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mit Ilnterhattungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung." "'•ÄX.TSär*"'
JK. 162.
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Jutöa, Mittwoch, den 18. Juli 1900.
27. Jahrgang.
0 Die Getreidezölle.
Ohne die Erhöhung der Getreidezölle geht es nicht ab bei der Neugestaltung unserer handels- rpolitischen Verhältnisse; das muß man schon jetzt als feste und unabänderliche Thatsache betrachten. Bei einer Betrachtung über die Getreidezölle kann es sich darum gar nicht ernstlich mehr um das <9a oder Nein handeln, Erhöhung der Getreidezölle oder nicht; sondern nur noch um die Art und das Maß der Erhöhung.
Es fehlt natürlich nicht an Stimmen, die nach einer sehr bedeutenden Erhöhung der Getreide- -zölle rufen, Erhöhung auf 7 oder 8 Mark für den Doppelzentner. Aber so fest es steht, daß eine -Erhöhung der Getreidezölle nicht zu umgehen ist, fo wahrscheinlich ist es auf der anderen Seite, daß dieses ungestüme Drängen nicht zu dem an- gegebenen Ziele führen wird. In führenden konservativen Zeitungen des östlichen und nördlichen Deutschlands, z. B. in der ,Schlesischen Leitung' und in der ,Kreuz-Zeitung', machten sich neuerdings mehrfach warnende Stimmen geltend, die zur Ruhe und Mäßigung auf diesem Wirth- fchaftsgebiete mahnten; und diese Ruhe und Mäßigung wird bei aller ausgesprochenen und aufrichtigen Freundschaft für die Landwirthschaft namentlich auch bei dem Centrum vorhanden sein — um nicht zu sagen, bei aller Vorliebe des Centrums Mr die Landwirthschaftim Vergleiche zur Industrie. Die WirthschaftsPolitik des Centrums ist aufgebaut auf dem Grundsätze der ausgleichenden Gerechtigkeit. Darin stimmt es überein mit dem Fürsten Bismarck, deffen oberster wirth- schaftlicher Grundsatz der war, daß dem Schwachen geholfen werden müsse. Der Schwache ist jetzt unbedingt die Landwirthschaft, und dieser muß gebolfen werden durch die Erhöhung der Getreidezölle. Aber das muß so geschehen, daß dem übrigen Theile des Volkes, der 60 v. H. der gesammten Bevölkerung des Reiches ausmacht, nicht Schaden zugefügt wird; und deswegen muß auch in der Erhöhung der Getreide- zölle Maß gehalten werden. Geschieht das, so ist von der Erhöhung der Zölle eine wesentliche Erhöhung der Getreidepreise gar nicht zu erwarten. Der Beweis dafür liegt vor. Während der letzten 20 Jahre haben wir bereits Einfuhrzölle für Getreide gehabt, während der 20 Jahre vorher nicht, und dabei waren die Getreidepreise im Durchschnitte während der letzten 20 Jahre bei unS in Deutschland niedriger, als während de- gleichen Zeitraumes vorher. Man kann darum Über die Weherufe der Händlerpreffe und der Herren, die im gleichen Sinne jetzt agitirend im Lande umherreisen, als ob eine mäßige Erhöhung der Getreidezölle die Volksernährung schädlich beeinfluffen würde, mit kühler Ge- laffenheit zur Tagesordnung übergehen.
Ein weiteres Beispiel liefert Frankreich. Dort ist in neuer Zeit ein hoher Weizenzoll eingeführt worden. Die Wirkung davon ist aber durchaus nicht eine Vertheuerung des Weizens, des Weizenmehles und des Gebäckes aus diesem lehtern. Die Landwirthe haben sich vielmehr so stark auf den Weizenbau geworfen, daß Frankreich gegenwärtig mehr Weizen erzeugt, als es braucht, ohne
Sie Tochter des Khrmmr.
Roman von O. Elster.
10 ------ (Nachdruck verboten.)
Breiter und breiter ward der Strom; die .flachen Ufer waren schon nicht mehr zu erkennen; man glitt dahin wie auf einem ungeheuren dunklen Meer. In der Ferne tauchten jetzt einzelne Lichter auf.
„Das sind die Lichter von Bremerhaven", sagte Berendt Prigge. „Die Stadt müssen wir vermeiden, Peter Haas, die Segel mehr backbord gestellt!"
