. Mumm von Schwarzenstein, ist am heutigen Donnerstag vom Staatssekretär bes Aus- värtigen Amtes Graf Bülow in längerer Unterrebung empfangen worden. Er wird sich am 24. ds. Mls. mit dem Reichspostdampfer „Preußen" von Genua aus nach Ostasien begeben. Amtliche Berichte über die Vorgänge in Peking sind in Berlin an zuständiger Stelle nicht eingegangen und vorläufig leider wohl auch nicht |u erwarten. Merkwürdig ist, daß chinefische Diplomaten noch immer sich auf ben Stanbpunkt stellen, die fremden Gesandten in Peking seien nicht ermordet; insofern ist das bewertens« werth, als auch der französische Minister des Aeußeren, Herr Delcassö, eine Depesche vom 18. Juli aus Shanghai erhielt, die besagt, nach Mittheilung des Gouverneurs von Shantung feien die Gesandten und ihre Familien unversehrt, nur die Gefahr fei noch immer sehr groß. Aber zu trauen ist allen diesen chinesischen Meldungen natürlich gar nicht.
-f- Die Trnppensendnngen «ach China werden, nachdem auch die neu gebildete gemischte Brigade nach Ostasien abgegangen fein wird, im Ganzen rund 16 000 Mann betragen. Augenscheinlich beschäftigt man sich aber schon jetzt mit dem Plane, nach dieser ersten noch eine weitere gemischte Brigade nach China zu entsenden. Jedenfalls ist mehrfach solchen Offizieren, die sich jetzt zur Entsendung nach China freiwillig meldeten, der Bescheid zu Theil geworben, baß ihre Gesuche um Einstellung in bie China- Truppe bei der nächsten solchen Truppen- senbungBerücksichtigung finben würben. In der That bestand anfänglich der Plan, eine Division anstatt einer Brigade nach China zu entsenden ; auch hatte der Chef des ostasiatischen Kreuzergeschwabers sein Urtheil bahiu abgegeben, baß eine Division nöthig sei. Mau muß sich also schon im Voraus auf weitere Truppensenbungen gefaßt machen!
X Der Getr-ideva« i« Deutschkaud ist währenb ber letzten Jahre stetig zurückgegangen; namentlich bie mit Roggen bebaute Bodenfläche hat sich stetig verminberl. Diese betrug im Jahre 1893 noch mehr als 6,000,000Hektare, war im Jahre 1898 auf 5,945,000 Hektare gesunken unb ist im Jahre 1899 weiterhin auf 5,871,000 Hektare zurückgegangen. Der Anbau von Weizen nahm beftänbig ab in ben Jahren von 1883—1897. Die mit Weizen bebaute Fläche betrug im Jahre 1893 noch 2,044,000 Hektare, 1897 nur noch 1,920,000 Hektare; bann aber ist wieder eine langem Galopp über die Felder dahin, einem nahen Walde zu, über dem sich einige blaugrüne Dampfwölkchen zusammenballten unb langsam zer- flatterten.
Kapitän Helmholtz unb die Husaren folgten und auch Karl Ahrendt blieb nichts weiter übrig, als seinem Pferd bie Zügel zu lassen unb bie wilbe Jagd mitzumachen. Leicht wurde es ihm nicht, denn wenn er auch aus seines Vaters Pferde oftmals die Haide kreuz unb quer durch- streift hatte, fo war er doch im Überspringen von Gräben unb Hecken nicht geübt unb ab unb zu wankte er im Sattel. Als man ben Wald erreichte und einen gutgehaltenen, sandigen Weg verfolgte, ging es besser unb Karl konnte mit ben Husaren gleiche Höhe halten.
Inzwischen grollte ber Donner ber Geschütze mit jeber Minute stärker unb gewaltiger. Schon unterschieb man bas raffelnbe Kleingewehrfeuer unb einzelne helle Laute hallten bazwischen, wie Trompetengeschmetter unb Hörnerruf. Der Kampf mußte am Saume bes Walbes toben, denn je näher matt bem Ausgange kam, befto lauter würbe das verworrene Getöse.
Und jetzt begegnete ben Husaren auch eine lange Trainkolonne. Der Offizier, welcher bie Kolonne begleitete, theilte Herrn von Helmholtz mit, baß bes Herzogs Korps auf feinem Marsche von einem übermächtigen Feinbe angegriffen worben sei. Die Bagage sollte sich burch den Wald zurückziehen unb jenseits desselben bie Truppen erwarten.