Der Junge drehte das Segel; quer durch den Strom bahnte sich jetzt das Boot seinen Weg, die Ufer traten wieder hervor und dann bog das kleine Fahrzeug in einen jener Kanäle ein, welche das Marsch- und Weideland der Nordseeküste durchqueren und mit der See in Verbindung stehen. Zur Zeit der Fluth steigt das Wasser in diesen Kanälen hoch empor; im Winter überschwemmt es sogar die ganze Landschaft und monatelang ragen nur die Hochliegenden Gehöfte ans dem grauen Wattenmeer hervor. Nur ein kundiger Schiffer findet stch in diesem Netze von Kanälen zurecht. Berendt Prigge kannte hier jeden noch so kleinen Wasserlauf und aufathmend sagte er: „Jetzt sind wir geborgen! Hierher können sie uns selbst mit einem Boote nicht folgen. Jetzt legt Euch aber ordentlich in die Riemen, daß wir vor Tagesanbruch die See erreichen."
Schweigend saßen die Männer da und bewegten im gleichmäßigen Takt die Riemen, während der Wind in dem breiten Segel rauschte und das
daß dem französischen Volke die nothwendigen Nahrungsmittel vertheuert werden. Bei unS find es gerade die Freihändler, die immer und immer wieder mit dem Hinweise darauf ins Feld rücken, Deutschland brauche für seine Versorgung fremdes Getreide. Das ist gegenwärtig der Fall, weniger beim Roggen als beim Weizen. Nun aber wird niemand leugnen wollen, auch der ausgesprochene Freihändler nicht, wenn es Exemplare dieser Gattung wirklich noch geben sollte, daß am besten dasjenige Land gestellt ist, das für die Ernährung seines Volkes auS sich selbst heraus sorgen kann. Dann braucht eS weder Küsten- blokade noch Kriegsgefahr zu fürchten, und das Geld, das für die Nahrungsmittel vom Volke ausgegeben wird, bleibt im Lande. Man versuche es also mit erhöhten Getreidezöllen. Dann werden wir ja sehen, ob wir in Deutschland Ueberpro- duktion an Getreide bekommen werden ober nicht. Die Händlerpresse und die Händler in den Seestädten aber brauchen sich gar nicht Sorge für die Landwirthschaft zu machen, daß diese nach der Erhöhung der Getreidezölle mehr Getreide erzeugen werden, als wir selbst in Deutschland auf- essen können. Die Landwirthe wollen und brauchen die Erhöhung der Zölle ganz entschieden; und für absehbare Zeit ist gar nicht zu besorgen, daß sie in ihrer eignen Massenerzeugung von Getreide umkommen werden.
Die Erhöhung der Getreidezölle bringt also der Landwirthschaft die ihr unbedingt nothwendige Hilfe. Sie wird den Preis der nothwendigen Nahrungsmittel nicht verteuern. Sie wird unsere nationale Kraft heben, denn sie wird uns in unserer Versorgung mit Getreide unabhängiger vom Auslande machen.
Neuerdings ist der Gedanke angeregt worden, für Roggen und Weizen verschiedene Einfuhrzölle einzuführen: höhere für Weizen, niedrige für Roggen, und zwar deswegen, weil die ausländische Getreide-Einfuhr nach Deutschland hauptsächlich aus Weizen, zum kleinsten Theile aus Roggen besteht. Die Ausführung dieses Gedankens ist nicht zu empfehlen. Wie kämen die Gegenden mit vorwiegendem Roggenbau dazu, stiefmütterlich behandelt zu werden im Vergleiche zu denen, die hauptsächlich Weizen bauen? Es ist weder zu wünschen noch anzunehmen, daß diese Vorschläge verschiedenartiger Zollbehandlung unserer beiben Hauptgetreidearten zur Ausführung gelangen.
Deutsches Deich*
Berlin, ben 17. Juli.
• Wie bet .Reichs-Anzeiger' meldet, ist dem Reichstags-Präsidenten Grafe« ZLakkestrem der Charakter als wirklicher Geheimer Rath mit dem Prädikat Exzellenz verliehen worden.
X Pie Mäume des Kentrums machen in neuester Zeit ben Nationalliberalen sehr große Sorgen. Deswegen sagte Herr Abg. Basser- mann schon im verflossenen Monat Juni, als baS nationalliberale Centralkomitee in Berlin tagte, es gehöre zu den Hauptaufgaben bet nationallibetalen Partei, bafür zu sorgen, baß bie Bäume des Cmtrums nicht in ben Himmel wüchsen; unb dasselbe hat derselbe Herr Soffer» Wasser gurgelnd an dem Kiel des Bootes emporquoll.
Schweigend saß auch Gesine da, die ernsten Augen sinnend auf den schmalen, lichtgrauen Streifen gerichtet, der im Osten sich am dunklen Horizont hinzog und langsam emporzustetgen schien an dem düsteren Nachthimmel.
Heller und heller ward es. Die Stimmen der Vögel erwachten. Die Rohrdommel ließ ihren klagenden Rus in dem dichten Schilf ertönen; die Kiebitze stießen ihren schrillen Ruf aus und bie Möven schwangen sich aufkreischend in die Lust und schossen dem nahen Meere zu. Und als die Sonne strahlend über den Horizont auftauchte, da breitete sich vor den Augen der Geretteten das Meer aus, wogend und wallend, schimmernd im dunklen Grün — endlos und unabsehbar!--
6. Kapitel.
Lautlos, wie zwei gespenstige Schatten bet Nacht, flohen Karl Ahrenbt unb Kapitän von Helmholtz burdj bie Haide. Karl wählte einen schmalen Fußpfad, welcher in bas sogenannte TeufelSmoor führte, ein trügerisch mit grünem Rasen überdecktes Snmpflanb, in dem nur hier unb da hervorragenbe schwarzgrüne Kiefern unb Gittsterbüsche bie Stellen verriethen, wo man festen Fuß fassen konnte. Wer in bieses Moor gerieth unb nicht ganz genau ben schmalen, festen Fußsteig kannte, wat rettungslos verloren; nach wenigen Schritten schon versank er in bie schlammige Tiefe, bie ihr Opfer mit zähen Atmen festhielt unb in ein feuchtes, ekles Grab herabzog. Hier hatte vor vielen Jahrhunberten ein Heer freier Bauern bie Schaar bet gewappneten Rittet, bie bie Bauern zu unfreien Knech-
mann kürzlich gesagt bei einer Versammlung der rheinischen Nationalliberalen in bem schönen Stäbtchen Königswinter am Rhein. Aber er hat gleichzeitig für nothwenbig befunden, sich selbst und seine ersten Worte abzumildetn; denn die Art und Weise, wie ihm von der Centrums- presse aus seine erste Aeußetung in Berlin geantwortet wurde, mag ihm einige Besorgniß eingeflößt haben. Das zusammengeschmolzene Häuflein der Nationallibetalen hat allen Grund, sich hübsch bescheiden und manierlich zu betragen gegen andere Parteien; sonst könnte sich eine Politik der Rache schwer an ihrem eigenen Leibe rächen. Jetzt in Königswinter hat Herr Baffetmann also Waffet in seinen Wein gegossen und hat anerkannt, daß die Politik des Centrums „vielfach eine geschickte genann werden müsse". Gleichzeitig aber hat er das durch die Anführung eines Ausspruches des alternden Herrn Bebel dahin zu erläutern gesucht, baß „bie Herren vom Centrum in nationalliberaler Politik machen!" Dafür bedanken sich die Herren vom Gentrum bestens; ein solches Lob wollen sie nicht. Erfreuliche Uebereinstim- mung hat sich im Reichstage zwischen Centrum und Nationalliberalen neuerdings mehrfach ergeben auf dem Felde der Sozialreform, und gern soll anerkannt sein, daß ein Theil der Nationalliberalen mit seinen sozialen Anschauungen sich gebessert hat gegen früher. Aber Herr Bassermann selbst wird nicht mit ernsthaftem Gesichte behaupten können, daß hier das Centrum den nationallibervlen Spuren gefolgt sei; daß vielmehr bas Gegentheil zutrifft, weiß jeder, der nicht während der letzten fünfzehn Jahre tiefsten politischen Schlafes sich erfreut hat. Die Geschichte der Flottenvorlage aber kann Herr Bassermann zum großen Glücke auch nicht als Stütze für seine Behauptung anführen. Denn glücklicherweise und zum Vortheile der Steuerzahler ist es dabei erst recht nach den Rezepten des Centrums zugegangen, nicht nach denen der Nationalliberalen!