Zum erstenmal erblickte Karl bie staub- und pulvergeschwärzten, kriegerischen Gestalten! Zum erstenmal bie blutigen, zerrissenen Körper ber
leine Zunahme eingetreten. Im Jahre 1899 ist bie mit Weizen im Reiche bebaute Fläche roieber auf 2,016,000 Hektare gestiegen. Der Anbau von Hackfrüchten aber befindet sich in ununterbrochenem Wachs thum, namentlich der Anbau von Kartoffeln. Die mit Kartoffeln bebaute Fläche setrug im Jahre 1893 nur 3.025,000, im Jahre 1899 dagegen 3,131,000 Hektare. Man kann liefe Erscheinung nur so erklären, daß der Bau von Körnerfrüchten geringere Erträge abwirft als )er Anbau von Hackfrüchten. Nebenbei geht au8 den amtlichen statistischen Zusammenstellungen klar hervor, daß die Ertragfähigkeit des Bodens, namentlich an Roggen, in ber neueren Zeit sich nicht gesteigert hat. JmJahrel893 lietrug bie durchschnittliche Ernte im Reiche für einen Hektar 14,9 Doppel-Centner. Dieser Ertrag ist nur im Jahre 1898 überschritten worden, in welchem Jahre die Roggenernte bekanntlich sehr gut war, und-auch in diesem Jahre stieg ber Ertrag nur auf 15,7 Doppel - Centner für ben Hektar. Augenscheinlich sind wir also mit ben Roggen-Erträgen an ber Grenze des Möglichen angelangt. Die Ernte - Erträge an Weizen sind während ber letzten Jahre noch ein wenig gestiegen.
* Ueber bie Aefchäftig««g von jngend- kichen Arveitern ««d Arbeiterinnen in Werkstätten mit M o t o r b e t r i e b hat ber Bunbes- rathAusführungsbestimmungen auf Grund bes § 154 Abs. 3 ber Gewerbeorbnung erlassen, welche nach einer im Reichsanzeiger veröffentlichten kaiserlichen Verorbnung vom 9. Juli mit bem 1. Januar 1901 in Kraft treten. Danach dürfen in Werkstätten mit Motorbetrieb, in welchem in der Regel zehn oder mehr Arbeiter beschäftigt werden, Kinder zwischen 13 unb 14 Jahren, welche nicht mehr zum Besuche» ber Volksschule verpflichtet finb, 10 Stunden täglich beschäftigt werden. In Schleifer- und Polierwerkstätten ber Glas-, Stein- unb Metallverarbeitung barf jeboch ihre Beschäftigung die Dauer von 6 Stunden täglich nicht überschreiten. In Werkstätten mit weniger als 10 Arbeitern dürfen Kinder unter 13 Jahren nicht beschäftigt werben, Kinber über 13 Jahren nur bann, wenn sie nicht mehr zum Besuche der Volksschule verpflichtet finb. Die Beschäftigung von Rinbern unter vierzehn Jahren unb von jungen Leuten zwischen vierzehn und sechzehn Jahren darf die Dauer von zehn Stunden täglich nicht überschreiten. In Schleifer- und Polirerwerkstätten ber Glas-, Stein- unb Metallverarbeitung bürfen jeboch Kinder nicht länger als sechs Stunden täglich beschäftigt werden. Die Arbeitsstunden der jugendlichen Arbeiter dürfen nicht vor 5 l/a Uhr Morgens beginnen und nicht über 8l/a Uhr Abends dauern. Der Bunbes- rath setzt ferner fest, daß an 40 Tagen im Jahre Arbeiterinnen über sechzehn Jahre über bie für sie sonst festgesetzte Zeit hinaus bis zu dreizehn Stunden täglich beschäftigt werden dürfen, läßt Ausnahmen zu, wenn Naturereignisse ober Unglücksfälle ben regelmäßigen Betrieb einer Werkstätte unterbrochen haben, unb trifft besondere Bestimmungen für Werkstätten des Handwerks mit Motorbetrieb. Besondere Bestimmungen werden auch getroffen für Werkstätten mit Wasserbetrieb, sowie für Bäckerei und Konditoreien, Getreidemühlen und Konfektionswerkstätten.
Verwundeten, welche auf den Bagagewagen saßen und bei den Bewegungen der Wagen leise stöhnten oder einen lauten 'Schmerzensruf ausstießen. Ein eigenthümliches Gefühl durchzuckte Karls Herz, halb Mitleid, halb brennendes Verlangen sich in den Kampf zu stürzen und die Wanden ber armen Burschen an bem Feinde zu rächen.
„Es geht heiß her," rief ber Trainosfizier, „reitet nur zu, Kameraden, baß Ihr noch zur rechten Zeit kommt!"
Die Husaren galoppirten weiter, während bie Trainkolonne tiefer in ben Walb hineinbrang.
Jetzt lichtete sich ber Forst. Kanonendonner, Gewehrseuer, Hurruhruf, Trompetengeschmetter unb bumpfer Trommelwirbel ganz in ber Nähe! In ben Zweigen her Bäume pfiff unb sauste es; zuweilen fiel ein Ast mit lautem Krach nieder oder ein junges Bäumchen knickte, wie von unsichtbarer Hand getroffen, zusammen.
„Das sind bie blauen Bohnen!" riefen die Husaren lachenb Karl zu, ber sich bas Geräusch nicht zu erklären wußte.
Am Saume bes Waldes war ein Feldlazarett aufgeschlagen. Mehrere Aerzte walteten hier ihres blutigen Amtes und verbanden die Verwundeten, welche aus bem Gefecht zurückkehrten. Ein leiser Schauber durchrieselte Karl, als er bie bleichen Gesichter, die blutigen Gliedmaßen und die mit aufgestreiften Aermeln hantirenden Aerzte sah.
Der kleine Rettertrupp hielt eine Weile vor bem Lazarett. Der Leutnant war vorgeritten, um zu rekognosziren unb zu sehen, wo bas Husarenregiment stand. Karl starrte auf die