• Die Stichwahl im Wahlkreise ßtn- veck Northeim ist am letzten Montag vorgenommen worben und hat, wie man schon im voraus wußte, mit bem Siege des national- liberalen Wahlbewerbers Jörns geendet. Dieser hat 8612 Stimmen erhalten, der Sozialdemokrat Fischer nur 4355 Stimmen. Die Stimmenzahl von JomS hat sich von der Hauptwahl zur Stichwahl um mehr als 3000, diejenige des Fischer um rund 1000 Stimmen vermehrt. Ein Theil dieses Zuwachses verdankt der Sozialdemokrat vermuthltch der deutschhannooerschen Partei. Bisher war der Wahlkreis bekanntlich durch den Abg. von Harriehausen vom Bunde der Landwirthe vertreten.
x Das nette Weingesetz soll nach einer Notiz der.Deutschen Weinzeitung' nunmehr im Entwürfe fertig gestellt fein. Der Entwurf enthält nach dieser Mittheilung ein Verbot der Herstellung von Rosinen-, Trester- und Hefenwein unb Bestimmungen Über die Kellerkontrolle. Der Inhalt dieser letzteren ist aber noch nicht bekannt geworden.
Die Kaager Iriedettskottferettz hatte auch eine Uebereintunft wegen der Einsetzung
ten machen wollten, geschlagen, in ben Sumpf getrieben unb ihnen ein unrühmliches Ende bereitet.
„Wenn wir das Teufelsmoor erreichen, find wir gerettet," flüsterte Karl bem Kapitän zu, „denn in das Teufelsmoor kann kein Reiter einbringen, selbst für Fußgänger ist es gefährlich."
„Vorwärts! Ich habe keine Furcht — unb entkommen müssen wir den Dragonern — ich trage wichtige Briefe für ben Herzog bei mir."
Unb weiter hasteten sie durch die finstere Haide, die jetzt allerdings durch den Mond schwach erhellt wurde, der von Zeit zu Zeit die dunklen Wolken durchbrach.
Nach einer Weile standen sie still, um Athem zu schöpfen. Plötzlich horchte der Kapitän in die Nacht hinaus. Ein dumpfes, stampfendes Geräusch war vernehmbar.
„Das sind galoppirende Pferde", flüsterte der Offizier. „Jetzt höre ich auch schon das Klirren der gegen die Steigbügel schlagenden Säbel — wir werden verfolgt, eS find die Dragoner!"
„Wenn wir das Teufelsmoor erreichen, hat'S keine Gefahr," meinte lachend Karl. „Dort tnb wir fo sicher, wie In einer Festung."
„Rasch, vorwärts denn!"
Unb weiter ging die Flucht! Aber der Schall der galoppirenden Pferde ward immer deutlicher vernehmbar; die Reiter tarnen näher und näher; man unterschied bereits das Aufblitzen ihrer Säbel und blanken Helme, wenn ein Menden- trahl sie traf, unb jetzt tauchten die Gestalten >er Dragoner kaum hundert Schritt entfernt von >en beiden Flüchtlingen aus den Schatten der Nacht auf. Der Mond schien hell auf die Ebene
eines internationalen Schiedsgerichtes ^schlossen, unb nun kommt mitten in allen Kriegslärm hinein bie Nachricht, daß nun auch die Königin von England diese Uebereintunft vollzogen habe . . . gibt es einen ärgern Hohn auf bie weltgeschichtlichen Ereignisse? England weigert sich hartnäckig, irgendwelche Vermittelung im Transvaalkriege zuzulaffen; aber es vollzieht Uebereinkünfte, bie auf bie Einsetzung eines ständigen internationalen Schiedsgerichtes abzielen. Auf diese Weise wird die in guter Absicht abgehaltene Berathung im Haag so blutig verhöhnt, wie sie schlimmer gar nicht verhöhnt werden tarnt; und sollte das bie Absicht ber britischen Regierung gewesen sein, so ist ihr biefe Absicht vortrefflich gelungen. Aber schön ist bas Verfahren nicht zu nennen.
* Aon«, 17.Juli. Die Vorbereitungen zur Katholiken-Versammlung sind in vollem Gange. An dem Festzelte ist bas Holz- gerippe bereits sollen bet unb man tann schon deutlich die Formen des einem Riefenzirkus gleichenden Baues erkennen. Tagtäglich findet stch eine große Zahl Neugieriger ein, um ben Fortschritt an dem imposanten Werke zu beobachten. Sehr erfreulich ist ber Umstanb, baß bie Snbe vorigen Jahres begonnenen Häuser in ber Nähe des Festplatzes nahezu vollendet sind und wohl noch Verwendung zur Aufnahme von Gästen oder Familien finden können. Auch die Arbeiten der einzelnen Kommissionen weisen große Fortschritte auf. Der aus den verschiedensten Bonner Gesangvereinen und anderen Sängern und Sängerinnen zusammengesetzte Gesangchor hält unermüdlich Proben ab, sodaß aller Voraussicht nach die Besucher der Katholikenversammlung auch auf dem musikalischen Gebiete in der Geburtsstadt Beethovens auf vorzügliche Leistungen rechnen dürfen. Die Renovirungsarbeiten an unserem herrlichen Münster dürften bei der knappen Zeit wohl schwerlich int September schon vollendet sein. Gestern wurden die Arbeiten an dem südwestlichen Thurme beendet und das Gerüst gleich abgeschlagen, das jetzt an bem gegenflbtrliegenben Thurme wieder aufgerichtet wirb — Wie in ben früheren Jahren, so wirb auch biesmal ein Festblatt ber Generalversammlung heraus - gegeben werben, welches fünfmal in einer Auflage von mindestens 6000 Stück erscheinen wirb.
* München, 17. Juli. Bon jetzt ab wird bieArdeitSzeit ber in bayerischen Staatsbahn-Werkstätten beschäftigten Arbeiter auf Anorbnnng bes Ministeriums ohne Minderung des Lohnes um eine halbeStunbe gekürzt unb diese halbe Stunde ber Mittagspause zuge- chlagen, wenn nicht etwa — worüber bie Anschüsse noch zu hören sind — ein späterer Besinn ber Arbeit am Morgen vorgezogen wird. Die Arbeitszeit anderer Tagelöhner, welche im StationS- und Bahnunterhaltungsdienst beschäftigt sind, wird nicht gekürzt.
Ausland.
* Nstterdan», 17. Juli. Mit ber Beendi- gung des Ausstandes ber Hafenarbeiter wirb für Enbe biefer Woche gerechnet. Die „Sleepers"
hernieder, deutlich konnte man die Umriffe jedes Gegenstandes erlernten, namentlich wenn sich dieser vor dem Monde befand, so daß stch sein Schattenriß scharf gegen den lichten Hintergrund abhob. In diesem Falle befanden sich der Kapitän unb Karl. Ein lautes ttiumphirenbes Hurrah ber Dragoner bewies, baß biefe bie Flüchtlinge bemerkt hatten.
„Nieber in bas Haidekraut!" flüsterte Karl dem Kapitän zu, ihn mit kräftiger Hand zur Erbe reißend und sich selbst niederwerfend, so )aß sie im nächsten Augenblick der Sicht der Verfolger entzogen waren.
„Wir haben kaum noch fünfzig Schritt bis ium Teufelsmoor", fuhr Karl fort. „Dort dar Erlengebüsch bezeichnet den Anfang. Wir müssen versuchen, auf den Händen und Knieen rutschend das Gebüsch zu erreichen. Hierher Herr Kapitän — nicht mehr den Weg verfolgen!"
In das dichte Haidekraut und den hohen Ginster hinein krochen die Beiden. Die Dornen und spitzen Steine zerrissen ihnen die Hände, Srsicht und Knie, aber sie schienen ihren Ver- olgern vorerst entkommen zu sein, denn sie hören, wie diese sich trennten, um nach verschiedenen Richtungen die Haide zu durchstreifen. Dabei mußten die Reiter vorsichtig fein, denn Weg und Steg gab eS in der Haide nicht und leicht konnte ein Fehltritt des Pferdes dieses und ben Reiter zum Sturz bringen. Verttefnngen, sumpfige unb untergrabene Stellen, in benen selbst der Fuß eines Menschen versank und die einem Pferde ge- ährlich werden konnten, gab eS genug in der ^aibe. So schöpfte benn Karl neue Hoffnung, daß fie den Rand des Teufelsmoors eher erreichen würden. Da erhob stch auch schon daS Erlen-